Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neueste Nachrichten

->

Iie hkiitlgeSlMMMW 10 Seiten.

4- Ein Kind unter den Rödern! Ein zwei­jähriger Knabe aus dem Hause Holzmarkt 12 wurde heute vormittag am Holzmarkt von einem Fuhrwerk überfahren. Ein Rad des schwer beladenen Wagens ging dem Kinde über die linke Hand. Dabei wurde ein Finger vollständig zerquetscht, während an einem an­dern Finger die Sehnen zerrissen wurden. Wei­ter erlitt das Kind Verletzungen am Kopf und am Rücken. Dem Kinde wurde auf der Wache der Kriegersanitätskolonne ein Notverband an­gelegt. Wie Augenzeugen versichern, lief das Kind direkt in die Pferde hinein, sodaß den Kutscher keine Schuld trifft.

4- Ein Stubenbrand in Wahlershausen. Ein Brand, der leicht größere Ausdehnung annehmen konnte, entstand heute vormittag ge­gen halb elf Uhr in einem Hause im Stadieil Wahlershausen. Dort hatte eine Mutter ihre beiden kleinen Kinder kurze Zeit allein gelas­sen. Während ihrer Abwesenheit müssen die Kinder mit Feuer gespielt haben, denn plötz­lich bemerkten Hausbewohner einen intensiven Brandgeruch und Rauch, worauf die Tür ge­sprengt wurde. Die Kinder waren glücklicher­weise unverletzt. Dagegen hatte das Feuer ver­schiedene Möbelstücke in Brand gesetzt. Haus­bewohner löschten dann das Feuer.

-4- Die Caffeler Wohnungsinspektion. Wie uns aus Verwaltungskreisen mitgeteilt wird, nimmt das Publikum die von der städtischen Verwaltung eingerichtete Wohnungsin- spektion noch nicht in dem Umfange in An­spruch, als es im Interesse der Beseitigung don Mängeln, die einer Wohnung anhaften, oder durch unrichtige Behandlung der Räume entstanden sind, wünschenswert wäre. In den Fällen, in denen der Wohnungsinspektor um seine Hilfe angegangen wurde, hat sich gezeigt, wie nützlich fsir die Beteiligten sein Eingrei­fen mit Rat und Tat war.. Bei vorkommen-

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Die Herren vom Grünen Tisch.

(Privat-Telegram m.)

Paris, 12. Juli.

Der „Cri de Paris“ veröffentlicht nachfolgen­de Note: Man behauptet in unterrichteten Krei­sen. daß sich die Beziehungen zwischen I s - wolski und T i t t o n i in letzter Zeit sehr kühl gestaltet haben. Der russische Botschafter Iswolski ist indessen noch immer für eine fried­liche Intervention vonfeiten der Mächte zugun­sten Italiens. Ende dieses Monats werden in der Villa Iswolskis bedeutsame Zu­sammenkünfte stattfinden. Die angese­hensten österreichischen und deutsche« Diploma- ten wie.Henkel.von Donn«Smar^ di« .Grafen,

den Fällen wende man sich mündlich (möglichst von 4 bis 6 Uhr nachmittags) oder schriftlich an den mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Wohnungsinspektion beauftragten techni­schen Sekretär, Herrn Rammenzweig, Rathaus, Zimmer 174. Alle Auskünfte, Ratschläge und Wohnungsbesichtigungen erfolgen unentgeltlich.

4- Mittelschüler und Einjährig-Freiwilligen- Prüfung. Durch eine kaiserliche Verordnung ist die Wehrordnung dahin geändert worden, daß Mittelschüler sofort nach Abschluß des Schulbesuches die Einjährig-Freiwilligen-Prü- fung ablegen können. Hierbei wird in zwei fremden Sprachen geprüft. Auf den Mittel­schulen werden die Schüler jedoch oft nur in einer fremden Sprache unterrichtet. Es steht zu erwarten, daß die Mittelschulen ihre Lehr­pläne mit Rücksicht auf diese kaiserliche Verord­nung erweitern und eine zweite fremde Sprache fakultativ unter ihre Unterrichtsgegenstände aufnehmen werden.

