Casseler Neueste NchrWeil
Caffeler Abendzeitung
$te «afieln Sleueften Nachrlchl-o ertoeinen wöchentlich iech-mal und ,war abeno». Der Abmmemenirvreis betragt monatlich W <Bfg. bei freier Zustellung tnS Saul Bestellungen werben teberjeit oon der Belchaft-flelle ober ben Boten entgegengenommen. Bruder et. B erlag und Redaktion! SchlachthoMratze 2S/30. Sprechstunden bei SRebattton nur oon 1 bi« 3 Uhr nachmittag». Sprechstunden bet Auskunft • Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag oon » bi» 8 Uhr abend« Berliner Vertretung: SW. Friedrichs» 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676
Hessische Abendzeitung
3nfertton»oretfe: Die sechSgefpaltene Zeile für einheimische »«schäft« 15 Psg., für aus- roärttge Inserate 25 Bf., Reklame,eile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung find die Saftetet Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnsertton»organ. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16. Telephon: Amt Morihplah 676.
Nummer 219
Fernsprecher 951 und 952.
• Freitag, 23. August 1912.
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang.
kswSr'so schön gewesen...!
Das neue Geduldspiel: Zeppelin - Besuch!
Der Zufall korrigiert zuweilen die bewährtesten Sprichwörter und die elementarsten Weisheiten der bekannten „ältesten Leute". Diesmal ist Cassel das Malheur Widerfahren, einer alten Regel Berichtigung erdulden zu müssen: Wir brauchen uns jetzt nicht mehr auf die Erkenntnis zu beschränken, daß aller guten Dinge drei sind, sondern dürfen mit Fug und Recht das gleiche auch von den üblen Dingen sagen. Enttäuschung führt mitunter zur Selbsterkenntnis, und da der Zeppelin-Besuch draußen auf dem zugigen Forst dreimal eine süße Hoffnung ohne dürftigste Erfüllung geblieben, dürfen wir uns wohl bescheiden und die Sehnsucht still im Bu- sen bergen. Daß aller schlimmen und üblen Dinge Drei sind, haben wir somit erfahren, und es ist sicher auch nur eine kümmerliche Milderung der Schicksalhärte, daß die vielen Tausende von Leidtragenden, die am zwölften und fünfzehnten Augusttag in den nebelkalten Morgenstunden emsig zum Forste strebten, mit stillem Neide sahen, wie freundlich und lieb die Vorsehung es mit der Großen Casseler Straßenbahn meinte, der zweimal der nickelne Regen ungezählter Zehnpfennigstücke stromstark in den Kassenschrank floß. Dieser Akt ausgleichender Schicksal-Gerechtigkeit mag an sich außerordentlich erfreulich sein, aber man hatte • in Cassel vom Zeppelin-Tag schließlich doch auch noch etwas andres erwartet, und nun, da die Hoffnung sacht verglimmt, sträubt man sich sogar gegen des guten alten Orckel Brästg wohl- wollend-tröstende Weisheit, daß unter Umständen des Einen Eule des Andern Nachtigall fein kann: Die Enttäuschung macht die Menschen bitter!
Daß der August dieses seltsamen Heilsjahrs sich in den Allüren des November gefällt, ist nicht unsre Schuld; Wind und Wetter entziehen sich leider immer noch der wohltätigen Fürsorge eines paragraphenmäßig geordneten Reglements und Graf Ferdinand Zeppelin ist zwar der Eroberer der Luft, aber nicht der Bezwinger der Elemente, deren Migräne-Launen vorerst von den Sterblichen noch erduldet werden müssen. Am zwölften, am fünfzehnten und am zweiundzwanzigsten August deckten den August-Himmel düstre Regenwolken, scharfer Wind fegte über die Flur und draußen auf dem Forst spielte der Herbst sein Präludium. Eine Luft-Fahrt bei diesen Witterungsverhältnissen wäre Leichtsinn gewesen, und man kann von der Fahrtleitung der Delag billigerweise nicht verlangen, daß sie der Rücksichtnahme auf die Sehnsucht der Casselaner die wichtigere Rücksicht auf Gewissen, und Pflichtgebot opfert. Die Fahrt Gotha-Cassel wäre vielleicht an einem der zwischen dem fünfzehnten und zweiundzwanzigsten August liegenden Tage (etwa am letzten Sonntag) zu ermöglichen 'gewesen, aber außer Cassel reflektierten auch noch andre Städte auf den Zeppelin-Besuch, und da die Fahrt-Dispositionen der Delag genau festgelegt sind, bleibt nichts andres übrig, als die Fahrt nach Cassel aus dem Programm zu streichen: Wir haben eben Pech!
