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Weler NM RchHtkN

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 14. Juli 1912

Nummer 185.

Fernsprecher 951 und 952.

gerüchten um Manipulationen von Gegnern des Generalstabschefs, die schon früher ver-

es liegt auch nicht der geringste Anlaß vor, der ihm den Gedanken an einen Rücktritt von sei­nem Posten nahelegen könnt«. Offenbar handelt es sich bei den in Umlauf gesetzten Rücktritts­

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zertrümmert. Soviel bis jetzt bekannt ist, sind bei der Katastrophe acht PassagiereumS Lebe« gekommen, während eine sehr große Anzahl Passagiere schwer verletzt wurde. Nähere Einzelheiten über

JnsertionSpretse: Die sechUgespaltene Zeile Hk einheimische »eschäste 15 Wg., tur «t«. roärttge Inserate 26 W, Reklamezeile für einheimische Beschütte « Bf, für auswärtige Beschütte 60 $f. Beilagen für die Sefamtaaflage werden mit 6 Mark pro Dausen» b*. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung fta» Me Laffeln Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnsertionlorgan. Geschäfts telle:: «ölnische Stratze 5. Berliner Vertretung: 8W_ Friedrichstraste t«, Telephon: «Mi Mortstplah «76

Moltke denkt gar nicht an einen Abschied, und gleiste plötzlich tn einer Kurve. Die Wagen ~ 1 : wurden eine Böschung herabgeschleudert und

sucht haben, di« Position des Generals zu «r-

6int5 Märchens Ende.

Der Dreibund am Ende seiner Tage.

Alles Leugnen, Schwichttgen und Bemän­teln hilft nun nichts mehr: Der »Fels im Wer* der politschen Intrigen, der mitteleuropäische Dreibund, seit Jahren unterspült von den Abwässern diplomatischer Kabalen, ist dem Einsturz nahe, und wenn man au8 den Mienen der Beteiligten auf die Sttmmung der Seelen schließen darf, wird keine Trauer-Trän« des Dreibunds unrühmliches Ende verklären. Der LondonerDaily Graphic hat die Situ­ation aller Weihe entkleidet; er hat garstig aus der Schule geplaudert und mit schadenfroher Miene erklärt, daß alle Vorbereitungen getrof­fen seien, um England, Frankreich und . . . Italien in einem großen Mittel­meerbund zu einen. Der Vertrag werde sofort nach Beendigung des italienisch-türkischen Kriegs in Kraft treten und selbstverständlich der Physiognomie Europas ein neues Aussehen geben.Selbstverständlich*: Denn die Gespen­ster, die Lord Charles Beresford am hellen Tage gesehen hat, als er erzählte, England übergebe die Wacht am Mittelmeer an Frank­reich, um selbst mit aller Kraft gegen Deutschland zu stehen, nehmen jetzt greif­bare Formen an. Frankreich aber werde in den nächsten Jahren bereits von den vereinig­ten Flotten der beiden Dreibundmächte im Mittelmeer (Oesterreich-Ungarn und Italien) an Riesenschiffen überflügelt sein, was der sichern Niederlage Frankreichs gleichkomme und dem Versagen der Rückendeckung für England. Wie gesagt: Ein Mittelmeerabkommen zwischen England, Frankreich und Italien verscheucht dies« Gespenster, aber es fordert schon der Ge­danke an eine solche Kombinatton die Frage heraus: Wie verträgt sich ein solches Mittel- meerüberetnkommen mit dem Dreibund? Mtt dem Dreibund, der den Enkeln der Caesa- ren in der Rolle des Eroberers den Rücken deckte und die Großmannsucht römischer Ueber- Pattioten mild und nachsichttg erduldete, ledig­lich um daS dünne Papierchen des Bündnis­vertrags nicht vor der Zett dem Sturm des Schicksals preiszugeben.

