Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

t>u Sofleiet Neuelle» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und twar »denvr. Der übonn«meni8prtl# beträgt monatlich SO Sßfg. bet tretet gaftellunz in» Hau». Bestellungen werden ie»e'i«U von der SeschLttsstelle ober ben Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag une Redaktion: TchlachtboMraße 28/80. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bl« 8 Uhr aachmlUag». Sprechstunden der rtuskunst. Stelle: Jeden Mttwoch und Freitag von

-? ' « M» » Ubr abend» Berliner Vertretung: SW. Friedrich»! 18, relepbon: Ami Morthplah 876

Nummer 215. Fernsprecher 951 und 952. Sonntag, 18. August 1912. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

Jnsertionrpreise: Die sechSgespallene geile für einheimisch» SeschLste 15 Pfg., für au«, roärttge Inserate 25 Bl., Reklamezeile für einheimische <8ef<f)äfte 40 Pk. für auäroäfttge Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mtt 5 Mark pro Laufend be­rechnet. Wegen chrer dichten «erbreitung In der Rellden, und Oer Umgebung sind die Saffeter Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnsertton»organ. GeschLftsftelle: kölnische etrabe 5. Berliner Vertretung: SW Friebrichftraße 18, Telephon: Amt Motitzplatz 678.

einen forensischen Apparat züchtet, der sÄbst I vor, diesen Schritt früher zu unternehmen.

Man versichert, daß mit der Verhängung des

Kriegszustandes auch eine Reihe von Ver­haftungen und Ausweisungen ver- hunden fein weide, da die revolutionäre Be­wegung in der Marine e r n st e st e Besorg­nisse werke.

dem Deutschen Reich schließlich zuviel werden mii6, und dem es, namentlich inpersonaler" Hinsicht, auf die Dauer überhaupt nur ge­nügen kann bei Aufnahme des Grundsatzes Billig und schlecht" in die Justizver­waltung. Man muß dem deutschen Bürger klar machen, daß er in andern Dingen sein Pal­ladium suchen möge, als in einem hochgezüch-

Sie Sünde der Gesetzes.

Sin Staatsanwalt als Gesetzes-AnALger.

Es gibt immer noch Dinge, von denen unsre Schulweisheit sich nichts träumen läßt, und dazu gehört Wohl auch der Fall, daß ein Staatsanwalt, ein Hüter des Gesetzes und Marschall der Gerechtigkeit, sich vor dem Zwang desselben Gesetzes, das seine amt­liche Existenzberechtigung und staatliche Notwen­digkeit begründet, in die Oeffentlichkeit flüchtet. Das Intermezzo ist (selbst in der Hochsaison der Sensationen) eine Erscheinung von so eigenartig-prickelndem Reiz, daß sich's verlohnt, ihm einige Worte zu widmen. In einem Ber­liner Blatt hat bekanntlich vor einiger Zeit der streitbare württembergische Tribun Conrad Haußmann wuchtige Schwabenstreiche wider die knöcherne Bureaukratic unsrer Justiz" geführt und bei der Gelegenheit ein außerordentlich überzeugendes Beispiel von der in manchen Tempeln der Gerechtigkeit als Tugend ver­ehrten Pedanterie des Aktenstaubs erzählt, das zum mindesten bewies, wie schwerfällig und mitunter selbst komisch das Räderwerk des staatlichen Juftizapparats sich zuweilen in Tä­tigkeit zu setzen Pflegt. Es war Wohl im Schwabenland, wo das Intermezzo spielt (aus patriotischem Mitleid-Empfinden hat Herr Haußmann der Komödie Heimatort schämig verschwiegen): Auf das Gerücht von einem angeblich begangnen Morde hin geriet die Justiz int Umkreis von etwelche« Meilen in fieberhafte Aufregung; es fanden Agnoszierun­gen, Rekognoszierungen, Jdennfizierungen und Konfrontierungen statt. Haussuchungen wur­den abgehalten und Kreuzverhöre angestellt und man war grade dabei, das Fundament für den Anklageakt aufzuschichten. da brachte ein Witz des Schicksals es an den Tag, daß die Menschenknochen (an denennoch deutlich des Verbrechens Svuren merkbar waren") eines . -. Hühnleins Gebeine waren, das an einem der letzten Sonntage für den Brattopf fein Leben hatte lassen müssen. Rest:ad acta!"

