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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung j

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Nummer 213. Fernsprecher SSI und 952. Freitag, 16. August 1912. Fernsprecher 981- und 952.2. Jahrgang.

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Som Leutnant zum König.

Ferdinand von Koburg: Sin Fürstenporträt.

Am fünfzehnten Augusttag neunzehnhundert­zwölf rundet sich ein Vierteljahrhun- bert Bevgangerkheft, das für Bulgariens Ge­schichte bedeutsam und ereignisreich war. Vor fünfundzwanzig Jahren, am fünfzehnten Au­gust, beschwor in der alten Zarenstadt Tirnowo Ferdinand von Koburg die Verfassung des Landes, das ibn kur^ vorher zum Fürsten erwählt hatte: Zum Nachfolger des vertriebnen Battenbergers. Als die Männer der bulgari­schen Sobranje auf der Fürstensuche nach lan­ger Irrfahrt und mancherlei Enttäuschung beim Sohn der Prinzessin Clementine anklopsten, stand Ferdinand von Koburg - Koharh als Oberleutnant beim elften Husaren-Regiment in Wien. Er hatte die Aufgaben, die ein Husaren­offizier in feer Residenz zu erfüllen hat. sehr wür­dig durchgeführt, war ein flotter Lebemann, ein bewährter Tänzer auf den Redouten und ein Meister in der frohen Kunst feines Genießens. Die Ehe, die Bulgarien mit diesem scharmanten Prinzen schloß, war eine Vernunftehe und sie bat (die Geschichte wird es anerkennen müssen) ssch so entwickelt, wie es bei Vernunftehen oft der Fall ist. Äie Mitgift, die Ferdinand mit­brachte, war so gering wie die Morgengabe des Landes, das-ihn adoptierte. Die Mächte hat­ten keine höfische Veranlassung, dem Jüngling Vertrauen entgegenzubringen. Aber diese Ar­mut an Beziehungen, an Wohlwollen, an Freundschaft hat sich heute gewandelt. So ge­wandelt wie Bulgarien in diesen letzten fünf­undzwanzig Jahren, wie Sofia, wie das Volk und wie Ferdinand selbst! In einem Brief, den des Fürsten mütterliche Beraterin, die schlaue Clementine, des Bürgerkönigs von Frankreich Tochter, den Höfen übergab, ist zu lesen: Die Antwottcn (der Großmächte auf die Nottfizie- rung von der Annahme des Throns) lauteten nicbt günstig. Und später ist zu lesen von den unerfreulichen Zuständen der Nation, die in den ~asen, da Ferdinand von Koburg zum Bulga- ren-Fürsten ausgerusen wurde, mit den Ham- meldieben der Schwarzen Berge etwa auf glei­cher Stufe stand.

Das Bierteljahrhundert, das seitdem ver­rauscht. Hal das Bild von Grund aus gewan­delt und heut würde keine Macht Europens ein Schreiben Ferdinands, der inzwischen sich Kö­nig nennen durste, mißachten: Bulgarien ist (wenn man von Rumänien absteht) der ge­achtet sie Staat des Balkans gewor­den ! Man siecht ein festes staatliches Gefüge, in dem die Hitze der Balkanpolttik zu europäischen Graden gemildert ist. Man steht ein kulturel­les Streben, und wenn man von Bulgarien hört, so sind es Meldungen neuer Errungen- schrften, die das Bauernvolk mit den geistigen Mühen Europas verbindet. Die Eisenbahnen haben sich in ihrer Kilometerlänge vervierfacht, Handel, Export und Einfuhr sich verdreifacht. Die Bildung und Volksaufklärung fördert über­raschende Resultates kurz: Eine Nation, die sich von ihrer Armut, von ihrem barten, von der Nawr und fahrbundertlangen Stürmen nieder- gehaltnen Schicksal losreißt, die ihr Schicksal jetzt selbst meistert, und nun, im Rückblick, sich auf einer respektablen Höhe steht. Dies fällt unstreitig mit Ferdinands Regierung zusam­men und das Volk darf mit seiner Wahl von einst zufrieden sein. Mit seinen höhern Zwek- ken ist der frühere Husarenoberleutnant gewach­sen: Er hat Bulgarien emporgefübrt und Prä­sentiert sich in der Tat mit einem Mal vor Eu­ropa als Machtfaktor; er üstd das Volk, das sich' ibm anreihte. Im Angesicht der historischen Aufgaben, zu denen ihn sein Geschick berufen, ist in ihm der ererbte diplomatische Sinn seiner Ahnen erwacht, und man muß anerkennen, daß er den Schwur von Tirnowo gehalten hat.

