Casseler KM Nachrichten
Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 1S2.
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 23. Juli 1912.
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang.
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Lar Beten ein SM...?
Tragödien und Tragikomödien unserer Zeit.
In der Zeit vom ersten Juli bis heute sind in Deutschland insgesamt v i e r u n d - dreistig Personen Liebcstragödien und Familiendramen zum Opfer gefallen. Bon diesen vierunddreitzig Opfern befanden sich zweiundzwanzig im Alter von siebzehn bis vierundzwanzig Jahren. In vierzehn weiteren Fällen wurden die Beteiligten schwer verletzt. Die Liebestragödien verteilen sich auf Angehörige aller Gesellschafts- kkaffen und Berufe. In achtzehn von vierunddreißig Fällen hatten die Liebenden im gegenseitigen Einverständnis gehandelt. Das Leben selbst webt immer die düstersten Dramen, die erschütterndsten Tragödien und die tollsten Burlesken, und wer Hellen Auges den Film des Daseinsbilds an sich vorüberhasten läßt, gewinnt auch aus dem scheinbar Alltäglichen, aus dem Nüchternen und Reizlosen, Eindrücke, die mehr Wert repräsentieren, als drei Bände moderner Sozialphilosophie. Und wenn nian die Flut der schaffenden, zerstörenden, natürlichen und gewalttätigen Acußerungen des Lebens prüfend vergleicht, erkennt man als eines der erschreckendsten Symptome der sozialen und psychischen Verfassung unsrer Zeit die verminderte Schätzung, die Entwertung des Lebens überhaupt! Dem hier sich offenbarenden ethischen Defekt der human sich gebärdenden Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts haben unsre besten und ehrlichsten Denker Worte bitterster Anklage und eindringlichster Ermahnung gewidmet, und in ihren Schriften spiegelt sich die furchtbare Bilanz der hekatombcnweisen Opfer, die Industrien und Bergwerke, Krieg und Verkehr,tausend vermeidbare Nöte und selbstgeschaffne Gefahrn alltäglich nur deshalb erfordern, weil sich der Sinn für den Lebenswert des Individuums ebenso geschwächt hat, wie das soziale und moralische Verantwortlichkeit - Gefühl. Furchtbare Katastrophen ereignen sich, die die Umsicht hätte abwenden können, und in der Me- chanisiemng des Lebens und in der Verarmung idealen Empfindens offenbart sich die tiefste Tragik unsrer Kultur, gähnt der Weg zu einem Abgrund! Ein noch viel schlimmres Symptom, und zwar das Symptom einer Psychischen Entartung ist jedoch die auffallende Ersckieinung, daß das eigne Leben immermehr an Wert verliert, daß es bei jeder Verstimmung und Erschüttrung. bei jedem Hindernis im Beruf und bei den Wünschen der Leidenschaft wie wertloser Ballast abgeschüttett wird.
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Von dieser Krankheit ist namentlich unsre Jugend befallen. Da sind die Schülerselbstmorde aus enttäuschter Eitelkeit, der Selbstmord in heroischer Pose. Nervosität und seelische Schlaffheit, im tiefsten Grunde aber ein rücksichtsloser Egoismus, wirken in diesem S^iel mit dem Leben mit. In den meisten Fällest ist er das erste Aufftammen der Liebesleidenschaft, der Genius des Geschlechts, der den tragischen Ausgang herbeiführt. Frank Wedekind hat diese Tragödie vom „Erwachen des Frühlings" in noch hemmunglosen jungen Seelen geschrieben, das versengende Auflodern frü«i->r Sinnlichkeit. dem Eltern und Erzieher so wenig Verständnis, so wenig sorgsames Zartgefühl entgegenbringen. Zu dieser Dichtung haben die letzten Ereigniffe traurige Kommentare und Bestäftgungen geliefert. Das her« vorstechende Moment dieser Vorfälle war der gemeinsame Tod, der Dovpelselbstmord der Liebenden. Man erinnert sich noch an den Selbstmord eines Liebespaares vornehmster Abkunft in einem Coups des österreichischen Südbahnzugs. Es waren zwei in ihrer Liebesanfchau- ung und ihrem Willen Vollreife Menschen, die an einer aussichtlosen Liebe schefterten. Und eben wieder hat sich der Doppelselbstmordversuch zweier hoffnunalos Liebender ereignet, der nur dem einen der Beiden den ersehnten Tod brachte. Aber nicht immer haben derartige Herzensaffären einen so traurigen und so unveränderlichen Abschluß. Zuweilen kommt es bei dieser Lebensflucht nur zu einem kindischen Versuch und das Drama erhält nicht nur durch seine Motive, sondern auch durch seine Ausführung einen Einschlag von Komik. Ein der- artiges kleines Drama spielte sich in seinen letzten Szenen vor wenigen Tagen im gerichtlichen Verbandlungssaal ab: Die Helden waren zwei halbferftge Menschen, eine Siebzehnjährige und ein Neunzehnjähriger, beide gefesselt in den Banden der Liebe.
