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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

Nummer 171

2. Jahrgang.

Freitag, 28. Juni 1912

Fernsprecher 951 und 952.

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Heimkehr aus Mel.

Lommergeflüster ans der Berliner Wilhelm- stratze;Mo«opolträume;Delbrüü alsRetter?

Die Gespensterseher halten in diesen seucht- warmen jungen Sommertagen glänzende Ernte, und aus dem Gelände der Kulisfen- politik steigen, wie glitzernde Jrrlichtchen, al­lerlei seltsame Kombinationen auf: Die eilige Rückkehr des Kanzlers aus den frischen Brisen der Wasserkante in die Aktenstaub-Sphäre der Wilhelmstratze hat zu mannigfachen Deutungen Anlaß gegeben, die aus verwickelten Verhält­nissen in der äußern und Innern Politik herge- leitet werden, und man kann auch kaum in Ab­rede stellen, daß es für den verantwortlichen Leiter des Reichsgeschästs auf beiden Gebieten im Sommer dieses Kummerjahrs noch manche harte Nuß zu knacken geben wird. 'Der ttali- cnisch-türkische Krieg (der doch einmal ein Ende finden muß) erfordert die ganze Stuf« merksamkeit des etwas unbequem auf zwei Stühlen sitzenden Berliner Auswärtigen Amts, und die Stürmer und Dränger der Königlich Sächsischen Regierung, die fortwährend das Schreckenswort von der Erbanfallsteuer im Munde führen und nach einem (an der Hey- dcbrand-Tafel in Klein-Tschunkawe geprägten) Kraftspruch eineBesteuerung der Toten" ver­langen, lassen keine ruhige Beschaulichkeit in t>" Gartenlaube des Kanzlers^tnter der Mauer an der Königgrätzerstraße aufiommen. Es ist also auch in eines Kanzlers Leben häßlich ein­gerichtet: Herr von Bethmann Hollweg muß cs täglich schmerzlich erfahren, obwohl er durch das Zusammengehen von Erzberger und Bassermann das Auscinandergehen mit sei­nem obersten Kriegs- und Friedensherrn glück­lich vermieden hat.

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Der Stein der Weisen.

DaS zwanzigste Jahrhundert ist weder dank­bar noch ausdauernd: Der OptimistnuH, der nach der schnellen Erledigung der Wehrvorla- gen bezüglich der Deckungsfrage im Parlament und im Reich so kecklich aufsproß, wie der Spargel zum Maien-Ende, hat sich schon ver- slüchtigt, und was man neuerdings aus dem Rcichsschatzanrt hört, das muß die Befürchtung erwecken, als ob schon wieder Differenzen bei Aufstellung der Finanzpläne eingerissen seien, die lebhaft anWermuths letzte Tage" erinnern. Nachdem das Zentrum dieBrüs­kierung" aus dem Ladenhüterschatz parteipoliti- scher Ethik hervorgehott und durch sein Ber­liner Organ hat orakeln lassen:Wenn der Bundesrat und der Reichskanzler nicht von allen guten Geistern verlassen sind, dann le­gen sie gerade die Kindeserbschaftssteuer nicht vor, und zwar aus politischen und taktischen Gründen," ist es um die Zuversicht der Reichs­schatzverweser geschehen, obwohl ein starker Block, der von dem Reichsparteiler Camp bis zum Genossen Georg Ledebour reicht, eine zuverlässige Mehrheit gewähren will. Die Zeit aber drängt zum Entschluß, denn in längstens drei Monaten sollen sich die Vertreter der Bun­desstaaten in Berlin zum Rendezvous versam­meln, um zu den Deckungsvorlagen endgültig Stellung zu nehmen, und das gesamte Ma­terial soll dann in den warmen Sommer­monatenparlamentsreif" Hergerichtei werden. Jsts «in Wunder, daß man angesichts der zu Bergeshöh'n sich austürmenden Schwierigkeiten in der Wilhelmstraß« sowohl wie im Schatzamt des Reichs immer stärker werdende Beklem­mung fühlt? Herr Kühn, Wermuths bärtiger Nachfahr, trägt einen stolzen Namen, aber Kühn"-heit ist nicht immer der Tapferkeit «nd der staatsmännischen Größe bestes Teil!