4- Polizei und Kino. Die Polizei beanstan­dete die Vorführung eines Kinofilms „Nanon" in einem hiesigen Kinematographentheater. Dazu wird uns geschrieben: Ein hiesiges Kino- Unternehmen hatte ein größeres Bild erwor­ben, das in mindestens hundert größeren und kleineren Städten anstandslos vorgeführt wur­de, und auch in Berlin, der Hauptzenfuostelic für Erwachsene genehmigt war. Run ließen sich in Cassel eine Anzahl Herren in Gemein­schaft mit der Polizeibehörde die Films extra vorführen. Daraufhin wurde dasselbe Bild, das vielleicht schon vor mehreren hunderttau­send Personen vorgeführt wurde, für Cassel verboten.

--- Wer sind die Glücklichen? Der erste Hauptgewinn der Fritzlarer Psevdelotterie, eine komplett bespannte Equipage mit zwei Pferden fiel auf Nr. 6390 und der vierte Haupt­gewinn, ein Pferd auf Nr. 1701. Beide Lose gehören in die Kollekte von Fr. Bräutigam, An der GarnilsonNrche.

--- Wandervorschläge für den Sonntag. Der Niederhessische Touristenverein macht kür den Sonntag folgende Vorschläge für Wanderun­gen im schönen Hessenlande. Es sind zunächst ganze Tagestouren nach Weimar (oder Für­stenwald) - Hangarstein - Schreckenberg - Schar, tenburg « Malsburg - Eschöberg - Oberelsun­gen (oder Zierenberg); weiter eine Tour nach Immenhausen « Martendorf - Hemelberg. Vek- kerhagen (Dampfer nach Münden. Ferner sind folgende Touren empfehlenswert: Münden- Kattenbühl - Schäferhof . Grundmühle. Lau- bach . Hardt - Werratal . Münden (ein halber Tag) und Nied erkauf ungen « Mndhaufen- Mndhausen - Mühlenberg . Sendenstein- Mühlenberg . Sendenstein - Oberkaufungen, ebenfalls ein halber Dag. — Der Touri­stenverein »Die Naturfreunde" emp­fiehlt für den Sonntag als Familientour von 7,45 Uhr ab die Tour vom Krankenhaus über Möncheberg nach Graue Katze, Spickershausen und Kragenhof.

-4- Mehr Straßeninseln in Cassel. Aus un­serem Leserkreise wird uns geschrieben: An der Haltestelle Mauerstra ß e-H oh entorstra ße, wo die Wagen der Straßenbahn-Linien 2, 3 und 7 verkehren, hat man des öfteren Gelegenheit, zu beobachten, wie die auf di« Straßenbahn war- lenden Fahrgäste anhaltend in Gefahr schwe­ben, von einem der sehr zahlreich vorüberfah­renden Fuhrwerk« überfahren zu werden. Es ist dieses ja auch leicht erllärlich, da die Fahr­gäste gezwungen sind, mitten auf der Straße auf die Bahn zu Watten, wenn sie den Anschluß nicht versäumen wollen. Die Sttaßenbahndi- rektton würde sich den Dank Vieler verdienen, wenn sie an der genannten Haltestelle eine ähnliche Straßeninsel wie am Hauptbahnhof errichten lassen würde.

-T- Cassel und die Heeresvermehrung. Me die „Casseler Neuesten Nachrichten" bereits be­richteten, gibt das elfte Armeekorps aus Anlaß der vom Reichstag bewilligten Heeresvermeh. rung je zwei geschloffene Jnfanteriekompagnien an die neu zu bildenden dritten Bataillone der Jnfanterieregimenter Nr. 166 und 173 nach dem Truppenübungsplätze Bitsch und nach Metz ab. Hiervon wird auch unser Infanterie-Regiment Nr. 83 betroffen, das sicherem Vernehmen nach die dritte Kompagnie abgibt. Die Abgabe er­folgt am ersten Oftober dieses Jahres. Die Kompagnie wird sich durch Abgabe von Mann­schaften innerhalb des Regiments und durch Mehreinstellung von Rekruten wieder ergänzen.

