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Weler NM Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Katastrophen ohne Ende!

Sin schweres Eisenbahnunglück bei Leipzig; drei Zote, sieb­zehn Schwerverletzte; Uebersahre» des Haltesignals als Ursache des Unglücks; der Lokomotivführer als Schuldiger verhaftet!

Rach Malmrtätt: Leipzig!

Die ilt>< uäten der Etfenbahnkatastrophe: Un-- Hattiv^en tm Eisenbahn - Leitungsverkehr!

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Leipzig, 20. Juni.

Man hat sich in Deutschland darüber ge­wundert und entrüstet, als bei der Eisenbahn- Katastrophe in Schweden nach tagelanger Un­tersuchung noch nicht festgestellt werden konnte, welchen unglücklichen Zufällen oder welcher Fahrlässigkeit die Schuld an dem Unglück zu­zuschreiben sei: Die Ungewißheit über die Ur­sa ch e n ist ja fast schlimmer, als die Wir­kungen der Katastrophe! Und nun erleben wir fast das Gleiche bei uns selbst! Der Eisenbahn- Unfall, der sich gestern abend bei Gaschwitz (einem Vorort von Leipzig) ereignet hat, ist in seinen tatsächlichen Einzelheiten noch völlig unaufgeklärt, und auch die Frage, wel­chen Umständen in Wirklichkeit die Kata­strophe zuzuschreiben ist, bedarf noch der Beant­wortung, da. grade über die Schuldfrage die widersprechendsten Gerüchte zirkulieren. Nur eins steht bisher fest: Das Unglück ist nicht etwa auf einen Konstruktionsmangel, nicht auf das Versagen irgend eines technischen Instru­ments oder auf die plötzlich eingetretne Un­brauchbarkeit irgend eines für den Betrieb wich­tigen Apparats zurückzuführen, sondern einzig und allein auf ein schwerwiegendes Versehen, eine Nachlässigkeit oder einen

Irrtum in der Iugleitung.

Es heißt halbamtlich, daß der Personenzug, der von der Katastrophe betroffen wurde, wegen an­derweitiger Einteilung der Strecke auf ein N e - beuge le is geleitet worden sei, von dem aus er dann später wieder auf das frühere Geleise rangiert wurde, trotzdem um diese Zeit mit dem Eintreffen des von Hof fälligen Eilzugs gerechnet werden mußte. Das ist offenbar übersehen worden: Der Eilzug über­fuhr das Halte-Signal, rannte in voller Fahrt dem Personenzug in die Flanke, und ... das Unglück war geschehen! Wie das möglich gewesen ist, bedarf jedenfalls noch der Aufklä­rung, denn es ist doch nicht anzunehmen, daß a l e i n der verhaftete Lokomotivführer, der sich nach der Zurückrangierung des Personenzuges auf das Ferngeleise offenbar in dem guten Glauben befunden hat, daß die Strecke nun für den Eilzug frei sei, die Schuld an dem Un­glück trägt. Wichtiger-und dringlicher ist viel­mehr die andre Frage: Wie konnte der Per­sonenzug, der zur normalen Fahrplanzeit ein« getroffen war, auf ein Geleise rangiert werden, das sich mit demjenigen für den Eilverkehr kreuzte, und zwar grade zu einer Zeit, als der Eilzug Hof-Leipzig jeden Moment die Stelle passieren konnte?

Hier ruht die Schuldsrage;

