Casseler Neueste Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
Dt» ttcffeler «euefien N-chrtcht» «rfdjtteea wocheuMch sechsmal unb pvar abend«. ®«r «bOTmemenUpret« betr at monatlich « Pfg. bet frei« Zuftellun, M HanL Bestellung« werd« jeder^tt von der GefchLstsstelle ober ben Bot« entgegengenommen. $ ruderet, Verlag und Redaktion? Schlachthofstra»« 28/80. Sprechstunden der Rebaktio» «tr een 1 bi« 1 Uhr nachmittag«, Sprechstunden »er Auskunft. Stelle: geb« Mittwoch enb Freitag een « bU« Uhr ebenb*. Berliner Bertretung: sw, Friedrtchstr. 16, Telephon? Hmt Moritzelatz 676.
Hessische Abendzeitung
Jnsertioatzpretse: Li« fech«gespall«e Zelle für einheimische Seschtfte 16 Bfg., für au«. würNge Inserate 25 Pf, Reklamegetle für einheimische «LeschLft« «9 Pf, für auswärtige »eschüft« «0 Pf. Bellagen für di« Sesamtaustage roerben nett 4 Mark pro Tausend bo. rechnet. Wegen chrer dichten Berbreitung in der Residenz und der Umgebung sind bU Lasseler Neuesten Nachricht« ein oorzitgltche« Jnserttonsorgan. Seschiftläelle? Kölnische Straße 5. Berliner Bertretung? SW, Friedrichstraße 16, Telephon? Amt Morstzplatz 676
Nummer 195.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 26. Juli 1912.
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang.
Kasseler Flugvtatz-Wnk.
Flugplätze und Flugproblem«; die Seit der Hausse in der deutschen Aviatik, von Major von Tschad!,
Direktor des Flugplatzes Johannisthal.
Cassel soll einen eignen Flugplatz er. halten ES bürste deshalb unsre Leser inter. effleren, über aktuelle Aviattkfragen die Aeuber- ungen eines ersten Fachmannes ,u hören Herr Major von Tschudi. ber Leiter des erst« beut, scheu Flugplatzes bei Berlin, ber ju den er. fahrensten Autoritüten ber Aviatik gehört, hatte bte Freundlichkeit, un« bie folgenden AuSführ- ungen ,ur Verfügung zu Nellen, in benen er alle aktuellen Probleme ber Aviatik besonberS auch Flugplatzfragen streift Die Redaktion
Allmählich beginnen wir Frankreich einzu- hoken. Allmählich fangen wir an„ für das Flugwesen dasselbe Niveau des Interesses, der techerifchen und finanziellen Mittel wie auch der Leistungsfähigleit zu erreichen, daS sich Frankreich auf dem Gebiet der Aviatik bereits erobert hat. Die reg« Anteil nahm« der Press« an allen aviatischen Bestrebungen, die großen Opfer, die seitens der Reichs, seitens des PrtvaÄapitalS und jetzt (gelegentlich der Nafionalflugfpende) auch von allen übrigen stressen des deutschen BollS dafür aufgebrachi werden, schließlich nicht an wenigsten die imposant« Entfaltung eine- neuen Jndustrie- zweigS, mit der erhebliche Fortschritt« der Technik verbunden sind: Alle» daS sind die Kennzeichen und Aeutzerungen starker schöpferischer Impulse. Man kann g-radezu von einer ,A v i a t i k - H a u fs «" reden. Di« Hai natur- gemäß neben ihren guten auch einige verurteilenswerte Seiten. Kennet der Verhältnisse wissen, daß e» aus diesem Gebiet, wo sich mit «in«» Mal unzählig« und ungeahnte Mög- lichroiien aufgetan haben, ganz ähnlich wie in den siebziger Jahren, in der sogenannten Gründerzeit, auch die Gefahren einer neuen »Gründerreif bemerkbar machen.. Diese Gefahren werden einerseits darin'M suchen sein, daß man sich in dem B«ftr«ben, möglichst schnell und möglichst viel zu «eisten, über- st ü r, t. E» muß zum Beispiel ein Fehler ge- genannt werden, wenn jetzt alle die Städte in Denffchla-nd, deren Bürgerschaft Gelder für Flugzeuge aufgebracht hat, wünschen und verlangen, daß diese Gelder immer verwandt werden sollen, um Flugzeuge mit dem Ra- men dieser Städte M schaffen. Daß da» M UnzuträgKlhikeiten Mr«» muß, liegt auf der Hand.
