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Casseler Neueste Nachrichten

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men die Rosen. Die Rosen, die Josephine

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Dr. Daun aus Braunschweig will einen Vortrag über Kaulbach und Rauch halten. Sonnabend, den fünfzehnten, nachmittags, kon­zertiert die Wildunger Kurkapelle; ein großes Sahla-Konzert am dreiundzwanzigsten wird den Abschluß bilden. Der Besuch der Ausstel­lung wird sicherlich für jeden, der Sinn für die Kunst und das Kunstgewerbe vergangener Zei­ten besitzt, von großem Interesse fein. m. s.

Sstmarkenpolittt im Herrenhaus.

Im Herrenhaus ging es gestern um das Besitzbefestigungsgesetz, frei­lich nicht so temperamentvoll, wie neulich im Abgeordnetenhause. Graf Rantzau befür­wortet die Vorlage, während Graf Balle- strem sie vom Standpunkte des Zentrums bekämpft. Landwirtschaftsminister von Schor- lemer antwortet mit einer groß angelegten Rede: In Posen und Westpreußen und auch in der Nordmark ist ein Rückgang des deut­schen Besitzes zu beklagen. Darin liegt eine nicht zu verkennende nationale Gefahr. Es ist nicht Schuld der Regierung, daß die polni­sche Bewegung immer weiter um sich greift. Wenn geklagt wird, daß die katholi­sche Bevölkerung sich verletzt fühle, weil die Ansiedler meist evangelisch seien, so will ich mich gegen die ausnahmslos ungerechtfertig­ten Vorwürfe hier noch einmal vor breiter Oeffenilichkeit verwahren. Zum Schluß möch­te ich noch der Behauptung entgegentreten, daß zwischen mir und dem Reichskanzler eine Unstimmigkeit hervorgetreten ist. Ich möchte mit voller Zustimmung des Minister-

Beauharnais ans den Gärten von Malmaison ihrem jungen Schwager bierhergesandt.

Vor einem Strauch, an dem große dunkel- rote Blüten wie schwere Blutstropfen hängen, bleibt die blonde Frau sieben, ihre scklanken Hände ergreifen einen der schwanken Stengel, die Blüte zu brechen; da ist der König ne­ben ihr.

Adelaide", beschwörend klingt es der schö­nen Frau in die Ohren, eine Welt voll Sehn­sucht liegt in dem einen Wort. Jsröme hat die Rose gebrochen und reicht sie iür jetzt, ihre weiße Hand ergreifend und an fein stürmisch pochendes Herz pressend. Sie erschauert leicht, und jetzt folgt sie willenlos dem Mann, nm dessen Gunst die Frauen des Hofes buhlen. Sie denkt nicht mehr daran, daß sie ihn ver- acktet. noch am Nachmittag, daß sie über ihn gelächelt. Die Ritterlichkeit, die jetzt über sei­nem Wesen liegt, der Zauber der Som­mernacht läßt jeden Wunsch des Wider­standes in ihrem Herzen ersterben, kaum daß er geboren.

Dort drüben hinter der Jasminhecke steht eine lauschige Bank, ganz in einem blühenden Rofenhain versteckt. Der Rachtwind träat jetzt ganze Wogen Blütenduftes über diese Rosen- insel. Dorthin wandern die beiden, schweigend, zögernden Schrittes. Der König füblt. hier

Ire Sommer-Parlamente.

Der Landtag nach der Pfingstj au e.

