Caffeler Abendzeitung
2. Jahrgang.
Fernsvrecker 951 und 952.
Sonnabend, 27. Juli 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 196.
reichs sich erfüllt!
-an.
Keine aggressiven Ziele!
Sir Edward Grey schloß seine Rede mit
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Der Drohbrief der Militär-Liga.
(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 26. Juli.
folgenden War en: Was wir tun können, ist, -1 zu beweisen, daß wir keine aggressiven
(Privai-Telegramms
Tokio, 26. Juli.
st ersten Reaktion und Despotie im Wappenschild ihrer Herrschaft. Charakteristisch für die Stimmung in Konistantinopel ist das Vorgehen der Militärliga, die, völlig unterm Einfluß deS Juwgtürken-Komitees stehend, dem Kanrmerprästdenten in aller Form ein Ultimo- tum überreicht hat, in dem dir Schließung der Kammer innerhalb ach tund- vierzig Stunden verlangt wird. Die Kammer hat Mar in vaterländisch geschnörkel- ten Phrasen der Liga ihre Verachtung ausgesprochen, aber damit ist praktisch nichts getan, und die Patrioten im Kriegerrock haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie, im Falle ihrer Forderung keine Erfüllung zuteil wird, entschlossen sind, „das A e u ß e rst e zu wagen", mit andern Worten: Das Parlament einfach durch Anwendung von Gewalt zur Gefügigkeit zu zwingen! JnMischon durcheilt die Straßen derBosporusstadt neueHiobspost: Man fpricht von einer versuchten Vergiftung mehrerer Staatsmänner, die sich des besoudren Haffes der Militärliga zu erfreuen haben, und unter den Opfern dieses Anschlags befindet sich auch Kiamil Pafcha, der Staats- rat-Präsident! Wohin man schaut: Wirrwarr, Unheil! und Intrigen, und aus diesem Chaos soll, wie ein Phönix aus der Asche, die „Zukunft der Türkei" erstehen! Täuscht nicht alles, dann wird diese „Zukunft" das Verhängnis sein, mit dem das Schicksal des Türken-
Götzendämmerung...?
Bin Telegramm aus Konstantinopel meldet: Zn der Stadt herrscht Ruhe. Rur starke Kavalleriepatronillen durchziehen die Straßen.
Die elf Worte dieses Telegramms sind charakteristisch für die augenblickliche Lage in der Türkei. In der Sultanstadt am Bos- porus herrscht zwar Ruhe, aber niemand täuscht sich darüber, daß dieser Sommerfriede nicht das Schlußergebnis des seit Wochen er. I kennbaren Gärungsprozesses, sondern die Ruhe vor dem Sturm ist, der jeden Moment aufheulen und das künstlich im Ge- füge erhaltne Kartenhaus des neuen Regimes auseinaNderreitzen kann. Schon die Geschichte der eben überwundnen Kabinettkrise hat be. wiesen, wie gefährlich im Reiche Osmans die Leidenschaften brodeln, wie wenig gefestigt die Autorität der Regierung ist, und Wie emsig hinter den Kuliffen die Männer der alten und der neuen Türkei die Fäden verhängnisvoller Kabalen spinnen. Das neue Kabinett ist zwar aus dem Chaos der Intrigen und Konspirationen erstanden, aber seine Lebensfähigkeit wird selbst von den Anhängern der neuen Männer ernstlich bezweifelt, und tot Hinter- gründ der Szene taucht, wie ein Gespenst, das Greifenantlitz des alten Reaktionärs Kiamil Pascha auf, des Vertrauten und Beraters Mdul Hamids, in dessen welker Hand immer noch alle Fäden alttürkischer Politik zusammenlaufen. Man ahnt am Goldnen Horn bereits den Tag des Schicksals, der vielleicht aus der „jungen Türkei" (die die Hoffnungen des Erdwestens so stark enttäuscht hat) wieder die „alte Türkei" erstehen lassen Wird mit der fin-
Rach einer flüchtigen Besserung im Befinden des Kaisers, die gestern spät abends einsrtzte, ist seit heute früh der Zustand des Mikado wieder sehr unbefriedigend, und man befürchtet jeden Augenblick den Eintritt der K a - ------
tastrophe. Ter Thronfolger, die Prinzen Absichten haben, und daß die Freundschaf. >'.nd die Prinzessinnen sind neuordinaS nach dem! ten. die wir mit anderen unterhalte«, keine
aggressiven Ziele haben und nicht gegen eine andere Macht gerichtet sind. Das tun wir und werden es auch weitet tun. Nach wetteren Ausführungen von Bonar Law und Grey wurde hierauf ein von dem Radikalen Ponson. by eingebrachter und begründeter Antrag auf Verminderung des Voranschlags mit dreihunderteinunddreitzig gegen neununddrei, tzig Stimmen abgelehnt.
