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CMer Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 29. Juni 1912

Nummer 172

Fernsprecher 951 und 952.

Schapiro am neunten Tag.

.Theaterdamen" «ndDeckadreffen' (Telegraphischer Bericht.)

der die jungen Reben der Hoffnung auf schwär- ze Hilfsvölker eher zu verbrennen, als ihr Wachstum zu fördem scheint. Man arbeitet in Marokko seit einem Jahr an dem Versuch, die Sultanstruppen zu reorganisieren, sie in französischem Sold und unter französischen Of­fizieren kampfzuverlässig heranzubilden: Der Versuch ist kläglich gescheitert. Die sche- rifischen Truppen haben sich bet der Bedrohung der Hauptstadt durch die Harkas der Marokka­ner zerstreut und selbst die Massen gegen die verhaßten Franzosen gerichtet. Die Republik ist infolgedessen gezwungen gewesen, ihre ganze nordafrikanische Truppenmacht, soweit sie ver­fügbar war, zur Erhaltung und zum Schutz ihrer Hoheits-Autorität in Marokko aufzubie­ten. Und diese Truppen, die meist aus Schwarzen sich rekrutieren, kämpfen nicht etwa gegen den weißenErbfeind*, sondern gegen Feinde, die gleich ihnen selbst unterjocht wurden und deren Glaubensgenossen sie zum Teil sind. Das ist eine starke Belastungsprobe des Truppengeistes und die bisherigen Erfah­rungen haben gelehrt, daß der Erfolg dieser Probe zum mindesten zweifelhaft ist. Die Hoffnung, daß geschickte Verteilung afrika- nb'-*er Truppen auf den weiten Kolonialbesitz Aufstandsgelüste Wohl in Schach halten könnte, wenn zum Krieg in Europa das Mutterland die Weißen Regimenter abberufen würde, steht also auf recht schwachen Füßen und damit fällt auch die andere Hoffnung, die in demRekru­tensegen" aus Mohrenland die Rettung au. be­klemmenden Nöten sah. Mag daher Frankreich seine Versuche mit der Kriegsanlernung der Schwarzen und der Braunen getrost fortsetzen. Es liefert sich selbst mit jedem. Tausend neu eingedrillter Truppen einen waffenkundigen Feind, der bei schwankendem Kriegsglück sicher­lich die Flinten gegen Frankreich richten Wird!

Die marokkanische Fessel.

Aber es koyrmt noch mehr hinzu. Immer deutlicher zeigt sich, welche gewaltigen Kräfte Frankreichs in Marokko auf Jahre hinaus gebunden sein werden. Ter neue Aufstand in Fez wirst ein grelles Licht auf die schwellen- h*'' *** des beißen asrikgnil'chen Bodens.

trotz aller Anstrengungen der Feuerwehr, auch eingeäschert. Glücklicherweise gelang es jedoch, noch die Apotheke, die stark gefährdet war, zu retten, sonst wäre der Schaden, der jetzt schon sehr beträchtlich ist, noch ungleich größer geworden. Das Stadtbild Spangenberg hat durch den Brand außerordentlich a n Schönheit ringe büßt. Wie das Feuer eigentlich entstanden ist, konnte noch nicht sestge- stellt werden. Man weiß nur, daß es durch ein in Brand geratenes Fuder Heu, das in der Wenzelschen Scheune stand, verbreitet wurde. Es ist wohl anzunehmen, daß eine Selbst­entzündung des frischen Heues vorliegt.

Bin neues Kaiserschlch?

Das Wiesbadener Kaiserschloß - Projekt; Luxemburg verkauft das Jagdschloß Platte«

(Telegramm unsres Korrespondenten.) Wiesbaden, 28. Juni.

Es scheint nun doch, daß die seinerzeit mit so viel Nachdruck dementierte Meldung von der Errichtung eines Kaiserschlosses in Wiesbaden in den Wahrscheinlichkeitsbe­reich gerückt werden soll. Soeben sind die- Der- Handlungen zwischen der Stadt Wiesbaden und der grobherzoglich luxemburgischen Finanzver- waltnng wegen Verkaufs des Jagdschlos, ses Platte bei Wiesbaden samt dem herr­lichen ausgedehnten Wildpark wieder ausge­nommen worden, und damit wird auch der Plan der Kaiserschloß^rbauung wieder attuell. Das luxemburgische Jagdschloß Platte wurde im Jahre 1824 von Herzog Wilhelm von Nas- sau, dem Urgroßvater der Großherzogin Marie Adelheid von Luxemburg an der Straße nach Limburg erbaut. Von der luxemburgischen Fi. nanzkammer in Biebrich ist es jetzt der Stadt Wiesbaden zmn Kauf angeboten worden. Als Kaufpreis für das Schloß mst Oberförsterei, Wohnhaus, Nebengebäuden und Saupark wer­den zwei Millionen Mark verlangt. Seit dem Jahre 1866 ist das Schloß von der Herzog, lichen Familie

nicht mehr bewohnt worden.

