Einzelbild herunterladen
 

C Mer Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

gnferttonäpreife: Ti« s-chSgespaU«n« Zeile für einheimisch« Wefchäst« 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Re!lame,eil« für einheimisch« Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäft« 60 Pf. Beilagen für di« Gesamtanflag« werden mit 5 Mark pro Tausend b«. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reüden, und der Umgebung sind bte Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSorgan. Dischäfts't-lls: Kölnisch« S trabe 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676

Nummer 166. Fernsprecher SSl und SSL Sonnabend, 22. Juni 1912. Fernsprecher SSI und SSL 2. Jahrgang.

Di, Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wochenUtch sechsmal und zwar abends. Der AbonnementSpretS beträgt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung tnS HanS. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaltion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bis 3 Uhr nachmittags, Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr. 1«, Telephon: Amt Moritzplatz 676.

Rom: Ser neue Phönix?

Der Tripolis-Krieg als Weltpolitisches Pro­blem; Italien als neue Weltmacht, vo« Legationsrat von Flöckher.

Wer Augen hat zu sehen, der sehe: Die Stimmung, mit der das italienisch e V oll jetzt den Krieg um Tripolis betrachtet, ist die einer zufriednen Resignation. Man ist resigniert, weil man sich anfangs das tripolita- nische Unternehmen wohl etwas leichter und schneller vorgestellt hat, aber man ist doch zu­frieden, weil der Krieg viele der edelsten Kräfte zum Vorschein gebracht hat, die in der Fvie- denszeit unter der Oberfläche schlummerten. Selbst die kühnsten Patrioten hätten eine so einmütige, durch das ganze Volk gehende na­tionale Begeisterung nicht für möglich gehalten. Jtahien, das schon vorher in den letz­ten Jahrzehnten durch einen von Nie­mand geahnten wirtschaftlichen Aufschwung ohne Gleichen alle Welt in Erstaunen versetzt hatte, hat sich jetzt auch auf politi­schem Gebiet in einem Tempo entwickelt, das aller Erwartung Übertritt. Wenn man bedenkt, daß Italien erst seit einem Jahrhundert ein Einheitsstaat ist und daß es vorher Jahrhun­derte lang in viele kleine Staaten geteilt war, die sich immer wieder gegenseitig bekriegten, so kann man nur staunen, daß schon jetzt ein so kräftiges Nationalgefühl die so verschie­den gearteten Stämme Italiens beseelt. Eine Erklärung ist vielleicht darin zu finden, daß die Italiener eine jahrtausende-alte Kulur hinter sich haben, und daß sie jetzt, wo sie durch ihren so rapid gewachsenen Nationalreichtum und durch ihre imVerhältnis zu Frankreich sich schnell vermehrende Bevölkerung mehr und mehr un. abhängig vom Ausland geworden sind, auch den Mut gewonnen haben, wieder an die Po­litik des alten Rom anzuknüpfen.

Die Eroberung von Tripolis ist nur der erste Schritt einer großzügigen auswärti­gen Politik, den die italienische Regierung mit voller Ueberzeugung getan hat, und er wird den Wendepunkt bilden zu einer selbständigen, von jetzt ab ohne fremde Hilfe durchze- führten geschichtlichen Entwicklung. Man darf es nicht so auffassen, als ob Italien plötzlich, gewissermaßen über Nacht, zu dem Entschluß gekommen sei, sich Tripolis anzueignen, denn die Idee sindet sich schon in 'den Briefen Cris- p i s, und sie hat seitdem immer aufs neue die leitenden Staatsmänner Italiens beschäftigt. Wenn jetzt endlich die Okkupation von Tripolis erfolgt ist, so ist es geschehen, weil sie «ine un- ausschiebbare Notwendigkeit geworden war. Es gibt im Leben der Völker Augen­blicke, die entscheidend sind für ihre ganze Zu- kunft. Wahrscheinlich war jetzt überhaupt der letzte Moment, in dem es Italien noch mög­lich war, Tripolis zu erwerben. Ich glaube, man kommt am besten dazu, sich sine ira et studio ein klares Bild von der Sachlage zu machen, wenn man sich vorstellt, daß Tripolis und die Chrenaika im Fall mangelnder Römer- Energie an Frankreich und England gekommen wären; dann hätte Italien ftir absehbare Zeit das Nachsehen gehabt und hätte, selbst wenn es seine Flotte weiter systematisch vermehrt haben würde, nie die Stellung im Mittelmeer er­langen können, die es sich jetzt schaffen kann. Wo hätte die italienische Flotte Stützpunkte sinden sollen, wenn außer Tunis und Malta auch noch die ganze n-ordasrikanische Küste in den Besitz fremder Staaten gelangt wäre?