4- Der Casseler Arbeitsmarkt. Die Bau­tätigkeit hat nach Mitteilung des Stattstischen Amtes im Monat Juni eine merkbare Weige­rung erfahren, sodaß eine etwas lebhaftere Nachfrage nach tüchtigen Bau- und Erdarbei­tern war. Fortwährender Bedarf war auch nach Schneidern und Schuhmachern. Mangel bestand an jüngeren landwirtschaftlichen Knech­ten. Infolge Lohndifterenzen legten in einer Wagenfabrik 25 Metallarbeiter die Arbeit nie­der. Bei der weiblichen Abteilung der städtt- schen Stellenvermittlung fehlte es an Arbeits­gelegenheit für Wasch- und Putzfrauen. Auch war große Nachfrage von Kleinmädchen. Der Bezirksverein Cassel des Verbandes der Deut- schen Buchdrucker zahlte im Monat Juni als Arbeitslosenunterstützung 390,25 Mark (gegen 320,75 Mark im Vormonat). Die Zahl der Passanten betrug bei der Arbeitsvermitttungs. stelle 202 (gegen 162 und 270 in den beiden Vor­monaten), bei der Wanderarbeitsstätte 494 (ge­gen 578 und 481).

4- Offene Stellen für Militäranwärter. Im Bezirk des elften Armeekorps sind folgende Stellen, für die keine Stellenanwärter vorge­merkt sind, mit Militäranwärtern zu besetzen: Ein Schutzmann in Cassel (Unteroffizier, min­destens neunjährige Dienstzeit), ein Expedient beim Stadtrat in Gera, in Körner (Landrats­amt Gotha) ein Wegerat, beim Magistrat in Langensalza ein Flurhüter, ein Schutzmann in Weida, ein Gemeinderegistrator in Zwötzen. Für Interessenten liegt ein Exemplar der Va­kanzenliste für Militäranwärter in unserer Ge­schäftsstelle, Kölnischestraße 5, zur kostenlosen Einsichtnahme aus.

4- Reue Sonntagsfahrkarten. Dom einund- zwanzigsten Juli ab werden von der Fahr, kattenausgabe Cassel neue Sonntagskarten nach folaenbcn Verkebrsverbindunaen ausge­

Proseffor Dr. Reumann -f.

Berlin, 12. Juli. (Privat-Tele- gramm.) Heute früh um halb sechs Uhr ist der bekannte Berliner Arzt Professor Dr. Hugo Reu m a n n im Alter von dreiundfnnfzig Jah­ren an Tuberkulose gestorben. Neumann hat sich auf sozial-politischem Gebiet rühmlich hervorge­tan. Unter anderem gründete er aus eigenen Mitteln das Kinderhaus in der Blumenstratze, eine Säugliugsfürsorgeanstalt. Er war auch Gründer der Kinderheilstätte im Bergsdors, Auch als Schriftsteller trat er hervor.

Die Magdeburger Katastrophe.

Magdeburg, 12. Juli. (Privat.Tr. legramm.) Die große Brandkatastrophe in den Hildebrand'schen Mühlenwerken hat bis heute vormittag sieben Tote gefordert. Unter den Trümmern liegen noch drei Arbeiter begraben, während int Krankenhaus vier schwer verletzte Arbeiter gestorben sind. Dreizehn Ber- sicherungsgesellschasten sind an der Versicherung beteiligt,

Massenvergiftnngen in Metz.

Metz, 12. Juli. (Privattelegramm.) Infolge Genusses von Rahmtorte sind in Metz unter schwere« Bergistnngserscheinungen drei­zehn Personen erkrankt. Die Torte strimmt aus einer Metzer Konditorei. Das Befinde« einiger Erkrankten gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß,

Zürich im Generalstreik!

