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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang

Nummer 193

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 24. Juli 1912

fternsvrecher 95! und 952.

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IerZank der Vaterlands...?

Beteranen-Schickfalr Tod auf der Straße!

Eine gradezu unglaublich llingende Nachricht kommt aus Berlin: Dort ist auf dem Spielplatz an der Düssel­dorfer Straße derVeteranDuxan Entkräftung einsam gestorben. Der Hunger fällte den Mann, der in den großen Feldzügen von der Kugel ver, schont geblieben war. Der alte Krieger stand im Alter von neunundsech­zig Jahren und suchte in Berlin seinen Lebensunterhalt dadurch zu er­werben, daß er sich in den Häusern zum Teppichklopfen anbot. Also abermals ein Veteranen-Drama, abermals die Tragödie eines alten Krie­gers, der für sein Vaterland gekämpft, für die Nation Gut und Leben eingesetzt, und nun nach vier Jahrzehnten, verkümmert und vergessen, auf der Straß« Hungers stirbt! An der Leiche des alten Mannes, dessen ärmlichen Rock die Kriegermedaille zierte, darf nicht allein das Mitleid sich regen: Die Scham muß uns siedendheiß in die Schläfen steigen, die Scham über die Undankbarkeit des Volks und Vater­lands gegenüber einem Kämpfer für Deutsch­lands Ehr' und Ruhm. Schlagworte trösten nicht über die erschütternde Tragödie des grei­sen Kriegers hinweg, der auf dem Spielplatz, inmitten der Riesenstadt, vielleicht umjubel! von der frohen Lust glücklicher Jugend, ange­sichts des Prunks und der Fülle blühenden Lebens, elend zugrundeging, weil des Vater­lands schuldiger Dank ihm das Stückchen Brot vorenthielt, das das Leben des alten Mannes vor dem Hungertode hätte retten können. Man decke nicht mit Phrasengeschwall und klingen­den Worten dieses düstre Drama zu; es wäre Sünde an der Ehre des Vaterlands, woll e man mit leichter Mitleidregung, mit einem verlegnen Achselzucken über die furchtbare An­klage hinweggehen, die aus dem Schicksal des alten Kriegers zum deutschen Gewissen schreit, und wenn ein versöhnlicher Schimmer die Sterbestunde des vergessnen Greifes verklären darf, so kann es.nur die durch das Ende des Veteranen Dux geweckte und stark zum nationa­len Bewußtsein drängeiche Erkenntnis fein, daß wir, die Söhne der Väter, die vor vier Jahrzehnten siegreich für König und Vater­land stritten, die heilige Pflicht haben, die Ueberlebenden jener Tag«, die alten Krie­gerhelden aus Deutschlands großer Zeit, vor den Hätten des Daseinskampfs zu bewahren und ihren Lebensabend s o zu gestalten, daß Not und Sorge, Kummer und Elend ihnen nicht den Glauben an den Dank des Vater­lands zu rauben vermögen. Wer sich dieser Pflicht entzieht, verletzt die Ehr« der Natton, und erweist sich undankbar gegen Krieger- und Heldentat, deren Kraft wir, dte Nachgebornen, des Vaterlandes Größe danken!

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Wenn eine Menschen-Tragödie die Seelen erschüttert, fließen die Tränen in Strömen. Aber selbst ein Heer von Zähren bringt nicht wieder, was wir verloren, verwischt nicht die Schuld, die wir auf uns geladen und kühlt nicht die Gewissenswunde, die wir tief im Innern spüren. Vor kurzem veröffentlichte der Magistrat von Bettln «ine Mitteilung, in der er bekanntgab, daß es ihm nicht möglich gewesen sei, alle Veteranen, die sich an ihn mit der Bitte um eine Unterstützung gewandt, zu berücksichtigen. War der gestern auf dem Spiel­platz an der Düsseldorfer Straße in Berlin elend verhungerte Veteran Dux ebenfalls auf der Liste der Abgelohnten? Seit Jahren bitten die Veteranen um einen Ehrensold, der es ihnen ermöglich«, «in kärgliches Dasein zu fttsten, aber auch seit Jahren werden sie wie­der und immer wieder vertröstet:Es i st k e i n Geld dafür vorhanden!" Bis zuletzt trug Dux auf der Brust die Ehrenzeichen, die der Lohn waren für seine im Ktteg bewiesne Tapferkeit; auch die Medaille von Mara-la- Tour (die an den mörderischen Kampf «ttnnert) war ihm auf den Rock geheftet worden, und un­ter dieser Medaille krampfte sich das Herz vor Hunger zusammen. Hungernd und wohnung­los ttteb der alte Veteran sich in Berlin um­her, klopfte an die Tür des Mitleids mit der verschämt gestammelten Bitte um Brot und Arbeit und bot di« schwache Kraft zitternder Greisenhände zum Teppichklopfen an! Ein deuft'cher Veteran, geziert mit den Ehrenzeichen deutscher Kriegettreue, vom obersten Kriegs- Herrn dekottett Mr männliche Heldentat vor Tod und Feind: Ein alter, hungernder Greis, bem das LünLuMechsigmilkonen-Volr der

