Casseler Neueste NaWtm
Caffeler Abendzeitung
Hesfische Abendzeitung
Nummer 211
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 14. August 1612
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
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Abermals ein Unglück in der Grube!
Wie uns ein Privattelegramm aus Saarlouis mevret, hat sich gestern nachmittag auf der Kohlenzeche „Kohlenscheid" ein schweres Unglück ereignet, dem zwei Menschenleben zum Opfer gefallen-stnd. Bei der Tagförderung wurden in der Grube fünf Bergleute vom Förderkorb erfaßt. Zwei wurden getötet, zwei andere schwer und der fünfte leicht verletzt. Der Zustand der beiden Schwerverletzten ist hoffnungslos. Rach einer Mitteilung der Zechenverwaltung ist das Unglück auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen.
bei dieser Gelegenheit daran zu erinnern, dach außer der Triple entente auch noch ein Dreibund besteht, dem das Schicksal der Türkei und die Zukunft dos MittÄmoerS nicht gleickgMig fein kann. Die lauten Lrompe- teustöße unsrer offiziösen Friedensengel dürfen uns über alte diese Tatsachen nicht hiinwegtäu- fschen, denn niemand kann darüber im Zweifel sein: Die Unstimmigkeiten ito europäi. schon Konzert haben sich bis zum schrillen Gekreisch verschärft!
Wenn das Laub der Bäume sich herbstlich färbt, wollen in Buchlau Herr von Bethmann Hollweg und Graf Berchtold das Chaos be- plaudern und aus der freien Vogelperspektive rühmlichen Friedenwillens die Dinge betrachten, die sich derweil ereignet. Vielleicht erfahren wir dann, daß das Kleinod der „Nibelun-
Rom, IS. August.
Der gemischte Perfonenzng, der kurz nach sieben Uhr abends V e l l e t r i mit dem Endziel Rom verläßt, entgleiste gestern infolge der Lockerung von Schrauben wenige Kilometer von Velletri entfernt. Die Maschine sprang aus dem Gleise und stürzte den Bahn- dämm hinab. Der nächstfolgende Wagen, dessen Kuppelung brach, blieh stehen. Der zweite Wagen stieß mit so großer Wucht gegen ihn, daß beide Wagen förmlich ineinandergeschachtelt wurden. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden getötet, von den Pafla- gieren waren zwei auf der Stelle tot; fünf- undvierzig wurden verletzt, davon sechs lebens, gefährlich. Von Velletri wurde gleich nach Be- kanntwerden des Unglücks ein Hilfszug abgelassen, der Aerzte und Verbandszeug nach der UnfaWelle brachte. Nach einer privaten Meldung ist der Unfall jn erster Linie auf das schlecht« Schienen - Material zurück- zufiihren.
Und wir? Mr haben im Ostsee-Gewässer den an Bord des CondS gen Kronstadt dampfenden Ministerpräftdenten der dritten Republik mit dröhnendem Kanonengruß geehrt, erhitzten uns sogar ein paar Tage an der süßen Sehnsucht, Herrn Pomcarü (auf kaiserlichen Wunsch) auch in Berlin bewirten zu dürfen und vernehmen nun, fast in der Rolle tragischer Helden tagtäglich, wie die Presse russischer Zunge den Besuch des Pariser Gasts als offizielle Besiegelung franco-russischer Weltaktionen feiert, deren Pläne in aller Stille gediehen. Man hat in Petersburg, in Peterhof und in Zarskoje Sselo über das Mittelmeer wie über eine Filiale der Allianzmacht, eine Domäne der Triple entente gesprochen und hat's weder für nötig befunden, zu flüstern nock des Nachbars Argwohn durch vorsichtige Randbe. ncrkuugen zu schwichtigcn. Man hat sogar Beschlüsse gefaßt für alle Fälle oder Unfälle der Türkei; Entschlüsse von wertesttragender Bodcutung, und weder Herr Pomcarö noch »kur- GaÜLcber haben es für ziemend erachtet.
Kataftrovhen ohne Ende!
Drei neue Eisenbahn-Unfälle.
(Privat-Telegramm e.)
Bochum, 13. August.
