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Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 220

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 24. August 1912. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

SimplizissimW-Stimmung?

Sturm und Kampf im Bayern-Parlament; der Kriegsminister «nd das Zentrum.

Während am Berliner Königsplatz und in der Prinz Albrechtstraße die Pforten der Par­lamentspaläste noch geschlossen sind, arbeitet derbahrifcheLandtag schon im Schweiße des Angesichts, und in der Hitze des Gefechts ist es gestern sogar zu einem regelrechten parla- mentarischen Sturm gekommen. In der Ab­geordnetenkammer des Landtags tobt nämlich seit zwei Tagen ein heftiger Kampf zwischen den Parteien, für den der Militäretat des bayrischen Kontingents den Vorwand abgeben muß. Dabei ereignete sich nun gestern ein scharfer Zusammenstoß zwischen dem Abgeord­neten Freiherrn von Franckenstein vom Zen­trum und dem Kriegsminijter Freiherr» Kreß von Kressenstein, weil der Abgeordnete von <Simplizissimus-Kultur im bah. rischen Offizierkorps" gesprochen und gesagt hatte, das Münchner Witzblatt, das Offiziere und Geistliche verhöhne, gehöre nickt in die Hand eines aktiven Offiziers. Natürlich nahm der Kriegsminister feine Offiziere in Schutz, bestritt die Exfftenz einer «Simplizissimus. Stimmung" im bayrischen Heer, bezeichnete den Angriff des Abgeordneten von Franckenstein als Verdächtigung (weshalb er sich eine Rüge des Vizepräsidenten Frank gefallen lassen mußte) und vergaß im Eifer des Gefechts ganz, dem Zentrumsmann wenigstens in der Ten­denz zuzustimmen. Denn es läßt sich nicht verkennen, daß der Jdeenkreis der Herren Th. Th. Heine, Gulbransson, Ratatöskr. Ludwig Thoma und andrer Paladine derSimvlizissi- mus-Kultur" mit der Weltauffassung,die im Offi- zirckorps herrscht, auch nicht die geringste Be- rührnng hat, und man kann den Zentrums­sprecher Franckenstein also nickt des blinden Eiferns zeihen, wenn er die Forderung auf­stellt, daß der Simplizissimus aus dem Bann­kreis der Armee fernzuhalten fei. Daß das Münchner Witzblatt vorzüglich redigiert ist, daß es geistig und künstlerisch Anspruch auf hohe Qualitätswertung erheben darf, soll nicht verkannt werden; aber diese Vorzüge, die im Dienst eines national-idealen Gedan­kens höchste Werte schaffen könnten, werden durch den Fanatismus der Idee, der die ganzeSimplizissimus-Kuliur" durchweht, durch den blinden Hatz wider einzelne Ge­sellschaftsklassen und durch die mitunter in der Freude am Grob-Rohen schwelgende K a m p - fes-Form in das Gegenteil verkehrt und dienen einer Tendenz, die den berechtigten In. teressen und Geboten bürgerlicher und staat­licher Ordnung zuwiderläust. Das alles hätte gestern der bayrische Kriegsminister vor deut Haus« der Landboten erklären dürfen, ohne den Bogen zu Überspannen, denn dieSimpli- zissimus-Stimmung", von der der Zentums- mann Franckenstein sprach, wäre, wenn sie wirklich existierte, eine ernste Gefahr, und es würde sich deshalb verlohnt haben, wenn der Kriegsminffter sich der Mühe unterzogen hätte, bündig und klar die Grenzlinie zu mar­kieren, die das Heer vom W>eenkreis der Simplizissimus-Kultur" trennt. »an.

*

Franckenstein und Kressenstein.

Der Kriegsminister gegen das Zentrum.

(Telegraphischer Bericht.)

München, 23. August.