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» Ferner: E» verlautet, daß einzelne Städte an ihre Sammlung den Wunsch geknüpft haben, daß ihnen als Gegenleistung «in Flugplatz eingerichtet werde. E» dürste sich aber kaum in jeder Stadt ein Flugplatz rentieren, da er ganz erhebliche Entrichtung-- und Verwal- tungSkosten bedingt, die in der Regel von den Eintrittsgeldern des zuschauenden Publikums nicht vollkommen gedeckt werden können. Man wird überhaupt in diesem Zusammenhang betonen müssen, daß «in Flugplatz erst in zwei, ter Linie eine Schaustätte Kr da» Publikum sein soll, in erster Linie dagegen ein UebungS., Lehr- und PrüsungS- platz. DaS wird überall vom Publikum noch verkannt. Auf jedem Flugplatz macht man di« Erfahrung, daß da» Publikum ungehalten wird, wenn e» »für fein Eintrittsgeld' aus irgend welchen Gründen (in der Hauptsache werden WitterungSverhSltMe in Frage kommen) „nichts Ordentliches zu sehen" bekommt. Hier muß sich das Publikum noch Mr höchern Einsicht bekehren, tote es auch gleichzeitig noch lernen muß, wie es sich auf dem Flugplatz selber verhakten soll. Wir haben grade in dieser Beziehung in Johannisthal gelegentlich beklagenswerte Erfahrungen gemacht. Bei jedem Fliegersturz hat eS sensationslüsterne Elemente gegeben, die sofort nach dem UnMcksfall aus die Flugbahn stürmten, um irgend eine Erinnerung mit wegzunehmen: Sin Stück Leinwand »der ein Stück Metall von dem zerschmetterten Aeroplan. Dabei setzen sich die Sensationslüsternen, die die Flugbahn nicht frei halten, jedesmal noch eignet Sehen», gefahr aus. Man wird also gut tun, daran ,u erinnern, daß ein Flugplatz wirklich starke Gefahren Kr da» unvorsichtige Publikum «it sich bringt.
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Deutschland zählt zur Zeit etwa vierzig Flugfelder, worunter freilich in kaum drei Fällen regulär eingerichtete Flugplätze zu finden sind. Diese Zahl dürfte sich aber bereits in kurzer Zeit ganz erheblich vermehren. Und wenn wir dann eine noch größere Anzahl von Städten Haden, wo aviaiische Erfahrungen ge
sammelt weiden kömmt, so ist natürlich ein noch schnellerer Fortschritt der Aviatik zu erwarten. Wieviel sich bereit» in einem Jahr erreichen läßt, lehrt daS Beispiel von Johannisthal. Dort betrug im vorigen Jahne die höchste erzielte Fluggeschwindigkeit etwa hundert Kilometer. In diesem Jahre hat man bereits hundertsiebenundsechzig Kilometer in der Stunde erreicht. Auch nimmt die Sicherheit des Fliegens ständig zu. Zahlenmäßig betrachtet ist die Gefährlichkeit der Aviatik ja ga?nz erheblich kleiner, als sich das Publikum vorstellt. Wir haben In Johannisthal im vorigen Monat nicht weniger als fechz ehnh u ndert Flüge gezählt, bei denen im ganzen nur dreizehn nennenswerte Beschädigungen der Aeroplane passierten! Eine höhere Sicherheit wird erreicht werden, wenn eS gelingt, einen noch zuverläfsi- gern Motor zu schaffen. Und wenn wir zunächst die Aviatik auch nur für militärische Zwecke prakttsch verwerten können, so wird es sich die Wissenschaft wir auch die Technik doch sehr angelegen sein lasten, un» dem Ziel ent- gegenzuführen, die Aviatik für den allgemeinen Verkehr heranzuziehen. Das wird möglich sein, wenn eS gelingen wird, die Flugzeuge billiger herzustellen als heute, wo der durchschnitÄtche Preis immer noch etwa 20 000 bis 80000 Mark beträgt, kurz: Wenn es möglich fein wird, Aeroplane fabrikmäß i g herzustellen, wie etwa Fahrräder und Auiomo bile! Wir haben heute in Deutschland rund zweihundert Piloten, also Aviatiker, die die vorgesehene Prüfung bestanden und das entsprechende Zeugnis erhalten haben. Die Bedingungen Kr die Weiterentwicklung sind also gegeben. Hoffen wir, daß auch Lasse! s erster Flugplatz das Seine für die Weiterentwicklung recht bald bei tragen wird ...I
Karl Abelmanns neueste Flüge.
