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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

jnfertlmt Sprotte: Di« fe^Sgefpattene Zell« für «whet-nisch« »«schüft« 15 Pfg-, für aus- märttge Inserate 25 Pf, Reklame,eil« für etuh«imtsch« »esch-ift« 40 Pf, für ausmittig« Lefchäft« 80 Pf. Beilagen für l>t, (Sefamtaulage werden ntU 5 Mark pro raufend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reisen, im» der Umgebung sind die liaffelet Neueien Nachrichten ein oorzügliche- Anfertionsorgan. »eschkifts telle: Kölnische Strotze 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrich'trotze 1«, Deleptzan: Amt Moritzvlad «78

Nummer 173. Rernf»redier 951 und 952. Sonntag, 30. Zu ui 1912. Fernivrecher 951 und 952. 2. Jahrgang.

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®U Saffeter Neueflen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend-. Der «bmmementSpreii beträgt monatlich « Psg. bei freier fiufteHung in- -Sau«. Betzellnngen werden jederzeit oon der Leschäststzelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Nedattion: SchlachthoMrab« 28,«kl Sprechstunden der Redaktion nur oon 1 bi- 3 Ubr nachuttttag-, Sprechstunden der Au«kunN. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag oon « bi- « Uhr abend«. Berliner Bertretung: SW, Friedrichftr 16, leite6an- Amt Moridolan «78.

Drei Urteile.

Gerechtigkeit und Menschlichkeit;Schuld und Sühne; Verbrechen «nd Recht r Drei Bilder.

Ein Triumph der Menschlichkeit.

Vor den Richtern bremischer Gerechtigkeit stand an einem der jüngsten Tage eine Mär­tyrerin der Kindesliebe, eine Heldin höchster Menschentugend unter der Anklage arg­listigen Frevels am Gesetz bürgerlicher Staats- und Rechtsordnung. Die Frau in der Ankla­gebank hatte die Gebote der Gerechtigkeit überschritten, indem sie der Liebe, Dankbarkeit und Treue der Kindesseele das höchste Lpser brachte: sie hatte den Staat und seine Organe bewußt getäuscht, um die edelsten Regungen des Menschenher- zens Wirklichkeit werden zu lassen, und sie hatte betrogen und der Lüge gedient, um einer tragischen Wahrheit granitne Härten zu mil­dern. Kein fernes »Höhenziel" hob die schlichte Frau aus dem Volk empor ins Heldentum, keine glitzernde Idee und kein romantischer Märchentraum, sondern die natürliche Erkennt­nis einer Menschlichkeitpflicht, deren Wesen nicht vom engen Pferch paragraphierter Moralethik begrenzt war. Die alte, von des Lebens Kummerlast gebeugte, an des Daseins naher Grenze ermattete Mutter der Uebeltäte- rin war wegen eines kleinen Vergehens (dessen Ahndung nach dem Willen des Strafgesetzes nur durch Kerkerbuße möglich) zu einer Woche Gefängnis verurteilt- worden, und die Gerech­tigkeit heischte ihr Opfer: Die Greistn, deren schwächlicher Leib für einer Woche Dauer der Enge der Zelle überantwortet werden sollte. Vor der Liebe zur Mutter und vorm Mitleid mit dem müden Al er brachen dann in der Seele der Tochter die ehernen Schranken der Achtung vor Gesetz und Recht in nichts zusammen: Statt der Mutter schritt ... das Kind zum Kerker! Verbüßte di- acht ««ch wurde da­durch ... zur Sünderin wider Recht und Ge­rechtigkeit. Vorspiegelung falscher Tatsachen, Be­trug und arglistige Täuschung staatlicher Organ«, drei Vergehen, die sich strafrechtlich aus der Tat der Kindesliebe herauskryftallisiercn lassen, be­droht das Strafgesetz mit harter Kerkerstrafe. Die Richter von Bremen aber erkannten in dem Vergehen wider die heil'ge Ordnung den Trieb der Menschentugend und reiteten die Heldin der Kindesliebe vor der Rückkehr in die enge Zelle. Fünf Mar k Buße fordert« die Gerechtigkeit: Die Menschlichkeit triumphierte!

*

Der Vater eines Entartete«.