Die Liebe dieser beiden Werdenden hatte in Kinderschuhen begonnen und war voll von himmelblauer Sehnsucht und kindlicher Emp- ftndsamkeit. Ein zartes Mädchen stand mit einem VerleaenbeirSlächeln auf dem allzu
geküßten Mund als Zeugin vor den Richtern, neben ihr als Angeklagter ein jugendlicher Mechaniker, der seine Tat wie einen Knabenstreich stammelnd zu entschuldigen suchte. Nach einem jubelnd verlebten Frühlingsfest war cs, als die beiden den närrisch-traurigen Entschluß faßten, gemeinsam in den Tod zu gehen. Etwas rauh eingreifende Mutterhände hatten die beiden Liebenden zu trennen gesucht, und das junge Mädchen hatte es nicht zu verwinden vermocht, daß der Liebste geschmäht und in ihrer Achtung herabgesetzt wurde. Nicht in Schönheit wollten die Beiden sterben, sondern sie suchten den Tod zuerst durch übelriechendes Gift, und als sie davor mit Abscheu erfüllt wurden, griffen sie zur Pistole und zum Küchenmesser. Aber all Das schloß wie eine Farce, wie eine mißratne Dilettantentragödie: Der junge Mann fand einsichtsvolle und mildgestimmte Richter und kam mit einer lächerlich geringfiigigenStrafe (nicht wegen Mordversuchs, sondern wegen Uebertretung des Wasfenver- bots, davon. Man hat dieses Urteil mit dem Herzen gutgeheißen, aber nicht ohne schwere Bedenken, ob mit dieser Milde derartigen hypersensitiven jugendlichen Romantikern, die mit dem Tode in so leichter und frivoler Weise ihr Spiel treiben, nicht ein Freibrief erteilt wird. Man denke nur an andre, in ihrer Grausamkeit unvergessne Fälle, in denen die Entartung und der Egoismus zu entsetzlichsten Taten gediehen. Sie hatten denselben Grund, der den neunzehnjährigen Elektrotechniker zu seinem mißlungnen Versuch leitete. Man hat in diesen (glücklicherweise noch vereinzelten) typischen Vertretern einen dekadenten Zustand unsrer Jugend zu sehen, die bei dem ersten Anlaß eignes und fremdes Leben hinzuopfern entschlossen ist, und ein Aufstieg aus den Tiefen dieser Verirrung wird nur möglich sein, wenn das System der Erziehung das Leben wieder werwoll, inhaltreich und in seinen innern Regungen ideal zu gestalten verntag. Was wir heute an ungezählten Beispielen sehen, ist Deka d e n c e, und was wir ersehnen, ist Erstarkung zu rüstiger Lebenskraft, zu Lebensmut und Tatfreude! Alle Humanität unsrer Zeit kann nicht darüber hinwegtäuschcn, daß wir schwach und tatarm geworden sind, und wir sehen das wahre Spiegelbild dieses Niedergangs in den Tragödien und Tragikomödien der Jugend, die das Leben wegwirft, um eine Träne zu verbergen! »an.
Las ZchMal »er Türkei.
Dardanellenkampf und Ministerkrise.