Trotz der sommerlichen Glut war man gestern in der Prinz Albrechtstraße noch einmal zusammengekommen, um einige kleine Reste aufzuarbeiten. Die Sitzung leitet Vizepräsi­dent K r a u s e, der in warmen Worten des er­krankten Präsidenten von E r f f a gedenkt. Auf Vorschlag des Vizepräsidenten beschließt das Haus die Absendung eines Telegramms mit den besten Wünschen zur Genesung an von Erffa. Auf der Tagesordnung steht die Erwei­terung des Stadtkreises Trier. Die Kommission beantragt die Annahme des Entwurfes. Abge­ordneter Schreiner (Ztr.), Abgeordneter für Trier, spricht für die Vorlage. Ein freit on = servativer Antrag auf Zurückverweisung der Vorlage an die Kommission wird abgelehnt. Die Vorlage wird dann in zweiter und dritter Lesung angenommen. Es folgt die Weiterbera­tung der Anträge Prinz zu Löwenstein (kons.) und Schiffer-Magdeburg (natt), betreffend den Notstand der Binnenschiffer. Abge­ordneter Schiffer- Magdeburg (ncttl.) schil­dert die Notlage der Binnenschiffer. Schnelle Hilfe ist dringend notwendig. Abgeordneter Dr. Liebknecht (Soz.): Die Parteien des Hauses suchen sich den Rang abzulaufen in ihren Bemühungen um die Gunst der Schiffer. Von ihnen haben die Schiffer nichts zu erwar­ten. Ministerialdirektor Peters: Niemand beklagt die Notlage der Schiffer mehr, als die Regierung. Aber es ist hier sehr übertrieben worden. Wir bringen den Schiffern das größte Wohlwollen entgegen. Nach weiteren Ausfüh­rungen verschiedener Abgeordneter geht ein Schlußantrag durch. Der Antrag Prinz zu Lö­wenstein (kons.), der die Bereitstellung genügen­der Mittel sordert, wird angenommen. Der erste Teil des Antrages Schiffer (Erlaß ober Rück­erstattung des Hafen- oder Schleusengeldes) wird für erledigt erklärt. Die weiteren Forde­rungen des Antrages Schiffer (Ausdehnung der Sondertarife, einheitliche Schiffahrtspolizeiver­ordnungen, Anhörung der Schiffahrtsvertreter) werden angenommen. Für heute stehen kleine Sachen auf der Tagesordnung.

Präsidenten erklären, daß das gesamte Staats­ministerium die Verantwortung für die Maß­nahmen trägt, und meine Vertretung dieser Vorlage in allen Teilen die völlige Bil­ligung des Ministerpräsidenten gefunden hat. Herzog zu Trachenberg: Wir müs­sen Heimstätten schaffen für freie, unab­hängige Männer im nationalen Inter­esse. Das Problem des Ostens heißt: Men­schen schaffen und auf dem Lande erhalten. Graf Z o l 1 o w s k i bekämpft das Gesetz in längerer Rede. Landwirtschaftsminister von Schorle m er erwidert dem Herzog von Trachenberg, daß seine Anregungen über die innere Kolonisation durch weiteren Ausbau der Siedelungsgesellschaften verwertet wer­den sollen. Darauf geht ein Schlußantrag durch. Das Gesetz wird mit großer Mohr, beit en bloe angenommen. Ferner gelangt dq^ Gesetz über den Unterstützungswohnsitz zur Annahme.

hüllt . . . die jugendlichen Züge des Königs.

Adelaide!" tönt es in weichen Lauten zu der Frau auf dem fteineren Balkon, beschwörend, verlockend, sinnverwirrend, und noch einmalAdelaide!" . . .

Wie träumend greift ihre Hand in den Gür­tel des weißen Gewandes und löst dort eine dunkelrote Rose.

Die duftende Blume fällt dem König zu Füßen. Er hebt sie auf und preßt sie an die Lippen, und bann klingt es noch einmal flehenb burch bis NachtAdelaibe!" Die blonde Frau nickt, ein kurzes bejahendes Nicken. Tann ist sie verschwunden.