Deutschen Dank und Achtung schuldet, steht im Hof der Mietkasernen und ... klopft Teppiche, um den stechen Leib, der die Strapazen zweier Feldzüge überdauert, der Kugel und Schwert getrotzt, vor der Sichel armseligen Hungettods zu bewahren! Man fühlt tiefe Scham, Schuld und Gewiffcnangst bei dem Gedanken an dies Jammerbild; man spütt in der Seele das Be­wußtsein schwerer Mitschuld am Ende dieses Armen, und von fern, wie im stolzen Sang der Wacht am Rhein, klingt uns das Wott ins Ohr:Ich bin ein deutscher Bürger!" Der alt« Veteran Dux, an Hunger und Ent­kräftung elend zugrunde gegangen, dürfte von sich mit besondrem Stolz sagen, daß er seines Deutschtums Pflichten mit Hingabe und Treue erfüllt; der Ktteger mit dem Ehrenzeichen deutscher Heldentat auf dem geflickten Rock war ein deutscher Bürger in des Wortes idealster und bester Bedeutung: Und er starb Hungers auf der Straße, verendete neben dem Rinnstein, vergessen vom Vaterland, vergessen vom Volk, das ihm Dank schuldet!

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Nun, da das Schicksal sein Opfer dahinge- rasft, ermannt man sich zur Tat: Das traurige Schicksal des Aermsten (das ärztliche Attest gibt Herzschlag als Todesursache an) hat das Kriegsministerium veranlaßt, Schritte zu tun, um Näheres über die Persönlichkeit des alten Veteranen zu erfahren. Zunächst wurde das Wilmersdorfer Polizeipräsidium zur Bericht­erstattung aufgefordert: Soweit man dort un- terttchtet ist, hat Dux noch am ersten Juli seine Veteranenpension in Hanau ausgezahlt er­halten. Es soll weiter sestgestellt werden, was ihn nach Berlin geführt hat. Er ist im Jahre 1843 zu Winkel im rheinischen Kreise Gum­mersbach geboren und zählte am Tag« seines Todes neunundsechzig Jahre. Wir haben es so herttich weit -gebracht mit unsrer Kultur: Wir haben Telephon, Telesunk-en, haben Riesen­schiffe, stehen an der Spitze der Luftschisfahtt, besitzen sogar beinahe Mittel, um den Krebs zu heilen, verrichten Wunder der Technik . . . und ein Mensch verhungert, verhungert buch­stäblich! Ein Veteran von neunundsechzig Fah­ren muß elend auf der Straße sterben, weil er nicht mehr zu essen hat! Doch seine Brust schmücken die Ehrenzeichen, und sein letzter Ge­danke galt vielleicht der Erinnerung an den Tag von Mars-la-Tour."... Wieviel Elend be­steht in den Reihen der alten Kämpfer um Deuffchlands Einheit und Macht, wieviel Kummer und Sorge lasten auf den Schultern der Greife, deren Heldenmut vor vierzig Jah­ren das Reich der Deutschen schuf I Seit Jahren ist das Schlagwort vomDank des Vaterlands" geprägt; feit Jahren erdröhnen in den Patta- menten wuchtige Worte voll Ueberzeugungs- kraft und Tongehält für die alten Krieger gro­ßer Zeit, und seit Jahren . . . bleibfis beim Wollen! Wir opsernJahr um JahrMilliarden für Wehr und Rüstung. Millionen Mr .Kunst und Wissenschaft: Für die heiligste D ankes- pflicht des Vaterlands gegenüber den von der Sorge gehetzten Helden im Rock des Vete­ranen hat das Millionenvolk der Deutschen keine Mittel"! Das Drama am Spielplatz in der Düsseldorfer Straße in Berlin ist eine ver­nichtende Anklage wider das lebende Geschlecht der Deutschen, wider feinen Undank und seine nationalen Schwächen, und über dem Grab des alten verhungerten Kttegers darf das Mitleid ein Trauerkreuz aufttchten, auf dem geschrieben steht: Hier ruht ein Opfer vaterländi­schen Undanks .. .! F. H.