Daß der August-Mond f o stürmisch, regennaß und düster vorüberziehen werde, ließ sich zur Lenzenzeit natürlich noch nicht ahnen; immerhin: Die Attraktion des Zeppelin-Be- fuchs 'hätte sich Cassel früher sichern können! Wir haben uns daran gewöhnt, „tot Nachtrab der Geschichte" zu marschieren, und das Interesse für den Besuch eines Zeppelin-Luftschiffs wurde in Cassel erst geweckt, als andre Städte das Ereignis schon fast wieder verges- fen hatten. Es hätte sich beispielsweise leicht ermöglichen lassen, während der Dauer der ILA in Frankfurt am Main Cassel den Besuch eines Luftschiffs zu sichern, und eine Ballon- oder Lustschiffahrt vom Main zur Fulda würde gewiß kaum weniger interessant gewesen sein, als di« Fahrt von Gotha gen Cassel im Gondelkorb der „Viktoria Luise". Damals indessen ist die Gelegenheit ungenutzt geblieben, trotz, dem auf der ILA das Lustschiff-Angebot für Passagierfahrten die Nachfrage merklich über, stieg und einige geplant gewesene Fahrten sogar mangels ausreichender Passagier-Beteiligung unterblieben. Eine zweite Gelegenheit zu einem Luftschissbejuch bot sich Cassel gelegentlich der UeberMrung des Zeppelinschiffs „Hansa" von Friedrichshafen nach Hamburg im Juli dieses Jahres. Damals hat sogar das kleine Göttingen es durch eigne Opferfreudigkeit vermocht, der Stadt ein interessantes Flug-Schauspiel zu sichern (eine Schleifenfahrt der „Hansa" über Göttingen), und man darf doch wohl sagen, daß Cassel sich von Göttingen nicht in den.Schatten drängen lassen sollte!
Wir sind (wieder einmal) unter den Letzten gewesen und die Enttäuschung, die wir erfahren, ist vielleicht eine heilsame Lehre. Daß das Interesse für den Besuch eines Luftschiffs in Cassel vorhanden war, hat die überraschend-große Anteilnahme an dem draußen auf dem Forst geplanten Schauspiel be. wiesen: Es bedurfte nur der Anregung, um das Interesse zu wecken und nutzbringend zu gestalten. Damit fft der Beweis erbracht, daß nicht etwa die Casseler Einwohnerschaft des Interesses für Dinge ermangelt, die uns den Fortschritt der Zeit sieghaft vors Auge führen, sondern daß es dort an der Initiative fehlt, wo man kluge Anregung und tat. kräftige Förderung fortschrittlicher Entwicklung sucht. Im Rat der Stadtväter war kürzlich einmal der Seufzer zu hören, daß Cassel „nirgends als Großstadt eingeschätzt werde": Die Klage scheint nicht unberechtgt, denn Cassel wird tatsächlich nicht als Großstadt gewertet; aber die Schuld daran tragen nicht Di«, die Cassel unterschätzen, sondern Dieseni. gen, die es unterlassen, der Hundertsechzigtausend-Stadt Cassel im Wettbewerb der deutschen Städte ihrer Bedeutung entsprechend Geltung zu verschaffen! Der dreimal angesagte, dreimal verschobene und nun endgültig abgesagte Besuch des Aeppelin-Kreuz«rs darf als «in weiteres Merkzeichen der „Landsturm-Tendenz" geschätzt werden, die bisher (leider) die Entwicklung Cassels zur Großstadt bestimmt hat, und von der wir alle hoffen, daß ihre schwüle Atmosphäre nun, da ein neuer Geist sich im Kommunalpalast an der Königsstraße regt, für ewig der Vergangenheit ange. hören möge! F. H.
Ein letzter Hoffnungsstrahl?