Meiner Ansicht nach bedeutet es eine Kräf­tigung des Dreibundes, daß Ita­lien jetzt in die Lage kommt, sich im Mittelmeer eine stärkere Stellung zu verschaf­fen und den ersten Schritt zu tun, um aus einer Großmacht eine Weltmacht zu werden. Italien wird durch den neuen afrikanischen Kolonialbesitz Nachbar Frankreichs und Eng­lands, und diese Nachbarschaft wird naturge­mäß Reibungen mit sich dringen, die für Deutschland jedenfalls nicht schädlich sein werden. Das zeigt sich besonders bei Frank­reich, dessen Beziehungen zu Italien (obgleich es in Rom durch einen erstklassigen Diplomaten vertreten ist) schon jetzt wesentlich kühler und schlechter geworden sind, als sie vor Ausbruch des Krieges waren. Frankreich ge. bärdet sich immer noch als .großmütiger Lehns­herr", der über Italien wie über einen Vasallen verfügen darf; aber die Zetten, in denen Italien der Gunst des dritten Napoleon bedurfte, sind für immer dahm, und Ita­lien wird es Frankreich fo leicht nicht vergessen, wie wenig freundlich es sich während des Kriegs gezeigt hat. Eng­land gegenüber sind die Italiener auch etwas verstimmt, weil besonders im Anfang des Kriegs zahlreiche türkische Offizier« und Kon.

trebande passiert sind. Soweit ich die Lage be- utteilen kann, glaube ich aber doch, daß Italien bestrebt sein wird, mit England, das ihm bei der Begründung seiner Einheit früher so große Dienste erwiesen hat, möglichst gute Beziehungen herzustellen.

Wir müssen uns darüber klar sein, daß Frankreich nicht zu versöhnen ist, und daher unser Landheer noch in ganz andrer Weise vermehren und verbessern, als das in den letzten Jahren (leider!) geschehen ist. Das Rutsche Volk kann es sich nicht erlauben, einen einzigen Groschen am Heer zu sparen. Wir haben jetzt sechsundsechzig und die Fran­zosen nur neununddreitzig Millionen Einwohner. Das Deutsche Reich kann also, wenn es will, sich ein Landheer schassen, das den Fran­zosen in jeder Weise überlegen ist und uns in dem nächsten Waffengang den Sieg und damit die Möglichkeit verbürgt, sie für immer un­schädlich zu machen, denn einmal wird doch di« letzte große Schlußabrechnung kommen müssen. Dagegen ist die Vermehrung unserer Flotte auf einem Pnntt angelangt, wo ihr weiterer, durch den jetzigen Plan vorgesehener Ausbau nach menschlicher Berechnung genügen wird, sie zur Erfüllung der Aufgaben fähig zu ma- chen, für die sie vorgesehen ist. Für unrichtig aber würde ich es halten, unsere Flotte f o zu vermehren, daß England dadurch a b g e. halten würde, sich mit uns zu verständigen. Ohne England können wir keine einzige der großen Fragen der auswärtigen Politik lösen. Vielleicht Bringt der Aufstieg Roms zur Welt­macht, der die nächste Phase der weltpolitischen Entwicklung darstellt, die deuffch-englische Ver- Mndigung dem Ziele näher: Die durch ein star­kes Italien bedingte Machtstärkung des Drei­bunds würde dann ein Bollwerk des Friedens sein, das keine Explosion westlichen, östlichen oder insularen Chauvinismus zu erschüttern vermöchte!

Zchaprro am dritten Tag.

Oberbürgermeister Gottelmann als Zeuge.

(Telegraphischer Bericht.)

