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Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 183.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 12. Zutt 1912.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Sentimentalität...?

Llugspende und Sentimentalität; ei« Mahnwort an die deutsche Nation, von

Exzellenz Graf von Poeadowsky

Mitglied des R e ich stagS.

Eine Hemmung der Bestrebungen der deut, scheu Nation a lflu gsp end e, deren glän­zende Ergebnisse im Ausland großen Eindruck gemacht haben, ist jüngst von Wissenschaft- licher deutscher Seite versucht worden, indem an vielgelesener Stell« darauf hingewtesen wurde, daß die Flugzeuge etnersetts nur Sportwelt und zum andern nur militärische Bedeu- tung haben könnten. Ihre militärische Ber- Wendung könne aber nur dazu dienen, jede Krieg Sführung noch barbarischer zu machen. ES erscheint nun geboten, diese Einwände ein­mal einer prinzipiellen Klärung zu unter- ziehen, waS Exzellenz Graf Posadowsky, der Prästdent de» Reichskomitees für die Ratio- nalstugspende, in dem nachfolgenden Arttkel in sachlich-ernster Weise unternimmt.

Von technischer Seite hat man kürzlich davor gewarnt, zu große Hoffnungen aus den prak­tischen Wert der Flugmaschinen zu setzen. Man hat dt« Flugtechnik vorzugsweise als einen Sport bezeichnet und ihr verhältnismäßig geringe allgemeine Bedeutung zugesprochen. Schließlich wurde die Frage gestellt, oL nun ge­rade Nattonalslugsp enden notwendig seien, um sür einen solchen vorzugsweise dem Sport dienenden Gegenstand Gelder zu häufen. Für Kundschafferdienste bezüglich der Stellung des Feindes könnten die Flugmaschinen unter Umständen zwar von -großem Nutzen sein, es fei aber Sache der Heeresleitungen, ste weiter auszubilden. Gegen diese Ausführungen muß tm Interesse der weitern technischen Ent­wicklung des Flugwesens entschiedener Widerspruch erhoben weiden. A-uch das Fahrrad war zuerst, lediglich ein Gegenstand des Sports und hat durch den Sport hin­durch seine gegenwärtige ungeheure sozial« Bedeutung im Verkehrsleben errungen. Die vom Staat unterstützten Pferderennen dienen scheinbar auch nur dem Sport, aber sie haben ein« hohe Bedeutung für die Entwicklung der Pferdezucht, für die Veredelung der Rasse und dienen damit wichtigen Interessen nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch des Derkehrs- lebens und vor allem der Landesverteidigung. Der Bau und die Verwendung der Flugmaschi­nen im freien Wettbewerb haben nicht nur zur Verbesserung der Maschinen selbst, sondern auch zur Ausbildung der Flieger und zur Samm­lung von Erfahrungen über di« atmosphärischen Einflüsse aus den Gang der Flugmaschinen außerordentlich beigetragen und es ist sicher, daß ohne die Veranstaltung von WettM-zen und die Gründung von Prämien für solche Wett­flüge sich weder die deuffche Flugzeugindustrie im bisherigen Umfang entwickelt hätte, noch die Flugtechnik auf ihre jetzige Höhe gelangt wäre.

*

Flugproblem und Verteidigung.

