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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 197

Sonntag, 28. Juli 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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$65 Garde-Prinzip.

Httfre neuen Männer am Grünen Tisch; das Garde-Prinzip in der Diplomatie.

Während in der T ü r k e i die innere und äußere Krise jeden Augenblick zur Katastrophe führen lann, weilt Herr von Wangenheim, der Botschafter Deutschlands am Goldnen Horn, auf Urlaub in der Heimat und lebt in den Wäldern Thüringens der Erholung! Kein einziger der üb­rigen Botschafter der intereffierten Großmächte ist zurzeit von Konstanti­nopel abwesend: nur der Vertreter Deutschlands, der Nachfolger des Freiherrn von Marfchall! Dabei be­deutet die gegenwärtige Krise in der Türkei gleichzeitig den Entscheidungs- kampf zwischen dem deutschen und dem englisches" Einfluß in Konstantinopel! (Zeitungsmeldung.) Die Zeiten ändern sich: Alis der frühere ba­dische Staatsanwalt Marschall von Bi­oerstein vom graugelben Gewässer des Bos­porus zur Themse beordert wurde, um diebefondre Mission" zu erfüllen, die die Friedensehnsucht zweier Reiche ihm zur männ- Vchen Pflicht machte, sprach die internationale Presse von dem .ersten Diplomaten Europas", den der Deutsche Kaiser als Friedensengel über den Kanal! entsende. Es klang fast wie der Re- Kametext aus den Aushängeschildern einer Ringkampf-Konkurrenz: .Der Löwe vom Gold­nen Horn", .Der starke Mann aus Konstanti-- nopel", .Der Champion deutscher Diplomatie", und man fühlte instinktiv, wie das Niveau di. Plomatischer Kunst seit Bismarcks Tagen sich gesenkt. Ein Londoner Cithblatt, das uns .blonde Pettern" aus Tradition und Neigung mit den ErdSümpchen britischen Grolls zu be­werfen Pflegt, meinte sogar, der Marschall aus Türkenland sei der einzige Diplomat, mit dem Deutschland sich überhaupt noch sehen las­sen könne, und wenn man auch die Artigkeit des Käsers, grade diesem Riesen unter Zwei- gen die Last der Londoner Mission auf die breiten Schultern zu bürden, nach Gebühr schätze, so dürfe auf der andern Seite doch nicht verschwiegen werden, daß England nur diesen Einen unter den Vielen als ziemenden Trä­ger kaiserlichen Vertrauens zu würdigen ver­möge. Das war deutlich; sollte uns aber zu den­ken geben. Unsre Diplomatie ist w i r k ch keine Pflanzschule staatsmännischer Riesen; sie ist kaum noch als Treibhaus diplomatisierender Salonkunst zu schützen, und Männer von der etwas struppigen, aber kerngesunden Energie- krast BiSmarck'scher Zeit würden heut sicher zu den .verlornen Söhnen" der modernen Schule gerechnet werden.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind mannigfacher Art; eine der wichtigsten und bedenklichsten aber darf Wohl in dem .Gardeprinzip" erkannt werden, dem dieser Tag« die Mitteilungen des Hansabunds eine eingehende Würdigung angedeihen ließen. Eine Untersuchung über die allmähliche .Ver­jüngung" unsrer Diplomatie und die Heranbil- üung des diplomatischen Nachwuchses gelangte zu folgenden charakteristischen und beachtlichen Resultaten: Zum deutschen Gesandten in Te­heran wurde anstatt des nach Athen versetzten Grqfen Quadt Prinz Heinrich der Ein- unddreißigste aus dem Haus Reuß (jüngere Litt:«) ausersehen. Der Attache« des deutschen Generalkonsulats in Antwerpen, Dr. Fritz von Voß, wurde der deutschen Gesandtschaft im Haag zuerteilt. Freiherr von Romberg Erhielt die Ernennung zum deutschen Gesandten in Bern. Für das deutsche Generalkonsulat in Kalkutta wurde der Legatisnsrat Graf von Luxemburg, für das deutsche GeneraNon. sulat in Budapest der Legationsrat G raf v o n Fürstenberg-Stammheim bestimmt und tum Legatjonsrat der preußischen Gesandtschaft in München wurde Pr^nz Gustav Ale- kander Sayn zu Wittgenstein-Sayn er- uannt. Zum Botschaftsrat in Konstantinopel tvurde endlich Herr von Mutius ausev- l'ehen, und schließlich erfuhr man (zur Beruhi. hung über den Nachwuchs in der deutschen Di- Homatie), daß der Oberleutnant Graf Ge- ®r9 von Kanitz von den Garde-Ulanen in ten diplomatischen Dienst übergetreten sei. Dei dieser Liste handelt es sich um die Verän- s*tungen eines einzigen Vierteljahrs: Der «esamteffekl eines ganzen Jahres läßt sich also unschwer berausrechnen!

