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Latchen.

FrSulein Stiewes Abschied: Kleists

»Kätchen von Heilbronn.

. »Das Käthchen von Heilbronn", Kleists volks- iümlichstes Drama voller Dämonie u. Phantastik des Mittelalters: voll arabeskenhafter Farbig­keit und tiefer, dunkler Ahnungsschauer: voll deutscher Märchenhaftigkeit und voller Mystik; Elemente, die das Wesen der Handlung aus­machen und uns das seltsame Verhältnis der Tochter des ehrsamen Waffenschmieds zu Heil­bronn mit dem Ritter Wetter vom Strahl erst eigenttich erklären müssen. Ein alter englischer Balladenstoff ist es bekanntlich, den der Dichter für die Bühne gestaltet hat. Ter unberührte Hauch reinster Poesie liegt auch über dem Ge­schick der liebreizenden Heilbronnerin, die, aus fürstlichem Blut, im Hause eines friedlichen Mannes aufgewachfen ist, die durch übernatür­liche Offenbarung dazu auserlesen ist, einem edlen Ritter die Treue zu bewähren, aber um erst nach reichen Prüfungen und Wechsel­fällen sein Herz zu erobern. Wie dann die Wirkung der nächttichen Vision geschildert wird, als sie den Ritter im Hause des Vaters erblickt, ihm folgt, entfcheidend in fein Leben eingreist, ihm fomnambulifch den Inhalt ihres Traumbildes unter den füßdustenden Hollun- derbüfchen des Schlosses enthüllt, schließlich ihre wahre Herkunft entdeckt und dann feine Frau wird: Das alles weist aus den ursprüng­lich reinen Kern des poetischen Gebildes, das ganz undramatisch ist, hin.

Auch das Zurücktreten des märchenhaften Charakters der Aufführbarkeit wegen, das breite Ausfpinnen rein evifcher Motive lassen Kleists eigene Klage nur verständlich erschei­nen:Es war von Anfang eine ganz vortreff­liche Erfindung und nur die Absicht, es für die Bühne passend zu machen, hat mich zu Miß­griffen verführt, die ich setzt beweinen möchte." Da das neuein studierte Schauspiel Kleists im nächsten Spieljahr doch mit anderer Besetzung in den Haupttollen in Szene geben wird, so ist noch Gelegenheit auf manche Ei­gentümlichkeiten in Werk und Auffübrung zurückzukommen. Für heute fei nur gefügt, daß die Aufführung die ursprüngliche Form der Dichtung mit ihrem häufigen Szenenwech­sel trefflich bewältigte; die Auftritte folgten

einander rasch; für das ost Zusammenhanglose der Vorgänge, für die mangelhafte Motivie­rung ließ sich freilich kein Mittel finden, dafür mußte der Dichter mit feiner vollen Verant­wortung eintreten. Die Regie (Herr Hertzer) war bemüht, das farbige Leben des Mittel­alters, wie es uns in Burg und in Kloster, an Waldesorten und in Schenken, beim heili­gen Gericht und ionstwo entgegentritt, in pla­stischen Szenenbildern zu verdeutlichen.

Die Titelrolle gab Fräulein Stiewe, die sich dasKäthchen" für ihr letztes Auftreten (leider!) auf unserer Bühne gewählt hatte. Es liegt in der Natur des Stückes, daß nach der glücklich einsetzenden Exposition eigentlich nur noch die Szenen mit Käthchen dem Ganzen Be­deutung und Reiz verleihen. Die Darstellerin des Käthchen trägt deshalb für die Wirkung der Aufführung die wichtigste Verantwortung. Nun, bei Fräulein Stiewe brauchte man kaum noch zu erfahren, daß sie dieser Verantwortung voll gewachsen war. Die Künstlerin hatte ihre Heldin weniger ätherisch-somnambulisch getönt, sie hob ganz den naiv-gesunden Märchenton Käthchens hervor, womit sie Wohl den Absichten des Dichters am nächsten kam, der kein Krank­heitsbild dieser Gestalt geben wollte, sondern sie sich vielmehrgesund an Leib und Seele, wie die ersten Menschen", denkt. Dieser ganz seltsam-merkwürdige Zauber, dieser goldige Märchenschimmer, der Käthchens Gestalt um­fließt, wurde einem durch die Darstellung Fräu­lein Stiewes wirklich erschlossen. Ueberall, wo sie sprach, wußte sie die reinen Töne holder Un­schuld zu finden. Den Elementen der weltent- sernten Träumerei wie der natürlich-gesunden Lebenskraft, die in des Mädchen Seele neben­einander liegen, hatte sie nachfühlend treffenbe Betonung und feine Verteilung gegeben. Dies sind Grundtöne, die mit menschlichster Wahrheit verschmolzen, überall durch die Darstellung schwingen müssen.

