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WM
Casseler Rkiikste Rchrichtm
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 167
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 23. Juni 1912
2. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Bin Staatsstreich verhindert?
Männerigesangverein zufiel, vom Verein aufbewahrten in der Nach: zum Freitag bruch gestohlen worden.
mit anderen dort Wertgegenständen Lei einem Eta- Von den Dieden
volverschüsse wurde eine Person ge. tötet und mehrere andere schwer verletzt. Di« Strasten Lissabons waren bis in die späten Nachtstunden von einer erregten Menge angefüllt, doch wurden weitere Zwischenfälle verhin. dert. Unter den bei der Bomben-Exploslop Verletzten befinden fich einige Polizeibeamt« und Kavalleristen. Die republikanische Garde verhinderte Stratzenaufläufe und zerstreute die sich ausamtnelnde Menge.
SnfertUmäpretfe: Die sechsgespalrene Zeile für einheimische Geschäft« 15 Pfg. für auä. toärttge Inserate 25 Pf, ReNamezetie für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte <0 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de- rechnet. Weg« ihrer dicht« Ber&rettung in der Residenz und der Umgebung sind die «faffeler Neues,« Nachricht« ein vorzügliche» InserttonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Strabe 5. Berliner Vertretung: SW., ssrtedrtchstratze 16, Telephon: Amt Morthplatz 676
Shdows Gsheim-Srlaß.
(Don uuserm Korrespondenten.)
Berlin, 22. Juni.
Der bekannte Berliner Handelsschriststeller Georg Bernhardt hat in der Prefle soeben em zu feiner Kenntnis gelangtes Geheim- zirkular Les preußischen Hgndelsmi.
Set Raub bet Kaisetkette.
Einbruch ins Kölner Sigelstei« < Musenm; für eine halbe Million geraubte Wertstücke.
(Telegraphische Meldungen.)
Wie wir schon telegraphisch berichtet haben, ist die tat Historischen Museum in der Ei- gelstein»Torburg zu Köln aufbowahrte Kaiserkett«, die bei dem ersten Kaiser- Gesangswettstreit in Cassel dem Kölner
P-Nttsche Tages-SeWchte.
Mne neue Kauzlerfahrt »ach Wien? (Privat-Telegramm.)
tilleriegeschosses zu liefern. Ein höherer Beamter tat Ministerium des Innern in Frankreich soll ihm für die Originalzeichnung eines Geschützes über siebentausend Mark versprochen haben. Hyronimus, der darauf einen Vorschuß von fünfhundert Mark erhielt, wollte durch Haunerland das Material beschaffen lasten. Haunerland hatte angeblich bei Krupp tätige Verwandt«, von denen er sei. nerseits Unterstützung erhoffte. Tatsächlich sol- len seine familiären Beziehungen aber nicht derart gewesen sein, daß er von dort irgend welches Material erhalten konnte. Ein Schreinergeselle namens Beck hat Hyronimus ver. schisdenÄich auf seinen Reisen als sein „btt. lauter Freund" begleitet. Merkwürdigerweise war er es aber, der die ganzen Pläne der drei Angeklagten zur Kenntnis der Polizei brachte, die das Trio anfangs März in Frankfurt am Main verhaftete. Aus welchem Grunde er dazu kam, die Freunde zu verraten, ist in den Vernehmungen nicht ganz aufgeklärt wor. den; es scheint aber, daß Beck, der sich durch seine Beziehungen zu Hyronimus Wohl als mitschuldig gefühlt hat, aus Furcht vor Strafe die Anzeige erstattete. Anfänglich bestand auch der Verdacht, daß die Ehefrau Hyronimus an den Umtrieben beteiligt und zum mindesten der Beihilfe schuldig sei, doch hat diese Annahme ich nicht bestätigt; «S scheint vielmehr, daß Hy- ronimus seine Frau über feine Tätigkeit und die Art seines „Erwerbs" völlig im Unklaren gelassen hat.
