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Casseler KM Nachrichten

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 161

Sonntag, 16. Juni 1912

Fernsprecher 951 unb 952.

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

ratung unsrer nationalen

Wittschastsprv

London meldet, unternahm gestern abend

Meuteuer beim Minister-Empfang.

Minister Asquith tätlich angegriffen!

Wie uns ein Privattelegramm aus

Di» Cassel« Neueste» Nachricht«» erscheine» wöchentlich sechsmal und zwar abends. Ter Lb-nnementSpretS betragt monalltch « Pfg. bei frei« BuMtmg in« HauS. Bestellungen werden jederzeit von d« Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und lUedattion: Schlachthofstreße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 1 bis 3 Uhr nachmittag«, Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. B«lin« Vertretung: SW Tiriebrichstr. 16, Telephon: Amt Morttzplatz 676.

JnsertionSprets«: Die sechSgespattene Zelle für einheimische Geschäfte 15 yfg., für auS. j »artige Inserate 25 Pf, Reklamezetle für einheimische Geschäft« 40 Pf, für auswärtig« I Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mtt 5 Mark pro Tausend 6«. J rechnet. Wegen ihrer dichte» Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung sind bte I Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: »ölnische 1 Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 676 1

kanzler oder von Herrn von Kiderlen-Waechter begleitet sein; den Zaren begleitet der Minister des Aeußerm.

blcme, die auf

Der parlamentarische Wett-Rekord.

Eine sechsundvierzigstündige Sitzung.

Die Obstruktion der Ruthenen im österreichischen Wehrausschuß (über die wir bereits gestern berichteten) ist am Freitag abend nach sechsundvierzig st ündi- ger Sitzungsdauer vorläufig zu Ende ge­kommen. Um acht Uhr konnte endlich die Sitzung des Ausschusses geschlossen werden, da es gelungen war, ein Uebereinkom- m e n mit der obstruierenden Ruthenenpartei zu treffen. Daß die Ruthcnen-Obstruktion von geradezu unheimlicher Ausdauer war, geht aus folgenden Meldungen hervor:

Wien, 15. Juni.

(Privat-Telegram m.)

Die Rede des Ruthenen Baczynski ist die längst« Rede, die im Abgeordnetenhaus überhaupt bisher gehalten worden ist. Der bisherig« Dauerrekord, den Dr. Lecher mit zwölf Stunden geschaffen hat, ist geschlagen. Nachdem Baczynski gestern mittag um halb zwölf Uhr ausgesprochen hatte, mußte er ins Sanitäts ; immer geschafft werden, da er sich unwohl fühlte und sich Fiebererschei­nungen zeigten. Es wurde ihm ärztliche Hilfe zuteil. Der Landesverteidigungsmi­nister, General von Georgy, war die ganze Zeit über im Ausschußsaal. Er begab sich nur morgens um sechs Uhr nach Hause, um sich umzukleiden und erschien dann sofort wie­der im Hause. In der Mittagsstunde trat eine Wendung in der Situation ein: Es fand eine Besprechung der ruthenischen Führer mit dem Kultusminister statt, in der dieser neue Vorschläge über die von ibm namens der Re-' gierung abzugebende Erklärung wegen der ruthenischen Universität machte. Hiernach darf die Erledigung der Webrvorlage im Ausschuß nunmehr als gesichert gelten.

M-rsiev-Berhattunge« tn Agram.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus «gram: ES steht jetzt fest, daß in den letzten Tagen tatsächlich achtzig Stu­denten verhaftet und in Haft behalten worden sind. Es handelt sich um einen poli­tischen Prozeß, der gegen die Verhafteten we­gen großkroatischer u. -serbischer Propaganda angestrengt wurde und der mit dem Atten­tat auf den BanuS Euvaj im Zusammenhang tehen soll. Ter im nächsten Monat zu er­wartende Prozeß dürfte sensationelle politische Enthüllungen bringen.

Fran Kimeticktz, M. 6. L.

Inkonsequenz oder Männerfurcht?

