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Casseler NM Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 218.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 22. August 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Bitt Stückchen Weltgeschichte.

Gallus-, Vlauholz- und Farbstoff-Tinte.

Schade drum: Hätte der alte Vater Ox« n. stierna noch das Jahr neunzchnhumdert- zwölf erleben dürfen, dann wäre uns vermut­lich jener üble Brief erspart geblieben, in dem der alte Herr seinen Sohn darüber unterrichtet, daß die Triebkraft der Weltgeschichte nicht immer die Weisheit ist. Denn in diesem Jahre des Heils und des Regens ist der Beweis er­bracht worden, daß Oxenstierna's greisenhaft- pessimistisches Wort der Berechtigung erman­gelt, und es Ist das Verdienst des Herrn Theo­bald von Bethmann Holl weg, diesen durch Jahrhunderte wie eine Offenbarung ge- fchützteu Irrtum eines alten Mannes für alle Zeit korrigiert zu haben. Weltgeschichte braucht nicht im Donner der Kanonen ihren Widerhall zu finden; sie bedarf weder verschwiegner Di- plomatenkunst noch starker Völker-Regung: Es genügt, daß ein stiller einsamer Mann sich müht, seinem Jahrhundert und seiner Arbeit ein unvergänglich Denkmal zu setzen. Und dies Denkmal der Aera Bethmann Hollweg ist nun aufgeschichtet; nicht aus protzendem Marmel­stein oder glitzerndem Erz, sondern ans dem edlen Stoff, der feit Gutenbergs Tagen die größten aller' Gedanken und Ideale trägt: Aus Papier! Und es ziemt sich, diesen Merkstein allerneuester Geschichte des zwanzig­sten Jahrhunderts nach dem Matz seines Kul­turwerts zu würdigen.

Des Kanzlers Tat ist ein Erlatz über die Grundsätze, die im Bereich der Monarchie bei der Anwendung von ... Tinte im Amtbe- trirb Beachtung zu fordern haben, und wir er­sehen aus diesem Erlaß (den außer Herrn von Hethmann Hollweg sämtliche Angehörige des homogenen Kabinetts unterzeichnet haben), ^6 es durchaus nicht gleichgültig ist, ob ein Dokument, das in fernen Tagen-noch unterm schütz des Aktendeckels vom Werk des Jahres neunzeh-nhundertzwölf Zeugnis ablegen soll mtt Eisengallus-, Blauholz- oder Farbstoff. Tinte aufs Papier gemalt worden ist. Be- sondre Sorgfalt wendet der Erlatz der Beseiti­gung des Uebels zu, dessen fatale Wirkungen sicher ein Jeder von uns schon selbst erfahren haben wird: Wenn die idealsten Gedanken im klebrigen Tintenfaft müd und matt versinken! Herr von Bethmann Hollweg kennt die Ge­fahr dieses Klebens, und sein Erlaß widmet deshalb grade diesem Kapitel eine besonders eingehende Erörterung. Ueberhaupt zeichnet sich die Verfügung des Kanzlers durch eine Tiefgründigkeit in der Beherrschung der Ma. terie aus, die Staunen weckt, und man'hlt ordenttich Bedauern darüber, daß all die­ser achtunggebietende Aufwand von Geist, Witz und Hirnkraft lediglich dazu dient, Gallus-, Blauholz- und Farbstoff-Tinten im innersten Wesen ihrer Naturgeschichte dem Verständnis der Zeitgenossen näher zu dringen.