Zürich, 12. Juli. (Privat-Tele. gram m.) Als Protest gegen das vom Stadt. Verordnetenrat beschlossene nnd vom sozial­demokratischen Polizeipräsidenten erlassen« Streikpostenverbot und die Einfuhr be> rufsmäßiger Streikbrecher anläßlich deS Maler- und Schlosserstreiks in Zürich findet heute ein vierundzwanzigstündiger Generalstreik statt. Alle Arbeit ruht, eS verkehren auch keine Straßenbahnen.

Ein Unterseeboot verschwunden!

Paris, 12. Juli. (Privat-Tele. 8ramm.) Das „Journal" bringt heute die Meldung, daß daS Unterseeboot „I u - l e s" seit Dienstag verschwunden ist. Die „Jules" hat am Dienstag Toulon verlassen, um eine Dauerfahrt von 800 Meilen unter dem Wasser auSzuführen. DaS Boot war vorflchtS- halber von einem TorpedobootszerstSrer beglei­tet. ES ist jedoch seit der Passage der St Guinea-Inseln von seinem Begleitschiffe nicht wieder gesehen worden. Gestern abend Ist ein anderer Torpedobootszerstörer zum Zwecke der Suche von Toulon aus abgefahren.

Die Royalisten geschlagen!

Lissabon, 12. Juli. (Privat-Tel» Stamm.) In der vorvergangenen Nacht ha­ben tausend Mann Infanterie und Kavallerie Lissabon mit der Bestimmung nach dem Nor­den verlassen. Bei Tuy hat gestern eine Gruppe Verschwörer republikanische Kavallerie ange­griffen. Die Royalisten wurden aber g e. schlagen und flohen mit einem Verlust von vierzehn Toten. Es scheint, daß die Re- publikaner nur geringe Verluste erlitten haben.

Ein neues Schiffs-Drama?

London, 12. Juli. (Privat-Tele- grainru.) Der Paffagierdampftr „Bello" ist im Hafen von Lovestost gescheitert. Es wird befürchtet, daß eine große Anzahl von Passagieren dabei ums Leben gekommen ist. Einzelheiten fehlen noch, doch besagen die neuesten Depeschen, daß das Schiff als verloren gilt. Ob und wieviel Menschen bei der Katastrophe umS Lebe« ge­kommen sind, steht noch nicht fest.

Die Opfer der Cadeby-Katastrophe.

London, 12.- Juli. (Privat-Tele. Stamm.) Die Liste der Opfer der Gruben Ka. tastrophe von C a d e b y vergrößert sich noch im- mer. Gestern abend wurde bekannt gegeben, daß noch sechzehn Leichen in der Grube seien. Damit steigt die Gesamtzahl der Toten aus siebenundachtzig. Fast alle, die noch in der Grube liegen, gehören zu den R et t u n g s - Mannschaften, die durch die zweite Ex­plosion zugrunde gegangen ist. Ter Vorschlag, ein Maffenbegräbnis zu veranstalten, ist abge­lehnt worden. Die Leichen werden einzeln be­stattet.

Tie Hitzewelle in Amerika.

R e w y o r k, 12. Juli. (Privat-Tel«. gramm.) Die Hitze in Nordamerika nimmt von Tag zu Tag unerträglichere Formen an. Gestern waren allein in Newyork elf neue Todesfälle durch Hitzschlag zu verzeichnen. Tie Zahl derer, die durch die Einwirkung der Hitze wahnsinnig werden, nimmt ständig zu. Die Hitze war gestern noch furchtbarer als a».n vorhergehenden Tage. Die Luft ist außer­ordentlich ttocken. (S. auch erste Seite.)

geben: Von Cassel nach Weimar (Kreis Cassel) ober Kragenhof ober Münchehof (Kreis Cassel) ober Rengershausen und zurück, Preis zweiter Klasse 0,90 Mark, dritter Klasse 0,55 Mark. Von Cassel nach Fürstenwald ober Speele ober Immenhausen ober Guxhagen ober Grifte unb zurück, Preis zweiter Klasse 1.20 Mark, dritter Klasse 0.80 Mark. Diese Sonn­tagskarten werben beiläufig nur versuchs­weise aufgelegt. Die Beibehaltung erfolgt, wenn die Benutzung der Karten ausreichend stark ist.

