Casseler Neueste Nachrichte«
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tungen entgegenzukommen.
Grunde schweifen.
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Vorfälle .
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Antrag der Hansastädte auf reichsgesetzliche Festlegung der dreijährigen Lehrzeit für das Gastwirtsgewerbe wurde angenommen. Am Schluß der Tagung begrüßte Kommerzienrat Weißengerber-Chemnitz die Versammlung im Namen des Hansabundes und erklärte, daß der Hansabund gern bereit sei, den Interessen des Gastwirtestandes nach allen Rich-
von der Journalistentribüne. wo er sich anfgehalten hatte, der für die Tauer von dreißig Sitzungen ausgeschlossene Abgeovd nete Julius Kovaez in den Saal und rief dem Präsidenten zu: „Es gibt im ungarischen Abgeordnetenhause noch ovpositionel- le Abgeordnete. Dieser Elende wird ferner hin nicht mehr kommandie-
lauf. , .
— Wahlen im Stadtvarlament. Anstelle des ,um Stadtrat gewählten Stadtverordneten Gerhardt mußten verschiedene andere Stadtverordnete in die Kommissionen und Ausschüsse gewählt werden, in denen Stadtrat Gerhardt bisher tätig war. Diese Wahlen wurden in der gestrigen Stadtverordnetensttzung vorgcnom- nteit. Folgende Stadtverordnete wurden auf Vorschlag deS Stadtverordnetn Naaell gewählt: In den Eingabcnausschuß Stadtv. Hein- sius. in den Etatsausschuß Pfarrer Francke, der bisher Stellvertreter war. An Pfarrer Franckes Stelle tritt jetzt Stadtv. Potente. In die Fi- nanzkommissian berief die Versammlung Stadtverordneten Wertheim nnd in die Schuldevu- tation Stadtv. Linker. In die äußerst wichtige Kommission zur Heranziehung von Industrie nach Cassel und Förderung derselben wurde Stadtv. Heß berrrfen. Als Vertrauensmänner für die Schöffen- und Geschworenenwahlen sind die bisherigen Mitglieder Andreas Schmidt. Schoppach. Hufschmidt und Jordan erneut bestellt worden.
-7- Bon schwerer Anklage freigesprochen! Kürzlich wurde über einen Vorfall berichtet, bei dem der Postbote M. und der Kaufmann H. vor dem HolländiMn Tor einen Schutzmann mißhandelt hätten und infolgedessen verhaftet worden seien. Dieser Vorfall war nun Gegenstand einer Schöffengerichtsverhandlung. In der Verhandlung wurde sest- oestellt, daß der Schuhmann ohne Grund seine Waffe gezogen nnd auf die Angeklagten ringe- schlagcn hatte, troüdem der Schutzmann das GeaenKil bezeugte. Das Gericht war der Ansicht, daß ein Einschreiten des Schutzmanns mit der Waffe nicht erforderlich gewesen sei und gelangte deshalb zu einem freisstrechenden Urteil.
Abgeiagte Dicbesbeute. Einen frechen Diebstahl begingen gestern zwei jugendliche Burschen in einem Hause der Wilhelmsböher Allee. Einer der beiden ging in ein Haus und bat in der ersten Etage um einen Almosen, während der andere auf der Trebbe wartete. D'e Gelegenheit schien ihnen günstig zu sein: rasch entwendeten sie einen ans dem Flur stehenden Schließkorb und wollten eilialt dos Haus verlassen. In demselben Augenblick kam bas Dienstmädchen, das dem Burschen geöffnet batte, zurück: es lief natürlich den beiden Dieben sofort nach. Als sie sich verfolgt iahen, stellten sie den Korb im Hausflur bin und nahmen schleunigst Reißaus. Leider konnte man ihrer nicht mehr habhaft werden.
-4- Personalveränderunaen bei der Post. Im Bezirk der Kaiserlichen Ober-Postdirektion in
Letzte Telegramme.
sNssch Schluß der Redaktion eingegangen.j
9ns Drama im Parlament.
Einzelheiten der heutige« Katastrophe.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Budapest, 7. Juni.
Zu dem Attentat im ungarischen Ab geordnetenhause werden noch folgende Ein- zekheiten bekannt: In der heutigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses ereigneten sich kurz nach Beginn der Sitzung ähnliche Szenen wie bei den Sitzungen am. Tage vorher. Gra Tisza schloß daher die Sitzung auf einige Zeit. Um elfeinviertel Uhr eröffnete Graf Tisza di- Sitzung anfs neue und erklärte: „Ich muß referieren über die bedauerlichen
bar ist.
