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Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 217

Mittwoch, 21. August 1912

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

F. H.

Den eigenen Schwager vergiftet!

direkt übergebenen Bittgesuchen Folge g e leiste t worden war.

Dl« Sattelet Neuesten Nachrtchlen erlchetnen wöchentlich iech-mal und »war abenb«. Der Dbonnem-nt-pret» beträgt monatlich 60 Pfg. bei freier Zustellung tnä Hau«. Bestellungen werden leder,eit non bet Delchäktsilelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30 Sprechstunden der Redaktion nur non 1 dir 3 Uhr nachmittag». Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag non 6 bi» 8 Uhr abend« Berliner Vertretung: SW, Friedrtchstr 16, Telephon: Arnl Morihplae 676

ßaffel-Frankfurt Kronberg.

Der Kaiser auf Schloß Friedrichshof.

Bon Frankfurt a. M. aus (wo, wie wir be­richteten, gestern die Besichtigung der O schufen, anlagen durch den Kaiser stattfand) bat der Kaiser sich gestern nachmittag nach Schloß Friedrichshof bei Cronberg begeben, wo er bis zum Donnerstag verweilen wird. Am Mittwoch begibt sich der Kaiser von Cronberg aus nach Mainz zur Parade und kehrt dann wieder nach Schloß Friedrichshof zurück Donnerstag erfolgt die Abreise des Kaisers^ der wahrscheinlich vorher auch noch einen Aus­flug nach der Saalburg unternehmen wird Bei der gestrigen Ankunft des Kaisers in Cron­berg ereignete sich übrigens

Die Krankheit der Kaiserin.

Aus Langenburg, der Residenz des greisen Oheims der deutschen Kaiserin, Fürsten Ho­henlohe-Langenburg, erhält der Berliner Lo­kal-Anzeiger Nachrichten über das Befinden der Kaiserin, die die in Hofkreisen herrschende Unruhe erkennen lassen. Wenn das Befin­den auch zu keinen ernsten Befürchtungen An­laß gibt, lastet doch auf der kaiserlichen Fa­milie eine Sorge, die sich der ganzen Umgebung mitteilt. Sicher ist, daß die Nauheimer Kur nur eine vorübergehende Besserung der Schwächezustände der Kaiserin herbeigeDhrt und daß die durch die unregelmäßige Herz­tätigkeit hervorgerusene Nervosität wieder einen stärkeren Grad erreicht hat, der zur Fern­haltung jeder Aufregung und zur einfachsten LebenAweise zwizzgt.

Ein Privat. Telegramm meldet unz aus Wien: Der Landwirt Siebert aus Alberode wurde durch seinen Schwager durch Verabreichen von Morphium entgegen dem Willen der Aerzte im Krankenhaus getötet Der Schwager wollte sich in den Besitz der Sie^ bertschen Erbschaft bringen. Der Mörder wur­de gestern abend verhaftet. Er gestand ohne

rillen. Der Mörder wur- . m hastet. Er gestand, ohne

eine spur von Reue zu offenbaren, ein, daß et seinen Schwager habe töten wollen, um sich

3nfertton»i>retfe: Die fechSgelpattene Zelle für einheimische Seschäfle 15 Pfg.. für au«, roärttge Inserate 25 Pf, Reklamezetle für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Restdenz und der Umgebung sind die Sattelet Neuesten Nachrichten ein oorzüglicheS JnkertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: LW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt Morihplah 676.

und Regierungstruppen bekämpfen sich in wil­dester Leidenschaftlichkeit, morden, rauben und plündern und überbieten sich gegenseitig in der Verübung von Grausamkeiten. Ueber die Wirkungen des Bürgerkrieges berichtet jetzt ein Telegramm aus Managua haar­sträubende Dinge:

Managua, die Stadt des Todes.

(Privat-Telegram m.i

Washington, 20. August.

Wie der amerikanische Gesandte in Nicara­gua feinefr Regierung meldet, sind bei den Kämpfen um Managua bereits weit über tausend Menschen ums Leben gekommen, von denen der größte Teil noch u n b e e r d i g t vor der Stadt beziehungsweise auf den Straßen und Plätzen der Stadt selbst liegt. Ein Teil der Ausländer ist berefts vor den Kämpfen geflüchtet. Für die in Ma­nagua Zurückgebliebenen ist die Situation sehr ernst. Es wird außerdem als Folge der vielen in Verwesung übergehenden Leichen, die einen fürchterlichen Geruch verbreiten, der Ausbruch einer Epidemie befürchtet.