4- Grab und Wiege in Cassel. In der Woche vom 30. Juni bis 6. Juli starben nach den Mit­teilungen des städtischen Stattstischen Amtes in Cassel sechsundzwanzig Personen (gegen fünf­undzwanzig in der Parallelwoche des Vorjah­res). Unter der Gesamtzahl ber Sterbefälle waren vier burch Tuberkulose, fünf durch akute Krankheiten der Atmungsorgane, einer burch Brechdurchfall, Magen- und Darmkatarrh (ein KiNd im ersten Lebensjahre) verursacht. Einen gewaltsamen Tod erlitten zwei Personen. Die Zahl ber Lebendgeborenen betrug (in der vor­hergehenden Woche) zweiundachtzig gegen drei- undsechzig in der gleichen Woche des Vorjahrs.

•4- Das Bergfest auf Wilhelmshöhe. Das dritte Wilhelmshöher Bergfest wirb in diesem Jahre wie üblich auf dem Kuhberg am einund- zwanzigsten Juli abgehalten. Als Hebungen sind gewählt: Stabhochsprung, Freiihochspruug ohne Brett, Schnellaufen 100 Meter, Gewicht­heben 37'4 Kilogramm, sowie Pflichtfreiübung. Zu diesem Wettkampf kann jedes Mitglied ber Deutschen Turnerschaft ohne Beschränkung des Kreises zugelassen werden. Das Wetturnen be­ginnt pünktlich 7 Uhr früh nach voraus g eg an­gener Kampfrichtersitzung. Auch ist zum ersten Male in diesem Jahre ein Schülerwettkamps vorgesehen. Zahlreiche Meldungen liegen be­vor. Nachmittags werden sich die Turner und ihre. Familienangehörigen zu einem gemütli­chen Waldfest zusammenfinden. Abends 6 Uhr wirb hier auch die Preisverteilung vorgenom­men.

4- Vom Jungbeutschland Bund. Der Bund „Jungdeutschland" in Cassel hat auch für den kommenden Sonntag mehrere interessante Ver­anstaltungen vorgesehen. Morgens um halb Zehn ist Baden in der Militärschwimmanstalt. Am Nachmittag versammelt sich die Abteilung 1 an ber Endstation ber Straßenbahnlinie 2 in Wolfsanger (Kurhaus), währenb der Treff­punkt für die Abteilung 2 an der Jhringshäuser Chaussee an ber Trainkaserne ist. Beide Ab­teilungen versammeln sich um halb vier Uhr.

4- Das Promenadenkonzert am Kaiserplatz. Besin Promenadeukonzert am Kaisetplatz bringt heute abend halb sechs Uhr die Henkel- sche Kapelle folgende Stücke zum Vortrag: 1. „Wien-Berlin", Marsch von Schrammel, 2. Ouvertüre zur Oper „Oberon" von Weber, 3. „Noch sind die Tage der Rosen", Lied von Baumgartner, 4. „Eine Künstler-Revue", Pot­pourri von Stetefeld, 5. „Die Eule", Polka von Fahrbach.

4- DaS Gartenkonzert des Liebervereins. Zu dem morgen abend im Stadtpark ftattfin- denden großen Gartenkonzert des Casseler Lie­bervereins, bei bem die gesamte Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 83 unter persönlicher Leitung des Kgl. Obermustkmeisters O. Grosse mitwirtt, ist ein vornehmes, sehr abwechslungs­reiches Programm zusannnengestellt. Der Stadt­parkgarten wird bei Eintritt der Dunkelheit illuminiert, außerdem wird ein großes Feuer­werk abgebrannt. Den Schluß bildet ein Som­mernachtsball im neuhergerichteten Saale.

4- Aus Cassels Kinos. Das Mettopol- Theater (Lichtspielhaus), Untere Königsstraße 64, bringt in dieser Woche einen Zweiafter „Der gute Kamerad". Dieses Stück ist wie das wei­tere Programm für Kinder zur Besichtigung er­laubt. — gerb. Beckers Lichtspiel-Theater, Kö­nigsstraße unb Bahnhofstraße, bringen im neuen Pogramm einen Film „Die Festungs- spione". Außerdem gelangt ein hervorragen­des Programm zur Vorführung.