So wußte die Künstlerin sogleich im ersten Akt vor den Richtern durch mädchenhaftes Selbstbewußtsein und achtungsvolle Unterwür­figkeit zu interessieren, sie vermochte vor der Pforte des Klosters durch ihre Hilflosigkeit zu erschüttern, sie war von reizender Naivität und echt mädchenhafter Energie, als sie mit Schild und Speer dem Geliebten in den Kamps nach­zog, sie erreichte den Gipfelpunkt der Dar­stellung in der Szene unter dem Lollunderbuich.

Ihr. 168. ft Jahrgang.

Taffeler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 15. Juni 1912.

falls mit Wilhelm Voigt, demHauptmann von Köpenick", gelegentlich der Reise VoigtS nach Lauscha gesprochen haben. Voigt sei ihm von früher genau bekannt, da er ihm häufig Zeitungen verkauft habe. Auch bei seiner jetzi­gen Durchreise habe Voigt eine Zeitung von ihm gekauft. Ueber die Nachricht von seinem Tode sei der »Haupttyann" recht ungehalten

Wort, Geist, Glaube.

General-Superintendent Lahnsen-Berlin über die Auslegung des Apostolikums.

Der Berliner Generalsuperintendent D. La­st usen hatte kürzlich auf der Kreissynode Berlin-Kölln-Stadt beachtenswerte Aussührun. gen über das Apostolieum gemacht, die darauf hinausliefen, daß man bei der Ordination der Geistlichen diese nicht auf jedes Wort des Apostolieums verpflichten könne, denn die­ses sei nur ein unvollkommener Aus­druck der Glaubenswahrheit der evangelischen Kirche. Wegen dieser Ausführungen ist Lahu- sen von positiver Seite, namentlich von dem eifernden orthodoxenReichsboten" heftig an­gegriffen worden, und auch auf der vorgestri­gen Tagung der Krcissynode Berlin III wurde von einem Positiven erklärt, daß die Rede des Generalsuperintendenten unter den Positiven große Aufregung hervorgerufen habe. Diese Gelegenheit benützte Lahusen, um noch einmal seinen Standpunkt zu präzisieren, und dabei bekannte er sich vollkommen zu dem, was er auf der Kraisshnode Berlin-Kölln ansge. führt hatte. Er meinte, daß der Glaubensin­halt der evangelischen Kirche int Glaubensbe. kenittnis zwar zum Ausdruck komme, aber er fuhr dann fort:

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ES ist doch auch allgemein anerkannt, daß der AusdruckAuferstehung des Fleisches" ein irriger Ausdruck ist. Wenn wir das sa­gen, dann fassen wir es als die Auferstehung des Leibes oder Auferstehung der Toten auf. Ebenso ist es doch mit dem AusdruckNie­dergefahren zur Hölle", der doch nur besagen kann und will, daß Gott in seiner Gnade auch den Abgeschiedenen das Heil bereitet hat. Wenn wir bekennen:Empfangen von dem heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria," dann ist uns dies das Wichtige, daß uns Gott den eingeborenen Sohn in Christus geschenft hat. Gott fei Dank, daß unser Gkvube daran hängt, ob wir den lebendigen Herrn er­greifen, und nicht an den methaphysischen .Fragen. In der Synode Kölln habe ich gesagt, daß wir unsere Konfirmanden nicht aus den Buchstaben des Apostolieums verpflichten. Ge­wiß ist es erfreulich, wenn sie ohne Zweifel sich dazu bekennen. Aber sind nicht vielleicht Die­jenigen unter diesen jungen Christen sehr wertvoll, dies chon ahnen, welche großen Fra­gen da int Hintergründe liegen? Und die O r- dination! Mit jungen, werdenden Geist­lichen haben wir es zu tun. Es kann sich da nicht darum handeln, ihnen das Joch aufzu­legen: Stimmst du auch jedem einzelnen Satze zu? Kein geringerer als der Generalsuperin­tendent Braun hat schon gesagt, es handelt sich in der Ordination darum, ob sie im Kern- puntt Christus zuftimmen können. Das heißt wirklich,, das eine hervorkehren, w a s n o t t u t. Haben wir nicht auf die Suchenden Rücksicht zu nehmen? Wir haben es wahrhastig!

