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Nummer 169.

Mittwoch, 26. Juni 1912

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Casseler NM Nachrichten

Abendzeitung

Laffeler Abendzeitung

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erwärmendes Bild.

F. H-

gegenstände ta die Hände fielen, harrt nach

erfahren, daß keiner der Kund en etwas immer der Aufklärung. Trotz der eifrig«, TL- erhalten haben wollt«. Krim batte dieItigkeit der Frankfurter Krtminalvoltret sind alle

Der Schweinsberger Iuwelenraub

Der Radfahrer mit dem Rucksack.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Ermittelungen bislang ohne positives Ergebnis geblieben. Man vermutet, dag es sich um einen gewöhnlichen Einbrecher han­delt, der nach Geld oder Lebensmitteln suchte, und dabet ganz zufällig die Pretiosen fand. Der Verdacht der Täterschaft richtet sich gegen einen fremden Radfahrer, der am Tage vor dem Einbruch sich in der Gegend auf­gehalten haben soll. Dieser Radfahrer soll am vierzehnten Juni, morgens gegen drei Uhr (der Diebstahl wurde gegen zwei Uhr nachts verübt) in der Richtung nach Mardorf eilig davongefahren sein. Die weitere Spur hat bisher nicht ermittelt werden können. Rach Ansicht der Frankfurter Kriminalpolizei, die mit den Ermittlungen betraut ist, kann nur dieser Mann als Täter in Frag« kommen. Der Unbekannte trug, als er an dem fraglichen Morgen in der Richtung auf Mardorf zu gese­hen wurde, einen gefüllten Rucksack, wäh­rend er früher beobachtet wurde, wie er einen leeren Rucksack trug. Auf die Herbeischaffung der gestohlenen Sachen ist bekanntlich eine Bk- lohnung von zweitausend Mark ausge­setzt worden.

Konstantinopel, 25. Juni.

Wie die ZeitungJkdiham" erfährt, leiteten die Mächte einen MeinungSaus- auStausch ein, um schlüssig zu werden ob dem italienisch-türkischen Kriege durch eine Konferenz oder einen Kollektiv- schritt ein Ende gemacht werden solle. ES seien scharfe und bedenkliche Gegensätze »wischen den Mächten zu- tage getreten deren Beilegung führ fraglich erscheinen müsse.

Als die Firma Hetzer ihren vermeintlichen Kun­den, denen sie die bohen Beträae aufgrund ihrer Bonität stundete, nach einem Jahre die Rech- nuna «insandte, mußt« sie zu Ärem Schrecken erfahren, dah keiner d * *

Waren sich direkt nach Berlin kommen lassen und sie an'Zwischenhändler tm wahren Sinne des Wortes verramscht. Seine Hauptab­nehmer waren die Gebrüder Salomon, und man war schon längere Zeit in den Ber­liner Konfektionskreisen nicht wenig erstaunt, daß es diesen Brüdern möglich war, auf dem Tuchmarkte mit Preisen zu operieren, die um dreißig Prozent hinter dem Durchschnitt zurück­standen. Nachdem die Verfehlungen Kaims au^aedeckt waren, wurden die Brüder Salo­mon in Hast genommen, aber nach Stellung einer Kautwn von dreihunderttausend Mark wieder in Freiheit gesetzt. Sie zogen es jedoch tio* die Kaution verfallen zu lassen und ins Ausland zu flüchten. Kaim, der verheira­tet ist, aber von seiner Frau getrennt lebt, hat sich daher allein vor Gericht zu verantworten. Zu der Verhandlung sind vierzig Zeugen geladen. Der Prozeß dürfte drei Tage in An­spruch nehmen.