Unsre deutschen Hausfrauen sind duldsamer wie ihre Sorgengenossinnen in Frankreich und Belgien, die angesichts der Lebensmiftelteurung entschlossen dieHausfrauen-Revolution" pro­klamierten, den Boykott verhängten "ttb (ganz wie im politischen Kampf) demons.-ttivau: die Straße zogen": Sie tragen ihre Sorgen in stiller Duldsamkett und suchen durch kluge- chen-Technik" dem Verhängnis der Teurung zu begegnen. Aber auf die Dauer muß dieses Kampfmittel versagen, und die Größe der wirtschaftlichen Gefahr wird erst erkennbar, wenn man von volkswirtschaftlichen Autoritä­ten die düstre Kunde hött, daß die eigent­liche Teurung sich erst im kommenden Win­ke r in ihren schlimmsten Wirkungen offenbaren werde: Im Winter, wenn infolge der un­günstigen Lage des Arbeitsmarkts und der wirtschaftlichen Flaue dieteure Zeit" am empfindlichsten gespürt werden wird! Die Frage ist nun: Was soll geschehen? Die schöne Zuversicht des preußischen Land­wirtschaftsministers allein macht die Hungri­gen noch nicht satt und der Kampf gegen die Teurung mit dem dünnen Speer der Stattstik ist auch keine rettende Tat. Es gibt nur eine Rettung, und es wird höchste Zeit, diesen ein­zigen Ausweg zu nutzen: Oesfnung der Grenzen für die Einfuhr von Fleisch und billigen Volksnahrungsmitteln, Einfuhr- Vergünstigungen und Zoll-Erleich- t e r u n g e n! Die Zeit drängt, und man darf von einer Regierung, die durch die Verfassung dem Volkswillen zwar ent­rückt ist, durch keine Macht der Erde aber von ihrer moralischen Verantwortung ge­genüber dem Volk entbunden werden kann, er­warten, daß sie den (übervielen) klangvollen Worten endlich auch Taten folgen läßt!

MLffennwrde in Nicaragua.

Leber tausend Menschen getötet.

Die Revolution in der amerikanischen Re­publik Nicaragua hat furchtbare Schreckensszenen im Gefolge gehabt, deren Opfer, den neuesten Mitteilungen zu- fvlge. nach vielen Hunderten Een. Rebellen

Sie Krankenkaffen-Mmpfe.

Krankenkassen, Aerzte und Apotheken.

Mit einer Versammlung, in der geschäftliche Angelegenheiten erörtert wurden, begannen ge­stern im Gürzenich in Köln die Berattßngen des neunzehnten Deutschen Ortskranken- kassen-Tages, zu dem über neunhundert Delegierte aus allen Teilen des Reiches einze- .troffen sind. Verbandsdireklor Hess« erstat­tete den Geschüstsbericht. aus dem heworgeht, daß im vergangenen Jahre 13 Millionen Per­sonen in 23 000 Krankenkassen gegen Krankheit versichert waren. Die Zahl der Unterstützungs­tage belief sich auf 104 Millionen, die Summe der Krankenkassenbeittäge auf 397 Millionen Mark. Der Bettag der Aerztehonorare sei um 5 Millionen Mark gewachsen. Das wichtigste Thema der Tagung war die Beratung, über das Verhältnis zwischen den Krankenkassen und den Aerzten. Wir erhalten darüber folgenden Be­richt:

3m Kampf mit den Aerzten.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Köln, 20. August.