Die militärische Bedeutung des Flug­wesens ist unbestritten anerkannt: Eine ein­zige von einer Flugmaschine aus durchge- führte erfolgreiche Rekognoszierung kann ent­scheidend für den Ausgang einer Schlacht sein. Würden alle Nationen solche Opfer für die Ent­wicklung des Flugwesens bringen, wenn sie die Flugtechnik vorzugsweise nur für einen Sport hielten und nicht von ihrer weiteren Entwick- lungsfähigkett und ihrer Bedeutung überzeugt wären? Hat doch Frankreich tm laufenden Etat zwanzig Millionen und vierzehntau- send Francs für das Flugwesen ausgesetzt und sind grade dort doch auch erhebliche pri­vate Mittel für den gleichen Zweck aufge­wendet worden. Es wäre verfehlt, die technische Entwicklung des Flugwesens und die Ausübung der Flugtechni? lediglich der Für­sorge des Staates überlassen zu wollen. Grade im f r «i« n Wettbewerb der Fabriken und der privaten Flieger liegt der Keim der fernem Entwicklung dieser ganzen Technik! Das Mo­ment finanziellen Interesses muß aber hinzu, treten, um eine solche neue Technik von den ver­schiedensten Angriffspunkten aus weiter auszu­bilden und Fabriken und Ingenieure für dieses Ziel zu interessieren. Der Pessimismus (wie er gegen diese neue Ersindung in sentimentaler Weise geltend gemacht ist) erscheint also ganz ,'md gar nicht angebracht, die Förderung einer Technik zu begünstigen, von der selbst zuzestan- den ist, daß sie für Kundschafterdienste bezüglich der Stellung des Feindes linier Umständen von großem Nutzen sein kann. Haben doch nam­hafte Gelehrte vor der ersten Erprobung der Flugmaschine mit großer Entschiedenheit erklärt, daß die Kunst des Fliegens ein hoff­nungsloses Problem sei, und trotz­dem ist es geiunaen. _ diele Maschinen, die

schwerer als di« Lust sind, freischwebend im Weltenraum zu bewegen, Tausende von Me­tern mit ihnen über die Erdoberfläche emporzu- fteigen und fo gewaltige Strecken, wie von Pa­ris nach Madrid, von Paris nach Rom, von Berlin nach Wien in unglaublich kurzer Zeit zu­rückzulegen. Und alle diese Erfolge sind in wenigen Jahren erreicht worden, nach­dem man von technischer Seite die Kunst des Fliegens als einunlösbares Problem" ge- ächtet hatte.

*

Die Aufgaben der Flugspend«.

Inwieweit die Flugmaschinen im Kriege auch als Angriffswaffe zu dienen haben werden, bleibt der Beurteilung der militärischen Stellen überlassen. Obgleich nicht recht zu er­kennen ist, welcher Unterschied vom Humani­tären Standpunkt aus darin besteht, ob Wurfgeschosse in der vertikalen oder der horizontalen Richtung geschleudert wer­den, ob ein Torpedo von unten oder eine Bombe von oben wirkt, so wäre gewiß eine internationale Vereinbarung in dieser Beziehung sehr erwünscht, da es im In­teresse der Menschlichkeit liegt, die Endzwecke des Kriegs mit möglichster Schonung von Men­schenleben und Eigentum zu erreichen. Das Eine steht jedenfalls fest: Di« Wugmaschinen sind eine so wunderbar« Erfindung der Technik und haben sich in wenigen Jahren in einer solchen Weise vervollkommnet, wie wenig Maschinen in gleich kurzer Frist, und ste stellen so weite Möglichkeiten für ihre Benutzung in Aus­sicht, daß das gesamte Volk hoffnungs- fr eu d i g die neue Erfindung mit wohlwollen­dem Interesse begleiten sollte. Den Mehltau äng st licher Warnungen auf eine so viel­versprechende Ersindung herabträufeln zu las­sen, scheint wenig angebracht, wenn man von der Erfindung wichtige militärische Dienste im Interesse der Landesverteidigung er­hofft. Die Gründe, die gegen die Flugtechnik geltend gemacht werden, könnte man mit dem­selben Rechte gegen die F l u g s ch i f f« «inwen- den; auch sie sind bis zu einem gewissen Grad von atmosphärischen Einflüssen abhängig. Die nationale Flugspend« soll aber grade dazu die­nen, die Flugtechnik widerstandsfähiger gegen diese Einflüsse zu machen; ihre Mittel werden 'dazu dienen müssen, verbes­serte Maschinen und neue Erfindungen zu prämiieren, Flieger maschinentechnisch und flug­technisch gründlich auszubilden, Preise für er­folgreiche Flüge zu gewähren, geeignete Stütz- und Landungspunkte etappenmäßig zu schaffen, und schließlich auch die Zukunft der Flug, techniker zu sichern. S o nur kann die Flugtech- nik «ine Entwicklung erfahren, die für die Be­dürfnisse der Landesverteidigung eine sichere Grundlage bietet. Ob sie auch für andre Zwecke mit wirtschaftlichem Erfolg verwendet werden kann, darüber zurzeit ein Urteil abzu­geben, wäre voreilig und gewagt, denn di« mo­derne Technik hat uns manch« überraschenden Erfindungen gebracht, di« man noch vor einem Jahrzehnt nicht ernstlich erhoffen durfte!