Ueber die Einfahrt italienischer Torpedoboote in die Dardanellen verbreiten die Italiener wieder eine neue Darstellung, die den Veröffentlichungen des Samstags abermals in manchen Punkten widerspricht. So stellt heute der Vizeadmiral Krale fest, daß es unmöglich gewesen sei, die türkischen Kriegsschiffe zu erkennen oder auch nur eine annähernde Feststellung ihrer Lage vorzunehmen. Am Tage vorher las man es anders. Jetzt werden auch geringe Beschädigungen der italienischen Torpedoboote zugegeben. Es scheint also, daß die Italiener taffächlich eine Niederlage in dem Kampf um die Dardanellen erlitten haben. Aber während die Türken in den Dardanellen das Schicksal noch einmal gemeistert haben, gestaltet sich im Innern die Lage immer bedrohlicher. Wir verzeichnen folgende Meldungen:
W Abdul Hamid en Wen?
(Privat-Telegramm.)
Saloniki, 22. Juli.
Die Albanesen haben bereits begonnen, ihre Streitkräfte in Bewegung zu setzen. Issa Boletini hat seine Unterkommandanten erhoben und erwartet nun von der nationalen Zentralleitung den Befehl, auf Mitrovitza zu marschieren, um von dort per Bahn den -Vormarsch auf Konstantinopel anzutreten. In der Ebene von Djakova werden zwölftausend Mann versammelt und warten auf weitere Befehle. Die Umgegend von Argnekastra ist in hellem Aufruhr. Weitere Stämme haben ihren Anschluß erklärt. Die Bevölkerung des Vilajets Jannina drängt zum Vormarsch auf Konstantinopel. Die Behörden sind machtlos. Abgesehen davon, daß das Militär in allen Vilajets mit den Aufständischen gemeinsame Sacke machr, sollen heute bereits über achtzigtausend $Nmn unter den Waffen stehen. Tie Erregung ist allgemein, und sie ist noch dadurch gesteigert worden, daß am Sonnabend und gestern hier das Gerücht verbeitet war, Sultan A b d u l H a m i d sei in der Nacht zum Sonnabend aus feiner Hast in der Villa Allatini in SalonM geflüchtet. Jzzed Pascha solle den Fluchtplan durchgeführt haben und ein Offizier der Wache bestochen worden sein. Der Sultan habe, als LaremSdam« verkleidet, die Flucht
unternommen. Was an dieser Nachricht Tatsächliches ist, hat sich bis zur Stunde nicht fest- stellen lassen; jedenfalls hat das Gerücht der Bewegung gegen die Regierung neue Stoßkraft verliehen. *
Wirrwarr und kein Ende!
Depeschen aus Konstantinopel zufolge wird das Kabinett Tewfik Pascha wie folgt gebildet werden: Kiamil Pascha Minister des Aeußern, Ferid Pascha Minister des Innern, Rasim Pascha Kriegsminister, Hussain Hilmi Pascha Justizminister, Ruradunghian Minister für öffentliche Arbeiten. Andere Meldungen aus Konstantinopel besagen, daß die Verhandlungen mit Trwfik Pascha wegen der Ucber- nahme der Kabinettsbildung endgültig aufge- geben worden seien und Mukthar Pascha zum G r o ß w e s i r ernannt sei. Es sei gestern abend ein Reskript über die Ernennung Mukthar Paschas zum Großwesir und Dschc- mal. Eddings zum Scheichül Islam veröffentlicht worden. Irgend eine Bestätigung der Nachrichten über die Beendigung der Kabinettskrise liegt bis zur Srunde allerdings nicht vor.
Zwei Katastrophen ans See.
Ein Boot mit Marine Offizieren gesunken!
(Privat-Telegramm.)
Königsberg, 22. Juli.