-4- Orgelvorträge in der Christuskirche. Am Sonnabend, den achten Juni werden abends von einviertel sieben bis sieben Uhr folgende Orgelvorträge geboten: Vorspiel zu „O heiliger Geist kehr bei uns ein', von Weidenhagen; Präludium und Fuge in D- Moll von I. S. Bach; Largo von Händel; Orgelsonate in A-Dur von Volckmar und Vorspiel zu: »Schmücke dich, o liebe Seele" von Piutti.
-r- Flüge über dem Forst. Gestern abend und heute srüh führte der Flieger Karl Abelmann auf dem Forst mehrere wohlgelungene Flüge aus. Heute morgen neun Uhr unternahm der Flieger mit seinem Grade-Ein- decker einen siebeneinhalb Minuten währenden Flug über den Forst, den er in zweihundert Meter Höhe in der Richtung auf Waldau zu durchführte.
-r- Promenadenkonzert auf dem Kaiserplatz. Beim Promenadenkonzert am Kaiserplatz bringt heute abend halb sechs Uhr die Henkel, sche Kapelle folgende Stücke zum Vortrag: „Gut Heil", deutscher Türner.Marsch von Wig- gert, Ouvertüre zur Oper „Die Zigeunerin" von Balft, „Der Traum der Hugenotten", Phantasie von Hamm, „Etootjah", eine japa- nffche Serenade von Nehl und „Geschichten aus dem Wiener Wald", Walzer von Strauß.
4- Kleine Tageschronik. In der vergangenen Nacht bemerkte ein Wächter des Wach- imd Schließinstituts in einer Fabrik in der Sandershäuser Straße Hellen Feuerschein. Aus Asche und Kohlen schlugen die Flammen empor und drohten weitere Ausdehnung zu finden. Der Beamte löschte den Brand. ... Dieser Tage flogen hier mehrere Brieftauben zu. Nähere Angaben über Bezeichnung usw. können beim Garnisonkommando Cassel am Friedrichsplatz eingeholt werden. — Kürzlich wurde berichtet, daß der Sattler Es ko wegen Diebstahls gesucht werde. Wie uns nun mitgeteilt wird, liegt ein solcher Verdacht nicht vor. Esko wurde vielmehr nur einer geringsügigen Polizeisacbe wegen gesucht. — Das am Sonntag verregnete Ssmmerfest im „Hanusch", das aber in den Sälen einen flotten Verlauf nahm, wird nun am Sonntag wiederholt. Für Unterhaltung und Tanz bei gut besetztem Orchester ist, wie aus dem beuflgen Inserat hervorgeht, gut gesorgt. — Morgen abend findet in der mit Tannengrün festlich dekorierten Rollschuhbahn ein erster Elite ball statt, der wie die bisbefl- gen Veranstaltungen einen guten Verlauf zu nehmen versvricht.
Tas Wetter am Sonnabend. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Sonnabend für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Wolkig, vielen Orts Gewitterregen, später etwas kühler: Sonntag Gewitterneigung wahrscheinlich geringer.
einzelnen politischen Parteien zur Wahlrechtsfrage gekennzeichnet hatte, um zu zeigen, auf welche Parteien die Frauen im Kampfe ums Wahlrecht rechnen könnten, ging sie auf die Frauensttmmrecbtsbewegung an sich sowie aus die einzelnen Wahlsysteme ein und bezeichnete das Proportionalsystem als das Erstrebenswerte. Vorläufig trete die moderne Frauenbewegung jedoch nur für das allgvnei- ne, gleiche, direkte und geheime Wahlrechts ein, für dessen Erlangung aber eine jede polittsch denkende Frau mit tättg sein müsse, damit auch hier in Deutschland die große Zahl der erwerbstätigen Frauen einen Einfluß Gesetzgebung ausüben könne. Dem schloß sich eine Diskussion an.
Cassel sind nachstehende Personalveränderungen ,,u verzeichnen: Die Verwaltung einer Ober- Postsekretärstelle in Weißenfels wurde Postsekretär D e u ß i n g in Cassel übertragen. Verliehen wurde der Charakter als Postsekretär Ober-Postassistent Limmeroth in Cassel, der Charakter als Telegraphensekretär Telegraphenassistenten Reif in Cassel nach bestandener Sekretärprüfung.