Am gestrigen dritten Verhandlungstag des vor der Darmstädter Straflammer stattfinden- den Schapiro-Prozesses wurde als erster Zeuge Oberbürgermeister Dr. Göttel- mann. Mainz vernommen. Er bekundet, daß er von der Persönlichkeit der Frau Schapiro immer den besten Eindruck gehabt habe und stellt ihr das beste Zeugnis aus. Der Ober­bürgermeister erklärt: Mit Herrn Dr. Berndt habe ich immer gut zusammengearbeitet. Als die Artikel im Blatt des Herrn Hirsch erschie­nen, sagten wir uns, daß sie nicht unwiderspro­chen bleiben dürsten. Mr haben daher den Seniorenkonvent der Stadtverordneten­versammlung beauftragt, das Material zu un­tersuchen, und dieser ist ebenso wie die Stadt­verordnetenversammlung zu der Ueberzeugung gekommen, daß an der Polizeiassistentin nichts hängen blieb. Ich hoffte, daß der ernste Ein­druck, den diese Stadtverordnetensitzung machte, ausreichen würde, um auch den Angeffagten zu veranlassen, zu erklären, daß er sich geirrt hätte. Es hat bei uns wenigstens die Absicht einer friedlichen Beilegung dieser Angelegenheit be­standen. Herr Hirsch aber sagte zu mir, daß für ihn der Fall nicht erledigt sei. Es erschien nun am folgenden Tage ein Artikel

mit der Aeberschrift:Lex Berndt der eine Herausforderung war, sodaß Straf­antrag gestellt werden mußte. Ein Beisitzer: Sind ht der Stadtverordnetenversammlung auch die beiden Fälle gutgeheißen worden, in denen Frau Schapiro mit Spitzelei und Deckadressen vorgegangen ist? Oberbür­germeister Dr. Göttelmann: Beigeordneter Berndt sagte damals, daß zweiFällevor- gekommen seien, die nicht schön seien, aber Frau Schapiro hätte in diesen Fällen aus Weisung ihrer Vorgesetzten aehan. beit. Das diente zu ihrer Entschuldigung. In der Nachmittagssitzung wird zunächst unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit über einen Fall ver­handelt, in dem ein Mädchen, das mtt Offizie­ren Umgang hatte, das Eingreifen der Polizei- assistentin veranlaßt hat. Auch hier bat der An­geklagte einen Uebergriff konstatieren zu müssen geglaubt. Die Vernehmung gestaltete sich derartig, daß der Angeklagte sich zum Schluß zu der Erklärung veranlaßt sah, er fei hier falsch informiert worden. Daraus wird die weitere Verhandlung aus Freitag vertagt. Nach dem seitherigen Verlauf rechnet man noch mtt einer mehr als vierzehntägigen Dauer der Verhandlung.

Das Ze-velinGespenst.

England «nd diedeutsche Invasion"'.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Lon­don: Die letzten Erfolge des Zrppelin- Luftfqiffes haben hier eine große, nicht mchesründete Unruhe hervoraerutzn. Man

ist von Neuem zu der Erkenntnis gekommen, daß Deutschland in der Lust voran sei. Na­türlich Wied diese Erkenntnis in chauvini­stischem Sinne ausgebeutet und man malt wie­der einmal das Gespenst einerdeutschen Invasion" au die Wand. So schreibt heute dieDaily Mail: Mit Rücksicht auf den letzten glänzenden Erfolg derVictoria Luise" muß sich das britische Volk die Tatsache ver­gegenwärtigen, daß mehr als eine kleine Ar­mee und eine starke Flotte zu unserer Sicher­heit notwendig ist. Schon jetzt ist es für ei­nen Feind möglich, auf einem anderen Wege als auf dem Seewege durch Benutzung der Luft uns zu erreichen. Die Herrschaft der Lust wird sehr schnell für uns eine ebenso vitale Frage wie diejenige der Herrschaft zur See werden.

Amerikas große WahlkomMie.

Weder Tast noch Roosevelt: Hatley I

Der Präsidentschaftskampf innerhalb der re­publikanischen Partei der Union, der in Chi­cago nun schon seit einigen Tagen mit Pau- ken und Trompeten, mit Revolverschüssen und Katzenmusik in erbittettster Form geführt wird, ist bereits zur großen politischen Komödie aus- geartet und die Gemüter haben sich so erhitzt, daß der Zusammenbruch der republikani- scheu Partei droht, der wohl den Sieg der De­mokraten bei der Präsidentenwahl zur Folge haben würde. Man rechnet mit dem persön­lichen Erscheinen Roosevelts im Konvent und mit der Eröffnung eines zweite^ Kon­vents in derselben Halle. Was dann folgen wird, kann niemand voraussehen. Wir ver­zeichnen folgende Meldungen:

Nigger- und MrmtSnze.

