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Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 15. August 1912

Nummer 212

Fernsprecher 951 und 952.

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Casseler NM Mrichtm

Hessische Abendzeitung ________,

fälle vor.

Paris, 14. August.

einzelne Regenschauern, doch meist geringere, kühle, vorherrschend südwestliche Winde. Nag dieser Voraussage zu urteilen, wird das Wet­ter also auch morgen veränderlich und Zweifel- haft bleiben, und es erscheint deshalb frag­lich, ob unter diesen Umständen die Fahrt des Zeppelin-Luftschiffs von Gotha nach Cassel un­ternommen werden kann.

Hungersnot nach dem Erdbeben.

Depeschen aus Konstantinopel mel- den: Unter der von dem Erdbeben heimgesuch- ten Bevölkerung ist eine große Hungers­not ausgebrochen. Die entsandten Hilfsmit­tel sind nicht ausreichend. Das griechische Pa­triarchat wird von der Regierung die Verhän­gung des Belagerungszustandes und die Ent- sendung ausreichender Truppen verlangen. Es ist ein Hilfskomitee gebildet worden, das die Entsendung von Lebensmitteln und Klei­dungsstücken in die vom Erdbeben üeimaesuch- ten Gebiete organisieren will.

überwunden werden müffen.

Kein Zweifel: Es ist am Handwerk schwer gesündigt worden! Während unter den mächttgen Regungen der modernen Arbeiter­bewegung die Gesetzgebung zu weitgehenden Konzessionen, zu, Fürsorge- und wirtschaftlicher SÄutztätigkekt für denvierten Stand" ange- /pornt wurde, ist der eigenüiche Träger des Mittelstands: Das Handwerk, von der " Fürsorge des Staates unentschuldbar vernach­lässigt worden, und es haben sich im Wirbel der kapitalistisch-wirtschaftlichen Entwicklung Zustände herausgebildet, die die Existenz des Handwerks in ihren natürlichsten Vorarkssetzun- zen bedrohen. Die Unterlaffungsünde ist reich­lich spät erkannt worden, und wenn auch heut . oie Gesetzgebung den Forderungen des Hand­werks mehr Interesse und Verständnis ent­gegenbringt, als es noch vor einem Jahrzehnt der Fall war, so harren doch immer noch wich­tige Fragen der Lösung, und Forderungen, de­ren Berechtigung nicht bestritten werden kann, warten seit Jahren der Erfüllung. Eine dieser Forderungen (die wichtigste vielleicht, die das Sozialprogramm der Handwerker-Be­wegung nennt) ist die gesetzgeberische Regelung des Submissionswesens: Eine Ma­terie, deren rechtlich-technische Schwierigkeiten niemand verkennt, deren generell-gesetzgeberische Ordnung aber als wirtschaftliches Notwendig­keitgebot nicht zu umgehen ist. Die Submission ist für den Handwerker im Konkurrenzkampf oes Handwerks untereinander und im Kampf mit der kapitalistisch-organisierten Industrie zur reinen Spekulations-Method«

Die zeppelinfahrt zweifelhaft!

Die Entscheidung fällt heute abend.

Der Barometer steigt und hat fast den Höhe­punkt vonVeränderlich" erreicht. Immerhin ist es noch außerordentlich windig und die Wetterlage derart, daß es sehr zweifel­haft ist, ob das LuftschiffViktoria Luise" morgen früh die Fahrt von Gotha nach Cassel antreten wird. Heute nachmittag unternimmt dieViktoria Luise" aller Voraus­sicht nach eine Rundfahrt über Gotha, die in erster Linie dem Ausmeffen der Tempe­ratur gelten wird. Diese Messungen werden den A u s s ch l a g geben, ob das Luftschiff morgen früh nach Cassel fahren wird oder nicht. Wir erhalten von derDelag" auf telegraphische Anftage folgende Mitteilung:

Gotha, 14. August.

Hebet die Möglichkeit der für mor- geu geplanten Fahrt «ach Cassel ent­scheidet allein die Wetterlage. Sm Laufe des heutigen Nachmittags findet eine Fahrt derViktoria Luise" statt und es wird sich dann entscheiden, ob es möglich sein wird, morgen früh die Fahrt nach Cassel beim Andauern der gegenwärtigen ungünstigen Wetter­lage überhaupt unternehmen zu können.

