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Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung________________

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Nummer 203. Fernsprecher 951 und 952. Sonntag, 4. August 1912. Fernsprecher 951 und 952.2. Jahrgang.

Die Gaff der Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbomlementSpreis beträgt monatlich so Pfg. bet freier Zustellung in« Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Verlag und Redaktion: Schlächthofftratze 28/30. Sprechstunden der Redaktion nut von 1 di» 3 Uhr nachmittags, Sprechstunden der Auskunft Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bts 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichs« 16, Telephon: Amt Mortypiatz 676

Hm zwanzig Mennige!

Ein netter Beitrag z«m Kapitel: Beteranen- Rot; die Geschichte eines Stückchens Holz.

Zur Tragödie gesellt sich mitunter die Burleske. Das Düster der Tragödie wird dadurch zwar nicht erhellt, aber man schaut das Tragische im Rahmen des Komischen und suhlt, wie grausam zuweilen das Schicksal des Le­bens Extreme nebeneinanderstellt. Am ersten August tag saß aus der Anklagebank des Detmolder Schöffengerichts ein greiser Ve­teran, den die Anklage der erschreckenden Sünde zieh, aus den Waldungen des Fürsten zur Lippe ein Stückchen Holz gestohlen zu haben, das nach sachverständiger Schätzung den phänomenalen Wert von ... ganzen zwanzig Reichspfennigen besaß! Die­ser zwanzig Kupferstückchen wegen mußte der ganze Apparat der Strafjustiz (Gendarm, Rich­ter, Staatsanwalt, Schöffen, Gerichtsschreiber und Zeugen) aufgeboten werden; um nach dem Willen des Gesetzes diese Wald- und Wtesen- gcschichte ziemend zu ahnden, war die »An­lage" eines voluminösen Aktenstücks erforder­lich und das Zwanzigpfennig-Jntermezzo for­derte denselben Aufwand amtlicher Mühe und Arbeit wie irgend ein Kapitalverbrechen, bei dem der Einsatz den Märchenschatz-Wert von zwanzig Kupferstückchrn um einiges übersteigt. Der Mann auf der Anklagebank, ein aller müder Greis, erschien vor seinen Richtern mit der Kriegerdenkmünze auf dem Armut-Rock, und er wußte auf die harte Sprache der An­klage nichts andres zu erwidern, als daß die Rot ibn in des Waldes Dunkel hinausge­trieben habe: Die harte Not des LebenS!

Die Richter von Detmold waren Juristen mit menschlich-warmem Empfinden: Sie schick­ten den alten Mann, der den Millionenbesitz des Lipper Fürsten aus Not um zwanzig Pfennige vermindert hatte, nicht (wie der grausame Buchstabe des Gesetzes es heischt) ins Gefängnis, sondern beschlossen die Einstel­lung des Verfahrens. Diese Möglichkeit wäre noch vor Jahresfrist nicht gegeben gewesen; erst vor einigen Monaten ist die erbarmunglose Härte des geltenden Strafrechts für den Fall leichter Vergehen in der Weise gemildert worden, daß anstelle der früher ausnahmslos angedrohten Gefängnisbuße auch auf Geld­strafe erkannt werden kann, daß die Verfolgung nur auf Antrag eintritt u. daß die Zurücknahme des Strafantrags jederzeit zulässig ist. Dieser (endlichen) Vermenschlichung des Strafrechts hat es der Detmolder Veteran zu danken, daß er an seines Lebens Abends vor der Schande des Gefängnisses bewahrt bleibt, wenn es den Pflichteifrigen, die wegen des Werts derge- stohlnen" Buchengerte gegen den alten Mann Strafanzeige erstatteten, nicht etwa geboten erscheint, aufgrund der nun in Kraft befindli­chen neuen Bestimmungen gegen denDieb" Strafantrag zu stellen, um die zwanzig Kup­ferpfennige durch ein paar Mark Geldstrafe sühnen" zu lassen. Wie gesagt: Der Zufall hat's verhütet, daß eine Veteranen-Tragödie zum Menschen-Drama wurde, und wir müssen also dem Zufall dankbar sein, daß er uns Beschämung ersparte!