Im vorigen Jahre sollte es als Sommeraus- enthalt für die Prinzessinnen hergerichtet werden, man ließ den Plan aber später wieder fallen Die Stadt Wiesbaden hat nun eine Kommission gebildet, bestehend aus Mit. gliedern des Magistrats und des Stadtverord­netenkollegiums, die das Projekt stach verschie­denen Richtungen hin prüfen soll. Es wird in unterrichteten Kressen als feststehend angenom. mon, daß es sich bei den Plänen der Stadt um die Errichtung eines neuen Kaiserschlos­ses für Wiesbaden handett. Zahlreiche Freunde dieses Projekts haben ihr Augenmerk schon seit langem auf den herrlichen Waldpark Platte gerichtet, der sich ganz vorzüglich als Folie für ein Kaiserschloß eignen würde. Dazu kommt, daß das Schloß von Wiesbaden aus mit dem Auto in einer Viertelstunde zu errei. chen ist. Neben dem Königlichen Schloß inmit­ten der Stadt hätte das Kasserpaar dann auch ein prächtiges Waldschloß in den nahen Tau. nusbergen zur Verfügung. Die Verhandlungen der Stadt Wiesbaden mit der Finanzkammer werden voraussichtlich zu einem günsti. gen Abschluß führen, da man bereits Mit. teilung hat, daß die Luxemburgische Finanz­kammer bezüglich des Kaufpreises zum Ent. gegenkommen bereit ist.

in den Gerichtssaal einzudringen und bombar­dierte Türen und Fenster mit Fäusten und Stöcken, bis sie endlich eingelassen wurde. Am aufgeregtesten benahmen sich die Frauen, sodaß der Präsident entrüstet ausrief:Nie­mals hat ein römss-ber Gerichtssaal grö­ßeres Aergernis gesehen!" Erst beim Eintritt der Geschworenen verbreitete sich tiefe Stille. Als dann aber von den Geschworenen völlige geistige Zurechnungsfähigkeit des Mörders festgestellt wurde, brach im Publikum lärmender Beifall aus, so­daß der Präsident mit Räumung des Saales drohen mutzte. Dann wurde der Angeklagte hereingeführt. Er wurde von zwei Beamten gestützt und wankte völlig ge- brochen herein, um sofort sein Gesicht mit den Händen zu bedecken und dem Publikum den Rücken zuzukehren. Bei Verlesung des Urteils gab Paterno nicht das geringste Zeichen von Erregung und Teilnahme von sich. Er benahm sich, als ginge ihn die ganze Sache nichts an. Die Verkündung des auf lebenslängliche Zucht­hausstrafe lautenden Urteils begeisterte die Menge abermals zu tosenden Kundgebungen, so daß schließlich der Saal gewaltsam geräumt werden mußte.

tzlne Nacht in Rom.

6in Nachspiel zum Paterno-Prozeß.

(Privat-Telegram m.)

Rom, 28. Juni.

DaS gestrige Ende des Paterno-Pro- z ess es gab noch in später Nachtstunde zu sehr erregten Szenen Veranlassung. Eine dichte Menschenmenae verkuchte unter Tumult

Großfener in Spangenberg.

Brand durch Selbstentzündung von Heu.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Spangenberg, 28. Juni.

In der vergangenen Nacht gegen dreiviertel ein Uhr wurde unser stilles Städtchen plötzlich durch Feuerlärm aus der Ruhe gedreckt. Die Scheune des Landwirts Wenzel stand in hel­len Flammen und das Feuer drohte, auf die Rachbargebäude überzuspringen. Schnell war unsere Feuerwehr zur Stelle, um dem rasenden Element Einhalt zu gebieten, aber trotz aller Anstrengungen gelang es ihr nicht, daS Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Nacheinander wurden die Anwesen des Schreines Schmidt, des Gastwirts Stöhr und des Metzgers Meurer von den Flammen «griffen, und,

von der Polizei abgestempelt und durch einen Schutzmann überbracht wurde. Es wird hierzu bei Kaufmann Christian Kimbel vernommen. An diesen ist jene Kar-

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Die Kanzlerfahrt nach Rußland.