Delbrück, der Retter?

Indessen: Ein süßer Trost ist doch geblie. den: Der Name Delbrücks, des Staats­sekretärs im Reichsamt deS Innern, tritt neuer­dings stark unter den herbeigeflehten Rettern aus der Not hervor. Man erinnert sich seiner wirtschaftlichen Programmrede aus dem März dieses Jahres:Man hat zum Teil aus Grün­den wirtschaftlicher Dofiorin, zum Teil aus Gründen politischer Natur die Staatsmo- nopole aufs äußerste perhorresziert. Fetzt erwachsen uns in den Syndikaten zweifellos Organisationen, die den Charakter eines Pri- vatmonopols annehmen können, und ich bin der Ansicht, daß ein solches Privatmonopol erheb­lich gefährlicher werden kann, als ein Staatsmonopol in einem konstftutionell regier­ten Land. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß wir allmählich gezwungen sein wer. den, die Privarmonopole in StaatSmonopole zu verwandeln . . ." Als Herr Delbrück da­mals hinzufügte, er habe den Eindruck, daß wir .für dies« Erkenntnis noch nicht reif seien", er­

hob sich im Redehaus am Berliner Königsplatz schallende Heiterkeit; jetzt aber scheint es fast, als ob dem Reich dennoch einReifezeugnis" für die Erkenntnis des Vorzugs Monopolwirtschaft, licher Unternehmungen ausgestellt werden soll: Der Gedanke eines Zündholz- und Pe. troleum mono Pols hat greifbare Gestalt angenommen, und aus sicherer Quelle verlautet sogar, man nutze im Reiche des Herrn Kühn des Sommers lange Tage mit der emsigen Förderung einer G e f e tz e s a u s a r b e i - tung, deren Inhalt und Kern Herrn Delbrücks millionenglitzernde Monopolideale sichtbar wi­derspiegeln. Und zum Herbst, wenn sich das Haus am Berliner Königsplatz zur Winter. Campagne versammelt, werden wir vielleicht staunen über denEffekt" der eiligen Heimkehr des Kanzlers ans Kiel . . .! -an.

Der Kaiser und der Zar-

Das Programm der Reise des Kaisers.

(Privat-Telegram m.)

Danzig, 27. Juni.

Die Reifedifposttionen des Kaisers sind jetzt dahin abgeändert worden, daß sich der Kaiser am nächsten Sonntag von Kiel an Bord der .Hoher^ollern" direkt nach Danzig be­geben wird, wo er am Montag abend eintvisst. Für Dienstag ist eine Besichtigung der ersten Leidhusaren-Regiments unter Kommando des Kronprinzen vorgesehen. Die Abfahrt von Dan. zig erfolgt am Dienstag abend oder Mittwoch früh und zwar wird dieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord direkt nach den Finni­schen Schären abdampfen, wo dann die Zusammenkunft mit dem Zaren stattfindet. Nach der Zusammenkunft begibt sich der Kaiser auf kurz« Zett nach Berlin zurück, um dann am siebenten Juli von Dwinemünde aus die Rordlandrets« anzutretvn.

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Ei« weiteres Privat.Telegramm meldet uns dazu aus Petersburg: Der Kaiserentrevue in den Schären wird außer dem Ministerpräsidenten K o k o z o w und dem Mi­nister des Aeutzern, Sasonow, auch der neue russische Botschafter in Berlin Swerbejow, beiwohnen, der jetzt aus Athen i« Petersburg eintraf. Daraus darf geschlossen werden, daß die Entrevue in bcn Schären einen ausgespro­chen politischen Charakter hat.

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Rußland und seine Spione.

(Privat-Telegram m.)

Petersburg, 27. Juni.