Indessen: Auch diesen braven Krieger hat die Not aus den Pfad der Sünde getrieben, der kategorische Imperativ des Lebenzwangs, der keine Schranken kennt. Wie vor Gericht fest­gestellt wurde, befindet sich der Mann, der vor vier Jahrzehnten brav und tapfer für sein Va­terland gestritten, seit Jahren in einer ver­zweifelten Notlage. Der in den Strapazen des Feldzugs zermürbte Körper ist siech und schwach; für den Greis mit den zitternden Händen müden Alters gibt's nirgends Arbeit und Verdienst; die Familienangehörigen be­finden sich selbst mitten im verzweifelten Kampf ums Dasein, und so bleibt für den Alten nichts übrig, als durch Handreichungen und Boten­gänge kümmerlich sein Leben zu fristen. Er trägt die Denkmünze, die ihn an den Kampf ums Vaterland erinnert, wie ein Märtyrer auf der Brust, und während er hungert und darbt, irren seine Gedanken vielleicht zurück bis zu den Tagen, da er, ein junger Krieger, auszog, fürs Vaterland zu kämpsen! Der Veteran Dux starb in Berlin, mitten im bunten Gewühl bet prunkenden Hauptstadt des Reichs, den Hunger­tod: Den alten Krieger aus Detmold trieb die Undankbarkeit des Vaterlands dem Staats­anwalt in die Arme, und er kann von Glück sagen, daß ihm das Härteste erspart geblieben. Dor Weg in den Kerker! Man mag über Schlagworte" undPhrasen" immerzu spot­ten, aber, Hand aufS Herz: Wer sündigt hier?

Als man am Spielplatz in der Düsseldor­fer Straße in Berlin den armseligen Körper des elend verhungerten Veteranen Dux ausbob.

bat das nationale Gewissen sich flüchtig geregt. Aber bei der Regung ist's auch geblieben: Emsige Statistiker haben errechnet, daß von den braven Kriegern, die aus dem Kampf mit Frankreich die Einheit des deutschen Reichs als Siegerpreis heimbrachten, noch einige Hun­derttausend (als Greise) unter der Enkelschar weilen, und man hat damit zu beweisen ver­sucht, daß eine durchgreifende allge- meine Veteranen-Fürsorge zurzeit wirtschaft­lich untunlich sei, weil sie Mittel erfordern würde, deren Aufbringung das Reich in finan­zielle. Schwierigkeiten stürzen müsse. Schwich- tigungversuche dieser Art, Entschuldungen in dieser durchsichtigen Form beleidigen das nationale Empfinden und verdienen, mit zie­mender Entrüstung zurückgewiesen zu werden. Der Reichs- und Staatsetat weisen Jahr um Jahr steigende Millionen-Ziffern lediglich für Pensionen auf, die an vorzeitig verab­schiedete oder freiwillig aus dem Dienst aus- getretne Militär- und Amtspersonen gezahlt werden. Niemand denkt daran, diese dauerndr Millionen-Last zu beseitigen oder zu vermin­dern; man betrachtet sie einfach als schuldigen Tribut, den Reich und Staat 'dem Verdienst zollen. Sind unsre Veteranen nun, die für das Vaterland Alles (nicht nur Kraft und Ar­beitleistung) freudig geopfert, etwa weniger verdient, als Diejenigen, denen die Erfüllung gebotner Pflicht auch im Ruhestand mit klingen­der Münze gelohnt wird ? Das Verlangen nach ausreichender Veteranen-Fürsorge ist eine na­tionale Gewissen-Forderung, um deren ErMung nicht gefeilscht und gehandelt werden darf! F. H.

Wieder: Das nationale Empfinden!

Die Versicherung der Zeppelin-Luftschiffe.

Es ist kürzlich mitgeteilt worden, daß die englischen Versicherungs-Gesellschaften, bei denen das Zeppelin-LuftsckisfSchwaben" versichert war, die Auszahlung der Versiche­rungssumme verweigern. Die deutsche Lust- schiffahrts-AktirngesellschastTeklag" wird also einen Prozeß um .das Geld führen müssen. Es ist im Anschluß an diesen Fall die Frage aufgeworfen worden, warum dieDelag" nicht bei deutschen Gesellschaften versichert hat. Mit Recht hat man betont, die Versicherung bei ausländischen Gesellschaften schließe die Gefahr ein, daß Ausländern ein Einblick in die Kon­struktionsgeheimnisse der Zevpelinluftschisfie ge­währt weide. Deshalb müsse die Versicherung im Inland bleiben. Zu diesem ganzen Kreis von Fragen wird jetzt eine

