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Casseler Neueste MMen

Caffeler Abendzeitung

Hesstsche Abendzeitung

Nummer 168,

2. Jahrgang

Dienstag, 25. Juni 1912

Fernsprecher 951 und 952.

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Lernen wir uns verstehen...!

Die Ursachen und Wirkungen der Entfrem­dung zwischen Deutschland «. England, von Lord Haldane of Cloan,

Lord-Grosskanzler in England.

Ende diese» Monat» erscheint im dem be- kannten Verlag von Gerhard Kühtmann in Dresden da» diesseits und jenseits de» Kanals mit großer Spannung erwartete Werl be» früheren englischen KriegSmtntster» und jetzigen Lord-Großlanzler», Lord Haldane, daS den Titel tragen rotri>:®ie idealistische Sc» benSarbeit". Das Werk ist gerade für uns Deutsche von größtem Jntereffe, denn -S zeigt, wie auf englicher Seite von ernsten Patrioten die Notwendigkeit einer deutsch-englischen $er- ftündtgung immer bestimmter ins Auge ge­faßt wird. Durch da» Entgegenkommen des Verlag» Kühtmann stnd rott schon heute in die Lage versetzt, unfern Lesern ein Kapitel auS dem Werk des englischen Staatsmannes bekannt­zugeben, das von derdeutsch.englischen Frage" handelt. Die Redaktion

Ich habe mich bisher stets bemüht, der Ent« stehung und Weiterentwicklung der Gegen­sätze auf den Grund zu kommen, die es den Engländern und Deutschen so schwer machen, sich besser zu verstehen. Wenn meine Untersuchung nur einigermaßen sorgfältig und richtig ist, so ist Aussicht darauf vorhanden, daß im Laufe der Zett die beiden Völker ler­nen werden, sich ihre Schwächen mit weniger Bitterkeit vorzuhalten, als es fetzt noch ge­schieht. Denn in der großen Aufgabe, die Menschheit zu zivilisieren, auf dem Gebiete des Handels und der Industrie und des Aus­tausches der Erzeugnisse, in der Wissenschaft, der Literatur und der Kunst haben die beiden Nationen zahlreiche Berührungspunkte und ge­meinsame Eigenschaften sowie Pflichten kul- tureller Natur, bei deren Erfüllung Neid und Eifersucht nicht zur Geltung kommen sollten. Es wäre doch ein Jammer, wenn das fried­liche Einverständnis bei einem so vielgestalti­gen und wichtigen Werke für das Wohl der ge­samten Menschheit durch nutzlosen Argwohn und Scheelsucht getrübt und geschädigt würde. Und doch erleben wir häufig diese gegenseiti­gen Schädigungen, die aber hauptsächlich aus der gemeinsamen Quelle der menschlichen Lei­den und Uebel herrühren, aus Unwis­senheit und Unverträglichkeit. Wenn sich die Völker näher kennen gelernt haben, muß die Selbstbeherrschung den Ausschlag ge­ben, die. bei zivilisierten Völkerschaften den Feindseligkeiten Halt gebietet, die aus der Verschiedenheit der ethnologischen Eigenart ent­springen. Aber auch auf diese Fähigkeit ist häufig kein Verlaß. Die Selbstbeherrschung und Nachsicht wird ja auch von zahlreichen gebildeten Engländern und Deutschen geübt, aber sehr viele, selbst in den gebildetsten Krei­sen, tun das nicht, die einen im höheren, die andern im geringeren Grade.