Die Wetteraussichten für Donnerstag.

Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Donnerstag für Hessen-Nassau fol­gende Witetrung voraus: .Veränderlich,

meißelten Worten nur ausgesprochen, was außer ihm im Ueberzeugungs-Effekt sicherlich noch viele andre Handwerker empfin­den: Daß die gesetzmäßige Regelung des Sub­misstonswesens nicht mit demfenigen Eifer erstrebt und vorbereitet wird, der im Interesse des Handwerks und des Mittelstands über­haupt gefordert werden muß! Die Schwierig­keiten der Materie sind nicht unüberwindlich, die Schaden, die das Submisstons-Unwesen in seiner heutigen Form dem Mittelstand zu- fiigt, machen die Regelung der Frage zu einem Gebot sozialer Fürsorge-Pflicht, und eine Regierung, die nach ihrem eignen Be­kenntnis Mittelstands- und handwerksfreundlich sein will, müßte alle Kräfte daransetzen, dieser Forderung des Rechts Erfüllung zu sichern. Das Würzburger Intermezzo braucht also nicht zu erschrecken: Es könnte sogar (bei einigem guten Willen) zum Ausgangspunkt nützlicherEr- kenntnis werden! F. H.

(Privat - Telegramm.)

In Süd-Frankreich haben in den letzten Ta­gen schwere Stürme großen Schaden an­gerichtet, und im Departement Gironde hat der Sturm fast die gesamte Ernte vernichtet. Jns^ besondere die Küste bei Arcachon ist stark mitge­nommen worden. Hundertfünfzix Fischerboote wurden zerstört. Auch fürchtet man, daß dem Austernpark großer Scha. den zugefügt worden ist. Die Zahl der Men­schenleben, die dem Orkan zum Opfer gefalle« ind, ist noch nicht bekannt, doch laufen aus den Küstenbezirken fottgefetzt Meldungen übet schwere Unfälle auf See ein, so daß mit dem Tode vieler Menschen gerechnet werden muß. Der Sachschaden beziffert sich aus viele Millionen.

Franz Fosrf daheim...!

Intimes aus dem Leben eines Kaisers.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Wien, im August.

In dieser Woche feiert Kaiser Franz Josef sein Gdbunsfeft: Zweiundachtzitz Jahre ...! Ein mildes und liebevolles Gefühl übettommt jeden bei dem Gedanken an so weit hsnausgerückte Jahre. Durch ganz Oesterveich- Ungam macht es sich iün lautem Jubel, in p«vs-

geworden, und da das Handwerk schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht spekulieren kann und darf, büßt es als schmerzlich Leidtragender die Sünden des Systems mit schweren wirt­schaftlichen Opfern.

In Würzburg hat man nun gestern grade dieser Frage eine eingehende Erörte­rung gewidmet, und es sind dabei Fälle und Umstände zur Sprache gekommen, die die Un­haltbarkeit der heutigen Submissions- Methode und die durch sie verursachte schwere Gefährdung der vitalsten Interessen des - Handwerks überzeugend illustrieren. Was sei­tens der Gesetzgebung bisher zur Abwendung der aus dem Submissions-Unwesen sich er­gebenden Gefahren getan worden ist, darf hin­sichtlich des prattischen Effetts gleich null ge­schätzt werden, und die Besserungsveffucheim Berordnungswege" haben das Uebel auch nur 'eis gestreift, seine Wurzel aber unberührt ge­lüsten. Enttäuschungen machen bitter, und so -rhob sich gestern im Würzburger Handwerker- Rat der Berliner Obermeister und Mittelstands- volitiker Rahardt, um vor den versammel­ten Handwerksgenossen und angesichts der Re- Sierungsvertreter-Bank zu erklären, es seider Regierung gar nicht e r n st mit der Verbefle- eung des Submissionswesens; sie benutze die Gelegenheit lediglich ba$u, um die Handwetter "üer'z Ohr zu hauen!" Das war derb; rder Hen Rahardt ist eben keinSalonplauderer, und er mag die schroffen Worte gesprochen frt« «JR. weil der Groll sie ihm über die Lippen drängte. Die anwesenden Männer dxr Regie­rung beantworteten den Vorwurf des Hand- weiks^brrmcisters mit feierlichem Auszug aus dem Saal und erst Rabardts Zurechtweisung

Zwei Spione in Karlsruhe!