Fast am gleichen Tag, als dieser Spruch Welt- und seelenkundiger Richter gefällt ward, stand vor demselben Tribunal der einstige Großkaufmann und Millionär Emil Plate, angeklagt des fahrlässigen Konkursvergehens. Der Vater des kurz vorher wegen Millioncn- bankerotts und Betrugs zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilten Spekulanten Albert Plate. Der wirtschaftliche Zusammenbruch des Sohnes hat den Vater mit ins Verderben gerissen: Um den Leichtsinnigen vorm Unter­gang zu retten, die Ehre des Namens und der Firma unbefleckt zu erhalten, opferte der Va­ter sein ganzes Vermögen, untergrub die so­lide Grundlage des eignen altangesehenen Un­ternehmens und ging Verpflichtungen ein, die seine Kräfte überstiegen. Zwei Millionen zer­flossen im Wirbel des Verhängnisses: die letzte verzweifelte Anstrengung, den Sohn vor Bankerott und Gefängnis zu bewahren, brachte den in Jahrzehnten mühevoller Arbeit aufge- rtchteten Bau der alten Hansa-Firma ins Wanken und über einem unglücklichen Vater und zum Bettler gewordnen Millionär schlos­sen sich gurgelnd die Wogen des Schicksals. Der letzte Akt der Tragödie spielte vor dem Strafgericht, in dessen Anklagebank ein mit der Schuld des Konkursvergehens Bemakelter des Spruchs der Richter harrte. Vater­liebe, Furcht vor Schande und die Sorge um die E h r e des Hauses hatten hier das Verhängnis gewoben, unter dessen Druck ein alter Mann seufzte, dem Rechtschaffenheit und Ehrbarkeit auf eines langen Lebens Weg Richt­schnur und Psadweiser gewesen, und der nun, am Grabe seines Hoffens, als Frevler an Ge. setz und Recht vor seine Richter treten mußte. Die zwei Millionen, die die Baterliebe dem Sohn geopfert, mögen den Greis in der An- klagebank nicht so schmerzlich in der Erinnerung gefoltert haben als die Erkenntnis, auf dem Weg durch daS Dickicht der Sorgen selbst zum Uebeltäter geworden zu sein, dessen Schuld das Strafgesetz mit harter Bußforde- rung bedroht. Auch dieses Opfer natür­licher Herzensregung rettete die Menschlichkeit vor dem Kerker: Ter unglückliche Vater eines

mißratnen Sohnes sühnt mit achthundert Mark Geldstrafe seine Schuld. Menschliche Erkenntnis siegte über die finstre Härte erkennt- nisfremder Gerechtigkeit!

Ein Raub um ... Brot!

Ein andres Bild: Am sechsundzwanzigflen Junitag stand vor den Schwur-Richtern des Easseler Tribunals der Schlosser G r o ß ° berndt, angeklagt des Straßenraubs unter Anwendung von Gewalt. Ein Vorbestrafter: Vor elf Jahren dem Zuchthaus entronnen,in dem er mit fünf Jahren seiner Jugend ein brutales Sittlichkeitsverbrechen gesühnt. Am Tag nach Himmelfahrt umschrieen den aus langer Alko- holdnnst-Nacht spät zur Erkenntnis seiner Er- nährerpflicht erwachenden Vater hungrige Kinder, bat eine vergrämte unglückliche Frau um Brot. Kein Nickel, keine Krume im Haus; dem Schlechtbeleumdeten borgt weder Nächc- stcnliebe noch lauernde Spekulation nur eine Kruste Bot, die Bitte um Hilfe aus dringend­ster Not wird mit hartem Wort abgelebnt. Da erwacht in der Seele des Verzweifelnden der Dämon, die tief im Menscheninnern schlum­mernde Bestie; die Erinnerungen aus der Znck>thauszeit flackern wie gespenstische Irr­lichter ans und der Mann, dessen hungernde Kinder um ein Stückchen Brot betteln, stürmt auf die Landstraße, gebärdet sich wie ein Räu­ber und erbeutet eines zitternden Wehrlosen schmale Börse. Von dem Gewinn des Verbre­chens erhielt die arme Frau zwei Mark: Brot für die Kinder! Die Schwur-Richter von Cassel haben dem des Straßenraubs Angeklag­ten mildernde Umstände verfagt und den vor elf Jahren aus dem Zuchchaus Heimgekehr­ten abermals für sechs Jahre den düstern Mauern des Kerkers überantwortet. Die Ge­rechtigkeit spricht: Wer Brot essen will, soll es in redlicher cwVbeit erwerben. Der Schlosser Großberndt aber hat geraubt! Ja, der Mann hat geraubt; aber ebe man des Verbrechens Schwere messen kann, muß man seine Ursachen, seine Motive und treibenden Kräfte werten. Der Straßenräuber Großberndt hat aus enger Zelle Briefe an Frau und Kinder geschrieben, deren Gedankenbild der Zuchthauswelt weit entrückt war; es sprach aus ihnen späte Er­kenntnis heiliger Pflichten und marternde Sorge um das Schicksal der hilflos Zurückge­bliebnen. Hätte der Mann wohl den Stra­ßenraub begangen und sich dem Zucht­haus preisgegeben, wenn feiner bittenden Hand ein Stück Brot erreichbar gewesen wäre? Die Menschlichkeit verurteilt den Räuber zwar als Verbrecher, aber sie fühlt auch Mitleid mit dem früh Gestrauchelten, den des Lebens Harfe Not nun abermals an den Abgrund der Sünde gepeitscht. Ueber den Straßenräuber Großberndt hat die Gerechtigkeit als erbar­mungslose Rächerin der Schuld den Stab gebrochen! F. H.

