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Casseler Neueste NchrWeil

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 219

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 23. August 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

kswSr'so schön gewesen...!

Das neue Geduldspiel: Zeppelin - Besuch!

Der Zufall korrigiert zuweilen die bewähr­testen Sprichwörter und die elementarsten Weisheiten der bekanntenältesten Leute". Diesmal ist Cassel das Malheur Widerfah­ren, einer alten Regel Berichtigung erdulden zu müssen: Wir brauchen uns jetzt nicht mehr auf die Erkenntnis zu beschränken, daß aller guten Dinge drei sind, sondern dürfen mit Fug und Recht das gleiche auch von den üb­len Dingen sagen. Enttäuschung führt mit­unter zur Selbsterkenntnis, und da der Zep­pelin-Besuch draußen auf dem zugigen Forst dreimal eine süße Hoffnung ohne dürftigste Erfüllung geblieben, dürfen wir uns wohl bescheiden und die Sehnsucht still im Bu- sen bergen. Daß aller schlimmen und üblen Dinge Drei sind, haben wir somit erfahren, und es ist sicher auch nur eine kümmerliche Milderung der Schicksalhärte, daß die vielen Tausende von Leidtragenden, die am zwölften und fünfzehnten Augusttag in den nebelkalten Morgenstunden emsig zum Forste strebten, mit stillem Neide sahen, wie freundlich und lieb die Vorsehung es mit der Großen Casseler Straßenbahn meinte, der zweimal der nickelne Regen ungezählter Zehnpfennigstücke stromstark in den Kassenschrank floß. Dieser Akt ausglei­chender Schicksal-Gerechtigkeit mag an sich au­ßerordentlich erfreulich sein, aber man hatte in Cassel vom Zeppelin-Tag schließlich doch auch noch etwas andres erwartet, und nun, da die Hoffnung sacht verglimmt, sträubt man sich sogar gegen des guten alten Orckel Brästg wohl- wollend-tröstende Weisheit, daß unter Um­ständen des Einen Eule des Andern Nachtigall fein kann: Die Enttäuschung macht die Men­schen bitter!

Daß der August dieses seltsamen Heilsjahrs sich in den Allüren des November gefällt, ist nicht unsre Schuld; Wind und Wetter entzie­hen sich leider immer noch der wohltätigen Fürsorge eines paragraphenmäßig geordneten Reglements und Graf Ferdinand Zeppelin ist zwar der Eroberer der Luft, aber nicht der Be­zwinger der Elemente, deren Migräne-Launen vorerst von den Sterblichen noch erduldet wer­den müssen. Am zwölften, am fünfzehnten und am zweiundzwanzigsten August deckten den August-Himmel düstre Regenwolken, scharfer Wind fegte über die Flur und draußen auf dem Forst spielte der Herbst sein Präludium. Eine Luft-Fahrt bei diesen Witterungsverhältnissen wäre Leichtsinn gewesen, und man kann von der Fahrtleitung der Delag billigerweise nicht verlangen, daß sie der Rücksichtnahme auf die Sehnsucht der Casselaner die wichtigere Rück­sicht auf Gewissen, und Pflichtgebot opfert. Die Fahrt Gotha-Cassel wäre vielleicht an einem der zwischen dem fünfzehnten und zweiund­zwanzigsten August liegenden Tage (etwa am letzten Sonntag) zu ermöglichen 'gewesen, aber außer Cassel reflektierten auch noch andre Städte auf den Zeppelin-Besuch, und da die Fahrt-Dispositionen der Delag genau festge­legt sind, bleibt nichts andres übrig, als die Fahrt nach Cassel aus dem Programm zu streichen: Wir haben eben Pech!

