COler Nkueste Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 17. Zuli 1912
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2. Jahrgang
Nummer 187.
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Abdul, der Berbannte.
Der Gefangene der Billa Allatini.
Ostwärts von Saloniki, dort, wo die letzten fd; malen Gäßchen sich im Grün der Landschaft verlieren, steht, einsam wie eine Feste, die Villa Allatini, umsäumt von grauen Mauern, Wällen und Gräben, gekrönt von Lohen Zinnen und ragenden Wachttürmen, von denen aus scharfäugige Späher ihre Blicke in die Weite schweifen lassen, alles Lebende und Nahende sorglich musternd. Starke Truppen- abteilungen bewachen Wälle und Mauern, am Toreingang stehen Doppelposten mit schußbereitem Gewehr und hinter den Gittern patrouil- kirren Tag und Nacht bewaffnete Wächter, die der Eid auf Mohammeds Koranbuch zur Treue gegen das Jungtürken-Regime verpflichtet. All diese ängstliche Sorge, all dieser Aufwand von Macht und Energie gilt einem müden Greis, der hinter den düstren Mauern der Villa Allatini seines Daseins späten Abend in dumpfer Resignation vertrauert. Abdul Hamid, der Gefangene der Villa Allatini, hat sich mit dem Schicksal nie versöhnt: Als die Jungtürken-Re- volutton den Padischah aus den Prunkgemächern des Aildiz-Kiosk vertrieb und den Entthronten in die Oede der Verbannung zwang, hat der gestürzte Beherrscher der Gläubigen keinen Widerstand versucht; er wußte, daß in jenem Moment Kampf und Abwehr Wahnsinn gewesen wäre, und er hat auch nicht widerstrebt, als das Tor des golduen Kerkers sich hinter ihm als einem Gefangnen schloß. Im Geheimen aber hat ihn nie der Hoffnungtraum verlassen, eines Tags als Sultan und Khalif wieder e i n- zuziehen in der Stadt am Bosporns-Ge- wässer, aus der ihn im ersten Auflohen der Re. volution der Haß der Gegner hinwegfühne in die Einsamkeit. Die neue Türkei ist aus dSr Saat der Revolution emporgewachsen, Sultan Mehmed hat, selbst ein greiser, müder Mann, Abdul Hamids Erbe angetreten, aber das Schicksal des Osrnanenreichs hat seit dem Geburtstag des neuen Regimes in den Händen des Jungtürken-Komitees geruht, und niemand kann darüber im Zweifel sein, daß der Herrschaft des Despoten Abdul Hamid die Gewalt jungtürkischer Tyrannei gefolgt ist. Die jüngsten Ereignisse im. Reich des Halbmonds, die Meuterei von Monaftir, die Krise im Kabinett und die inneren Schwierigkeiten in der Regierung: All Das deutet darauf hin, wie wenig gefestigt imgrunde die Herrschaft des neuen Regimes in der Türkei ist und wie unsicher die Grundlagen sind, auf denen das Jungtürkentum seine Gewalt aufbaut. Das Alttürkentum regt sich stärker als je zuvor, und es gewinnt immer mehr den Anschein, daß die Türkei abermals am Vorabend schwerwiegender Ereignisse steht, deren Werden der erstaunten Welt vielleicht auch Abdul Hamids Dasein wieder in Erinnerung bringen wird. Es sind Bestrebungen im Gange, den Gefangenen der Villa Allatini wieder auf den Thron zu heben, und es ist jedenfalls charakteristisch, daß diese „Gegen-Revolution" direkt mit der Meuterei im Heer in Verbindung gebracht wird. Wir verzeichnen folgende Meldung:
Der Gesanqene der Villa Allatini.
(Privat-Telegram m.)
Saloniki, 16. Juli.