Wir erdulden in diesen Tage« des Som­mers brennendste Gluten, und eS kann also nicht Überraschen, daß die politische Sensation des TageS: Die Geburt des neuen Mittelmeerbun­des, die Gemüter erhitzt. Im Blätterwald braust der Orkan der Kommentar«, Kombina­tionen und Informationen, und eS scheint förm­lich, daß man in London, Paris und Rom die Gelegenheit freudig begrüßt hat, die Jubel­hymne von Baltisch-Port und Kiderlen-Waech- terS brunnenkur-frohes Bekenntnis Über den alle Hoffnungen übertreffenden Erfolg* der Kanzlerfahrt nach Rußland sacht zu dämpf«». Die Mittelmeerbund-Grüttdung ist indessen nicht eine der üblichenExttatouren* des italie­nischen Dreibundgenossen (an die man sich in Wien und Berlin nachgerade gewöhnt hatte), sondern es handelt sich um eine regelrechte neue Mächtegruppierung, die nicht ohne Rückwirkung auf den Dreibund bleiben kann, der ja eigentlich für Italien überflüssig geworden ist, wenn seine Sicherhett im Mittel- ländischen Meer von England und Frankreich (und wohl auch Rußland) gewährleistet wird. Sin Anonymus, der in einem Berliner Blatt einen Artikel über den Bund im Mittelmeer veröffenrlicht, bringt gleichfalls eine Bestäti- gung der sensationellen Schwenkung Italiens, indem er erzählt, daß man in Rom mit der Haltung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns während des Kriegs mit der Türkei nnznftte- den sei, da die beiden Ententemächte die Aktion im Aegäischen Meere zum Sttllstand gbracht hät­ten. Das heißt mit andern Worten also: Die Römer r ä ch « n sich an den zwei Bundgenossen, weil sie, der völkischen Gerechtigkeit getreu, einem gegen Recht und Sitte gerichteten Aben­teurerstreich der Männer von Savoyen wider­strebten. Und sie rächen sich, indem si« ... den Bundgenossen indenRücken fallen!

Das ist dar klägliche End« eines TraumS, in dem ein Märchen sich widerspiegelte, ein Märchen voll Romantik und idealistischer Refle­xionen, das schon am Tag seiner Erdichtung der natürliche!» Voraussetzungen ermangelte. DaS Dreibund-Märchen hat durch die Ab­schwenkung Italiens zum neuen Mittelmeer­bund die gewalffame Wirklichkeit-!? or- rektur erfahren und heut kann man weder in Wien noch in Berlin darüber im Zweifel fein, daß Italiens Zugehörigkeit zum Dreibund eher ein Verhängnis denn ein« Wohltat gewe­sen ist, und daß die wohlwollende Duldung, die Selbsttäuschung hinsichtlich der Gefühle der Römer zu einem Dsbacle unsrer auswärtigen Politik führen mußte. Nun irt dieses Döbacle

da: Ein« Bereinigung Englands, FrarckreichS und Italiens im Mittelmeer bedeutet für Oesterreich trotz aller krampfhaften Anstrengun­gen für die Flott«, ttotz seiner vier Dread­noughts der Zukunft dem effektiven V e r I u ft der Adria. In beispielloser Weise haben sich die Minister des Aeußern der Monarchie, haben sich Graf Aehrenthal und Graf Berchtold von Tittoni, Giolitti und San Giuliano irreführen lassen, haben das richtige Empfinden der Völ­ker Oesterreichs (die denErbfeind* in Italien nicht vergessen haben), mit empörendem Diplo­matenhochmut gering geschätzt und auf diese Weis« Interessen geopfert, die zu vernachlässi­gen Sünde war. Die Rückwirkung auf D e u t f ch- land ist ebenfalls llar erkennbar: England er­hält infolge der Sicherung bei Mittelmeerherr­schaft durch Italien und Frankreich freie Hand in der Nordsee und wird zum ernsten und gefährlichen Gegner des Deutschen Reichs. Er­kannte man das Alles schon in den Tagen von Baltisch-Port, als die Herren Kokowzow und Beihmann Hollweg in traulichem Beisammen­sein über Europens Schicksal plauderten . . .?