Der 0!eg von Hagenow.

Sivkovkch gewählt, Pauli unterlegen!

Ein Privat-Telearamm meldet nnS aus Hagenow in Mecklenburg: Bei der gestrigen Reichstags-Stichwahl im Wahlkreis Hagenow - Grevesmühlen wurden für den freisinnigen Kindida- ten, Lehrer S i v k o v i ch, 9173 Stim­men abgegeben, für den konservativen Kandidaten P a u l.i 6612. Die Wahl­beteiligung war trotz des vorauSgegan- genen leidenschaftlichen Wahlkampfs nur schwach, da die Erntearbeiten viele Wähler von der Wahlurne fernhielten. Die vorstehend mitgeteilten Ziffern des WahlauSfalls werden sich vielleicht noch um ein paar Stimmen verschieben, da aus eini­gen entlegenen Dorfgemeinden des Wahlbezirks die Wahlresultate bis heute früh noch nicht vor- liegen. An dem Sieg des freisinnigen Kandi­daten können diese Ziffern indessen nichts än­dern: Der Freisinn hat den alten mecklenburgi­schen Wahlkreis für sich erobert! Im ersten Wahlgang am zwanzigsten Juni hatten Sivko- vich 7034, Pauli 6794 und der Sozialdemokrat Kober 4291 Stimmen erhalten. Mit dem gestri­gen Sieg hat nun die Fortschrittliche Volks­partei ein Mandat gewonnen, das Gras Both- mer 1907 für den entschiedenen Liberalismus erobert hatte, und das sie bei den Wahlen im Januare nur durch einen Zufall wieder verloren hatte; damals war bekanntlich durch eine falsche Stimmenzählung, die dann auch zur Ungültig­keit der Wahl geführt hat, der Fortschrittler aus der Stichwahl gedrängt worden. Der fetzige Wahlausfall hat nun die Situation wieder um­gestaltet.

Das Kaiserdaar in Kassel.

Die Ankunft auf Schlotz Wilhelmshöhe.

Wie wir cuS bestunterrichtcter Quelle er­fahren, wird die Kaiserin vorausss-sttUm am Freitag den fünfzehnten Juli abends auf

Bahnhof Wilhelmshöhe eintreffen. In ihrer Begleitung wird sich die Prinzessin Vik­toria Luise und ein Prinz befinden. Die Kaiserin wird voraussichtlich über sechs Wochen auf Schloß Wilhelmshöhe verwei- len, wo dann Anfang August auch der Kaiser eintreff en wird. Der Kaiser wird in­dessen in diesem Jahre sich nur wenige Tage auf Schloß Wilhelmshöhe aufhalten und be­reits »um Schluß der zweiten Bugustwoche wie­der abreifen.

KostewMch, Molski, Dahm.