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Im übrigen war diese neue Rede des Gene- ralsuperintendenten ein Appell zu etwas mehr

Bildung innerhalb der evangelischen Kirche im Interesse ihrer Entwicklung und der ganzen Situation angemessen war dieser Appell vor- nehmlich gerichtete an die Positiven. Zum Schlüsse fiihtte Lahusen nämlich auS:Sehen wir doch klar, in welcher Lage unsere Kirche ist. Wir haben das Vorwärtsdringen Roms und den Ansturm der weiten Kreise, in denen man kein Christentum mehr kennt. Wir wohnen zwischen beiden «in einem Hause miteinander. Ist es da richtig, daß wir uns möglich weit von einander trennen? Besser als Gräben zie. hen ist das Brückenschlägen, soviel wir können . ..!

Sie Politik des Tages.

Graf Quadt und Prinz Reuß.

Wie amttich bekannt gegeben wird, ist zum Nachfolger des Freiherrn von Wangen­hei m in Athen der bisherige Gesandte in Te­heran, Graf Quadt zu Wykradt und Jsny in Aussicht genommen; an dessen Stelle in Te­heran tritt der derzeitige Generalkonsul in Kalkutta, Prinz Heinrich der Einunddreißigste Reuß j. L. als Gesandter. Graf Quadt, der im achtuudvierzigsten Lebensjahre steht, ist in Hannover geboren, besuchte die Universitäten zu Wien, Würzburg, Leipzig und München und trat 1890 in das Auswärtige Amt ein. 1891 wurde er Attachee bei der Botschaft in London, dann in Tokio, 1895 Zweiter Botschaftssekretär in Konstantinopel. Ein Jahr später finden wir ihn als Legations-Sekretär bei dem General­konsulat in Kairo, 1897 bei der Gesandtschaft in Kopenhagen, wo er 1900 zum Lezationsrat ernannt wurde. Dann war er Erster Sekretär bet der Botschaft in Washington und nach einem längeren Urlaub Generalkonsul in Kal­kutta, von wo er 1908 als Gesandter nach Te­heran kam. Sein dortiger Nachfolger, Prinz Heinrich Reuß j. L., hatte also vordem densel­ben Posten inne, wie der nunmehrige Gesandte in Athen.

Ist Smyrna bombardiert?

Depeschen aus Konstantinopel zufolge erhält sich bort ein mit allen Einzelheiten aus- gestattetes Gerücht vom Bombardement Smyrnas. Der Generalissimus Mahmud Schefket hat allerdings bisher keinerlei Tele­gramme erhalten und glaubt nicht, daß in Smyrna etwas vorgefallen sei. Das Kriegs­ministerium veröffentlicht folgende Depesche aus Homs: In der Nacht zum fünften Juni griff ein türkisches Detachement die italienische Front bei Merkab an und erbeutete eine Feld­küche und Lebensmittel. Am sechsten Juni fand ein Kampf statt, bei dem die Türken und Araber ein italienisches Fort einnahmen. Die Italiener hatten zwanzig Tote. Am siebenten Juni besetzten die Italiener das Fort wieder, mußten es aber nach einem bis zum Abend andauernden Kampfe abermals verlas­sen. Die Italiener zogen sich teils auf Homs, teils auf Merkab zurück. Wie Depeschen aus Rom melden, werden in verschiedenen Teilen des Landes außerordentliche Truppenbe­wegungen vorgenommen. Die Garnisonen der zwei größten lombardischen Städte haben die Mobilisierungsordre erhalten und die Militärbehörden von Venedig haben große Vorräte von Munitionen nach unbekannten Bestimmungsorten abgesandt.

Politische Chronik.

Die Trauerfeier für von Erffa. Im Schloß zu Wernburg fand gestern nachmit­tag die Trauerandacht für den verstorbenen Freiherrn von Erffa statt. Nach der Feier setzte sich der schier endlose Zug der Leidtra­genden nach der Gruft in Bewegung. Unmit­telbar hinter dem Sarge schritt als Vertreter

wo sie die Traumphantasie der nächtlichen Offenbarung dem Geliebten kundgibt .. . Das Käthchen war eine der ersten Rollen, mit der Fräulein Stiewes Begabung hier hervor­trat. Die Leistung der gestpigen Aufführung legte Zeugnis dafür äb, wie sehr die Darstelle­rin während ihrer hiesigen Tätigkeit gewachsen ist, wie sich nicht nur bas Organ entwickelt hat, sondern wie sehr sich auch Spiel und Auffassung vertieft und erweitert haben. Von anderen Ge­stalten, die durch die Künstlerin verkörpert wur­den, seien noch die besten genannt: Das lieb­reizende spanische Mädchen imRichter von Zalamea", eine am Wege zertretene Blume, wußte sie in den Tiefen zu erfassen, ihr Gret­chen imFaust" war von feiner Veriiiner- lichung.