Bethmann Hollweg Triumphator? Alle Hoffnung«« übertreffender Erfolg".

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Petersburg meldet, erfolgte gestern abend nach dem Abschiedsdiner beim deutschen Bot­schafter Grafen Pourtalös um elf Uhr die Ab­reise des Reichskanzlers von Bethmann Holl­weg nach Moskau. Sein Aufenthalt dort wird nur zwei Tage dauern. Von Moskau an tritt dann der Kanzler die Heimreise an. Herr von Bethmann Hollweg soll übrigens auf der Ruß­land-Fahrt bedeutsame Erfolge erziÄt haben. Sein Bewunderer ist diesmal Herr von Kiderlen-Waechter, der in Kissingen bett Heilbrunnen schlürft. Wir erhalten folgende Meldung:

Bad Kissingen, 11. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Staatssekretär von Kiderlen-Waechter unter­hielt sich gestern mit den Herren der Kissinger Magistratsdeputation, die ihm anläßlich seines sechzigsten Geburtstages die Glückwünsche der Stadt überbrachte, auch über die Peters­burger Reise des Reichskanzlers und er- klärte, daß die Besprechungen des Herrn von Bethmann Hollweg mit den russischen Staats­männern einen glänzenden, alle Hoff­nungen übertreffenden Erfolg ge­habt hätten. Welcher Art der Erfolg des Kanz­lers ist, den Herr von Kiderlen-Waechter so zu­versichtlich alsalle Hoffnungen übertreffend" feiert, ist vorerst nicht bekannt geworden, man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß es ück hierbei um die ichwebcnden Stagen des,

internationalen Politik, und jeden­falls auch um das Tripolis-Problem handelt, in denen der Kanzler (wenn Kiderlens Auffassung zutrifft) offenbar eine deutsch- russische Verständigung erzielt hat.

Kiderlens sechzigster Geburtstag.

Wie uns weiter aus Kissingen berichtet wird, beging dort gestern ber Staatssekretär von Kiderlen-Waechter in ausgezeich­neter Frische die Feier seines sechzigsten Ge, burtstages. Der Magistrat überbrachte durch eine Deputation die Glückwünsche der Stadt unter gleichzeitiger Ueberreichung von Blumen­arrangements. Zahlreiche Glückwunsch - Tele- grammme trafen aus dem In- und Ausland beim Staatssekretär ein.

Sie Bosporus-Sensation.

Der Rücktritt des türkischen Kriegsmi«ifiers.

Wie wir schon mitzeteilt haben, ist der tür­kische Kriegsminister und Generalissimus der tückischen Armee, Mahmud Schewket Pascha, von seinem Posten als Kriegsmini­ster zurückgetrefen und wird als Nachfolger wahrscheinlich Nazier Pascha erhalten. Mah­mud Schewket Pascha erklärt in seinem Rück­trittsgesuch an den Großwesir, er halte es für richtig, daß ein anderer das Gesetz durchführe, das sich gegen die politische Betätigung irt der Armee richte. Er fühle sich nach dreijähriger Ministertätigkeit ermüdet. Der Sultan er­nannte Schewket zum Senator. Mit der vor­läufigen Verwaltung des Kriegsministeriums wurde der Marineminister beauftragt. Weiter wird uns gemeldet:

Konstanftnopel, 11. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Mit dem Rücktritt des Kriegsministers wurde in unterrichteten Kreisen bereits seit Monaten gerechnet. Wenn Mahmud Schewket erst jetzt seine Demission erbat, so geschah es, weil das jungtückrsch« Komitee ihn immer wieder »um Ausharren ersuchte. Das Komitee tat dies nicht leichten Herzens. Wußte man doch, daß die Gesundheit des Kriegsministers keineswegs sehr gefestigt war. Höher als irgend jemand schätzen di« Jungtürken das Leben und di« Ge- snndhett dieses trefflichen Mannes, und die Wertschätzung entsprach der Wunsch, ihn dem Vaterland und der osmanischen Sache so lang« und so rüstig wie nur möglich zu erhalten. Die­sem Wunsche widersprach aber nur zu sehr die Kenntnis der auf seinen Schultern ruhenden Arbeitslast, deren Größe schon dadurch zum Ausdruck kommt, daß ein Drittel des Budgets auf di« Heeresverwaltung entfällt. Bei der Be­rufung Schewket Paschas in den Senat ist es denn wohl auch beabsichtigt, ihn an di« Spitze der di« Landesverteidigung betreffen­den Abteilung zu stellen. Der Marineminister Churschid Pascha, der provisorisch das Portefeuille Mahmuds übernommen hat, war erster Adjutant des Sultans und ist ein treuer Anhänger des Komitees. In den Wandelgän­gen der Kammer gaben verschiedene Abgeord­nete ihrem festen Entschluß Ausdruck, die Re­gierung zu veranlassen, den KriegmitJta- lien bis zum Aeutzersten fortzusetzen.

*

Friedens- und Kriegsgefliisier.

(Privat-Telegramm.)

Aus London wird uns berichtet: In englischen, gut informierten Kreisen geht das Gerücht, daß Unterhandlungen »wi­sche« Rom und Konstantinopel im Gan­ge find, einen FriedenSschlutz zwischen den beiden Staaten herbeizuführen. Es wird darauf hingewiesen, daß die augenblicklichen Schwierigkeiten, mit denen die türkische Regie­rung zu kämpfe« hat (Albaneraufstand, Mo- nasttr imd Kammerwirren) die Pfotte veran­lassen werden, einen versöhnlicher« Standpunkt einzunehme«, als es bisher der Fall war. Im Gegensatz zu dieser FriÄensmeldung steht al­lerdings eine Nachricht aus Ko nstantino - p e l, derzufolge gestern nach einer patriotische« Rede des Finanzministers die Kammer fast ohne Debatte die KriegSsteuex genehmig­te, von der man sich einen Ettrag von etwa zweiundvierzig Millionen Mark verspricht, und die ausnahmslos für die Fort­setzung de SKrieges Verwendung finde« solle«.

Blutige EtreiNllmpfe in London!

Nene Arbeitskämpse in den Docks.

(Privat-Telegramm.)

London, 11. Juli.

Zwischen Streikenden und Arbeitswilligen kam es gestern nachmittag zu einem erbit­terten und blutig en Kampf vor den S' Cammei'sal Docks. Als etwa zwei­

hundertfünfzig Arbeiter aus den Docks kamen, wurden sie von Streikenden belästigt. Da nur wenig Polizei zur Stelle war, entwickelte sich ein wüstes Handgemenge zwischen den beiden feindlichen Parteien, die bald auf etwa taufend Mann anwuchsen. Die Arbeits­willigen befanden sich in der Ueberzahl und griffen schließlich zu R e v o l v e r n, mit denen sie blindlings auf die Streikenden feuerten. Mehrere von ihnen wurden verwundet, vier davon schwer verletzt. Ein Gasthaus und ein Cafsladen wurden völlig demoliert. Nach­dem der Kampf fast eine Stunde gedauert hatte, gelang es dem energischen Eingreisen der ver­stärkten Polizeitruppe, die Kämpfenden zu zer­streuen.

Um einen Königsthron!

Die Gegenrevolution in Portugal; die Stadt Braga in Flamme«; erbitterte Kämpfe bei Chaves; dreihundert Tote «nd Verwundete.

