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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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2. Jahrgang.

Nummer 198.

Dienstag, 30. Juli 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Kin Eomüag-Imma!

Der Einsturz der Landungsbrücke in Binz.

Dnrch de« Einsturz einer Landungs- brücke find am gestrigen Abend in Binz auf Rügen viele Menschen, über Hun­dert, in die Ostsee gestürzt. Eine fvrchtbare Katastrophe schien «nver- meidlich, doch gelang es, viele der ins Wasser Gestürzten an Land zu retten. Die meisten wurden von Matrosen aus dem Wasser gezogen. Biele find verletzt worden, einundzwanzig Personen tot. Die Wiederbelebungsversuche hatten «nr bei einer Anzahl der Gerettete« Erfolg. Sm ganzen find fünnfund- zwanzig Personen verletzt worden.

Eine Katastrophe des Massentriebs, ein Drama der Schaulust und der Hast unsrer Zeit hat schmerzliche Opfer gefordett: In Binz auf Rügen stürzt die weit ins Meer sich vorreckende Landungsbrücke zusammen, als grade Hundette von Menschen sich auf dem schmalen Stege drängen, um als Erste den öden andrchenden Dampfer »Kronprinz Wil­helm" betreten zu können. Manches Jahr hat die aus schweren Balken und Bäumen gefügte Brücke dem Ansturm drängender Menschen- maffen standgehalten, manchmal Hast und Un­geduld vorm Verhängnis bewahrt: Nun zerbrechen die derben Stroben des Geländers unter der Wucht unsinnig vorwärts drängender Menschenkraft; der schmale Steg, der das ver­derbendrohende Element vom hastig pulsieren­den Leben trennt, stürzt unter dem Gewicht des Menschenknäuels zusammen und als Echo der Katastrophe gellen aus den düstren Fluten der See verzweifelnde Hilferufe zum nahen Ufer. Einundzwanzig Menschenleben hat das Drama in eines Augenblicks flucht'ger Dauer vernichtet (Depeschen von heute mittag beziffern die Zahl der Opfer sogar noch höher), und ein glückli­cher Zufall nur hat's gefügt, daß nicht noch mehr Leben im kalten Grab der Fluten endeten. Und die U r s a ch e der Katastrophe, der An­laß zu dieser Maflenopferung von Glück und Leben? Der ungebändigte Mafsentrieb, der tief im Menschenherzen schlummett, die Unrast und Unruhe des modernen Ver­kehrslebens, das den Begriff »Zeit" fast nicht mehr kennt und im Momenteffekt der Mühe höchstes Ziel erblickt, und die drängende Hast der Masse, die weder Vorsicht »och Sicherheil­gebot achtet, sondern unter allen Umständen das Wegziel auf kürzester Bahn erreichen will! In einer Schilderung der gestrigen Katastrophe wird darauf hingewiesen, daß bei der Ankunft des Dampfers »Kronprinz Wilhelm" die Menge auf der schmalen Landungsbrücke sich »in ganz unsinniger Weis« staute". Wie das zu geschehen pflegt, ist hinlänglich be­kannt: Die Masse drängt nach vorn; Jeder will als Erster am Ziel sein, um ja keinen Moment zu versäumen, kein Augenblicksbildchen sich entgehen zu lassen. Die »Glücklichen", die vorn am Landungssteg stehen, werden zusam­mengepreßt wie bei einer Panik; di« Masse indessen drängt unaufhalffam weiter vor, und was geschehen muß, geschieht: Der hunderffach verstäckten, wild vorwätts drängenden Men­schenkrast gegenüber versagt die starke Barriere der Sicherheit: Hundert« stürzen ins Wasser, und Einundzwanzig bahtt man. nachdem das Rettungswerk vollendet, als Leichen ans Ufer. Einundzwanzig Opfer einer Katastrophe, di« Mensch enschukd verursacht hat, Men­schenerziehung hätte verhüten können! Run,da derUnverstand sein Opfer gefordett,wird man (wie immer, wenn Unheil sich ereignet) nach der Polizei rufen, damit sie in Binz die Landungsbrücke vor Menschen-Leichtstnn schütze. Aber nicht nach polizeilichem Schutz sollte man rufen, sondern nach Menschen- Erziehung, nach einer bessern Kul­tur der Masse und nach einem System ge­sellschaftlicher Schulung, das uns vor den Ausschreitungen ««gebändigten Rtassen- trieibs bewahrt! -an.