Einige Sekunden verstreichen. Lauschend steht der König. Da öffnet sich geräuschlos eine Tür. die weiße Frauengestalt tritt heraus und wandelt leisen Schrittes über den breiten Kies­weg am Rasen entlang. Langsam folgt der König. Sie lenkt den Fuß in einen Seiten­pfad; hier trifft das Mondlicht den Boden kaum, dichtes Gebüsch wuchert zu beiden Sei­ten empor, der Jasmin haucht berauschenden

Nr. 155. 2. Jahrgang.____________

das Gebäude selbst; der hohe, von massigen Säulen getragene Balkon, ist in einen Blü- tenhain verwandelt, der in leuchtenden Far­ben dem Nahenden Willkommen zuwinkt. Tas hohe Portal hat sich hinter uns geschlos­sen; auch hier Blumen, nichts als Blumen, dazwischen hohe, grüne Blattpflanzen, ein anmutiges Bild. Von der jenseitigen Wand der weiten Vorhalle grüßt uns das lebens­groß^ von Meisterhand geschaffene Gemälde unseres Fürsten. Der doppelte Treppenauf­gang aus weiß-gelbem Marmor, beleuchtet von gedämpftem Oberlicht, macht einen heimeligen Eindruck Alles ist für die Eröff­nung bereit.

fühle und Ausdrücke viel wärmer zu schildern. Tie italienische Presse drückt die Meinung aus, daß es sich um spiritistische Versuche d'Annuncios handle. . ,

Der preußische Staat und die Leipzrger Bauausstellung. " Ter preußische Staat wird sich in großzügiger Weise an der Leipziger Bauausstellung 1913 beteiligen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach hat der Ausstellungsleitung mitgeteilt, daß die ihm unterstellten Ressorts der Staatseisen­bahn sowie der Hoch- und Wasserbau-Verwal­tung mit Modellen, Zeichnungen und anderen Gegenständen vertreten sein werden. Das Di­rektorium hat dafür einen Flächenraum von tausend Quadratmetern reserviert.

Wieder ein Christus-Mvfterium. Aus Prag wird geschrieben: Rudolf Freiherr von P r o ch » z ka arbeitet schon mehrere Jahre an einem MysteriumChristus". Die bisher be­kannt gewordenen Teile des Werkes: -Abend­mahlsszene",Kreuzabnahme" und andere ge­ben Zeugnis von dem hohen Ernst, mit dem sich der deutsch-böhmische Künstler seiner Arbeit widmet. Auch den Text hat er, sich genau an die Worte der Bibel anlehnend, selbst geschiie, ben. Die Anlage des Mysteriums entspricht bet des Melodramas, wobei der Chor eine gerade­zu monumentale Aufgabe zu erfüllen hat.

Sechzig Stunden am Klavier. Ein jun­ger Mann in Brooklyn namens Barry Richard will es unternehmen, sein Klavier sechzig Stunden zu quälen, ohne auch nur einen Augenblick Ruhepause. Der Ruhm einer jun­gen Dame im amerikanischen Westen läßt näm­lich Richard nicht schlafen. Sie hält augenblick­lich mit fünfundfünfzig Stunden den Rekord für Klavierdauerspiel. Wetten für dieses kuri­ose Rekordspiel sind schon abgeschlossen. Bemer­kenswert ist übrigens, daß Mr. Richard nut eine Hand hat. Die andere hat er bei einem Eisenbahnunfall verloren.

Columbus ein Spanier? Die Wiege des Entdeckers der neuen Welt hat nicht in G e n u a gestanden, sondern ein in der Nähe von Madrid liegendes Dörfchen Porto Santo darf sich rühmen, Columbus zu seinen Söhnen zu zäh­len. So behauptet wenigstens einer der bedeu­tendsten Historiker Spaniens, Gareia de la Riega, der als Autorität auf dem Gebiete der Columbussorschung gilt. Er bat jetzt auf Grund von Urkunden, die er entdeckt hat, und als untrüglich anspricht, Porto Santo als Ge­burtsort des großen Entdeckers erklärt.

darf er nicht mit Worten werben, ein einziger unbedachter Laut würde all den Zauber ver­nichten.