Eine KulMttat bleibt's indessen trotz­dem, und der verbissenste Nörgler wird nicht das Gegenteil zu beweisen vermögen. Ein Weiser des Abendlands hat einmal die Tinte dasBlut der Weltgeschichte und Kultur" ge­nannt, und da wir uns daran gewöhnt haben, diese These als Tatsache zu schätzen, kann es naturgemäß auch nicht gleichgilttg sein, ob das Blut der Weltgeschichte" aus Eisengallus, Blauholz oder Farben-Chemikalien fabriziert wird. Der Erlaß des Kanzlers hat also un­zweifelhaft einem dringenden Bedürfnis Rech­nung getragen, und wenn wir nächstens die Feder ins Tintenfaß tauchen, werden wir uns stets dankbar des genialen Mannes erinnern müssen, der dasProblem der Tinte" herzhaft und weise gelöst hat. Das Ereignis dieser Tat ward in den regen-nassen Augusttagen geboren, nach des Kanzlers Heimkehr vom Zarenland, und da uns von Herrn Alfred von Kiderlen sowohl wie von den Posaunenengeln offiziöser Meinung erzählt worden ist, die Kanzler-Fahrt durchs Reich der Reuhen habe alle Wölkchen vom deutsch-russischen Himmel gescheucht und dem Völkerfrieden neue Garantien geworben, so dürfen wir vielleicht in dem Tinten-Erlaß den sichtbaren Niederschlag all dieser Hoffnun­gen und Segnungen erblicken, deren Sein und Werden fast noch dunkler ist. als das Erzeug­nis der Eisengallus- oder Blauholz-Extraktion.

Wir wissen nun, was wir von der Tinte zu halten haben, nachdem der Erlatz des Kanz­lers uns alle Licht- und Schattensetten des Eisengallus, des Blauholzes und der Farb- ch«nikalien entschleiert hat. Zu erfragen bliebe nur noch, wie wir es anzusangen haben, aus der Tinte herauszukommen, in die die Po­litik der letzten Jahre uns munter hineinge­führt hat, und es wäre sicher eine ideale Krö­

nung seines Werks, wenn Herr von Bethmann Hollweg dem Erlaß über Eisengallus-, Blau­holz-, klebrige und nichb-klebrige Tinten einen zw eiten folgen lassen würde, in dem er mit derselben Gründlichkeit und opferfteudigen Hingabe uns erzählte, wir einige andre Fra­gen, deren Dringlichkeit die des Timien-Pro- blems noch um ein weniges überragt, befrie­digender Lösung entgegenzuführen seien. Steuer.Reform, Wahlrechts-Pro­blem, Veteranen - Versorgung, Teuerungs-Bekämpfung, Reform der Diplomatie und Festigung unsrer internationalen Politik: Das alles sind Dinge, die in der Werffchätzung den Vergleich mit der Kanzler-Tinte nicht zu scheuen brauchen, deren Lösung indessen bis­her, dringlicherer Geschäfte wegen, verschoben worden ist. Nun aber, da selbst das Tinten- faß Gegenstand exzellenter Sorge geworden, dürfen wir hoffen, daß auch diese Alltagdinge endlich Gnad« vor den Augen der ums Regie­renden finden werden. Oder soll im Meer der Tinie, als dessen Neptun sich Herr von Beth­mann Hollweg eben offenbart, die Forderung nützlicherer Taten versinken ...? F. H.

Wenn einer eine Reise tut...!

Die Spionitis wirkt ansteckend.

Die Spionage-Affären häufen sich in bedenklicher Weise, und es vergeht fast kein Tag, an dem nicht bei uns oder anderwärts einSpion" erwischt wird. Es scheint in­dessen, daß derBazillus der Spionitis" fast noch mehr Unheil anrichtet als die Spionage selbst, denn in zahlreichen neuerenSpionage- Affären" hat sich ergeben, daß Uebereifer und Ueberängstlichkeit harmlose Vor­gänge als "drohende Gefahr" erkannten und mehr Aufregung verursachten, als erforderlich war. Die Spionen-Furcht beginnt, epide­misch zu werden, und man gewinnt satt den Eindruck, daß auf der Suche nach Kundschaf­tern des Guten etwas zu viel getan wird. Die beiden neuesten Fälle haben sich im Elsaß und in Irland ereignet:

Straßburg, 21. August.

(Privat-Telegramm.)

In Neubreisach wurde gestern ein stanzö- flfcher Schriftsteller, der sich in der Nähe der Befestigungen verdächtig gemacht hatte, wegen Spionage verhaftet. Ein Feldwebel der Fortifikation hatte Verdacht geschöpft und die Verhaftung veranlaßt. Der Verhaftete wurde aber bald wieder durch das Bezirks­gericht in Freiheit gesetzt, da sich in seinen Pa­pieren nichts Verdächtiges befand. Es handelt sich um einen Pariser Schriftsteller, der sich auf einer Erholungsreise befand und ge­stern einen Spaziergang in der Nähe der Be­festigungen unternommen hatte.