Ein Privattelegramm meldet unS aus Petersburg: Nach hier an autoritativer Stelle vorliegenden Meldungen wird der deussche Reichskanzler auf seiner Rutz- landreise, die er in unmittelbarem Anschluß an die Kaiserentrevue in den finnisckien Schären un­ternimmt, Petersburg, Moskau und Warschau besuchen. In Petersburg wird Herr von Bethmann Hollweg eine Begegnung mit dem Minister des Aeußern, S a s a n o w, haben Für den Besuch der genannten drei Städte ist eine Woche in Aussicht genommen

Juferttouspretse: Die sechsgespaltene Zeile tut etuheimische »eschäfte 15 Wfr, ft« j wärttge Inserate 25 Ps, Reklamezeile für einheimische Geschäfte «0MOT«, für auärolrttge | Geschäfte 60 Pk. Beilagen für die Gesamtauflage werde» nrtt 5 Mark pro Lausend de» - rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reüden» und der Umz«h-^z ftab Me | Lasteler Neuesten Nachrichten ei» vorzügliche« JnserttonSorgan. Geschäfts 'teile. Äöta .sche Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzvmß«« |

Das Märchen aus den Scharen.

Offiziöse Stimmen zum Kaiser-Rendezvous.

Wie auS Petersburg berichtet wird, wird der Z a r am vieften Juli vor Reval ein­treffen und bereits am fünften Juli zurückkeh­ren. Voraussichtlich werden die beiden Kaiser in Baltischport an Land gehen und daS Regiment Wyborg besichtigen. Die Zeitungen stellen allerlei Vermutungen üb« die Bedeutung der Zusammenkunft an. doch handelt es sich hierbei wohl mehr um Kombinationen, alS um Tatsachen. Mr erhalten darüber folgende Meldung:

Köln, 28. Juni.

(Privat.Telegramm.)

Zur Kaiserbegegnung in den Finnischen Schären erklärt dn Petersburger Korrespondent betKölnischen Zeitung": ES ist nicht unwahr- scheinlich, baß neben der Versicherung gutnach­barlicher Beziehungen deutscherseits anerkannt werden wird, daß das Streben des Ministers deS Aeußern, Sasanow, und seiner Gesinnungs­genossen nach einer stetigen Politik und ihre Stellungnahme zum italienisch­türkischen Krieg, die die Erhaltung deS Status quo fordert, mit den deutschen Neigun­gen zusammentreffe. Die in bet Presse an bie Reise geknüpften Vermutungen von Bünd- nissen und Mächtegruppierungen sind dagegen als Erfinbung zu bezeichnen. Voraussichtlich werben bie beiben Monarchen in Baltisch-Port an Land gehen.

te mit btt Deckadresse gerichtet worden. Er sei zunächst oanz erstaunt gewesen, als et bi« Anfrage «halten habe, und « habe dann