Herr Conrad Haußmann frug nach diesem Schwabenstreich mit grimmem Hohn: Ob «ine Gerechtigkeit, die auf Brathuhn-Knöchelchen gleich den Verdacht des Mordes gründe, nicht ein wenig scherzhaft scheine und statt heilsamer Furcht nicht wohltuende Heiterkeit erzeuge? Ein Staatsanwalt, alsoEiner vom Dau", hat nun auf seine Schwabonfrage die überraschende Antwott gefunden: In einer Zuschrift an das Blatt, das der ätzenden Krittk des schwäbischen Landtagboten fein« Spalten geöffnet hatte, legt der Mann im Talar des öffentlichen Anklägers überzeugend dar, daß das Gelächter, das Herr Haußmann als ziemenden Lohn des von ihm berichteten Schwabenstreichs und als na­türliche Reaktion vergreister Aktenstaubigkeit reklamiert habe, nicht dem mitleidenden Staats­anwalt, sonder« dem Gesetz gebühre, das mit einer geradezu mittelalterlichen Hätte de« öffent­lichen Ankläger zum Exckutivbeamte« des De­nunziantentums mache, indem es ihn (bei Mei- dung von Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren) verpflichte, gemäß dem Paragraphen hun- dettachtundfünfzig der Strafprozeßordnung den Sachverhalt zu erforsche«,sobald er durch eine Anzeige oder auf anderem Wege von dem Verdacht einer strafbaren Handlung (gleich­viel: Ob Verbrechen od«r Uebertretung!) Kenntnis erhält". Und ihn (entsprechend dem Paragraphen hundettzw.eiundfünfzig derselben Ordnung) ferner anhalte,mit der Anklage ein­zuschreiten, sofern zureichende tatsächliche An­haltspunkte vorliegen". Es ist also nicht unzutreffend, wenn der wider den Stacke! der Gefetzesbureaukratie lötende Staatsanwalt seufzend meint: Die Staatsanwaltschaft werde unterschiedslos, viekfach sogar gegen ihre bessere Ueberzrugung, in derartige Untersuchun­gen hinein gehetzt"!

Sodann eine schwere Anklage, die in der weitern Folge seiner Ausführungen der klagende Staatsanwalt aus den Verhängnis vollen Wittüngen des heut «och zu Recht bc- stebenden Jnauisirion-Systems gegen den Staat (als den Urheber der GesetzeHrängel) erbebt:Gegen das Gesetz selbst richtet sick der schwerste Vorwurf, gegen das in d esek Form unverständige Gesetz, das in dieser An in der Welt einzig dastehl; gegen ein Gesetz, das jeden Tag jede« Bürger (auch den ehrbarsten) zum fast wehrlosen Objekt ehrloser Denunziationen zu «rachen droht und de« Staatsanwalt zumPMzei- sekrttär" stempelt (wie es der frühere Ober- reicksanwalt Dr. Hamm einmal ausdrückte). Gegen ein Gesetz, das das deutsche Volk mit dem Makel einer Kriminalität öffentlich behängt, di« es tatsächlich nicht in Herrn Grade besitzt, aW irgend ein andres Volk der Erde; gegen em Gesetz endlich, das

teten, gesetzlich patentierten Denunzian­tentum, und daß sich am Ende dieses un­gewollt« Denunziantentum vor allem gegkn iün selbst und seine Rechtssicherheit richtet ..." So spricht (wörtlich) ein Staatsanwalt, einer, der in der von langer Gewohnheit tief ausaetretne« Wagenspur staatlicher Gerechtig- keitpflege de« Blick über den Aktenberg hin­aus noch nickt verlernt bat. sondern mit hel­lem Auge die Schäden schaut, die unsxrm össentlichen ReckWeben aNbafte«.