Wenn man die Personenlist« unsrer Diplo- durchblättert, begegnet man auf jeder Namen von bestem Klang, Enkeln und Urenkeln aeseieiter vaterländischer Größen.

Sprossen von millionenschweren Pionieren wirtschaftlicher Entwicklung, Erben von Für­sten des Eisens und der Finanzen, und «ine oberflächliche Wertung dieses Materials könnte fast zu der Annahme verführen, daß im Kreise unsrer Diplomatie alle intellektuellen Sphären des modernen Deutschtums ausrei­chend vertreten seien. Eine näher «Prüfung er­gibt indessen, daß fast alle diese Kräfte vor ihrer Nutzbarmachung für die vaterländische Diplomatie «ine Umwertung durchlaufen mußten, und diese Umwertung war (soweit in der Diplomatie die Träger früherer bürger­licher Namen anzu treff en sind) der Ueber- gang vom Bürgertum zum Adel! Der Adel beherrscht zu sieben Zehnteln die Reihen der deutschen Diplomatie, und die Auswahl des Nachwuchses beweist, daß man entschlossen ist, auch in Zukunft an dieser Einrichtung, die einer ausgesprochnen und absichtlichen Zurück­setzung des bürgerlichen Elements gleichkommt, sestznhalten. Im Reichstag hat man diese Me­thode (deren Besettigung weder die Verspre­chungen Bülows, noch die schwäbisch-gerunde­ten Beteuerungen Kiderlens ermöglicht haben) einmal das .Garde-Prinzip" genannt, und da­mit treffend charakterisiert, was an dem System eigentümlich und fossil ist.

Das .Garde-Prinzip" beherrscht nun ein­mal unser öffentliches Leben, und man darf in diesem Zusammenhang vielleicht auch daran er. innern, daß zu der Spezial-Mission, die vor Jahren der schwarzen Majestät Meneliks von Abessinien ein Geschenk deutscher Freundschaft überbrachte, ausschließlich Leute bestimmt wurden, die mindestens das Maß eines aus- gewachffnen Garde - Kürassiers aufzuweisen hattem Hier war es die körperliche Aeußerlichkeit, die inmitten der Kulturarmut des Halbbarbaren-Landes .Eindruck wecken" sollte; in der Diplomatie, die sich immer mehr abwärts, zur Salonkunst, entwickelt, iffs der Klang des Namens, von dem man sich Ef­fekt verspricht. Als der vortreffliche Herr Da­vid Jaime Hill von Newyork nach Berlin kam, um in einem bescheidnen Mietshaus als des Millionärs Charkemagne Tower ärmlicher Nachfahr die Geschäfte der Union zu führen, rümpfte man an der Spree die Nase über den .armen Schlucker", und Mister Hill tst bekannt­lich ja auch nicht allzulang auf deutscher Erde gewandelt. Daß der Hansabund in der Stille des Sommers an diese Dinge erinnert, ist er- reulich; späfer, wenn man im Hause Wallots über den Etat 'des Auswärtigen Amts Plau­dert, geht das interessante Thema im Milch­meer ftommer Denkungsart rühmlos unter, und wenn's hoch kommt, wird Herr von Kiderlen uns erzählen, daß .die Regierung der zeitge­mäßen Reform unsres diplomatischen Dienstes -ortgosetzt sorglichste Aufmerksamkeit widme..!"