Träumend läßt sich die blonde Frau nieder, ein zartes Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, und ihre Augen schauen fehnsuchtstrunken in die Ferne. Schweigend steht der König vor ihr, lange, lange, noch niemals schien ihm eine Frau so liebenswert. Dann ergreift er ihre Hand und zieht sie wie anbetend an seine Lip­pen. .. Noch immer lächelt die blonde Frau, ver­träumt, verheißend, die rote Rose entfiel ihrer Hand. R-

Die Erweiterung des Frankfurter Goethe-Museums. Den Stadtverordneten der Stadt Frankfurt am Mein wird in Kürze ein Vertrag des Magistrats mit dem Freien Deutschen Hochstist vorgelegt werden, durch ben bie Stabt das für eine Erweiterung des Goethe-Museums erforderliche Bauge­lände im Erbbau überweist, und durch den die Verzinsung sowie Tilgung der Bausumme von der Stadt übernommen wird. Geplant ist, die beiden südlichen Rachbargrundstücke neben dem Göthebaus am Großen Hirschgraben für das Museum zu verwenden. Das Museums­gärtchen soll durch die angrenzenden Höfe vergrößert werden.

Mar Liebermann und der Radier- gurnmi. Ein charakteristisches Wort Mar Liebermanns zirkuliert gegenwärtig, wie uns geschrieben wird, in Berliner Künstler­kreisen. Mar Liebermann besuchte vor einiger Zeit den Grasen Kalkreuth in seinem Atelier. Forschend flog sein Blick durch ben Raum, bis er am Zeichentisch Kalkreuths haf­ten blieb. Da entdeckte Liebermann etwas, was feine höchste Verwunderung erregte. ,.$?at," fo ließ er sich vernehmen,Sic ha­ben eenen Radirjummi?" ... Für die beiden Malertemveramente ist es allerdings be­zeichnend, daß der eine einen Gummi bot und daß der andere verwundert ist, daß es fo etwas ... noch gibt!

T'Annuncio als Spiritist? T'Annuneio kündigt das Erscheinen eyter Sammlung von Schriften unter dem TitelDie Geheimnisse der Stimme" an. Der Dichter erklärt, es handle sich um eine ganz neue Art von Dichtung, in der eine bisher nicht verwendete Svntax von ihm gebraucht werde. Sie bestehe in einem ganz feltfamett Zusammenhang zwi- fdien ben Worten und Gesten, um feine Ge-

Der Bulgarenzar: Rennbahn- Konferenzen.

Wie aus Berlin gemelbet wirb, ernannte ber Kaiser gestern den König von Bul­garien zum Chef des vierten Thüringischen Infanterie-Regimentes Nr. 72, verlieh dem Prinzen Kyrill den Schwarzen Adlerorden und dem Ministerpräsidenten Geschow das Groß­kreuz des Roten Adlerordens. Ferner wird uns aus Berlin berichtet: Der Kaiser, der sonst zu den großen Entscheidungen des Turss, zu denen er sein Erscheinen zugesagt hat, auf die Minute pünktlich zu erscheinen pflegt, ist gestern, trotzdem der König der Bulgaren kaum einige Stunden in Potsdam weilte, mit seinem Gaste und großem Gefolge eine halbe Stunde vor Entscheidung derArmee" einge­troffen. Dort erwartete der Kaiser den fran­zösischen Botschafter Cambon. der vom Kaiser eingeladen war. Zwischen den einzel­nen Rennen unterhielt sich bet Kaiser mit Cambon in sehr aufgeräumter Stimmung.

Das Rudolstadter Parlament: Rot!^

Ein Privat « Telegramm melbet uns aus Rubolstadt: Bei ben gestrigen Land- tagswahlen wurden neun Sozialdemokraten und sieben bürgerliche Kandidaten gewählt. Bei den Wahlen verloren die Sozialdemokra­ten Stadtilm mit 734 gegen 735 bürger­liche Stimmen und gewannen dafür Fran­kenhaufen - Land mit 483 gegen 463 Stimmen. Die Landtagswahlen haben also das gleiche Ergebnis gehabt wie dir Wahlen vom 10- November 1911. Der Landtag wurde bekanntlich am vierten März dieses Jahres wegen der vielbesprochenen Gegensätze zwi­schen Regierung und Mehrheit aufgelöst. Die Regierung hat nun bei den Neuwahlen eine Niederlage erlitten und wird versuchen müs­sen. sich mit dem Landtag zu verständigen, das heißt: Sie wird ihm entgegenkommen müssen.