Ich selbst habe zahlreiche Fälle erlebt, wo aus dem Mangel an jener versöhnlichen Neigung Unheil entstand. Einige darunter, die an und für sich unbedeutend waren, mach­ten dennoch einen liefen Eindruck auf mich. Im geschäftlichen Leben habe ich jene Schwä­che bei achtbaren Männern Leider Nationen zu beobachten Gelegenheit gehabt; ebenso auch in meiner beruflichen Tätigkeit als Jurist, und auch im politischen Leben begegnet sie mir mitunter. Mr sind Fälle erinnerlich, wo Deut­sche den Sinn und die Absicht englischer Maß­nahmen falsch auslegten; und andrer­seits habe ich englische Politiker beobachtet, wie sie bald bestimmte Absichten deutscher Staatsmänner in ungerechter Weise verdäch­tigten, bald auch die Ansicht hegten, daß sie den englischen Interessen nützten, wenn sie den Deutschen gegenüber in nichtssagenden Wen­dungen an das Gemüt, an Sentiments appel­lierten. Nun wird die gesamte deutsche Politik hauptsächlich von Preußen aus geleitet. Und eS ist eine eigentümliche Gepflogenheit preußi­scher Politiker, zuerst einen Grundsatz, ein Prinzip an die Spitze zu stellen, und dann alles übrige danach zu bemessen. Sie vermei­den überströmenden Redefluß und wundern sich, wenn irgend jemand es bezweifelt, daß es der natürliche Ausgangspuntt einer Verhand­lung fei, vor ihrem Beginn zunächst festzu­stellen, worin nach ihrer Auffassung das Jn­tereffe Deutschlands bestehe. Man tut gut daran, diese Denkweise im Auge zu behalten und zu berücksichtigen. Kümmern chir uns nickst darum, so werden wir nicht verstanden, und der Argwohn wird wachgerusen, als ob wir etwaige politische Maßnahmen verber­gen, ihnen verheimlichen wollten. Die deutsche, so abstrakte Denkweise, selbst da, wo es sich um ganz naheliegende konkrete Dinge handelt, und die Gewohnheit, überall sich nach Prinzi­pien, Grundsätzen, umzusehen, macht es manch­mal für Diejenigen recht schwer, denen dieses wohl nützliche, aber die Verhandlungen er­schwerende Verfahren läüia erscheint.

Wir Engländer haben sicher auch gewiss« gute Eigenschaften, di« aber durch ander« We- senseigentümlichkeiten in den Schatten gestellt werden. Ausländer müssen lange mitten unter uns leben, um unfern Lebensgewohnheiten und unserm nationalen Wesen und der Handhabung der Umgangssprache auf den Grund zu kom­men. Ist einmal der Anfang damit gemacht, so fällt es nicht schwer, tiefer einzudringen. Franzosen und Russen zum Beispiel der. stehen und schätzen uns jetzt weit besser, als sie es früher taten, einfach deswegen, weil sie in. folge des reger und wohlwollender gewordenen Bölkerverkehrs es gelernt haben, nicht nur unsere Schwächen, sondern auch unser« gu­ten Eigenschaften zu beachten. Ein ähnlicher Umschwung hat sich ja auch in unfern Beziehun. gen zu den Nordamerikanern vollzogen. Welche segensreichen Folgen würde «8 doch für den Weltfrieden haben, wenn gerade so, wie wir Engländer den Franzosen und Russen und Amerikanern gegenüber es gelernt haben, der Eigenatt und dem Wesen anderer untereinander mit Wohlwollen und Nachsicht entgegenzukom- men, so auch wir Engländer und die Deutschen in unserm Wechselverkehr das­selbe hm wollten! Denn die Tatsache, daß wir langjährig« freundschaftliche Beziehungen zu andern Nationen haben, gibt keinen hinreichen­den Grund dafür ab, dieselben fallen zu lassen, sondern sollte uns vielmehr veranlassen, die alten Bündnisse mft den neuen zu vereinigen, also zum Besten aller! Eine solche Front- schwenkung würde nicht für uns die Folge nach sich ziehen, uns in betreff unserer Landes­verteidigung sorglos zu machen; vielmehr würde eine solche neue Konjunktur in erster Li. nie dazu beitragen, die finanziellen Lasten zu erleichtern, die die Landesverteidigung erheischt.