des Unternehmens war anscheinend der Techniker HhronimuS, wenigstens hat er in Luxemburg u. Paris mit französischen Agenten konferiert u. in Parts Zutritt zu den Staats- gebäuden erhalten, in denen die leitenden Kreis« sitzen, di« da- Spionagewssen im In. teresse Frankreichs dirigieren. Hier hat er Summen von insgesamt etwa tausend Francs empfangen, nm seine Pläne durchführen zu kön. nen. Hyronimus ist nicht von selbst auf den Gedanken gekommen, sich mit Spionage zu be- fassen. Er las im Winter viel von Spionage- affären und dachte, .es lasse sich mühelos Geld durch derlei Dinge verdienen. Seine Dienste bot er zunächst der französischen Bot. schäft in Berlin an und ersuchte um Entsendung eines Bevollmächtigten auf neutralen Boden. Anfangs Januar reiste er mit Schellberg nach Luxemburg, um sich sväter in Paris einzufinden. Er versprach viel, hielt aber nichts. Er sagte seinen Auftraggebern, sie möchten ihm Gebäude mit wichtigen Papieren darin nennen, er habe Leute an der Hand, die eventuell mit Gewalt in diese Räume eindringen würden, um dir in ihnen verborgenen Geheimpläne und Modelle „zu Gold zu machen". Durch diese Versprechungen hat Hyronimus offenbar seine Mitangeklagten Haunerland und Schellberg erst bewogen, ihn bei der Durchführung seiner Pläne zu unterstützen.
Die Tätigkeit der Spione.
Es scheint nun, daß HhronimuS bei seintr Tätigkeit lediglich für Frankreich nicht genug verdient hat, denn er sah sich bald nach der An. knüpfung der Verbindungen mit dem franzö. sischen Spionage-Zentral-Bureau nach einer weiteren „Geschäftsverbindung" um und bot Anfang März dieses Jahres der englischen Botschaft in Berlin seine Dienste an, doch scheiterten seine Bemühungen an der Absage der Botschaft, die nicht geneigt war, mit Hyronimus sich in Verhandlungen einzulassen. Hierauf erbot sich Hyronimus Frankreich gegenüber, seine Tätigkeit zu erweitern und insbe. sondere Gesch ü tz zeichnun gen aus Essen und Zeichnungen des neuen Kruppsch«, Ar.
Katastrophen ohne Ende!
Ei» schweres Eisenbahnunglück in England.
Die letzt« Woche stand tat Zeichen der ®ifen6a$nlatafttobben. Kaum, daß die Erregung über die schweren Unfälle bei Leipzig und Schlebusch einigermaßen geschwunden, und schon bringt der Draht die Kunde von einer neuen Katastrophe, die diesmal allerdings nicht Deutschland, sondern England betroffen hat. AchtToteund zahlreich «Schwer- verletzte hat dieser neueste Unfall gefordert, der auf das Versagen einer Weiche zurückzu- ühren ist, denn soweit bisher festgestellt werden konnte, liegt irgend ein Verschulden des Fahr- dienst- oder Zugleitungspersonals nicht vor. Ueber die Katastrophe erhalten wir folgende Meldungen:
London, 22. Juni.
(Privat-Telegramm.)
Die Suffeier Neuesten Nachricht« erschein« n>och«lltch sechsmal und Lb-nmementSpreiS beträgt monattich « Pfg. bet freier Zuttellmra werd« jeberjett von der Geschäftsstelle ober den Bot« rab Redaktion^ Schlachchofstraie 28/30. Sprechstunden der nachmittag-, Sprechstund« der Auskunft. Stelle: geb« Mittwoch und streite« nm, t» 8 Ubr adeudS. Berliner Vertretung: SW„ ssriebrichstr. 16, Telephon: «mt Moritzplatz 676.
Der Schuldige von Gaschwitz in Hast?
d r ivattelegramm meldet uns aus Reichenbach i.V.: Der als Urheber des Leipztger Eisenbahnunglücks verfolgte, nach der Katastrophe flüchtig gewordene Lokomotivführer des Hofer Eilzuges, M o r- gener, wurde gestern unmittelbar nach seiner Verhaftung einer eingehenden richterlichen Ver- - "bhmung unterzogen. Da er nicht wieder aus I mt Haft entlassen wurde, muß diese Vernehmung nicht günstig für ihn ausgefallen sein, und es ist anzunrhmen, daß der Verdacht gegen Morgdner sich verstärtt hat.
Streit und Bomben im Süden.
Rene blutige Streik-Kämpfe in Lissabon.
in Lissa. »on hat gestern abend zu blutigen Kämp.