(Privat-Telegramm.)

Chicago, 21. Juni.

Der Wahlkonvent gestaltet sich mit jedem neuen Tage mehr zu enter großen Groteske. Gestern vevanstalteten alle Delegierten unter dem Beifallsklatschen des Publikums einen Umzug durch den Saal. Ein Negerabgeordne­ter hatte über sich einen Regenschirm anfge- spannt und vollführte die tollsten Luft- spränge. Die Abgeordneten des Staates Missouri führten auf dem Forum des Präsiden­tentisches den Bärentanz auf, indem sie fortwährend in Hochrufe auf denTeddh-- ren" ausbrachen. Plötzlich gab es ein großes Hallo: Auf den Tribünen hatte ein junges Mädchen eine Fahne entrollt, mit einem riesi­gen Rooseveltbild in der Mitte, das es schwärmerisch an sein Herz drückte und mit Küssen bedeckte. -Die Abgeordneten lie. 6en das Mädchen sofort in den Saal kommen und brachten ihm ein Hoch aus. Als sie sich an- fchickten, die junge Rooseveltenkhustastin durch den Saal zu trugen, schritt die Polizei ein und wies das Mädchen aus dem Saal, den es auch unter allgemeinem Geschrei verließ. Frauen- rechtlerinnen trugen dann ein neues lebensgro­ßes Bild Roosevelts in den Saal und bedeckten es mit Küssen, immer aus rufend:Wirwol­len unseren Teddy!" In diese Rufe fiel schließlich die ganze Menge ein, fo daß sich die Situation zu einer großen Kundgebung für Roosevelt gestaltete. Schwarze und weiße Anhänger Roosevelts fielen sich um den Hals und küßten sich. Alte graubärtige Farmer und wetterharte Cowboys, die aus dem Westen gekommen sind, um an den Wahlfeierlichketten teilzunehmen, waren über diese Ovation für ihrenTeddy" sehr erfreut und schluchzten vor Rührung.

Momerttbilder von der Staiftatt

(Privat-Telegramm.)

Chicago, 21. Juni.

Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die republikanischen Regulären beschlossen haben, Tafts Kandidatur aufzugeben und den Führer der Tastgegner, Gouverneur H a t - l e y, auf dem National-Konvent als Kandida­ten aufzustellen. Hailey konferierte bereits mit dem Führer der Taftpartei. Es ist wahrfchein- lich, daß Hatley tasächlich als Kandidat aufge- stellt werden Wird. Viele Abgeordnete, beson­ders Tastleute, waren bei den gestrigen Aus­führungen Hatleys nicht anwesend. Sie er­schienen erst später wieder im Saal und wur­den gerade noch Zeugen der stürmischen Ovatio­nen, die man Hatley darbrachte. Sie glaubten natiirlich, daß ihr Schutzbefohlener irgend eine Niederlage erlitten habe und schrieen aus vollem Halse ohne jeden GrundTast!"Tast!" Die Rooseveltleute, die sich im Schreien überhaupt gerne hervortun, ließen natürlich nicht lange auf sich warten und minutenlang hörte man im Saale überhaupt nichts anderes alsTaft!" undRoosevelt!" Erschöpft hielt man

dann schließlich ein, sah sich erstaunt an und wußte überhaupt nicht, weshalb man geschrien hatte. Der Lärm hatte über eine halbe Stunde in Anspruch genommen, und während dieser Zeit wurden die Namen von mindestens zwölf verschiedenen Kandidaten geschrien. Als sich die betrügerisch gewählten Abgeordneten von Kansas nach dem Präsidententisch begaben, lagerte ein ängstliches Schweigen über der ganzen Versammlung. Man erwartete, daß jetzt die Drohung der Roosevelt-Partei zur Tat­sache werde. Und richtig! Kaum hatten die Abgeordneten den Präsidententisch erreicht, als sie mit einer Flui von Schimpsworten überschüttet wurden und verschiedentlich be­merkte man Gruppen, die sich auf die Abge­ordneten st ürz en wollten. Das Schlimmste wurde dann noch im letzten Moment verhütet.

lin Storno auf der Donau. Feuer an Bard des Donaudampfers »Köni­gin Elisabeth", Panik an Bord; 2 Personen verbrannt, über 30 Passagiere ertrunken!