Als das zweite Geschwader der Hochseeflotte, aus sechsundzwanzig Schiffen bestehend, gestern früh bei Nidden auf der Finnischen Nehrung vor Anker ging, erhielten die Offiziere und Mannschaften Urlaub. Als sie wieder an Bord zurückkehren wollten, war die Brandung so stark geworden, daß es schwer war, die Jollen und Barkassen durch die Brandung zu bringen. Eine Jolle vom Schiffe „Thüringen" mit vierzehn Offizieren an Bord kenterte «nd die Besatzung fiel in d.ie Fluten. Die an Land befindlichen Offiziere eilten sofort herbei und retteten den größten Teil ihrer Kameraden. Die meisten Offiziere wurden sogleich wieder an Land gebracht. Sie waren schon sehr erschöpft. Die Wiederbelebungsversuche hatten nur bei vieren Erfolg. Ein Oberstabsarzt ist schwer erkrankt, ein Zahlmeister und ein Offizier wurden erst später geborgen. Es war aber nicht mehr möglich, sie ins Leben zurückzurufen.
Ein französischer Dampfer gesunken!
(Privat-Telegramm.)
London, 22. Juli.
Ein Radiotelegramm berichtet von dem Untergänge des französischen Dampfers „A f r o x" an der neuftmdländischen Küste auf der Höhe von Longley. Die gesamte Besatzung habe den Tod in den Wellen gefunden. Einzelheiten über den Umfang der Katastrophe fehlen noch, ebenso steht noch nicht fest, wieviel Personen bei dem Untergang des Schiffes den Tod gefunden haben.
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Königsberg, 22. Juli. (Privat-Telegram m.) Eine große Barkasse des Schiffes „Pommern*, mit Marinemannschaften besetzt, wurde von der Flut auf den Strand gefetzt und schwer beschädigt. Torpedoboote-versuchen jetzt, di- Barkasse abzubringen. Mannschaften sind bei dem Unglück nicht zu Schaden gekommen.
Bocken m Frankfurt?
Fünfzehn Personen ernstlich erkrankt.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Frankfurt a. M., 22. Juli.
Vor etwa sechs Wochen erkrankte hier eine russische Artistin an den schwarzen Pocken. Die Erkrankte begab sich in Behandlung des als Führer der Frankfurter Jmpfgeg- ner bekannten Naturarztes Dr. Spohr. Der Arzt infizierte sich dabei und erkrankte selbst an den Pocken. Er erstattete aber keine Anzeige an die Behörde, sondern behandelte sich selbst in seiner hiesigen Villa. Die furchtbare Krankheit übertrug sich auf feine beiden Kinder und mehrere andere Persönlichkeiten, die mit der Familie Spohr in Berührung kamen. Im ganzen sind etwa fünfzehn Personen erkrankt. Die Kranken wurden mit allen Vorsichtsmaßregeln in die Jsolierbarak- ken des städtischen Krankenhauses eingeliefert. Gestern erlag die Frau eines Gemüsehändlers, die der Familie Spohr Gemüse geliefert hatte, der Krankheit, deren Keime sie im Hause Spohr ausgenommen hatte. Eine weitere Frau liegt im Krankenhause im Sterben. Ueber den Vorfall wird mit Rücksicht auf das Schüt
zenfest das streng st e Stillschweigen bewahrt.
Set kranke Mikado.
Der Kaiser von Japan schwer erkrankt! (Telegraphische Meldungen.)