Frau Schapiro in Mainz hat (wie man hört) vor ihrer Berufung als Polizeigehülfin einmal ein Pensionat geleitet und ist außerdem Mutier von drei Kindern: Es läßt sich also darüber streiten, ob diese Tatsachen ausreichen, ihre Befähigung für ein wichtiges und verant­wortungsvolles Amt überzeugend darzutun. Noch ein paar Worte über den Prozeß selbst: Es handelt sich wieder einmal um. eineSen­sation", und wir haben uns bereits daran ge­wöhnt, bei forensischen Schauspielen dieser Art mehr Peinliches als Erfreuliches zu schauen. Rund hundertfünfzig Zeugen drängen sich im Tempel der Justiz, Leute aller Stände: Bürger, Offiziere, Beamte, Lebedamen und kleine Mäd­chen mit Gretchenzöpfchen, kaum der Hut der Schule entronnen. Das Blitzlicht der Gerechtig­keit leuchtet grell in die fernsten Winkel längst vergessner Vergangenheit, erinnert den wür­digen Greis an der Jugend tolle Torheiten, läßt vorm entsetzten Auge graubärtiger Zeugen die längst verblichnen Schriftzüge gilbender Briefe austauchen, die einst, in des Lebens blühendem Mai, ewige Liebe und Treue kün­deten, um dann, wie so manches Ideal sonni­ger Jugend, im Meer des Schicksals zu ver­sinken, und entlockt einem Mann von der un- bestrittnen Achtungwürdigkeit des Mainzer Bei- gevrdneten Berndt das schmerzliche Bekenntnis jahrelanger Seelenfolter, die ihm die Niedrig­keit verbrecherischer Instinkte aus der Kenntnis törichter Jugendliebe bereitete. Mutz das alles fein? Die Gerechtigkeit kann von dem Massenaufgebot romantischer Sensationen kaum profitieren und es ist auch nicht einzusehen, wer sonst noch ein Interesse daran haben könnte, die'tiefsten Tiefen einiger Menschenseelen vor schadenfroh blinzelnden Augen entschleiert zu sehen: Die Gerechtigkeit, umrauscht vom Lärm der Sensationen, bot noch nie «in ästhetisch

Sie Kieler Kaisertage.

Der Kaiser über seine Lehrmeister» (Privat-Telegram m.)

Kiel, 25. Juni.

Der Kaiser nahm gestern abend in den Räumen des Kaiserlichen Jachtklubs di« Preis- Verteilung vor und wohnte dem sich daran an­schließenden Jub iläum s festesfen mit dem Kronprinzen, den Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und Heinrich bei. Während d«L Fest« essens formierten sich über fünftausend Mitglie. der des KreiskriezerverbandeS von Kiel und Umgegend zu einem Dorbeimarsch vor dem Kaiser. Unterdessen hatte dieHoheuzollern" undM im Häsen liegenden Schiffe festlich illu» miniert. Auch die Kriegsschiffe ließen ihr« Scheinwerfer spielen. Während des Festmahles im Kaiserlichen Jachtklub hielt Prinz Hein­rich eine Rede, worauf der Kaiser in einer län­geren Ansprache erwiderte.

Sportsman und Gentleman«

Ich seiner Antwort auf die Rede bei Prinzen Heinrich dankte der Kaiser für die hin. gebende Mitarbeit der Segler und sagte unter andenn: Wir erkennen als Gesetz für «nseren Klub nur Las eine an: Wer Mitglied werden will, muß Gentleman sein. Wenn ich bei Lehrmeister für einen Teil der Herren ge. wesen bin, so mutz ich auf meine Lehr­meister Hinweisen. Wir verdanken de« englischen Kapitänen, die ich auf mei­nen Jachten hatte, und den englischen Crews viel. Diese Kapitäne kommen aus einem Volk, das inbezug auf die Jachtauswahl an der Spitze aller Jachtflotten steht. Die diesjährige JubiläumSwoche hat lediglich deshalb eine solch große Entwicklung genommen, weil zu Haus Dampfer und Segler aus England herüber, kamen.

Bin« Woche Schapiro.

Momentbilder vom Darmstädter Prozeß.