Indessen: Auch bei Ferdinand von Koburg gilt das Wort, daß der Purpur nicht nur Hel­dengröße, sondern auch Menschenschuld und Menschenschwäche deckt: Er hatte alle Fehler seiner Vorzüge. Mit der Klugheit der Orleans (feiner Familie in mütterlicher Linie) war im­mer eine grenzenlose Rücksicktlosigkett in der Wabl der Mittel gepaart, und Ferdinand hat die Unzuverlässigkeit und die Undankbarkeit, die ia unter seinen Abnen Großes geleistet, nicht verleugnet. Stambulow war sein erster Mi­nisterpräsident gewesen und batte ihn gelehrt, Bulgare zu sein. Als Stambulow anfing, mit seinem Haß gegen Rußland unbequem zu wer­den, Waid er verfolgt, angeklagt, von seinen freunden verraten und zuletzt von nie entdeck­te Hand grausam gewordet. Seine Witwe hatte drn Kranz des Fürsten vom Sarge gewiesen.War das eine Anklage? War es eine ohnmächtige ®efie! Die Welt vergißt rasch über dem Siege Eea, der im Kampf gefallen ist. Und Stambu- lvw war bestellt. Fürst Ferdinand war der

Sieger! Ebenso hat Ferdinand ein zweites Mal die Welt durch seine Vorurteilslosigkeit überrascht. Damals, als er, der Enkel jenes Fürsteustamms, der mit der Kirche Roms seit Jahrhunderten aufs engste verbunden gewesen, als Ferdinand, seinem ausdrücklichen Verspre­chen entgegen, entgegen einem Gesetz, das sol­chen Gesinnungswandel unnötig machte, den erstgebornen Sohn unter des Zaren Schutz zur Taufe vor den orthodoxen Priester führte! Das sind Schattenbilder im Strahlenglanz der Herr­schaft dieses Fürsten, die selbst Ferdinands Ta- tmrubm nicht scheuchen kann.

Und noch ein d r i t t e s Mal schwankte Fer­dinands Chavakterb lf:d hart im Urteil der Geschichte. Das war, als Oesterreich-Ungarn als erste Macht seinen Königsnamen aner­kannte, und gleich darauf (in den Schwierigkei­ten nach der Annexion) Bulgarien nicht auf sei­ner Seite, Bulgarien schweigend und neben Rußland sah. Heut ist auch diese Episode vergessen und Bulgarien Habsburgs Freund, der Gegner einer engem Verbindung mit Ser­bien, die abseits von der Monarchie eigenbröd- lerische Politik betrieben hätte. Sicher ist jeden­falls das Eine: Ferdinand von Koburg hat es verstanden, sich zu einer umworbnen Persönlich­keit der europäischen Politik auszuschwingen und feinen Platz in der Geschichte seiner Zeit zu fixieren. In fünfundzwanzig Jahren ein Werk, das zur Achtung zwingt, und (vom Tän­deln des Husarenleutnants zur Regierungsar­beit eines Königs) ein Weg, der Bewundrung weckt. Die Initiative der Fürsten existiert im zwanzigsten Jahrhundert mehr im Wesen als im äußern Werden der Arbeit, die eine Nation zu Ruhmeshöhen emporführt. Ferdinand von Kvburg-Koharv aber ist der echgentliche Schöp­fer des Aufstiegs Bulgariens, der Träger des Nationalgedankens und der Verwirkli­ch e r der Machtidee gewesen, und wenn man selbst allen Schatten des Allzu-Menschlichen auf den bellen Glanz dieser starken Persönlich­keit-Ausprägung einwirken läßt, bleibt noch ge­nügend Licht, um Ferdinand von Koburgs Na­men in der Geschichte zweier Jahrhunderte hell aufleuchten zu lassen! -an.