Die Gegenrevolufion in Portugal ist entge­gen aller offiziösen Beschwichtigungen noch nicht nisdergeworfen. Heute liegen wieder sehr ernste Nachrichten vor, die erkennen lassen, daß die Revolutionsgefcchr noch lange nicht be­seitigt ist, sondern sich sogar verschärft hat. An ber spanischen Grenz« dauern di« Zusammen­stöße »wischen den Monarchisten und den repu­blikanischen Truppen fort. Besonders in Ha­tz e c e i r a fanden gestern heftige Kämp­fe statt, in denen di« Royalisten sieg- reich gewesen zu sein scheinen. Das vierte Infanterie-Regiment ist in Eilmärschen nach jener Gegend unterwegs, um dort die Ruhe wiedecherznstellen. Wettere Depeschen melden:

Lissabon, 11, Juli.

(Privat-Telegramm.)

Die Stadt Braga steht in Flammen. Um allen Eventualitäten zu begegnen, hat nur« an Safenern zahlreiche Matro sen ge­landet, da man einen Angriff der Monar. chisten erwartet. In Portugal ist man über die Ausdehnung des monarchistische« Puffches sehr aufgeregt, und eS ist sicher, daß die Gefahr bedeutend gr ö tz e r ist, als sie von der Re­gierung hingestellt wird. Bei Chaves haben die Monarchisten angeblich große Verluste erlitten. Man schätzt die Zahl be« Toten und Berwu nbeten während der letzten Tage auf dreihundett Mann. Der Kampf um Chaves wurde mit großer Heftigkeit geführt und dauerte von acht Uhr morgens bis zwei Uhr mittags ohne Unterbrechung an. Die Monarchisten führten ihren Angriff in zwei Abteilungen aus. Die eine versuchte das Dorf MairoS zu nehmen, sie wurde aber zurückge­schlagen und mußte auf spanisches Gebiet flüch­ten. Die andere Abteilung stand unter dem Be­fehl des Hauptmanns Coneeiros und vereinig­te sich bei Verin mit royalistischen Anhängern, die aus Montalegr« herbeieilten. Aber auch diese Abteilung mutzte nach einem heftige« Kampf sich zurückziehen. Auf feiten der repu­blikanische« Truppen wurden zwei Offiziere verwundet. Etwa 150 Royalisten ergaben sich der Militärbehörde. Wie aus Chaves wei­ter gemeldet wird, befindet sich unter den im dorttge« Krankenhause untergebrachten verwun­deten Royalisten auch der Sohn des Grafen A r e o S, der so schwer verwundet ist, datz sein Ableben stündlich erwartet wird.

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Der Belagerungszustand beschlossen.

Wie uns aus Lissabon gemeldet Wird, gab in ber gestrigen Kammersitzung ber Mini­sterpräsident die Nachricht von dem Schei­tern ber royalistischen Bewegung bekannt. Alle Mttglieder des Parlaments brachen in lebhafte Hochrufe auf bie Republik Portugal aus. Die Kammer faßte dann einstimmig unb ohne Diskussion den Beschluß, die Regie­rung aufzufordern, die jetzigen konstitutionellen Garantien unter allen Umständen aufrecht »u erhalten unb in Gegenden, in denen es not­wendig sei, den Belagerungszustand zu verhängen. Hiervon sollten besonders Bra­ga, Castella, Aianna unb Villaria betroffen werben.

Sie Memoiren einer Fron-

Rom in de« siebziger Fahre«; die Gatti« des englische« Botschafters; der junge Len- bach; König Humberts Traum und Ideal.

(Von unferm Mitarbeiter.)

Einen fesselnden Einblick in das diplonw- tische und das gesellschaftliche Leben Roms zu Beginn der siebziger Jahre gewähren die Lebenserinnerungen, die Lady Paget, bie Frau des damaligen englischen Botschafters in Rom, soeben im LondonerNineteenth Cen­tury" veröffentlicht. Lady Paget war von Ge­burt Deutsche, eine geborene Gräfin Hohen- thal, die lange Zett als Hofdame in der umnit- telbaren. Umgebung der Kxonv.rrn»«JLliJt