Die Villa Allatini bei Saloniki, in der der Exsuftan Abdul Hamid in unfreiwilliger Abgeschlossenheit jetzt lebt, wird seit einigen Tagen wieder besonders streng überwacht, da man einem Komplott auf die Spur gekommen ist, den Exsultan zu befreien. Die Befreiungsversuche sollen auch mit den letzten Militärrevolten in Verbindung stehen, es soll nämlich die Absicht bestehen, den Sultan wieder auf den Thron zu bringen. Mehrere Offiziere, di« in die Affäre verwickelt sind, werden noch heute verhaftet werden. Das Bekanntwerden dieser Nachricht hat hier das größte Auffehen erregt, umsomehr, als bekannt geworden ist, daß das Armeekorps, das am Eingang des Hafens von Saloniki garnisoniert ist, sich erhoben hat. Die Soldaten verlangen, steigelaffen zu werden, da die Zeit ihres Militärdienstes abgelaufen sei. Ein Rebell tötete einen Offizier mit dem Rufe: „Es lebe Abdul Hamid!" Die Behörden glauben an ein Komplott, dessen Verbindungen bis in di« obersten Militärchargen hineinreichen. Es sind bereits zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Man betrachtet die Lage als außerordentlich ernst und trifft in Eile alle Vorkehrungen, um ytoci***. Vcftctrn'tißMjAt uewixncn. ml tonnen»
Die Stimmung im Heer ist noch immer sehr erregt und gibt fortdauernd zu Besorgnissen Anlaß.
Unruhen und Sorgen überall!
(Privat-Telegram m.)
Konstantinopel, 16. Juli.
Die Lage hat sich weiter verschärft, weil die Albanerführer fortgesetzt versuchen, die Bevölkerung gegen die Regierung aufzuwiegeln. Bei Hast fanden nette Kämpfe statt, wobei es Fadil Pascha gelungen sein soll, die Arnau- teu zu zersprengen. Die elfte Linienbrigade wurde mit der Eisenbahn nach Verisovic befördert. Die Regierung scheint entschlossen, den Widerstand der Arnauten auf jeden Fall zu brechen. Zahlreiche Arnauten von Pristina erhoben bei dem Mutessarif gegen die Anwendung des Bandengesetzes gegen die Familien der aufständischen Albaner Einspruch und richteten die dringende Eingabe an die Regierung, in der sie darauf hingewiesen haben sollen, daß es an der Zeit sei, Blutvergießen un- terBrüdernzu beenden und die Forderungen des albanischen Volkes anzunehmen. Eine Albanesenbande hat ein Waffendepot in Pristina geplündert. Die Arnauten ergriffen darauf die Flucht in das Gebirge. Ihre Verfolgung wurde sofort ausgenommen, doch ist sie bisher ohne Erfolg geblieben. Aus Mona- stir eingetroffene Nachrichten melden, daß gestern abermals ein Rhedifbataillon gemeutert hat Die Meuterer wurden jedoch durch treugebliebene Truppen sofort entwaffnet und gefangen genommen.
*
Der neue Kriegsminister.
Ein weiteres Privattelegramm meldet uns aus Konstantinopel: Nachdem General Tartar Osman Pascha ebenso wie Marschall Nasim Pascha die Ueberuahme des Kriegsministeriums im letzten Augenblick abgelehnt hat, hat der Sultan sich für den früheren Marineminister Mahmud Much- tar Pascha entschieden, der den Posten bereits angenommen hat. Das Kabinett hatte gestern einen großen Erfolg in der Kammer zu verzeichnen. Mit hundertvierundneunzig gegen vier Stimmen wurde nach einer großen Rede des Großveziers über die auswärtige und innere Lage der Türkei das Vertrauensvotum für das Kabinett angenommen.
Die Sorgen des Mittelstandes.
Derbarrdstag der Rabatt-Sparvereine.
(Bericht unsers Korrespondenten.)
Stettin, 16. Juli.