Bulgarisch-türkischer Krieg in Eicht?

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel, 15. August.

Die Zuspitzung be» Konfliktes mit Bulga­rien wird hier als sehr ernst betrachtet. Die Möglichkeit eines Krieges wird offen erör­tert. Man bezweifelt, daß es der bulgarischen Regierung gelingen wird, daS Volk zu beru­higen. Die ministeriellen Blätter erflären, die Türkei könne der wettern Entwicklung der Er­eignisse mit Ruhe entgegensehen. Ein offiziö­ses Wiener Kommunique dementiert in ent­schiedener Weise die im Ausland verbreitete. Meldung, daß Oesterreich-Ungarn infolge der Ereignisse in der Türkei an der montenegrini­schen Grenze in Bosnien bedeutende Trup- penmassen konzentriert habe. Der Füh­rer der albanesischen Bewegung in Epirus, Kadri Bey, wurde auf seinem Landgut durch Griechen ermordet. Dieser politische Mord hat hier großes Auffehen erregt. Er wird zur Folge haben, daß der Konflikt zwi­schen der albanesischen und griechischen Bevöl- Irrung wesentlich verschärft wird. Der Ermordete war ein leidenschaftlicher Bor. kämpfer für die albanestsche Autonomie.

Sin europäischer Meinungsaustausch?

Aus Wien berichtet uns im Anschluß an vorstehende Meldung ein Privat-Tele- gramm: Die Situation in der Türkei und die politischen Vorgänge am Balkan haben den Minister des Aeußern, Grafen Berchtold, veranlaßt, dem Kaiser hierüber Bericht zu er­statten. Graf Berchtold wird morgen in Ischl vom Kaiser in Audienz empfangen. Der Mini­ster regt einen Meinungsaustausch d e r M ächt e an zur Unterstützung des gegen­wärtigen türkischen Regimes und seines Ra- ttonalitätenprogramms. um auf diese Weise auch die nationalen Forderungen der Balkan­staaten an die Türkei ordnen zu können.

An Bord der Hohenzollern.

Der Kaiser und die Italiener.

(Privat Telegramm.) Florenz, 15. August.

Die hiesige Zeitung Natione veröffentlicht heute einen Bericht des Abgeordneten Mar­chese Jncontri über den Besuch, den die­ser mit einigen Kollegen dem Deutschen Kaiser an Bord der KaiservachtHohenzol- lern bei der letzten Nordkapfahrt abstattete. Ter Kaiser lud die drei Abgeordneten sogleich nach Abgabe ihrer Karten ein upd empfing sie persönlich. Er sprach mit ihnen eingehend über die politische Saat mit der Bitte an die

Abgeordneten, die Einzelheiten der Unterredung geheim zu halten. Marchese Jneontri teilt aus dem Verlauf der Unterredung an Bord derHohenzollern* nur mit. daß der Kai­ser mit großer Sympathie Italien er­wähnte und die Hoffnung aussprach, daß die Lage sich klären werde, umsomehr als Deutsch­land alles aufbieten wolle, um den Frieden zwischen Italien und der Türkei herbeizuführen.

Nach dem Würzburger Intermezzo.

Obermeister Rahardt rechtfertigt sich.

Mit den Verhandlungen des gestrigen drit­ten Tages hat der Dreizehnte Deutsche Hand­werks- und Gewerbekammer-Kon- g r c ß in Würzburg sein Ende erreicht, und die Tagung wurde vom Vorsitzenden, Obermeister Pl a t e - Hannover, mit einem dreifachen Hoch auf Handwerk und Gewerbe geschlossen. Am letzten Verhandlung stag kgm auch der Zwi­schenfall vom Dienstag zur Sprache, über den wir schon gestern berichtet haben und der Anlaß dazu gegeben hatte, daß die Regierungs- Vertreter den Saal verließen, lieber die gestri­gen Verhandlungen erhalten wir folgenden Bericht:

Würzburg, 15. August.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Zu Beginn der gestrigen Verhandlung des Handwerks, . und Gewerbekammertages gab Obermeister Plate bekannt, daß von einer ganzen Anzahl Handwerkervercinigungen, Handwerkskammern und Einzelmitgliedern Be­grüßungstelegramme eingelaufen seien. Dar­auf nahm Obermeister Rahardt das Wort und erklärte: Der Geheime Oberregierungsrat Dr. Franke hat sich am Dienstag gegen meine angebliche Aeußerung verwahrt, daß Beamte sich der Ausbeutung des Handwerks schuldig gemacht haben. Aus dem mir vorlie­genden amtlichen, unkorrigerten Stenogramm stelle ich fest, daß ich das WortAusbeutung" nicht gebraucht habe. Der de«. Vorsitz führende zweite stellvertretende Vorsitzende Bernhard erklärte hierauf: Ich möchte bitten, die Sache dadurch für erledigt zu betrachten, daß Herr Rahardt nicht gesagt hatausbeu- ten", sondernausnützen". Der Unterschied ist nicht so groß, daß wir etwa hierüber noch in weitere Diskussion eintreten müßten. Ich han­dele wohl im Sinne All«, ohne Unterschied, wenn ich bitte, die Sache

nicht weiter zu erörtern.

Damit war der Zwischenfall etitoigt und es wurde im die Tagesordnung eingetreten. Zu­nächst beschäftigte sich der Kammertag trtit dem Thema Kostsum vereine. Der Referent Dr. Schellen-Münster schilderte daS kolof. sale Anwachsen der Konsumvereine und wies daraus hm, daß der organisatorische Zusam- menschGuß des Konsumvereins in wirtschaft, licher und politischer Beziehung Bedenken erregen müsse. Auch fühle sich das Handweick dadurch bedrückt, daß den Konsumvereinen Steuerermäßigung juteM werde und ihnen für ihre Zwecke sogar fiskalische Räume zur Ver- sügung gestellt würden. Die Gesamtentw icke- lung, die das deutsche Konsumvereinswesen ge­nommen habe, stehe einer gesunden Entwicklung des Staates entgegen und deshalb müßten die in den vorgelegten Leitsätzen ausgestellten For­derungen erfüllt werden, denn den schönen Worten müßten endlich einmal Taten folgen, an denen es bisher offensichtlich gemangelt habe. Wirtschaftspolitik könne nicht allein mit Worten gemacht werden.

Gegen die Konsumvereine!

Die vom Referenten Du Schellen erwähnten Leitsätze enthalten die bekannten Handwerker- fDüberiingen gegenüber den Konsumvereinen und zwar zunächst gesetzliche Maßnah­men und dann Maßnahmen der Selb st - hilse, darunter engeren Zusammenschluß in Handwerkerkorporattonon und wirtschaftlich^ Stärkung der einzelnen selbständigen Existen­zen. In der Debatte nahm Direktor Mayer vom Verband gewerblicher Genossenschaften das Wort, um daraus hinguweisen, daß die Konsumsfrage die aktuellste fei, die es für das Gewerbe gebe. Die Leitsätze wurden hierauf einstimmig angenommen. Der nächste Hand- Werks- und Gewevberammertag wird in Hall« a. S. ftattfinben.

Weltgeschichte... Küchen; ander.

Der Kaiser und der Botschafter-Koch.

Die Pariser Presse ist bekanntlich außer­ordentlich produktiv in der politischen Mär­chendichtung, und wir hatten bekanntlich erst kürzlich Gelegenheit, uns an einem nied­lichen Morgenstund e-Stimmungsbildchen zu er. dösen, daö bi« Boulevardblätter an der Sein«

dem Deutschen Kaiser und dem Reichskanzler andichteten, und in dem die wichtige Frage bei Frühaufstehens die Hauptrolle spielte. Soeben hat nun der Pariser Gauloie ein neues Heldenstückchen vollbracht: Eine diploma. tische Indiskretion, die, wenn auch vielleicht nicht wahr, so doch recht hübsch erfun­den ist:

Pariser August-Märchen.

(Telegraphische Meldung.)