Spion Koftewitsch in Leipzig.

Verhandlungstermin: Anfang September.

Wie wir schon im gestrigen Abenddepeschen- Aushang berichteten, hat die UeberMhrung des russischen Hauptmanns Koftewitsch vom Untersuchungsgefängnis Moabit nach Leipzig gestern nachmittag stattgesunden. Kostewittw wurde von zwei Beamten der Staatspolizei nach Leipzig transpottiett. Der Komplize des Hauptmanns Koftewitsch, der in Düsseldorf ver­haftete Nikolski, wird am Montag von dort ebenfalls von Beamten der Staatspolizei abgeholt und nach Leipzig überMhrt werden. Die Verhandlungen dürften Anfang September vor dem Reichsgericht stattfinden. Wir erhalten noch folgende Meldung:

Berlin, 23. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Der Transpott mit dem russischen Spion Hauptmann Koftewitsch traf gestern nach­mittag kurz vor sieben Uhr in Leipzig ein. Bei der UeberMhrung ereignete sich ein eigenatti- ger Zwischenfall, den zu vermeiden es doch gewiß Mittel und Wege gegeben haben würde. Von den Woliseibeamten war es ver­

säumt worden, für Koftewitsch und seine Be­gleiter ein separates Wagenabteil zu bestellen, so daß sie in einem einfachen Abteil zweiter Klasse Platz nehmen mutzten. Als nun die Frau des russischen Hauvlmanns dasselbe Abteil besteigen wollte, wurde sie von den Begleitern Kostewitschs htnausgewiesen, um es zu vermeiden, daß Frau Koftewitsch die ganze Reise mit ihrem Gatten gemeinschaftlich mache. Ein Herr, der Frau Koftewitsch begleftete, wandte sich darauf an den Bahnhofsvorsteher, mit der Frage, ob eine derartige Hinauswei­sung zulässig sei. Dieser erklärte, daß dies durchausunstatthaft wäre, da in einem gewöhnlichen Abteil, das nicht vorbestellt wäre, jedermann Platz nehmen könne, soweit er eine Karte für die Wagenklasse habe und Platz in dem betreffenden Abteil vorhanden sei. Frau Koftewitsch legte nun die ganze Reise bis nach Leipzig gemeinschaftlich mit ihrem Gat­ten zurück. Vom Leipziger Bahnhof aus wurde Hauptmann Koftewitsch sofort in einer geschlos­senen Droschke nach dem Gefängnis gebracht.

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Koftewitsch und Nikolski.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Düsseldorf: Nach den Ergebnissen der Untersuchung in der Affäre des hier verhafte­ten früheren russischen Oberleutnants Ni­kolski kann es keinem Zweifel unterliegen, daß zwischen dem verhafteten Hauptmann Koftewitsch und Nikolski sehr enge Be­ziehungen bestanden haben. Nach Lage der Sache gewinnt es allerdings den Anschein, daß Nikolski der Hauptschuldige ist, während Koftewitsch nur als Vertrauensmann und Mittelsperson für die Geschäfte Ni­kolskis in Frage zu kommen scheint.

Fliegerschule Waldau bei Tasse?.

Eröffnung am fünfzehnte« Angnst!