Der Zentrumsabgeordnete Freiherr von Franckenstein fordert« gestern im Landtag in der fortgefetzten Beratung des Militäretats vom Kriegsminister, mit aller Schärfe den Er- latz durchzuführen, wie gegen jede Agita­tion der Sozialdemokratie im Heere strenge Maßnahmen zu ergreifen. Dabei ließ sich Herr von Franckenstein über die angebliche Simplizissimus . Stimmung im Offizierkorps aus. Von fozialdemokra- tifcher Seite tourte dann uner fortgesetzter stürmischer Heiterkeit dem Zentrum ein Regi. ster seiner Kompromisse mit ter Sozialdemo, hatte vorgehalten und dargetan, daß das Zen­trum noch vor wenigen Jahren nichts von der Gefährlichkeit der Sozialdemokraten wissen Wollte. Hierauf ergriff das Wort

Kriegsminister von Kreffenstein.

Meine Stellung zur Sozialdemokratie habe sch meines Erachtens genügend klar gekenn­zeichnet. Ich mische mich nicht in Ihre Partei­angelegenheiten; ich vertrete hier lediglich die militärischen Interessen der Armee und in de­ren Interesse weise ich den schweren Vorwurf, bett ter Abgeordnete Freiherr von Francken- ftein dem Offizierkorps gemacht hat, auf das allerentschiedenste zurück. (Bravo! links, Hört! Hört! rechts.) Er hat von Sim- vliriiiimuskultur aesprocken. der ein

großer Teil des bayrischen Offizierkorps hul­dige. Er hat auf einen Zuruf es ausdrücklich dahin revidiert, daß es sich nicht um das Lesen, nicht um das Halten des Blattes hantele, cs handle sich um die ganze Stimmung. Ich muß es auf das tiefste bedauern, daß eine der­artige Verdächtigung, die der Herr Abge­ordnete ... (Stürmisches Bravo! links, Unruhe und Bewegung rechts.)

Vizepräsident Frank: Ich möchte Seine Ex. zellenz ersuchen, dieses Wort nicht weiter zu gebrauchen. Der Kriegsminister untersteht ja nicht meiner Korrektur, ich möchte aber bemer­ken, daß ich einem Abgeordneten gegenüber die­ses Wort als nicht statthaft bezeichnet hätte.

Kriegsminister von Kreffenstein (fortfah­rend): ... wofür der Herr Abgeordnete auch nicht die Spur eines Beweises versucht hat.

Das bayerische Offizierkorps

hat, so glaube ich, dem Herrn Abgeordneten nicht im mindesten Anlaß aeaeben, an seiner Königstreue, Loyalität und seinem inneren Gehalt zu zweffeln ,und ich bin überzeugt, daß es in diesen Eigenschaften durch die Lektüre des Simplicissimus nicht wankend gemacht wird. (Sehr gut und Brava! links, hört, hört, rechts.) Der Abge­ordnete von Franckenstein hatte sich aber mit den Vorwürfen, die er der Armee und dem ganzen Ofizierskorps gemacht hat, nicht genü­gen lassen. Er hat auch mir in nicht mißzuver­stehender Weise seine Mißbilligung ausgespro­chen, daß ich die Aeußerungen des Abgeordne­ten Simon nicht in seinem Sinne zurückgewie­sen habe. Meine Ausführungen bewegten sich auf dem Boden der Reichsverfassung, die über die Frage der Kriegserklärung sich in einer ganz zweifellosen Weise aussprickt. Einen staatsrechtlichen Erkurs daran zu knüpfen, habe ich keine Veranlassung. Der Abgeordnete von Franckenstein ist auch neuerdings auf den heute bereits mehrfach erwähnten Erlaß zu sprechen gekommen; er hat von mir eine ausdrückliche Erklärung verlangt, daß ich mich mit diesem Erlaß identifiziere. Ich kann ihm nur erwi­dern. daß der Erlaß noch in Kraft ist, woraus zur GeMge hervorgeht. daß ich mit ihm einver­standen bin. Der Aufforderung bätte es wei­ter nickt bedurft. (Sehr richtig, links.l Eine Bemerkung des Abgeordneten Dr. Casselmann hat dann dem Abgeordneten von Franckenstein Veranlassung gegeben,