Erklärung der Delag

bekannt, die in mancher Beziehung (namentlich auch im Hinblick auf das nationale Emp­finden) charakteristisch ist, DieDelag" teilt nät.nlich über die Art der Berficherung bei LloydS in London und anderen englischen Ber- sicherungsgesellfchoften mit, daß ein durchaus klarer Vertrag besteht, nach welchem die Luftschiffe gegen Feuer und Blitzschläge ver­sichert sind. In dem Vertrag ist für wenige scharf bestimmte Fälle die Versicherungspflicht als aufgehoben bezeichnet. Die Versicherer ha­ben bisher den Grund ihrer vorläufigen Zah­lungsverweigerung nicht angegeben. Die ein­zige deutsche Versicherungsgesellschaft, die aus nationalem Empfinden selbst heute noch bereit wäre, die Versicherung abzuschließen, je­doch trotz dankenswerter Bemühungen keine Mitkontrahenten finden konnte, ist die Württembergische Privat-Feuerversicherungs- Aktiengesellschaft in Stuttgart.

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Das heißt also mit andern Worten: DieDe­lag" hat in Deutschland wegen der mangeln­den Bereitwilligkeit deutscher Gesell­schaften keinen Versicherungsvertrag abschlie­ßen können! Es wäre in der Tat gut, wenn darin jetzt eine Aenderung eintreten würde, zu­mal sich gezeigt hat, daß die englischen Gesell­schaften eine klare Verpflichtung bestreiten. Gehört auch vielleicht noch etwas Mut dazu, das Versicherungsrisiko auf sich zu nehmen, so besteht doch ein nationales Jnteresse, daß sich deutsche Gesellschaften dazu bereit finden lassen. Zudem darf wohl gesagt werden, daß das Risiko mit der ständig wachsenden Be- triebssnherheit der Zeppelin-Luftschiffe immer kleiner wird. Daß deutsche Gesellschaften die Versicherung der Zeppelinschiffe bisher abge­lehnt haben, ist jedenfalls das charakteri» t i s ch st e Moment in der Angelegenheit.

Die Moua Lisa gefunden?

Acht Monate nach dem Diebstahl.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 3. August.

Hiesige Blätter berichten über einen auffe- henerregenden Vorfall: Auf der englischen Botschaft erschien aettern ein Fremder, der

angab, englischer Untertan zu sein und aus L o ud o n zu kommen, wo ein Unbekannter ihn beauftragt habe, ein Gemälde, das er ent­rollte, nach Paris zu bringen. Man glaubt, daß es sich um die aus dem Louvre gestohlene Mona Lisa handelt. Auf der Boffchaft er- klärte man dem Fremden, er möge daS Bild da- laffen und heute wiederkommen. Das Bild wurde dann von Sachverständigen untersucht. Bis jetzt weiß man noch nicht, ob es sich tat­sächlich um das gestohlene Gio c o ud a- Bild handelt, doch sprechen mancherlei Anzeichen dafür. Das Bild war bei der Ablieferung gänzlich unbeschädigt.

Neue Arbeitskampfe in Sicht?

Die Streikgefahr im nächsten Frühjahr.

Aus Kreisen der Arbeiterbewegung wird uns geschrieben: Im Baugewerbe, in der Holz- und Metallindustrie, scheint es zu schweren Arbeitskämpfen kommen zu sollen. Am ersten April nächsten Jahres wer­den die bestehenden Tarife ablausen, die vor drei Jahren abgeschlossen wurden. Nach wo­chenlangen Verhandlungen und unter Mitwir­kung der Regierung war damals der Reichs- tarif für das Baugewerbe zustande gekom­men, wonach die Arbeiter ihre ursprünglichen Forderungen bedeutend ermäßigten und auch die Arbeitgeber Konzessionen machten. Natür­lich ist in der Zwischenzeit daraufhin gearbeitet worden, durch einen neuen Tarif das Los der Arbeiter weiter zu verbessern. Allerdings ist zurzeit die Konjunktur nicht die beste, und es ist zum mindesten fraglich, ob sie sich im nächsten halben Jahre günstiger gestalten wird. Die Arbeiterführer erflären, daß die Arbeitge­ber diesen Umstand ausnützen und einen ent­scheidenden Schlag gegen die Organisationen unternehmen wollen. Taffache ist, daß der A r - beitgeberverband in einem Rundschrei­ben die Ortsverbände ersucht hat, Neubauten für das nächste Jahr nur