Aus offizieller Quelle wird mitgeteilt, die russische Regierung habe di« Forderung der sofortigen Freilassung des in Berlin.der. hasteten Spions Kostetvitsch gestellt und gleichzeitig eine Entschädigung der deutschen Regierung gefordert, falls diese nicht im Stande sei, die konspirative Tä­tigkeit Kostewiffchs zu beweisen. Schließlich stellt di« russische Regierung Kostew itsch frei, die Schadenersatzklage nach dem Völkerrecht gegen die deutsche Regierung wegen der Ver­haftung einzuleiten. Der Fall Kostewitsch stehe insofern einzig da, als die deutsch« Regierung von seinem Eintreffen offiziell verstän­digt worden war. Die offizielle Quelle, aus der dies« Meldung stammt, ist nicht bekannt.

Wieder ein Flieger-Absturz!

Oberleutnant Ritscher schwer verletzt.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 27. Juni.

Heut« morgen kurz vor fünf Uhr hat sich auf dem Flugplatz Johannistal abermals ein schwerer Unfall zugetragen. Ein Fokker- Eindecker mit dem Erfinder Fokker selbst und seinem Schüler, Oberleutnant Ritscher an Bord stürzte ab, wobei der Offizier schwer verletzt wurde. Fokker blieb unversehrt. Der Apparat wurde gänzlich zertrümmert. Wie Augenzeugen berichten, erfolgte der Absturz des Eindeckers aus einer Höhe von etwa zwanzig Metern; wodurch der Absturz herbeigeführt worden ist, steht noch nicht fest; Fokker erNärte, fein Flugzeug sei von einem heftigen Wind­stoß erfaßt und mit aller Wucht niederaedrückt worden, so daß das Steuer die starke Erschütte­rung nicht auszugleichen vermochte. Der Flieger rettete sich, indem er kurz vor dem Ausschlagen des Flugzeugs auf den Boden von seinem Sitz absprang, während Oberleutnant Ritscher durch das Gestänge und die Drähte des Apparates festgehalten wurde. Ritscher hat schwere innere Verletzungen erlittcn ünd sein Zustand gibt m den ernstesten Bekoranisseu An­

laß. Man brachte den Verlebten in ein Ber­liner Krankenhaus, wo er bisber das Bewußt­sein noch nicht wieder erlangt hat.

Maffenfiucht aus dem Türken-eer.

Offiziere «nd Soldaten auf der Flucht.

Wir berichteten dieser Tage über die M a s - sen-Desertionen türkischer Truppen, die mtt der Unzufriedenheit in der Armee über die Haltung der Regierung in der albanischen Frage in ursächlichen Zusammenhang zu brin­gen sind. Nach den letzten Meldungen soll die Zahl der fahnenflüchttgen Soldaten zwei­hundert überschreiten. Der Rangäl­teste der desertierten Offiziere ist der albanische HauptmannTajarBey. Die Desetteure, die angeblich einige Maschinengewehre in ihrem Besitz haben, sollen sich im Gebirgs­gebiete Demirhissar, etwa dreißig Kilometer nördlich von Resna.befinden. Weitere Deve- schen melden:

Konstantinopel, 27. Juni.

(Privat-Telegram m.)

In Monastir hat gestern das dort garniso» nierend« dritte Infanterieregiment gemeutert. Die Soldaten fordern, entlassen zu werden. Sie erklären, daß ihre Dienstzeit beendet sei und verweigern den Dienst. Die Truppen von Ipek haben eine Depesche abgesandt, worin sie eine ^fertige Entlassung fordern. Sie be­gründen dieses Verlangen durch die Tatsache, daß sie bereits sechs Monate länger als er ihre Pflicht sei, eingezogen sind, während welcher Zeit ihre Familien ohne Unterhalt bleiben mußten. In Regierungskreisen ist man wegen der Ereignisse in Monastir ernstlich be­sorgt. Der Platzkommandant von Konstan- ttnopel ist mit hundertfünfzig Soldaten gestern abend nach Monastir abgereist, um (wie Verlau­tet) gegen die Deserteur« vorzugehen. Der Mi­nisterrat beschäftigte sich gestern mtt den Vor- gänaen in Monastir und mtt den gemeinsa­men Maßnahmen, die di« Regierung ergreifen will. Der mtt feinen Soldaten entflohene Hauptmann Tajar Bey hat «in Schreiben an den Kommandanten von Monastir hinterlassen, in dem.er erklärt, die Bewegung fei nicht ge­gen daS Vaterland, sondern gegen die Herr­schaft des jung türkischen Komitees gerichtet.