Daß die Auslieferung des Staatsanwalts a« das Raffinement der Denunziation eine schwere Gefahr für Reckt und G«. rechtigkeit bedeutet, bedarf keines weitern Beweises: Wenn nach dem Willen des Gesetzes die Denunziation genügt, um den Ehr­barsten unter den Bürger« in «ine notveinliche Untersuchung wegen iraend eines gemeinen Vergehens zu verwickeln, dann ist naturge­mäß schon der Zustand gefährlichster Reckts- unsicherheit in Permanenz erklärt, und die Unantastbarkeit des guten Namens und der bürgerlichen Ehre wird in demselben Augenblick zur Illusion, in dem es der Nie­drigkeit oder der Intrige beliebt, sich den Pa­ragraphen hnndertachtundfHnfzig der Straf­prozeßordnung dienstbar zu machen und den Staatsanwalt auf die Unschuld zu Hetzen. Das Gesetz schützt zwar auch die bürgerliche Ehre (indem «S wissentlich falsche Anschuldigunz mit Strafe bedroht), aber dieser Schutz ist u«. zulänglich und verfehlt in der Hauptsache den Zweck, den« die Tatbestandmerkrnal« der wis­sentlich falschen Anschuldigung sind nicht leicht festzustellen, und im übrigen genügt ja (leider) auch di« anonyme Denunziation, um die Voraussetzung des Unheilporagraphen hundettachtunldfünfzig zu erfüllen und der Staatsanwaltschaft dieKenntnis des Ver­dachts der strafbaren Handlung" zu vermitteln. Wir sehen hier also ein Bild gefesselter Gerechtigkeit, umklammert und erdrückt vom Geist toter Buchstaben-Bürokratte, und fühlen Mitleid mit dem Staatsanwalt, dessen G ew iff«n sich dagegen aufbäumt, der Knecht e.ines rückständigen Gesetzes und derPolizei, sekretär" für ehrlose Denunziationen zu sein: DieSünde des Gesetzes" zwi,«gt ihn zur Sünde wider di« Gerechtigkeit! F. H.

Nach dem Newa-Rendezvous.

Poineare auf der Heimreise.

(Privat-Telegram m.)

Petersburg, 17. August.

Der französische Ministerpräsident Poin- c a r ö hat gestern abend die Rückreise nach Frankreich angetreten. Das Erg-ebnis der Besprechungen ist, wie auch seiner Zeit nach der Eutrevue von BaMsch-Port, in einem Communique niedergelegt worden, das nun­mehr amtlich veröfsentlicht wird. Es ist sehr allgemein gehalt««. Es hebt das zwischen Rußland und der französischen Republik be­stehend« Bündnis besonders hervor, vermei­det aber im übrigen jede Spezialisierung ein­zelner Fragen. Auch von dem in der franzö- stschen Presse so ost angekündigten Marine- ab ko mm en enthält die amtliche Kund­gebung kein Wort. Im übrigen aber hat ja Poincars selbst erklärt, daß er mit dem poli­tischen Ergebnis seiner Rußlandsahrtsehr zufrieden" sei: In offizielle« Communi- ques braucht also füglich nichts mehr gesagt zu werden,

*

Am Vorabend des Abschieds.

(Privat-Telegramm.) Petersburg, 17. August.

Ganz unerwartet ist nach einjähriger Un­terbrechung der Kriegszustand über Kronstadt verhängt worden, was wie­der zu den mannigfachsten Gerüchten,unh einer gewissen Beunruhigung Veranlassung giebt. Von informierter Seite wir erklätt, daß eine weitere revolutionäre Bewe­gung in der russischen Marine dazu Ver­anlassung gegeben habe. Gern hätte «ton die Verhängung des Kriegszustandes bis zur Ab fahrt des französischen Ministerpräsidenten h n ausaeschoben. doch lagen wichtigeGründe

Die Renaissance der Rasse.

Bin deutscher Bund für... die Vielehe!

Zuwelch seltsame« Ideen zuweilen auch die Wissenschaft führen kann, beweist eine Grün­dung in Jena. Dort ist in diesen Tagen ein Bund von Männern zusammengetreftn mit der Absicht, nach vielen Worten über den Rückgang der Geburtenzisfern und den Niedergang der Nasse auch endlich Taten sehen zu lassen, Ta­ten freilich, die für die breite Allgemeinheit des Seltsamen genug habe« werden. Denn zu der soeben in Jena beschlossenenRenais­sance" der deutsche« Rasse gehört nichts weni­ger als ... die Einführung der Poly­gamie. lieber die eigenartige Bundesgrün­dung werden folgende Einzelheiten bekannt:

Dr. Henschels Theorie.