Krontzrinj und Kaiserin. Keine Versetzung des Kronprinzen nach Königsberg; die Wünsche der Kaiserin.
(Von unferm Korrespondenten.)
Berlin, 26. Juli.
Von unterrichteter Seite erfahre ich zu der geplanten Veränderung hinsichtlich der militärischen Zukunft des Kronprinzen folgende Einzelheiten: Der Kronprinz ist, wie bekannt, seit etwa Jahresfrist Kommandeur der Dan- ziger Leibhusaren. Er hatte, tote bestimmt im Vorjahre verlautete, dieses Kommando nur ungern übernommen und war ungern aus Potsdam geschieden. Dem Kronprinz wurde allerdings weniger der Abschied vom Hofe schwer (denn er liebt keine rauschenden Feste, er ist mehr Freund eines gemütlichen Familienlebens und eines internen Freundenverkehrs), als die Trennung von den liebgewonnenen Stätten. Der Aufenthalt in Danzig ist der kronprinzlichen Familie im Winter n i ch t s o n - derlich gut bekommen, und als die Absicht auftauchte, den Kronprinzen nach feiner Beförderung zum Obersten nach Königsberg zu versetzen, tauchten Bedenken klimatischer Natur auf. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß die ursprüngliche Absicht des Kaisers
nicht zur Ausführung kommt.
In den letztenTagen hieß es denn auch, daß eine endgiltige Entscheidung nach derBeendigung der Ncrdlandsreise vom Kaiser getrosten werden würde. Man nimmt an, daß der Kronprinz
lieber bas Befinden des Kaisers von Japan hat die Berliner sapamsche Botschaft gestern abend folgendes Telegramm au8 Tokio erhalten, das abends um sieben Uhr dort abge- qangen ist: Schlaf unruhig, Temperatur 37,-: Grab, Puls 88, unregelmäßig, aber ätemlt» stark und voll, wenn auch schwächer als tag- j zuvor. Zunge trocken, Wie am Tage zuvor Bauchschwellung geringer als vorher. M al 1 ig kett etwas größer. Unterzeichnet ist bas Bullettn von beit Leibärzten des Mikado, die gleichzeitig Professuren an der Universität Tokio bekleiden und sämtlich aus der deustch-u ^Schule hervorgegangen sind. Neuere Nachriq-
Palais gerufen worden, da man ernste Befürchtungen um das Leben des Herrschers hegt. Seit zwei Tagen liegt der Kranke ohne Bewutzstein und es scheint, daß die behandelnden Berzte bereits alle Hoffnung auf Erhaltung des Lebens des Kaisers auf gegeben haben.
Das Gespenst überm Kanal.
Asquiths Friedensrede, Greys Alarmruf.
Im englischen Unterhaus steht in diesen Tagen das Barometer auf Sturm: Bei der Debatte über das englische Flottenbudget ist I die auswärtige Politik so eingehend erörtert worden, tote selten bei früheren Gelegenheiten, und sichtlich im Vordergrund des Interesses stand dabei das Verhältnis zwischen England und Deutschland. Zu Beginn der gestrigen Sitzung gab es gleich eine gewisse Erregung, als Ministerpräsident Asquith, der sich aus seiner steinernen Ruhe nicht herausbringen ließ, nach einleitenden Bemerkungen auf die deutsch-englischen Beziehungen zu sprechen kam und eine eingehende Darstellung des Verhältnisses der beiden Reiche zueinander gab.