Eins stcht fest: Der Dreibund zerfällt und Italien scheidet auS! Das ist eigentlich nur eine Klärung der Situation; aber es ist immerhin eine Klärung, die int Augenblick wenig erfreu­lich ist und ahnen läßt, daß alle militärischen Streife neuerdings die Rüstungsforde­rungen verstärken werden, hinweisend auf die Neugruppierung der Mächte. Und dann: Herr von Kiderlen-Waechter hat die Tage von Balttsch-Port und die Kanzlerfahrt nach Ruß­land als einen Triumph deutscher Diplomatie gepriesen. Wie darf man das verstehen? Grade jetzt vollzieht sich eine auffallende An­näherung Deutschlands an Rußland, und Wilhelm der Zweite sucht mit allen Mittel» und auf allen Wegen die von Eduard dem Sie­bente« gesponnen« Einkreisung zu durchbre- chen. Wird er auf allen diesen Wege» auch in der Lage sein, die Rücksicht aus Oesterreich. Ungarn nicht aus den Augen zu la ff en? MS der mißlungene Versuch gemacht wurde, China durch die Großmächte finanziell zu unterjochen, da hat Deuffchland nichts gegen den demon- strattven Ausschluß Oesterreich - Ungarns auS diesem politisch-finanziellen Konzern ge­tan. Und wenn das Mtttelmeerübereinkommen und der damit verbundne Abfall Italiens vom Dreibund die englische Gefahr für Deutschland noch intensiver machen sollte, wer könnte dann noch die Gewähr übernehmen, daß di« deutsche Politik, alter Traditton ge- treu, dem Bund mit der Donaumonarchie zu- gewandt bliebe? Der Zerfall des Dreibunds ist kein leeres Schreckgespenst: Er tritt immer deut­licher in die Erscheinung, und der politische Hori- zont ist ringS von Wolken verdüstert. Herr von Kiderlen nur sicht bett Tag voll Sonnenglanz. Aber derHeld von Agadir* hat als Prophet und Seher noch immer enttäuscht. . .! F. H.

*

Hinter den Kulissen.

Wie uns ein Privat-Telegrarnm aus Rom meldet, ift dort der englische Resi­dent in Aegypten, Lord Kitchener einge- ttoffen in der Absicht, sich mchrere Tage in Rom aufzuharten. Man glaubt, daß Kttchener mit den Mitgliedern der Regierung Bespre­chungen habe« wird, die sich auf den italienisch- türkischen Krieg bezichen. Ferner wird aus Mailand berichtet: Der(Sortiere della Se­ra* teilt mit, daß Italien zwar Sonder- Verträge mit Frankreich und England über Afrika abschließen dürste, daß aber das zu standekommen eines GeneralabkommenS mit beiden Ländern zur Aufrechterhaltung des Status quo im Mittelmeer unmöglich fei, weil diesdie Interesse» des Dreibundes gefähr­den* würde.

General von Moltte bleibt!

Kein «euer Chef de» Geueralstabs.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 13. Juli.

Berliner Blätter wußten gestern auS angeb­lichgut unterrichteter Quelle* zu melden, daß ein Wechsel in der Person deS Chefs des Großen Generalstabs noch in diesem Jahre erfolgen werde. General der Jnfantette von Moltke weide auS seiner Stellung schei­den und solle durch den rangälteften Ober- Quarttermeffter Generalleutnant von Wind- heim ersetzt werden. Auf Anfrage beim Gene, ralstab wird dies« Nachricht als völlig auS der Luft gegriffen bezeichnet. General Moltte fei vielmehr in vergnügtester Stimmung zur Teilnahme an der Nordlandreffe des Kai­sers vor kurzem von Berlin ab gereift. Er würde vermutlich an der Reffe nicht teflnehmen, wenn wirklieb fein Abschied bevofftände. General von

schüttern.

Mermodernste RomanM.

Die Geschichte einer Braut-Entführnng.

Wir berichteten schon im geftrigen Abend- Depeschenaushang über die Geschichte einer eigenartigen Entführung, die sich in den Schweizer Bergen ereignet hat. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, wurde die deutsche Familie Philipps bei einer Wagenfahrt in der Näh« des Toblacher Sees von einem Kaufmann aus Charlottenburg mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, ihm ihre Tochter herauszugeben. DaS Paar flüchtete so- dann im Auto. Der Vater erftattete der Be­hörde Anzeige von dem Vorfall, bei dem «S sich anscheinend um eine tm gegenseitigen Ein­verständnis der beiden jungen Leute ausgo- führte Entführung handelt, lieber die stark romantisch angehauchte Affäre werden jetzt fol­gende Einzelhetten bekannt:

Berlin, 13. Juli.

(Privat-Telegram m.)