Infolge des riesigen Menschenandranges bei der Beerdigung der Opfer der Lothringer Gmbenkatastrophe ereignete sich gestern abend gegen zehn Uhr ein schweres Straßenbahn u n g l ü ck. Ein mtt Menschen überfüllter Straßenbahnwagen der Linie Bochum- Castrop strhr. als er in die a b s ch ü s s i g e Castroper Straße htnabfuhr, mit solcher Wucht auf das Gebäude der Restauration König auf, daß der Vorderperron vollständig zersplitterte. Eine Frau war sofort tot, neun weitere Personen erlitten schwere Verletzungen. Bei einer Frau ist wenig Hoffnung, daß sie am Leben bleibt. Der Anhängewagen, der sich von dem Triebwagen losgelöst hatte, fuhr noch eine Strecke Wetter und fiel zur Sette. Alle Jn- ässen des Wagens kamen zum Glück mit leichten Hautabschürfungen davon. Wie es heißt, ist das Unglück auf ein Versagen der Bremse zurückzuführen.
Bozen, 13. August.
Aus der Rittnerbahn bei Bozen stieß gestern nachmittag ein elektrischer Adhäsionswagen, der den Berg hinauffuhr, mit einem Rollwagen, der mtt sechs Arbeitern besetzt war und den Berg hinunter fahren wollte, zusammen. Zwei Arbeiter wurden getötet, zwei sind schwer, zwei leichter verletzt. Die Schuld trifft den Beamten, der die Ab- lassung des Rollwagens veranlaßt hatte, trotz- dem der Wagen der elektrischen Bahn angemeldet war. Das Unglück würde sicher noch mehr Opfer gefordert haben, wenn nicht noch im letz-' ten Moment beide Wagen mtt aller Gewalt ge- bremst worden wären. Der rlettrische Wagen owohk wie der Rollwagen wurden fast völlig Zertrümmert. Der schuldige Beamte wurde g«, lern abend in Haft genommen; er bestreitet aber jede Schuld und erklärt, daß die Signalvorrichtung freie Sttecke angezeigt habe. Der Zusammenstoß erfolgte an einer Kurve, in der ein Ausblick auf die Geleise kaum möglich ist.
Interessante Bekenntnisse.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 13. August.
Das „Echo de Paris" veröffentlicht eine Unterredung seines Petersburger Korrespondenten mit dem Chef des russischen Generalstabes, dem Fürsten Lieven, dem Urheber und Manager des neuen Marine-Abkommens zwischen Rußland und Frankreich. Der Fürst sagte im Laufe der Unterredung wörttich: 'M bin der festen Ueberzeugung, daß, wenn zwischen Frankreich und Deutschland ein Krieg ausbrechen würde, England sich sofort mit feiner ganzen Flottenmacht auf die Seite Frankreichs schlagen würde. In Frankreich kennt man diese Taffache und rechnet mit ihr . . .! Ueber das neue Marine-Abkommen befragt, erklärte Fürst Lieven, dieses Abkommen sei „eine Notwendigkeit gewesen, um den Zweibund auch zur See in entsprechender Weise zu stärken".
gentreue" immer noch wohlverwahrt im Schreine ruht und Oesterreich-Ungarn, Schuller an Schulter mit dem Bundgenossen, stark und mannhaft den Kobolden des Kulissenspiels Londoner, Pariser und Petersburger Taktik trotzt. Vielleicht ...! Aber Eintracht ohne Taten ist wie ein starker Baum ohne Früchte, und in den Unterredungen, die in der Stille von Buchlau stattfinden, wird darum sicher auch der Gedanke einer europäischen Konferenz erwogen werden: Ein Gedanke, dessen Jdeen- bild immer schärfere Konturen annimmt. Die europäische Konferenz allein kann die Spannung lösen, die bei der geringsten Episode (und erst recht bei großen Episoden be» Völker- lebens) beklemmend auftritt. Sie muß Europa die Ruhe schaffen, die niemand ernstlich anzutasten wagt, und die doch immer bedroht ist. Sie wird sich grade dadurch ergeben, daß manche Mächte ohne sie auskommen wollen, und sich in „intimen Verhandlungen" am wohl- sten zu fühlen scheinen. Seit Jahren verharrt Europa in der gereizten Stimmung fortdauernden Unbehagens: Dem feierlichen Choral des Friedens folgt stets das Rasseln der Säbel und den Versicherungen süßer Eintracht unter den Völkern das drohende Gespenst irgend einer neuen „Mächie-Verschiebung", die gleichbedeutend ist mit der Erschütterung des „friedlichen Gleichgewichts". Jetzt hat Herrn Poincarss Rußlandfahrt uns das niedliche Spielchen mit dem Feuer wieder sehr anschaulich vor's Auge geführt, und man darf deshalb den Wunsch hegen, daß beim Rendezvous in Buch lau keine harmlos lächelnde Maske die Falten ernster Sorge decken möge 1 f. H.