Als gestern abend bekannt wurde, daß das Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise" auch heute nicht nach Cassel kommen werde, setzten sich Oberbürgermeister Dr. Scholz und Verkehrsinspektor Weber vom Städtischen Verkehrs, amt sofort mit der „Delag" in Gotha in Verbindung, um zu erwirken, daß das Lufffchiff seinen Gothaer Aufenthalt um einen Tag verschiebt und die Landungsfahrt nach Cassel unternimmt. Von Cassel aus wurde gefordert, die Fahrt bestimmt auszufuhren, da sonst das Vertrauen in die Zeppelin-Luftschiffe erschüttert werden und außerdem auf eine fernere Unterstützung der Angelegenheit durch das Publikum nicht mehr gerechnet werden könne. Diese Verhandlungen waren um die heutige Mittagsstunde noch nicht abgeschlossen, wohl aber verhandelte Kapttän Blew, der Führer des Lustschiffs „Vittoria Luise", mit Dr. Eckener in dem Sinne, daß das Lufffchiff morgen (am Freitag) auf der bestimmt auszuführenden Rückkehr von Gotha nach Frankfurt a. M. «inen
Umweg über Cassel nimmt. Allerdings kann dann ein Passagier, wechsel nicht stattfinden; die Passagiere, di« in Gotha eingestiegen sind, bl«iben in der Kabine und genießen nur das seltene Schauspiel einer Zwischenlandung auf dem Caffeler Forst. Ein Schaden entsteht dadurch für die Passagiere nicht. Im Gegenteil: Für di« von hier bezahlten zweihundert Mark für di« Fahrt von Gotha nach Caffel können sie dann die große Fernfahrt Gotha-Cassel-Frankfutt a. M. unternehmen. Sollten die Verhandlungen in diesem Sinne zum Abschluß kommen, dann steigt das Luftschiff morgen früh anstatt um fünf Uhr erst um s e ch s U h r auf, nimmt nm halb acht Uhr auf dem Forst eine Zwischenlandung vor und fähtt dann sofort nach Frankfurt a. M. weiter. Für die ganze Fahrt sind unter normalen Verhältniffen f ün Stunden Fahrtdauer vorgesehen. Auf diese Art würden die Paffagiere sowohl als das Pu- blikum aus ihre Kosten kommen. Eine Enffchei- dung fft, wie gesagt, noch nicht getroffen worden.
Das Wetter am Freitag.
Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Freitag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Sehr veränderlich, kühl, zeitweise auffrischend« westliche Winde, einzelne Regenschauer. •
Petersburg, Paris, London.
Berlin wird nicht berührt:
(P r i v a t - T e l e a r a m m.) Petersburg, 22. August.
Ter Minister des Aeußern, Sfasanow, reist in Begleitung von Baron Schilling, dem Chef des Militärkabinetts, am siebzehnten September nach London ab. Er wird über
Parts nach Petersburg zurückkehren. Die Blätter verzeichnen mit Genugtuung die Tat- äche, daß der seit langer Zeit gehegte Wunsch Ssasanows, dem König Georg zu begegnen, nun verwirklicht werden wird. Sie drücken übereinstimmend die Hoffnung aus, daß die Besprechung, die er mit Sir Edward Grey haben wird, das Ergebnis haben werde, die persische Angelegenheit tatkräftig zu ördern und die Interessengemeinschaft und die reundschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland, England und Frankreich zu kräftigen. Ssasanows Reise sei eine Kundgabe für den neuen Dreibund.
Kein Anlaß zum Mitleids
Ein Nachruf für den Veteranen Dux.
Wir haben vor einigen Wochen über das tragische Ende des in Berlin am Spielplatz in der Düsseldorfer Straße verstorbenen alten Veteranen Dux berichtet, dessen Tragödie damals alle fühlenden Herzen ergriff. Der alte Mann fft bekanntlich an Entkräftung zugrunde gegangen, und es war nur ein schwacher Trost für das Mitleid, daß der die Leiche unter, suchende Arzt Herzschlag als Todesursache feststellte. Nun, nachdem Wochen vergangen, wird dem alten Veteranen von offiziöser Seite ein „Nachruf" gewidme'. der t>:« Schuld am Elend des Greifes vom Vaterland auf den nun Toten abzuwälzen versucht und das Mensch e n d r a m a aus der Menschenschuld erklären will.