Der etwa dreiunddreißigjährige Kaufmann Brand, der ein selbständiges Geschäft der Baubranche in Charlottenburg besitzt, verlobte sich vor Weihnachten mtt der neunzehnjährigen Tochter der Familie Philipps. Die Ver­bindung wurde damals in der üblichen Weise veröffentlicht und gefeiert. Nach etwa einem Vierteljahr kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Philipps und feinem Schwiegersohn. Daher versuchten die Ettern der jungen Dame, ihre Tochter von der Verbindung abzubttngen. Fräulein, Philipps aber hielt treu zu ihrem Verlobten. Die Familie Philipps unternahm nun vor einigen Wochen eine Reffe »ach Tyrol, die sich über den ganzen Sommer erftreden sollte und die den Zweck verfolgte, das verlobte Paar auseinander zu bringen. Die Braut stand indessen mit dem Bräutigam brieflich und telegraphisch ständig in Verbindung und bat ibn, »ach Tyrol zu kommen, um dort dem für sie unhaltbare» Familienzustand ein Ende zu bereiten. Brand fuhr daraufhin »ach Tyrol, verfehlte aber die Familie in dem von ferner Braut zuerst angegebenen Wohnort. Als er nun gestern im Auto nach Toblach fuhr, sah er auf einer Dank tm Walde die Familie Phi­lipps sitzen. Er hielt feinen Wagen an und ging auf die Familie zu. Der Vater machte Brand heftige Vorwürfe wegen feines Verhaltens und versuchte, seine Tochter von ihrem Bräutt- gam wegzureißen. Daraufhin stieg Fräulein Philipps auf Aufforderung Brands in das Auto und fuhr mit ihrem Bräuttgam davon. Das Brautpaar begab sich nach Berlin, wo die junge Dam« bei einer befreundeten Familie untergebracht wurde. Da der Vater gegen den Entführer seiner Tochter sofort Strafantrag gestellt hat, wird die romantffche Affäre wohl »och ein weniger romantisches Nachspiel haben. Fräulein Philipps etfiärt zwar auf das Be­stimmteste, ihren Bräuttgam zu derEntsüh- rung* aufgefordert zu haben.

Londoner BombenGeschichten.

(Privat-Telegram m.)

Me uns aus London gemeldet toiro, wurde gestern auf den englischen Minister des Innern, MacKenna, ein Bombenan­schlag versucht, dessen Urheberin in den Rei­hen der Suff ragetie» zu suchen ist. Diese haben schon fett längerer Zeit gedroht, dem Mi- nifter des Innern und auch dem Premiermini­ster persönlich Unannehmlichkeiten zu bereiten. Als Mac Kenna gestern morgen fein Arbeits­zimmer betrat, entdeckte er hinter dem Vorhang eine Bombe, bi« Explosivmaffe enthielt und deren Füllung kein Zweifel über die ernsten Absichten der Attentäter ließ. Die Bombe wurde indessen unschädlich gemacht und eine Untersuchung eingeleitet. Die Urheberin des Attentats konnte indessen trotz eifrigster poli- zeflicher Recherchen bisher nicht ermittelt werden.

Sie Seit her Katastrophe«.

Schweres Eisenbahnunglück in Amerika.

(Privat-Telegramm.)

Newyork, 12. Juli.

Aus der Strecke der Jllionis Zentral-Eisen- bahn hat sich, unwett von Cortland in Missouri, ein schweres Eisenbahnunglück zuge- tragen. Ein Schnellzug, der 'mtt sünfundneun- lia Kilometer Geschwindigkeit fuhr, ent«

den Umfang und die Entstehungsursache des Unglücks schien noch. Bon Cortland find zwei Hilfszüge ab gegangen.

Sie Hitze dauert an!

Die Hitzewelle über Deutschland; noch leine Abkühln«' in Sicht; eine kommende Trocken- Periode; die Temperatur in Knrheffen.