-7- Mit Mistgabel und Dolch. Wegen gefährlicher Körperverletzung stand heute der Melker Spiker vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts. Der Angeklagte war im Februar dieses Jahres auf der Domäne Frankenhausen bei Grebenstein beschäftigt. Nachdem er am Faschingssonntag die ganze Nacht hindurch gekneipt hatte, kam er nach Hause, trieb die drei Stallburschen aus dem Bett und forderte sie auf, an die Arbeft zu gehen. Als ihm die Arbeit nicht flott genug pon statten ging, trieb der Angeklagte die Burschen mit der Mist- rabel in der Hand zum schnelleren Arbeiten an. Dabet stach er einen der jungen Leute mehrfach in die Fersen. Als der Bursche sich das verbat, schlug ihn Spiker mehrere Male mit der Mistgabel über den Kopf. Die beiden anderen Burschen kamen nun dem Bedrohten zu HUfe. Spiker kam zu Fall, zog ein dolchartiges Messer hervor und stach dann blindlings um sich, wobei er die beiden anderen Stallburschen erheblich verletzte. Als er diese Heldentat vollbracht hatte, legte er sich zu Bett und nahm zur Sicherheft die Mistgabel mit. Es kam jedoch zu keinem Renkontre mehr. Der Angeklagte ist heute ge- tändig; er behauptet jedoch, in Notwehr gehandelt zu haben. Der Staatsanwalt hielt den Angeflagten für überführt und beantragte «in Jahr Gefängnis. Das Gericht beschließt jedoch, die heutige Hauptverhandlung auszusetzen und noch weitere Zeugen zu laden.
-z- Der „Siegeszug" des Tintenstifts. Nach einem Erlaß des Kriegsministeriums darf nun auch bei den Militärbehörden von jetzt ab die Unterzeichnung von Quittungen mit dem Tintenstift erfolgen. Voraussetzung ist jedoch, daß der Tintenstift eine gut hastende, aber nicht glänzende Schrift liefert, die auch bei künstlicher Beleuchtung leicht les-
Der Schönselder Pari.
Die Kunst des Gärtners, freudig Degeiste. run-g unseres Stadtgartendirektors für sein ureigenstes Werk und nicht zu unterschätzende Mittel aus dem Stadtsäckel haben es ermög. licht, den Schönfelder Park aus verwil. dertem „Urwald" in ein sorgsam gepflegtes und gehegtes Stückchen Erde umzuwandeln. Der ehemalige Schönselder Park hat ein Ge- ‘ sicht erhalten, das mit dem früheren in keiner Weise mehr verglichen werden kann. Ueberall spürt man, wie des Gärtners Hand mit schwierigen Verhältnissen gerungen hat, wie dem sumpfigen Boden fester Grund gegeben wurde. Anhöhen erhielten sanften grünbekränzten Abfall zur Tiefe, und die Teichanlagen mit ihrer malerisch angelegten Wasserregulierung lassen Liebe und nimmerruhende Arbeit deutlich erkennen. Und dann ist in die. feit Frühlingstagen «in Werk vollendet worden das die Pionierarbeit der Stadtgärtnerei an dieser Stätte krönt: Der Blumengar. teu. Unterhalb des Elefantenhauscs und oberhalb des alten Bärenzwingers erhebt er sich und bietet einen wohltuenden Rundblick über den sich nach der Tiefe zu entwickelnden Park mit seinem reichen Baumbestand, plät- schernden Wassern und lauschigen Ruheplätzen.
Auch unserer gefiederten Sänger hat Stadt- gartendirettor Engeln gedacht und ihnen durch Anlage von Vogelschutzgehölzen und Anbringung von vielen Nistkästen und Heimen für Höhlenbrüter eine gastliche Stätte geboten. Das hat die lustige Sängerwelt bald empfun. den und eine „Vogelwanderung" setzte nach dem Schönselder Park ein. Zwitschernder Gesang, Tirilieren, Pfeifen und Jubilieren erfüllt den ganzen Tag über den Park, und abends veranstalten die Sänger des Waldes das schönste Freikonzert. Aus sauber gepflegten Wegen schreitet man vorwärts und wo es Steigungen gibt, sind naturgemäße Treppen angelegt. Was aber den Schönfelder Park am besten auszrichnet, ist der Durchblick an besonders schönen Stellen. Die Stadtgärtnerei hat äußerst vorsichtig geforstet und dabei die Möglichkeit geschaffen, daß bei Blick von bankbesetzten Ruheplätzen aus stets über den Teich mit feiner schilfgezierten Insel und dann, die Bäume im Grund überspringend, bis zum blauen Baunsberg geht.
Nun bestand di« Gefahr, daß bei der B e. bauung des Geländes zwischen der Frankfurter Straße, der Cassel-Waldkappeler Eisenbahn und dem Park Schönfeld Fabriken mit hohen unästhetisch wirkenden Schorn, steinen, mehrstöckige Häuser und sonsflge Anlagen entstehen könnten, die das Gesamtbild, das sich vom Schönfelder Park aus bietet, stören. Um dieser Gefahr zu begegnen, haben die Stadwerordneten gestern abend, als es den Fluchtlinienplan für die Bebauung des erwähnten Geländes zu genehmigen galt, au Antrag des Stadtverordneten Zimmermann die Einführung der offenen Be- . bauung beschlossen. Damit ist den Wünschen aller Freunde des neuesten Casseler Schmucks, des Schönfelder Parks, in weitgehendem Maße entsprochen worden und der Blick in die Ferne wird wieder frei, und ungestört durch häßlich anmutende Bauten, über die neuen Gebäude im
Landmesser Lipprandt zum Stadwerordneten gewählt! Heute mittag wurde im „Schwarzen Adler" in Bettenhausen die Er- atzwab! eines Stadwerordneten der ersten Wählerklasse anstelle des zum unbesoldeten Stadtrat gewählten bisherigen Stadwerordneten Gerhardt vollzogen. Zwölf Wahlberechtigte gaben ihre Stimme ab, wovon sieben für den vom Bürgerverein Bettenhausen, aufgestellten Kandidaten. Landmesser und Kulturingenieur Max Lipprandt in Bettenhausen, dem Vorsitzenden des Bürgewer- eins, und füstf für Fabrikbesitzer Diemar in Bettenhausen lauteten. Demnach ist Landmesser Lipprandt bis zum ersten April 1913 zum Stadwerordneten gewählt. Im kommenden Frühjahr steht Bettenhausen dann vor einer Neuwahl.