4- Kleine Tageschronik. Im Hause Flie­gengasse 10 fiel heute mittag ber Arbeiter G. von der Treppe unb zog sich eine stark blutende Kopfwunde zu. Dem Verletzten wurde durch einen Heilgehilfen die erste Hilfe zutell. ... Der vor etwa Jahresfrist als Hilfsarbeiter an bas Landgericht Cassel berufene Amtsgerichtsrat Beste kehrt morgen an bas Amtsgericht Arol­sen zurück. ... Morgen feiern fünf Mitglieber des Gesangvereins „Willkommen" ihr fünfund- zwanzigjähriges Vereinsjubiläum. Es sind die Herren Herdt, Jäckel, Damm, Kraft und Komrumps. Zu Ehren ber Jubilare Veranstal­ter ber Verein morgen einen Kommers in ber Gastwirtschaft Dülfer. ... Im Restaurant Fromm finbet heute abenb ein großes Mili­tärkonzert ber Kapelle der „Hundertsiebenund­sechziger" statt. . . Die Polizei verhaftete heute den aus ber Schweiz stammenden arbeits- unb wohnungslosen Schmied Rübli, ber beim städtischen Reinigungswesen Gummi unb Zinn gestohlen hatte.

4- Das Wetter am Sonnabend. Der amt­liche Wetterbericht sagt für ben morgigen Sonnabenb für Hessen-Nassau folgende Witte­rung voraus: Keine wesentlichen Witterungs- Aenderungen.

Ser Unfall ans der Herkulesbahn.

Morgen nachmittag halb vier Uhr wirb der von ber Herknlesbahn überfahrene Schuhma­cher-meister Pfläging auf dem Kirchhofe in Wehlheiden zur letzten Rühe bestattet, lieber den Vorfall selbst ist eine eingehende Untersu­chung eingeleitet worden. Wie die Verwaltung der Herknlesbahn mitteilt, besaß ber Führer Otto das amtliche Mihrerzeugnis. Dieses wird nur ausgestellt, wenn eine augenärztliche Untersuchung vorgenommen ist. Diese Unter­suchung war zur Zufriedenheit ausgefallen. Ein gestern ausgestelltes ärztliches Attest be­sagt. baß die Augenschärfe des Führers Otto noch genügt, um feinen bisheri­gen Dienst w eiterzuversehen. Es wirb angenommen, daß Pfläging durch irgend einen Unfall an ber Böschung gelegen hat, er habe sich bann herum gewälzt. Als er das Schellen ber Bahn hörte, drehte er sich mit bem Kopf um. geriet so über das Geleise und wurde ftp nächsten Augenblicke überfahren. Der Füh­rer des Wagens sowohl als der Schaffner sind der Ansicht, daß Pfläging vorher ein U n- f a u zugestoßen ist, ber seinen Tod herbeige- fuhri haben müsse. Das Fahrpersonal will nämlich festgestellt haben, daß ber Körper sofort nadj dem Unfall schon erkaltet war.

Es scheint, als werben sich die Ursachen des schrecklichen Unglücks niemals aufklären lassen. Gestern abenb wurde übrigens eine interessante Trobe ber Sehschärfe des Führers Otto vor­genommen. Der Führer fuhr einen Wagen um dieselbe Zeit, in ber sich vor einigen Tagen das Unglück ereignet hatte. An einer anderen Stelle allerdings wurde eine ausgestopfte Puppe über ben Schienenweg gelegt. Kurz vor ber Puppe bemerkte der Führer den dunklen Kör­per. Er schrie laut auf, bremste aber sofort mit aller Macht, und es gelang ihm, ben Wagen einen Meter vor bem vermeintlichen Menschen }um Halten zu bringen. Nach ber Vorschrift muß ber Wagen in zwei Sekunden auf elf Me­ter zum Halten gebracht worden. Der Führer Otto ist übrigens in den Schaffnerdienst übernommen worden. Wie uns noch mitgeteilt wird, war der Verunglückte ein langjähriges Mitglied des M änner gesangv e y ein s Wehlheiden unb beteiligte sich noch jüngst au- bet großen Jubiläumsfeier dieses Vereins. Er war ein treues Mitglied, das fest am deut­schen Liede hielt, sodaß ihm in Wehlheiden ein ehrendes Andenken bewahrt werden wirb. Der Verein beteiligt sich auch an der Beerdigung.