Ihre Frauengestalten Shakespeares, Les­sings, Schillers, Goethes, Hebbels, zeigten fast durchweg wahrhaft künstlerische Abrundung. Aber auch im Konversationsstück wie im mo­dernen Drama hat Fräulein Stiewe mitunter ganz Treffliches geleistet. Wir erinnern nur an das hysterisch-kokette Weib in BahrsWienerin­nen", an die kluge, frisch-bewegliche Frau Un­terpräfekt in Paillerons Lnsffpiel, an das selbst- gefällia-bornierte Minchen in Axels Satyre vorn Sonnenstößer, an das wienerisch-fröhliche Judenmädchen in den Fünf Frankfurtern, alles Gaben der letzten Spielzeit. Für das Hof- theater ist nur zu wünschen, daß der Weggang dieser Künstlerin nicht als zu große Lücke fühl­bar wird. Reiche Blumenspenden und Ovatio­nen sind Fräulein Stiewe zuteil geworden. Sehr charakteristische und treffsichere Leistungen der gestrigen Aufführung waren noch haupt­sächlich der Graf Strahl des Herrn Alberti, die Kunigunde des Fräulein I ä h n e r t und der Friedeborn dnes Herrn H e l l b a ch. -er.

iAl Erfolge einer Casseler Dichterin. Im Sommettheater in Winterthur in der Schweiz gelangte dieser Tage das Schauspiel Die vom Wendhof" der Casseler Dichterin B. Moriton von Mellenthin zur Ausfüh­rung. Frau Moriton errang bekanntlich im letzten Winter mit ihrem TrauerspielAras­pas" am hiesigen Hostheater einen lebhaften Erfolg. Auch in Winterthur hat man der Dich­terin einen Lorbeerkranz gewunden. Es heißt in einer dortigen Kritik, die uns vorliegt:Sm ganzen bandelt es sich um ein aroß angelegtes

des Kaifers bet Oberpräsident von Sachsen, von Hegel)

Der Kaiser in Hannover. Der Kaiser traf heute früh halb nach sieben Uhr im Auto auf der Vah renh eider Heide vor Hanno­ver ein, wo er das Königs-Ulanen-Regiment besichtigte. Nach der Besichtigung führte der Monarch das Regiiment nach der Kaserne, wo inzwischen die Krisgewereine Aufftellung ge­nommen hatten. Vor der Kaserne nahm bet Kaiser dann den Vorbeimarsch der ganzen Garnison ab.

Der Abschied des deutschen Geschwaders von Newyork. Das deutsche Besuchsgeschwader hat gestern unter dem Donner des Abschiedssaluts der amerikanichen Kriegsschiffe und großen Forts von Newyork aus die Heimreise an- getreten. Am Hafen hatten sich ungezählte Scha­ren Neugieriger eingefunden, die den Scheiden­den lebhafte Ovationen barbrachten.

Neuer vom Zuge.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

tw Der Selbstmord eines Sanitätsrats. In einem Anfall von hochgradiger Neurasthe­nie hat gestern der sechzigjährige Sanitätsrat Tr. Löwen st ein ans Wilmersdorf Selbstmord verübt, indem er sich durch eine scharfe Morphiumeinspritzung tötete. Dr. Löwenstein gehörte zu den bekanntesten und be­liebtesten Aerzten des genannten Vororts; er hatte eine ausgedehnte Praxis.

ts Endlich aufgeklärt! Den Nachsorsckun- gen der Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, in das Dunkel, das über der Ermordung des Försters Scharf in Frohnau bisher la­gerte, Licht zu bringen. Es muß als sicher gel­ten, daß der Mörder des Försters ier*<,r Schlaf­fer Fritz Pieper ist, der, wie erinnerlich, bei Nauen erst feinen Komplizen Koch und dann sich felbft erschoß. Die Untersuchungen sind auf diese Annahme hin eingestellt worden.