*

Die Katastrophe auf der Brücke.

(EigeneDrahtmeldung.)

Binz, 29. Juli.

Gestern abend gegen sechs Uhr, bei der Ankunft des Greifswalder DampfersKron­prinz Wilhelm", hat sich an der Binzer Lan­dungsbrücke ein en t s e tz l i ch e s U n g l ü ck er­eignet. Als der Greifswalder Dampfer auf der Fahtt von Saßnitz nach Greifswald um sechs Ahr anlegen wollte, brach der Brückenkopf zu­sammen. Etwa hundert Personen stürzten inS D) asser. Tie Binzer Landungsbrücke ist etwa keckLbundett Meter lana. Unterhalb des Brük-

kenkopfes befindet sich an jeder Seit«, durch eine Treppe erreichbar, eine zweite, niedriger ge- legcne Brücke, an der die Stettiner Bräunlich- Tampfrr sowie der Greifswalder Dampfer an­zulegen pflegen. Auf der ganzen Brücke ent­wickelte sich gestern, wie immer in der Mitte der Hochsaison ein außerordentlich leb. Hafter Verkehr, der durch den Sonntag und die Anwesenheit der Kriegsflotte noch er­heblich verstärtt wurde. Bei der Ankunft des Greifswalder Dampfers staute sich die Men­schenmenge auf der Anlegebrücke wieder einmal in ganz unsinniger Weise. Plötzlich brach, als der Dampfer gerade festgemacht und den Steg angelegt hatte, der Brückenbelag und das Brückengeländer aust einer Länge von un­gefähr zehn Metern durch und etwa hundert Personen stürzten in di« See.

Gellende markerschütternde Schreie wurden laut und die meisten Zuschauer waren starr vor Schrecken. Sofott drängten sich jedoch die zahlreichen auf der Brücke anwesenden Of­fiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der M a tt n e vor, sprangen ins Wasser und rette­ten, von anderen Herren unterstützt, den größ­ten Teil der in der See um das Leben Kämp­fenden. Mittlerweile langten auch von den Kriegsschiffen Marineärzte an und stellten mit den mitgebrachten Sauerstoffapparaten bei den Bewußtlosen Wiederbelebungsversuche an. Lei­der waren die lange fottgesetzten Versuche bei fünf Personen erfolglos. Nach Ansicht der Augenzeugen müssen aber noch viel mehr Leichen im Wasser liegen. Der bald nach dem Unglück eintreffende Stettiner Damp ferFreya" konnte nicht anlegen, sondern mutz­te sein« Passagiere ausbooten. Die Brücke wur­de sofort p o lizeilich gesperrt und nur denjenigen Personen der Zutritt gestattet, die Nachweisen, einen Dampfer »ach Satznitz oder Stettin benutzen zu wollen. Heute früh siebe» Uhr hatte sich die Zahl der geborgenen Toten auf vimmdzwanzig erhöht, darunter Männer, Frauen und Kinder. Die Namen der Toten konnten zmn Teil noch nicht festgestellt werden.

Rach der Katastrophe.

(Privat-Telegrarn m.)

Binz, 29. Juli.