In den gestrigen Verhandlungen des Kran­kenkassentags bedauerte bei der Erörterung des Verhältnisses der Krankenkassen zu den Aerzten der Referent, Geschäftsführer B rach el- Köln, daß die schwebende Frage durch die neuen Be­schlüsse der Aerzteorganisattonen eine bedeuten­de V erschärfung erfahren habe. Alle Ver­träge der Aerzte mit den Krankenkassen unter­lägen jetzt der Genehmigung durch eine Zen­tralstelle des Leipziger Verbandes. Dadurch gerate der Arzt in eine ganz unwürdige Abhängigkeit von der Koalition. Bei den Kassen herrsche unerschütterliche Ueber- einstimmung darüber, daß die Entscheidung über das Aerztosystem allein den Kassen zustehe. In der Diskussion betonte Fräßdorf- Dresden, daß unter keinen Umständen )ie freie Arztwahl allgemein werden dür- e, da es dann kein Zurück mehr gebe. Mit welchen Mitteln der Leipziger Verband arbei­te, beweise der Umstand, daß gegen ihn eine Denunziation wegen Meineides Utens des Leipziger Verbandes eingereicht worden sei. Selbstverständlich sei der Anzeige nicht stattgegeben worden. Er sei bereit, die Hand zum Frieden zu bieten, aber nicht zu einem Frieden, bei dem die Aerztvschaft die Be­dingungen bittrere. Gräf- Frankfurt a. M. hielt eine Aussprache zwischen beiden Parteien ür möglich und nützlich, um die Tonart im Kampfe zu mildern. Wenn die Kassen aber keine Konzessionen erhielten, sei der Kampf aufzunehmen.

Und Schorle»« lächelt...!

Schmalhans als deutscher Küchenmeister.

Es scheint fast, daß über unserm Wirtschafts­leben, soweit es die Ernährungsfrage anbelangt,-ein Verhängnis waltet: Jahre hin­durch haben wir unter den schlimmen Wirkun­gen einer (zum Teil natürlichen, zum Teil rafsi- niert erkünstelten) Fleischteuerung gelit­ten, haben die Massen des Volks den Genuß des wichtigsten und wertvollsten Nahrungsmit­tels auf das.bescheidenste Maß einschränken und die Ernährung notgedrungen verbilligen (und damit verschlechtern) müssen. Als die Fleisch­teuerung sich zur allgemein empfundnen Fleisch not steigerte, empfing der neuge- wordne preußische Landwirtschaftsminister von Schorlemer unterschiedliche Deputationen, denen er erzählte, von einer Fleisch - Not könne über­haupt nicht, von einer Fleisch - Teuerung nur in beschränktem Umfang die Rede sein; im übrigen aber (versicherte der Herr Minister, gütig lächelnd) werde die Regierung der Frage ihre ernsteste Aufmerksamkeit widmen und zu geeigneter Zeit entsprechende Maßnahmen tref­fen. um etwaige Uebelstände zu beseitigen. Richt lange nach diesen denkwürdigen Audien­zen vernahm man mit auftichtiger Genugtuung, Herr von Schorlemer habe den Statistik-Spe­zialisten unter seinen Geheimräten damit be­auftragt,eingehende und umfassende Erhe­bungen über den Stand der Fleischpreise" im Bereich der Preußen-Monarchie zu veranlassen.

Dann ward's still: Ministerielle Statistiken be­dürfen der Ruhe und Akkuratesse, und man wurde nur noch gewahr, daß in den offiziösen Schreibstuben die WorteTeuerung" und Not" auf oberherrlichen Befehl wie der Sünde giftigste Wurzel gemieden wurden: Nur das kritik-milde Zuckerwasser-WörtchenBert e u- «rung" ward gestattet. Und die Fleischpreise kletterten weiter empor. Zu fast schwin­delerregender Höhe! Darüber sind nun fast zwei Jahre verronnen und vermutlich sträubt Herr von Schorlemer sich auch heut noch, den üblen Worten Teuerung und Not den Weg über die Lippen zu gestatten. Trotzdem eine grimmige Laune der Natur bemüht gewesen ist, den Minister für Ackerbau, Domänen und Forsten nützlicher Erkenntnis zuzuführen. Die mondelange Dürre des Vorjahr-Sommers hat in Feld und Flur Millionen von Werten ver­nichtet, hat die deutsche Landwirtschaft der Möglichkeit eigner Leistungsfähigkeit fast gänz­lich beraubt und (nach den statistischen Ermitt­lungen des Deutschen Landwirtschaftsrats) eine Ernte reifen lassen, die bei weitem nicht aus­reichte, allerdringlichsten Ansprüchen zu genü­gen. Die teittveise gänzliche Vernichtung der Futtermittel-Ernte und der unbefriedigende Ausfall der Feld- und Wiesenpflanzung über­haupt haben die Landwirtschaft gezwungen, einen Teil des Viehbestands zum Verkauf zu stellen oder in eigner Schlachtung zu verwerten. Stellenweise gestaltete sich die Viehabgabe unter den Einwirkungen des wirtschaftlichen Zwangs so enorm, daß die Aufnahmefähigkeit der hei­mischen Märkte weit Überboten wurde.