Auch die politische Entwicklung leistet sich mitunter Extravaganzen, und es scheint manchmal, daß die Zeit der Wunder immer noch nicht verronnen: Sie offenbart sich nur in andrer Form, natürlicher, logischer und we­niger gewalttätig als früher. Wer sich davon überzeugen will, der schaue über die dreifarb- nen vaterländischen Grenzpfähle hinweg nach Oesterreich, wo, zur Junimitte die Frauen einen Sieg erfochten haben, der ihren Schwe­stern in der ganzen Wett als politisches Ideal erscheint. Und dieser Sieg ward ruhig er­kämpft, ohne schmerzliche Konvulsionen des öffentlichen Lebens, ohne viel Wortgepränge und ohne den Beistand des Straßenlärms; er­kämpft zudem in einem Land, das sich in poli­tischen Dingen noch des Jdealzustandes nacht- mützen-zipfliger Schläfrigkeit erfreut! In ^nrgbunzlau-Nimburg hat die jungtschechische PAttei im Verein mit andern bürgerlichen Frattionen eine Schriftstellerin, Frau Boze­na Vyk - Kuneticky, als Kandidaten für den Landtag aufgestellt. Und diese hat, gegen den Bürgermeister der Stadt, die Mehrzahl der Stimmen erhalten. Es sind uns alle jene peinlichen Szenen erspart geblieben, in denen sich der Kampf der englischen Stimm­rechts-Amazonen gefällt, Oesterreichs Frauen haben im Kampfe um etwas, was sie und nicht wenige Männer als ihr Recht betrachten, weder Schutzleute verprügelt noch Fensterschei­ben eingeworfen, noch die Politik von der brutalsten Seite angepackt, und bis jetzt hat kein Gegner die Möglichkeit, auf eine noch größereVerwilderung der politischen Sitten­hinzuweisen, wenn man vor der Frau die Schranken, die sie von der aktiven Politik znrückhalten, niederwirst.

bensweise der Bevölkerung den bedeutsamsten Einfluß haben werden, gar kein Interesse? Zu Enqueten und andern gesetz-vorbereiten­den Maßnahmen sind die Frauen wiederholt hinzugezogen worden: Wäre es in unsrer Zeit der praktischen Politik nicht gerecht und zweckmäßig, sie nicht nur zur bloßen In­formation, sondern zur Gesetz-Debatte selbst zuzulassen? Die Frauen haben im po­litischen Kampf stets ihren praktischen, der hohlen Deklamation abholden Sinn bewiesen, und schon das nationalpolitische Interesse sollte uns sagen, daß wir nicht reich genug sind an solchen Elementen, als daß wir sie noch länger zurücksetzen und ihre Kraft miß­achten dürfen. F. H.

cs freisteht, Frau Bozena Vyk-Kuneticky aus eigner Entschließung ein Plätzchen auf seinen Bänken einzuräumen.

Geschieht's, dann werden die Männer von Wien vielleicht mißbilligend die Häupter schüt­teln, aber sie werden die Kämpen des Par­laments wegen der einen Sünderin von Jungbunzlau-Nimburg doch sicher nicht in die Schranken fordern, denn im Böhmer Landtag sitzt die Obstruktion, immer bereit, auf der Tribüne. Trotzdem: Das Frauenwahlrecht ist jetztaktuell- geworden! Man sage nicht, daß wir derbrennenden Fragen- in der Politik genug haben, und nicht noch neue mutwillig zuzuschieben brauchen. Das Be­streben, die Frauen in die Politik einzufüh- ren, steht außerhalb des politischen Alltags, steht über ihm. Fortwährend werden in unseren Parlamenten Dinge verhandelt, die in den Wirkungskreis, den Sorgenkreis der Frauen gehören, und gerade sie, die Kompetentesten und Erfahrensten, dürfen ihr« Meinung nicht geltend machen. Haben die Frauen an dem Fragen - Komplex der Teuerung, an der bald zu erwartenden großen Durchbe-

Heinr-öchlscht in Frankfurt.

Abgeor dneterWerner contra HeinrichHeine.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Frankfurt a. M., 15. Juni.

