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C Mer Nkiiefte Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Nummer 157.

Mittwoch, 12. Juni 1912

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Ser gdeslismur der Frau.

Die Fra« dem Hause, nicht dem Kriege!

Nun, da die Hochflut der Kongresse mählig abebbt, gewinnt das vielgestaltige, bunte und abwechslungsreiche Bild der von dieser som­merlichen Maffenregung des Rede- und Gesel­ligkeitsbedürfnisses erzeugten Gedanken-Pro- duktton erst Farbe und Effekt, und man sieht mit Befriedigung, daß auch ncüh dem Abschäu­men der Flut noch manches geblieben ist, das der Erörterung und ernstlichen Nachdenkens würdig. Und es darf jedenfalG als ein Zei­chen der Zett gedeutet werdet daß auch in dieser Kongretz-Saison wieder ein Gedanke liebevoll umkost und mit allerlei zierlicher Rhetorik umrankt worden ist, den man, nach dem schwachen Echo seiner vorjährigen Prokla­mation, Streits erstorben wähnte: Die Organi­sation eines Hilfsheers deutscher Frauen für den Krieg! In den jüngsten Tagungen unsrer nationalen Frauen-Organi- sationen hat man mit grotzem Ernst und viel Begeistemng dem Plan neue Anhänger zu werben versucht, und es ist auch tatsächlich ge­lungen, eine Resolution zur Annahme zu brin­gen, die es offen ausspricht, datz das nächste Ziel der vaterländischen Frauenarbeit die Schaffung eines regelrechten Hilfsheers der Frauen für den Kriegsfall fein müsse. Es lätzt sich nicht leugnen: Der Gedanke ist ideal, «nd echter nationaler Begeistemng entsprossen, trotzdem (oder vielleicht grade deshalb) scheint et daS Ziel der Sehnsucht jenseits der Grenze des Nützlichen und Erreichbaren zu suchen.

Seit den Tagen, da das Rote Kreuz auf den Schlachtfeldem der Erde feine Menschlichkeit­mission begann, bewundem wir die Frau als versöhnenden Engel des Friedens mitten auf blutiger Walstatt, und es ist sicher, daß Lies stille selbstverleugnende Walten ausopfemder Hingabe an daS Werk der Barmherzigkeit nicht geringer« Heldenmut erfordert, als die harte Pflicht deS Kriegers, der unter Einsetzung von Blut und Leben todesmutig für sein Vaterland kämpst. Die »Frau im Kriege* ist vom Begriff deS modernen Völkerkampfs überhaupt nicht mehr zu trennen, fie ist daS versöhnende Mo­ment im blutigen Ringen der Nationen, die werktätig« Barmherzigkeit mitten im Kampfge- tümmel und die tatgewordne Menschlichkeit zwischen totbringenden Feuerfchlünden und blitzenden Schwertern. Das alles wissen wir, und schätzen es gern «nd freudig nach dem Matz deS hohen Verdienstes, daS die Frau sich um die Vermenschlichung des gmusamen Massenmords auf dem Feld der Ehre erworben. Die modeme Auffassung vom Wesen d«S nati­onalen Idealismus der Frau indessen erblickt in dem Riesenaufgebot weiblicher Kraft im Kriegsdienst der Barmherzigkeit nur einen Teil deS zu Erstrebenden, ein gut gemeintes Stückwerk, daS den Wertgehalt deS Ideals bei weitem nicht erschöpft: Sie fordert als nächstes Ziel deS auf die Nutzbarmachung der Frauen- kraft im Dienst des Vaterlands gerichteten Strebens die gesetzliche Einführung einer geordneten militärischen Dienst­leistung der Frau überhaupt!