Der unter dem Protektorate des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, des Statthalters von Pommern, stehende Vetbandstag der Rabattsparvereine Deutschlands eröffnete gestern im hiesigen Konzerthaus seine geschäftlichen Verhandlungen. Der Verband umfaßt 66 000 Mitglieder in allen Teilen des Reiches, und stellt sich somit als die größte mittelstündige Organisation des Deuffchen Reiches dar. Die angefchlossenen Vereine Ovaren durch über sechshundert Delegierte vertreten. Ferner waren erschienen Vertreter des Deutschen Handelstages, des Hand w e rkskämme r t a g e s, der landwirtschaftlichen G e n os- senschaften, des Hansabundes, des Deutschen Mittel st andsverbandez und anderer mittelständischer Organisationen. Ter Vorsitzende des Verbandes, Kaufmann Ni co lau s-Bremen eröffnete die Tagung mit dem Dank an den Prinzen Eitel Friedrich, für die Uebernahme des Protektorats und knüpfte daran die Versicherung, daß der Verband sich nach wie vor die Erhaltung der k a u f- männischen und gewerblichen Selbständigkeit auf dem Wege der Selbsthilfe angelegen sein lassen werde, um dem reellen selbständigen Geschäftsbetrieb der Gegenwart bessere Geschäftsbedingungen zu verschaffen und Treu und ©tauften zum Wohl des Vofts aufrecht zu erhalten. Der Redner wandte sich gegen den Vorwurf, daß die SHeintoufleute die infolge der vorjährigen Hitze eingetretene
Teuerung und Notlage
zu einer Uefterteuerung ausgenutzt hätten; sowie die Verschärfung des wirtschaftlichen Kampfes durch die Konsumvereine. Der Klein- kausmannsstand werde seine Zukunft haften, wenn er sich der hohen Ausgabe des ehrlichen Kaufmanns bewußt bleibe und gewillt sei, den Einigkeitsgedanken weiter zu pflegen. Hierauf sprach der Generalsekretär des Verbandes, Beythien-Hannover, über: „Wert und öffentliche Beutteilung des felbständigen De- tailhandels". Der selbständige Deailhandel habe jetzt mehr als ftLher begriffen, daß seine Lebensfrage nur durch innigen Zusam. menlchluß eine einheitliche Förderung er.
fahren könnte. Der Handel bedürfe der Freiheit, aber nicht durch Loslösung von Ordnung und guter Sitte, sondern durch Nutzbarmachung der allgemeinen Kraft. Der selbständige Detailhandel führe den Kampf gegen die Konsumvereine, die Warenhäuser und den heimlichen Warenhandek, und er fordere deshalb die Umsatzbesteuerung für Warenhäuser, die'gesetzliche Beseitigung des Hausierunwesens, des Großfilialenunwesens und der Zugabenunsitte sowie die Schaffung eigener Detailhandelsde- russgenosseuschaften.
Die Menschenschlachter von Peru.
Dreißigtausend Opfer der Grausamkeit!
Wir berichteten bereits kurz telegravhisch über die ungeheuerlichen Grausamkeiten, deren sich die in Peru arbeitende englische Gummi - Gesellschaft gegenüber den armen Eingeborenen schuldig gemacht bat, von denen sie viele Tausende in der furchtbarsten Weife hat abschlachten lassen, lediglich, weil sie den Forderungen der Gesellschaft nicht willig nachgekommen waren. Selbst britische Staatsangehörige sind von den Schergen der Gesellschaft gemartert worden, und es ist also
begreiflich, daß die englische Presse in Heller
Entrüstung eine strenge Untersuchung gegen
die Urheber der Greueltaten verlangt. Di« Lon
doner Morgenblätter nennen die Vorgänge in Pern eine „Schande für England" und fordern
di« rücksichtslose Bestrafung der Verbrecher, lieber die Greueltaten, deren sich die Beamten der Gesellschaft schuldig gemacht haben, wird
jetzt Folgendes bekannt:
London, 16. Juli.
(Privat-Telegramm.)