Wie uns aus Berlin gemeldet wird, hat die dortige japanische Botschaft gestern folgende Mitteilung über den Zustand des Kaisers von Japan erhalten: Der Kaiser leidet seit dem vorigen Sonntag an einer Magen- und Darmkrankheit. A'.n Freitag trat eine leichte Störung des Bewußtseins ein, An demselben Abend stieg die Tempe. ratur auf 40,5, Puls 104, Atem 38. Infolge der Erkrankung des Kaisers von Japan wird Fürst Katsura seine Reise durch Europa aufgeben und nach Japan zurückkehren. Die letzten Bulle, tins berichten über eine bedenkliche V e r s chl i m m e r n n g im Befinden des erkrantlen Kaisers von Japan. Depeschen aus Tokio berichten über die Erkrankung des Kaisers: Der erste Leibarzt des japanischen Hofes, Oka, hat mit den Doktoren Aojanna und Miur-a gestern morgen eine Besprechung gehabt und erklärt, daß der Mikado von einem Blasenleiden ergriffen ist. Die plötzliche Verschlimmerung seines Gesundheitszustandes kam gänzlich unerwartet. Der Kaiser wohnt wie gewöhnlich im Paläste von CHihoda. Ein Telegramm von gestern abend besagt, daß der Zustand des Patienten unverändert ist, und daß der Mikado das volle Bewußtsein noch nicht wiedererlangt hat. Der Kronprinz, der selbst erkrankt war, und noch nicht wieder ganz genesen ist, soll durch die Nachricht von der Erkrankung feines 'Vaters sehr ergriffen worden sein. Der Zustand des Mikado gilt als äußerst ernst. Der Kaiser lftt bereits vor acht Jahren an Zuckerkrankheit und war im Januar an einem Nierenleiden erkrankt. Er fiebert sehr stark. Man glaubt, daß es sich auch jetzt wieder um ein Nierenleiden handelt und befürchtet einen tödlichen Aus. gang der Krankheit. Nach einem gestern mittag ausgegebenen Bulletin zeigt sich'im Befinden des Kaisers eine Wendung zum Schlimmen. Die Temperatür betrug gestern morgen 9 Uhi 39,3, der Puls, der unregelmäßig und schwächer war, 100, die Atmung 30. Die Zunge ist trocken, und die Fieberpharitasien dauern an. Es haben sich K r ä m p f e und andere fchwereSymv- tome eingestellt.
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Mikado Mutsuhito von Japan.
Der erkrankte Kaiser, Mikado Mut« suhito, ist am dreiundzwanzigsten November 1852 geboren, steht also im sechzigsten Lebensjahre. Er bestieg 1867 als Fünfzehnjähriger den Thron. Er ist der Hund ertz Wan. z i g st e S P r o ß der Dynastie Dschiumu Tenno, die seit 660 vor Christo ununterbrochen auf dem japanischen Kaiscrthrone sitzt. Der Mikado vermählte sich mit der am achtundzwanzigsicn Mai 1851 geborenen Haruka, der Tochter des Tadaka Fudschivana-Jtschidscko, die den Namen Kaiserin führt, obgleich der Mikado später der Thronfolge halber eine zweite Frau nahm. Tue Ehe des Kaisers mit der Kaiserin Haruka war kinderlos geblieben und Kaiser Mutsuhito entsckloß sich daher, von dem ihm gesetzmäßig zustehenden Rechte, eine Nebenfrau zu nehmen, Gebrauch zu machen. Ans dieser Ehe wurden dem Kaiser dreizehn Kinder geboren, fünf Knaben und acht Mädchen. Von den fünf Knaben sind jedoch alle bis auf einen, den Prinzen Joschihito, gestorben. Prinz I o s ch i h i t o, der vorletzte der fünf Prinzen, wurde infolgedessen zum Kronprinzen ernannt. Er wurde zu Tokio am eiunnddreißigsteil August 1879 geboren und ist seit dem zehnten Mai 1900 mit der Prinzessin Sadako, der Tochter des Fürsten Kudiso Fudschimara, vermahlt. Der Kronptmz wurde, im Gegensatz zu seinem Vater, dem jetzt regierenden Kaiser, ganz im europäischen Sinne erzogen. .Er lernte mit großem Eifer die Geschichte der europäischen Staaten, wie er sich auch dem Studium der europäischen Sprachen hingab. Der Kronprinz soll die englische Sprache vollkommen beherrschen und auch das Deutsche sich in hervorragendem Maße angeeignet haben.
'Kaiser Mutsuhito und seine Zeit.
(Von unferm Mitarbeiter.)
Kaiser Mutsuhito von Japan hat in den neunuudvierzig Jahren seiner Regierung einen Aufschwung und eine Umwandlung seines Landes erlebt, wie sie Wohl in der Ge- schichte beispiellos ist, und man kann sagen, daß seine Persönlichkeit einen bedeutenden Anteil hat an diesem Aufblühen des neuen Japan. Als der Fünfzehnjährige 1867 in de, goldlackierten Sänfte als Herrscher im Palast seiner Väter anlangte, da war er in feinem Wesen wie in seiner von schwerem Prunk star- renden Pracht noch ein Orientale, der nur ein dumpfes Abnen von westlicher Zivilikatton