und es liegt, unter diesem Gesichtswinkel be- trachtet, die Wahrscheinlichkeit nahe, daß das Verhängnis der Verwirrung erst durch eine falsche Weichen st ellung akut geworden ist. Das Eine läßt sich jedenfalls nicht bestrei­ten: Die Katastrophe bei Gaschwitz ist durch Fehler in der Z u g a b f e rt i gu n g und in der Zugleitung herbeigeführt worden, und es wird Aufgabe der Untersuchung fein, die tatsächlich Schuldigen festzustellen. Die Ho­fer Strecke ist eine der verkehrreichsten des mit­teldeutschen Eisenbahn-Netzes; sie wird täglich von zahlreichen durchgehenden Zügen befahren, und es ist deshalb unbegreiflich, daß grade auf dieser Strecke mit ihrem starken Verkehr in der Leitung der Züge Störungen entstehen konnten. Der starke Verkehr stellt zwar außer­ordentliche Anforderungen an den Zugleitungs- und Ueberwachungsdienst, aber grade des­halb hätte man sich auch sagen muffen, daß die geringste Störung im fahrplanmäßigen Be­trieb die schwerste Gefahr heraufbeschwören könne. Seit heute früh wird die eisenbahn- amtliche Untersuchung über die Ursache der Katastrophe mit großem Eifer geführt; die bis­herigen Feststellungen haben aber soviel Un­klarheit und Verwirrung in den Aussagen er­geben, daß es fast unmöglich erscheint, ein kla­res Bild von den tatsächlichen Ereignissen zu gewinnen: Man wird unwillkürlich an Malm­st ätt erinnert,. .!

*

Noch eine Katastrophe!

Ei» Toter; mehrere Schwerverletzte.

(Privat-Telegramm.)

Köln, 20. Juni.

Ein schweres Eisenbahnunglück er­eignete sich in der vergangenen Nacht auf dem Bahnhof Schleebufch. Ein Güterzug mit Remontepferden der Deutzex Kürassiere, die sich auf dem Transport von Ostpreußen nach Deutz befanden, hatte gerade die Station Schleebufch paffiert, als der Zug entglei sie. Ei» Wagen stürzte um. Dabei wurde ein

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Leipzig: Ein schweres Eisen­bahnunglück, bei dem drei Per­sonen getötet und siebzehn schwer verletzt wurden, ereignete sich gestern abend in unmittelbarer Nahe von Leipzig. Ter um halb sieben Uhr von Borna abgehende und gegen ad)t Uhr auf dem Bayerischen Bahnhof in Leipzig eintreffende Personen- zug stieß bei Gaschwitz mit einem von Hof nach Leipzig fahrenden Eil­zug zusammen. Das Unglück wurde dadurch verschuldet, daß der von Hof kommende Zug das Haltesignal überfuhr. Der Zusammenprall war furchtbar. Die ersten Wagen der beiden Züge bildeten mit ihren Lokomotiven ein unentwirrbares Durcheinander. Unter den Toten befindet sich auch der Zugführer des Bornaer Zuges. Depeschen aus Leipzig berichten uns über die furchtbare Katastrophe folgende Ein­zelheiten: Der Eilzug, der das aufHalt- stehende Signal überfahren hatte, rannte dem einsahrenden Personenzu-z direkt in die Flanke. Der Zusammenstoß war von kata­strophaler Wirkung und es entstand eine schreck­liche Verwirrung. Bis elf Uhr abends waren drei Tote festgestellt. Andere Verunglückte zei­gen schlimme Verletzungen. Ein mitfahrender Arzt leistete die erste Hilfe. Bald erschienen Militär, Feuerwehr und zahlreiche Aerzte aus Leipzig. Die Verwundeten sind fast sämtlich Leipziger Arbeiter, die von ihrer Ar­beitsstätte nach der Stadt Mrückfuhren. Die Leichen zeigen meist Kops- und Armverletz­ungen. Die ganze BevöKerung der umliegen­den Dörfer war auf den Beinen. Auch aus den nahe gelegenen südlichen Leipziger Vorort«! hatten sich viele Neugierige eingefunden. Das Unglück spielte sich folgendermaßen ab: Der Eilzug Leipzig-Hof, mit dem Anschluß nach München, fuhr bem Personenzug Borna-Leip­zig mit voller Wucht in die Flanke. Der Maschinist und der Heizer des EilzugeS tonn, ten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Herzzerreißende Szenen spielten sich auf dem Bayerischem Bahnhofe ab, wo die An- gehöri-zen die heimkehrenden Arbeiter, Väter und Brüder, erwarteten, lieber die Ursachen des Unglücks herrschen verschiedene Meinungen: Während die eine als Ursache des Unglücks das Ueb erfahren des Halte-Signals an- gibt, besagt die andere, daß falsche Wei­chenstellung die Schuld trage. Eine ge­tötete Fmu hielt ihr schwer verletztes Kind in den Armen. Die Toten sind der Lokomotiv­führer E rler - Connewitz, der Schaffner Neumann- Bölitz und eine Frau Schöne- feld. Sellerhausen.

