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COler Neuche Nchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Zahrgavg

Fernspttcher 951 und 952.

S 'nntbenb, 13. Juli 1912

Nummer 184.

Fernsprecher 951 und 952.

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Reue Wetterwolke»?

Die Gelbe Gefahr im Fernen Osten; nach der Chinessn-Revolntton: Kriegsgespenster

Depeschen auS Petersburg mel- den: Nach hier eingegangenen Meldun­gen gibt die augenblickliche Lage in China zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß. Die Machthaber der Republik unterstehen völlig dem Einfluß der Pekinger Kriegspartei, die durch einen Krieg mit Rußland die junge Repu­blik im chinesisch-nationalistischen Sin­ne festigen will. In den letzten Wochen hat die fr emdenfeindliche Be- wcgung in China einen äußerst be- unruhigenden Charakter angenommen und auS Santon liegen Nachrichten über eine schwere Hunger-Revo­lution der Bevölkerung vor.

Wilhelm der Zweite hat (im Beginn des vierten Levens-Dezenniums) der Welt die ©«I be Gefahr" auf Leinwand und in Oel vor Augen geführt, und wenn auch die politische Entwicklung der Dinge im Fernen Osten es zum Klugheitgebot hat werden lassen, Europens Völker nicht mehr zum »Kampf um ihre heilig­sten Güter" wider den gelben Mann aufzu­rufen, so ist die Gelbe Gefahr doch nicht gerin. ger und nicht minder drohend geworden. Seit de» Tagen, da aus den weiten Feldern der Mandschurei Rußlands Wehrmacht zusammen­brach, und die russischen Panzer in japanischen Gewässern ein unrühmliches Ende fanden, hat man aus dem fernen Osten kriegerische Kunde qwar nicht vernommen, aber das, was heut vom Osten zu uns herüberhallt, flinzt nicht we- Niger bedeMich: Die Wolke der Mißverständ­nisse zwischen Rußland und China wird immer düstrer und urcheilschwerer, und wenn «s auch in den letzten Wintertagen der Kunst des grünen TischS gelang, bedenklich gehauste Dif- serenzpunkte notdürftig zu beseitigen, so ist da- mit doch keineswegs endgültig Ruhe eingekehrt. Im Zarrnland sowohl als auch im Reich der Mitte glimmt der Funke weiter, der das Pul- verfaß im Nu zur Explosion zu bringen ver­mag, ht den Rüstkammern beider Riesenstaaten klirrt es geheimnisvoll, und durch die sibirischen Steppen schleppen Lokomotiven keuchend «md- lose Züge mit Waffen und Munition zur mand. schurischen Grenze.

In China herrscht gleich slieberhaste Tätig­keit, und die politischen Sterndeuter prophe­zeien nahendes Kriegsgewitter, dessen erste Flammenzeichen bereits am Horizont erkennbar werden. Es bedarf keines besondern Hinweises, daß man sich in China genau darüber klar ist, was es heißt, einen Wasfenzang mit Rußland zu riskieren: Neigt man im Ministerium in Peking trotzdem dazu, dem Drängen der kampflustigen Kriegspartei nachzugeben und dem unbequemen Nachbar den Fehdehandschuh Hinzuwersen, dann muß man auch von der Sicherheit einer erfolgreichen Durchsüh- rung des kriegerischen Unternehmens über­zeugt sein. Seit der Stunde, in der das kleine Japan dem rasch niedergerungnen chinesischen Drachen den Fuß in den Nacken setzte, hat sich auch jenseits der »Großen Mauer" vielerlei ge­wandelt: In den Kreisen der Pekinger Macht­haber kam man zur Erkenntnis, daß man ht Zu­stände, die Jahrhunderte hindurch fast unberührt waren, Bresche legen und dem Geist der neuen Zeit Konzessionen machen müsse. Die Resorm- arbeit hat seit der Zeit nicht geruht und aus verwahrlosten Kohorten, di« einst mit primi­tivstem Kriegs gerät gegen Japan zogen, ist ein Riesenheer moderner Kriegssormation, stra- tegisch-zielbewußt geleitet und kriegstüchtig ausgerüstet Waiden, das sich unter abemdländi. schem Einfluß eine Taktik zu eigen machte, die der der europäischen Staaten nahe kommt: Ein Riesenheer, in dem zwar nicht heiße Liebe zum Vaterland zu große» Taten drängt, sondern der Standpunkt, daß es schmachvoll sei, sieglos aus dem Kampfe heimzukehren.