™ derpottug.iestschen Hauptstadt geführt, ^'.^uen em« Person getötet und zahlreiche andere schwer verletzt wurden. Die De- monstrastonen der Streikenden dauerten bi« gegen Mitternacht. Di« Straßenbahngesellschaft iat inzwischen «inen Teil ihrer früheren Ange- und es ist wahrscheinlich, daß der Straßenbahnverkehr heute wieder ausgenommen wird. Ueber die gestrigen Kampf« wird iMs berichtet:
Ein weiteres Privattelegramm auS Lissabon meldet uns: In der Kammer gab gestern der Ministerpräsident eine Erklärung des Inhalts ab, daß in Oporto in der letzten Woche tatsächlich ein Staatsstreich geplant gewesen sei mit der Absicht, die Auflösung des Parlaments und die Einsetzung der früheren provisorischen Regierung mit dittatorischer Macht zu erzwingen. Die Aufmerksamkeit der Behörden habe indessen die Ausführung des Planes verhindert. Zehn Teilnehmer an der Verschwörung seien inzwischen verhaftet worden.
Lissabon, 22. Juni.
(Privat-Telegramm)
Gestern abend, kurz nach elf Uhr, wurden auf dem Dom Pedroplatz d r e i B o m b e n zur Explosion gebracht. Daraus ging Kavalle- fiesen di« dort angesammekte Menge dex
Nisters Sydow an die amtlichen preußischen Streikenden Bor unb zerstreute sie Durch Re. Handelsvertretungen veröffentlicht. Die Ten- >» „ r« . . e * «e, - .' .T . ™ x e *
denz des GeheimzirkularS ist, daß der Minister die Handelskammern ersucht, die Banken zu veranlassen, das Publikum möglichst zu verhindern, daß es seine Staatspapiere in ertragreichere Jndustriepapiere umtauscht. Bernhardt protestiert sehr lebhaft gegen diesen Erlaß und er wird Wohl auch sonst überall als Eingriff in die Rechte des Handelslebens aufgefaßt werden. Wenn der preußische Staat für seine Konsols mehr Abnehmer finden will als bisher, so darf er das nicht auf Kosten der Jndustriewerte tun. Daß sich das Publikum diesen Papieren mehr zuwendet als den staatlichen Werten ist begreiflich, solange es von der Industrie höhere Zinsen erhält als von den Staatspapieren. Höhere Zinsen werden solange allgemeines Bedürfnis sein, wie die Lebenshaltung auf der jetzigen Höhe bleibt. Und diese Höhe ist eine Folge der Reichsfinanzreform und des neuen Zolltarifs. Diese Folgen und ihre Erscheinungen durch verfehlte Erlässe wieder gut zu ma-1 chen, dürfte kaum gelingen.
Bei der Station Todmorden ereignete ich gestern ein schweres Eisenbahnunglück, bei dem acht Personen getötet und etwa dreissig verletzt wurden. Der Expresszug von Liverpool-Lee»« nach Manchester sauste mtt äusserster Geschwindigkett durch die Sta. tion Todmorden. Gleich darauf durchfuhr er eine überaus gefährliche Kurve, die einen Halbkreis bildet. An der Weiche verliess die Lokomotive die Schienen, sämtliche Wagen entgleisten und die ersten drei wurden total I zettrümmert. Sie waren mit Passagieren bw gefüllt, deren Lage unter den Trümmern cnffetzlich war. Bier Damen und ein Herr wurden aus der Stelle gelötet. Einer Leiche war der Kopf abgerissen. Drei andere Schwerverletzte starben unmfttelbar danach. Aerzte und Hilfsmannschaften kamen mit einem Ex- presszug aus Halifax und die verletzten wurden in das Hospital zu Eastwood gebracht. Die Persönlichkeit der Toten konnte noch nicht sest- g^ellt werden. Nach eisenbahnamtlicher Auf- sassung ist die Katastrophe darauf zurückzufüh-
bJ?lbfe Reiche am Ausgang des Bahnhofs ..odmorden, die automatisch gestellt wird, versagt hat und die Strecke sperrte wodurch der in voller Fahrt befindliche Express- M8 zum Entgleisen gebracht wurde. I
J Die Kasseler Kaiserkette.