Paris, 15. August. '

Der Gaulois erzählt folgendepolitische< chengeschichte": Im Fahre 1905, bevor man von Marokko sprach, plaudcrte Kaiser Wil­helm freundschaftlich mit dem damaligen französischen Botschafter in Berlin, Herrn B i - hourd. Er fragte den Botschafter unter aniberm:

Man lagt, Sie hätten einen Wunder« baren Koch."

Wunderbar/ erwiderte der Botschafter etwas verlegen,ist Wohl übertrieben, Ma­jestät."

Der Kaiser hatte Wohl eine andere Antwort erwartet, aber da diese andere Antwort nicht kam, wandte er sich einer Gruppe von Offizie­ren zu, mit denen er über den Frontdienst sprach. Acht Tage später begegnete der Kaiser wiederum Herrn Bihourd und fragte ihn zum zw eiten Male:

Haben Sie noch^immer Ihren berühmten Koch, Herr Botschafter?"

Die Antwort war:Allerdings, Majestät, man ist seiner Küche treu."

Das war alles. Bald daraus fugte eine hohe Persönlichkeit aus der Wilhelmstraße zu Bi­hourd:Exzellenz, es liegt Ihnen wohl Nicht viel Baratt, Seine Majestät zu Ihren Gästen zu zählen?"

Mir?" sagte der Botschafter.Aber gang im Gegenteil...!"

... Hm, aber zweimal .. .*

Herrn Bihourd fielen die Schuppen von den Augen:Entschitldigen Sie mich bei Seiner Majestät. Hätte ich eine Ahnung gehabt ...!"

Wir bedauern ungemein, aber jetzt istes etwas zu spät," war die kühle Antwort.

Wie der Gaulois behauptet, fand dieses letzte Gespräch am Tage der Abreise des Kaisers nach Tanger statt: Kleine Ur­sachen, große Wirkungen...!

Die Weltgeschichte am...Bratofen.

Wenn man dem Pariser Blatt seine neueste Enthüllung" glauben darf, dann ist also der Küchenchef des Herrn Bihourd ohne es zu wissen, der eigentliche Urheber der gefahr­vollen marokkanischen Krisis, der Algeciras- Konferenz, die'Entsendung desPanther" nach Agadir, der wiederholten deutsch-französischen und deutsch-englischen Kriegsgefahr, des Ma- roflo-Abkommens vom vierten November 1911 und der Angliederung des Neu-Kameruner Stechfliegen- und Sumpfreiches an den deut­schen Kolonialbesitz. Und ein solcher Mann steht bescheiden am Bratofen und schmort einem ab­gedankten Diplomaten Wachteln & la Luciillüs und preßt ihm Rouener ... Enten aus!

Kassel abermals enttäuscht!

Der Zeppelinbefnch auf morgen verschoben.

Wie dieDelag" «ns auf tele­graphische Anfrage mitteilt, wird heute nachmittag eine definitiv« Entscheidung darüber gefällt wer­den, ob das Zeppelinlnftschiss Viktoria Luise" morgen früh nach Cassel kommt oder nicht. Sollte die Wetterlage heute abend noch so ungünstig sei», wie fie heute morgen war, dann wird die Fahrt am dreiundzwanzigsten oder vierundzwanzigste« August stattfinden. Die Entscheidung fällt im Laufe des heutigen Tages, Cassel ist heute um eine Enttäuschung reicher: Zum zweitenmal wartete es auf das LuftschiffViktoria Luise" und zum zweitenmal mußten die Tausende, die zum Forst hinausgeströmt waren, unverrichteter Sache umkehren. Schon gestern konnten die Casseler Neuesten Nachrichten" auf Grund der vorliegenden Wetterberichte die Ausführung der Fahrt nach Cassel als mindestens sehr zwei­felhaft bezeichnen. Nach dem schweren Gewit­ter, das am Nachmittag niederging, schien es allerdings, als besserte sich die Witterung. Es war jedoch eine Täuschung. Am späten Abend und dann wieder in der Nacht setzte erneut hef­iger Regen ein., der dann, als der Morgen graute, langsam nachließ. Gegen Morgen aber wurde der Himmel klar, ein selten schöner Tag begann und um sechs*r stieg die Sonne in strahlender Brach: am ^piüont em vor. Das