Nach Mainz nun Darmstadt: Im Tem. pel der Gerechtigkeit wird über die Moral verhandelt. Zum zweitenmal; und wie schon im ThemishauS zu Mainz, so scheint auch diesmal das Bild, das vor den Schranken deS Gerichts in ganzer Breite aufgerollt wird, mehr Schat­ten als Licht zu offenbaren, mehr Plage als Wohltat, und mehr Aergernis als Segen. Die Stadt Mainz im Hessenland hat (dem Bei­spiel andrer Städte folgend) vor nicht langer Zeit «ine Polizei-Assistentin angestellt, um di« polizeilichen Funktionen im schwierig, sten Dienstzweig: In der Sittenkontrolle durch weiblichen Einfluß zu vermenschlichen. Uetzer di« Nützlichkeit dieses Strebens braucht nicht ge­rechtet zu werden: In zahlreichen Großstädten ist das Institut der Polizei-Assistentin seit Jah­ren eingeführt und hat sich im allgemeinen auch vortrefflich bewährt. Der Polizei-Assistentin fällt die Aufgabe zu, die der polizeilichen Auf­sicht unterstehenden weiblichen Elemente zu überwache, sich der Fürsorge für die sittlich ge­fährdet« weibliche Jugend zu widmen und im amtlichen Verkehr diejenigen Funktionen aus. zuübe«, die mit Rücksicht auf di« ganze Eigen, art der Situation weibliche Mithülse und Ver­mittlung wünschenswert erscheinen lassen. ES läßt sich also nicht verkennen, daß das Amt der weiblichen Polizeigehflfinnen für die mo­derne PMzeiarbeit wertvoll ist und außer, ordentlich nützlich fein kann, wenn seine In. haberin mit klugem Verständnis und warmer Nächstenliebe ihre Pflichten erfaßt und bett ihm Obhut Anbefohlenen mehr Beraterin als Aufseherin, mehr mitfühlende Schwester als schroffe Beamtin ist.

Man darf also sagen, daß die Stadt Mainz einer Forderung politischer Humanität ent­sprach, als sie ihre Polizei durch die Zuhilfe­nahme des weiblichen Elements ergänzte. Es scheint indessen, daß man in Mainz über den Pflichte «kreis einer Polizei-Assistentin nicht ganz im Klaren gewesen ist, als man die Gattin des Chemikers Schapiro der städti. schen Hermandad als Gehilfin attachiette: Wie die Beweisaufnahme im jetzigen (zweiten) Prozeß unzweideutig erwiesen hat, ist in der Tättgkett der (noch recht jugenblichen) Beamtin ein gewisser Uebereifer entwickelt worden, des. sen gute Absicht nicht bestritten werden soll, dessen Wirkungen aber immerhin nicht unbe­denklich erscheinen. Man scheint in Mainz der Ansicht gewesen zu sein, daß der Polizei-Assi. ftenttn in erster Linie das Tugendwäch. ter amt zusalle und eS ihr obliege, die'Sitt­lichkeit der Mainzer Erdenbürger vor allen sichtbaren und unsichtbaren Gefahren zu be. hüten. Ohne Zweifel: Ein Amt der Art ist fast noch interessanter wie das Metier des Sherlock Holmes, und es kann fast nicht Wunder nehmen, daß die junge Dame, die man mit dieser deli­katen Aufgabe betraute, in dem Bestreben, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, einen Eifer entwickelte, der zuweilen die Grenzen des Zuträglichen und Erlaubten überschritt.

Es erübrigt sich, aus den in mancher Hinsicht überaus charakteristischen Verhandlungen des Darmstädter Schapiro-ProzesseS Einzelheiten herauszugreifen; man sieht immer und überall dasselbe Bild: Uebereiser und Ueberempfind. lichkeit, übertriebner Argwohn und übermäßig geschraubte Moralbegriffe, und man erkennt aus innerster Ueberzeuzung, daß die Tugend mit der Polizeiaufsicht imgrunde nicht das Ge­ringste zu tun hat. Imgoldnen Mainz" sind die Erdenkinder sicher nicht schlimmer wie auch anderwärts unter der Sonne, und man hat des­halb mit einigem Staunen vernommen, daß die Polizei dort di« zartesten Herzensregungen der ihrer Obhut Anvertrauten mH einer Auf­merksamkeit überwacht, die fast rührend wirkt, und deren lichter Idealismus nur dadurch etwas verdüstert wird, daß die Praxis dieser Tugendwacht zuweilen unliebsame Konseguen- zen im Gefolge hatte. Es läßt sich nichts da­gegen sagen, daß die Polizei das Laster mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft, im Gegentefl: Es ist ihre Pflicht, und wenn sie dieser Pflicht mit unnachsichtiger Strenge gerecht wird, dient sie der Allgemeinheit und dem Volks intereffe. Etwas anders ist's indes, sen, wenn in dem Bestreben, Unheil zu ver. hüten, noch größeres Unheil angerichtet wird und die polizeilich« Fürsorge zu einer Gefahr für Unbesch oltne und Unbe. teiligt« wird. Die Wohltat gestaltet sich daM zur Plage, und di« bürgerliche Rechts- sicherheit erfordert «I, dagegen mit aller Ent. schiedercheft zu prosterieren,

ng.