VoMsche 6hroni?.

Ein französischer Arbeiterführer im Gefäng­nis. Das Zuchtpolizeigericht in CHarle­ch i l l e in Frankreich verurteilte den Führer des allgemeinen Arbeiterverbanbes Dumou- l i n zu zwei Jahren Gefängnis, weil er in einer Protestversammlung gegen die Lebens­mittelteuerung zur Eisenbahnsabotage im Falle der Mobilisierung aufgefordert hatte.

Taust König Georg ab? Ein Athener Blatt bringt die Nachricht, daß König Georg von Griechenland sich mit der Absicht trage, nach seinem in zwei Jahren stattfin- benben fünfzigjährigen Regierungsiubiläum zugunsten des Kronprinzen Konstantin abzu­danken.

Ein neues Fiasko der englischen Arbeiter? Depeschen aus London melden uns: Die

die Wellen des Sees, in denen sich ber volle Monb spiegelt. Sein Licht läßt das Wasser aufflimmern wie blinkendes Metall, es webt silbrige Schleier um Baum und Strauch und kost mit den Marmornymphen, deren weiße Glieder aus üppigem Grün hervorleuchten. Stolz reckt sich der Prachtbau des Schlosses in den lichten Nachthimmel, an dem nur hier und da ein Sternlein funkelt.

Kein Laut durchbricht die feierliche Stille. Traumversunken steht der Posten vor dem gro­ßen Hauptvortal. den Ellbogen auf bie Waise gelehnt. Ohne sich zu rühren, blickt er weit- geöffneten Auges in bk Sommernacht.

Doch, klang nicht eben ein Menschenlaut burch die Stille, knarrte nicht leise eine Tür? Rauschte nicht ein Frauengewand über Stein­fliesen?

Jetzt fällt das Mondlicht auf eine weißge­kleidete Frauengestalt, die sich über bie Brü­stung des Balkons lehnt. Ihre Blicke suchen das schimmernde Wasser, das unten zwischen ben Bäumen aufblitzt. Da? prächtige Blond- haar fällt ihr in breiten Wellen über die' Schul­tern. Träumend stebt die schone Frau und laufcht den geheimnisvollen Stimmen ber Nacht.

Jetzt fällt ein bunller Schatten über ben Weg, aus dem Gebüsch taucht eine dunkelge- kleidete MännekLestalt auf: bas Monblicht ent-

Neuer vom Tage.

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.) iX Straßenbahnwagen - Zusammenstoß bei Hannover. Bei ber Rückkehr von einem Schul- ausslug entgleisten brei Wagen eines elektri­schen Straßenbahnzuges hinter bem Dorfe Gehrden bei Hannover. Ein zweiter Zug, der kurz hinterher kam, fuhr mit voller Ge- fchwindigkeit auf die entgleisten Wagen auf. Der Führer des zweiten Zuges erlitt schwere Verletzungen an den Beinen. Von den Insas­sen sind zahlreiche leicht und einige schwer ver­letzt worden. Von Hannover wurde sofort ein Straßenbahnwagen mit Aerzten und Verbands­material abgelaffen.

rA Eine Katastrophe im Schwimmbad. Im Städtischen Schwimmbad in Köln-Ehre n- felb ist gestern nachmittag, als sich etwa drei­ßig Personen im Schwimmbassin befanden, mit lautem Getofe die Betondecke eingestürzt, wo­bei ein sechzehnjähriger Obersekundaner er­schlagen, zwei Schüler schwer und etwa sechs andere leicht verletzt worden sind. Die Ursache ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß Arbeiter das Gewölbe, in dem sich seit einiger Zeit Risse befanden, zwecks einer Untersuchung betreten haben.