Daß der August-Mond f o stürmisch, regen­naß und düster vorüberziehen werde, ließ sich zur Lenzenzeit natürlich noch nicht ahnen; immerhin: Die Attraktion des Zeppelin-Be- fuchs 'hätte sich Cassel früher sichern können! Wir haben uns daran gewöhnt,tot Nach­trab der Geschichte" zu marschieren, und das Interesse für den Besuch eines Zeppelin-Luft­schiffs wurde in Cassel erst geweckt, als andre Städte das Ereignis schon fast wieder verges- fen hatten. Es hätte sich beispielsweise leicht ermöglichen lassen, während der Dauer der ILA in Frankfurt am Main Cassel den Besuch eines Luftschiffs zu sichern, und eine Ballon- oder Lustschiffahrt vom Main zur Fulda würde ge­wiß kaum weniger interessant gewesen sein, als di« Fahrt von Gotha gen Cassel im Gon­delkorb derViktoria Luise". Damals indessen ist die Gelegenheit ungenutzt geblieben, trotz, dem auf der ILA das Lustschiff-Angebot für Passagierfahrten die Nachfrage merklich über, stieg und einige geplant gewesene Fahrten so­gar mangels ausreichender Passagier-Beteili­gung unterblieben. Eine zweite Gelegenheit zu einem Luftschissbejuch bot sich Cassel gele­gentlich der UeberMrung des Zeppelinschiffs Hansa" von Friedrichshafen nach Hamburg im Juli dieses Jahres. Damals hat sogar das kleine Göttingen es durch eigne Opferfreu­digkeit vermocht, der Stadt ein interessantes Flug-Schauspiel zu sichern (eine Schleifenfahrt derHansa" über Göttingen), und man darf doch wohl sagen, daß Cassel sich von Göttingen nicht in den.Schatten drängen lassen sollte!

Wir sind (wieder einmal) unter den Letzten gewesen und die Enttäuschung, die wir erfahren, ist vielleicht eine heilsame Lehre. Daß das Interesse für den Besuch eines Luft­schiffs in Cassel vorhanden war, hat die überraschend-große Anteilnahme an dem drau­ßen auf dem Forst geplanten Schauspiel be. wiesen: Es bedurfte nur der Anregung, um das Interesse zu wecken und nutzbringend zu gestalten. Damit fft der Beweis erbracht, daß nicht etwa die Casseler Einwohner­schaft des Interesses für Dinge ermangelt, die uns den Fortschritt der Zeit sieghaft vors Auge führen, sondern daß es dort an der Initia­tive fehlt, wo man kluge Anregung und tat. kräftige Förderung fortschrittlicher Entwick­lung sucht. Im Rat der Stadtväter war kürz­lich einmal der Seufzer zu hören, daß Cassel nirgends als Großstadt eingeschätzt werde": Die Klage scheint nicht unberechtgt, denn Cassel wird tatsächlich nicht als Großstadt ge­wertet; aber die Schuld daran tragen nicht Di«, die Cassel unterschätzen, sondern Dieseni. gen, die es unterlassen, der Hundertsechzig­tausend-Stadt Cassel im Wettbewerb der deut­schen Städte ihrer Bedeutung entsprechend Geltung zu verschaffen! Der dreimal ange­sagte, dreimal verschobene und nun endgültig abgesagte Besuch des Aeppelin-Kreuz«rs darf als «in weiteres Merkzeichen derLand­sturm-Tendenz" geschätzt werden, die bisher (leider) die Entwicklung Cassels zur Großstadt bestimmt hat, und von der wir alle hoffen, daß ihre schwüle Atmosphäre nun, da ein neuer Geist sich im Kommunalpalast an der Königs­straße regt, für ewig der Vergangenheit ange. hören möge! F. H.

Ein letzter Hoffnungsstrahl?

Als gestern abend bekannt wurde, daß das Zeppelin-LuftschiffViktoria Luise" auch heute nicht nach Cassel kommen werde, setzten sich Ober­bürgermeister Dr. Scholz und Verkehrs­inspektor Weber vom Städtischen Verkehrs, amt sofort mit derDelag" in Gotha in Ver­bindung, um zu erwirken, daß das Lufffchiff seinen Gothaer Aufenthalt um einen Tag verschiebt und die Landungsfahrt nach Cassel unternimmt. Von Cassel aus wurde gefordert, die Fahrt bestimmt auszufuhren, da sonst das Vertrauen in die Zeppelin-Luftschiffe erschüttert werden und außerdem auf eine fer­nere Unterstützung der Angelegenheit durch das Publikum nicht mehr gerechnet werden könne. Diese Verhandlungen waren um die heutige Mittagsstunde noch nicht abgeschlossen, wohl aber verhandelte Kapttän Blew, der Führer des LustschiffsVittoria Luise", mit Dr. Eckener in dem Sinne, daß das Lufffchiff morgen (am Freitag) auf der bestimmt auszu­führenden Rückkehr von Gotha nach Frankfurt a. M. «inen