die Disziplin in der Armee

anzuzweffeln. Es ist mir nicht bekannt, welche Beobachtungen dem Abgeordneten von Fran- ckenstein zu diesen Aeußerungen Veranlassung gegeben haben. Ick glaube auch kaum, daß Sie erwarten, daß ich daraus Veranlassung zu einer hocknotpeinlichen Untersuchung nehmen werde. Sie werden mir daher gestafien. nach wie vor überzeugt zu sein, daß die Erlasse des Kriegsministeriums von den unterstellten Be­hörden strikte ausgeführt werden, in diesem Falle wie in iedem anderen. sLebhafies Bravo! links. Unruhe im Zentr.) Nack weiteren Ausführungen des Zentrums- abaeordneten Held, der sich wegen ter fortdau­ernden Unruhe im Hause und fortwährender Unterbrechungen durck die linke Seite des Hau­ses nur mit Mühe Gebör verschaffen kann, ist die Generaldebatte zu Ende. Der Abgeordnete von Franckenstein crflärte später: Ich nehme kein Wort von dem zurück, was ick gesagt habe. Durck die sozialdemokrattsche Presse, die in die Kaserne kommt, werden die Disziplin und die Liebe zum Königsbause untergraben. Der fo- zialdemokrafiscke Abgeordnete Rollwagen ruft unter ständig wacksender Unruhe links: Das ist eine Verleumdung! Er wird vom Präsidenten zur Ordnung berufen. Da Abge­ordneter von Franckenstein die Absicht hat, beute auf die gestrigen Bemerkungen des Kriegsmi­nisters zurückzukommen, wird die Auseinander­setzung zwiscken Krieasminister und Zentrum heute wahrscheinlich eine Forffetzung erfahren.

Brmckm, Mel.

Drei Berliner Groß-Defraudanten.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 23. August.

Der verhaftete Bankbeamte Friedrich Klatsch, der die Defraudation im Sckaaff- hausenschen Bankverein begangen hat, ist heute auf dem Polizeipräsidium in Gegenwart des Direktors des Schaaffhausenscken Bankvereins und eines Revisors weiter vernommen wor­den. Er hat bei dem heutigen, Verbör feinem gestrigen Geständnis nock vieles hinzugesügt. 73 000 Mark find nock für die Bank gerettet worden; wohin die anderen 50 000 Mark ge­kommen sind, ist noch unaufgeklärt: es sei denn, daß Klatsch, wie- er versickert, 50000 Mark innerhalb dreiviertel Jahren am Toto verspielt hat. Die Feststellungen darüber sind noch nickt abgeschlossen. (S. auch den Artikel in der Bei­lage.)

Brüning und Zobel auf See?

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus London: Die Polizei von Grimsby ist von der deutschen Regierung gebeten worden, alle ankommenden Dampfer zu beobachten,

da auf ihnen zwei Bankdiebe vermutet werden, die aus Berlin kommen, von wo sie nach Unterschlagung von insgesamt 380 000 Mark verschwunden sind. Auf die Ergreifung der Defraudanten ist eine Belohnung von 18 000 Mark ausgesetzt.. Es handelt sich hier um die beiden Defraudanten Brüning und Z e b e l, die nun schon seit Monaten gesucht werden, ohne daß es bisher gelungen ist, ihren Auf­enthalt zu ermitteln.

Eine halbe Million verschwunden!

Wie uns ein Privattelegramm aus Breslau berichtet, sind heute früh zwei Bor­standsmitglieder des Vorschußvereins in Groß-Nauendorf bei Neisse verhaftet wor­den. Die Verhafteten haben große Summen Bercinsgelder veruntreut und durch Spe­kulation verloren. Die Revision der Kaffe ist noch nicht abgeschlossen. Es sollen bereits Ver­untreuungen in Höhe von 320000 Mark awgedeckt sein, doch wird der Gesamtverlust auf mindesten eine halbe Million Mark geschätzt.

Sechs Millionen Flugspende!

Das Ergebnis der National-Flngspende.

Noch ist kein ganzes halbes Jahr verflossen, seit die Sammlungen des deutschen Volkes für die Nationalflugspende eingesetzt ha­ben. Aber es darf nun heute auf Grund siche­rer Berechnungen mitgeteilt werden, daß ihr Etträgnis ganz außerordentlich be­friedigend ist. In der letzten Zeit sind über die Höhe der erzielten Beträge in der Press« Angaben verschiedenster Art gemacht worden. Einmal wurde die Summe von vier­einhalb Millionen Mark genannt, die erreicht worden feitt sollte; dann wurde wieder erklärt, diese Summe stimme bei weitem nicht, das Erträgnis sei erheblich geringer und schließlich wurde erklärt, es lasse sich überhaupt noch kein Bild von den Erträgnissen machen. Jetzt nun liegen uns authentische Informati­onen über das Resultat der Sammlungen vor.