Unter normalen Verhältnissen hätte ein solches Massenangebot naturgemäß eine Preisminderung für Schlachtvieh, und im Zusammenhang damit eine Verbilli­gung des Fleischgenuffes im Gefolge haben müssen, da jede normale Preisentwick­lung von dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage abhängig ist. Wer hat aber bis­her innerhalb der deutschen Reichsgrenzen auch nur das winzigste Anzeichen einer begin­nenden Ermäßigung der Fleischpreise bemerkt? Man frage unsre Hausfrauen: Sie werde» be­stätigen, daß die (durch den Bannstrahl des preußischen Landwirtschaftsministers nicht ge­scheuchte) Fleischteurung heut, in der Zeit all­gemeiner Not-Verschärfung, fühlbarer ist als je? Vielleicht verwahrt sich Herr von Schorlemer auch heut noch gegen die zwin­gende Erkenntnis des herrschenden Notstands, und wie er vor Zwei-Jahresfrist den dankbar lauschenden Deputationen versicherte, daß die Preisverteurung nureine vorübergehende Er­scheinung" fein werde, wird er möglicherweise jetzt geneigt fein, unfern verzweifelnden Haus­frauen zu erzählen, daß auch des Schicksals un- freundlickste Laune nicht ewig baute, und daß der August-Regen die Nahrungsorgen wie den Staub von der Straße hinwegspülen werde. Daß die unentbehrlichsten Lebensmittel im Verlauf we­niger Wochen eine enorme Preis st eige- ruttg erfahren haben (einige Genußmittel sind dem Hausverbrauch um fünfzig und mehr Pro­zent verteuert worden) läßt sich an der Hand der Statistik leicht nachweisen und die Folgen der Teurung machen sich überall in bedenklichster Form merkbar.

Die Kaffen und Apotheken.

Im toeltereit Verlauf der gestrigen Ver­handlungen sprach Apotheker Skaller-Charlot- tenburg überdas Verhältnis der Krankenkas­sen zu den A p o 1 h e k e n". Der Redner führte aus, daß die Arzneiversorgung durch die neue Reichsversicherungs - Ordnung viele Nachteile erleide. Der vom Gesetz vorgeschlagene Zwangsrezeptur-Rabatt müsse auf eine ange­messene Höhe gebracht werden. Auch beim Handverkauf müßten die Apotheker Konzes- tonen machen. Redner kritisierte die vom Apo­thekerverein herausgegebene Handverkaufsliste. Die Reichsverstcherungs-Ordnung bringe den Apothekern eine große Vermehrung des Umsatzes und dadurch erhöhten Gewinn; deshalb müßten auch die Apotheker gezwungen werden, einen hohen Rabatt und günsti­gere Handverkaufspreise als bisher zu gewähren.

Das Bombardement auf Mauagua.

Weitere Depeschen aus Managua besa­gen , daß von den Regierungstruppen während eines kürzlichen Zusammentreffens mit den Re­bellen hundertfünfzig Mann getötet worden seien, während vierhundert Mann vermißt werden. Die Truppen versuchten, die Aufständischen zu verfolgen, die bei dem Kampfe geschlagen worden waren. Durch das von den Insurgenten auf die Stadt eröffnete Bombardement sind das Haus des englischen Vizekonsuls und die Büros der englischen Bank zerstört worden. Von den Einwohnern ist niemand zu Schaden gekom­men. Alle Ausländer befinden sich am Leben; zweitausend Bürger haben die Stadt fluchtar­tig verlassen. Sämtliche Hospitäler sind mit Verwundeten überfüllt.

Ein peinlicher Zwischenfall.

(Privat-Telegram m.)

Cronberg, 20 August.