Gestern abend führte Karl Abelmann mit seinem neuen Gradeeindecker A, der eine Stundengeschwindigkeil von fünfundneunzig Kilometern gewährleistet, auf dem Forst zwei fl,r,6 6ete Flüge auS, die ihm in jeder Beziehung gut gelangen. Am prächtigsten war ein Flug, bei dem sich der Flieger in einer Höhe o? ^“’l,i>trlf«n{jig Metern hielt. Trotz böiger Winde» die sich in den oberen Luftschichten bemerkbar machten, führte der Flieger feinen Apparat mit staunenswerter Sicherheit und beschrieb wettauSgreifende Kurven. Bei der ersten Runde umkreiste der Flieger auch die einsame Linde auf dem Forst, in deren
« einen Photographen bemerkt batte Im Gleitflug, dem schönsten Schauspiel, das bte Aviatik bietet, ging der Flieger nach rund dreizehn Minuten Flugdauer nieder, wobei er wieder, wie am Dienstag, die Richtung nach dem Schuppen einhielt. Fastzweitau- send Menschen hatten sich auf dem Flugplatz eingeKnden und brachten dem Flieger während der Fahtt lebhafte Ovationen dar. Bei der Landung wurde Karl Abelmann stürmisch begrüßt und wie im Triumph zug nach der Halle gekettet. Auch gestern wieder war zu bemerken, daß das Publikum die erforderliche Vorsicht außer acht läßt. Der iriugapparat war am Start derart von Menschen umlagert, daß der Flieger beim Starten kaum den nötigen Spielraum hatte. Trotz der genau zu beobachtenden Rich tung, die der Apparat beim Landon nahm, strömte daS Publikum ohne alle Ordnung vor dem Apparat zusammen. Sin ganz besonders kecker Knabe wagte sogar, dicht vor dem be- ^tts auf der Erde fahrenden Flugzeug über den Weg zu laufen. . . Sin weiterer Fehler des Publikums ist auch daS fortwährende Betasten der Tragflächen und der Spanndrähte des Apparats. Durch die hier gerügte Unvorsichtig, kett der Zuschauer bringen sich diese fit Gefahr, von dem Avparat verletzt zu werden, gefährden den Flieger und kommen gegebenenfalls um daS Schauspiel der Flüge. Auch heute abend wird, wenn dar Wetter günstig ist, ein Aufstieg erfolgen.
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tot Unfall des Schütte-Sanz.
(Privat-Telegramm.)
Gotha, 25. JuN.
Dos hier Kr einige- Fahrt-Tage stationierte Luftschiff »Schütte - Lanz' ist heute früh von einem Unfall bettoffen worden. DaS Luftschiff wollte heute fit der frühen Morgenstunde feine Fernfahrt nach Berlin fort- etzen. Bei dem Herausholen des Luftschiffes auS der Halle wurde jedoch die Hülle leicht beschädigt. Der Schaden dürste indessen schon im Laufe des heutigen TageS ouSoebes- ett werden, so daß das Luftschiff voraussichtlich morgen früh die Fahrt nach Berlin wird fortsetzen können. Wie bekannt wird, ist per Unfall aut einen Windstoß zurückzu-I
führen, der daS Luftschiff beim Herausholen auS der Halle gegen die Dritenwand der Halle drückte. _______________
DK Londoner Brandkatastrophe.
Im Kampf mit den Flammen umgekommen l
Wie wir bereits hn gestrigen Abend dope- schen-Aushang mttgetellt haben, sind nach den offiziellen Berichten über das vorgestrige Brandunglück in der Londoner City sechs Mädchenleichen aufgefunden worden. Wer weitere Mädchen starben auf dem Transport nach dem Kvankenhause. Der Brand wurde durch Celluloid veranlaßt, das mit einem offenen Licht in Berührung kam. Das abgebrannte Gebäude war sechs Stock hoch; fünfzehn bis zwanzig Mädchen wurden darin beschäftigt. Fünf Mädchen sprangen vom Dach aus in den Hof und erlitten dabei schwere Verletzungen. Neuere Meldungen berichten schauer- fiche Einzelheiten der Katastrophe:
I London, 25. Juli.
(Privat-Telegramm.)