Diese »Dienstzeit* würde in folgenden Lei­stungen zu bestehen haben: In der Ausbildung der Frau für den Transport- und ErfrifchungS- dienst, für die Pflege kranker und verwundeter Krieger, für die Befestigungsarbeit und schließ­lich noch für daS militärische Bekleidungswesen. Ein großer Teil der hier geforderten Tätigkeit wird von den freiwillig hn Kriegsdienst wirkenden Frauen s ch o n j e tz t vollbracht, und der Unterschied zwischen dem tatsächlich Beste­henden und dem Erstrebten ist also lediglich der, daß die Kämpfer für das »Hilfsheer der Frauen* die bisherige freiwillige Dienst­leistung der Frau durch Gesetz zur allge­meinen Pflicht umgewandelt wissen wol­len. Das zwar^igste Jahrhundert hat schon jetzt alle Werte im Dasein der Frau umgewer­tet: Es hat der Frau den Weg auS dem engen Bannkreis häuslicher Pflichten mitten hinein ins öffentliche Leben geebnet, hat die soziale Situation des weiblichen Geschlechts von Grund aus umgcstaltet und der Frauenarbeit Wir- kungskreise erschlossen, die ihrer Kraft früher unzugänglich waren. Die natürliche Folge dieser tiefgehenden Wandlung war eine deuüich nierkbare Schärfung des Verantwortlichkeitge­fühls der Frau hinsichtlich ihrer bürgerli­chen Pflichten, und als ein Ausläufer dieser Entwicklung darf vielleicht auch der kühn konstruierte Reformgedanke der vaterländischen Frauenbewegung angesprochen werden. Aber selbst der kühnste Reformawr und der rück­sichtsloseste Kämpfer für die unbedingte and allgemeine Gleichberechtigung der Frau '»mögen nicht den Grund- und Eckstein in der natürlichen Struktur des Frauendaseins ru

verrücken: Den ewig unwandelbaren Beruf der Frau als Gattin und Mutter!

Seit Evas Tagen haben die Ideale des Frauendaseins sicherlich mancherlei Wandlung erfahren: Aber all» Jdeen-Ballaft, alle Sitten- und Religions-Revolution, aller Kampf um Natur und Unnatur haben den Mittel­punkt des Frauen-Jdeals nicht wandeln oder «mwerten können, und es wäre zu beklagen, wenn es nun einem etwas abenteuerlich operie­renden Idealismus gelingen sollte, die deutsche Hausfrau durch die Gewalt deS Gesetzes in den Dienst des Kriegs zu zwingen. Der Ge­danke, am Tag der Mobilmachung »hinter dem Volksheer deutscher Männer ein HilfSheer deutscher Frauen ins Feld zu schicken*, mag ideal und verlockend sein; er widerstrebt aber dem Naturgesetz und ist darum un­natürlich und undiskutabel. Wohin sollte es führen, wenn ein Krieg dem Lande nicht nur rüstige Männerkraft, sondern dem Haus und der Familie auch die Fürsorge der Gattin, die Hut der treuen Mutter entziehen würde? Könnte das Menschlichkeitswerk eines Frauen- Hilfsheers auf den Schlachtfeldern die fchweren Verluste an sittlichen, sozialen und ethischen Werten aufwiegen, die durch die Entziehung der Frauenkrast daheim dem Vaterland entstehen müßten? Und was wäre selbst ein Triumph des Kriegsdienst-Ideals gegenüber dem Schicksal einer einzigen Fg- milie, der der Krieg die Mutter rauben würde? Nein; schauen wir von der Warte des moder­nen Frauen-JdealS nicht empor zu kalten, fernen Höhen, nicht hinaus in nebelhafte Fer­nen, sondern richten wir den Blick dorthin, wo seit Jahrtausenden der Altar deutschen Frauentums steht: Auf HauS und Fa­milie! F. H.

An der Porta Westfalica.

Kundgebung der christlichenGetverkschaften

Wie wir schon kurz telegraphisch berichtet haben, veranstalteten auf Einladung eines aus Vertretern derchristlichenGewerkschaf- ten, konfessionellen Arbeiter- und der konfessi­onellen Jünglingsvereine gebildeten Komitees am Sonntag die christlich-nationalen Arbeiter von Minden, Ravensberg und Lippe am Kais» Wilhelm-Denkmal bei Porta eine christlich nationale Kundgebung, bestehend in Vorträgen und Ansprachen, gemeinschaftli­chem Gesang und musikalischen Darbietungen. Mr erhalten darüber folgende Meldungen:

Köln, 11. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Rach Berichten ber hiesigen Presse führte in der am Sonntag stattgehabten Porta-West- falia-Versammlung der christlichen Gewerk­schaften dn Generalsekretär Steigerwald- Köln aus, für konkurrenzfähige konfessionelle GewerkschaftSorganisattonen fehlten in Deutsch­land sowohl praktisch di« Voraussetzungen, wie sie auch grundsätzlich verfthlt seien. Der Vorstoß der »Berlin»* in Rom sei als «ine Verzweiflungstat anzusehen, mtt der man glaube, aus ein» unangenehmen Situ­ation heranszukommrn. ReichstagSäbgeordnet» Behrens führte auS: D» Gründung Iber christ. lichen Gewerkschaften, die unter großen Opfern stark geworden sind, war eine nationale Tat. Die Lehre vom Klassenkampf, die falsch ist, verwerfen die christlich-nationalen Arbeiter. Wir alle sind Glied» eines Volkes unb gehören zusammen. Wirtschaftsfragen dürfen nicht hö­her stehen als die höchsten Fragen deS Men- schendafeinS und der Ration. Höh» als der Brotkorb und die Exiftenzv»HSltnisse steht daS Verhältnis zu Gott, zu König und Va­ter lern d. Die christlich-deutschen Männer müssen vor die Front, evangelische wie katho­lisch«. Mr lassen uns nicht trennen!

Set Kanzler im Sewerkschastsstrett.

AuS dem Reichskanzleramt ist auf eine Anfrage über die Haltung des Reichskanz- l»S zum römischen Vorstoß gegen die Gewerk­schaften an eine an der evangelisch-sozialen Bewegung int»essierten Persönlichkeit ein Be­scheid «gangen, aus dem folgender Satz von Bedeutung ist:Die Vorgänge werden vom Herrn Reichskanzler mit ernster Aufmerk­samkeit verfolgt, wie dies d»zunebmen- den Bedeutung ber christlich-nationalen Arbeiterorganisationen für unsere soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung ent­spricht.«

Wiederaufnahme des Nordwestflugs?

Das Komitee für die Wiederaufnahme.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Hamburg, 11. Juni.

Wie ich soeben erfahre, wurde gestern abend in einer Sitzung des vom Kaiserlichen Auto­mobilklub und vom Luftverkehrsverein gebilde­ten Komitees für den Nordwestdeutschen

Runds lug beschlossen, den kürzlich des schlechten Wetters wegen abgebrochenen Flug wieder aufzunehmen. Nähme Einzelheiten, be­sonders darüb«, an welchem Tage der Flug wieder beginnen soll, find noch nicht bekannt.

Lord Haldane: Großkanzler.

Oberst Seelh, der neue Kriegsminister.

Der englische Kriegsminister Lord Hal­da n e, der wiederholt mit dem Oelzweig des Friedens in der Hand nach dem Deutschen Reiche kam, hat jetzt, von seiner letzten Deutsch­landreise nach England zurückgekehrt, seinen Posten als Kriegsminister mit dem Amt des Lord-Großkanzlers vertauscht, bleibt aber als solcher Mitglied des Kabinetts. Wir «halten üb» den polittsch wichttgen Personenwechsel in den hohen Staatsämtern folgende telegraphi­schen Meldungen:

London, 11. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Schon gestern abend v»lautete in den Wandelgängen des Unterhauses, daß der Lord-Grotzkanzler Lord Loreburn aus Gesundheitsrücksichten demnächst von seinem Posten zurücktreten werde, und daß Lord Haldane als Sprech» des Oberhauses fein Nachfolger werden solle. Für diesen Fall würde O b e r st Seelh, der jetzt Unterstaats­sekretär im Kriegsministerium ist, Kriegsmini- stcr werden. Die Ankündigung ist inzwischen offiziös bestättgt worden und heute früh ist denn auch der Rücktritt des Lord-Großkanzlers und Großsiegelbewahres Earl Loreburn und die Ernennung HaldaneS zu seinem Nachfolger amtlich bekannt gegeben worden. Haldane hat fein neues Amt bereits angetreten. Die Er­nennung des neuen Kriegsministers wird wahrscheinlich noch im Laufe des heuttgen Ta­ges erfolgen; an der Ernennung Seely's ist indessen nicht zu zweifeln, da « schon seit lan­ger Zeit als Anwärter auf das Amt des Kriegsministers gilt. '

Haldkmes Mmister-Schwrmengesang.