Fast alle Personen, die sich auf der eingestürz­ten Brücke befanden, wurde» in die Fluten gerissen und es sah einige Minuten aus, als seiderTodvielerPersonen gewiß. Da kamen im Augenblick größter Not die Matrosen des FlaggschiffesPreußen" von der dritten Division des in Binz vor Anker liegenden Hochseegeschwaders mit Booten zu Hilfe. Den Anstrengungen der Seeleute gelang eS, fast alle im Wasser Treibenden zu retten. Ein Matrose rettete allein sieben Personen vom sichern Tode des Ertrinkens. Zehn Besinnungslose und Verletzte wurden auf Bahren in den Ott gebracht. Die Wiederbelebungsversuche hatten aber nur bei einigen wenigen erfolg. Die Aufregung im Bade war ungeheuer. Wie jetzt feststeht, sind im ganzen einundzwanzig Perso­nen ertrunken. Von diesen einundzwanzig sind aber bisher nur die Namen von sechs festge­stellt worden. Ettrunken sind folgende Kur- gäste:Thege aus Bergen, Frau Witt aus Carnikau bei Greifswald, Frau Aßmann (bisher unbekannt woher), der Knabe Hans MauerSberge aus Radeberg, Fräulein Springer aus Greifswald und Fräulein Anna Wietrecht auS Greifswald. DaS Un­glück soll dadurch entstanden sein, daß durch daS scharfe Anfahre» deS Dampfers an die Brücke ein neuer Balken, der kürzlich eingesetzt wor- den war, zerbrach, wodurch acht Meter in der Länge und dreieinhalb Meter in der Breite der Landungssteg einstürzte. Mehrere Hundett Per­sonen befanden sich aus dem vorderen Tefl der Brücke, von denen der größte Tefl ins Wasser stürzte. Es handelt sich meist um solche Per­sonen, die mit dem Dampfer »ach Greifs­wald zurückkehren wollten. Das Einstür­zen der Landungsbrücke wird anderseits auf den großen Bettehr durch die Anwesenheit der Kriegsschiffe deS Hochseegeschwaders zurückge­führt. Die Brücke galt als der Lieblings, aufenthalt der Badegäste. Tie ungeheure Verwirrung, die infolge der Katastrophe M- nächft einttat, läßt sich schwer beschreiben.

Drei Opfer der Weser.

(Privat-Telegram m.)

Bremerhaven, 29. Sufi.

Auf der Weser bei Blumenthal ging gestern nachmittag eine Wasserhose nieder. Ein Segelboot mit vier Personen tatterte und drei von ihnen ertranken, darunter zwei Eng­länderinnen, die an der Berlitzshool ht Sternen beschäftigt waren. Die Namen der ertzuMfl«»

Damen, die aus London stammen, lauten M a - b e l und Alie Nebel. Außerdem ettrank ein Herr namens Heinrich Blütmann aus Bre­men. Ein Vietter konnte sich durch Schwimme» retten.

Roch eine Katastrophe!

(Privat-Telegram m.) Bordeaux, 29. Juli. Der Dampfer »Jrond Caronne" überrannte gestern abend eine Barke, in der sich sechs Personen befanden. Sämtliche Insassen fielen ins Wasser. Es gelang nur, zwei der Schiffbrüchigen zu retten. Ein Mann, der sich schwimmend an einem Balken angeklammert hatte, wurde geborgen, ebenso eine Frau, die mit einem Kinde im Arm mit den Wellen kämpfte. Das Kind, das erst anderthalb Jahr alt war, gab kein Lebenszeichen mehr von sich; es war bereits tot. Die übrigen fünf Passa­giere der Barke sind ertrunken, ehe ihnen Rettung gebracht werden konnte. Es handelt sich um Ausflügler aus Bordeaux.

Lampserzusammenstoß aus See.

(Prlvat - Telegramrn.) Newyork, 29. Juli.

Wie aus Montreal bettchtet wird, ist der DampferImpress of Britain", das schönste Schiff der Pacisicbahn-Gesellschaft, in der Mündung des Lorenzostromes mit dem Koh­lendampferHelvetia" zusammengestotzen. Die Helvetia" sank sofort. Die Mannschaft konnte jedoch gerettet werden. Auch dieImpress of Britain" hat erhebliche Beschädigun­gen erlttten, sodaß sie wahrscheinlich das Dock aufsuchen muß. Einzelheiten über den Zusam- menstoß fehlen noch, da eine Verständigung mit dem britischen Dampfer bisher nicht mög­lich war. Es verlautet aber, daß der Verlust zahlreicher Menschenleben zu besa­gen fei.

Armeeflucht der Erzherzoge!

Franz Ferdinand und die ErzherzSge.