(Privat-Telegramm e.)

Depeschen aus Budapest berichte« über eine verhängnisvolle Katastro­phe, die sich in der vorvergangenen Nacht auf der Donau ereignet hat: Bei Czema-Voda geriet her Dampfer Königin Elisabeth" von bet Ungarischen Staatlichen Donauschiff­fahrtsgesellschaft durch Kurzfchluß in Brand. Das Oberdeck des Schiffes verbrannte vollständig und von der Besatzung kamen zwei Mann in den Flammen um. Außerdem sind über dreißig Passagiere ein Opfer der Katastrophe geworden. Ein Privat-Telegramm aus Buda- pest meldet uns folgende Einzelheiten: Das Schiffsunglück auf der Donau ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag um halb ein Uhr, als die meisten Passagiere in tiefem Schlaf lagen. Der Dampfer befand sich drei­ßig Kilometer nordwestlich von C z e r n o« Voda. Das Feuer brach in der Küche aus, ergiff sofort alle Holzteile der Küche und der Ne- benräume und sprang von hier aus auf die Kajüten über. Entsetzen ergriff die aus dem Schlaf geschreckten Passagiere. Teilweise nur halb bekleidet eilten sie auf Deck und suchten Schutz in den wenigen Booten, die nicht schnell genug klar gemacht werden konnten. In der Todesangst sprangen viele Passagiere über Bord, von denen sich eine große An­zahl durch Schwimmen retten konnten. Bei dem Brand selbst verbrannten ein Maschinist sowie ein Schiffskellner. Auf die Hilferufe der Dampfpfeife und der Sirenen gingen allent­halben vom Ufer Rettungsboote ab, die den mit den durch den Sturm aufgepeitschten Wo­gen kämpfenden Schiffbrüchigen Hilfe brach­ten. Viele von den über Bord Gesprungenen gingen jedoch unter. Ihre Zahl konnte noch nicht festgestellt werden. Die ersten Nachrich­ten, die sehr spärlich in Wien einliefen, spra­chen von fünfundzwanzig Toten, während die neueren die Zahl der Erirunkenen auf dreiundreißig angeben. In Buda­pest herrscht große Aufregung, da die meisten Passagiere aus der Hauptstadt Ungarns stam­men und den DampferKönigin Elffabeth" zu einer Vergnügungstour benutzt bat­ten. Kaiser Franz Josef Hai das Mi­nisterium des Innern ersucht, ihm Einzelheiten über die Katastrophe zu übermitteln. Bisher liegt noch keine Nachricht darüber vor, ob das Schiff gesunken oder ob der Brand zu lö­schen ist. Von Czerna-Voda ist ein Regierungs­dampfer an die Unglücksstelle abgegangen.

*

Ein Stratzenbahn-llnglück in Madrid.

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Madrid berichtet wird Hal sich dort gestern ein fchweres Straßen­bahn-Unglück ereignet. Infolge Verfu­gen der Bremse entgleisten an einem Abhang zwei Sttaßenbahnwagen und fuhren in ein Schaufenster hinein. Hierbei wurden zwei Personen getötet und neu« schwer verletzt. Unter den Toten befindet sich der Führer der entgleisten Wagen.

Set Unglücks Zug.

Die Eisenbahn-Katastrophe bei Gaschwitz; bi« Schilderung einesAugenzeugen des Anfalls« (Von unferm Spezial-Korrespondenten.) .... Ja, es fährt gleich ein Zug!"

Außer mir noch viele Menschen auf deut Bahnsteig. Eine alte Waschftau in einem ab­geschabten, grauen Tuch setzt sich auf die Bank; den braunen Sponkorb stellt sie neben sich. Zwei junge Leute lachen. Ein Fabrikmädel denkt, daß sie nach der Tagesarbeit lustig fein muß. .Sie macht ein keckes Gesicht, fchmicgt