Aus Kummer ...! Aus Kummer über sein langjähriges Leiden hat der im vierzigsten Lebensjahr stehende Rechtsanwalt Fritz Win­terfeld aus Berlin, ein Sohn des be­kannten Justizrates, seinem Leben freiwillig ein Ziel gesetzt, indem er sich in der Nähe des Friedhofes Schildhorn erhängte. Der beliebte Anwalt litt seit neun Jahren an den Folgen einer nicht glücklich verlaufenen Operation und verfiel aus Kummer darüber in Schwer­mut.

Ohm und Co. vor bem Reichsgericht. Nach vierwöchiger Verhandlung hat das Landgericht Dortmund bekanntlich im vo­rigen November die Direktoren der 1910 ver­krachten Niederdeutschen Bank in Dortmund, Ohm, Schmidt und Benner wegen De­pot-Unterschlagung. Untreue und Blankettfäl­schung und Beihilfe dazu verurteilt. Gegen das Urteil hatten Ohm und Schmidt Revision eingelegt, die am Freitag das Reichsgericht in Leipzig beschäftigte. Das Reichsgericht erkannte jedoch auf Verwerfung der Revision im vollen Umfange; die prozeßualen Rügen feien unbegründet oder beträfen Verstöße, die ben Bestand des Urteils nicht gefährden.

sr Der Konflikt im Sangerhäuser Stabt- Parlament. Die fechs Stadträte aus. San­gerhausen, die unlängst (wie wir berichte­ten) wegen Meinungsverschiedenheiten in der Garnisonfrage ihre Mandate niedergelegt hat­ten, haben sie jetzt wieder ausgenommen. Das Stadtverordnetenkollegium will die Entschei­dung des Regierungspräsidenten über bie Zu­lässigkeit dieses Schrittes einholen. Durch die- fen Schritt ist der angehäufte Konsliktsstoft ge­rade nicht vermindert worden.

ru: Die Tragödie eines Herzogs. Herzog Siegfried von Bayern, bei dem sich in letzter Zeit wiederum Spuren einer Nervenzer­rüttung gezeigt haben, hat sich zur Erholung in die Heilanstalt in N euf r i e d en s h erm bei München begeben. Der Herzog, der sich im fcchsunddreißigsten Lebensjahre befindet, ist vor einer Reihe von Jahren vom Pferde ge­stürzt und hat sich dabei eine schwere Gehirn­erschütterung zugezogen, an deren Folgen er noch jetzt leidet.