Wir bettchteten dieser Tage über die auf­sehenerregende und doch hintereinander erfolgte Verzichtleistung dreier der hoben Generalität der gemeinsamen österreichisch-ungarischen Armee angehörenden Erzherzöge, unter denen sich auch der Hoch- und Deutschmeister, General der Kavallette. Erzherzog Eu­gen, befindet. DieArmeeflucht" der Erzher­zöge erregt peinlichstes Aufsehen, umsomehr, als über ihre Gründe allerlei unkontrollier­bare Gerüchte umgehen. Es wird darüber berichtet:

Wie», 29. Juli.

(Privat-Telegram m.)

Der Anstrttt dreier Erzherzöge aus ihrem militättschen Dienstverhältnis wirft hier wie eine politisch-militärische Sensation und wird umsomehr erörtert, als nach einem unver­bürgten Gerücht auch die Erzherzöge Leo­pold und Friedrich in Kürze ebenfalls auf ihrs milttärifchen Stellungen verzichten dürften. Sie alle (und dies gilt besonders von dem Erzherzog Eugen) sind berufsfreudige Soldaten und erfreuen sich in Armeekreisen großer Beliebtheit. Militärische Gründe find bei keinem dieser mit Genehmigung des greifen Kaffers Franz Josef erfolgten auffälli­gen Rücktritte bestimmend, und das bezüglich des Erzherzogs Franz Salvator, des Schwie­gersohnes des Kaisers, versuchte Herbeiziehen von um Jahre zurückliegenden Manöver­vorgängen erweckt erst recht den Artikeln des gesuchten Vorwandes. Taffächlich handflt es sich, wie von eingeweihter Stelle versichert wird, um Vorgänge finanzieller Na­tur, bei denen sich Meinungsverschiedenhei­ten mtt dem Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand ergeben haben sollen. Die von dem kaiserlichen Familien-Fideikommitz bisher mittiertoalteten Allodialvermögen sollen nun abgetrennt werden, wobei vermögensrechtliche Fragen eine Rolle spielen. Die daraus enstan- benen persönlichen Verhältnisse stnd die eigentliche Ursache, die den zurückgetre- ienen Erzherzögen den Wunsch nahelegte, stch schon jetzt von einem möglichen Wechsel in der obersten Kommandogewalt der Armee nach Tunlichkett unabhängig zu machen, da sie zu dem Thronfolger Franz Ferdinand fast gar keine Beziehungen unterhalten.

»

»er Unfall eines Großherzoos.

Aus Ostrowo wird u ns berichtet: Der Großherzog von Mecklenburg- Strelitz erlitt auf der deutsch-russischen Grenzstation Skalmiercvee, wo er am Sonn­abend abend um zehn Uhr im V-Zug ans Ruß­land eintraf, einen Unfall. Der anscheinend etwas überraschte Bahnhofsvorsteher ttß die nach innen aufgehende Tür des FürstenwagenS so heftig auf, daß die große Glasscheibe

der Tür aus der Füllung flog und dem Groß­herzog auf das rechte Bein fiel. Das Beinfleid wurde zerschnitten und der Fürst er­litt eine ziemlich stark blutende Wunde sowie einen Nervenschock. Ein zu­fällig anwesender Arzt aus Skalmiercyce leistete dem Großherzog die erste Hilfe und nach An­legung eines Notverbandes konnte der Grob- Herzog die Reise fortietzen.

Trust ßbenhet gefangen?

Neue Verhaftung in der ZigeunermordAffä- re; Ernst Ebender in Alshausen verhaftet.

Endlich scheint in der Ebender'schen Mord­affäre, die nun schon feit Monaten die Ful. daer Gegend in Auslegung hält, die Verhaftung eines wirklich Schuldigen, erfolgt zu sein, nachdem die in der letzten Zeit erfolgte» Ver- hastungen von Verdächtigen sich in der Folge­zeit als Mißgriffe erwiesen hatten. I» einem Wirtshaus in dem braunschweigischen Dorfe Alshausen hat die Polizei einen Mann verhaftet, in dem der seit Monaten verfolgte Zigeuner Ernst Ebender, der Haupt­schuldige in der noch »»gesühnten Mord- Affäre, erkannt worden ist. Wir erhalten dar­über folgende Meldungen:

Fulda, 29. Juli.