einen Brief an daS Polizeiamt

gerichtet, in dem er Anzeige gegen den Absender beantragt hat. Er habe vermutet, daß es sich um die Verleitung zu einem Ver­brechen handelte. Einige Zeit darauf sei die Polizeiassistenftn zu ihm gekommen und habe ihm angegeben, sie sei mit der Ermittlung deS Absenders betraut. Ms er sie dann gefragt habe, wie die Polizei in den Besitz des Brie­fes gekommen sei, habe sie ihm «klärt, der Brief sei in ein« Zelle gefunden worden, in der eine Frauensperson inhaftiert gewesen sei. Bei den Frauentropfen bat «S sich um ein durchaus harmloses Mittel gehandelt. Auch sei eS unrichtig, daß dieses Mittel besonders teu« verkauft werde. Polizeikommissar Kind- häuser hat in seiner Eigenschaft als Leiter her Gesundheitspolizei sich für v«pftichtet ge­halten, in diesem Fall vorzugehen. Er über- nehme die volle Verantwortung für das Benutzen von Deckadressen. Er halte sich hi«zu auch für b«echtigt, trotz der Aus­führungen des Reichsgerichtsurteils. Esst kürz­lich habe eine höhere Behörde eine Dienst- Vorschrift «lassen, in der eS der Kssminal- polizei zur Pflicht gemacht wnde, sich Ver- trauenspessonen zur Aufdeckung von Verbre­chen zu bedienen. In diesem Falle sei dieses Vessahren umso angebrachter gewesen mit Rücksicht auf daS Vorleben des Kimbel, b« ein gemeingefährlicher, vielfach vorbestrafter Mensch sei. Kimbel sei auch schon früher wegen seiner Prospekte mit Deckadressen angegangen wor­den, und die Polizei habe die Prospekte bekom­men. Es sei dann Bestrafung einoetreten. Verteidig« Justizrat Bernstein: Man hat also eine strafbare Handlung provoziess, um gegen Kimbel vorgehen zu können! Zeuge: Man kann in betartigen Fällen nicht anders verfahren, wenn man solchen Leuten bas Hanbwess legen will. Rach bet Vernehmung einer Reihe von weiteren Zeugen, bie aber NeueS nicht zu bekunben vermögen, wirb bie Verhandlung auf Freitag vessagt.

In der gestrigen Verhandlung des Scha- Piro-Prozesses vor der Darmstädter Strafkammer kamen interessante Einzelheiten aus der Vorgeschichte des Prozesses zur Sprache. Nach der Bekundung eines als Zeu­gen vernommenen Gastwisss und seiner Frau ist eines TaaK in ihrer Wirsschast eine Dame erschienen, bte sich als Theaterdame aus­gegeben habe und eine Wohnung habe mieten wollen. Der Preis sei ihr zu hoch gewesen. Ein Gast, der die Dame gesehen habe, habe ge­sagt, es sei die P o l i z e i a s s i st e n t i n. Dar­auf habe die Wirtin ihrem Manne erzählt, die Polizeiasststentin sei dagewesen und habe nach einer Wohnung gefragt. Ihr Mann hat dann der Frau Schapiro geschrieben, daß sie die Wohnung für einen billigeren Preis haben könne. Frau Schapiro versichert demgegenüber, daß sie niemals in der Wirsschast gewesen sei. In einer anderen Wirtschaft soll eines Tages eine Dame «schienen sein, die behauptet hat, sie sei eine tüchtige Animierkellnerin. Auch hier haben Gäste die Vermutung ausge­sprochen, baß es die Polizeiasststentin sei, weil in der Zeitung gestanden habe, daß die Polizeiasststenttn üch öfter als Animierkellnerin ausgegeben habe, um zu spionieren. Es wird sodann über die Fälle verhandelt, in denen Frau Schapiro mit Deckadressen gearbeitet hat. Es handelt sich in dem ersten Falle um ein Einschreiten gegen Annoncen, in denen Frauentropsen" angepssesen wurden. Die Polizeiasststentin hat int Auftrage des Polizei­rats an das angegebene Versandhaus einen Brief geschrieben, der irssümlich

Jas Genie der Fra«.

Die Fran int Erwerbsleben; weibliche Genies int Kanfmannsbernf; wie Frauen verdienen«

(Von unserm Mitarbeiter.)

Man schreibt uns aus Newhork: Die Zahl der Frauen, bie sich bem Erwerbs­leben und der kaufmännischen Welt zuwen- deu, wächst von Jahr zu Jahr, ab« di« Fälle, in denen Frauen sich durch ihre eigene Kraft in großen Betrieben zu wirklich führenden Stellungen emporarbeiten, sind in Europa ver­hältnismäßig noch selten. In dieser Be­ziehung sind die Frauen der Neuen Welt den Frauen der alten Wett weit voraus: Amerika zählt eine ganze Anzahl von Frauen, bie

Schwarz gegen ^öeitz?