Französische Offiziere alS Spione?

(Privat-Telegramm.)

Karlsruhe, 14. August.

Wie die Karlsruher Polizei-Direktion mit teilt, wurden hier in der letzten Zett zwei Ver­haftungen wegen Spionageverdachts vorgenom

durch den Kongreß vermochte sie zur Rückkehr zu bewegen.

Das Intermezzo ist an sich gewiß recht pein­lich, und der Obermeister Rahardt wird ver­mutlich daraus die Lehre ziehen, daß auch im Bereich des politischen und sozialen Kampfs der Ton die Musik macht. Daß die Herren von der Regierungsbank dem Saal erttflohen, in dem solch harte Anklagen gegen den guten Willen treuer Landesfürsorge hörbar wurden, war ihr gutes Recht, und mit der Erklärung des Herrenhaus-Obermeisters Plate: Daß niemand im Saale die schroffen Worte des Kollegen Rahardt billige, dürste nun der Zwi­schenfall die versöhnende Apotheose gefunden haben. Was sich gestern in Würzburg an plän­kelndem Zwischenspiel ereignet, ist indessen nur die äußerliche Erkenubarwerdung der in Hand­werkerkreisen herrschenden Stimmung. Herr Rahardt hat in ungefügen, zu grob herausge-

HMen foNgende MeMmy:

Frankfurt a. M., 14. August. ^Privat-Telegramm.)

W e von zuverlässiger Saite verlautet, ist es dem Oberbürgermeister Mdickes gelungen, den iir die Gründung der Frankfurter Universität als notwendig amsgewiesenen Kapitalbe­darf mit 7 212 000 Matt durch Beschaffung weiterer Stiftungsgelder sicher zu stellen. In der über die Umverfi-ätsvottage entschei­denden Stadtverordueton-Versamnrlnng war bekanntlich beschlossen worden, den Magistrat zu ermächtigen, den Vertrag über die Grün­dung der Universität unter Zulassung etwa er« 'orderlich werdender unerheblicher AenderungE abzuschließen, sobald die Einkünfte des im Ausschußbericht als nachWweisend bezeichneten KaMgkSbedarfs von 7212 000 Mark (als dau­ernd der Universität zur Verfügung stehend) nachgewiesen feien. Im Sinne dieses Be- chlusses war aiuto die vom Ob er Präsidenten Hengsteüberg bai Gelegenheit der Ost­husen Wethe bekan utgegeb eue Kabinettsorder gehalten, durch die der Kaiser genehmigt, daß der Plan der Errichtunig einer Universität in Frankfurt weiter verfolgt wird, und den Mini­ster von Trott W Solz beauftragt, den Ent­wurf einer Undversitätss« tzung vorzulegen, so­bald der Nachweis der erforderlichen Mittel in vollem Umfang erbracht ist. Die hinsicht­lich der finanziellen Sicherung der Grün­dung gestellten Bedingungen sind nunmehr er.

Der Kaiser und die Universität.

Bekanntlich wird der K a i s e r am näch­sten Montag der Stadt Frankfutt eine« Besuch abstatten und bei dieser Gelegenheit die neuen O st Hafenanlagen besichtigen. Ob bereits bei dieser Gelegenheit die S.tiftung s ur­kunde der Universität unterzeichnet werden wird, ist noch fraglich. Nach den äußeren Um­ständen zu urteilen, erscheint die Annahme aber nicht unwahrscheinlich, denn zu der Feier sind aus den Kreisen der Stadtverwaltung neben den ersten Magistratsvertretern und dem Prä­sidium der Stadtverordneten - Versammlung auch diejenigen Herren geladen, die als Förde­rer des Universitätsprojetts hervorgettetensind.

men. Die Verhafteten hatten sich an Personen des Soldatenstandes l^rangemacht, um von ihnen militärisch geheimzuhaltende Gegenstände zu erhalten. Tann versuchten sie, die Gegen­stände in Frankreich zu verkaufen. Nach einer privaten Meldung sollen die beiden Ver­hafteten zwei französische Offiziere sein, die sich feit einem halben Jahre in Karls­ruhe aufhaltcn. ____________

Frankfurts MverWts MMonen.