ler Kriegsminister dementiert!

Im Anschluß an die vorstehenden Meldun­gen wird uns noch au8 Konstantinopel berichtet: Der türkische Kriegsminister bezeich­net alle übertriebenen Meldungen übet die Meuteret in Monastir für falsch. Es seien bort am letzten Sonnabend lediglich zwölf Offiziere und einundsiebzig Mann vom neun- undvierzigsten Infanterie-Regiment deser­tiert und in die Berge geflüchtet, und zwar auf das Gerücht, die türkische Regierung hätte die europäische Türkei an eine fremde Macht verkauft. Neunzehn Mann seien freiwillig zurückgekehtt, zwei Offi­ziere und zwei Mann seien gefangen genom­men worden. Diese würden kriegsgericht­lich besttast werden.

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Shiva vor neuem Unheil?

(Privat-Telegram m.)

London, 27. Juni.

Ter Pekinger Berichterstatter der Er-bange Telegraphen-Company versichert, daß Peking sich angeblich am Vorabend schrecklicher Ereignisse befindet. Eine sremdenfeind- liche Bewegung von befonderer Stärke drohe sich zu entwickeln, und es fei für die Europäer gefährlich, außerhalb der City zu leben. Der Berichterstatter rät den Europäern, den Ge- sandffchaflen so nahe wie möglich zu bleiben. Vom Präsidenten abwärts fei die ganze Re­gierung tatsächlich m a ch t l o s, da die fremden­feindlichen Elemente in Wirklichkeit die Situ­ation beherrschten und die gesamte chinesische Bevölkerung fanatisierten.

RoosevelL'Brhan marschieren!

Demokraten «nd Fortschrittler gegen Tast

Herr Theodore Roosevelt, der abgesägte Prätendent der republikanischen Bankers, macht das Unmögliche möglich: Er hat sich, nachdem er von den Republikanern in aller Form exmit­tiert worden ist, mtt den grimmigsten Gegnern der Republikaner, den Demokraten verbun­den, um gemeinsam mit diesen gegen William Tafts enormes Schwergewicht zu marsOeren. Teddy hat damit einePerlhuhn- nnd Kaninchenpaarung" vollbracht, die selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bisher nicht ihresgleichen hat:

Newyork, 27. Juni.

(Telegraphische Meldung.)

Die schon verschiedentlich aufgetauchte Der. mutung, daß sich die Partei Roosevelts und die Bryan» susammenschtiebenl

werden, um gemeinsam gegen ihre Gegner vor. zugehen, ist nunmehr zur Tatsache getont- den. Wie jetzt bekannt wird, haben ztoischen den Parteigängern Roosevelts, die sich auf bei Suche nach Anhängern für die neue fortschritt­liche Partei befinden, und den Parteigängern Bryans bereits geheime Verhandlun- gen stattgefunden, mit dem Endziel, ein ge­meinsames Vorgehen gegen die repu« blikanische Partei zu ermöglichen.

Die Demokraten in Baltimore.

lieber den bisherigen Verlauf des Demo« kratischen Convents in Baltimore mel­det uns ein weiteres Newyorker Privat- Telegramm: Die vorgestrigen Mißerfolge Bryans wurden gestern durch bedeutende Er- folge abgelöst. Die Radikalen gewannen in den gestrigen Verhandlungen des Konvents auf der ganz en Linie die Oberhand und ihrem Anträge entsprechend ist der Senator Ja. mes von Kentucky, ein überzeugter Anhänger Bryans, zum definitiven Convents. Prä, s identen gewählt worden.