Brüssel, 21. August.

(Privat-Telegramm.)

Die Verhaftung des belgischen Advokaten Quetelet in Irland unter dem Verdacht der Spionage hat hier großes Aufsehen erregt, da der Advokat über jeden Verdacht der Spionage erhaben ist. Er war als T o u r i st nach England gereist, um dort seinen Urlaub zu verbringen und hatte in der Höhe von Galmy ein Zelt aufgeschlagen, ohne zu vermuten, daß sich in unmittelbarer Nähe wichtige strategische Werke befinden. Heworzuheben ist, daß der Großvater des Verhafteten der Lehrer des Gemahls der Königin Viktoria gewesen ist.

Antwerpener Märchen-Geschichten?

Wie uns aus Antwerpen bettchtet wird, fäl­len dem BlattMetropole" zufolge an Bord des deutschen Schulschiffes "Viktoria Lu- i s e", das gestern den Antwerpener Hafen ver­lassen hat, mehrere Angehöttge der Mannschaft nicht zurückgekehrt sein. Auch auf dem holländischen und deut englischen Kriegsschiff seien mehrere Matrosen desertiett. Es war bisher unmöglich, etwas genaues über die höchst unwahrscheinliche Nachricht des Blattes zu er­langen. Wie nunmehr auch bekannt wird, ist ein Tett der Mattosen von dem ftanzöstschen KriegsschiffMarseillaise", die in Antwerpen zurückgeblieben waren, von dem französischen Konsul, dem sie sich gestellt hatten, nach Frankreich zurückbefördert worden.

Großseuer im Strarrdhotel.

Das Glücksburger Etrandhotel zerstört!

(D r i'v a t - T e l e g r a m m.)

Flensburg, 21. August.

In einem Seitenflügel des Strandhotels in Glücksburg brach gestern abend gegen acht Uhr ein Brand aus, der sich rasch über das ganze Gebäude ausdehnte und dieses bis auf die Umfassungsmauern einäscherte. Die zahl­

reichen Badegäste konnten sich zum Teil nur mit Mühe unter Zurücklassung ihrer Effekten retten. Bon der Marinestation Mürwick wa­ren auf Pinaffen mehrere Kommandos einge- ttoffen, die sich an dem Rettungswerk beteilig­ten. Um elf Uhr bildete das Ganze einen Trümmerhaufen. Der Schaden wird au mindestens 300 000 Mark geschätzt, da fast das gesamte Inventar des Hotels ein Raub der Flammen geworden ist. Die Feuerwehr war dem Brande gegenüber völlig machtlos, da ein luftiger Wind die Flammen immer wieder aufs neue anfachte. Personen sind bei dem Brande glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

Ei« Kellner als Brandstifter?

Ein weiteres Privat - Telegramm meldet uns: Auf telegraphische Meldung der Polizeibehörde, wonach der Brand des Sttand- hotels auf Brandstiftung zurückzuführen sei, traf noch in der Nacht der Staatsan­walt aus Flensburg an der Brandstätte ein, um das Hotelpersonal zu vernehmen. Heute morgen wurde ein Kellner unter dem Ver­dacht der Brandstiftung verhaftet. Er soll die Tat aus Rache begangen haben.

Königreich Groß-Balkanien?

Ei« serbisch-bulgarisches Königreich.

Die Situation am Balkan gestaltet sich im­mer verwickelter und bedrohlicher, und wenn auch bi« Nachrichten über einennahe bevor­stehenden Balkankrieg" nicht allzutragisch zu nehmen sind, so kann doch kein Zweifel dar­über bestehen, daß sich auf dem Balkan Ereig­nisse vorbereiten, die Europa nicht gleichgültig lassen können. Zurzeit fällt der Eifer auf, mit dem die Frage einer Vereinigung Ser­biens mit Bulgarien erörtert wird. Die Vereinigung zweier zurzeit völlig selbständiger Staaten bedeutet eine gewiß nicht geringfügige politische Umwälzung, doch scheint tatsächlich der Plan in feinen Umrissen bereits festzu­stehen. Einzelheiten darüber haben sich im Nachlaß des kürzlich verstorbenen serbischen Ministerpräsidenten Milowano witsch ge­funden.