Hinter der Jenenser Bewegung steht eine, Persönlichkeit, die infolge ihrer Bedeutung Re­spektierung erheischt. Das ist der Dresdener Chemikgx Dr. Willibald Henschel. Hen­schel ist ein Schüler Ernst Häckels, dem er seine Schulung in biologischen Dingen ver­dankt. Als Chemiker ist er der wissenschaftliche Berater der großen Dresdner Weltfirma Heyden und Co., für die er unter anderem ein System zur Herstellung k ü n st l i ch e n Indigos in Deutschland erfunden hat, das es uns zum Beisviel ermöglicht, die Jndigofarbe, die wir für die Stoffe unserer gesamten Militärbeklei­dung gebrauchen, nicht mehr aus dem Auslände zu beziehen, sonder« die Millionen, die sie kostet, der heimischen Industrie zuzuführen. Der ungewöhnlich vielseitige Dr. Henschel hat sich aber auch als Historiker betätigt: Er hat unter dem TitelV a r u n a" eine Weltge­schichte erscheinen lassen, die, in glänzendem Stile geschrieben, Zeugnis gibt von einem rei­chen und genialen Wissen. Ein Spezialstudium hat Henschel zur besonderen Beobachtung der Degeneraiionserscheinungen in der Geschichte der Völker geführt. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß neben hohen Kulturleistun­gen immer rassische Dekadenzerscheinungen ne­benhergehen. Das Mtt ihn aber nicht zu der Meinung, daß man aus diesem Grunde etwa die Kultur aufhalten müsse, daß man etwa den Industriestaat (der zweifellos die Deka­denz mehr begünstigt als der Agrarstaat) wie­der in de« Agrarstaat zurückvcrwandcln müßte. Das ist nach seiner Auffassung garnicht notwen­dig: Er fordett nur, daß man i« Deutschland eine Reihe von bestimmten Stätten schaffe, wo es

einer Auswahl von Menschen möglich sei, unbeetnftußt von allen ungesunden Erscheinungen unseres Zeitalters zu leben, in schlichten, primitiven Verhältnis­sen sich und ihre Nachfahren abzuhätten und hier ein neues, starkes, unverweich­lichtes Geschlecht -zu erzeugen. Die die­sen Orten entstammten jungen Generationen sollen dann sozusagen die Reserven darstellen, die dann in die Großstädte entsandt werden, wo sie das verbrauchte und degenerierte Groß­stadtvolk regenerieren. Bis jetzt hat sich die städtische Bevölkerung ja immer durch den länd­lichen Zuzug zur Stadt regeneriert. Aber, da heute schon große Strecken des platten Landes industrialisiert sind, so meint Dr. Henschel, daß die Landbevölkerung heute schon nicht mehr ««. nüge, um der deutschen Nation die notwendige Zufuhrfrischer Säfte" zu garantieren. Daher also seine Forderung von besonderenReor- ganisationsherden". Er bat diese Forderung schon seit Jahren in einer Programmschrift Miitgard* (erschienen im Leipziger Ham­mer-Verlag) vertreten, und zur Verwirklichung seines Ideals hat sich auch einMittgard- Bund" gegründet, der schon seit Jahren eine eigene Zeitschrift herausgibt. Darin wird nun auch für die Einführung der Vielehe gekämpft.Wohlgemerkt: Die Vielehe wird nur für bewußt * a ss e z ü ch t e r i sch e Zwecke gefordert. Die Mittgard-Anhänger meinen, daß es ein Frevel sei. ein Frevel an der Rasse, wenn ein gesunder Mann in der Einehe nur einer beschränkten Zahl von Nachkommen das Leben geben könne.

eine Mittgard-Siedelung.

Dr. Henschel und sein Mittgard-Bund wol­len nun (wie aus Jena berichtet wird) ver­suche«. die Theorie derRasse-Renaissance" in die Praxis zu übertragen und zu diesem Zweck hat der Mittgard-Bund soeben in toter Tagung in Jxna beschlossen, eine große Säe-

delung zu erwerben, wo er seine Ideale für die Gesundung der deutschen Rasse verwirk­lichen will. Inwieweit ihm das überhaupt nach den heutigen Rechtszuständen möglich sein wird, das steht dahin; immerhin: Der Plan, auf dem Wege der Vielehe eine Verbesse­rung der Rasse zu erstreben, ist für unsre Zeit außerordentlich charakteristisch und ein bemer­kenswertes Pendant zu der leidenschaftlichen Anklage des Geheimrats von Snnhau gegen dasZweikinder-Shstem".

Rosenthals Millionen.

Deutsche als Millionen Erben?