Flugspende und Blumentage.

(Von nnserm Korrespondenten.)

Berlin, 23. August,

Die schwankenden Mitteilungen Über das Ergebnis der Nationalflugspende er­klären sich daraus, daß die Sammelstellen und die Berliner Zentralstelle bis in die letzten Wo­chen hinein angestrengt tätig fein mutzten, um die bereits gezeichneten, aber noch nicht gezahl­ten Beträge einzuziehen. So lange noch nicht feststand, wieviel von den gezeichneten Summen wirklich eingehen würden, so lange konnten über die Höhe der Nattonalflugspende nur ungewisse Schätzungen vorgenommen werden. Es ist nun aber gelungen, nachdem auch die gezeich­neten Beträge nahezu restlos gezahlt worden sind, jetzt eine genaue Aufstellung über die gesamte Flugspente zu machen. Darüber darf authentisch mttgeieilt werden, datz ter Betrag von fünf Millionen Mark jetzt vollständigauf dem Tische" der Zentralstelle liegt, das heißt in den Tresors der Banken, die von ihr mit der vorläufigen Verwaltung der gesammelten Gelder betraut sind. Da in Frankreich nur dreieinhalb Millionen Mark ge­sammelt worden sind und weitere Einnahmen der französischen Flugspende zunächst nicht zu erwarten stehen, so übersteigt schon heute di« deutsche Sammlung die französische

um anderthalb Millionen.

Nun ist aber noch eine weitere Steigerung der Erträgnisse zu erwarten durch die Blumen- tage, die im Herbst für die Nattonalflug­spende veranstaltet werden und durch die Aus­gabe der Flugspendemedaille. Nach ziemlich sicheren und durchaus nicht opttmistischen Schät­zungen wird diese weitere Steigerung mit einer Million Mark.veranschlagt, sodaß das Gesamt-Ergebnis der Nattonalflugspende etwa sechs Millionen Mark erreichen wird. Das stellt der Opferwilligkeit des deut­schen Volkes ein hervorragendes Zeugnis aus und gibt eine Bürgschaft dafür, daß Deutsch­land in Stunden der Gefahr des Opfersinnes der Ratton jederzeit sicher fein kann. Beson­ders ist zu betonen, daß sich die deutsche Han­dels- und Jndustriewelt hervorragend an den Sammlungen beteiligt hat. Die Zahl ter gro­ßen Jndustttefirmen, von denen jede 50 000 Mark, ja einzelne sogar 100 000 Mark gezeich­net haben, tft gar nicht klein. Man ist sich auch in den maßgebenden Kreisen klar, daß der deutschen Presse für ihre rührig« Wer­betätigkeit ein Hauptverdienst an dem ehren­vollen Ergebnis der Nationalflugspende zufällt.

Eine Kundgebung an das Volk!

Wie uns weiter mitgeteilt wird, werden die Sammlungen für die Nattonalflugspende im Spätherbst abgeschlossen werden und es

wird dann «in Kuratorium gebildet, das aus Mitgliedern des General st abes, aus Technikern und Finanzleuten bestehen wird und das über die Verwendung und weitere Verwal­tung der Flugspende Beschlüffe zu fassen hat. Seitens der Reichsregierung wird dann eilte Kundgebung an das dcutfch« Volk ergehen, die die Unterschrift des Kaisers und des Reichskanzlers tragen und der Nation den Dank der leitenden Stellen für ihre Opferwillig- kcit aussprechen wird.

3m Kampf mit Verbrechern.

Bilder aus dem dunklen Oste«.

(Privat-Telegramm.)

Petersburg, 23. August.