Die neuesten Spionage-Affären.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, liegt die Untersuchung gegen den «nter dringendem Spionageverdacht verhafteten "ussi'chen Haupt­mann Koste witsch in den Händen eines Richters, dem die Staatspolizei fbie die Ver­haftung Kostewitschs vornahm) ihr gesamtes Material übergeben hat. Der Beschuldigte wird täglich vernommen, aber bis zum heutigen L ge stellt er entschieden in Abrede, spio­niert zu haben. Es hieße dem Fall Kostewitsch eine ihm nicht zukommende Bedeutung beimes­sen, wollte man aus ihm Schlußfolgerungen auf eine vorübergehende Verstimmung der di­plomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland ziehen oder gar davon sprechen, daß die bevorstehende Monarchenbegeg­nung in den Finnischen Schären dadurch ge- rübt werden könnte. Bezüglich des in Rutz, land unter Spionageverdackt verhafteten preußischen Leutnants Dahm sind deutscherseits bereits die erforderlichen Schritte eingeleitet worden. Wit erhalten darüber folgende Mel­dung:

Braunschweig, 29. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Der in Rußland unter Spionageverdacht verhaftete Leutnant Dahm, der bei der ersten Batterie dez Artillerie-Regiments in Seifen« Büttel steht, hat nach seiner Verhaftung seinem Regiment sofort in einem Telegramm Mittei­lung von feiner Festnahme gemacht. Vom Re­giment aus sind sofort bei den zuständigen Stellen die notwendigen Schritte un­ternommen worden, um eine Freilassung des Verhafteten herbeizuführen, oder wenigstens eine Aufklärung über die Befreiungsmaßnah­men zu erlangen. Wie das RegimentSbüro be­stätigt, ist Leutnant Dahm nichtaufKom. man do in Rußland gewesen, sondern hat einen dreimonatlichen Urlaub genossen, den er dazu benutzen wollte, seine russischen S p r a ch k e n n 1 n i s s e durch einen Aufenthalt in Rußland zu verbessern. Die Verhaftung Dahms ist umso unverständlicher, als er sich in der Hauptsache bei Bekannten in Rußland aufgehalten hat und Über ausgezeichnete Emp­fehlungen verfügte. Es unterliegt nach Lage der Sache keinem Zweifel, daß die Verhaftung lediglich zu dem Zweck erfolgt ist, um »Re­vanche" für die Verhaftung des Hauptmanns Kostew itsch in Berlin zu nehmen. Man rechnet hier übrigens bestimmt mit der nahe bevorstehenden Freilassung Dahms.

Ein Deutscher als Spion verurteilt.

Wie ein Privattelegramm aus Pe­tersburg meldet, verurteilte das Kriminalgericht in Odessa gestern den seit drei Jahren in Rußland lebenden Deutschen Haase wegen Militärspionage zu drei Jahren G efäng- nis. Haase soll versucht haben, Militärverso- nen zur Preisgabe von militärischen Geheim­nissen zu bewegen. Er wurde vor einem halben Jahre bei Odessa verhaftet und befand sich seit dieser Zeit in Untersuchungshaft. Angeblich hat Haase im Auftrage der österreichischen Militär­verwaltung spioniert.

Immer noch Mißtrauen!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 29. Juni.

Der durch die Spionageverhaftungen herauf­beschworene deutsch-russische Zwi- schenfall läßt die französische Presse immer noch nicht zur Ruhe kommen. Der »Petit Pa- risien" schreibt heute: Solche Affären, die augen­blicklich die Presse der ganzen Welt beschäftigen, zeigen, daß trotz der Friedensbernübungen immer noch Mitztrauenherrscht und daß man jeden Augenblick mit Komplikationen zu rechnen hat, die alle friedlichen Kalkulationen mit einem Schlage über den Hausen werfen. Der Fall Kostewitsch ist eine treffende Charak­teristik der permanenten politischen Unsicherheit.

Großfeaer ia Nürnberg.

Zmei Millionen Mark Brandschaden!

(Privat-Telegramm.)

Nürnberg, 29. Juni.

Ein Großfeuer hat in der vergangenen Nacht die große Möbel- und Parkettfabrik von Georg Moser vollständig zerstört. Die Feuer­wehr bekämLfte Len Brand mit nicht weniger

als siebzehn Schlauchleitungen und verschiede- nen Dampfspritzen, ohne indessen dem verhee. renden Element Einhalt tun zu können. Fa- brikaebäude, Maschinenhaus, Dampffchneiderei und Kontorgebäude sind ein Raub der Flammen geworden; außerdem sind viele Lagervorräte an Möbeln, Brettern und andern Rohmaterialien verbrannt. Die Ur­sache des Feuers ist noch unbekannt. Durch den Brand wurden zahlreiche Telephon- leitrmgen zerstört. Längere Zeit bestand auch große Gefahr für die Nachbargebäude, doch gelang es noch im letzten Augenblick, eine wei­tere Ausdehnung des Feuers zu verhüten. Der Schaden wird von sachverständiger Seite auf mindestens zwei Millionen Mark ge­schätzt. Ueber dreihundert Arbeiter sind brotlos.