F. H.

Die Rot im Odenwald.

Nackwehen des Riederrnodaner Bankkrachs.

(Privat-Telegram m.)

Worms, 27. Juli.

Der Zusammenbruch der Spar- und Dar- lehnskasse in Nieder-Modau (über den wir wiederholt berichtet haben) hat im gan­zen Odenwaldgebiet eine schwere Notlage verursacht, von der am empfindlichsten die Landwirtschaft betroffen wird. Um der chlimmsten Not zu steuern, haben jetzt die Ab­geordneten Dr. Köhler und Dr. Osann einen dringlichen Antrag in der hessischen Kam­mer eingebracht, der die Staatsregierung er- ücht, Mittel zur Unterstützung der Not­leidenden bereitzustellen. In der Begründung dieses Antrages wird darauf htngewiesen, daß nicht nur die hundertsechsundneunzig Genossen- chaster der Kasse Nieder-Modau, sondern auch die Schuldner der Kasse und deren Bürgen von dem Zusammenbruch in stärkste Mitleiden- chaft gezogen seien. Durch zahlreiche Zwangs­vollstreckungen an Grundstücken und Mobilien ei das ganze wirtschaftliche Leben im vorderen Odenwald lahm gelegt und es stehe zu befürch­ten, daß die in das Unglück hineingezogenen Einwohner genötigt sein würden, Haus, Hof und Heimat zu Verl assen und von einer landwirtschaftlichen Tätigkeit abzusehen. Auch den Spareinlegern sei ein wirtschaftliches Fortkommen unmöglich, da wegen des Konkur- es der Kasse keinerlei Auszahlungen erfolgen. Durch den neuerdings eröffneten Konkurs des Nieder-Modauer Konsumvereins seien noch eine Reihe weiterer Existenzen bedroht, da der Kon­umverein Mitglied der Nieder-Modauer Kasse war und auch seine Genossenschafter zu den Ver­lusten herangezogen werden sollen. Der Staat dürfe diesen Zuständen gegenüber nickt untätig bleiben; er habe vielmehr die Pflicht, Maß­nahmen zu ergreifen, pm den drohenden Unter­gang ganzer Ortschaften und Gemeinden zu verhindern. Wie verlautet, will die Regierung dem Antrag stattgeben und der drinaenditw

Not im Odenwald durch Beweilligung staat­licher Beihilfen an die Notleidenden zu steuern versucken.

Das Pulverfaß am Bosporus.

Die türkische Krise dauert fort!

Die türkische Kris« entpuppt sich immer deut­licher als eine Schraube ohne Ende. Gestern hieß es, das Kabinett werde in den nächste Tagen vor der Kammer erscheinen und sein Programm entwickeln; heute wird bekannt, daß im Kabinett selbst völlige Disharmo­nie herrsche und vorerst nicht daran zu den­ken sei, das neue Ministerium der Kritik der Kammer preiszugeben. Immer bestimmter taucht das Gerücht auf. daß Achmed Mukhtar Pascha und Kiamil Pascha in Kürze ihre Posten tauschen würden. Mukhtar soll Vorsitzender des Staatsrats und Kiamil Großwesir wer­den. Dieser Tausch würde dann, (wie wir in unserm gestrigen Leitartikel .Götzendämme­rung" ausgeführt haben) die Katastrophe und die Rückkehr der Reaktion zur Macht bedeuten. Heute liegen folgende neuen Meldun­gen vor:

Kamps bis aufs Meffer?

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel, 27. Juli.