133.

Das Schicksal der Türkei.

Reue Wetterwolke« über dem Balkan.

Die Orientfrage drängt ihrer Entschei­dung zu. Die Mächte sind einig, daß das all­gemeine Interesse eine baldig« Beendigung des türkisch-italienischen Kriegs erheischt, doch streitet man um den richtigen Weg, der zu diesem Ziel führen soll. Italien scheint andererseits eine entscheidende Mion zu planen, unid es gewinnt den Anschein, daß zu diesem Zweck weitausgreifende politische Maßnahmen des romanischen Kabinetts dicht vor dem Abschluß stehen. Wir verzeichnen nachfolgend die über die augenblickliche Situa- tion uns vorliegenden Drahtmeldun« gen:

Athen, 25. Juni.

Hier verlautet, daß die italienische Wat­te nebst mehreren größeren Transportschif­fen, auf denen sich zirka 28 000 Mann Sol­daten befinden solle«, bei der Insel Slam, palis zusammengezogen sei. Admiral AmegNo hat Rhodos verfassen, und man nimmt allseitig als sicher an, daß die Jia. liener nunmehr ihre Operationen ge- gen die Inseln ChioS und Mythilene aus- nehmen werden.

Konstanttnopel, 25. Juni.

Blättermeldungen zufolge hatte der hier eingetroffene Kommandant der Dar- danellenslotte am Sonntagabend mit dem StaatSfekrttär int Marineminifte- rittm Hustem-Pascha und dem Marinerefor. mer Admiral LympuS Besprechungen über die Verteidigung der Dardanel. len. Die Türkei ist entschlossen, jeden neuen Angriff der Italiener mit allen Mitteln abzuwehren uns bis zum Aeußer. sten Widerstand zu leisten.

Sie Mae Der Römer?

Das Konstantinopeler Blatt «Jeune iure" bringt folgende, noch nicht bestätigte Nachricht aus Cettnje: Drei Delegierte deS albane- sischen Komitees aus Rom sind hier eingetrof­fen. Sie wurden durch den Ministerpräsidenten empfangen und konferierten darauf mit den Führern der nach Montenegro geflüchteten Ar. nauten. Man glaubt, daß Montenegro beabsich­tige, die türkischen Truppen an der Grenze anzu-zreifen, und daß diese An­griffe zusammenfallen fallen mH der Besetzung des westlichen Teils der Halbinsel Gallipoli seitens der Italiener, die diesen Teil besetzen wollen, als WafsenbasiS für eine neue Aktion gegen die Dardanellen. Zu gleicher Zeit würde ein neuer albane- sifcher Auf st and entstehen, um die türki- fchen Streitkräfte zu zerteilen.

bin Berliner MMonen-Prozeß.

Riesenunterschlagungen des Agenten Kaim.

(Von unserm Korrespondenten.)

Berlin, 25. Juni.

Vor der vierten Straflammer des Königli­chen Landgerichts I begannen heute vormittag die Verhandlungen wegen der Riesenun­terschlagungen, die dem Tuchagenten Kaim zur Last gelegt werden und im Febru­ar vorigen Jahres zu einer großen Krisis im gesamten deutschen Tuchgewerbe führten. Kaim ift bereits vor sechs Jahren auf Abwege geraten und Hat einer auswärtigen Tuchfabrik als deren Vertreter etwa Hunderttausend Mark unterschlagen. Trotzdem gelang es ihm. wie­der eine gute Stellung zu bekommen, in der er jährlich gegen fünfzigtausend Mark verdiente und ein Arrangement mit der geschädigten Firma treffen konnte, wonach er sich verpflichtete, die uitterschlaqen« Summe in Raten zurückzuzahlen. In der Folgezeit erhielt er eine Stellung als Hauvtvertreter der Firma Franz Hever in Greiz. Die Firma war mit ihrem Berliner Vertreter äußerst zufrie­den, denn in Jahesftist lieferte er Bestellungen von auswärtigen Firmen, die üch auf über andertbalb Millionen Mark beliefen. Daneben war er noch als Aaettt für andere Tuchfabriken tätig, die er ebenfalls

«U bedeutenden Aufträge« bedachte.

