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Casseler NM Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 176,

2. Jahrgang

Donnerstag, 4. Zutt 1912

Fernsprecher 951 und 952.

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dem furchtbaren Zusammenstoß getötet und sünfundzwanz ig verletzt. Das litt, glück wurde dadurch verursacht, daß die Stra­ßenbahnwagen das Geleise der Eisenbahn überfuhren, trotzdem der Schnellzug aus lencia signalisiert war. Der Wärter hatte v e r- g e ss e n, die Schranke zu schließen.

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Katastrophen ohne Ende!

Ein Eisenbahnunglück in Spanien.

(Privat-Telegram m.)

Regierung sammelt in aller Eile Truppen, die unverzüglich gegen die Grenze abrücken sollen. Es geht sogar das Gerücht, daß Exkönig Manuel sich mitten unter den Verschwörern befinde und die Operationen persönlich leite.

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Baktlsch-Pott in Mland.

Der Ort des Kaiser-Rendezvous; hohe Po« litik in stiller Einsamkeit; Baltisch - Port, seine Entwicklung,Bedeutung«.Geschichte.

(Von unferm Mitarbeiter.)

Petersburg, Anfang Juli.

Kaiser Wilhelm und Zar Rikolauj werden sich auf der Höhe von Baltisch-Port treffen und hier auch an Land gehen. Bal- ti sch -Port liegt in Estland im Eingänge des Finnischen Meerbusens. Es ist ein kleines Nest.von kaum rwölibundert Einwob-

AsaPfitzuer: KneTragödie!

Spionin aus Rot r Zwölf Jahre Ehrverlust!

Es scheint, daß wir zurzeit dieHochsaison" der Spionageprozesse durchleben. In den letzten drei Monaten standen vor deutschen Gerichten vierzehn Personen unter der schweren Anklage des Verrats am eignen Va­terland. Das Strafgesetz gebietet, dm Spion die ungeminderte Härte des Gesetzes fühlen zu lassen, und man kann es also nur billigen, wenn in den Urteilm strafender Gerechtigkeit der Wille des Rechts zum Ausdruck kommt, nicht nur das Verbrechen zu ahnden, sondern auch durch die Schwere der auferlegtM Buße abschreckend zu wirken. Wir leben in einer Zeit allgemeinm politischen Mißtrauens, deren bängliche Unsicherheit durch die klang- reichsten Bankettreden und die kunstvollsten Friedensphrasen nicht gemindert werden kann, und in dieser Zeit des Unbehagens spielt die Spionage eine ganz besondre, wenn auch nicht sehr erfreuliche Rolle. Ein Staatsmann, des­sen Ethik Lauterkeit sonst von keinem Zweifel angetastet werdm darf, hat einmal sehr ernst­haft gesagt, ohne Spionage sei rechtschaffne Politik von Volk zu Volk Nicht möglich; man verurteile das System zwar als notwendiges Uebel, schätze indessen den Effekt als unent- behrlichees Betriebmittel im Völkerhandel. Man sieht also: Die Moral hat hier zwei Seiten beide gleich unerfrmlich, beide gleich zweifel­haft in Wesen und Wert.

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Madrid, 3. Juli.

In Grao in bet Nähe von Valencia über, rannte gestern abend ein Eisenbahnzug an einem Straßmübergan-z drei Straßen- ba hnwagen, Sechs Personen wurden bei

Drei verhängnisvolle Minuten.

Fünfundvierzig Millionen Mark Schade«!

Die Nachrichten, die heute über den verhee- : renben Wirbelsturm in Kanada vor- : liegen, geben der Katastrophe eine ganz unge, heute Ausdehnung. Der Wirbelsturm in Re­gina dauerte nur drei Minuten und rich­tete einen Schaden von elf Millionen Dollars an, das sind etwa fünfundvierzig Mil­lionen Mark. In der Stadt wurde das Kriegsrecht verkündet. Dreitausend Mensch en sind ob dach lo s. Wie ftircht- bar der Orkan gehaust hat, geht aus nachstehen­den Meldungen hervor:

Rewyork, 3. Jnli.

(Privat-Telegramm.)