iSAlt Heidelberg, du seine ..." In der letzten Nacht fand in Heidelberg zwischen

In ben Ausstellungsräumen herrschte noch Kestern geschäftiges Treiben. Ueberall ward bie letzte Hanb angelegt; ba lief ein Hand­werker mit dem Kleistertopf vorbei; ein ande­rer trat mit dem noch feuchten Pinsel aus her eben fertig gewordenen Dorfkirche. Der lei­tende Architekt, Herr W. Opfermann, gab seine letzten Anordnungen. Ein Rund- gang durch die Ausstellung ward mir verstat- tet: Unten gleich rechts betritt man einen großen Saal voller Gemälde, Skulpturen und Broneen heimischer Künstler; eine Abteilung darin, dieEhrenhalle", ist unseren großen Meistern Kaulbach und Rauch gewidmet. In dankenswerter Weise haben Galeriedirek- tor Fr. August von Kaulback in München und Frau Viereck-Arolsen bie in ihrem Besitz befinblichen Originale zur Verfügung gestellt. Daneben finden sich Werke noch le­bender Künstler, wie Hubert Dietsch, Paul, Volke, Backhaus (eine sehr schone Beethovenbüste) und Schulz. In ei­nem anderen Raume sind wertvolle Schränke und Truhen, alte Zinn-, Kupfer- und Silber­fachen, Schmuckgegenstände undsoweiter zur 'Schau gestellt. Professor Dr. Kümmele- Hamburg hat feine lückenlose Münzsammlung hergeliehen. Ferner sind noch besonders her­vorzuheben: Zwei Renaissance- (Wohn- und Schlaf-)-Zimmer aus dem Fürstlichen Schloß, und ein Rokoko-, sowie ein Biedermeierzim­mer. Ein Raum zeigt bie Wohnstube des Bürgers; eine Bauernstube, -küche und -diele spiegeln die dörfliche Wohnstätte wieder. Wei­ter wird eine waldeckische Spinnstube gezeigt. .In anderen Zimmern sind von Damenhand die Erzeugnisse weiblichen Fleißes geordnet, Webereien, Stickereien, Knüpfarbeiten und dergleichen. Dazwischen stehen immer wieder Schränke und Truhen; wertvolle Stücke sind darunter, die zum Teil verkäuflich sind; drei Sachen hat die Herzogin von Altenburg be­reits erworben Die Ausgestaltung der Räu­me, die vorzügliche Ausnutzung derselben so­wie die sachgemäße Einordnung der Gegen­stände legen für den feinen Geschmack des Lei­ters der Ausstellung das beste Zeugnis ab.

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ES ist aber auch dafür gesorgt, daß man sich von ben Anstrengungen eines Rund- ganges in ben Erfrischungsräumen erholen kann. Ein ganz in weiß gehaltenes (neues, nach Schluß ber Ausstellung verkäufliches) Thcezimmer im Empirestil, in bem junge Da­men in prächtigen Empirekleibern den buffen- den Trank barreichen, labet zur Ruhe ein; fri­sche Bauernmädel werden dem Durstigen in anderen Räumen ein Seidel kühles Bier schänken, und guter Wein und perlender Sekt wird von zarter Hand kredenzt. Die Ausstel­lung dauert vom achten bis dreiundzwanzia- ften Juni. Während dieser Zeit sind allerlei festliche Veranstaltungen vorgesehen. Am ersten Sonntag, also morgen, wird ein Konzert hei­mischer Vereine stattfinden; Mittwoch, den zwölften und Sonntag, ben sechzehnten Juni, soll eine waldeckische Sage,Der Glockenborn", in Wort, Bild und Reigen vorgeführt werden.

chen, die das murmelnde Wasser erzählt. Kein

Blättchen regt sich, kein Windhauch kräuselt I Duft in bie Nacht, und offenen Kelches trau-

Sommernacht.

Ein Phantasie-Gemälde.

Verhallt ist die laute Freude eines herrlichen Sommertages. Leise, leise Hot sich bie Nacht herabgesenkt, unb friedlich schläft ber Park von Wilhelmshöhe den kommenden Morgengrü­tzen ber Sonne entgegen. Am Nachmittag noch erklang auf allen Wegen, aus jeder umbuschten Laube fröhliches Lachen unb Scherzen. Jörö- me mit feinem luftigen Hofstaat hat ja wieder feine Sommerresidenz aufgeschlagen.

Allabendlich wandeln in vertrautem Ge- spräch geputzte Herren unb Damen über bie kiesbestreuten Wege; manch heißer Händebruck weckt Furcht unb Freube in einem sebnsüchtt- gen Herzen, manch zärtlicher Blick läßt in einem anbern Augenpaar helle Flammen auf» lodern.

Doch jetzt liegt alles im Traum. Mit ange­haltenem Atem lauf eben die Bäume ben Mär-

____________________Sonntag, g, Juni 1912.

Arbeitgeber haben bie Vorschläge ber Arbei­ter endgültig abgelehnt. Der Klerus von sechzehn Pfarreien hat ein Manifest erlassen, in bem er sich für bie Arbeiter ausspricht: für ben Ausgang bes Streikes will das jedoch nicht viel besagen.