Trinker, Bettler «nd Landstreicher?
In der in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erschienenen offiziösen Auslassung zum Fall Dux heißt es: Vor kurzem ging durch die Tagespreis« die Nachricht, daß der Veteran Dux auf der Straße in Berlin den Hungertod erlitten habe. An diese Mitteilung knüpfte ein Teil der Blätter mehr ober minder heftige Anklage gegen die betreffenden Stellen im Reiche, deren unzureichende Fürsorge für die alten Kriegsteilnehmer man mittelbar für den Tod des Dux verautwottlich machte. Mit Rücksicht auf bi« Erregung, die durch diese Zeitungsartikel in wette Kreise hin- eingetragen wurde, erschien es notwendig, hier kurz das Ergebnis der amtlichen Unter, suchungen mttzuteilen, die gleich nach dem Vorfälle eingeleitet wurden und jetzt abge- fchloffen worden sind. Dux war in seiner Heimat als Trinker, Bettler und Landstreicher bekannt. Seit mehr als zwanzig Jahren hielt er sich von seinen in Westfalen lebenden Angehörigen, seiner Ehefrau und meh- reren Söhnen fern und trieb sich von Ort zu Ort umher. Die Söhne hatten sich immer wieder erboten, für ihren Vater vollständig zu sorgen, doch waren alle Bemühungen, Dux zu Hause zurückzuhalten, oder zur Rück- kehr zu bewegen, vergeblich. Dux verließ stets von neuem di« Heimat, feine Familie
ohne jede Nachricht zurücklaffend, so daß dies« schon seit langer Zett von seinem Aufenthalt und seinem Ergehen keine Kenntnis hatte. Von 1889 bis 1911 war Dux nicht weniger als 76 mal wegen Bettelns und Landstreichens bestraft worden. Zwöl Jahre hatte er im Arbeitshaus zugebracht. Außerdem erlitt er verschiedene andere Strafen wegen Betrugs, Beleidigung, Sachbeschädigung und wurde zuletzt, noch Anfang 1911, wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Bis wenige Wochen vor seinem Tode befand sich Dux im Landkrankenhaus zu Hanau, wo er fett Ende 1911 auf Kosten des Landarmenverbandes verpflegt worden war. Die unmittelbare Ursache des Todes des Dux war ein Herzschlag, der auf Entkräftung, wie angenommen wurde, nicht zurückzuführen ist, da sich der Verstorbene laut ärztlicher Feststellung in einem guten Ernährungszustände befunden hat. Dux hatte nach Vorstehendem ganz allein seine Lage seiner Trunksucht und seiner unglücklichen Veranlagung zuzuschreiben, die ihn das ungeregelte Leben dem sorgenfreien Aufenthalt bei seinen Angehörigen vorziehen ließ. Zu einem besonderen Mitleid lag hiernach jedenfalls kein Anlaß vor ...!
9
Menschenschuld und Menschendrama.
Die offiziöse Erklärung zu der Tragödie Dux kommt reichlich spät. Daß der Tod des alten Mannes nicht auf Entkräftung zurückzu- fübren sein soll, ist eine Feststellung, die überrascht, denn wochenlang nach dem Vorfall ist die Annahme, daß Hunger und Rot das Ende des „Trinkers, Bettlers und Landstreichers" herbeigeführt haben, unwidersprochen geblieben, bis man jetzt (nach mehr als Mon- desfrist ü das Gegenteil ermittelt zu haben glaubt; jetzt, nachdem Dux langst in der Erde ruht. Daß' der Mann ein Printer und Land
streicher gewesen, mag möglich sein; er war aber auch ein Veteran, und wenn ihn schon das Laster gepackt hatte, wäre es Aufgabe der Stellen gewsen, denen die Fürsorge für die alten Krieger obliegt, mtt umso größerer Sorgfalt darüber zu Wachen, daß der Mann, der dem Vaterland in drei Kriegen treu gedient, nicht «lend auf der Sttaße endete. Zu „besonderem Mitleid" liegt also gerade im Falle Dux hinreichender Anlaß vor! -an,
Panik ans hoher See.
Der Dampfer Liamoue vor einem Riff!
(Privat-Telegram m.)
Paris, 22. August.