Depeschen aus der vom Wirbelsturm fast ganz zerstörten kanadischm Provinzialhaupt­stadt Regina melden über die furchtbare Ka­tastrophe folgende Einzelheiten: Es war Vier Uhr nachmittags, als große schwarze Wolken am Horizont auftauchten. Die Stadt selbst war feierlich geschmückt, da man gerade das Fest' Dominikanus feierte. Um sechs Uhr setzte der Sturm ein. Der Orkan wütete zu An­fang besonders in der Hamiltonstreet im Osten und in der Albertstreet im Westen der Stadt, wo sich die Banken und Geschäftshäuser befin­den. Das ParlamentSgebäude, das südlich des Wasenasees liegt, wurde fast voll­ständig nie der gerissen. Zahlreiche Personen, die sich auf dem See befanden, sind ertrunken. Kleinere Schiffe, die sich auf dem See befanden, wurden von dem Sturme fortgerissen und eine Meile weit entfernt, auf dem Mktoriaplatz, wiedergefunden. Der Wir­belsturm änderte nun feine Richtung und suchte das vornehme Viertel heim. Die Vil­lenstraßen der dreizehnten, vierzehnten, fünf, zehnten und sechzehnten Avenue, die Verwal­tungsgebäude und die großen Kirchen, die sich in der dortigen Gegend befanden, wurden vollkommen vernichtet. - Auch die Schienenstrecken der Canadian Pacific Rail- wah wurden ebenfalls aufgerissen. Zwölf große Getreidespeicher stürzten ein, viele Menschen unter sich begrabend. Die Kirchen der Methodisten, Baptisten und Pres­byterianer sind ebenfalls vollständig zerstört worden . Das Haus des Vereins christlicher junger Männer war auch bald nur noch ein einziger Trümmerhausen, in dessen Steinmassen viele Menschen den Tod gesunden haben.

Mehr al« tausend Menschenopfer!

Weitere Depeschen aus der Unglücksstadt Regina melden: Tie ersten Rettungsarbeiten wurden von der berittenen Polizei unternom­men, deren Kaserne sich zwei Meilen westlich von der Stadt befindet. Bisher sind fünfzig Leichen geborgen worden, doch liegen noch Hunderte unter den Trümmern. Die Zahl der Opfer dürfte tausend weit überschreiten. Der Schaden ist Mrzeit noch gar nicht zu übersehen. Die Canadian Pacific Railway hat ihren Betrieb eingestellt. Die letz­ten aus Winnipeg eingetroffenen Meldungen chätzen den Verlust auf elf Millionen Dollar, das sind etwa fünfnndvierzigMillio- n e n Mark. Die Stadt bietet ein furchtbares Bild der Verwüstung. Der Telephon- und Telegraphenverkehr ist unterbrochen und Nach­richten über weitere Einzelheiten der furcht­baren Katastrophe sind schwer zu erlangen. Bei der Hinwegräumung der Trümmer stößt man örtwährend auf neue, gräßlich verstüm­melte Leichen von Opfern.

Spion Kostewktsch vor« Reichsgericht.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig 3. Juli.

Wie zuverlässig verlautet, wirb der in Ber­lin verhaftete russische Spion, Haupttnann K o- stewitsch, bereits Ende dieser Woche aus dem Untersuchungsgefängnis in Berlin-Moa­bit nach Leipzig überführt werden. Der Milttär-Attachs bei der Berliner russischen Botschaft hat den telegraphischen Auftrag er­halten, nach Petersburg abzureisen, um dort über die Affäre Kostewiffch ausführlich Bericht zu erstatten. Wie dazu aus Petersburg gemeldet wird, hat die deutsche Regierung der russischen die offizielle Mitteilung zugehen lassen, daß Hauptmann Kostewiffch der Spio­nage überführt sei, die er auf eigne Faust betrieben habe. Hauptmann Kostetpitsch ist vom russischen Kriegsministerium in offi­zieller Mission nicht nut nach Deutschland, andern auch nach Oesterreich, Frank­reich und Belgien gesandt worden. Es war von vornherein anzunehmen, daß die Staatspolizei in Berlin nicht zu der Verhaf­tung eines akttven russischen Offiziers geschrit­ten wäre, der in offizieller Mission in Deutsch­land weilte, bei der hiesigem russischen Botschaft beglaubigt war und sich den Berliner militäri- 'chen Behörden nach seiner Ankunft offiziell vorgestellt hatte, wenn nicht ganz gewich­tige Gründe sie' zu der Festnahme veran­laßt hätten. Die Akten über den Fall Koste­wiffch befinden sich berefts seit mehreren Ta­gen in Leipzig, von wo aus auch die Uebetfühvung des Hauptmanns endgülffg an- geordnet worden ist. Nach Lage der Sache ist mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen daß der Prozeß gegen Kostewiffch schon anfangs August vor dem Reichsgericht statffinden wird.