mit der bekannte» Streikklausel zu übernehmen. Ferner sollen Pläne für drin­gende Bauten baldigst fersiggestellt und die Arbeiten dann sofort begonnen werden, da man zum April mit einem vollständigen Brachliegen des Baugewerbes rech­net. Die Organisationen der Bauarbeiter ha­ben dagegen (wie es heißt) Forderungen für einen etwaigen neuen Tarif noch nicht ge­stellt und in ihren Verhandlungen betont, daß die Verhältnisse auf dem Baumartt für neue Forderungen ungünstig liegen. Sie sollen aber bereits Vorbereitungen zu einem großen Kampf treffen, und für das kommende Früh­jahr mit einer Aussperrung rechnen. Im Dachdeckergewerbe ist der Streik bereits ausge­brochen und die Aussperrung eines Teils der Arbeiter fft diesem Streik gefolgt. In der Ge­schichte der Berliner Arbeiterbewegung ist es zum ersten Mal vorgekommen, daß eine Orga­nisation einen ablaufenden Tarif ohne jede Lohnerhöhung oder Arbeitszeiwerkürzung er­neuern will und daß nun die A r b e i t g e h e r Schwierigkeiten machen. Während die Dach­decker den bisherigen Tarif auf

ein bis zwei Jahre verlänger« wollen, erklären die Arbeitgeber, sich nur bis zum ersten April 1913 vertraglich festzulegen. Infolgedessen kam es mitten in der Hochkon­junktur für das Dachdeckergewerbe zu Arbeits­einstellungen und anschließend daran zu einer teilweisen Aussperrung. Natürlich haben die Dachdeckermeister ihren Beschluß im Einver­ständnis mit b em Arbeitgeberver­band für das Baugewerbe gefaßt. In der Holzindustrie liegen die Verhältnisse ebenso wie im Baugewerbe. Auch die Holz­arbeiter rechnen mit einer Aussperrung im nächsten Frühjahr, falls die Arbeiter mit neuen Forderungen kommen sollten. In der Metallindustrie deuten die Verhältnisse gleichfalls darauf hin, daß das nächste Jahr schwere wirtschaftliche Kämpfe bringen wird. In England haben erst vor einigen Tagen die Docker auf Veranlassung der Arbeiterführer die Arbeft wieder ausgenommen, ohne etwas er­reicht zu baden. Wie die Verhältnisse liegen, ist es auch bei uns sehr fraglich, ob neueArbeits- kämvfe, wenn sie im kommenden Frühjahr tat* sächlich ausbrechen sollten, den Arbeitnehmern den ersehnten Erfolg bringen werden, und es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß die drohenden Kämpfe vermieden werden könnten.

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Mer Monate im Streik!

Wie uns aus Görlitz berichtet wird, ist dort gestern nach dreitägigen Einigung sver- handlungen (an denen Vertreter des Gesamt- Verbandes Deutscher Metallindustrieller, Ver­treter der Verwaltung der Waggonfabrik, die Gauleiter der am Streik beteiligten Arbeiter­organisationen und sieben Streikende teilnah men) nach fast viermonatiger Dauer der Streik in der Görlitzer Waggonfabrik beige­legt worden. Die Arbeit soll Anfang nächster Woche wieder aufgenommen werden. Arbeiter und Fabrikleitung haben beiderseits Kon, Zessionen gemacht und für längere Zeit die Ar­

beitsbedingungen neu festgelegt. Auch soll ein ständiger Arbeiterausschuß gebildet wer­den.

Bomben in Saloniki!

Vierzig Opfer einer Bornben-Exploston; die Krise in der Türkei; Unruhe überall.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.) Konstantinopel, 3. August.