Premierminister Asquith
erklärte, die internationalen Verhältnisse hätten sich in den letzten acht Jahren ruhig abgewickelt, ohne, daß man nach rechts oder links geschielt hätte. Manche Angelegenheiten, die vor zehn oder fünfzehn Jahren noch zu Konflikten geführt hätten, seien günstig beigelegt worden England habe keinen Grund, mtt irgend einem Teil der Welt Streit anzufangen Solchen Sonderbesprechungen, tote denen zwtsthen Deutschland und Rußland sehe England mit Gleichmut entgegen Unter dem Bet- fall des Hauses erklärte der Minister, die Be- I ztehungen zwischen England und Deutschland seien durch Freundschaft und gutem Willen gekennzeichnet. Dem B-iuch Lord Haldanes im Frühjahr in Deutschland fet eyt freundschaftlicher Meinungsaustausch gefolgt, der noch fortdauere und der auch die Billigung und Unterstützung des ausgezeichneten Diplomaten gefunden habe, den der Kaiser nach Eng- land entsandt hat. Alle Mächte wünschen daß, soweit England in Betracht komme, das bedauerliche Anschwellen, der Flotten keine Angriffsgeluste in sich schließe Nach dem Premiermtotster kam
! der Minister des Aeußern,
Eir Edward Grey
dern erleichtern wollt die Erfüllung deS drin I gendsten Wunsches der Nation und der Armee, nämlich: Die Kammerauflösung, oder vielmehr des Klubs, dieses Theaterklubs. Wenn Ihr nicht in achtundvierzig Stunden so handelt, so benachrichtigen wir Euch, daß wir I unsere patriotische Pflicht vollständig er-1 füllen werden ...!" Wie verlautet, wünscht die Offiziersliga die Einberufung der konstituierenden Versammlung zwecks Revision der Verfassung.
Dreiundsvuszig Morde!
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 26. JuN.
Aus Uesküb wird gemeldet, daß in der Zeit vom ersten Januar bis zum ersten Juli in der Rasko Prizrender-Eparcher von albanischen Banditen an der serbischen Bevölkerung folgende Verbrechen begangen worden seien: Dreiundfünfzig Morde, vierundzwanzig Verwundungen, achtzehn Er- I Pressungen an Reisenden, sechshundertdreißig Viehdiebstähle, dreiunddreißig Beraubungen von Häusern und Personen, vier V e r g e w a l - tigungen und Entführungen von Frauen und Mädchen, siebzig Brandschatzungen Einzelner, elf Brandschatzungen ganzer Dörfer, stebenunddreißig Mordversuche, sechs Kir- chenschändungen und zwanzig Mißhandlungen. Die zu Verhandlungen mit den aufständischen Albanesen eingesetzte Kommission reifte gestern von hier nach Albanien ab. Ein albanesischer Deputierter erklärte, die Regierung habe alle Forderungen der Albaner bewilligt und ihnen gestattet, ihre Waffen zu be* halten. Eine Schwierigkeit bilde nur noch die Forderung, daß die albanischen Truppen in Friedenszeiten in europäischen Garnisonen bleiben sollten. Die Gegensätze haben sich indessen trotz allem unheimlich verschärft. Man steht am Vorabend großer Ereignis s e und es bereitet sich eine abermalige Umwandlung des Kabinetts vor. In der Zeitung „Hakk" spricht Nazi! Bey offen von einer Säbelherrschaft, die auf das schärfste zu verurteilen fei.