Gestern abend sprach hier auf Veranlassung der deutsch-sozialen Partei im Saal« des Kaufmännischen Vereinshauses der reformpar- teiliche Reichstagsabgeordnete Werner- Butzbach über das Heine-Denkmal und seine politische Bedeutung für Frankfurt. Da mindestens ebensoviel« Freund» als Gegner des Redners anwesend waren, ft nahm die Versammlung einen überaus stür­misch e n Verlauf. Zum Schluß kam es zu einer schweren Prügelei, als der Redner seine Angriffe auf Heinrich Heine wie­derholte. Der Vorsitzende mußte schließlich eine große Anzahl Versammlungsteilnehmer aus dem Saale entfernen lassen. Als Werner dann in der Dsbatte zum zweiten Male das Wort ergreifen wollte, entstand ein so lär- mender Tumult, daß die Versammlung sofort geschlossen werden mußte. Ein großer Teil der Versammlungsteilnehmer weigerte sich aber, den Saal zu verlassen und es bildeten sich zwei sich feindlich gegenüberstehende Par­teien. In der Mitte des Saales stand Wer­ner, umgeben von seinen Freunden, während die Gegner sämtliche Saattüren besetzt hiel­ten, um Werner und seinen Freunden

den Ausgang zn sperren.

Nach wenigen Minuten gegenseitiger Bedro­hung kam es zu einer Prügelei. Als Waf­fen dienten dabei Bierseidel, Unter­setzer, Stühle und dergleichen. Als der Kampf am heftigsten wogte, rückte ein starkes Polizeiaufgebot in den Saal und trennte die Streitenden. Kaum aber hatte dir Polizei dasSchlachtfeld- verlassen, als beide Heerhaufen erneut zusammenstießen: Dies­mal etwas friedlicher in Gestatt eines ... Sän­gerwettstreits! Die Anhänger Werners san­gen dieWacht am Rhein-, die Heineverehrer Ich weiß nicht, was soll es bedeuten-, und die im Saale anwesenden Sozialdemokraten die Arbeitermarseillaise. Aus der Straße fan­den die Tumulte dann ihre Fottsetzung. Wer­ner, der von der auf der Straße harrenden Volksmenge mit Pfuirufen empfangen wurde, mußte polizeilichen Schutz in Anspruch nehmen. Zwei Schutzleute nahmen Wemer in die Mitte und brachten ihn nach einer Wohnung. Zehn weitere Schutzleute waren notwendig, die nachdrängende Men- chenmeng« zurückzuhalten, die immer und im­mer wieder den Versuch unternahm, an Wemer hcranzukommen. Erst spät in der Nacht trat Ruhe ein.

Einkommen und Le -

SomrnerpolM in den EchSrea.

(Privat-Telegramm.)

Petersburg, 15. Juni.

Ter Zar ist mit seiner Familie gestern nacht von Moskau abgereist: er wird heute in Zarskoje Selo eintreffen. Gleich nach dem Eintreffen der Kaiserjacht, das Ende dieses Mo­nats erfolgt, wird sich der Zar mit seiner Fa­milie nach den finnischen Gewässern cinschiffen. Tort trifft dann der Zar in der zweiten August­woche zuerst mit dem König von Eng­land und dann mit Kaiser Wilhelm bei Pitrahas zusammen. Bei dieser Zusammen­kunft soll ein Meinungsaustausch über alle po­litisch wichtigen Fragen, so über die Bei­legung des italienisch-türkischen Krieges und über die chinesische Anleihe

Trotz der Ruh« der Agitation (oder viel­leicht grade deshalb?) hat die Idee des Frauenwahlrechts ihre Kreise gezogen, und verhältnismäßig rasch ist sie bei einer Demon­stration angelangt, die im politischen Muster­reich England noch in weiter Ferne ist. Das Beispiel, daß politische Wandlungen, die in sich die Wucht dtt Notwendigkeit tragen, sich euch ohne lärmende Nachhilfe durchsetzen, das verdanken wir der klugen Taktik der öster­reichischen Frauen, und in dem Moment, da sie zum erstenmal den Plan der aktiven Po­litik betreten, haben sie schon der von hastigen Wünschen durchzognen bisherigen Politik ein Ekempel gegeben. Man kann nur wünschen, daß sie in diesem Zeichen, ihrer Würde be­wußt, ihrer Mission bedacht, auch zum Siege Vordringen. Denn ttotz der Wahl in Jung- bunzlau sind sie eigentlich noch nicht am Ziel, da von der Wahl selbst wohl nichts ttfeiter übrig bleiben wird, als die öffentliche Aner­kennung des Frauenkampfs um politische Rechte. Die Jungtschechen haben zwar eine -Frau Landtagsabgeordnete- gewählt, aber sie besitzen nicht die Macht, sie auch wirklich in den Landtag einzufüch reu. Der Statt­halter von Böhmen läßt nämlich verkünden, daß er der Vertreterin von Jungbunzlau die statthatterliche Anettennung verweigem werde, deren sie bedarf, um ihr Mandat ausüben zu können. Der Stellvertteter und Statthalter des greifen Franz Josef im Böhmerland ist kem galanter Mann: Er ist ein Fanatiker des Versassungsbuchstabeus, und er scheint gewillt zu sein, den Buchstaben eines Gesetzes, das noch vom Geist der Großväter geprägt wurde, gegen alles Recht und gegen den Politischen Sieg der Frau auszuspielen.