Es war gegen sechs Uhr abends, als am Dienstag das Feuer im Küsten Stockwerk der Postkattensäbrik von August Thomas ausbrach. Die Fabrik liegt in der Moorkanestreet im Herzen der Stadt in einem Gewirr von engen Straßen und Gassen. In zwei großen Zimmern waren ungefähr zwanzig Arbeiterinnen mst dem Herstellen von Postkarten beschäftigt, zu westyem Zweck sie auch Zelluloid de- nötigten, daS sich in großen Mengen in den Zimmern befand. In einem der Zimmer be- fattd sich ein G a S h e r d, der angezündet war und auS welchem aus bisher noch unbekannter Ursache pWtzftch eine Stichflamme herauS- ichEug, die einen Behälter mit Zelluloid in Brand setzte. DaS Zelluloid ging sofort in Flammen auf, wodurch das Zimmer in wenigen Sekunden einem Flammenmeer glich. Die in dem Zimmer beschäftigten zehn Aibette- innen konnten sich auf den Flur retten, während die Arbetterinnen, die sich in dem Nebenzimmer befanden, vollkommen abgeschnitten waren. In ihrer Angst versuchten sie durch eine Dachluke auf das Dach zu gelangen, was ihnm aber erst gelang, nachdem ihre Haare und Kleider bereits Fetter gefangen hatten. Es war ein furchtbarer Anblick Kr die nach Tausenden zählende Menschenmenge, die daS Schauspiel beobachtete, Wie die Mädchen brennend wie Fackeln auf dem Dache hin und her rannten, einen Ausweg suchend. Die Arbeiter eine- benachbarten Ateliers legten ein Brett über daS Dach, wodurch es zwei bis drei Mädchen gelang, mit schweren Brandwunden bedeckt, auf das gegenüberliegende Dach zu gelangen. Zwei Mädchen stürztm bei dem Berfuche, über das Brett zu gehen, ab und waren auf der Stelle tot. Ein drittes Mädchen fiel auf ein Glasdach und zog sich schwere Schnittwunden zu. Ein anderes Mädchen riß sich die Brennenben Kleider vom Leibe und Kräng fast nackt auf die Sttaße wo t! tot liegen blieb. Air die Feuerwehr heran- nahte, konnte sie bald bei Feuers Herr wer- den. Zwei Mäbchen sind im Hospital den schweren Verletzungen erlegen, während noch drei Mädchen mit dem Tode ringen. Ein Lehrling, dessen Unvorsichttgkeit das Unglück herbeigeKhtt haben soll, ist gestern abend verhaftet worden.
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vrubenkatastrophe in Amerika!
(Privat.Telegramm.)
Depesche« auS Rewyork zufolge sind ge Sem abend in den drei Meilen von der Stadt entfernten Superba. Sohlenminen zweiundvierzig Bergarbeiter von hereinbrechenden VSaffermaffen überflutet worden. ES wird beKrchtet, daß alle ertrunken sind. Die Flut stürzte vom Gebirge herab, wo ein llroßeS Wasserreservoir gebrochen ist. Sei, gestern abend wird unablässig an der Rettung der durch die Waffermaffen abgeschlossenen Bergleute gearbeitet, doch ist eS bisher nicht möglich gewesen, die Gruben passierbar zu ma- chen, sodaß fast jede Hoffnung ge- schwunde« ist, die Neberfluteten noch retten
fümtöL
Gin Dampfer verschollen?
Der englische Kreuzer Proserpine überfällig.
(Privat-Telegramm.)
Malta, 25. Juli.
Man ist hier sehr beunruhigt über das Schicksal des englischen Kreuzers ,P r o s e t • j ine“, der am vergangenen Freitag von Alexandrien abgefahren und schon über acht- unddreißig Stunden überfällig ist. Metz, tere im Hafen liegende Schiffe versuchten, mittels drahtloser Telearavbie mtt dem Dampfer
in Verbindung zu treten, doch war dies erfolg. loS. Irgend eine Nachricht von dem Schiffe liegt bisher nicht vor; die letzte Meldung stammt aus Alexandtten und besagte lediglich, daß ber Kreuzer bie Ausreise nach Malta angetreten habe. An Borb des „Proserpine" be- finben sich etwa breihunbert Mann Be. satzung. Da in ben letzten Tage starke Stürme herrschten, wird bie Besorgnis laut, baß bem Schiffe unterwegs ein Unfall zugestoßen fei. Es sollen Kriegsschiffe entfanbt werben, um ben Kreuzer zu suchen.
6tto6enfämbfe in London! Wüste Ausschreitungen in der englische« Hauptstadt; Hunderte von Persone« verletzt.