Umweg über Cassel nimmt. Allerdings kann dann ein Passagier, wechsel nicht stattfinden; die Passagiere, di« in Gotha eingestiegen sind, bl«iben in der Kabine und genießen nur das seltene Schauspiel einer Zwischenlandung auf dem Caffeler Forst. Ein Schaden entsteht dadurch für die Passagiere nicht. Im Gegenteil: Für di« von hier bezahlten zweihundert Mark für di« Fahrt von Gotha nach Caffel können sie dann die große Fernfahrt Gotha-Cassel-Frankfutt a. M. unternehmen. Sollten die Verhandlungen in diesem Sinne zum Abschluß kommen, dann steigt das Luftschiff morgen früh anstatt um fünf Uhr erst um s e ch s U h r auf, nimmt nm halb acht Uhr auf dem Forst eine Zwischen­landung vor und fähtt dann sofort nach Frankfurt a. M. weiter. Für die ganze Fahrt sind unter normalen Verhältniffen f ün Stunden Fahrtdauer vorgesehen. Auf diese Art würden die Paffagiere sowohl als das Pu- blikum aus ihre Kosten kommen. Eine Enffchei- dung fft, wie gesagt, noch nicht getroffen worden.

Das Wetter am Freitag.

Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Freitag für Hessen-Nassau fol­gende Witterung voraus: Sehr veränderlich, kühl, zeitweise auffrischend« westliche Winde, einzelne Regenschauer.

Petersburg, Paris, London.

Berlin wird nicht berührt:

(P r i v a t - T e l e a r a m m.) Petersburg, 22. August.

Ter Minister des Aeußern, Sfasanow, reist in Begleitung von Baron Schilling, dem Chef des Militärkabinetts, am siebzehnten Sep­tember nach London ab. Er wird über

Parts nach Petersburg zurückkehren. Die Blätter verzeichnen mit Genugtuung die Tat- äche, daß der seit langer Zeit gehegte Wunsch Ssasanows, dem König Georg zu begeg­nen, nun verwirklicht werden wird. Sie drücken übereinstimmend die Hoffnung aus, daß die Besprechung, die er mit Sir Edward Grey ha­ben wird, das Ergebnis haben werde, die persische Angelegenheit tatkräftig zu ördern und die Interessengemeinschaft und die reundschaftlichen Beziehungen zwischen Ruß­land, England und Frankreich zu kräftigen. Ssasanows Reise sei eine Kundgabe für den neuen Dreibund.

Kein Anlaß zum Mitleids

Ein Nachruf für den Veteranen Dux.

Wir haben vor einigen Wochen über das tragische Ende des in Berlin am Spielplatz in der Düsseldorfer Straße verstorbenen alten Veteranen Dux berichtet, dessen Tragödie damals alle fühlenden Herzen ergriff. Der alte Mann fft bekanntlich an Entkräftung zugrunde gegangen, und es war nur ein schwacher Trost für das Mitleid, daß der die Leiche unter, suchende Arzt Herzschlag als Todesursache feststellte. Nun, nachdem Wochen vergangen, wird dem alten Veteranen von offiziöser Seite einNachruf" gewidme'. der t>:« Schuld am Elend des Greifes vom Vaterland auf den nun Toten abzuwälzen versucht und das Men­sch e n d r a m a aus der Menschenschuld erklären will.

Trinker, Bettler «nd Landstreicher?