Die Wirkungen der Katastrophe.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 20. Juni.

Ein Pas sag ker des Leipziger Zuges er. zählt: Als wir di« Station ungefähr vierzig Meter verlassen hatten, -gab es einen furcht. barenAnprall und die Reisenden des Wa­gens dritter Klasse, in dem auch ich mich be­fand, wurden durcheinandergeworfen. Wir sprangen sofort aus dem Wagen und liefen nach der Spitze des Zuges, von wo uns kläg­liches Geschrei und Wehklagen ent­gegenhallte. Die Lokomotive unseres Zuges stand quer über dem Gleis. Der Gepäckwagen und der darauffolgende Wagen vierter Klasse waren vollständig übereinandergetürmt. Ter nächste Wagen, ebenfalls «in Wagen vierter Klasse, war zertrümmert. Auf diesen war ein Wagen dritter Klasse ausgesahren. Zwischen zertrümmerten Wagen sahen wir Menschen eingeklemmt und aus den Trümmern ragten einzelne Körperteile hervor. Die Reisenden beider Züge sprangen sofort herbei und retteten die Eingeklemmten, soweit wie es möglich war. Der größte Teil konnte jedoch erst befreit werden, als die Leipziger Mannschaft eingetroffen war. Die Hilfe von ben Leipziger Aerzten kam s e h r s p ä t, da der erste Hilfszug merkwürdigerweise dreiviertel Stunden auf dem bayerffchen Bahnhöfe hatte warten müssen, ehe er nach der Unglücksstelle abfuhr. Der erste Anblick und das Wehgeschrei waren so fürchterlich, daß man auf min­destens vierzig bis sechzig Verletzte rechnete- da

man wußte, daß die ersten drei ineinanderge­fahrenen Wagen voll besetzt waren. Das Un­glück ist direkt an der Weiche geschehen, so daß Maschine auf Maschine fuhr.

An der Ungwcksstatte.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 20. Juni.

An der Unglücksstelle bei Gaschwitz herrsch­te gestern abend die furchtbarste Ver­wirrung. Die Schwerverletzten wurden in Krankenautomobilen nach dem Leipziger Krankenhaus gebracht. Die Schmerzensschreie der Verunglückten riesen die Beamten der Station Gaschwitz herbei, die sich sofort mit den überlebenden Passagieren der beiden Zü­ge an die Rettungsarbeiten machten. M i t Sägen und Aexten mußten die Verun­glückten aus ihrer furchtbaren Lage befreit werden. Ein gegen zehn Uhr aus Leipzig eingetroffener Sanitätsrettungszug brachte drei Tote, zwei Männer und eine Frau, sowie vierundzwanzig Verwundete nach Leipzig. Unter den Verwundeten befinden sich viele Kinder. Die Rettungsarbeiten wurden unter Fackellicht die ganze Nacht hin­durch fortgesetzt. Es wird angenommen, daß sich unter den Resten der zertrümmerten Wa. gen noch eine Anzahl Verunglückter befindet. Die Schuld an dem Unglück trifft, soweit bis­her festgestellt werden konnte, den Lokomo­tivführer des Leipziger Zuges, der sofort verhaftet wurde. Nach den neuesten Fest­stellungen sind siebzehn Personen schwer verletzt worden, während sieben an­dere leichtere Verletzungen erlitten. Der Prä­sident der sächsischen Eisenbahnen, Geheimrat Dr. Ulbricht, traf in Begleitung des Oberbau­rats Kreul aus Dresden um halb ein Uhr nachts in Leipzig ein und begab sich sofort mittels Sonderzugs nach der Unfallstelle, wo eine eingehende Besichtigung vorgenommen wurde. Von den Schwerverletzten dürsten sechs kaum mit dem Leben davonkommen; man befürchtet stündlich ihr Ableben.