Eine furchtbare Panik brach gestern abend an Bord des Dampfers „Liamone" aus. Das Schiff hatte um fünf Uhr den Hafen von Marseille verlassen. Es herrschte dichter Nebel. Nach einer Fahtt von einigen Stunden flgnalisiette der Ausguck plötzlich in einer Entfernung von nur fünftmdzwanzig Metern einen Spitzberg. An Bord entstand eine furchtbare Panik unter den Passagieren. Viele Reisende brachen ohnmächtig zusammen. Dank der Kaltblüttgkeit und der Energie des Kapitäns und der Mannschaft wurde das Schiff zwei Meter vor dem Felsen zum Stillstand gebracht, wodurch eine schwere Katastrophe verhindert wurde. Es handelt sich um den Spitzenberg auf der Insel Maire, wo sich vor einer Reihe von Jahren die Katastrophe des „giban" zugetragen hat, der damals an dem Riff strandete und unterging. Auch gestern würde eine verhängnisvolle Katastrophe unvermeidlich gewesen sein, wenn es nicht dank der musterhaften Ordnung und Disziplin der Besatzung möglich gewesen wäre, im Augenblick höchster Gefahr das Schiff zum Sttllstand zu bringen. Infolge des dichten Nebels hatte der „Liamone" den Kurs verloren und war von der Fahrtlinie abgetrieben worden. Der Kapitän erklärte, daß bei der geringsten Störung in der Ausführung der Maschinen-Manöver eine Katastrophe nicht hätte verhindett werden können, da der „Liamone" sich im Augenblick, als das Riff gesichtet wurde, in voller Fahrt befand.
Eisberge im Atlarrtte.
Ein Privat-Telegramm meldet nn? aus London: Der ttansatlanttsche Passagier- dampfer „Korsika«", der am zwölften August mit einem Eisberg zusammengestoßen ist, traf gestern mit einem großen, tm Schiffsrumpf über der Wasserlinie befindlichen Leck in Liverpool ein. Die Passagiere berichteten, daß sie von dem heftigen Anprall fast aus den Betten gefchleudett wurden. Es herrschte eine große Panik an Bord. Die Boote wurden bemannt, bis es sich heraus- stellte, daß keine Gefahr vorlag. Hundert Tonnen Eis fielen auf Deck.
Ein neues Olhmpie-Angluck.
«en aus Cherbourg (Frankreich) ß der Riesen-Dampfer „O l Y m p i c" der White Star Sine während der Ueberfafirt von Newyork nach Cherbourg eine Schraube verloren hat und deshalb seine Reise sich um einen Tag verzögern wird. Die „Olympic" wird am Sonnabend in Plymouth eintreffen und in Cherbourg nicht anlegen. Die „Olym- pic" ist bekanntlich das Schwesterschiff des verunglückten Riesendampfers „Titanic". Auch die „Olympic" ist bereits wiederholt von Unfällen betroffen worden, kürzlich erst bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Newyork.
William $oot65 Roma«.
„Großer Organisator nnd treuer Freund." Ein Privat . Telegramm meldet uns aus London: General B o o 16 wird gegen Mitte nächster Woche an der Seite seiner vor zweinnd- zwanzig Jahren verstorbenen Frau in Abney Park zu Dtok Newingwn beigesetzt werden. König Georg sagt in seiner BeilechSknndgebung an den Sohn des Generals: Die Nation hat einen großen Organisator und die Armen haben einen warmherzigen, treuen Freund ver- loten, der fein Lebe« dem Ziele widmete, ihnen wirllich durch die Tat zu helfen. Erst die Nachwelt wird ganz erkennen, wie viel Gutes er seinen Mitmenschen gebracht hat.
Einen Roman, wie ihn dieLebensgeschrch. te des Generals Booth darstellt, har nie die Phantasie eines Romandichters erpan-ben, und wenn er ihn erfunden hätte, jo würde ma« ihn der schieren Unglaubwüroigleit geziehen- haben. Der Held biefeg Romans hat als Lehr!ing bei einem Pfaaoleiher in Nottingham begonnen, und sein Leben be- schlossen als ber Leiter der riesenhajicsten, so- rialen Liebesorganisation der Wei', wie allein in England im Laufe eines Jahres mehr als