Am vorletzten Tage feines KriegSminister- amts, am Sonntag, Hai Lord Haldane auf einem Bankett, das b« Bürgermeister von Marvlebone gab, eine aufsehenerregende Rede gehalten, die für den Kriegsminister und Friedensapostel Haldane außerordent- lich charakteristisch ist. Haldane führte dabei ans: ES wird eine Zeit kommen, wo Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika üb» ein so großes MilitärkoMngeni verfügen werden, daß sie vom Mutterlande nicht mehr in der Weife unterstützt werden müssen, wie jetzt. Wir w»den bann unsere Ausgaben mehr für das Mutterland verwenden können und dadurch bald in bi« Lag« versetzt werden, ein Land­heer anzuschaffen, das größer ist als alle Armeen, die dfe Welt jemals gesehen hat. Dazu ist natürlich notwendig, daß der obligatorische Militärdienst eingerichtete wird, aber wir sind uns darüber schon lange einig, daß dies früh« oder spät« doch einmal ber Fall fein wird. Vielleicht hat auch nach dies» Zeit uns»e Polttik eine ganz andere Richtung eingenommen, doch werden wir auch dann nicht von der Idee abgehen, den obligatorischen Militärdienst ein­zurichten.

Neue Stürme in Ungarn.

Das Parlament von Militär umzingelt!

In b» gestrigen Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses wiedttüolien sich die st ü r. mischen Szenen der letzten Tage. Die im Parlament aus gewiesenen Abgeordneten wur­den wie früher von b» Polizei aus dem Saale geführt. Dar Abgeordnetenhaus schritt dann um ein Uhr zur Beratung der Vorlage üb» Gewährung von Zulagen an kinderreiche Be- amtenfamilien. Später kam es zu neuen Zwi­schenfällen. Wir «halten darüber folgende Meldungen:

Budapest, 11. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Aus vi« Uhr nachmittags wurde gestern Wied« eine Sitzung des Abgeordnetenhauses angesetzt. Um jedoch Szenen, wie sie sich bish« im Sitzungssaale ereigneten, zu vermeiden, wurde ein Militärkordon vor dem Abge­ordnetenhaus gezogen und eS wurden nur jene Abgeordneten in das HauS eingelassen, die tat­sächlich der Sitzung beizuwohnen berechttzi waren. Die ausgeschlossenen Abgeordneten, etwa vierundneunzig, dursten das HauS nicht betreten. Als bi« oppositionellen Abgeordneten trotzdem in das Haus ei«3itbringen versuchten, wurden sie durch den Militärkordon aufgehal­ten. All« oppositionellen Abgeordneten wk. chen hierauf zurück, und nur der Abge­ordnete I u st h versuchte mit dem Offizier, der den Kordon kommandierte, zu parlamentiereir, wurde aber zurückgewiessn. Ein Versuch der Opposttion, den Militärkordon in durchbrechen.

mißlang: Die Abgeordneten wurden mit btt Waffe zurück gedrängt und verließen daraufhin den Platz. 1

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Die Straßenkämpfe dauern fort!

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 11. Juni.