Die Ursache der Katastrophe.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Leipzig, 20. Juni.

lieber das schwere Eisenbahnunglück bei Gaschwitz erfahre ich noch folgende Einzelheiten: Der Persvnenzug nach Leipzig hielt auf einem Ferngleis. Durch eine Verspätung mußte er dann auf ein Lokalgleis fahren und einige an­dere Züge vorüber lassen. Als dies geschehen war, fuhr der Zug wieder auf sein Ferngleis zurück. Zwischen diesem Ferngleis und dem Lokalgleis, auf dem der Zug bisher gehalten hatte, lag aber noch ein zweites Ferngleis, auf dem der Hofer-Zug herangebraust kam. Das Haltesignal war für den Hofer-Zug gegeben worden, es wurde aber nicht bemerkt. Dagegen gab der Führer des Hofer-Zuges, als er die Gefahr erkannte, so­fort das Notsignal. Dadurch gewarnt, sprangen fast sämtliche Bahnbeamte von den Zügen ab; lediglich der Zugfüh­rer und ein Schaffner konnten sich nicht mehr retten. Sie wurden, ebenso wie eine Frau, Todesopfer dieser Katastrophe. In dem Hofer-Zug befand sich zufälligerweise eine Ab­teilung Soldaten, die sich auf dem Trans­port nach Hof befanden. Die Soldaten konn­ten sofort zu Hilfe eilen und beteiligten sich mit anerkennenswertem Eifer an den ersten Bergungsarbeiten. Als das Telegramm mit der Unglückskunde in Leipzig eintraf, wurden sofort von Leipzig und Engelsdorf aus zwei Hilfszüge nach der Unglücksstätte abgelassen, die dort eine halbe Stunde später cintrafen. Der Schauplatz der Katastrophe ist seit heute früh von Tausenden von Menschen umlagert. Gegenwärtig wird daran gearbeitet, die Trüm­mer von der Strecke hinwegzuräumen. Wann die Strecke wieder frei fein wird, läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen.

*

Sechshnndertfünfnndvierzig Todesopfer!

Ein Privattelegramm meldet uns aus Berlin: Die Statistik der Unfälle, die im Betriebe der preußischen Eisenbahn sich im vergangenen Jahr ereignet haben, verzeich­net 2199 verunglückte Personen. Bon diesen wurden 645 getötet, 606 schwer und die übrigen leichter verletzt.

Kürassier getötet und drei andere schwer verletzt. Eine weitere Anzahl Soldaten er. litt leichtere Verletzungen. Auch eine Anzahl Pferde wurde verletzt. Das Unglück ist dar. auf zurückzuführen, daß der Weichensteller, in der Meinung, der Zug habe die Weich« bereits passiert, diese umlegte, während die Schlußwagen noch nicht in das andere Gleis hinüber geführt waren.

Unter Trümmern begraben! Line verhängnisvolle Einsturz-Katastroph« im Elsaß; sechzig Arbeiter unter Trümmer« begraben; vier Tote, sechzehn Verletzte.

In Bühl bei Gebweiler im Oberelsaß ist gestern nachmittag ein Stückputzereigebäud« einer Weberei eingestürzt; sechzig Arbeiter wur­den unter den Trümmern begraben. Das ein« Sestürzte Gebäude war nach einem Brande im ähre 1903 neu aufgebaut worden, lieber di« verhängnisvolle Katastrophe erhalten wir foL gende Meldungen:

Straßburg i. E., 20. Juni.

(Privat-Telegramm.)