Dies« wllde Sehnsucht, ruhmbedeckt zu ster­ben, hat Rußland int Ringen mit Japan manche Schlacht verlieren lassen, und sie wird es auch in einem etwaigen Krieg mit China vor eine Ausgabe stellen, der es kaum gewachsen er­scheint. Die russische Armee, die sich im Kriez mit Japan fortgesetzt mutig »rückwärts" kon­zentrierte, erscheint auch in der Zwischenzeit nicht gewachsen an all den Eigenschaften, di« nötig sind, um einen Kamps mit einem im Mut der Verzweiflung erstartten Gegner erfolgreich wagen zu können, sodaß hinreichender Anlaß besteht, der weitern Entwicklung der Dinge im Fernen Osten mit Aufmerffamkeit zu folgen. Es kann weder Deutschland noch dem europäischen

Kontinent überhaupt gleichgültig sein, ob Rutz, lands Stellung mehr noch, als es schon ge­schehen, im Osten erschüttert wird, ganz davon abgesehen, daß ein neuer unglücklicher Krieg das Zarenreich politisch und wirtschaftlich in seinen Grundfesten erschüttern und ernstesten Krisen entgegenführen müßte. Mehr denn je sollten sich deshalb die Diplomaten in Peters- vurg darüber flar sein, daß noch eine lange Reihe von Jahren nötig ist, um das Land eini­germaßen gesunden zu lassen nach all den Fieberschauern, di« es in der jüngsten Aera heimsuchten. Man sagt sich das Wohl auch, aber es gibt Dinge, die man nicht verhindern kann, weil sie ein andrer Starker will, und die junge Republik int Erdosten scheint nun einmal das Bestreben zu haben, ihre Kräfte mit denen Ruß­lands zu messen.

Und während in Peking die Strategen über Kriegsplänen brüten, züngeln im Riesenreich des Drachen die Flammenzeichen der innein Revolution abermals empor: In der Kantonprovinz, wo Hunderttausende sich unter den Qualen langdauernder Hungersnot win­den, hat die Erbitterung des Elends, ausgewie­gelt durch kriegswütige Fanatiker, zu den Waf­fen gegriffen und Geheimkuriere berichten, die Revolution im Kanton-Distrikt sei das Werk japanischer Volksverhetzer, die die Notlage der breiten Masse des chinesischen Volks raffiniert zur Schürung des F remd en- hasses und zur Empörung der Menge gegen die untätige Regierung ausnutzten. Die Diplo­maten des Mikado haben zwar China die »freundschaftlichen Dienste Japans" zur Ord­nung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse ange­boten, aber das Mißtrauen gegenüber dem ge­schäftigen Nachbar ist auch in China so stark (und offenbar auch so berechtigt), daß man in Peking das freundschaftliche Anerbieten höflich, aber bestimmt abgelehnt hat. Sicher nicht ohne Grund, denn Japan sucht seit seinem Aufftieg zur Großmacht unablässiz Gelegenheit, China seinem Einfluß zugänglich zu machen. Das Rie­senreich der Republik im Fernen Osten sieht sich also zwffchen drei Feuern, die ihm alle gleich gefährlich werden können: Rußlands Vordrin­gen im Fernen Osten, Japans Politik der Be- unruhigung und die neue Hunger-Revolution int Innern. Was aus dieser dreifachen Gefahr als nächster Schrecken herauswachsen wird, läßt sich im Augenblick nicht übersehen, sicher aber ist, daß die »Gelbe Gefahr" zurzeit bedroh­licher scheint, als je seit dem Tag, da Wil­helm der Zweite sie auf Leinwand skizzieren ließ ...! F. H,

Sturm im Belgier-Parlament!

Parlamentskampf und Abgeordneten-Duell.