In Saloniki verbrannten infolge einet Bombenexplosion sechs Häuser. In dem Ba­zar von Kotschaua im Wilajet Kossowo explo­dierten kurz Hintereinander zwei Höllen­maschinen. Die Wirkung war furchtbar. Ungefähr vierzig Personen sind g e t ö. tet, viele verletzt worden. Einzelheiten feh­len. Eine amtliche Depesche aus Monastir be­sagt, daß in Ochrida in dem Garten hinter dem Regierungskonak eine Bombe explodier- t e. Einige Fensterscheiben wurden zertrüm­mert, sonst ist kein Schaden angerichtet worden. An der montenegrinischen Grenze Haben Mali- feren türkische Walltürm« angegriffen und etwa vierzig türkische Soldaten entwaff­net. Sechstausend-Malisoren und Montenegri. ner rüsten sich zum Marsche auf Plewa. Die Spezialkommission für Albanien hat auch ge­stern Beratungen in Prischtina abzehalten und dem Bairaktars versichert, daß das Kabinett von der Notwendigkeit «der Auflösung bet Kammer überzeugt sei, aber erst nach den ge­setzlichen Mitteln suchen müsse. Inzwischen sind alle Offiziere der türkischen Armee, die als Par­teigänger der Jnngtürken agitatorisch Hervorge- treten sind, zwangsweise aus ihren bis­herigen Garnisonen versetzt worden. Der Kom­mandant des Wachtturmes, Gavdischta, sowie fünf Ortsvovftcher und zweiundfünfzig Gen, bannen sind zu den Albanesen über, gegangen und Haben ihren Posten verlas­sen. In Siwitza brachen die Albanesen in das Gefängnis ein und setzten Hundertzweiunddrei, ßig Sträflinge in Freiheit. Bei S«lasche fand geistern ein erbitterter Kampf zwischen Malst, soren und der Besatzung mehrerer Wachttürme statt. Die Besatzung wurde schließlich überwäl­tigt, enttoaffiw und dann freigelassen.

Der Unabhängigkeits-Taumel. ,

Einem Telegramm aus Smyrna zufolge haben die Bewohner der Insel Rikaria die für. fischen Behörden dieser Insel abgesetzt und ihre Unabhängigkeit proklamiert. Rikaria befindet sich nicht unter den von den Italienern besetzten Inseln. Man nimmt an, daß die Bewohner der Insel durch ihr Borgehen be- zwecken wollen, sich auf denselben Standpunkt zu stellen, um, wie die Einwohner der von den Italienern besetzten Inseln, sich durch ihre Unabhängigkeitserklärung eine bessere Behand­lung zu erzwingen. Die türkische Regierung hat bereits Maßnahmen getroffen, um die Ord­nung auf der Insel wieder herzustellen. Es sind zwei Kriegsschiffe nach dort abge­gangen.

Aslkrhtzgirrre in Gaffel. , Gesundheitspflege in Cassel; Hygiene in den Familien; Gesundheitspflege u. Vermögen.

Unter den Ausgaben Haben jetzt, zu einer Zeit, wo die Grundprinzipien einer volkser. haltenden Gesundheits- und Körper, pflege ihre eifrigsten Lehrer finden, die Aus- Wendungen, die in den einzelnen Familien füt Gesundheits- und Körperpflege gemacht wer­den, die allgemeine Aufmerksamkeit für sich. Die in der vom Kaiserlichen Statistischen Amt veranstaltetenErhebung von Wirtschaftsrech­nungen minderbemittelter Familien im Deut­schen Reiche" berücksichtigten Familien haben in der Hauptsache jewefls nur ein Einkommen von 3000 Start, weniger größere Einkommen wurden nur ausnahmsweise miterfaßt. 852 Familien aus dem ganzen Deutschen Reich sind berücksichtigt, bei denen sich durchschnittlich eine Einnahme von 2192,08 Mark ergibt und eine Ausgabe von 2234,02 Mark. Von den gesamten Ausgaben entfatten auf Gesundheits- und Kör. Perpflege gleich 2,28 Prozent der Gesamtaus­gaben. Selbst wenn man bedenkt, daß es sich hier eben um die minderbemittelte Bevölkerung Handelt, erscheinen die Aufwendungen für Hy­gienische Zwecke beschämend gering.. Von den bei der einzelnen Familie im Durch­schnitt ermittelten Ausgaben für die Gesund­heits- und Körperpflege ents-Alen: 41,19 Mark auf die Gesundheitspflege, 9,67 Mark auf die Körperpflege. Zu ersteren gehören die Auf­wendungen für Arzt, Arznei und Krankenhaus- bchandlung und man darf nicht vergessen, daß namentlich in den Arbeiterfamilien ein großer Teil dieser Ausgaben durch die Krankenkassen.