Die Lage birgt trotz der allgemeinen gün­stigen Aufnahme des neuen Kabinetts noch im­mer große Gefahren in sich. Diese Ge­fahren bestehen namentlich darin, daß die Ko­miteepartei entschlossen ist, Widerstand bis aufs Messer zu leisten und daß die Armee in zwei einander feindlich gegenüberstehende Lager ge­teilt ist und die Militärliga mit der Bildung des Kabinetts Mukhtar Pascha das Ministerium keineswegs als gebildet ansieht, sondern auf die Auflösung des Parlaments und auf die Uebernahme des Großvezirats durch Kiamil Pasch hindrängt. Der Exdeputierte Hassan Bey von Prischtina, der sich an die Spitze der aufständischen Albanesen gestellt hat, beauf­tragte die Truppenkommandanten. den bei Kat- schanik aufgestellten Truppen sofort Befehl zu erteilen, keinen Schritt vorzurük- k e n. Jeder Schritt vorwärts würde den Aus­bruch einer blutigen Fehde herbeiführen. Die Wirren in Albanien haben inzwischen die serbische Regierung veranlaßt, unauffällig mi­litärische Vorsichtßmaß nahmen im Süden des Landes zu treffen; namentlich sind die Garnisonen an der serbisch-türkischen Gren- zu verstärkt worden. Gestern nachmittag kam es bei Kruschewo zu einem Zusammen- t o ß zwischen einer bulgarischen und einer türkischen Patrouille. Ein Bulgare wurde ver­wundet, ein Türke getötet. Der Sultan ist völlig zum Spielball der politischen Leiden- chaften herabgesunken. Als notwendige Kon- equenz der Lage werden sich bald neue Ereig­nisse ergeben itnb ein Wechsel auf dem T h r o n ist bereits ernstlich ins Auge gefaßt.

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Türkische Wirtschaft.

Wie weiter aus Konstantinopel berich­tet wird, ist man in dortigen politischen Kreisen der Ansicht, daß mit der Bildung des neuen Kabinetts die politische Krise noch lange nicht ihr Ende erreicht hat. Die Lage hat vielmehr nach wie vor ein sehr e r n st e s Aussehen. Die Demission des Marinemini- ters gilt als sicher. Die Dartzgnellenflotte und die Offiziere der Armee machen energisch gegen die Ernennung Mukhtar Paschas zum Groß­wesir Front, dem sie vorwerfen, bei Beginn des Krieges nicht alle Umstände in Betracht gezogen und die Flotte, als diese sich in Beirut befand, nickt mit dem nötigen Proviant versehen zu haben. Erst wenige Tage nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten habe man die Verprovian- tierung der Schiffe in Angriff genommen. Die türkische Regierung bestellte gestern bei den deuffchcn Waffenfabriken in Suhl hundert­tausend Seiten ge wehre und Säbel, was darauf schließen läßt, daß man in Kon- stantinovel vorerst noch nicht an einen Frie- densschlutz mit Italien dentt.

Blutige StreiMmpfe in Amerika!

Zehn Personen tot, viele verletzt.

(Privat-Telegram m.)

Newyork, 27 .Juli.

An Westvirginia ist eS gestern zu schweren Streikausschreitungen gekommen, die mehrere Menschenleben gefordert haben. In einigen Kohlenfeldern in Westvirginia traten viele Arbeiter in den Ausstand. Die Busstän­digen wollten ihre Kameraden, die dir Arbeit fortsetzten, zwingen, sich ihnen anzuschlietzen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung waren viele DetekttvS in das Streikgebiet geschickt worden. Es kam zu blutigen ZufaSl- menftötzen, bei denen sieben Detekti. ve und drei Bergleute getötet wurden. Die Unruhen dauern noch fort. Die Bergleute haben die Telearavben- und Televhondrähte

durchschnitten, sodaß eS unmöglich ist, genau« Nachrichten zu erhalten, doch glaubt man, daß die Unruhen ernsterRatur sind. Es wurde versucht, Truppen an den Schauplatz zu bringen, doch wurden die Züge nicht abgelaffen, da man fürchtet, sie würden indieLuftge- sprengt werden. Die wildesten Gerüchte sind im Umlauf, bedürfen jedoch noch der Bestäti­gung. Nach der Meldung eines hiesigen Blattes sollen DetükttvS versucht haben, ein Maschinen- gewehr aufzustellen. .Die Bergleute brachten aber eine Bombe zur Explosion, die eine schreckliche Verheerung anrichtete. Da die Unruhen fortdauern, werden heute zwei Regi. menter Truppen in das Streikgebiet ab gehen.