Portugal vor neuen Stürmen?

Die Monarchisten rüsten an der Grenze!

(Privat-Telegramm.)

Lissabon, 3. Juli.

Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist die Mehrzahl der portugiesischen Emigranten, die gelegentlich des Regimewechsels ihr Vater­land verlassen hatten, augenblicklich in der Nähe der Grenze von Tuy konzentriert. Die Ver- chwörer sind in dem Kloster von Cannodo eif­rig mit der Anfertigung von Uniformen für die Infanterie und Kavallerie, sowie mit der Herstellung von Verbandszeug beschäfttgt. Alle diese Anzeichen deuten darauf hin, daß die Mo­narchisten binnen kurzem einen Putfchgegen die Regierung unternehmen werden, um König Manuel wieder auf den Thron zu bringen. Die Verschwörer sollen in letzter Zeit auch aus Barzelona bedeutende Geldsen­dungen, sowie Gewehre und automatische Revolver erhalten haben. Man rechnet mit der Möglichkeit ernster Ereignisse und die

Sie Todesfahrt Ser Akron.

Das Ende des amerikanischen Luftschiffes; die Fahrt ins Anglück; 7 Menschen getötet; Vanirnan, der Flieger, unter den Toten.

(Telegraphische Meldungen.)

Die Zahl der Opfer der Lüfte hat sich um sieben blühende Menschenleben vermehrt: De­peschen aus Newyotk trugen gestern nachmit­tag die Kunde von der Todesfahrt de? amerikanischen Ozean-LuftschiffesA k r o n" zur alten Welt. Das zur Ueberfahrt über den Atlantischen Ozean bestimmte Luftschiff explo­dierte in einer Höhe von etwa achthundert Metern. Das Luftschiff ging in Flammen aus und die Gondel fiel etwa einen Kilometer vom Ufer entfernt ins Wasser. Die Explosion war fürchterlich. Die Ballonhülle wurde in Fetze» geriffen. Die aus sieben Manu bestehende Be­satzung (darunter der Führer des Luftschiffes, V a n r m a n) haben den Tod bei der Kata- strophe gefunden, lieber das Unglück werde» uns folgende Einzelheiten berichtet:

Newyork, 3. Juli.

(Privat-Telegramm.)

Die Katastrophe des Ozean-Luftschiffes Akron" ereignete sich gestern nachmittag kurz nach halb sieben Uhr, als das Lufff-biff eben zu einer Probefahrt aufgestiegen war. In­folge der durch die starke Sonnenhitze hervor- gerufenen Ausdehnung des Gases platzte die Ballonhülle, das Luftschiff geriet noch in der Luft in Brand und wurde im Nu von den Flammen vernichtet. Im selben Augenblick sah man, wie die i« den Gondeln befindlichen sieben Männer aus etwa achthundert Meter Höhe i n die Tiefe stürzten. Bisher ist noch keine Leiche aufgefunden worden. Die Ex­plosion war fürchterlich, die Ballonhülle wurde in Fetzen gerissen. Dreitausend am Ufer versammelte Personen waren Zeugen dex furchtbaren Katastrophe. In den er­sten Tagen des Juli wollte Vanirnan den Flug über de« Ozean wagen. Augen­scheinlich war die gestrige Todesfahrt die ent­scheidende Probefahrt. Der Lustschiffer stand bereits in ständischer funkentelegraphischer Verbindung mit Kap Race, von wo er täglich drahtlose Depeschen über die Lustftrönmngen über dem Ozean erhielt. Wie sich Vanirnan kurz vor seinem Tode zu einem Reporter äu­ßerte, wartete er nur ein starkes Gewitter mit einem ostwärts gehenden Sturm ab. In dem nach dem Orkan gewöhnlich enfftehenden Va­cuum (dem windleeren Raum) wollte er Eu- ropaerreichen, vom Sturm gezogen, von den Motoren vorwärts getrieben. Vanirnan glaubte, daß er bei günstigem Wetter in hun- bert Stunden in Europa sein könnte, aber er vefficherte, daß er acht bis zehn Tage sich in der Luft zu halten vermöge. Diesen Plänen hat nun die Explosion ein Ende gemacht. Vanirnan stand im Beginn der vierziger Jahre und wird als sehr energischer, mutiger Mann geschildert. Schon bei Wellmanns Fahrten war Baniman derjenige von Beiden, der ehrlich an die Mög­lichkeit der Erreichung des Zieles glaubte.