Anter Ferdinands Zepter.

(Privat-Telegramm.)

Wie«, 21. August.

Wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, haben sich im Nachlaß des verstorbenen serbi­schen Ministerpräsidenten Milowanowttsch Do­kumente vorgefttnden, die sich auf den Plan einer Vereinigung Serbiens und Bulgariens beziehen, und zwar sollte es sich hierbei um sine vollständige Ver­einigung der beiden Staaten unter dem Zepter König Ferdinands von Bulga­rien handeln. Daß nun ein Ministerpräsident auf ein Ziel hinwirkt, das doch nur unter der Voraussetzung durchführbar ist, daß die- nigsfamMe seines Landes des Thrones ver- lustig geht, ist für westeuropäische Begriffe Mar «Mas befremdlich, im ©erbten aber ge­wiß nicht unmöglich. Zudem ist auch die Ge­sundheit des Königs von Serbien stark er­schüttert; im Falle seines Ablebens würde der Kronprinz einen sehr schweren Stand haben, da kaum damit zu rechnen ist, daß sein älterer Bruder seinen Thronverzicht aufrecht erhalten wird. So wenig dieser nun die Eig­nung hat, Serbien zu regieren, so schließt dies noch keineswegs aus, daß er eine Anzahl von Anhängern um sich sammelt; ferner gibt es eine Partei, die den Sohn des Prinzen Arsen, des Bruders des Königs, auf den Schild erheben möchte, und schließlich berichten gute Remter des Landes, daß

die republikanische Wühlarbeit mit sozialistischem Einschlag große Fortschritte mache, da sie durch die wirtschaftliche Entwick­lung sehr gefördert wird. Serbien ist ein rei­nes Bauernland, dessen Bevölkerung sich stark vermehrt; da es nun keinen Grundbesitz gibt, der aufgeteilt werden könnte, auch teilte nen­nenswerte Industrie, hat sich in den letzten Jahren dort ein Proletariat gebildet, das für agrarsozialistische Ideen leicht zu gewinnen ist. Alles spricht also dafür, daß es im Falle des Ablebens König Peters zu Unruhen kommt, und man fürchtet in allslawischen Kreisen, daß Oesterreich sich dann veranlaßt sehen könnte, einzugreifen, um solchen Züständen an seiner Grenze ein Ende zu machen. Allen diesen Mög­lichkeiten sollte die Vereinigung Serbiens und Bulgariens Vorbeugen, und nach der 'Entwick­lung, die seit Milowanowttsch' Tode die Dinge in Serbien und Bulgarien genommen haben, ist mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß der Vereinigungsplan und die Schaffung eines Königreichs Groß-Balkanien auch den eigentlichen Inhalt desEinverneh­mens" bildet, das in jüngster Zeit zwischen

Serbien und Bulgarien in der Balkanfrage zu. staudegekommen ist.

Der Wirrwarr i« der Türkei.

Die Italiener vor den Dardanellen?

Ein Privat « Telegramm berichtet uns aus Paris: Aus Konstantinopel melden die Morgenblätter, daß man dort amtlich be­stätigt, die italienische Kriegsflotte sei abermals vor den Dardanellen er­schienen, weshalb ein neuer Angriff befürchtet werde. Auch am Eingang des Golfes von Smyrna hatten sich italienische Kriegsschiff« ge­zeigt. Eine Bestätigung der Nachricht steht noch aus. . . . Ein weiteres Telegramm aus Kon- stantinopel meldet: Die Regierung teilt amtlich mit, daß die albanesische Bewegung beendet ist und keine albanesischen Aufftändigen mehr in Uesküb sind, nachdem die letzten alba­nesischen Trupps die Regierung gebeten haben, in ihre Heimat auf Regierungskosten zurück- kehren zu dürfen. Diese Bitte wurde ihnen ge­währt.