Der verlockend schöne Plan hat indessen auch Schattenseiten und dazu gehört in esster Linie nach dem Urteil französisch« Kolonisator ren der Zweifel an der Verw endbarkeit schwarz« Truppenteile aus dem westaftikani- schen Frankreich im europäischen Klkma. Und daran denkt man doch allen Ernstes im ftanzöst- schen KtiegSministessum, wie die jüngsten Re- den beweisen. Der Sudanneg« und auch die Südmarokkanet und Algerier sind nicht auf alle Fälle in einem Krieg gegen De u t s ch l a n d auf europäischem Kriegsschauplatz verwendungS- fähig. Ein Winterfeldzug aber im Mutterlande oder gar ein Siegeszug in deutsche Lande hinein würde sie untüchtig zum Marschdienst finden. Kurzerhand schlug man deshalb in Pa- ssS vor, eine Probe auf die Wibesstandsfähig- kett gegen klimattsche Einflüsse zu machen und neue schwarze Regimenter an die Ostgrenze in Garnison zu legen. Eine weitere Schwierigkeit in der Kriegsverwendung der schwarzen Armee liegt in dem tiefwurzelnden Haß (namentlich der Rordaftikaner) gegen den französischen Er­oberer. Gewichtige fran8öf*<-*e Stimmen wollen schon jetzt den ganzen Essolg der neuen Re- krutierungsbewegung darin sehen, daß eS viel­leicht 'gelingen könnte, die weiten afrikanischen Gebiete im Kriegsfälle einzig der schwatzen Armee anzuvertrauen und dann daS ganze neunzehnte algerische Armeekorps überS Mittel­meer zu transportieren und im Mutterland zu verwenden. Ab« auch das scheint bedenklich, denn die politische und soldatische Treue der schwatzen Truppen gegen die Republik beruht bet Wahrheit nach nur auf bem Eindruck bet Aussichtslosigkeit bet Aufleh­nung gegen bie französische Fremdherrschaft. Dies« sie niederhaltende Eindruck kann im Kriegsfall dahinschwinden, und mit d« Gloite" zetflattett bann auch der französische Nimbus auf afrikanischem Boben, und in diesem Fall würde der ganze wette, kostbare, opf«- essaufte Kolonialbesitz in Hellen Ausruhsstürmen auflodetn. Man sieht: Gegen dieRetter aus Mohrenland" sprechen ernste Bedenken, und man erkennt, wie recht die deussche Kriegsver­waltung hatte, als sie im vorletzten Frühjahr den Gedanken an eine Gefahr, die auS ein« ftanzösischen schwatzen Armee ensstehen könne, tnhig, ab« überzeugt zurückwies.

Setter uns Mohrenland? Frankreichs kommende schwarze Armee; ihre Sebeutmtg für unser Militärwesen, von

Major a. D. Moraht.

DieSchwarze Armee" der Republik jensetts bet Vogesen kommt: Daran ist nicht zu zwei­feln, und die letzten Reden französischer Mini­ster haben bewiesen, wie sehnsüchtig man in Frankreich der endlichen Verwisslichung des Plans entgegenharrt. Die gewaltigen Anstren­gungen der Republik, trotz Geburtenrückgang und überragender Sterblichkeitszisser mit dem volkreichen Deutschland gleichen Schritt zu hal­ten, sind zwar (dank der großen Opferwilligkeit der Station) bisher immer von Essolg gewesen, aber Statistiker und Generalstabsoffiziere ver­mögen doch schon den Zeitpunkt nachzurechnen, an bem bet völkische Ueberschuß Germaniens bie gallische Wucht an bet Ostgrenze wie eine Woge ben Sanb hinwegzuschwemmen vermag. Da fiel der Blick bei Patrioten auf bas Menschengewimmel d« norb- unb westafti- kanischen Schutzgebiete, und man «rechnete sich den Zuschuß von mehreren Armeekorps, ja von Hunderttausenden von schwarzen Kriegern. Und wie die Franzosen immer schnell bei der Hand sind, wenn es gilt, einen neuen Gedanken in die Tat umzusetzen, so organisierte man schleu­nigst einen besondern Ausschuß, betraute tüch­tige Armeeoffiziere mit bet Erprobung beS MenschenmaterialS und rief Kaders ins Leben, denen die angeworbenen wehrpflichtigen Einge­borenen angegliebert werden sollen. Die Er- sahrungen wurden von dem srauzöstschen Ober­sten Mangin als äußerst günstig geschildert, und in bet Zai bietet sich ein körperlich schöner und wiberstandsfähig« Ersatz dar, der die Möglich­keit gibt, eine erhebliche Zahl von Tussoregi- mentern neu zu schaffen. Die D«ber unb Ara­ber Marokkos können in rein körperlicher Be­ziehung europäischen Kssatz in ben Schatten stellen, unb auch bie sonstigen kriegerischen Eigenschaften (Wagemut unb disziplinäre An­lagen) würben zugunsten eines Experiments im großen Stil sprechen.