Das Verhängnis des Szeanflngs.

Das LuftschiffAkron", nach dem Erbau­ungsort genannt, ward von Melwin V ani- man konstruiert, der mit dem Luftschiff den Versuch Wellmanns, den Ozean zu überfliegen, ortsetzeu wollte. Es vertrat das unstarre System, war. 88 Meter lang, hatte 15 Meter Durchmesser und 350D00 Kubikfuß Inhalt. Vanirnan war Ingenieur-Kon st tuk- f e u r für Luftschiffe und Flugzeuge, sowie Luft- schfffmotoren. Er baute die Gondel zu Well- manns Polarlnstschiff und war auch der Kon- ftrufteur des LuftschiffesAmerika II", mit dem Wellmann vor zwei Jahren den Veffuch machte, den Ozean zu überqueren. Vanirnan hat da­mals Wellmann begleitet. Das Unternehmen mißqlückte, doch wurden Wellmann und seine Begleiter auf wunderbare Weise gerettet.

Von den purpursamt-gewandeten Richtern des höchsten deuffchen Tribunals stand am ersten Julitag die Buchhalterin Elsa Psitz- »er. Eine Dteiundzwanzigjäihtige, angeKagi des versuchte« Verrats militärischer Gcheim- nisse an eine fremde Macht. Unbescholten, ar­mer Familie entsprossen, im Kampf ums täg­liche Brot früh in des Lebens Strom hinaus­gestoßen. Das Schicksal verschlägt sie nach Po­sen, wo die Liebe sie an einen Festungsbau- Feldwebel kettet. Im Haus des Bräutigams geht die Unerfahrne ein und aus, schaut auf dem Schreib lisch des Geliebte« hin und wie­der selffam skizzierte Pläne und plaudert mit dem Man« ihres Herzens vielleicht auch ein­mal über das Liniengewirr, daS der Bräuti­gam mit geheimnisvoller Miene preußische FestungSpläne nennt, deren Geheimhal­tung des Vaterlandes Sicherheit gebiete. DieSaison" der Spionage-Äffäten hat be­reits begonnen; die kaum Zwanzigjährige lieft hn Tageblatt die Schilderungen immer neuer Sensationen, hört, wie Gestolperte durch den Verrat am eignen Vaterland sich wirtschaftlich wieder emporzunngen suchen und wird so, unbewußt vielleicht, in eine Vorstellungssphäre hineingetrieben, die ihr bis dahin sremd gewe­sen, und die sich in dem Moment zum Ver­hängnis entwickelt, als die btttre Notdes Lebens die Stellunglose zu einem Ver­zweiflungsschritt treibt.