Die Universität finanziell gesichert!

Die Frankfurter Universität ift nun auch finanziell gesichert: Die sieben Millionen, die eüfovderlich waren, um den Universitäis- pGwn zu finanzieren, sind bereitgestellt, und da­mit ist für fore Verwirklichung des Universttäts- projMs nach jeder Richtung hin die Vorbedingungen erfüllt. Am neunzehnten Anguist stattet der Kaiser der Stadt Frankfurt einen Besuch ab. und es vettautet, daß bereits bei dieser Gelegenheit die Stiftungs­urkunde unterzeichnet werben soll. Wir et-

Pattil an Bord.

Aus Paris wird uns telegraphisch gemel bet: An Bord des Panzerschiffes ..Berits" im Hafen von Toulon brach gestern eine Panik aus. Von dem Feuer unter einem Schiffskesse, entwickelte sich starker Rauch, der durch die Pul­verkammer abzog. Die Matrosen, die dies be­merkten, gerieten in großen Schrecken und zwei­hundertfünfzig Mann sprangen in das Meer. Die an Bord zurückgebliebenen Matrosen setz­ten die Apparate, die zur Füllung der Pulver­kammer mit Wasser dienen, in Bewegung und ersäuften einen großen Teil der Munition. An Bord der in der Nähe befindlichen SchiffeDi­derot" undRspublique" bemächtigte sich gleich­falls der Mannschaft eine große Unruhe. Es gelang jedoch den Offizieren, die Leute auf ihren Posten zu halten. Die zweihundertfünft zig Mann von derVerttS" schwammen an das Ufer und kehrten von dort an Bord zurück.

Würzburger Mermezzo.

obermeister Rahardt... Geheimrat Franke.

In der Main- und Weinstadt Würzburg ist in diesen Tagen der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammer-Kongreß zu ersprießlichem Rat versammelt; zu wichtigen Beschlüssen über die Wiedererstrebung des (längst entfchwundnen)goldnen Bodens" des Handwerks und zu scharfem Protest wider die Sünden und Schwächen der geltenden Gesetz­gebung, deren Verständnis für die drängend­sten Fragen des Handwerkstandes bekanntlich erst künstlich geweckt werden mußte, um über­haupt erkennbar zu werden. Man hat in den letzten beiden Tagen in Würzburg nützliche Ar­beit geleistet, hat in gehaltvollen Debatten die das Handwerker-Interesse bewegenden Fragen und Sorgen erörtert und nach Kräften zur Klä­rung der Meinungen beigetragen. Es ist leider das Verhängnis, oder (besser gesagt): Die Schwäche der modernen Handwerker-Bewe­gung, daß ihr imposanter Kräfteauswand nicht einheitlich nutzbar gemacht wird, daß über Wege und Ziele die Meinungen und Richtlinien inseinandergehen und daß infolgedessen eine Zersplitterung merkbar wird, die den Erfolg der Arbeit beeinträchtigt. Der soziale Kampf des Handwerks ist in den Formen, wie wir ihn h e u t e sehen, eine Erscheinung neuerer Zeit, eine Errungenschaft jüngster Vergangen­heit, und eben deshalb wird die Stoßkraft der Bewegung heute noch durch dieKinderkrank­heiten" geschwächt, die auch im sozialen Leben

Lbermeister Rahardts Anklage.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Würzburg, 14. August.