Wie aus einem gestern in denCasseler Neuesten Nachrichten" erschienenen Inserat her­vorgeht, wird der Flieger Karl Abelmaun am fünfzehnten August auf dem Exerzierplatz Waldau die Casseler Fliegerschule eröffnen. Die Ausbildungskosten betragen für einen Flugschüler einschließlich der Kosten des Pilotenzeugnisses tausend Mark. In der Flughalle auf dem Forst herrscht jetzt ein reges Leben. Die bisher im Gebrauch befindliche L-Maschine ist abmontiett, wird aber in den nächsten Tagen wieder aufmontiert werden, und soll dann als Schulapparat dienen. Zur Fahrt bereit steht die neue Maschine, die Karl Abelrnann in Bork eingeflogen hat. Dieser neue Apparat ist einer der neuesten Typs der Grade-Emdecker, eine Maschine mit 8,20 Qua­dratmeter Tragfläche und nur acht Meter Spannweite. Der 16:24 PS. Motor ermög­licht eine Stundengeschwindigkeit von fünf» undzwanzig Kilometern. Am Sonntag wattete ganz H o f g e i s m a r auf den Flieger, der am Abend zu einem Ueberlandflug nach dott auf« gestiegen war. Dort hatte der unermüdliche Beistand des Fliegers. Privatmann Schild, alles für das Eintreffen des Fliegers vorbe­reitet. Aber die Erwartungen erfüllten sich nicht, Karl Abelrnann mußte, wie wir mitteil­ten, an der JhringshSuser Allee niedergehen, weil der noch nicht genügend ausprobierte Motor nach zehn Minuten nachließ. Gestern wurde her Apparat wieder zusammengestellt, und am Abend unternahm Abelmaun damit

de« fchönste« Flug, den «r je in Cassel cmsgefühtt hat. Nach zwei kurzen Probeflügen erhob er sich wieder i< die Hohe und, machtvoll ausgedehnte Kurven be­schreibend, die den Flieger bis zum Dorftande von Ochshaufen führten, schwang er sich zu immer beträchtlicheren Höhen empor. Schließlich umkreffte Karl Abelmaun den weiten Forst in einer Höhe von über dreihundert Me­tern in fo sicherem, tadellosem Fluge, daß das zahlreiche Publikum in stürmische Hochrufe ausbrach und den Flieger immer wieder mit Jubel und Tücherschwenken begrüßte. In die­ser stolzen Höhe stellte Abelmaun nach einer viertelstündigen Fahtt den Motor fast gänzlich ab und glitt bann,

scharf die Richtung aus den Schuppen einhal- tenh, im Gleit flug nieder. Das schön« Schauspiel eines Gleitfluges aus solcher Höhe rief unter dem Publikum höchst« Bewunderung bervor. Sprungweise, wie «ine vorgehende militärische Schützenlinie fuhr dann Karl Abelmann zur Halle. Wo der kühne Flieger von allen Seiten herzlich beglückwünscht wurde. Wie wir hören, -wird Karl Abelmaun mor­gen abend (Mittwoch) zwischen sechs und sieben Uhr voraussichtlich einen Stunden« flug ausführen. Der neue Apparat A. bat sich gestern glänzend bewährt und eröffnete dem Flieger damit We günstigsten Aussichten für Sie nächsten Flüge. *

$as schnellste Luftschiff der Welt.

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, ist das LuftschiffZ. III" gestern, nach, dem es noch eine Fahtt zur PrüMng der Ge- fchwindigkeit gemacht hatte, von dem preußi- schen Kriegsministerium abgenomme«

worden. Die Geschwindigkeit wurde mit bei­nahe zweiundzwanzig Sekundenmetern festge­stellt.Z. III" ist somit das schnellste Luftschiff. Das PassagierlnfffchiffHansa", das anfang nächster Woche seinen ersten Auf­stieg unternehmen wird, dürfte, obgleich es acht Mtter länger ist, und mit zwei Kabinen versehen sein wird, demZ. III" an Ge­schwindigkeit nichts nachgeben, da die M-h- bach-Motore in ihrer Krastleistnng noch ver- stürtt worden sind.

Irr Mads im Sterben?

Eine Verschlimmerung im Befinden de>S Mikados; Hinzutritt von Blutvergiftung.