(Telegramm unserS Korrespondenten.)

Der Zigeuner E r n st LZ e n d e r, der we­gen des Mordes an dem Förster R o m a n u s in Riesig bei Fulda schon seit Monaten ver­folgt wird, ist endlich am Sonnabend im Wittshause des braunschweigischen Dorfes Alshausen bei Gandersheim, wo er Blu- mentifche verkaufe» wollte, von dem bärtigen Gendarm gestellt, verhaftet und in das Amts- gettchtSgefängnis in Gandersheim eingeliefett worden. Der Gendarm hatte von dem bevor­stehenden Besuch des Ebender in der betreffen­den Gastwirtfchast von dritter Seite Mitteilung erhalte». Es war ihm zugleich erzählt worden, daß Ebender stets einen geladenen Revolver und einen scharf geschliffenen Dolch bei stch führe, er würde also nur etwas erreichen, wenn er ganz rücksichtslos vorgehe. Der Gendarm hatte daraufhin die notwendigen Vorbereitun­gen getroffen. Zur angegebenen Zeit erschien der Zigeuner auch Wittlich in der Wirtschaft, um seine Waren zu verkaufen. Der Gendarm und einige handftfte Männer drangen in diesem Augenblick in das Haus ein, und es gelang ihnen, Ebender, der vollständig ahnungslos war, festzunehmen und zu fesseln. Dolch und Revolver wurden ihm schleunigst ob genommen. Bei der provisorischen Vernehmung gab der Verhaftete zu, Ernst Ebender zu heißen und bei der Ermordung des Försters Romanus von Riesig anwesend gewesen zu fein. Der hinter Ebender erlassene Steckbttef traf in allen Einzel. Helten auf den Zigeuner zu. Emst Ebender ist drttundzwanzig Jahre alt und in Lichtenau im Steife Nidda in Oberhessen geboren. Er hat eine Narbe auf der rechten Backe oberhalb deS Kiefers, einer feiner Finger ist verkrüppelt. Gestern abend gegen fechS Uhr wurde der Ver­haftete in Begleitung zweier braunschweigifcher Gendarmen in das Fuldaer Amtsgerichtsge­fängnis eingeliefert. -t.

Cine Zigeunerschlacht in Ungarn.

Wie unS ein Privat-TelegramM aus Budapest meldet, tarn es in C e i>en« bürg (Ungarn) gestern zwischen Zigeunern und Gendarmerie zu einem blutigen Z u- sammensto ß. Die Zigeuner, die zur Aus- weiAleistung angehalten wurden, griffen die Gendarmen an. Einer von ihnen machte von der Schußwaffe Gebrauch. Der Anführer der Zigeuner wurde durch einen Schutz ins Herz getötet. Mehrere andere Zigeuner wurden schwer verletzt. Auch zwei Gendarmen erlitte» ernste Verletzungen.

Die deutschen Sänger.

DerTag des deutschen Liedes"" in Nürn­berg; die Gründungs-Jubelfeier des Bundes.

(Von unferm M itarbelter.)

Wach' auf, «8 nahet gen den Tag, Ich hör' fingen tat grünen Hag Ein wonnigliche Nachtigall, Ihr Stimm' durchklinget Berg und Tal: Die Nacht neigt sich zum Oecident, Der Tag geht auf vom Orient, Die rotbrünfttge Morgenrot« Her durch di« trüben Wollen geht". Hell Sa(68! Han» Sach»!

Heil Nürnberg'» teurem Sach»!

In mächtigen, rauschenden Akkorden brauste dieser Chor ans der Schlußszene der Meister­singer von Nürnberg aus vielen Tausenden Männertshlen am gestrigen Vormittag, dem Hauptfesttage des 8. Deutschen Sänger- bundesfest es, durch die Riesenpalle am Luttpolichain in Nürnberg. Wahrlich eine wundervolle Introduktion, wie sie der fünszig- jährigen Jubelfeier des Deutschen Sängerbun­des würdig ist. In pietätvollem Gedenken au die greisen Sangesbrüder und di« Deutschen