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geschlossen, mit denen wir so viele Reibungsflächen gehabt haben. Und wenn wir diese Herzlichkeit sich verringern lassen, so werden bald alle Ursachen zu Reibungen wieder entstehen. Ist unsere austoättige Politik verantwortlich ^für die deutsche Flotte? Die Erklärung in der angekundigt wurde daß Deutschland eine großzügige Ilottenpolitik eröffnen würde, geschah in dem Flottengesetz vom Jahre 1900. Wie könnte seitdem irgendeine britische Politik verantwortlich sein für die deutsche Politik? Man darf den einen sehr einleuchtenden Grund für die Erbauung der deutschen Flotte nicht übersehen, nämlich den, daß eine wachsende Nation wünscht, mächtig zu setn, ohne daß sie doch notwendigerweise An- griffsabsichten verfolgt, noch eine bestimmte Gefahr vermeiden will, lieber Beschränkungen der Rüstungen zu sprechen, ist nichtsehr interessant für die deutsche Oeffentlichkeit, wenn die Leute, die darüber sprechen, nicht genau sagen können, was sie wollen. Auf welcher Basis wünschen Sie. daß Abkommen getroffen werben: Auf der Gleichheit ober der Ueberlegenheit der britischen Flotte?
von Danzig nach Potsdam zurückkehren wird. Es heißt, die Kaiserin habe einer Versetzung des Kronprinzen an die Ost- grenze Widerspruch entgegengesetzt, Haupt- sächlich, weil sie durch die Abwesenheit der kronprinzlichen Familie sich in ihren Großmut- terrechten beeinträchtigt fühle, da bekanntlich dre Ehen der übrigen Prinzen kinderlos sind. Auch die Abwesenheit des Thronfolgers bei den Hoffest en würde als störend empfun- den, die Reisen zwischen Danzig und Berlin zu Repräsentationszwecken als lästig. Dazu kommt, daß die Verhältniffe in Danzig und auch in Königsberg für die kleinen Prinzen in mancherlei Beziehung keine zufriedenstellenden sind. Die vielen Reisen des Kronprinzen von Danzig aus waren teilweise ans klimatischen Gründen geboten. Man wird also hoffen können, daß im Herbst der Kronprinz dauernd nach Potsdam zurückkehrt.
Die gestrige Sitzung der Kammer wurde vom Präsidenten mit der Verlesung eines Drohbriefes der Militäliga eingeleitet, der die stürmischste Entrüstung unter den Deputierten hervorrief. Das Ultimatum_______ , ___
fordert die Auflösung der Kammer jen aus Tokio besagen: binnen achtundvierzig Stunden. Der Präsident ' '
erklärt hierauf: Ich werde meine patriotische (Telegraphische Meldung) Pflicht in aller Freiheit tu«, ohne mich durch Der Zustand deS Kaisers wird wn Pma> Drohungen einschüchtern zu lassen. Diesen als sehr ernst angesehen. Gestern avend Worten folgte ein frenetischer Beifall, u.zg Uhr wurde folgendes Bulletin ausgege- Die Kammer beschloß, die Minister vor-ken. Die Temperatur beträgt 38,2, PulS 105, zuladen und erklärte sie in Permanenz, sxhx unregelmäßig, Atmung 37, weniger ruhig. Endlich erschien der Kriegsm totster Rasim Pa- Der Kaffer ist heute erschöpfter, feine. Kräfte scha als Stellvertreters bei Grohwesiers in der sind gesunken: das Allgemeinbefinden ist unve- Kammer. Er bezeichnete den Drohbrief als friedigend. Der Kronprinz weilt seit vor- etoen Bluff und versicherte, die Regierung gestern ununterbrochen am Krankenbett seines werde die Ruhe zu schützen wissen. Der Text Vaters.
deS Briefes, der von der Offiziersliga an den finfhtuttfl Qttfaeaebett ?
Kammerpräsidenten gerichtet wurde, lautet fol-1 ?On”U"ß °Usgege°en
gendermaßen: „Nach so vielen schlechten Taten, d>« Ihr im Komitee sowie in der Kammer begangen habt, erfuhr unsere Liga von Euren Schritten und Intrigen beim Sultan. Diese Taten verdienen die schwersten Strafen. Aber da wir uns nicht mit schmutzigem Blut beflecken wollen, so halten wir es für notwendig, Euch zu benachrichtigen, daß Ihr tzew-flien mük-t. daß Ihr nicht «tobalten, kon-
Ztvei Minister vergiftet?