WaS not tut, ist di« Anleitung zur gegen­seitigen gerechten Wertschätzung. Ich kann mir gegenwärtig nicht? Wünschenswerteres für alle Völker denken, als daß England und Deutschland zu einer Verständigung gelangten. Aber «ine solche ist nur aus Grund von Studien und dadurch erworbenen Kenntnissen erreichbar. Nun sind wir Engländer aber auf diesem Ge- bi«te hinter den Deutschen zurückgeblieben. Sie kennen unsere Lfteratur und unisere Geschichte besser als wir die ihrige. Mit Shakespeare und Scott sind di« Deutschen so vertraut als wir selbst. Denn einem Briten, der Deutsch lesen und sprechen kann, stehen fünf Deutsche gegen­über, die das Englische beherrschen. Andrerseits habe ich den Eindruck gewonnen, daß die Deut, schen unser« Anschauungsweise weniger ver­stehen als wir Engländer die ihrige. Wir sind wirklich kein« Menschen, als Nation, di« unter dem Schleier, dem Deckmantel der Dunkelheit in Wort und Tat geheime Anschläge und «gofftisch« Pläne zu verbergen suchen. Wir streben nicht prinzipiell danach, zum Schaden anderer Völker ein Stück von der Oberfläche der Erd« nach dem andern an uns zu reißen Was wir nach dieser Seite hin wirflich getan haben, das war nicht etwa das Resultat reiflicher politischer Ueber- legung, sondern vielmehr, weil wir lang« Z«it di« Einzigen an Ort und Stelle waren, und weil es offenbar das einzig Richtige war, und wir die e i n z i g e Natron waren, die zu­greifen konnte. Deutschland dagegen, so scheint es mir, hat daß Mißgeschick gehabt, daß es in der WeltgeschicÄe ein Jahrhundert zu spät als geeinigte Nation aufgetreten ist. Dies« Tatsache wirst ein besonderes Licht auf die Frage, welches der Entwicklungsgang des deutsch«! Volkes ohne diesen Umstand gewesen sein würde. Aber das schadet seinem wetteren Fortkommen nach irgendeiner Seite hin wenig, denn es gehört tatsächlich durch seinen völker­psychologischen Charakter und durch seine gei. stige Begabung zu den bedeutendsten aller Nationen.

Der neueste Spionage-Prozeß.

Das verschwundene Slgnalbnch der Marine.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 24. Juni.

Vor dem vereinigten zweiten und dritten Sttafsenat des Reichsgerichts begann heute vor­mittag der Spionage-Prozeß -»egen den Kaufmann und Techniker Lichtenberger. Zur Verhandlung stnd sieben Zeugen und fünf Sachverständige geladen. Der Angellagte ist am einundzwanzigsten September letzten Jahres in Germersheim verhaftet worden. Die Auflage legt ihm zur Last, versucht zu haben, sich das Stgnalbuch der deutschen Marine und die Beschreibung über das neueste Artille- riegeschütz zu verschaffen, um beide an eine fremde Macht zu verkaufen. Auf Antrag des Reichsanwalls wird die Oeffenrlicükeit während

der Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Das Utteil dürfte Heute abend zu erwarten sein. Lichtenberger, der sich Über neun Monate in Untersuchungshaft befindet, bestreitet das ihm zur Last gelegte Verbrechen mit großer Entschiedenheit.

Williams Triumphe Theddhs Fiasko!

Der Parteienkampf «ms Weitze Haus.

Der tragikomisch-leidenschaftliche Kampf, der als Amerikas größte Wahlkomödie seit einer Woche die Gemüter in der neuen Welt erregt, ist nun auf einem enffcheidenden Punkt angelangt. T a ft hat vorläufig überRoose- beit gesiegt. Die Nominierung Tafts zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten er­folgte mit 561 Stimmen; Roosewelt erhielt 107, Lafollette 41, Cummins 17, Hughes 2 Stimmen. 344 Anhänger Roosevelts enthielten sich der Ab­stimmung. Zum Vizepräsidentschaftskandidaten wurde der Vizepräsident des Konvents, Sher­man, nominiert. Damtt ist vorläufig wenig- !tenS nach einer Richtung hin der Kampf ent« chteden, beendigt ist er aber nicht, es ist vielmehr wahrscheinlich, daß er nun erst mit ganzer Kraft elnsetzen wird. Wir verzeichnen folgende Drahtmeldungen:

Wahlkampf «nd Faustkampf.

(Privat-Telegramm.)

Chicago, 24. Juni.