Die oppositionellen Abgeordneten versam­melten sich heute in ihrem gemeinsamen 23er. sammlungslokal. Dort hielt Gras Har. dyi eine Rede, die einen slammenden Protest gegen das Vorgehen des Präsidenten Graser» Tisza darstellte, der die Opposition mit Ge­walt aus dem Gebäude ber Gesetzgebung entfernt habe. Das Parlamentsgebäude war heute von einem berittenen Militär- und Polizeikordon umgeben, der keinem oppositio­nellen Abgeordneten Einlaß gewähtte. Dik opposittonellen Abgeordneten begaben sich uw halb zehn Uhr durch die Straßen der Stadl in das Klub lokal d« Volkspartei. Un- terwegs hatte sich eine Menge Menschen an- geschlossen, die fortwährend in den Ruf aus- brach:Abzug Tisza!» Bon der Menge wurde das Kofsnth-Lied gesun­gen. Plötzlich an einer Stratzenbie- gung sprengten berittene Polizei und Gendarmen heran und ritten in die Menge hinein. ES entstand eine furchtbare Panik. Zahlreiche Personen wurden umgerissen. Die 3Rc::ce wurde in drei Gruppen zerstreut. Endlich gelang es den oppositionellen Abgeordneten, dac, Klublokal zu erreichen, wo sich ebenfalls eine große Men­schenmenge angesammelt hatte, die eine lär­mende Demonstratton fürdie Opposition nellen und gegen bie Regierung ver­anstaltete. Im Abgeordnetenhanse herrscht Stille. Gras Tisza bereitet sich vor, eine große {Rebe zu halten, in der er sein Borgehen recht, fertigen will. Nachmittags begibt sich das Prä. fidium des ungarifchen Abgeordnetenhauses nach Wien, und dort wird Graf Tisza mit den beiden Vizepräsidenten vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Es be­steht die Absicht, das Abgeordnetenhaus mar- gen bis zum Herbst zu vertagen.

Bin Shsdmma in fiaffel.

®ie eigene Frau durch Messerstiche schweg verletzt; bie TragSdie einer Ehe; die Ka­tastrophe auf dem Markt am Marttnsplatz.

Aus dem Wochenmarkt am Mar- tinsplatz stieß heute vormittag um halb elf Uhr b« Arbeiter Liebehenz fei. ner von ihm getrennt lebenben Fran das Taschenmeffer breimat in bie Brust unb verletzte fie schwer. Der Täter würbe verhaftet. Er gab an, bie Tat ausgeführt zu haben, weil seine Fran fich weigerte, zu ihm zurück­zukehren und den gemeinsamen Haus­halt wieder aufzunehmen. Heber den Vorfall erfahren wir folgendes: D» Wochenmartt auf dem Mattinsplatz war heute vorrntttag der Schauplatz ein« blutigen Eh«-Tragödi«. Unter den Hausfrauen, die auf dem Marttnsplatz ihre Einkäufe be­folgten, befand sich auch die Frau deS in ber Obersten Gasse wohnenden Gelegenheitsarbeit terS Liebehenz. Die Famikienverhältnisse deS Ehepaares waren schon lange zerrüttet, da der Mann sich dem Trünke ergeben hatte, vor jed« Arbett ziemlich große Scheu bewies und von dem lebte, was seine Frau durch ihrer Hände Arbett erwarb. Es kam int April zu ein« Trennung unb die Frau lebte dann in einet von ihr gemieteten Wohnung in der Ka- f«nengaffe. Darüber wurde Liebehenz aufgeregt und er äußerte wiederholt, baß er feiner Frau ein Leid antun werbe, wenn sie sich nicht an­ders besinne und wieder zu ihm zurückkehre. Heute vormittag nun, als die Frau auf dem Markte war, kam Liebehenz vom Landgraf Phi. lippS-Platz her auf den belebten Marttnsplatz. Als « hier feine Fran bemerkte, ging «r ans sie zu und verlangte von ihr aufs neue, daß sie zu ihm ziehe. Die Antwott der Frau War ablehnend. Nun kannte die Wut des ManneS keine Grenzen mehr:

Dann stech« ich Dich tot!" rief er, zog sein Taschenmesser unb stieß es bet Frau dreimal mit aller Wucht in bie Brust. Mtt einem schmerzlichen Aufschrei brach die un­glückliche Frau blutüberströmt zusammen. So­fort eilte ein Schutzmann herbei, der den Ver­brech» verhaftete und ihn zum achten Polizeirevier am Renthof brachte. Inzwischen hatten sich Passanten um die schwerverletzt« Frau bemüht und trugen sie in einen Laden am Marttnsplatz. Zn gleicher Zeit war die SanitittSkolonne vom Roten Kreuz in der Sckä-