In Bühl bei Gebweiler hat sich gestern nach« mittag ein folgenschweres Unglück ereignet Während des Betriebes stürzte auS bisher unbekannter Ursache ein ©eitengebäub« der Manufakturwarenfabrik Mogelet, in dem di« Weberei untergebracht war, ein. Sechzig Arbeiter, die in den Räumen beschäftigt waren, wurden unter den Trümmern b e g r a. ben. Bier von ihnen wurden getötet, sech­zehn verletzt, darunter zwei lebensgefährlich. Mit den Aufräumungsarbeiten wurde sofort be­gonnen. Es waren Feuerwehren von Bühl, Gebweiler, sowie verschiedene Sanitätsabtei­lungen gleich zur Stelle. Die Verwundeten wurden teils in ihre Wohnungen, teils in das Spital gebracht, lieber die Ursache des Un. glücks steht noch nichts Genaues fest, doch ver- lautet, daß die Konstruktion des vor neun Jahren neu errichteten Gebäudes vo« Anfang an fehlerhaft gewesen sei.

*

Er hatte den Zug vergessen...!

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Stockholm berichtet wird, gab im gestrigen Verhör wegen der Malm, stätter Katastrophe der Assistent Cjels. f o n, der zurzeit der Katastrophe Dienst hatte, an, er habe den Zug 12, der verunglückte, ver. geffeit. Diesbezügliche Fragen und Aeuße- rungen anderer Beamten habe er nicht gehört oder nicht verstanden, und lediglich darauf sei das Unglück zurückzirfü'hven.

Madame KrSsm.

Die Schwester des totenZuckerkSnigS"; eine Greisin als Besitzerin von 175 Mill.; Amerika und seine Finanzkönigiunen. (Vonunserm Korrespondent«n.)

Aus Newyork wird uns geschrieben! Amerika zählt eine .Königin" mehr! Der Zuckerkönig" John Arbuckle ist gestorben, und seine Schwester, Miß Christine Ar- buckle, besteigt den frei gewordenen Thron; mit anderen Worten: sie ist mit der Verwab tung des auf hundertfünfundsiebzig Millionen geschätzten Vermögens ihres Bruders betraut worden. Miß Christine hat übrigens des Lebens Mittagshöhe längst über- schritten: Sie zählt zweiundstebzig Lenze. ES ist besser, daß etwaige Heiratskandidaten sofort auf diesen kleinenSchönheitsfehler" aufmerk­sam gemacht werden. Miß Christine Arbuckle ist übrigens nicht die erste Amerikanerin, die ein Riesenvermögen in ihre Gewalt bekommt und es mit Energie und Kaltblütigkeit verwal­tet. Tie berühmteste der amerikanischen Finanz­königinnen ist sicherlich Mrs. Hettv Green. Im Jahre 1835 geboren, erbte sie im Jahr« 1865 von ihrem Vater, Eduard Mott Robinson, ein riesiges Vermögen. Fräulein Robinson, die erst zwei Jahre später in den heiligen Stand der Ehe treten sollte, stand mit dreißig Jahren an der Spitze eines Kapitals von drei­ßig Millionen und begann sofort mit ihren Pfunden zu wuchern. Vierzig Jahre lang führte sie das aufregende Leben eines geldhungrigen und Tag und Nacht im Golde wühlenden und Gold erraffinden Geizhalses. Sie kaufte und ver­kaufte Terrains: sie ließ Häuser bauen und vermietete sie; sie war an allen größeren Un­ternehmungen in Newyork beteiligt und vertei­digte ihre Interessen mit einer staunenswerten Zähigkeit. Ihr Hauptgeschäft aber war das Verborgen von Geld, und sie verborgte nicht billig. Wieviel sie heute besitzen mag? Drei­hundert Millionen, sagen die einen, fünf­hundert Millionen, sagen die anderen:

ein ungeheures Vermögen

ist es in jedem Fall! Neben Hettv Green wird als besonders reiche Frau gewöhnlich Mrs. Rüssel Sage genannt. Sie ist die Witwe des vor einigen Jahren verstorbenen Finanz- mannes Ruffel Aage, der ein Vermögen von