In der in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erschienenen offiziösen Auslassung zum Fall Dux heißt es: Vor kurzem ging durch die Tagespreis« die Nachricht, daß der Veteran Dux auf der Straße in Berlin den Hungertod erlitten habe. An diese Mitteilung knüpfte ein Teil der Blätter mehr ober minder heftige Anklage gegen die betref­fenden Stellen im Reiche, deren unzureichende Fürsorge für die alten Kriegsteilnehmer man mittelbar für den Tod des Dux verautwottlich machte. Mit Rücksicht auf bi« Erregung, die durch diese Zeitungsartikel in wette Kreise hin- eingetragen wurde, erschien es notwendig, hier kurz das Ergebnis der amtlichen Unter, suchungen mttzuteilen, die gleich nach dem Vorfälle eingeleitet wurden und jetzt abge- fchloffen worden sind. Dux war in seiner Hei­mat als Trinker, Bettler und Land­streicher bekannt. Seit mehr als zwanzig Jahren hielt er sich von seinen in Westfalen le­benden Angehörigen, seiner Ehefrau und meh- reren Söhnen fern und trieb sich von Ort zu Ort umher. Die Söhne hatten sich immer wie­der erboten, für ihren Vater vollständig zu sorgen, doch waren alle Bemühungen, Dux zu Hause zurückzuhalten, oder zur Rück- kehr zu bewegen, vergeblich. Dux verließ stets von neuem di« Heimat, feine Familie

ohne jede Nachricht zurücklaffend, so daß dies« schon seit langer Zett von seinem Aufenthalt und seinem Ergehen keine Kenntnis hatte. Von 1889 bis 1911 war Dux nicht we­niger als 76 mal wegen Bettelns und Landstreichens bestraft worden. Zwöl Jahre hatte er im Arbeitshaus zuge­bracht. Außerdem erlitt er verschiedene andere Strafen wegen Betrugs, Beleidigung, Sachbe­schädigung und wurde zuletzt, noch Anfang 1911, wegen gefährlicher Körperver­letzung zu zehn Monaten Gefängnis verur­teilt. Bis wenige Wochen vor seinem Tode befand sich Dux im Landkrankenhaus zu Ha­nau, wo er fett Ende 1911 auf Kosten des Landarmenverbandes verpflegt worden war. Die unmittelbare Ursache des Todes des Dux war ein Herzschlag, der auf Entkräftung, wie angenommen wurde, nicht zurückzu­führen ist, da sich der Verstorbene laut ärzt­licher Feststellung in einem guten Ernäh­rungszustände befunden hat. Dux hatte nach Vorstehendem ganz allein seine Lage seiner Trunksucht und seiner unglücklichen Veran­lagung zuzuschreiben, die ihn das ungeregelte Leben dem sorgenfreien Aufenthalt bei seinen Angehörigen vorziehen ließ. Zu einem beson­deren Mitleid lag hiernach jedenfalls kein Anlaß vor ...!

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Menschenschuld und Menschendrama.

Die offiziöse Erklärung zu der Tragödie Dux kommt reichlich spät. Daß der Tod des alten Mannes nicht auf Entkräftung zurückzu- fübren sein soll, ist eine Feststellung, die über­rascht, denn wochenlang nach dem Vorfall ist die Annahme, daß Hunger und Rot das Ende desTrinkers, Bettlers und Landstrei­chers" herbeigeführt haben, unwidersprochen geblieben, bis man jetzt (nach mehr als Mon- desfrist ü das Gegenteil ermittelt zu haben glaubt; jetzt, nachdem Dux langst in der Erde ruht. Daß' der Mann ein Printer und Land­

streicher gewesen, mag möglich sein; er war aber auch ein Veteran, und wenn ihn schon das Laster gepackt hatte, wäre es Aufgabe der Stellen gewsen, denen die Fürsorge für die alten Krieger obliegt, mtt umso größerer Sorgfalt darüber zu Wachen, daß der Mann, der dem Vaterland in drei Kriegen treu ge­dient, nicht «lend auf der Sttaße endete. Zu besonderem Mitleid" liegt also gerade im Falle Dux hinreichender Anlaß vor! -an,

Panik ans hoher See.

Der Dampfer Liamoue vor einem Riff!

(Privat-Telegram m.)

Paris, 22. August.