Die jetzt verschwundene Kaiser kette, die gegen Einbruch mit fünfzigtausend Mark versichert war, wurde vom Kölner Männergesangverein 1898 in Cassel errungen, 1903 in Frankfurt am Main an den Berliner Lehrergesangvereta verloren und 1909 in I Frankfurt wiedergewonnen. Das Kleinod I wird dem Kölner Verein dauernd bleiben, I wenn er noch einmal beim Kaiserpreisflngen den ersten Preis erhält. Die wertvolle Kette I bestehl aus jeweils drei verschiedenen Glie- I dein, von denen eines eine kleine Harfe, von einem Eichenkranz umrahmt zeigt. Das nächste viereckige Zwischenglied trägt in der Mitte den deutschen Adler mit Rubinen besetzt: Goldspiraten bilden den Uebergang zum folgenden Glied, das, wieder von Eichenkränzen umralmt, auf der einen Hälfte die Namen der hervorragendsten deutschen Liederdiwter Uhland, Arndt, Brentano, Körner und Scheffel, auf der andern Seite die Namen der be- deutendsten Liederkomponisten wie Brahms, Schumann, Schubert, Jensen und Koschat zeigt In der Mitte der Kette ist ein Schfldchen angebracht, auf dem der Sängerspruch stcht: „Im Liede stark, deutsch bis ins Mark." Darüber sind zwei germanische Schwerter durch einen Lorbeerftanz verbunden. An diesem Schild hängt das Kleinod mit dem Bild deS Kaisers. Drei Edelsteine, ein schwarzer, ein weißer Diamant und ein Rubin, die Farben des Deutschen Reiches, bilden den Abschluß. Den SMiK per Kett» bildet «Xjxt thronend^
Di- Sesfentttchkett ausgeschlossen:
Gleich nach Verlesung deS EröfftmngSbe- schlusseS beantragte der Vertreter der AnNage, Staatsanwalt Keller, wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Staatssicherheit Ausschluss der Oeffentlichkcit. TaS Gericht beschloss dementsprechend. Auch die Ver- treter der Presse wurden zur Verhandlung nicht zugelassen. Wie verlautet, ist den Personen, die in der Verhandlung als Zeugen oder Be-' amte zu tun haben, ein besonderes Schweige- gebot auserlegt worden.
I ist dem Anschein nach einer an der Südostecke der Eigelstein-Torburg bis in die Höhe deS zweiten Stockwerkes geklettert und hat dort Ian einem Fenstereffen eine Strickleiter befestigt, auf der ihm die andern Täter nachgefolgt sind, um durch ein Fenster in das Innere der Burg und somit in die Museums- I räume zu gelangen. Die Dieb« erbrachen drei I Schränk«, darunter den des Kölner Männer- I gesaugt,eretar und des Liederkranz. Nach I vollendetem Diebstahl haben sie das HauS I dann über die Treppe durch den Flur verlas» len, indem sie di« HauStür, an deren innerem Schloß der Schlüssel steckte, geöffnet haben. Außer dem vom Kaiser gestifteten Wanderpreis wurden wertvolle Medaillen des Kölner Männergesangvereins und des Liederkranz sowie einige goldene Pokale «nt- | wendet. Der Schaden läßt sich noch nicht genau feftstellen, doch wird (nach einem uns zugehenden Privat-Telegramm aus Köln) der Wert d«r geraubten Stücke aus mindestens eine halbe Million Mari geschätzt. Auf die Ermittelung der Täter und die Wiedererlangung der gestohlenen Ge. genstände, besonders aber der Kaiserkette, haben der Oberbürgermeister von Köln uni ebenso die Versicherungsgesellschaft Thurin- gia, bei der die Kaiferkette versichert ist, je eine Belohnung von tausend Mark ausgesetzt.
Sie Spione von Frankfurt.
Der Beginn des LandesverratS^DrozesseS ge. gen Shroninms, Haunerland unb Schellberg.
(Telegramm unsres Korrespondenten.)
Frankfurt a. M., 22. Juni.