Wie uns weiter aus Konstantinopel berichtet wird, durchlief gestern abend ein Aufsehen erregendes Gerücht die Stadt. Wie e81 fgort, der folgendes ausführte: Es könne heißt, sollen nach dem Diner in der nld)i fjalt genug betont werden, wie schwer die Pforte mehrere Mitglieder des Kabinetts Fasten der Rüstungen seien Doch leider nickt unbedenklich erkrankt sein. Kiamil! sei die Regierung machtlos^ Er hoffe, daß die Pascha und Mahmud Mukhtar hätten internationale öffentliche Meinung in Zukunft daher dem am späten Nachmittag stattfmde^^ so machttg^werde^^aß ^an^ ?^etoaIt> sondern Mtoisterrat nicht beiwohnen können. Man tig c-nftanäen appellieren könne Hierauf glaubt allgemein, daß die Speisen, die den Mft I betäm^te Sir Edward Grey die Behauptung nistern gereicht wurden, vergiftet gewesen | Abgeordneten Ponsonbv, daß die britftcke sein sollen. Taffächlich so« der Präsident des auswärtige Politik verantwortlich sei für die StaatSrates, Kiamil, unpäßlich sein und fern großen Ausgaben für Rüstunas-
I Politik habe, doch das würde zu der Politik antfnhn int ßterbctt? der gänzlichen Isolierung zuruckfuhren,
«er IVIUUUU Illi ÖIKIVVU r to(e st» von 1880 bis 1900 bestanden habe. Diese
Vom Krankenlager des Kaisers von Japan. Politik habe Gerüchte von Kriegen mit Frank- ... . - ------- >^ich, Rußland und Deutschland verursacht
und hätte zu politischen Reibungen mit allen diesen Ländern geführt. Wenn matt to btefer Politik zurückkehre, so werde man bald die Flotte nickt nack dem einen oder Zwei-Machte- standard, sondern nach einem viel hoher» bauen müssen. Wir haben
Freundschaft mit Frankreich und Rußland
C Mer Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung_______________
Unter Erzherzogen.
Mißhelligkeiten «nter Oesterreichs Erzher. zöge«; die Erzherzöge find „armeemiide"!
In militärischen Kreisen Oesterreichs verlautete, daß der zurzeit in Linz als Kommandant der dritten Jttfanterietruppendiviston garnifonierende Erzherzog Josef Ferdinand im Herbst dieses Jahres einen mehrmonatigen Urlaub antreten wird, von dem er nicht mehr in feine militärische Stellung zurückkehrt. Erzherzog Josef Ferdinand, der feit einigen Jahren in Linz zuerst als Kommandant der Jnfanteriebrigabe, dann als Divisionär garnifonierte, wird sich bann vollkommen ber Verwaltung ber toskanischen Güter wid. men und in Salzburg Domizil nehmen. Erz. Herzog Josef Ferdinand wurde als zweitältester Sohn des Grotzherzogs von Toskana am vier, mtdzwanzigsten Mai 1872 in Salzburg geboren und ist infolge des Rang- und Tiielverzichts seines älteren Bruders Leopold Ferdinand (Leopold Wölfling) der Chef des Hauses Toskana. Er hat jedoch nach dem im Jahre 1906 erfolgten Tode seines Vaters nicht den Titel eines Großherzogs von Toskana angenommen. Nach dem Ableben seines Vaters erbat der Erzherzog, der damals Oberst und Kommandant des dreiundneunzigsten Jn- fanterieregimmts in Olmütz war, vom Kaiser einen sechsmonatigen Urlaub, der ihm selbstverständlich bewilligt wurde. Schon damals hieß es, daß der Erzherzog nicht mehr zur Armee zurückkehren werde, da er
mit dem Avancement nicht zufrieden sei. Es zeigte sich indes, baß der Erzherzog den Urlaub nur zur Ordnung der mit der Uebernahme des umfangreichen toskanischen Besitzes in Zusammenhang stehenden langwierigen Arbeiten in Anspruch genommen hatte, nach deren Erledigung rr sich, inzwischen zum Generalmajor und Kommandanten der fünften Jnfanteriebriaade befördert, wieder keinen ml-