Fulizewitter überall!

Schwere Anwetter am Rhein und in der Sächsischen Schweiz; mehrere Personen tot.

Die letzten beiden Tage, hüben in Mittel­europa schwere Wetterkatastrophen ge­bracht, die stellenweise große Verheerungen an­gerichtet haben. In Niederösterreich hat ein Wolkenbruch ganze Ortschaften zer­stört und der entstandene Schaden wird auf mehrere Millionen Krone» geschätzt. Gestern sind das Niederrhein-Gebiet und die Sächsische Schweiz von schweren Untojrt« ter-Katastrophen heimgesucht worden, denen leider auch mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Wir erhalten darüber fol­gende Meldungen:

KSln, 27. Juli (Privat-Telegramm.)

Gestern abend sind am Niederrhein schwere Gewitter niedergegangen, die zum Teil von Hagelschlag und Sturm begleitet waren. Bei Emmerich wurden zwei holländische Grenz­wächter vom Blitze getroffen. Während der eine auf der Stelle getötet wurde, kam.der andere wieder zum Bewußtsein, ist aber völlig gelähmt. Bei Beetz sind drei Personen, zwei Frauen und ein Mann, aus dem Feld« vom Blitz erschlagen worden. In mehrere Ge­höfte schlug der Blitz ein, sodaß die Gebäude niederbrannten. Die Feuerwehren waren fast die ganze Nacht hindurch beschäftigt. Das Unwetter war von einem schweren Wolken­bruch begleitet, der stellenweise enormen Scha- den angerichtet und an manchen Orten die Felder völlig verwüstet hat. Ein Teil der Ernte gilt als gänzlich verloren. Der durch das Unwetter angerichtetr Schaden ist überall sehr groß.

Dresden, 27. Juli.

(Privat - Trlegramm.)

Ueber der Sächsischen Schweiz, namentlich über der Schandaner Gegend, ging gestern abend ein schweres Unwetter nieder, das unter der Bevölkerung eine Panik ver­ursachte. Bon den Höhen stürzten Wasser­ströme herab und rissen alles mit sich, was sich ihnen entgegenstellte. Der sonst ruhige Kir- nitzschbach wurde in wenigen Minuten zu einem reißenden Strom und wälzte auf seinem Rücken entwurzelte Bäume; aus Gär­ten und Häusern fiihrte er Tische und Stühle und andere Gegenstände mit sich. Auf den Straßen des engen Tales stand nach kurzer Zeit das Wasser andetthalb Meter hoch, sodaß die Menschen aus den niederen Wohnungen unter Lebensgefahr flüchteten. Der allgemeine Schrecken wurde durch den Eintritt vollständiger Finsternis noch erhöht. Erst nach einer Stunde ließ das Unwetter nach.

fchte Ceeschlanae an Englands Küste?

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus London: Miß Rider Haggard be­richtet demDaily Telegraph", daß in der Nähe von Loweshof' eine Seeschlange ge­sehen worden sei. Das Ungeheuer erschien (wie die Dame erzählt) wie eine Reihe von riesigen Kraken und durchschnitt mit furchtbarer Ge­schwindigkeit die Wellen. Plötzlich versank eS, und Miß Haggard glaubt, daß es mindestens vierzig Fuß lang war und ungefähr ein« Meile in der Minute zurücklegte. Eine An­zahl anderer Personen bestätigten den Be­richt von Miß Rider Haggard und erklärten, ebenfalls das Ungeheuer deutlich gesehen zu haben.

Japans künftiger Kaiser.

Der kommende Mikados Harnnomha; der erste Japanerprinz mit moderner Erziehung.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Japan wird nach menschlicher Voraussicht bald einen neuenTenno" haben, einen neuen Kaiser, und aus dem Dunkel, in dem er bis­her gelebt hat, tritt der neue O'Kami, der hohe Gebieter (wie er genannt wird) hervor ins Licht der Oeffentlichkeil. Der künftige Kaiser Haru-no-mya ist am einunddreißigsten Auauü 1879 geboren, aber nicht etwa als Sobn