Die fragliche Gesellschaft, die „Peruvian Amazon Company“, ist eine Londoner Gründung, und ihre Aktien werden auf der Londoner Börse gehandelt. Bereits vor zwei Jahren erhob Herr Hardenburg schwer« Anklagen gegen das Treiben der Gesellschaft in der peruanischen Provinz Putumayo, doch kam es damals nicht zu einem Einschreiten gegen die Schuldigen. In dem nun vorliegenden Bettcht des englischen Generalkonsuls in Rio de Janeiro, Sir Roger Lasern ent, wird aktenmäßig festgestellt, daß in den letzten zwölf Jahren viertausend Tonnen Gummi aus Putumayo nach England gegangen seien, die dreißigtausend Indianern das Leben gekostet hätten. Man habe diese armen Sklaven entweder Hungers sterben lassen, geköpft und erschossen oder gar bei lebendigem Leibe verbrannt, nachdem man sie vorher den teuflischsten Totturen unterworfen hätte. Um manche der Faktoreien lägen die menschlichen Knochen in so dicken Haufen, daß man glaube, ein ehemaliges Schlachtfeld zu sehen. Daß Indianer, Männer, Frauen und Kinder, di« nicht genug Gummi einlie- ferten, bis aetss Blut gepeitscht wurden, ist kaum erwähnenSwett neben all den andern zum Teil kaum nennbarrn Grausamkeiten, die von den Henkern dieser englischen Gesellschaft an ihnen verübt wurden. In dem Bettcht sind einige Beispiele von Hundetten auf. geführt, in denen junge Wttber derattig ge- fchlagen wurden, daß die Wunden nicht mehr heilen konnten; der Brand trat ein, und es bildeten sich Wttrmex in dem faulenden, wunden Fleffch. Manchmal
lieft man sie dann erschießen, öfter aber trieb man sie auf den Weg nach ihrem heimatlichen Dorf. Die starben dann meist unterwegs oder bald nach ihrer Ankunft. Nach der Züchtigung mit dem Ochfenschwanz wurde den Unglücklichen meist noch ein Ohr, die Nase, ein Arm oder Bein, ja selbst die Zunge a b geschnitten. Männer und Frauen wurden an »en Haaren gefaßt, mit dem Gesicht auf die Erde gefchleudert und dann getreten und geschlagen, bis Gesicht und Körper eine blutige Masse waren. Mütter, deren Kinder nicht die verlangte Menge Gum.ni eingeliefert hatten, wurden bis aufs Blut gepeitscht, damit sie ihnen das Arbeiten besser beibrächten. Vier junge Indianer wurden so lange unter $8af= fer gehalten, bis ihre Bäuche und Eingeweide zum Platzen voll waren. Ein Weib wurde mit dem Kopfenachnntenan einen Baum gehängt; unter ihrem Kopse wurde dann ein Feuer angezündet und so die Unglückliche bei lebendigem Leibe gebraten. Andere wurden mit Petroleum begossen und ange- zündet. Wenn die Beamten der Gesellschaft eine Orgie feierten, so nahmen sie mitunter einen Mann, der irgend etwas zu verbüßen hatte, aus dem Gefängnis, banden ihn an einen Baum u. schossen auf ihn wie auf eine Scheibe. Der Bettcht fithtt in allen Fällen den Ott of wo diese Ungeheuerlichsten ge.
schehen sind. Außerdem nennt er sechzehn der Scheusale, die sie verübt haben, mit Namen.
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England und Amerika schreiten ein!
Wie weiter aus London berichtet wird, hat der Bericht des Generalkonsuls Casemert der Londoner Negierung bereits feit geraumer Zeit Vorgelegen, aber es sollte den peruanischen Behörden Gelegenheit gegeben werden, di« Schuldigen s e I ft ft zur Verantwortung zu zwhen und dem Ueftel abzuhelfen. Das ist nicht geschehen, und England und A m e r i- ka werden jetzt gemeinsam sehr energische Schritte tun, um die peruanische Regierung zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten. England hatte den Generalkonsul Casemert mft dem speziellen Auftrag nach Peru enffandt. festzu. stellen, oft die seit Jahren gegen die Gummi- Gesellschaft erhobenen Anklagen berechtigt seien. Die Londoner Presse nennt das Resultat der Ermittelungen „einen Wust von Ungeheuerlichkeiten".
Viktoria Luise über Kassel!
Der Zeppelin-Kreuzer „Viktoria Luise" auf der Aeimfahrtvon Hamburg nach Frankfurt; das Luftschiff über Caffel und Wilhelmshöhe.