Ter Kampf droht also, nah am Ziel, in einem Berg papiernen Formelkrams zu enden, und es ist bedauerlich, daß der Formalismus' der statthalterlichen Bureauttati« die Waffe in Sie Hand gibt, der Frau Bozena Vyk - Kune- tickv den Eintritt ins Böhmer Parlament! zu verwebren. Fürst Thun, der Statthalter, ist ein alter, grauer Mann, dessen Seele sich mit den stark zum Licht drängenden Regun­gen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht be­freunden kann, und nun gewährt ihm das Ge­setz. das er der zum Siege schreitenden Frau wie ein« Barrikade in den Weg stellt, den Schein unantastbaren Rechts. Daß dieses Recht alt, vergreist und mürb, in seiner Logik pnd in seinen Voraussetzungen haltlos und brüchig geworden ist, tut seiner Kraft nicht Ab­bruch, und es ist sicher, daß auch das Reichs- xettcht, dessen Spruch in diesem Kampf um Rechte und Ideale angerufen werden soll, dem Fürsten Thun feierlich attestieren wird, er habe gerecht und nach dem Willen des Ge­setzes gehandelt, als er die Erwählte der Männer von Jungbunzlar-Niemburg mit dem Hann statthatterlicher Acht belegte. Bleibt boch der Landtag selbst, der an den Willen des Statthalters nicht gebunden ist, und dem :

gen Amt anläßlich des Geburtstages des Kö­nigs eine Frauenrechtlerin einen An­griff auf den Premierminister Asquith, der die Gäste empfing. Als eine elegant ge­kleidete Dame dem Premierminister vorgestellt wurde, versuchte sie plötzlich, di« Epauletten von der Uniform des Ministers herunterzurei­ßen. Nach heftigem Widerstand konnte die Attentäterin aus dem Saal entfernt werden. Später mußte auch ein junger Mann, der den Premierminister belästigte, aus dem Saal entfernt werden. Die Persönlichkeit der Frauenrechtlerin, die sofort der Polizei vor­geführt wurde, ist noch nicht festgestellt; man spricht aber davon, daß es sich um eine Dame der Gesellschaft handle.

Sie deutsche Reichs-Luftpost. DieSchwaben" das erste Post. Luftschiff, zwei Millione« Postkarteu au einem Tage; das neueste Verkehrsmittel r Die Luftpost!

Der ZetchelinkreuzerSchwaben-, de« man das erste deutsche Postlufffchisf nennt, hat aus seinen Fahrten zwischen Frankfurt a. M., Mainz und Darmstadt an einem Tag« rund zwei Millionen Postkarten befördert. Ein schöner Erfolg. Aber man verdantt ihn zu­nächst nur der Postkartenwoche der Großher. zogin von Hessen. Man verdankt ihn dem Reiz der Neuheit, dem das Publikum willig Hekatomben von Ansichtskarten opsett. Jedes neu eröffnete Eafslokal ist zunächst mit Gästen voll besetzt. Es 'gilt, die Gäste an die neue Ein. richtung zu fesseln, auch wenn die Neugierde nachgelassen hat, und wenn der Dust der Sensa­tion verflogen ist. Es gilt, aus der Spielerei der Luftpost ein ernstes Geschäft zu machen. Die Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung will, soll und mutz Geld verdienen, und te tut es, wie mit den Eisenbahnen und Schift en, gerne auch mit den Lenkballonen, wen» diese di« Garantien eines Postverkehrs bieten. Bieten sie diese Garantien bereits? Von einem Postverkehrsmittel verlangt das moderne Be­dürfnis außer der selbstverständlich möglichsten Schnelligkeit dreierlei: Pünktlichkeit in Absahtt und Ankunft, unbegrenzt« Aufnah. mefäh igke i t und Sicherheit gegen Verlust. Prüft man die Leistunzen der neue, ten Zeppelinlustschiffe an diesen Forderungen, o darf bereits ohne amerikanische UeSertrei« bung und steherschwänglichkeit von dem bal. digen