In Cz'enstocha. u ermittelte die Polizei eine gefährliche Vevbrechorbande, die ihre Raubzüge bis nach Galizien ausdehnte. AIS di« Polizei gestern abend in das von der Ban­de bewohnte Haus eindranz, wurde sie von den Banditen mit Revolverschüssen emp­fangen. Alle Fenster und Türen des Hauses waren von bewaffneten Banditen besetzt, die sich «ist zurückzogen, als di« Polizei ein Schnellfeuer eröffnete. Nach dem Ein­treffen von Militär wurde ein Sturm auf das Hans unternommen. Zunächst wurden die Türen gesprengt. Auf einer Art von Ver­hau leisteten drei mit Revolvern und Geweh­ren bewaffnete Banditen verzweifelten Wider­stand. Erst nach etwa fünfzig Schüssen waren zwei von ihnen unschädlich gemacht, während der dritte entfloh. Nach blutigem Kamps« wur­den zwei ander« Banditen erschossen und fünf verhaftet. Die übrigen drei flohen durch das Fenster. Bei dem fronwf to't^w > b - rere Soldaten schwer verwundet. Im Hause fand man ein ganzes Waffenlager, sowie zahlreiche von Plünderungen und lieber, fällen herrührende Gegenstände, bereit Wert sich auf viele hunderttausend Rubel beziffert. Zn der Bande, bereit weitere Mitglieder und Hel­fershelfer noch gesucht werden, sollen auch meh- rere Polizeibeamte gehören, die mit bett Verbrechern gemeinsame Sache gemacht haben. Man ertoartet sensationelle Verhaftungen.

Die Matrosen vom Schwarzen Meer.

Ein weiteres Privat-Telegramm aus Petersburg meldet uttS: Die Unruhen unter den Matrosen der Schwarzen Meer- flotte scheinen eine« großen Umfang angenommen zu habe«. In den letzten Tagen wurden in Sebastopol mehrere hundert Verhaftungen vorgenommen, die aber die Meuterei nicht verhindern konnten, liebet die Vorgänge an Bord der einzelnen Kriegs­schiffe bewahrt das Marineministerium tiefstes Sttllfchweigen und auch die Zeitungen wagen kein Wort darüber zu veröffentlichen. Die Nach­richt über die Meuterei an Bord des Kreuzers Kagul" und dessen Vernichtung durch die- stengefchütze wird energisch bementiert.

Mongolenschlacht in der Mandschurei.

Privat-Depefchen aus Peking berichten uns: Nachrichten aus chinesischer Quelle zufolge find über zweitausend Mongolen in die Mandschurei eingefallen. Mit Maschinen­gewehren ausgerüstete chinesische Truppen auS Mulden haben die Mongolen am letzten Diens­tag angegriffen. Der Kampf dauerte fast zwei Tage «nd war außerordentlich blutig. Sowohl auf Seiten der Mongolen wie bei den Chinesen fielen viele Hundert Mann und die Zahl der Verwundeten ist ebenfalls außerordentlich groß. Nach zweitägigen Kämpfen gelang es schließlich den chinesischen Truppen, die Mongo­len über die Grenze zurückzutteiben.

Fürstinnen ab Witwen.

DieMesallianzen" fürstlicher Witwe«.

Die Herzogin Elisabeth von Genua, Mutter der Königin-Witwe Margherita und Großmutter des Königs Vittor Emanuel von Italien, die jetzt, zweiunbachtzig Jahre alt, ge­storben ist iinb von Geburt eine sächsische Prin­zessin war, ist nur weniger als fünf Jahre lang die Gemahlin bes italienischen Prinzen Fcrdi- nanb, Herzogs von Genua, gewesen; inzivil­rechtlicher" Beziehung, wenn man so sagen barf, hieß sie seit seckundfünfzig Jahren erst Madame und bann Marchesa Rapallo. Ter Herzog von Genua lag kaum lechs Jahre unter der Erbe, als sich seine schöne, hervor­ragend begabte und lebensfrohe Wttwe 1856 heimlich mit Niccolo Rapallo, einem ihrer Hofkavaliere, wieder vermählte und da­durch den heftigsten Zorn ihres Schwagers, des Re galantuomo" Viktor Emanuel des Zweiten, hervorrief, der ihr diesen Schritt erst nach ge­raumer Zeit verlieh, ihr dann aber alle fürst­lichen Rechte beließ und ihren zweiten Gatten zum Marchese erhöhte. Es ist in alter und in neuer Zeit ziemlich häufig vorgekommen, daß fürstliche Witwen eine zweite, und zwar «ine