(Privat-Telegramm.)

Brüssel, 12. Juli.

In der gestrigen Sitzung der belgischen Kammer kam es zu großen Tumulten. Zu­nächst hielt der alte Reaktionär 28 o e ft e etne Rede, in der er der Linken vorwarf, sie habe lediglich aus Stoffmangel die Auseinanderset­zungen über Wahlkorruption heraufbe­schworen. In einer großangelegten Rede schil­derte daraufhin der liberale Führer Hymans das klerikale Verleumdungssystem, mit dem im Wahlkampf gegen die Linke gearbeitet wor­den ist. Als er dabei verlangte, daß der Kleri­kale B riff aut die in Roulers geäußerten Worte: »Nicht alle Antiklerikalen sind Spitz­buben, aber alle Spitzbuben sind an­tiklerikal!" zurücknehmen solle, brach ein Sturm der Entrüstung gegen Briffaut los. Von Sozialisten wurden Bnffaut Worte wie »Elender" und Schmutzfink" entge- gengeschleudert. Später wurde ein ähn­licher Tumult dadurch enffesselt, daß Briffant sich weigerte, die Be­leidigung zurückzunehmen. Beernaerdt wollte nun seinen Präsidentensessel verlassen, um wie­derum die Sitzung aufzuheben, stand aber schließlich, als ihm von verschiedenen Seiten zugerufen wurde:Sitzen bleiben!" da­von ab. Der Sozialist Vandervelde erklärte dann das Verhalten Briffauts für gehässig, feige und lächerlich. Der weißbärtige Antwerpener Liberale Dellaux und der Brüsse­ler Liberale Monville schickten nach Schluß der Sitzung Briffaut ihre Zeugen. Briffaut nahm die Forderung an und es verlautet, daß der Zweikampf bereits an einem der nächsten Tage ausgefochten werden soll.

Ich bin ein deutscher Bürger!

Ausweisung der Deutschen a«S Tarudant.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 12. Juli.

Nach einer Meldung auS M o g a d o r (Ma­rotta) hat der Gegensultan Achmed el Hiba einen Kalifen nach Tarudant, wo sich eine Nie derlaffung der GebrüderMunnesmann

befindet, gesandt, um die Verwaltung der Stadt zu übernehmen. Tort angelangt, erteilte ter Gouverneur den dort ansässigen Deut­schen den Befehl, innerhalb zwölf Stunden die Stadt zu verlassen. Er bot ihnen zur Sicherheit eine Eskorde von fünfzehn Rei­tern an. Diese Deutschen, deren Zahl noch nicht bekannt ist, waren die einzigen Europäer in Tarudant. Sie befinden sich jetzt wahr­scheinlich schon auf dem Wege nach Agadir. (Man darf gespanwt darauf sein, was die deut­sche Reich src gierung angesichts dieser brutalen Vergewaltigung deutscher Reichsangehöriger in Marotto tun wird.)

Die Herreu des Mittelmeers.

Dach'Geheimnis des Palazzo Farnese.

Sir Edward Grey, Englands Minister des Aeußern, hat am Mittwoch im englischen Un- terhaus sich in sehr optimistisch gehaltenen Wor­ten über die gegenwärtige internationale Lage und namentlich über die deutsch-engli­schen Beziehungen ausgesprochen, und wenn man Sir Edward glauben dürste, blaut zurzeit der Himmel über der alten Erde ohne ein einziges Wölkchen. Aber der britische Mi­nister hat -ein Bild gezeichnet, das in Wirklich­keit . . . gar nicht existiert, und es ist jedenfalls charäktcristisch, daß selbst -englische Blätter vom Schlage des Daily Chronicle von der vor­gestrigen Rede Greys wie von einer in Ver­legenheitsphrasen -gedrechselten »diploma­tischen Weisheit des Augenblicks" sprechen. Wichtiger als das sommerliche Ge­plauder Grevs ist also wohl die andre »Sen­sation des Tages": Die Wirklichkeitwerdung des neuen Mittelmeerbundes, in dem England, Frankreich und Italien sich brüder­lich einen. Die Vorgeschichte und Einzelheitm der Mittelmeer-Älbmachungen sind mehr als in­teressant: Sie sind einfach sensationell! Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:

Rom, 12. Juli.