Maffennnglöck im Eisenwerk.
Dreiundzwanzig Arbeiter verbrannt!
(Privat. Telegramm.)
Dortmund, 13. August.
Auf dem Eisen- und Stahlwerk HSsch wurden heute vormittag mehrere Arbeiter (man spricht von fünfundzwanzig) unter einer zusammenstSrzenden Schlackenhalde begraben. Sechszehn Mann sollen getötet worden sein. Ein weiteres Tele. gramm meldet: Rach den bisherigen Er. mittlunaeu sind tm ganzen dr -> iund-
Polizei gestern die Sperrung aller Ve re ms- lokale. Auch der deutsche Klub wurde angewiesen, sein Lokal As auf weiteres zu schließen. Der Koupskommandant läßt den früheren Minister Dschavid Bet aufs schärfste überwachen. Auch alle in DalonM weilenden Komiteemitglieder unterstehen einer scharfen Kontrolle.
Jet Sommer der Unbehagens.
Don Baltisch.Port bis Buchlau.
Dieser Sommer, der uns die Sonne fast «tfremdet hat, der mit Rebel und Regen- schauem durch die Lande fährt und in düstrem Herbste Sahnen die Erinnerung an Sonnenschein uttd Himmelblau begräbt: Er ist auch in der internationalen Politik die Zeit des Unbehagens, der Ueberrafchungen und Unerfreulich feiten Die Unsicherheit der europä'schen Politik, das Dunkel, das sie umgibt, die Aengftlich- keit, die sie begleitet: Das alles hat in den letzten Wochen erheblich zuaenommen. Fast jeder Tag bringt neue Ereignisse, Erklärungen, Beschwichtigungen, aber vergebens sucht man die Schatten, in die alles absiMlich gedrängt wird, zu verscheuchen.. Da war zuerst Daltifch-Port. Der Deutsche Kaiser und der Zar der Russen trafen sich bei der winzigen Hafenstadt und man vernahm, das Ereignis sei „der Besuch befreundeter Familien" gewesen. Gleich darauf kam aus Paris die Meldung über den Ad- Muß eines Abkommens, das die Allianz zwischen Rußland und Frankreich erweiterte, sie aus die Marinen übertrug und das bereits be- stchende Bündnis noch enger den Möglichkeiten der Wien Politik anpaßte. Herr Poincars fuhr »ach Petersburg, und zugleich verkündete man aus Loudon, daß die drei Glieder der H Entente fo fest znfammenständen, wie nur je.
In der Türket bricht fo früh, als kaum es jemand erwarten konnte, das Regime der Jungtücken zusammen, und nun offenbaren bie Wunden, an denen das ottomanifche Reich leidet: Seine Schwächen, seine staatliche Anämie. Indessen beraten auf neutralem Boden (irgendwo ttt der Schweiz) Delegierte der beiden Parteien, die in Lhbien kämpfen wollten, und stnhm nach Worten, mtt denen die Ergebung
.Türken zn umkleiden wäre. „Sommerge- A-uster, sagen die Wersen, und lächeln der Sorge!
die Hinterbliebenen der Opfer.