iS Maffenvergiftung in Oberschöneweide. In Oberschöneweide bei Berlin sind eine große Anzahl Personen, darunter zwölf schwer, nach dem Genuß von Schabefleisch er­krankt. Einige der Erkrankten liegen recht he- denklich darnieder, doch besteht Lebensgefahr glücklicherweise bei keinem der Erkrankten. Das Fleisch ist von einem Fleischer aus Oberschöne­weide bezogen. Reste des Fleisches wurden von der Pol-zei beschlagnahmt und nach Ber­lin zur Untersuchung geschi<ft.

ts Vorsicht: Mädchenhändler! Die beiden aus Dresden verschwundenen Mädchen Wilde und K a l l r i n g sind jetzt wieder in Dresden bei ihren Eltern eingetroffen. Es be­stätigt sich, daß die beiden Mädchen in der Ge­walt von zwei Mädchenhändlern waren, die sich Karfunkel und Blau nannten und sich als reisende Kaufleute ausgaben. Vermutlich hatten sie die Absicht, die beiden Mädchen ihren Helfershelfern in Newyork zuzuführen.

iS Spurlos verschwunden. Vor mehreren Tagen entfernte sich aus Bad Blanken­burg am Harz der Schauspieler und Schrift­steller Friedrich Goetze zu einem kleinen Spa­ziergang, von dem er nicht mehr zurückgekehrt ist.. Da er mehrere tausend Mark Bargeld bei sich hatte, befürchtet man, daß er einem Ver­brechen zum Opfer gefallen ist. Die sofort von der Polizei angestellten Nachforschungen sind bislang ergebnislos verlaufen.

iS Schmugglers Ende, lieber einen neuen Zwischenfall an der ; ch l e s i s ch - r u s s i s ch e n Grenze wird aus Lublinitz berichtet: In der Nähe von S o r o w i k i schoß ein russischer Grenzsoldat einen russischen Schmuggler, der kurz vor ihm die Grenze passiert hatte und sich schon im preußischen Gebiete befand, nieder. Die Kugel drang dem Schmuggler von hinten in den Leib und kam vorn wieder heraus; er war sofort tot.

iS DerVendemiaire" auf dem Meeres- gründe. Meldungen aus Cherbourg be­richten, daß Fischer beim Cav de la Hague die Stelle entdeckt haben, wo sich der untergegan- gcneVendämiaire" befindet. Das Wrack liegt zwei Meilen von der Küste entfernt in der Höhe von Ornouville. Ein Vizeadmi­ral ist fofort an die Unglücksstelle entsandt wor­den, um die Untersuchung zu leiten. Ferner ist der TorpedobootszerstörerCato pulte" nach der Unglücksstelle abgegangen.

iS Wieder ein Brand am goldenen Horn! Ein neuer Brand im Konstantinopeler StadtviertelGalata" konnte Dank dem ra­schen Eingreifen der Löschmannschaften nach­mittags lokalisiert werden, nachdem das Feuer drei große Miethäuser und vier Warenlager zerstört hatte. Zwei Personen, die sich durch einen Sprung aus dem Fenster retten wollten, sind schwer, vier andere leicht verletzt. Die Ur­sache des Brandes wird in Unvorsichtigkeit vermutet.

Zar fienege aus Kassel.

Zie Deutschen Berkehrsvereine.

Die elfte ordentliche Hauptversammlung des Bundes deutscher Verkehrsvereine begann gestern vormittag, wie wir bereits ge- ft eilt kurz berichteten, mit einer vertraulich ge­führten Gesamt . Vorstandssitzung. An dieser Sitzung, die vom Bundespräsidenten G o n t a r d . Leipzig geleitet wurde, nahmen fünfundvierzig Delegierte teil. Zunächst wur­den einige durch Finanz- und Organisations­fragen bedingte Satzungsänderungen erörtert und der Jahresbericht vorgetragen. Die Arbeit des Bundes erstreckte sich in der Haupt, fache auf eine Stellungnahme zur Personen- tarifreform, Fahrkartensteuer, Automobilsteuer, Automobilhaftpflichtgesetz, Kanal, und Schiff, fahrtsabgaben und viele andere Gebiete. An- gestrebt wurde die weitere Einführung von Sonntazsfahrkarten, Feriensonderzügen, Ver­besserung von Eisenbahnverbindungen und so weiter. Der Bund hat viel von dem erreicht, was er angestrebt hat. Im letzten Jahre wurde ihm auch eine staatliche Unterstützung zuteil. Der Mitgliederbestand stieg im abgelaufenen Geschäftsjahre von 239 auf 262 Verwaltungen, Verbände und sportliche Vereinigungen. Die Zahl der Auskunftsstellen im Auslande wurde auf 37 erhöht. Die Statistik ergab, daß bei fast allen diesen Stellen eine rege Nachfrage nach Material vorhanden war. Weiter wurde in manchen Punkten eine Verbesserung des deut- scheu Durchgangsverkehrs erzielt. Gute posi. tive Erfolge sind auch auf anderen Verkehrsge­bieten zu verzeichnen. Im Verlaufe der Ge. samt-Vorstandssitznng wurde Wirklicher Gehei­mer Rat Exzellenz Dr. von der Lehen in Berlin in Anerkennung für feine Verdienste um die Förderung des deutschen Verkehrswesens einstimmig zum Ehrenmitglied des Bundes ernannt.