Der EntscheidungStag des National- Konvents brachte die letzten Anstrengungen wil­dester Parteileidenschast. Vor der Abstimmung erflättte der Delegierte Harding-Ohio in einer Rede, die Fundamente der Station seien vor­her nur einmal so angegriffen worden, wie jetzt, nämlich zurzeit des Bürgerkriegs. Die Republikaner seien die wahren Fortschritt­ler und Taft sei der fortschrittlichste Staats­mann seiner Zeit. Diese Bemerkung rief eine abermalige erbitterte Schlägerei zwi­schen den feindlichen Delegierten hervor, der erst nach mehreren Minuten durch Schutzleute Ein­halt geboten wurde. Der Rationalkonvent nahm ein längere- Parteiprogramm an. Das Programm hält an dem Schutzzolltarif fest, empftehlt jedoch die Herabsetzung einiger bestehenden Einfuhrzölle und eine gelegentliche Taristevision, wenn die Verhältnisse sich ändern, jedoch ohne Schädigung der amerikanischen In­dustrien; es tritt ferner für den angemesse­nen Ausbau der amerikanischen Flotte ein. _

$tt sollst nicht stehlen...!" (Privat-Telegramm.)

Chicago, 24. Juni.

Die Anhänger Roosevelts unter den repu­blikanischen Delegierten nominierten noch in der Nacht nach der Abstimmung des Konvents Roosevelt zum selbständigen Prä. sidentfchaftS - Kandidaten. Die Delegierten sollten in ihre Heimat zurückkchren, die Stimmung ihrer Landsleute erforschen, als. dann später zu einem Konvent zusammentreten und eine formelle sortschrittliche Nomi­nation vornehmen. Roosevelt versprach, je. den dann nominierten Kandidaten zu unter­stützen. Er erflärte weiter:Der regelmäßige republikanische Konvent dient unheilvollen Zwecken und der politischen Posse, die keine Spur mehr von Sympathie für den Geist und die Ideale der Republikaner vor fünfzig Jah­ren haben. Ihr, meine Freunde, seid die Geisteserben Abraham Lincolns, der nicht länger durch die Fefleln der Vergan- geicheit gebunden sein wollte, sondern die neuen Entwicklungen mit neuem Geist ins Auge faßte. Das Motto der neuen Bewegung soll fein:Du sollst nicht stehlen."

Theddhs Handschuh in der Arena.

Wie uns auS Rewhork berichtet wird, hat Roosevelt gestern in Michigan vor einer vieltausendköpfigen Zuhörermenge gesprochen. Der Expräsident erklärte,fein Handschuh liege noch in der Arena. Er erachte es eines ehren­haften ManneS würdig, ein freies Spiel zu treiben". Seine Zuhörer brachen bei diesen Worten in ungeheuren Jubel aus und riefen Roosevelt zu, er solle nur Mut zur Tat haben, der Sieg werde dann auf seiner Seite sein.

Die deutsche Schmuggel-Zentrale.

Eine regelrecht« Schmuggler-Organisation.

(Privat-Telegramm.)

München, 24. Juni.

Der Münchener Polizei ist «r gelungen, eine zwanzigköpfige Saccharin. Schmugg. lerbande auszuheben. Es ist eine Gesell­schaft, die ihren Sitz bt München und Zürich, sowie Filialen in Berlin, Prag und Wien hatte und dort durch Agenten und Agentinnen vertreten ist. Di« Gesellschaft arbeitete mft einem G eh rtmb uckr in (Lfritnadmft. das di«

Polizei bei einem Münchener Bauunternehmer, in dem kein Mensch einen Saccharinschmuggler vermutet hätte, gefunden hat. DerGeneral­vertreter" für Berlin war der Inhaber eines bekannten Detektiv-Büros.

Sie Spione von Spandau? Die Verhaftung eines russischen Haupt­manns unter Spionage-Verdacht; auf de« Spur der Spandauer Geheimakten-Diebe. (Telegraphische Meldungen.)