In der gestrigen Beratung des Handwerks­und Gewerbekammertags krittsierte Obermeister Rahardt-Berlin scharf das Verhalten der untergeordneten Baubehörden bei der Vergebung von Submissionen, durch die das Handwerk schwer bedrückt werde. Dabei brauchte er den Ausdruck, daß Beamte die Notlage des Handwerks ausnützten und ausbeuteten. Am Schluß der im übrigen von der Versammlung beifällig aufgenomme­nen Rede erbat sich der Vertreter des preutzi- chen Ministeriums, Geheimer Oberregierungs­rat Dr. Franke, das Wort: Es sei nicht Sit­te, daß Regierungsvertreter in die Debatte ein­greifen, und er werde hier auch nicht auf den materiellen Inhalt der Rede des Abgeordneten Rahardt eingehen. Aber er müsse aufs ent» chiedenste den Vorwurf zurückweisen, daß preußische Beamte die Notlage des Hand- wetts ausnützten und ausbeuteten. Landtags­abgeordneter Rahardt: Ich kann zu mei­nem lebhaften Bedauern den Vorwurf gegen­über Nachgeordneten Bauchehörden nicht zurücknehmen, daß sie die Notlage des Handwerks ausbeuten. Geheimer Oberre­gierungsrat Dr. Franke: Dann ist es mir unmöglich, Wetter der Verhandlung beizu­wohnen.

Große Bewegung.

Oberregierungsrat Dr. Franke und sämtliche Regierungsvertreter verlassen den Saal. Der Vorsitzende, Obermeister Plate, eilt ihnen nach und veranlaßt sie. im Vorraum zu verweilen. Inzwischen hat Obermeister Bern­hard-Würzburg den Vorsitz übernommen und ettlärt, daß er den Ausdruck Rabardts als nicht parlamentarisch zurückweise. Ober­meister Plate ettucht die Versammlung, darüber abzustimmen, ob sie den Ausdruck Rahardts bil­lige. Die Versammlung ettlärt sich einstim­mig dagegen. Hierauf kehren die Regie­rungsvertreter wieder in den Saal zurück. Obermeister Plate richtet an sie folgende Wor­te: Ich habe soeben eine Absttmmung darüber vornehmen lassen, ob sich der Handwerks- und Gewerbekammertag mtt den Worten des Ab­geordneten und Vorsitzenden der Berliner Handwettskammer Rahardt identtfizieren wol­le, daß Beamte die Notlage des Handwetts ausbeuten. Ich stelle fest, daß der Handwerks­und Gewerbekammertag einstimmig ettlärt bat, daß er sich nicht mit diesen Worten identift- ziert. Ich freue mich, daß die Herren wieder- aekehrt sind, und ich hoffe, daß wir noch viele Jahre in alter Weise freundlich mtteinander ar­beiten werden. . .!

nette Sturm KMtrophe!

Stürme in Spanien und Frankreich.

Der August dieses Jahres ist der Monat der Katastrophen. Das schwere Erdbeben am Marmara-Meer hat nach den neuesten Feststel­lungen weit über dreitausend Men­schenopfer gefordert, und kaum, daß dies« Hiobspost verklungen, trägt der Draht aus dem Süden Europas neue Schreckenskunde durch dit Lande: In Spanien und Süd-Frankreich Hal eine Sturm-Katastrophe schwere Schä­den angerichtet, und nach den vorliegenden Meldungen zu urteilen, scheint abermals bei Verlust von vielen Menschenleben zu beklagen zu sein. Wir erhalten folgende Nachrichtens

Madrid, 14. August.

(Privat-Telegramm.)

Seit zwei Tagen herrscht in Spanien ottan artiger Sturm, ver überall große Verhee, r u n g e n angerichtet hat. Am schwersten scheint die Rordküste betroffen worden zu sein. Bon dort laufen sehr beunruhigende Meldungen ein Zweihundert Fischer wurden gestern mit ihren Booten auf hoher See vom Sturm überrascht. Die Schleppdampfer in Bilbao und anderen Häfen sind außerstande, den Fischen Hilfe zu bringen. Mehrere Boote sind bereit? verloren, und da der Sturm andauert, ist fast keine Hoffnung mehr vorhanden, die ans das Meer Hinausgetriebenen noch retten zu können. Auch ans andern Küstenstrichen liegen Meldungen über zahlreiche Schiffsun-