Das Lufffchiff „Viktoria Luise" stieg heute früh 3.25 Uhr mit fünfundzwanzig Personen an Bord in Hamburg zur Fahtt nach Frankfurt a. M auf. Um 8.03 Minuten passierte es Cassel machte eine Schleifenfahrt über Schloß Wilhelmshöhe und fuhr dann nach Frankfurt weiter, wo eS gegen halb elf Uhr fehr glatt landete. Die Fahrt des Luftschiffes verlief trotz starker Lustbewegung außerordentlich glücklich; über Cassel fuhr die „Viktoria Luise" in so geringer Höhe, daß man deutlich die einzelnen Personen in den beiden Gondeln ettennen konnte. In der Geschäftsstelle der • „Casseler Neueste» Nachrichten" ist eine photographische Aufnahme des FlugS des Lufffchfffes über Caffel ausgestellt.
Nach saft Jahresfrist konnte Cassel heute morgen wieder ein Zeppelinlustschiff begrüßen. Die „Viktoria Luise" nahm nach ihren glänzenden Triumphfahrten von Hamburg und der Nord, und Ostseeküste ihren Weg nach Frankfurt a. M. über Cassel und entschädigte in weitem Maße für die Enttäuschung, die Graf Zeppelin der Stadt Caffel bereiten mußte, als er fein Militärlustfchiff „Z III" vom Bodensee zur alten Hansestadt am Elbestrande führte. Auf ein Telegramm, das die „Casseler Neuesten Nachrichten" nach Hamburg gerichtet hatten mit der Anfrage, oft und wann das Luftschiff bei der vorgesehenen Fahri nach Frankfurt a. M. Cassel berühren werde, lief in den Morgenstunden die Antwort ein, daß das Luftschiff Cassel am frühen Morgen passieren werde. Und diesmal kam es wirflich! Der schlanke Zeppe. linkrenzer stieg heute früh drei Uhr sünsund- zwanzig Minuten vom Flugplatz Fuhls. büttel bei Hamburg aus. An Bord de- sanden sich drei Passagiere und vier Marineoffiziere. Mit der Besatzung des Luftschiffes waren fünfundzwanzig Perfonen an Bord. In stolzer Fahtt, bei herrlichstem Sommerwetter, ging dann die Fahrt nach Göttingen, wo das Luftfchifs um sieben Uhr fünfundzwanzig Minuten gesichttt wurde. Nach weiteren fünfundzwanzig Minuten passierte die „Viktoria Luise"
ttusere Nachbarstadt Hann.Münden
und erreichte nach nur sieben Minuten Fahrt unsere Stadt. Drei Minuten vor acht Uhr tauchte der von der Hellen Morgen- sonne bestrahlte elegante Körper des Luftschiffs über dem Möncheberg auf. Eine grenzenlose Aufregung lief durch die Straßftt. Ueberall hemmte man die Schritte und in aller Eile stürzten die Leute aus den Häusern auf die Straße. Im Nu waren die Dächer erklommen. Aus den freien Plätzen aber, am Königsplatz und auf dem Friedrichsplatz, staute-sich der Menschern sttom zu unübersehbaren Mengen. Im Augenblick bildeten sich Gruppen, die den Segler der Lüste beobachteten und dann, als er näher kam, mit brausenden Hurra- und Hochrufen empfin- gen. In das Brausen der Hochrufe, die von Straße zu Straße eilten, mischte sich die Musik der Propeller! Das Luftschiff bot einen untier. geßlich schönen Anblick. Hell leuchtete fein Rumpf, deutlich konnten die Steuerungen beobachtet werden und das Sausen der Propeller. Der Zeppelinkreuzer fuhr in verhältnismäßig niebriget Höhe, sodaß die Passagiere deutlich gesehen werden konnten, ebenso der in gewaltigen Lettern an der Spitze angebrachte Name „Viktoria Luise". Am Heck flatterte die deutsche Reichsflagge im Morgenwinde. Das Luftschiff kam gerade zur rechten Zeit, da alle Diejenigen, die um acht Uhr an der Stätte ihrer Tätigkeit fein müssen, Gelegenheit hatten, auch ihrerseits ben erfolgreichsten Zeppelinkreuzer zu sehen.