Das Rendezvous in den Schären.

(Privat-Telegramm.)

Wie uns weiter aus Kiel berichtet wird, gelten für die N o rd l and fah rt des Kai. fers folgende Bestimmungen: DieHohenzol­lern" verläßt am nächsten Freitag Kiel ohne den Kaiser. Der Kaiser fährt mH feinerMe­teor" nach Travemünde und fchifst sich dort zur Fahrt nach Danzig ein. Voraussichtlich geht am siebenten Juli von Danzig aus die Fahrt nach den sinnifchen Schären. Nach der Rück- kehr von Rußland wird Swinemünde angelau­fen, wo sich die Gäste des Kaisers für die Nord, landreis« einschifsen. Am achten An zu st trifft der Kaiser wieder in der Heimat cm.

Am sechsten Zag.

(Privat-Telegramm.)

Darmstadt, 25. Juni.

Der gestrig« sechste Verhandlungstag deS Schapiro-ProzesseS hat die charakte­ristischen Moment«, die die bisherige Verhand­lung erbrachte, noch schärfer in den Vorder­grund treten lassen. ES ist die gleiche Art der Falle", die durchgenommen werden und nur vereinzelt werden Punkte festgestellt, von denen sich möglicherweise sagen ließe, daß eS sich hier um Uebergriffe handle und um eine Einmi­schung in Verhältnisse, di« die Polizei imgrund« gar nichts angingen. Im allgemeinen aber erbrachte auch die gestrig« Verhandlung sür die Polizeiassistentin mehr Rechtsertigung als Belastung, und man gewinnt fast bett Ein­bruch baß Frau Schapiro in gewisser Bezie­hung das Opfer eines bis nun Fanatismus gesteigerten amtlichen EvferS geworben ist, ber sie wohl auch dazu getrieben haben mag, den Rahmen ihrer amtlühen Betätigung so weit auszudehnen, als es nur eben möglich war. Daraus läßt sich denn auch mancher Uebereifer erklären. Im übrigen aber beweifen die bisherigen Feststellungen in dem neuen Prozeß, daß man in Mainz selbst über den Pflichtenkreis der Polizei-Assistentin nicht ganz im Klaren gewesen zu sein scheint. Dar Urteil im Prozeß dürfte nicht vor End« der Wo­che zu erwarten fein.

Frankfurt a. M., 25. Juni.

Der Etnbruchsdiebstahl, der in der Nacht zum vierzehnten Juni in dem Garten­haus« des Freiherrn von Schenk zu Schweinsberg verübt wurde, und bei dem den Dieben kostbar« Pretiosen und ander« Wert-

Alt-Seffenland.

Bilder aus Hessens alter Zeit; hessisch« Typen utib Originale aus derGroßväterzeit.

Bor etlichen Jahren veröffentlichte tu der ZeitschriftHefsenland"ein alter CbertjefTe" etlicheErinnerungen auS der guten alten Zeit" (aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts), da weder die Eisenbahn auf blitz- blanken Schienen durchs Land rollte, noch gar Über unsere« Häuptern ein Zeppelin, Parseval oder ein Eindecker seine Propeller surren ließ, vielleicht dürste es von einigem Interesse fein, diese Erinnerungen wieder ein wenig auszufris-den. Teralt«Oderheffe" erzählt da beispielsweise vom Ranzenmännchen":

Das Ranzenmänncheu

war, was nicht allzu schwer zu erraten sein dürfte, der Briefträger, allerdings nicht unser moderner Briefträger, der vier-, fünfmal am Tatze uns Briefe und Zeitungen ins HauS bringt Rein, fo üppig war man damalS noch nicht Zweimal wöchentlich, bS Mitt- wochS und w Sonnabends, kam bal .Ranzen«

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