Die llngisickr-Marim.

Schiffs-llnsälle an Bord des stanzöfischen Panzerschiffs Jules Michelet; sechs Schwer- verletzte; einer der Verletzten gestorben!

(Privat-Telegramm e.)

Paris, 27. Juni.

An Bord des PanzerschiffesJules Miche. let" ereignete sich gestern abend beim Ucbungs- schießen unweit des Ortes Salin d'Heyeres bei Toulon «in Unglücksfall. Während meh- rere Matrosen damit beschäftigt waren, «irte Kanon« zu laden, explodiert« plötzlich der Lauf, jedenfalls infolge von Ueberhttzung. Zwanzig Matrosen, die ttr der Nähe standen, wurden zu Boden geschleudert. Einig«, di» weiter entfernt standen, wurden ebenfalls durch umherfliegende Splitter der Kanone schwer verletzt. Man zählt zwanzig Leicht-und sechs Schwerverletzte. Unter Letzteren befindet sich auch der Offizier, der di« Schieß, Übungen leitete. Rach einem vom Martne- minister veröffentlichten Bericht ereignete sich die Explosion ttn Geschützturm und wurde durch die Entzündung einer Kartusche, di« ttr ein Geschützrohr eingeführt werden sollte, ver­ursacht. Neuere Meldungen besagen: Die dem Unglücksfall vorausgehende Schießübung auf demJuleS Michelet" war ausgezeichnet »er­laufen. Der Panzerkreuzer befand sich fer* ebn Meilen von Toulon entfernt, als ein Geschütz an Backbord des Achterschiffes zersprang, wobei dreizehn Personen verletzt wurden. Als daraus die Schießübung, der Admiral Sourieu bei­wohnte, wieder ausgenommen wurde, ereignete sich ein neneSUnglück, indem die Flamme zurückschlug, ähnlich tote auf derGloire" im September vorigen Jahres. Hierdurch wurden weitere dreizehn Personen verletzt, darunter ein Schiffsleutnant und zwei ander« Marineoffi, ziere. Sie erlitten schreckliche Brand- wunden an den Händen und tot Gesicht. Einem Soldaten wurde ein Ann weggerissen. Das Befinden d«S Schiffsleutnants ist sehr ernst. Auf dem Transport zum Marine-Laza- fett verstarb einer der Schwerverletzten. Der Zustand mehrerer anderer Schwerverletzter gibt ebenfalls zu den ernstesten Besorgnis- sen Anlaß und man glaubt kaum, daß sie den heutigen Tag überleben werden.

Sberschlesische Sensationell.

Die Beamten-Anterschlagnugen vor Gericht t die Praktiken eines Defraudanten; Betrüge­reien in Gemeinfchaft mitGruben-Beamten, (Bericht unsers Korrespondenten.)

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Beuthen in Oberschlesien: In dem Prozeß wegen der Millionen- Betrügereien auf oberschlesischen Werken verurteilte die Strafkammer gestern in später Abendstunde den Buchhalter Beck z« dreieinhalb Jahren Gefängnis, Frau Beck zu hundert Mark Geldstrafe. Drei An­geklagte wurden fteigesprochen. Die Ehefrau und die Tochter WloszikS wurden zu zwei Monaten bezw. vier Monaten zwei Wochen Gefängnis ver­urteilt. Beck erklärte nach der Verkün­dung deS Urteils, daß er gegen daS- selbe Revision anmelden werde.

Vor der Beuthener Strafkammer begann gestern der Sensationsprozeß gegen den ein­unddreißig Jahre alten Lagerhalter der Firma Henschel, Viktor Beck aus Kattowitz, sowie dessen Ehefrau Hedwig Beck wegen Unter« schlagung, Fälschung von Frachtbriefen und Bestechung, Ferner sind weaen Bet»