Haldane mtz der Kaiser.

Eine Rede des Lord-Grohkanzlers von Eng­land; der loyale Führer eines großer Volks.

(Privat-Telegramm.)

London, 29. Sunt.

Bei Gelegenheit der fünfundsiebzigjährigen Jubiläumsfeier des Deutschen Hospitals brachte Lord Haldane, der Grotzsiegelbe» wahrer des Königs, der dem Diner im Sa« vov-Hotel präsidierte, gestern abend auf den Deutschen Kaiser folgenden Toast aus: Der Deutsche' Kaiser ist mehr als ein Kaiser, er ist ein Mann, ein großer Mann. Er hat von den Göttern das schönste Geschenk er­halten, welches sie kennen: Er hat die Gabe des Gei st es erhalten. Kaiser Wilhelm ist ein loyaler Führer seines großen Volks gewesen, sowohl in geistiger Hinsicht als auch in seinen Handlungen, und er hat während eines Vterteljahrhunderts eine Rie­senarbeit geleistet, immer und ununterbrochen bemüht, den Frieden zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Er hat feinem Lande biefe glänzende Flotte gegeben, die wir, die wir uns doch auf Flottenfachen verstehen, bewundern. Er hat die Tradition der größ« ten Armee, die die Welt jemals gesehen, erhalten und er ist

in den Künste« des Friedens groß gewesen. Kaiser Wilhelm hat «in wirk­lich aroßeS Werk vollbracht und wir freuen uns, daß der Mann, der feine Aufgabe so löste, ein halber Englänberi^ Ich habe den starken Eindruck, daß England und Deutsch­land sich in den letzten Jahren immer nä­her geglichen haben als je vorher. Deutsch, land ist, wie wir, eine große Handels­macht geworden. Dieses Land zeichnet sich nicht allein im Reich der Wissenschaft und der Künste aus, sondern auch auf de Gebiete des Handels. Es hat die praktifche Rührigkeit ent- faltet, die ein Volk so auszeichnet. Aus der Tatsache, daß Deutschland dazu gelangt ist, uns immer mehr und mehr gleich zu kommen, sind Entfremdungen entstanden und die Aebn- lichkeit zwischen den beiden Nationen hat eine gewisse Rivalität gezeitigt. Aber diese Gegnerschaft darf keine tiefgehende fein, damit wir unsere gcmeinfame Aufgabe er­füllen können. Ich toei6 bestimmt, daß der Deutsche Kaiser diese Ueberzengung teilt!

*

Das Echo in Frankreich.

Paris, 29. Juni. (Priv al-Telk« gramm.) Die Mebrrahl der Morgenblätter veröffentlicht den Kaisertoast Lord Halda­ne s ohne Kommentar. Viele Blätter bekunden ihren Unwillen burA Weglassen der we­sentlichsten Textstellen. Das »Echo de Paris* glaubt, bett bem Kaiser als Friebensssirst st'i- emben Worten des Siegelbewahrers folgenden Aussvrucb eines übrigens nicht ge" nuten eng« (tt*en Diplomaten entaegenstellen zu müssen: .Nicht dem Kaiser gebührt das Verdienst, den Frieden erha^n zu haben: wir Engländer haben, entgegen den kaiserlichen Absichten den Frieden erhalten!"

$fis stütze der Echisaben.

Evimternnge« und Rückblicke; Randbemer» hingen zur gestrigen Schwaben-Katastrophe.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Im heißen Sommer des vergangenen Jah­res war's. In Friedrichshafen, dem idyllischen, aber ziemlich staubigen Bodensee- stödtchen merkte man die Hitze ganz besonders. Unb»rmherziz dörrte die Sonne die Ufer des schwäbischen Meeres. Trotzdem waren Tag für die Tag die zumLuftschiffbau Zeppelin G. m. b. Hft führenden Pforten dicht belagert. Je­der Bodenseebampser warf neue Menschcnmas- fen an den Strand. Es giirz etwas vor im Luftschiffbau ZeppÄin. Für die Erfindung des greifen Grafen herrschte bei alledem wenig Stimmung. Ter Unfälle waren zu viel ge. wesen. Kni; vorher hatte die »Deutschland' in der Düsseldorfer Halle ihr Leben lläalich ende«