Die Begrüßung imHanusch".

Am Abend bot der Verkehrsverein Cassel seine Gäste im großen Saale desHa- nusch" einen Begrüßungsabend dar. Der Saal war festlich mit Blatipflanzen und Lorbeer ge­schmückt, und von der Empore herab wartete Königlicher Obermusikmeister Große an der ^bitze der Kapelle derDreiundachtziger" mit musikallichen Gaben auf. Unter den anwesen- den Teilnehmern bemerkte man in erster Linie Dtadtverordnetenvorsteher Justizrat Dr. Schier, die Stadträte Stippich und Gerhardt und die Stadtverordneten Lahnstein, Fritz Scheel und Holzhauer, weiter Hotelier Hartleb als Vor- sitzenoer des Wirteverbandes und des Gast. Wirtevereins, Verkehrsinspektor Weber, Präsi- dent Goutard-Leipzig, Justizrat Lebrecht-Leip-

Drama, das zedenfalls von sämtlichen Bühnen beachtet werden muß und verdient, daß man es kennen lerne."

. ^-..Frankreichs Dichterfürst gestorben. Der französische Poet Leon Dierx, den die Fran­zosen als ihren Dichterfürsten bezeichne­ten, ist in der Nacht zum Mittwoch in seiner Pariser Wohnung im Alter von vierund- siebzig Jahren infolge Herzlähmung plötzlich gestorbem In den sechziger und siebziger Jah­ren des vorigen Jahrhunderts waren Dierx und Mallarmö das Haupt des Dichterbun­des der sogenannten Parnassiens. zu denen auch Catulle Mendes gehörte. Der Dichter hat ungefähr ein Dutzend Gedichtbände ver­öffentlicht, die beim französischen Publikum lebhaften Anklang fanden. Der letzte große Band wurde von der Aeadämie gekrönt.

Dresdener Universitätspläne. Aus Dresden meldet uns ein Privattelegramm: Die Stadtverordneten befchlossen, den Magi­strat zu ersuchen, der Frage der Errichtung einer Universität in Dresden näher­zutreten und gegebenenfalls mit der Regie­rung zu unterhandeln. Dem Ratsvorschlag auf Errichtung eines Nafionalhygiene- museums stimmte die Stadtverordnetenver- fammlung zu. Wie weiter verlmttet, beabsich­tigt der Magistrat, fchon in nächster Zeit mit der Regierung wegen des Universitätsprojetts in Unterhandlungen zu treten.

sGj Sudermann in Japan verboten. Wie aus Tokio gemeldet wird, haben die Behör­den die Aufführung von Sudermanns Heimat" verboten, da sie der Ansicht sind, daß die Handlung und die Theorien der Magda Gefahren für die japanifche Moral enthalten. Die Uebersetzer wollen in allernächster Zeit um die Erlaubnis einkommen, das Stück in Osa- k a und Nagoja aufführen zu dürfen. In der Darstellung der Magda sollen einige Ver­änderungen eintteten, auch sollen einige Strei« ckmngen des Textes selbst vorgenommen wer­den.

Die Memoiren eines Staatsministers. Wie uns Privatdepeschen aus Prag berichten, wurden die gestern erschienenen "Memoiren des verstorbenen böhmischen Finanzministers Dr. KaizlAus meinem Leben" konfisziert. Angeblich soll die Staatsanwaltschaft einen Passus beanstanden, in dem sie eine Majestäts­beleidigung erblickt. Diese Konfiskation wird von der gesamten Praaer Vxesse kommentiert.!