Begin« eines Reichs-Luftpostverkehrs gesprochen werden. Die beiden Haupteinwände gegen die Leistungsfähigkeit der Zeppelinlust, chiffe waren bisher die Schwierigkeiten bei der Landung und die Schwere. Diese Beden­ke» sind, tatsächlich neuerdings hinfällig gewor-

Loyal, höflich und korrekt!

Frankreichs Polittsche Jahr-Bilanz.

Der französische Ministerpräsident P o i n - care, der auch das Answättige verwaltet, hat sich in der Kammer über die Beziehun­gen Frankreichs zu den einzelnen Mächten ausgelassen. Die zum Deutschen Reiche bezeichnete er alsloyal, höflich und korrekt-. Daß er habet auf die Mög­lichkeit neuer deutsch-französischer Schwierig­keiten über Marokko hinwies, die vor das Schiedsgericht zu kommen hätten, ist bemer­kenswert. Wenn Poincars im Anschluß daran von dem Verhältnis Frankreichs zu Rußland und England sagte, es seiniemals besser ge­wesen als gegenwärtig-, so wird man hier doch wohl einige Einschränkungen machen dürfen.

Frankreich, der Hort des Friedens.

In der gestrigen Frühsitzung der ftanzösi- schen Kammer ergriff bei der Diskussion des Budgets des MinistettumS des Auswärtigen Ministerpräsident Poincars das Watt. Seine Rede wurde häufig von Beifall unter­brochen. Poincars führte aus: Im italienisch- türkischen Kriege beobachten wir gewissenhafte Neutralität. Unsere Beziehungen zu Ita­lien, die einen Augenblick wegen der Zwi­schenfälle derCarthage- undManuba- schwierig waren, sind wieder ausgezeichnet. Unsere Beziehungen zur Türkei sind in glei­cherweise ausgezeichnet«. Poincarssprach dann von den Verhandlungen mit Spanien und sagte, der auf beiden Seiten vorhandene gute Wille gestattet die Hoffnung, daß eine Verständigung sehr bald zu erwatten ist. Un­sere Beziehungen zu Deutschland sind loyal, höflich und korrekt. Wir be­mühen uns, die gleiche Bona fides in sie hin­einzulegen. Sollte in Marokko sich die gering­ste Schwierigkeit ergeben, so haben wir die Möglichkeit, das Schiedsgericht anzurufen. ,Poiucars fügte hinzu, daß die Beziehungen Frankreichs zu

Rußland «nd England niemals besser gewesen seien als gegenwär­tig. Die Allianz mtt Rußland und die Freund­schaft mit England fänden überall gebührende Würdigung und würden überall als eine S t Ü tze des Friedens betrachtet. PoincarS erin- nette an die englisch-französischen Unterredun­gen. lieber eine Allianz zwischen Frank­reich und England erklärte er, daß, wenn diese Entente Cordiale auch der Urkunde ermangle, sie doch die Majorttät der beiden Vötter für sich habe. Die Triple-Entente trage gleichfalls da­zu bet, den europäischen Frieden zu sichern, ohne jemand zu beunruhigen. Der Minister­präsident schloß: In uns selbst ruht der Kern unserer Kraft; Bündnisse mit uns werden im Verhältnis unserer Stätte gesucht. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde von dem statt besetzten Hause mit lautem, langan- battenden Beifall ausgenommen. Sodann wurde die allgemeine Beratung geschlossen und das Budget des Ministerium des Aus­wärtigen ohne weitere Debatte angenommen.

London meldet, unternahm gestern abend stattfinden. Der Deutsche Kaffer wird auf der bettuLsstLiellen Minister emviano tm Auswärti- Lahxt LU den.finnischen Schäre« vom Reichs-