Der in Newyork erschossene Spielhöllenbe- fltzer Hermann Rosenthal, der, aus der Kölner Gegend stammt, hat ein Vermögen von etwa fünszehn Millionen Mark hinter­lassen. Einer der vier Erben lebt als inva­lider Buchbinder im Bergisch-Gladbacher Kran- kenhaus. Nach Lage der Sache ist es wahr­scheinlich. daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Hinterlassenschaft Rosenthals an feine in Deutschland lebenden Angehörigen sollen wird. Diese Annahme wird auch bestätigt durch Mit­teilungen, die aus dem Verwandtenkreise Ro- senthals stamme«. Es wird uns darüber be­richtet:

Köln, 17. August.

(Telegramm iinsers Korrespondenten.)

Zu der Meldung aus Bergisch-Gladbach, daß ei« dort im Krankenhause lebender Jnva- übe, der Buchbinder Ludwig Rosenthal, an der Erbschaft des ermordeten Hermann Ro­senthal in Newyork partizipiere, erfahre ich folgendes: An der Erbschaft Rosenthals haben vier Familienmitglieder Rosenthals Anteil, und zwar zwei in Bergisch-Gladbach, einer in Köln und einer in Berkerath. Diese vier machen Ansprüche an die Hinterlassenschaft des reichen Amerikaners. Hermann Rosenthal ist in Bergisch-Gladbach geboren. AlS junger Bursche brannte «r, da er allerhand Streiche verüb te, seinen Eltern durch und wandte sich nach Amerika. Seitdem ist «r verschol­len. Wetteren Nachrichten zufolge sollt« an die Verwandten Rosenthals von Amerika aus Nachrichten gelangt fein, daß das Vermöge« des Ermordeten tatsächlich den Familien­mitgliedern zufalle. Auf eine Anfrage an das amettkanische Konsulat in Köln wurde die Auskunft erteilt, daß man sich an daS deutsche Konsulat in Newyork zwecks weiterer Informationen wenden müsse. Im Kranken­hause zu Bergisch-Gladbach glaubt man, daß di« Nachricht, wonach die hiesigen Verwandten an der Millionenerbschaft Rosenthals beteiligt sind, zutrifft, und daß als Erben drei Neffen und eine Richte in Betracht kom­men. Amtlicherseits hat man sich gestern an das deutsche Konsulat in Newyork gewandt und um genaue Auskunft über den Stand der Erb« schastsfrage gebeten. *

Die Newhorker Polizeimord-Affäre.

Wie uns ein P riv attele g r a mm nu8 Newyork berichtet, hat die Untersuchung in der Rosenthalschen Polizeimord-Affäre zur Aufdeckung weiterer polizeilicher Korrup- tionsfälle geführt, an denen vorwiegend höhere Beamte der Newhorker Polizei be- teiligt sind. In den nächsten Tagen werden wahrscheinlich weitere sensationelle Ver­haftungen erfolgen, und Staatsanwalt Whitmar kündigt an, daß er jetzt Beweisstücke in Händen habe, aus denen überzeugend her- vorgehe, daß die ganze Newhorker Polizei- Organisation von der Korruption ergrif­fen sei. Er werde nicht ruhe«, bis er die Schul­digen und ihre Helfershelser entlarvt habe.

Stimm- und Eeelen-Rätsel.

Das Geheimnis eines Indischen Astrologe«.

Ueber einen merkwürdigen Prozeß, der jetzt sein Ende gesunde« hat, wird ans Kal­kutta berichtet: Es handelt sich um einen je­ner Fälle, die auch der Wissenschaft noch ein Rätsel sind. Vor etwa sechs Jahren inferierte eine M i ß Orme, eine Waise, in Londo­ner Tageszeitungen, daß sie eine gleichalte­rige, unabhängige Gesellschafterin suche. Un­ter ben Bewerberinnen befand sich eine M i ß Stephensou, die angab, fünfundzwanzig Fahre alt, Waise, die Tochter eines verstorbe­ne« englische« Generals und gänzlich mittellos zu sein. Miß Orme fand Gefallen an der Da­me und engagierte sie. Die Freundschaft bei beiden war aber schon «ach wenige« Monaten so weit gediehe«, daß Miß Orme der Gesell­schafterin den Vorschlag machst sie sollten fort­an alsCousinen" austreten und so in größe­rer Ungezwungenheit zusammen reifen. Vor etwa Jahresfrist kamen sie nach Indien. Hier gingen sie eines Tages aus lauter Aben- tcuerlufi zu einem berühmten indische« Astro­logen und ließen sich ihre Zukunft deuten. Miß Ttephenson kam zuerst an die Reihe und der Astrologe erklärte, daß sie End« des Jah­res eine der reichsten Erbinnen fei« würde, zu-