Den neuesten Depeschen aus Tokio zufolge hat das Befinden des erkrankten Kaisers M u t f u h i t o feit gestern eine erhebliche Ver­schlimmerung erfahren. Die Nachttcht von der Erkrankung des Mikado, die durch Ettra- blätter bekannt gemacht wurde, hat einen tie« fen Eindruck auf die Bevölkerung verur­sacht. An der Börse sind die Wette gewaltig gesunken. Die hauptsächlichsten Theater und Bergnügunaslokale -in der Haupfftadt sind ge­schlossen. Weitere Depeschen melden uns:

Tokio, 23. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Die Kaiserin hat die ganze vorgestrig« und gestttge Nacht am Lager deS Mikado zu- gebracht. Auch die Prinzessin I)asu, die jüngst« Tochter des Kaisers, verweilte tief niederge­schlagen im Palast. Die Krankheit des Kaisers hat einen sehr schlimmen Charakter angenommen und hat so rasch Fortschritte ge­macht, weil sich der Kaiser geweigett hat, bi« Hilfe von Spezialärzten in Anspruch zu neh­men. Die Nacht war sehr unruhig. Der Pa­tient hatte keinen Augenblick Ruhe. K r ä m p f« und andere schwere Symptome stellten sich ein. Die Nachrichten von der Erkrankung des Kai­sers haben überall große Aufregung hervorge- rufen. An der Börse von Osaka sind särnttiche Wette um etwa sieben Prozent gefallen. Der japanische Botschafter in Petersburg tourb.« telegraphisch amtlich benachrichtigt, daß der Zustand des Mikado infolge von Blutvergis- tung hoffnungslos fei. Beim Einiref- fen des Fürsten Katsura teilte der Botschafter ihm fofott die Depesche mit, worauf noch ftn Zuge eine Beratung aller angekommener Ja­paner stattfand. Fürst Katsura hat all« Einla­dungen zu russischen Würdenträgern wegen deS bevorstehenden Todes des Mikado abgesagt. Er wird nicht Wetter nach Europa reifen, son­dern mir bis Samstag in Petersburg bleibxn, um die dortigen Geschäfte zu beenden und dann von dott ans mit dem am Samstag fahrenden Ostastenexpreß nach Tokio zurückkehren.

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eine Besserung im Befinden des Kaisers?

(Privat-Telegramm.)

Nach einer uns kurz vor RedaMonSschluß zngehenden Meldung aus Tokio konnte bet Mikado gestern mehrere Stunden schlafen, wor­auf feht Zustand sich etwas besserte. Das letzte Bulletin besagt, daß die Temperatur aus 37 Grad gefallen ist. Die RahrungszuMhr gestaltet sich äußerst schwierig. Der Umgebung des Koffers hat sich eine großeUnruhebe- müchtigt. Die Aerzte ettlären jedoch, daß der Zustand des Herrschers zwar ernst, aber nicht lebensgefährlich sei, und falls keine Komplikationen eintreten, könne der Mikado sich wieder erholen.

Mel in Meldorf.

Cassel auf der Städte-Ausstellung i« Düffel» dorf; Rundgang durch die Ausstellung, vo« Wilhelm Kunde-Düraeldorf.

An der Städte-AuSstellung in Düsseldorf, die (wie Wir berichteten) am neun, ündzwauzigsten Juni eröffnet und inzwischen schon von etwa hunderttausend Personen be- sucht worden ist, bat sich auch dieRefidenz - stabt Cassel in ziemlich umfassender Weis« beteiligt. Die Ausstellung gliedert sich in die Gruppen: Städtebau, Einrichtungen für bi« Gesundheit, Einrichtungen für die Kranken- pflege, Hochbauten und Industrie. In jeder ist Cassel Vertreten. In der Gruppe -Städtebau sehr intereffant und verschiedenen alten und neueren Stadtplänen. Die historische Plan- sammlung bildet überhaupt einen besonders an­ziehenden Punkt der Ausstellung. Cassel bringt unter anderem einen Plan der Stadt vom Jahre 1757, vollständig französisch mit bet Ueberschrift: »Plan de Cassel, Verifiö par Leo­pold, Capitaine-Ingenieur et Publiö & Paris.* Jetzr haben wir in Deutschland so vorzüg. lich« kattographische Institute, daß wir für diese Zwecke die Hilfe des Auslandes nicht mehr be­nötigen. Sehr eigenartig berührt ein Seine: Eindruck, der den Umfang der Stadt aus dem Jahre 1311 wiedergibt und auch.die Derättde».