Die Czhrenaika für England?

(Privat-Telegramm.)

Mailand, 21. August.

Der in Bologna erscheinendeResto del Carlino" will aus zuverlässiger türkischer Quelle erfahren haben, Kiamil Pascha habe angeblich England durch Gewährleistung des Besitzstandes der Türkei die Anglie­derung der Chrenaika an England angeboten. Zwischen Aegypten und Italien würde dann nach Kiamils Idee ein Pachtver­trag abgeschlossen werden, sodaß die Besetzung der Chrenaika durch Italien aufrecht erhalten bleiben könne.

General William M t.

Die Heilsarmee am Grabe des Führers.

Aus London meldet uns ein Prt- vat-Telegramm: Der Führe, der Heilsarmee, General William Booth, ist hier im Alter von drei- , undachtzig Jahren gestorben. General Booth, feit längerer Zeit fast gänzlich erblindet, war im Juni ernstlich er- krankt, sodaß man schon damals mit seinem Ableben rechnete. Er überwand zwar damals die Krankheit, vermochte sich aber nicht wieder gänzlich zu er­holen und ist nun gestern abend einem schweren Rückfall erlegen. Seit Montag war Booth bewußtlos. William B o o t h i st t o t! Diese Trauer­kunde durcheilte gestern abend die englische Mettopole, und der Draht trug sie eilends hin­über zu den Städten des Festlandes und über den brausenden Ozean in die neue Welt, lieber» all, wo die Anhänger und Anhängerinnen sei­ner Lehre, dieSoldaten Christi", ihre Heim­stätten aufgeschlagen haben, herrscht heute ehr­liche tiefe Trauer. Man wußte, daß die Tage des alten weißhaarigen Heerführers gezählt, aber wer hoffte nicht, daß ein freundliches Ge- schick noch manch arbettsreiches Jahr dem bib­lischen Alter des Dahingeschiedenen zuzählen möge! Jetzt hat der Tod den Lebensfaden des Greises jäh zerschnitten, und trauernd stehen Hunderttausende an der Bahre eines Menschen, der wie wenige bemüht gewesen ist, in seiner Weise nach heften Kräften das Elend der Welt zu lindern. William Bootb ist Engländer, er wurde am zehnten April 1829 in Notting­ham geboren, studierte Theologie und schloß sich noch im jugendlichen Alter den Me­thodisten an, in deren Gemeinde er Predi­ger ward. 1861 gab er sein Amt auf, um sich ganz der Rettung aller Verkommenen zu wid­men. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trieb er auf den Straßen und Plätzen Londons fein Rettungswerk. Sett 1878 schuf er mit seiner schon 1890 gestorbenen Gattin Catharina, die ihm eine getreue Hel­ferin war, die Heilsarmee, die sich langsam, aber stetig über ganz England, die meisten an­dern Länder des Kontinents und die übrigen Erdteile auSqebreitet hat. Aus einem ungeheu­ren Arheitsfelde ist der Verstorbene, der viel Segen gestiftet, plötzlich heransgerissen. aber das, was er getan, wird auch noch nach ihm manches Gute stiften und die Erinnerung an ihn lebendig erhalten. -m-

tote MWche Hnmsnm.

Die Königin von England als Hausmutter.

Röntgtn Mary oon England ha» sich tu Ihrem Privatleben und in ihren LebenSanschau. ungen, wie mahl kaum eine andere Fürstin auf einem Thran, von der Atmosphäre höfischen Zeremoniell? fr-izuham.. gewußt. Auch heute noch, wo die KönigSIrone ihren Tagen manche Pflichten der Repräsentation auferlegt, hält sie in ihrem Heim jenes alte, patriarchalische Familienleben aufrecht, baS oon Kindheit an auch ihr eigenes Tasein bestimmte: ste ist in erster Linie Frau, Mutter und Haus- frau. Aus London wird darüber berichtet:

Die strenge Einfachheit in den Neigrm- gen der Königin geht manchen vergnügungs- sichtigen Mitgliedern der britischen Hofgejell»