-n.

Nr. 184. — T. Jayrgang.___________________

n« Fensterflügel geöffnet Eine schmale weiße Hand greift in die Rosenhecke, die bas Haus umzieht, ein Mädchenkopf neigt sich vor, man riebt, wie die blauen Augen nach ein paar weißen Rosen spähn, die die Hand zu brechen sich müht. Jetzt gelang's. doch die Fremde bleibt lauschend stehn. Eine seltsame Jdeever- binbung von ihr zu mir. Ich glaube zu füh­len, was sie benft unb fühlt: Das Herz pocht ihr bis an den Hals, noch immer nicht ber wohlbekannte Schritt, ber so manchen Abend schon die Straße enllanghallte, noch immer nicht, unb schon zwölf Uhr. Wenn er doch käme, sie würbe ihn hören eine Stunde Weges weit, sie würde ihn fühlen, fühlen umso hefti­ger, je mehr er sich ihr nahte. Und wenn er heute nicht tarne, nie mehr kommen wür­de . . .!" Der Gedanke schnürt ihr fast die Kehle zu, ein Frösteln überläuft sie. Und sie neigt sich weiter über die Fensterbrüstung. Der Wind spielt mit ihrem braunen Lockenhaar, die fallenden Tropfen kühlen ihr brennendes Gesicht. Doch horch . . . hallt nicht von fern ein harter Schritt herüber, nähert er sich nicht der Lauschenden? Siedend steigt ihr das Blut zum Herzen, bebend preßt sie die Hände gegen die Brust. Er kommt; bald wird sie das Flü­stern seiner Stimme hören. Die Rosen in ihrem Gürtel, sie sind für ihn. Näher kommt der Schritt, näher, immer näher, gleich muß feine Gestalt um die Ecke biegen. Doch jetzt . . . was ist das? . . . Ferner hallt jetzt der Schall, hallt unb verhallt. . . Unb alles ist wie­der still. . . Noch immer steht die Fremde, ans Fensterftenz gelehnt, die Hände ans pochende Herz gepreßt. Lauter rauscht jetzt der Wind in bett Bäumen, immer dichter fallen die Tropfen, immer schwerer, unb durch den rauschenden Regen tönt's zu der Einsamen herüber: Er kommt nicht mehr. ..

Sonnabend, 13. Juli 1912.

Berchtholb unb Bernstorff werben sich am Te­gernsee ei» Re n b e z v o u s geben. Vielleicht wird bann auch Herr von Bethmann Holl­weg, der in Gastein in ber Sommerirische weilt, der Gast Iswolskis sein und an ber Be­sprechung teilnehmen. Die Gemahlin des nif= fischen Botschafters trifft schon jetzt alle Vorbe­reitungen, um die Gäste würdig zu empfangen.

*

Der Mittelmeerbunb regt sich!

Paris, 12. Juli. (Privat-Tele, g r a tu m.) Wie aus Mariuekreisen mitgeteilt wirb, sollen in Bezug auf bas Flotten- Programm für 1913 zu ben zwei Panzer­schiffen ber ersten Jahreshälfte noch zwei wei­tere zum Herbst in Angriff genommen wer­den. Dieser Beschluß wird in Zusammenhang gebracht mit bett Unterhandlungen, dir zwischen Paris und London gepflogett worden find unb aus denen hervorgegangett ist, daß es notwen­dig fei, daß das französische Mittelmeer- ge s ch w a d e r zum Herbst schnell verstärkt wer­den muß, um. bie Größe der österreichischen unb italienischen Flotte auszugleichen. (S. auch Ar- ttkel: „Die Herren des Mittelmeers" auf der ersten Seite.)