Im Londoner Hafengebtet kam eS gestern neuerdings zu stürmischen Straßenszenen. Ein Trupp von etwa fünftausend Arbeitslosen, bie vorher in guter Orbnung einen Demon- sttationsumzug burch bie City gehalten hatten, stteß in ber Nähe des Tower aus eine Reihe auS ben Docks kommenber belabener Wagen, bie unter polizeilicher Bebeckung in bte Stabt fuhren. Die Streikenben bemächtig, ten sich ber Fuhrwerke unb stürzten sie um, wo- bei es zu einem erbitterten Kampfe kam. Wir erhalten über bie Vorgänge folgenbe Mel- düng:
London, 25. Juli.
(Privat-Telegramm.)
Wüfih Stteikausfchreitungen fanden gestern bei den Docks zu Wapping in London statt. Ein Haufe von Knstausend streikenden Dock» arbeitet», die mit Stahlhaken und andere« Instrumenten bewaffnet waren, versuchten bie dortigen Docks zu stürmen. E» kam gn einem Kampf mit berittenen und Fuß-Poli- zisten, die mtt hochgehobenen Knütteln vorgingen. Der Kampf endete mit einer völligen Niederlage der Streikenden, Der Platz glich einem Schlachtfelde. Dutzende von Stteikenden lagen in ihrem Blute um- her, während der Rest davonlief, verfolgt von den Polizisten, die rücksichtslos alles nieberf »lugen. Eine große Anzahl Frauen wurde dabei niedergetreten. Hun. bette von Personen wurden »er. letzt, fünfzehn davon schwer; sechs Streikende wurden bewußtlos davongettagen. Auch mehrere Polizisten sind erheblich verletzt worden. Zwei, die am Boden lagen, wurden von den Füßen der Streikenden fast zu Tode gelte- ten. Vierzig Mann wurden verhaftet. In ber Gread Tower-Street überfielen Taufende von Streikenden einen Frachtwagen, ber von Polizisten eskortiert wurden, warfen ihn um, setz- ten ihn in Brand und verstümmelten bie Pstrbe. Rach einer Versammlung bet Streikenden auf bem Towerhügel sprach ber Streitführer Ben Tillett öffentlich ein leidenschast- liches Gebet, daß Gott ben Vorsteher be8 Londoner Hafens, Lord Devonport, erschlagen möge. DaS Gebet wurde von den Tausenden mit erhobenen Händen feierlich nachgefprochen.
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Komponistin, Suffragette, Verbrecherin!
Großes Aufsehen erregt in London bie Festnahme von Dr. Ethel Smith, ber be- kannten Komponistin ber Oper „The Wreckers', bie unter bem Verbuchte steht, an der Braubst i f t u n g in dem Landhaufe des M i n i ft e r 8 Harcourt in Nuneham bei Oxford mit be- tettigt gewesen zu sein. Wegen desselben Verbrechens wurde bereits eine andere Person verhaftet. Dr. Ethel Smith, bte eine be- kannte Frauenrechtlerin isst wurde dem Polizeirichter ht Oxford vorgeführt, aber ge» gen zwanzigtausend Mk. Bürgschaft wieder auf reien Fuß gesetzt, bis ber Staatsanwalt den Prozeß gegen sie borbereitet hat. Ethel Smith bat am Leipziger Konservatorium ftubierl. Tschaikowsky, der sie persönlich kannte, schrieb einem Freunde über sie: Miß Smith ist eine der wenigen weiblichen Komponisten, die ernst genommen werden müssen. Brahms meinte ogar, sie sei ,daS musikafischste menschliche We- fen mtt Ausnahme von Wagner", das er je getroffen habe.
8m 5unwf Maritas.
Schreckensherrschaft der Rewyorker Polizei; Rechtlosigkeit und Zuchtlosigkeit ist überall!
Die unglaubliche Korruption der Rewyor- ker Polizei, die wir in unferm gestrigen Leitartikel ,9tu5 Abgrund-Tiefen" behandelt haben, und auf die die Ermordung des Spiel- döllenbesitzerS Rosenthal ein grelles Scklag» licht wirft, läßt sich durch unzählige alltägliche Begebenheiten in der amerikanischen Metropole erhärten. EbarakteriMche Beispiele für diese ast unglaublichen ZuMntde erzählt jetzt «tu „Anglo-Amerikaner' in einem Londoner Blatt. Er übernimmt bie volle Gewähr für die Wahr, heft seiner Darstellung und erklärt, daß sich tag- täglich in Rewyock uttib in den übrigen amerikanischen Großstädten die unerhörteste« Akt»