Vor der Strafkammer deS Landgerichts Frankfurt begann heute vormittag die auf meh. rere Tage berechnete Verhandlung in der Frankfurter LandesverratS-Affäre, die fei- nerzeit, als sie aufgedeckt wurde, das größte Aussehen erregte, namentlich auch in Cassel, da der eine der Angeflagten, der Kellner Schellberg, ein geborener Cafselaner ist und außerdem auch die Aufdeckung der Affäre zu einem wesentlichen Teil den eifrigen Be- mühungen der Casseler Kriminalpolizei zuzu- schreiben ist. ES verlautet sogar, daß die jetzt Angeflagten zu Cassel feste Beziehungen unterhalten haben und daß möglicherweise auch zwi- scheu den jüngst in Cassel ermittelten Spionage- Umtrieben und den Spionen von Frankfurt gewisse Personen-Beziehungen bestanden. Die An- llage.ta dem heute hier begonnenen Prozeß richtet sich gegen den achtundzwanzigjährigen Kellner Johann Heinrich S ch e l l b e r g auS Cassel, den neunundzwanzigjährigen Techniker Josef HhronimuS und den fünsunddrei- ßigjährigen Techniker Heinrich Hanner- land, beide auS Frankfurt a. M. ES wird ihnen zur Last gelegt, verabredet zu haben, sich den Besitz von Gegenständen zu verschaffen, deren Geheimhaltung im Interesse der Landes- Verteidigung erforderlich ist. Wäre es zur AuS- führung oder zum Versuch deS Verbrechens deS Landesverrats gekommen, so ständen die Beschuldigten nicht vor der Frankfurter Straflam- mer, sondern vor dem Reichsgericht in Leipzig. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Landgerichts direttor Dönch, als Verteidiger fun- gieren die Rechtsanwälte Dr. Sinz Heimer und Dr. I« s s«l. Es sind zehn Zeugen und mehrer« Sachverständige geladen, darunter ein : Zeugleutnant aus Mainz.
Landesverräte» ans Not 1 i
Berlin, 22. Juni.
Wie in hiesigen guiumerrichteten Kreisen verlautet, wird der Reichskanzler von Beth- Hollweg nach der Entrevue deS Käsers mit dem Zaren in den Finnischen Scharen (an der bekanntlich der Kanzler teil- nehmen wird) sich nach G a stein begeben, um "°rt «ine längere Kur zu absolvieren. In di. plomatrschen Kreisen wird ez für wahrscheinlich gehalten, daß der Reichskanzler auf der Rei e nacf> oder von Gastein dem österreichischen Mi. trister des Aeußern, Grafen Berchtold sei. nen Gegenbesuch abftatten wird. Hierauf wird der Reichskanzler einen längeren Urlaub an ftmem Gute Hohenfinow bei Berlin antreten Es darf Wohl als sicher gelten, daß die Zusammenkunft zwischen dem Leiter der österreichi- ,chw Auslandpolttik und dem Kanzler in poli- nfajer Beziehung gtarj bestimmten Zwecken tnent und zwar ist anzunehmen, daß bei den Konferenzen in Wien in erster Linie die Er. orterung der schwebenden Balkan frage und der italienisch.türkisch« Krieg tm Vordergrund deS Interesses stehen werden.
Graf gegen Graf!
(Privat-Telegramm.)
Prag, 22. Juni. ,.3” t’6’« Tschechenblatt „Union" veröffeni- wr ®tw Adalbert Sternberg einen bestigen Angriff gegen den österreichisch-ungari- Ichen Gesandten in Dresden, Grafen For- gach der im ungarischen Magnatenhause ge- g,e" bi« Vorlage gestimmt hat. Graf Stern- berg schreibt: Der Gesandte am Hose einer mit der Monarchie verbündeten Macht. Graf For- gach, ein Mitglied des diplomatischen Korps
Untergebener des gerneinschast- l.cheu Ministeriums des Aeußern, hat vor der ganzen Welt gegen bas Wehrgesetz gestimmt, ^ "uf Grund von Abmawungen zwischen den gemeinschaftlichen Ministern und den Ministern der beiden Reiche entstanden ist, und das aus
den Abmachungen beim Abschluß des Drei- b.uudr? resultiert. Ter österreichisch-unga- nsche Gesandte am Dresdener Hofe hat also vor wnz Europa eine Stellung int Gegensatz zu ement Chef als besoldeter Beamter, im Ge- ß,^satz zu den Interessen, die er im Ausland zu vertreten hat, eingenommen. Das war eine offene Demonstration.
Der der AnNage zugrundeliegend« Sachver. halt ist recht eigenartig, und man gewinnt fast rben Eindruck, baß eS den Angeklagten vielleicht gar nicht ernstlich um «inen Landesverrat zu tun war, sondern daß sie nur einen eigenartigen Weg wählten, um sich Geldmittel zu Be- schaffen. Diejenigen, die in allererster Linie materiell geschädigt sind, sind jedenfalls die Franzosen selbst, in deren Interesse die drei Angeklagten „arbeiteten". Die französische Sptonagezeutrale hat ihr gutes Geld hergegeben, und das gewünschte Material, das man ihr beschaffen wollte, nicht erhalten. Die Seele