Dann kamen Hunderte von Vereinen mit ihren Fahnen und Vertreter der Regierung. Als BertreterdesKaisers war der P r i n z vonRatibor erschienen, ferner sah man Exzellenz Harbour, Generalinspettor der Landes- inspektion Dortmund, Oberst von Klitzing, Regierungspräsident von Bake und Polizeipräsi- bent von Gersheim. Den Beschluß bildeten die Mitglieder des Zechenvorstandes und die Zechenbeamten, sowie eine unübersehbare Menschenmenge. Gegen fünf Uhr erfolgte die Ankunft auf dem Friedhof. Kurz vorher hatte der Bischof von Paderborn die Gräber für die katholischen Opfer eingesegnet. Die Särge tour« den von der Sanitätskolonne nach den Grüften getragen und abwechselnd je sechs Särge von Toten katholischer oder evangelischer Konfession versenkt. Bald darauf hielt der Bischof von Paderborn die Trauerrede auf einem schwarzen Podium, das in der Nähe der Leichenhalle errichtet worden war. Nach ihm sprach Gene- ralfuperintendent von Zöllner, dem wieder Ansprachen der beiden Ortsgeistlichen folgten. An dem Leichenzug beteiligten sich insgesamt etwa hundertfünfzigtausend Personen.
Die Braven von Binz.
ünsere »blaue« Jungens« als Helden.
(Von unferm Mitarbeiter.)
Kiel, 13. August.
Die wackeren „blauen Jungens", die bei dem Brückeneinsturz von Binz so tatkräftig Hilfe geleistet haben, sollten bekanntlich für ihr braves Verhalten mtt Ordensauszeich- n u n ge n bedacht werden. Di« Erhebungen, die zu diefem Zwecke veranstaltet wurden, sind nun zum Abschluß gelangt und haben ein ungewöhnlich günstiges Ergebnis gehabt, trotzdem (wie aus den folgenden Angaben hervorgeht) nur außergewöhnliche Per- dienste zur Verleihung von Rettungsmedaillen vorgeichlagen wurden. Es kamen nur diejenigen Mannschaften in Bettacht, die mehreren Memchen das Leben gerettet hatten. Es sind ingesamt sechs Mann zur Ordensverleihung vorgeschlagen worden. Welche Heldenarbeit sie seletftet haben, tarnt man daraus ersehen, daß nese sechs Mann nach den Erhebungen nicht weniger als vierundvierzig Mengen das Leben gerettet haben. An er« ter Stelle steht der Obermatrose Margot von der „Preußen", der bie stattliche Anzahl von zebn Lebensret- ungen aufzuweisen hat. An zweiter Stelle olgt der Matrose M a r q u a r t von der „Pommern", betn neun Menschen heut ihr Leben zu verdanken haben. Den Ruhm, acht Menschen- leben gerettet zu hoben, können zwei Mann in Anspruch nehmen, nämlich der Wachtmeister der Mafchmengetoehrabteiluna aus Laaenau. R 5 -
Der Brand am Balkan.
Haftbefehle gegen frühere Minister!
, (Privat-Telegram m.)
Koustantiuopel, 13. August.