Wie uns von der Wetterdienststelle Weilburg auf telegraphische An« frage mitgeteilt wird, wird zwar für morgen, wenn Gewitter eintreten soll­ten, eine leichte Abkühlung der Temperatur eintreten, doch nur vor­übergehend, so daß die Hitze bleiben wird. Regenfälle find für die nächtze Zett ausgeschlossen, es ist vielmehr mit einer längere Zett an­haltenden Trockenperiode zu rechnen. Alle Welt stöhnt über die schrecklich« Hitze, die fast unerträglich wird. Man glaubt sich in die Tage des letzten Sommers versetzt, die, tote noch in aller Erinnerung ist. mit brennenden Sonnengluten keineswegs sparsam umgingen. Allgemach kommt nun der stille Wunsch zum Ausdruck, daß endlich einmal wieder kühlere Lüste wehen möchten. In der Hoffnung, eine trostvollere Antwort zu erhalten, wandten wir uns heute mittag telegraphisch an die Wetter- dienststelle Weilburg, die auch bereitwilligst Auskunft erteilte. Zunächst eine Wissenschaft- liche Erklärung über die Ursache der Hitz^ lieber dem Osten und Nordosten Europas liegt danach ein Hochdruckgebiet, dessen nächste Folg« die ist, daß un8 sehr trockene Festlandswinde beschert sind, auf die die Sonnenausstrahlung sehr stark einwirft. In Westdeutschland hatten wir in diesen Tagen außerdem Winde, di« vom Süden kamen und di« Hitze poch zunehmen ließen. Allerdings rückt« auch vom Ozean her über Irland ein Tiefdruckwirbel vor, der aber durch die große Hitze abgelenkt wurde und über England nach Island abzog. Dadurch kam es, daß wir keine Bewölkung und keine Westwinde erhielten. Augenblicklich scheint, sich »n klei­ner Umschwung vorzubereiten. Es liegt jetzt von der Nordsee her bis übet Frankreich hin eine Art Tiefdruckfurche, und im Westen vom Ozean komntt wieder ein Hochdruckgebiet vor Schon wehen heute über England und Westfrankreich Nordwestwind«, die dort einig« Abkühlung hervorgerufen haberr Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß eine kleine Ab- kühlung nach Osten vorrückt und uns in unse­rer Gegend beeinflußt. Im Osten verharrt aber noch daS Hitzegebiet und die Winde von Osten bleiben bestehen, so daß wir schon wohl oder Übel mtt einer Fortdauer der warmen Witterung rechnen müssen. Das Fazit aus die­ser wissenschaftlich-meteorologischen Erklärung der Wetterlage ist bann dieses: Es ist nicht aus­geschlossen, daß wir heut« abend noch oder mor- aen Gewitter haben werden, die eine leichte Abkühlung bringen. Diese Abkühlung ist aber nur vorübergehend und dann tritt die Hitze wieder erneut in Kraft. Regenfalle und für die nächste Zett so gut wie ausgeschlossen.

*

Die Hitze in Knrhesien.

(Telegraphische Meldungen.)

Während gestern nachmittag fast überall in Kurhessen über dreißig Grad Celsius tonftatiert wurden, herrschte heute früh bereits wieder eine drückende Hitze. Schon um sieben Uh morgens zeigte die Quecksilbersäule in Cassel 19, in Witzenhausen 17, in Marburg 17, in Ems 17 und in Weilburg sogar 20 Grad. Diese Hitze steigerte sich im Laufe des Vormit­tags, sodaß mittags an besonders schattiger Stelle 32 Grad gemessen wurden. Auffallen­derweise haben auch die Berge sehr hohe Tem­peratur. Auf dem höchsten Westerwalde zeigte dar Thermometer früh siebe» Uhr 19, auf dem TaunuS 18 und auf der höchste» Erhebung des KnüllgebirgeS sogar 21 Grad.

Gaffel als Flugplatz

Neue Flüge über Land; Karl Abelmaun» Pläne; eine Fliegerschule und ein Per- maneuter Flugplatz i« Waldau bei Cassel.

Cassel ist ein fchwierigeS Feld für neue Unternehmen. Das mußte der von Bork kom­mend« Gradeflieger Karl Abelmann er- fahren, als er -gemeinsam mtt Hans Schmi- gulski den großen Plan zu verwirklichen dachte, in Cassel einen Flugplatz zu schaffen, der ein Knotenpunkt für den sich entwickelnden Flugverkehr toerben sollte. Hans Schmigulski ruht nun seit zwei Monaten in der kühle» Erd« der Bettenhausener Totenhofes. Und «s schien anfanai. als sollte der Dla» der beiden Pfloten