(Telegramm unserS Korrespondenten-)

ES war am zwanzigsten September des Vor­jahrs, als auf der deutschen Botschaft in Rom die offizielle Anfrage einlief, ob die Gerücht«, die von naher Verwirklichung italie­nischer Kriegsprojeft« zu melden wußten, aus Wahrheit fußten. Die Antwort, die in der Ber­liner Wilhelmstraße einlief, lautete: Hirn - gespimste!" Ein Paar Tage später wehten schon italienische Flaggen vor Tripolis ... Die Regierungen von Frankreich und England wußten schon vierzehn Tage vorher, daß -die Tripolisprojekte Italiens keine Hirn­gespinste waren, denn am zehnten September hatte im Palazzo Farnese in Rom bei Camille Barere, dem französischen Botschafter, ein Herrenabend" stattgefunden, dessen Teilnehmer außer Barer« Sir John Renell Rodd, Eng­lands Botschafter an der Tiber und der italie­nische Auslandsmini st er war. An diesem Abend wurde -das Projekt der kommenden Aktionen entworfen. Sir Rodd war der Manager. Als er spät nachts in seinem Heim in der Via Venti Settembre angekommen war, verfaßte er noch den Bericht für London, der über

das Gelinge« der Besprechungen frohlocken konnte. Und England weiß, warum es das Tripolisfeuer mit angezündet und geschürt hat. Es hat allen andern geschadet, um sich zu nützen. Es hat bewirkt, daß Deutschlands Einfluß in der Türkei geschwächt und Italiens Freundschaft zu Deutschland ge­trübt ist. Es hat Italien in politische und fi­nanzielle Sorgen gestürzt, in denen es ewig auf En^aR'ds Hilfe wird reflektieren müssen. Es hat der Zersetzung der Türkei neue Impulse gegeben und sich dadurch weitere Hy­potheken für die Aufteilung des Osmanenreichs gesichert. Und es -hat Frankreich in neue Komplikationen verwickelt, ht denen es eben­falls immer englische Hilfe brauchen wird. Da­durch, daß es sich erneut die Gefolgschaft Ita­liens und Frankreichs sicherte: Dadurch hält England schließlich auch Oesterreich-Un. garn in Schach, dessen weitere Flottenbauten es mit Recht fürchtet. Nun hat es das Gewebe seiner Fäden zu festen Vereinbarungen verdich­tet: Zu dem Mittelmeerbund. England hat da­durch seine Position nach allen Richtungen hin gefestigt: DaS ist

die Bedeutung des Bündnisses.

Zwei Punkte brauchte England nur sich stra­tegisch zu sichern, um feine Weltstellung zu er­halten: Der eine ist die N o r d s e e, der ander« das Mittelmeer. Die Nordsee beherrscht es, nachdem es dort sein« ganze Flotte konzen­triert hat. Und di« dadurch entstandene Schwä­chung feiner Kräfte im Mittelmeer hat es nun durch den Mittelmeerbund wieder aus­geglichen- Das heitzt, daß es in Zukunft feine

südöstlichen Interessen, feine Herrschaft in Egypten, im Suezkanal und in Indien auf lange Zeit hinaus wiederum fest gepan­zert hat. Und das vollzog sich, ohne daß die zünftige deutsche Diplomatie eine Ahnung davon hatte. Es vollzog sich so, daß der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, rechtzeitig auf das kommende Mittelmeerbünd. nis aufmerksam gemacht, diese Warnungen glaubte verspotten zu müssen. So hat Herr von Kiderlen Wächter eines der wichtig­sten strategischen Geschehnisse der neuen Welt­geschichte verpaßt. Nun bleibt nur noch die Hoffnung, daß es dem Baron Marschall ge­lingt, in London noch gut zu machen, was gutzumachen ist. *

Die Flottenmanöver in der Nordsee.