Die Regierung hat gestern gegen den ehemaligen Minister des Innern, Ta l a a t B « Y, einen Haftbefehl wegen Aufwiegelung der Bevölkerung von Serres erlassen. Der verhaftete Gefängnisdirektor des Kriegsgerichts, Un- teÄeutnant Salem, wurde wegen Aufwiege- luna der Truppen gegen die Regierung zur Füsilierung verurteilt. Hier eingegangene Depefchen aus Sofia berichten: Die Er. vegung in Bulgarien wächst mtt jedem Tage mehr. Ein aus allen Parteien zusammengesetzter Ausschuß, in dem mehrere ehemalige Offiziere und Minister berrieten sind, fordert zu Straßendemonstrationen und Pro- testversammlungen auf gegen das Gemetzel von Kotfchana und die Untätig$eit der Regierung. Die Blätter rufen zum Krieg und raten, das auf den fünfzehnten August fallende Regierungsjubiläum des Königs Ferdi« nand angesichts des „offenen GvNbes der Ra. tion" nicht zu feiern. AUf Weisung des Korps- kommaudanten von Saloniki verjBate die
In. einigen Wochen wird der Kanzler - des Reichs, der erst eben vom Zarenland goldne Zuversicht mit heimgebracht, abermals auf Reisen gehen. Das Ziel der Fahri ist diesmal Schloß Buch lau auf österreichischer Erde und dort, wo in den Tagen des BaMan-Abem teuere der nun hetmgegamgne Lera Aehren. chal mit Jswolski's intrigantem Raffinement um die Siegerpalme rang, wird Herr Theobald von Bethmann Holltoeg mit dem Grafen Berch- told (dem Erden Achvenihals) „die schweben, den Fragen beraten". In der Stille eines friedlichen Erdenwinkels, abseits vom Lärm und Getöse des politischen Wocheumackts, dessen Jargon heut schriller als je durch alle Wäti-ersipalten schreit. Indessen: Bei der Fülle der ANonen muß die Phrase der Harmlosigkeit fallen. Der französische Premier will in Petersburg mehr als „Repräsentattonspffichten .Üben", ebenso wie der russische Zar mehr wollte, als Wilhellm den Zweiten plaudern hören. Gewiß verbindet eine Linie diese in gans Europa verstreuten Handlungen, eine Absicht, ein aktueller Zweck. Ueber die Kaffevbe- gegnuug ist nichts Juttmeres bekannt geworden als die bekannten „Versicherungen der Freundschaft". Dafür (wenn auch nur in halben Wor- ten) desto mehr einige Zett später über die Schritte des frauzöstschen Kabinetts. Man habe, brutal herausgefagt, einen Krieg ge- gen Deutschland in den Bereich der Erwägungen gezogen, und wenn er losbrechen sollte, bie Rollen zwischen die Flotten verteilt. Man habe auch die Orientftage erörtert und erkannt, daß England, Rußland und Frankreich darüber eine Meinung haben.
mer, und bet Matrose Boska von der „Preußen". Der Matrose Rose von der „Preußen" hat außer fünf Lebensrettungen noch das Lob erhalten, daß er sich ganz hervorragend bei Tauchversuchen nach Untergesunkenen betätigt und dadurch zum Gelingen deS Rettungswerkes viel beigetragen habe. Endlich wird noch der Matrose von der „Preußen", Scheidert", zur Verleihung der Rettungsmedaille voraeschlagen werden, da er vier Menschen das Leben gerettet hat. Aber auch die anderen Matrosen, denen es nicht gelungen war, soviel Menschen den Fluten zu entreißen, haben in hervorragender und aufopfernder Weife ihr Leben für die Verunglückten aufs Spiel gesetzt und einer weiteren großen Anzahl Verunglückter das Leben gerettet. Der hervorragende Geist, der in unserer Marine herrscht, ist aber daran zu erkennen, daß diese Helden eben nur ihre Pflicht getan haben und ihren Lohn in diesem Bewußtsein finden.
Am Massengrab in Gerthe.
Die Beisetzung der Opfer von Lothringen.
(Privai-Telegram m.)
Bochum, 13. August.
Der letzte M des furchtbaren Dramas au der Zeche Lothringen ist zu Ende: Gestern nack- mittag hat man bei trübem Wetter und zahlreicher Beteiligung die hundertvierzehn O p f e r der Katastrophe auf dem Gerther Kommunalfriedhof beigesetzt! Vor dem Eingang zu der Zeche staute sich eine unübersehbare Menschenmenge, die in der Hauptsache aus den Nachbargemeinden des Jndusriiebezirkes eingetroffen war. Fast die ganze Polizei von Bochum mußte zur Aufrechterhaltung der Ordnung herangezogen werden. Die Sanitätskolonne hatte fliegende Stationen errichtet, die mehrere Male in Tätigkeit treten mußten. Gegen halb fünf Uhr begannen die Glocken von Gerthe und der ganzen Umgegend an zu läuten und bald darauf setzte sich der T r a u e r z u g tn Bewegung. Den Zug eröffneten zahlreiche Geistliche beider Konfessionen mit dem B i - "chof von Paderborn mit der Mitra an der Spitze und dem Generalsuperintendenten Dr. von Zöllner. Dann folgten zwanzig Leichenwagen mit den Särgen der Verunglückten, und hinter jedem einzelnen Wagen folgten