Eine furchtbare Panik brach gestern abend an Bord des DampfersLiamone" aus. Das Schiff hatte um fünf Uhr den Hafen von Marseille verlassen. Es herrschte dichter Nebel. Nach einer Fahtt von einigen Stun­den flgnalisiette der Ausguck plötzlich in einer Entfernung von nur fünftmdzwanzig Metern einen Spitzberg. An Bord entstand eine furchtbare Panik unter den Passagieren. Viele Reisende brachen ohnmächtig zusammen. Dank der Kaltblüttgkeit und der Energie des Kapitäns und der Mannschaft wurde das Schiff zwei Meter vor dem Felsen zum Stillstand ge­bracht, wodurch eine schwere Katastrophe verhindert wurde. Es handelt sich um den Spitzenberg auf der Insel Maire, wo sich vor einer Reihe von Jahren die Katastrophe des giban" zugetragen hat, der damals an dem Riff strandete und unterging. Auch gestern würde eine verhängnisvolle Katastrophe unver­meidlich gewesen sein, wenn es nicht dank der musterhaften Ordnung und Disziplin der Be­satzung möglich gewesen wäre, im Augenblick höchster Gefahr das Schiff zum Sttllstand zu bringen. Infolge des dichten Nebels hatte der Liamone" den Kurs verloren und war von der Fahrtlinie abgetrieben worden. Der Kapi­tän erklärte, daß bei der geringsten Störung in der Ausführung der Maschinen-Manöver eine Katastrophe nicht hätte verhindett werden können, da derLiamone" sich im Augenblick, als das Riff gesichtet wurde, in voller Fahrt befand.

Eisberge im Atlarrtte.

Ein Privat-Telegramm meldet nn? aus London: Der ttansatlanttsche Passagier- dampferKorsika«", der am zwölften August mit einem Eisberg zusammenge­stoßen ist, traf gestern mit einem großen, tm Schiffsrumpf über der Wasserlinie befindlichen Leck in Liverpool ein. Die Passagiere berich­teten, daß sie von dem heftigen Anprall fast aus den Betten gefchleudett wurden. Es herrschte eine große Panik an Bord. Die Boote wurden bemannt, bis es sich heraus- stellte, daß keine Gefahr vorlag. Hundert Ton­nen Eis fielen auf Deck.

Ein neues Olhmpie-Angluck.

«en aus Cherbourg (Frankreich) ß der Riesen-DampferO l Y m p i c" der White Star Sine während der Ueberfafirt von Newyork nach Cherbourg eine Schraube verloren hat und deshalb seine Reise sich um einen Tag verzögern wird. DieOlympic" wird am Sonnabend in Plymouth eintreffen und in Cherbourg nicht anlegen. DieOlym- pic" ist bekanntlich das Schwesterschiff des ver­unglückten RiesendampfersTitanic". Auch die Olympic" ist bereits wiederholt von Unfäl­len betroffen worden, kürzlich erst bei der Aus­fahrt aus dem Hafen von Newyork.

William $oot65 Roma«.

Großer Organisator nnd treuer Freund." Ein Privat . Telegramm meldet uns aus London: General B o o 16 wird gegen Mitte nächster Wo­che an der Seite seiner vor zweinnd- zwanzig Jahren verstorbenen Frau in Abney Park zu Dtok Newingwn bei­gesetzt werden. König Georg sagt in seiner BeilechSknndgebung an den Sohn des Generals: Die Nation hat einen großen Organisator und die Armen haben einen warm­herzigen, treuen Freund ver- loten, der fein Lebe« dem Ziele wid­mete, ihnen wirllich durch die Tat zu helfen. Erst die Nachwelt wird ganz erkennen, wie viel Gutes er seinen Mitmenschen gebracht hat.

Einen Roman, wie ihn dieLebensgeschrch. te des Generals Booth darstellt, har nie die Phantasie eines Romandichters erpan-ben, und wenn er ihn erfunden hätte, jo würde ma« ihn der schieren Unglaubwüroigleit geziehen- haben. Der Held biefeg Romans hat als Lehr!ing bei einem Pfaaoleiher in Nottingham begonnen, und sein Leben be- schlossen als ber Leiter der riesenhajicsten, so- rialen Liebesorganisation der Wei', wie allein in England im Laufe eines Jahres mehr als