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Dem soliden Boden bürgerlichen Erwerbs durch des Schicksals hatte Fügung entwurzelt, der Not des Lebens schutzlos preisgegeben, durch mädchenhafte Scham von einem Geständ- nis gegenüber dem Geliebten zurückgehalten, reift in der Harmlosen Seele der verhängnis­volle Gedanke, es Jenen gleich zu tun, die durch Verrat am Vaterland sich volle Taschen warben, und auf diese Weise Hunger und Not zu Bannen. Ein paar der geheimnisvollen Pläne auf dem Schreibtisch des Bräutigams sind rasch genommen; nun handelt's sich nur »och darum, den Raub an den Mann zu brin­gen: Die Unerfahrne fragt Bei Bäcker und Flei­scher, beim Portier und beim Milchmann nach dem besten Weg, dm Prmßeustaat durch den Verkauf östlicher Festungspläne an Rußland zu betraten. Und was votauSzusehen war, ge- fchicht: Es bleibt bei demversuchten" Ver­rat! Ehe Bäcker und Fleischer, Portier und Milchmann der harmlos Fragenden Auskunft gegeBen, naht das Verhängnis, und die Sün­derin wandert zum Kerker. Diese Tat einer Unbesonnenen hat nun vorm Reichsgericht mit einem Jahr und drei Monaten Gefängnis ge­setzmäßige Ahndung gefunden, und der Dtei- undzwanzigjähttgen sind für z w ö l f Iahte Dauer die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt worden. Ist das Urteil schon hart: Die Brandmarkung der Sünde durch langjährige Ghrlosetklärung weckt aufttchtiges Mitleid mit dem arme« Opfer einer Ju­gendtotheft, dessen ganzes Dasein durch eine einzige, aus Not und Verzweiflung ge- botne Unbesonnenheit zum düstern Verhäng­nis. zum Martyrium verdamm; ist 1

Ueberschwemmung in Ungarn.

Wie Depeschen aus Budapest berichten, haben gestern in Südungarn heftige Unwet­ter großen Schaden angerichtet. In Vetberesz ind fast alle Stadtteile durch die starken Regen­güsse der letzten Tage üb et sch w emmt. In Cservenka sind fünfhundett Wohnhäuser durch Wasser-Einbruch fast gänzlich zerstört worden. Der Schaden wird auf mehrere Millio­nen geschätzt.

In berfeiben Anklagebank, in der am Mon­tag die Buchhalterin Elsa Psitzuer schluchzend das Urteil über ihr Lebensschicksal vernahm, saßen vor Monden die Herren French und Brandon, angeklagt der vollendeten Spiona­ge im Auftrag der britischm Kundschafter-Zen­trale. Offiziere im Heer des Inselteichs, vor Gericht alzGentlemen«®bione" gewertet; Gsntlernsu-Spione", die es nicht verschmäht hatten, durch Bestechung und Trug deutsche Beamte zur Preisgabe dienstlicher Geheimnisse zn verführen. Dennoch: Gentlemen, weil sie die Spionage nicht aus gemeinem Eigennutz, sondern auslautren patriotischen Motiven" betrieben und also gewissermaßen alsMär­tyrer der Vaterlandsliebe" vor fremden Rich­tern standen. Die Herten sind der harmlosen Einsamkeit preußischen Feftungs - Gemäuers überantwortet worden, und erst kürzlich hörten wir wieder (mit ehrlichem Grimm!), daß die Begnadigung der beiden Gentlemen in naher Aussicht stehe: Beim nächsten anglo-deut­schen Festbankett würden sich vor den Herren Fvench und Brandon die Tote der Festungmauer öffnen! Schickt sie sürstliche Gnade als freie Männer, als früh vom Zwang der Buße Erlöste über den Kanal zu­rück, dann wird man ihnen im Britenland Lorbeer zu Ehrenkränzen winden. Und die bleiche Sünderin aus Posen, die um Brot und Notdurft, aus Scham vor dem Er­wählten ihres Herzens, eine Torheit beging, wird, wenn des Kerkers Mauern sie der Frei­heit zutückgebm, als eine Entehrte, vom Verbrechen Gebrandmatkte vorm Leben flüchten müssen. Wohin . . .? Vielleicht in tiefere Abgründe der Sünde, denn der Fluch der Ge­rechtigkeit folgt ihren Sputen. Und doch: Ist die von der Verzweiflung Gejagte, von der Not Gepeitschte schuldiget als die V e r b t e- cher, die im sonnenhellen Festungzimmer dem Erlösungtag der Begnadigung entgegenhar-