Rach monatelangen Beobachtungen wurde dm Sonnabend in Berlin der vierzigjährige attivc russische Hauptmann Michael Kostevitsck aus Petersburg und feine Gattie festgenommen und nach dem Unter, snchnngsgefängnis in Moabit gebracht. Frau Kosteviffch wurde nach mehrere« Stunden wieder sreigelassen, der Hauptmann dagegen in Haft behalten und zwar unter dem dringenden Ver­dacht der Spionage. Wie e8 heißt, hängt die Verhaftung mit dem Spio. nagefall in Spandau zusam­men. In die Angelegenheit sind noch zahlreich« andere Spione verwickelt. Hauptmann Kostevitsch und feine Frau weilten mit kurzen Unterbrechungen feit mehre­ren Monaten in Berlin, Hauptmann Koste, vitsch meldete sich mit seinem vollständigen Ra- men und seinem Charakter als aktiverruf- sischer Gardeartillerie Hauptmann aus Petersburg an. MS Zweck seines längeren Aufenthaltes ht Berlin und überhaupt in Deutschland gab er an, daß er zum Studium derdeutfchenAviatik von der russischen Heeresverwaltung nach Deutschland geschickt worden fei. Tatsächlich bekam «r auch in all« Hotels, in denen er wohnte, häufig Brief« und Drucksachen, die durch ihre äußere Aufschrift er. kennen ließen, daß sie von Flugzeuggesellschaf- ten herrührten. Auch soll «r mit mehreren deut­schen Geschützfabriken in KorrefpoNdenz g«stan- den haben. Die Gattin des Hauptmanns be- suchte ein Institut für zahnärztliche F o r t b i l d u n g in der Bülowstraße, und aus Andeutungen, die sie machte, ging hervor, daß sie Zahnarzneikunde studiert hatte und ihren Aufenthalt in Deutschland dazu benutzte, sich in ihrer zahnärztlichen Kunst weiter auszubilden. Der Hauptmann und feine Gattin empfingen nur wenig Besuche, und ihre Korrespondenz besonders aus Rußland, beschränkte sich auf einige wenige Briefe und Telegramme.

Von be« Beeline« Polizei wurde der Hauptmann schon seit Beginn seines Berliner Aufenthaltes beobachtet. Am Sonn­abend morgen erschienen Beamte der Polizei in dem Hotel, in dem er zuletzt wohnte, und der. hafteten den Hauptmann und seine Gattin und brachten beide in das Untersuchungsgefäng. niS in Moabit. Schon um die Mittagsstunde aber wurde Frau Kostevitsch wieder freigelas. seu. Sie begab sich nach der russischen Boffchaft und nahm dort die Intervention des russischen Militärattachees in An­spruch. Sie versuchte auch, im Untersuchungs- gefänznis eine Unterredung mit ihrem Gatten zu erlangen, was ihr jedoch vorläufig abge- schlagen wurde. Man vermutet, daß die Verhaf- tung mit dem Spionagefall in S p a n d a u in engem Zusammenhang steht. Nach einer and«, ren Version jedoch soll der Spandauer Fall mit der Affäre des Hauptmanns Kostevitsch nichts zu tun haben, sondern eS soll sich um einen ganz anderen selbständigen Fall von Spionage handeln, von dem die Berliner politische Poli­zei schon seit Monaten Kenntnis hatte, und der sie veranlaßte, ben Hauptmann Kostevitsch längere Zett dauernd zu beobachten. Bei der Verhaftung sind zahlreiche verdächtig« Papier« des Hauptmanns beschlagnahmt worden.

Ei« preußischer Kadett als Spion?

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Paris berichtet wird, wurde am Sonnabend abend vom Kriegsgericht in Belfort der neunzehnjährige Kadett Kipp aus Groß-Lichterfelde bei Berlin wegen Spio. nage zu zwei Jahren Gefängnis »er. urteilt. Außerdem Muß er eine Geldstrafe von zweitausend Francs entrichten. Die Verurtei­lung des Kadetten hängt mit einer Affäre zu­sammen, in der es sich nm Spionage in den französischen Grenzbczirken handelt, und als de­ren Urheber Kipp vor drei Monaten in Belfort verhaftet wurde.

Dar Graf Mkburg-Mtsel.

3mDämmerzustand" «mhergeirrt; ei« Ve«. ägen des Erinnerungsvermögens; unge­löste Rätsel des menschlichrn Nervensystems

Wie wir schon kurz telegraphisch berichtet haben, ist der seit einigen Wochen aus London verschwundene deutsche Graf Wels bürg