Ein Zw isch enfall, der nur von den nächststchenden Personen beobachtet wurde und an sich harmloser Natur ist, ereignete sich bei bet Auffahrt des Kaisers zum Schloß Frie- dnchshof. Am frankfurter Tor in Cronberg siel ein Herr durch sein unruhiges Wesen be­sonders auf. Ein aus Anlaß des Kaiserbesuchs nach Cronberg kommandietter Kriminalbeam- cr erkannte in dem Herrn einen früheren Wiesbadener Schutzmann namens Pfeiffer. Dieser machte dem Kriminalbe­amten gegenüber kein Hehl daraus, daß er be­absichtige, dem Kaiser ein Bittgesuch in bett Wagen zu werfen, um auf diesem Wege feine Wiederanstellung zu erreichen. Der Kri­minalbeamte, der auch die anwesenden Gen­darmen und Ortspolchisten unterrichtete, hatte natürlich keine Handhabe, Pfeiffer etwa durch Festnahme an der Ausführung seines Vorha­bens zu hindern; alles, was er tun konnte, war, auf ihn zu achten und ihm vielleicht im kritischen Moment in den Arm zu fallen, um »

eine Belästigung des Kaisers zu verhüten. Als sich aber das Automobil des Kaisers näherte, lief Pseisfer eine Strecke vor­aus und überquerte dicht vor dem kaffer, lichen Wagen die Straße, so daß ihm von den Sicherheitsbeamten niemand solgen konnte. Er warf dann sein Bittgesuch i n d a s A u ta­rn o b i l d e s K a i s e r s. Da die Polizeibe- a-mten den Pfeiffer kannten, war eine nachträg- lche Feststellung seiner Personalien nicht mehr erforderlich. Pfeiffer hatte deshalb gerade den Aufenthalt des Kaisers in Cronberg zur lieber» reichung seines Gesuchs gewählt, weil ihm die Ausführung seines Vorhabens in einer kleinen Stadt leichter schien, als in einer Großstadt. Er versprach sich auch deshalb größeren Erfolg von einem persönlich übergebenen Bittgesuch an den Kaiser als von einem Gesuch übet den üblichen Geschäftsweg, weil gerade in letztet Zett einigen auf ähnliche Weise b* Kaffer

6in Drama im Seebad.

Die Verzweiflungstat eines Hauptmanns.

Ein Telegramm aus London brachte ge­stern folgende Schreckenskunde: Am Montan früh erschoß im Seebade Eastbourne der Haupt­mann a. D. Hicks Murray seine beiden kleinen Kinder, eine fremde erwachsene Person und ein fremdes Kind. Darauf verwundete er seine Gattin schwer und st eckte das Haus, das er soeben erst zum Sommeraufenthalt be­zogen hatte, in Brand. Unter den Trüm­mern wurden die Leiche» vorgefunden. Der Hauptmann verübte Selbstmord. Ueber die furchtbare Tragödie erhalten wir in einem neueren Telegramm Mitteilungen, die die M o- t i v e der Tat näher beleuchten.

Schwager «nd Schwägerin.

'(Privat-Telegramm.)

London, 29. August.

AuS Eastbourne wird zu der Schrek- k e » s t a t des Hauptmanns Murray gemeldet, daß jetzt die Identität aller Opfer der bluttge» Tragödie festgestellt worden ist. Der zweiund- dreißigjährige Hauptmann hat beim Scots- grey-Regiment gestanden und hat in Indien gedient. Die verwundete Dame ist eine Schwe­ster feiner Gattin, mit der er ein Verhält- n i s hatte. Die Getöteten sind Murrays sechs- undzwanzigjährige Gattin, ei» einjähriges Kind aus ihrer Ehe, ein dreijährige Knabe und ei» zweijähriges Mädchen au8 dem illegitimen Verhältnis mit der Schwägerin. Haupt­mann Murray erschoß seine Opfer des morgens um sechs Uhr mit einem Revolver. Er ttänkte dann die Zimmer mit Petroleum, setzte dieses in Brand und erfchoß sich selbst. Ans das Geschrei der verwundeten Schwägerin, die zwei Kugel» im Halse hatte, eilten Nach­barn und die Feuerwehr herbei. Nach der Lö­schung des Braiwes bot sich den Eindringende» ein furchtbarer Anblick. Sie fanden alle Opfer im Blute schwimmend und halb ver­kohlt. Die verwundete Schwägerin, die ver- zweifell um ihre Kinder jammerte, wurde nach dem Hospital geschafft. Man glaubt, daß sie mit dem Leben daoonkommen wird. I» dem Hause wurde ci» Brief des Mörders gefunden, worin er erklärt, er sei ruiniert und habe alle, die von ihm abhängig seien, mit » o H e r Ueberlegung getötet.