Ein Privattelegramm berichtet unS aus Dover: Neunundzwanzig Kriegsschiffe, die im Hafen von Dover liegen, erhalten ge­stern den Befehl, mitsamt den ihnen zugeieil- ten Torpedobooten zu den Flottenmanö­vern in der Nordsee abzudampfen. Diese Kriegsschiffe bilden die fogenannte »rote Flotte". Die Abfahrt zu den Manövern wird bereits im Laufe der nächsten Tage erfolgen,

Sie Mer der Hitze.

Sommerliche Höllentage in Nordamerika" zahlreiche Personen erkrantt und ge­storben; die Hitze nimmt noch ständig zn k

Wie im Vorjahr, so ist auch diesmal wieder Nordamerika im Beginn des Sommers von einer furchtbaren Hitzewelle heimze- suchi worden, die in diesem Jahr sich sogar ver­hängnisvoller bemerkbar macht und schlimmere Wirkungen -hervorrust als im letzten Sommer. Die Ernte ist stark bedroht und die Zahl der Unglücksfälle und Menschenopfer infolge der Hitze vermehrt sich in erschreckender Weise. Wir erhalten darüber folgende Meldungen:

Newyork, 12. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Die Hitzewelle bauert mit einem ganz geringen Nachlassen weiter an; ihre viertägige Dauer hat die Widerstandskraft der Bewohner sehr geschwächt. Es bestehe« noch keine Aus­sichten auf einen ausgiebigen Regen oder einen kräftigen Wind. Ein« ganze Anzahl der Stadt- bewohner schläft die Nacht hindurch in ben Parks. Die Hitzewelle ähnelt bet vorjährigen, Vie durch den gestrigen Höchststand aber noch übettroffen wurde. Mehrere Personen verfielen in Wahnsinn oder nahmen sich daS Leben. Gestern starben wieder zehn Per- sonen am Hitzfchlag. Neber zweihundett Personen erkrankten durch die Hitze und mußten sich in ärztliche Pflege begeben. Alle HospitS. ler sind überfüllt, dabei ist kein Wetterumschlag zu erwarten. Im Gegenteil wirb für bi« näch- ften Tage noch eine Steigerung ber Hitze vorausgesagt. Die östlichen Staaten Hagelt be­reits über Wassermangel. Die Ernte ist burch bie Hitze sehr beeinflußt. In Rewyott schwankt bie Temperatur zwischen neunzig bis hunbert Grab Fahrenheit. Alle Maßnahmen ber Ge- sunbheitspolizei erweisen sich als erfolglos an­gesichts ber anbauernben Hitze unb ber Bevöl­kerung, bie die Nächte fast ausnahmslos im Freien oder auf den Dächern der Häuser ver­bringt, hat sich eine förmliche Apathie be. mächtigt. Gestern abend wurde die furchtbare Hitze vorübergehend durch ein Gewitter ge, mildert; sie setzte dann aber sofort von neuem ein und es scheint, daß die nächsten Tage noch eine Steigerung ber Temperatur bringen werben.

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Die Hitze in Berlin.

(Privat-Telegramm.)

Aus Berlin Wird uns berichtet: In bet Nähe der Michael-Brücke Werden an einer Reibe von Straßenbahnmasten, die sich an der Spree entlang ziehen, Ausbesserungsarbeiten vorge­nommen. Einer der dabei beschäftigten Arbei­ter, ein dreiundzwanzigjähriger Maurer, wurde gestern nachmittag plötzlich von einem Hitzfchlag betroffen und stürzte in die Spree. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, ge- lang es nicht, den Mann bett Fluten zu entrei­ßen. Es ist höchst wahrscheinlich, daß der Maurer in den Fluten einen Herzschlag er­litten hat und sofort untergegangen ist.

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Brandkatastrophe infolge der Hitze.

(Privat-Telegramm.)

Depeschen aus Halifax melden: Die End­station der von Halifax nach der Straße von Canso führeuden Eisenbahn ist gestern nachmit, tag durch Feuer zerstört worden. Di« Eisenbahngebäude, die Piers, etwa zwanzig Wagen, zwei Hallen und mehrere Wohn- und Geschäftshäuser sind vollständig verbrannt. Die auf der anderen Straße von Canso, der