-i- Ein alter Betrüger vor Gericht. Der Buchbinder Max Lange aus Wiesbaden, der zuletzt in Großalmerode «in kleines Geschäft betrieb, kam eines Tages in eine hiesige Zigarrensabrik und bat um Liderung einiger Kisten Zigarren. Er bekam edoch das Verlangte nicht und man eröffnete hm nur, daß ein Reisender nach Großalmerode kommen werde. Als dieser dann kurze Zeit darauf bei Lange vorsprach, bestellte dte- er für etwa achtzig Mark Zigarren mit drei Monate Ziel. Er erhielt die Ware auch, weil er versprach, daß Ziel einzuhal- ten und außerdem vorgab, ein gutgehendes Geschäft zu haben. Der Angeklagte kaufte erner einem Hausburschen ein Rad zum Preise von vierzig Mark, bedauerte jedoch, den Betrag nicht sofort zahlen zu können, da er zu gleicher Zeit einen größeren Betrag bet einem Kaufmann zu zahlen hätte. Dieselbe Ausrede machte er auch bei dem betreffenden Kaufmann, er schützte da nur den Radkauf vor Dem armen Hausburschen, von dem das Rad gekauft war, habe er aus Mitleid Patt vierzig zweiundvierzig Mark gegeben. Als dann später der Hausbursche zu dem Kaufmann kam, Härte sich der ganze-Schwindel auf Der Angeklagte, der augenblicklich eine Zuchthausstrafe von Zwei Jahren verbüßt, erhielt heute wegen Ruckfallbetrugs eine Zusatzstrafe von zwei Monaten.
-i- Das Neueste im Bilde. Im Schaufenster unserer Geschäftsstelle, Kölnische Straße 5, gegenüber der Spohrstraße, sowie im Schalter- raum unserer Geschäftsstelle gelangten für die nächsten Tage solaende Bilder zum Aushang: Königin Wilhelmine in Paris. Zur 500-Jahr- feier de? Einzuaes Friedrichs von Zollern in Brandenburg. Von der Berliner Frühjahrs- flugwoche. Oeffentliche Abstimmung in der Landgemeinde Trogen, Appenzell. Zum Transportarbeiterstreik in London. Vom Exerzieren der Kaiserbrigade. Bon den Stra- stenkämvfen in Budapest. Leichenbegängnis König Friedrichs VIII. Frauen-Wahlrechis- Demonstration in Newyork. Psadfinderübung. Der Kaiser besichtigt das Denkmal für den Ersten Kurfürst. Das neue Christoph Colum- bus-Denkmal vor dem Haupwahnhof in Washington. Zn den Wahlkrawallen im Budapester Parlament. König Viktor Emanuel III. von Italien. Der Boden des Vesuvkrattrs. Der Dampfer „Imperator" nach dem Stapel-
Ste Tagung Ser Gastwirte.
Der neununddreißigste Deutsche Gastwirtetag, der in diesem Jahre, wie wir schon gestern berichteten, in Chemnitz stattfand, ist nunmehr beendet. Gestern, am letzten Verhandlungstage, bildete den ersten Gegenstand der Tagesordnung die Kohlensäurefrage. Hierzu lagen eine ganze Reih« von Anträgen vor, die nach dem Vorschläge des Vorsitzenden dem ge- schästsführenden Ausschuß zur weiteren Behandlung überwiesen wurden. Hierauf sprach Stadtverordneter Schultze- Berlin über die Branntweinsteuer und deren Wirkung auf die Gastwirte. Die Erledigung dieser Frage im Parlament, so legte er dar, sei nicht vom wirtschaftlichen, sondern lediglich vom po- flflschen Gesichtspunkte aus erfolgt. Der Leidtragende werde nur der Staat fein, der an Verbrauchssteuern durch den Konsumrückgang fo viel verlieren werde, wie bei der Erhöhung der Verbrauchsabgabe im Jahre 1906. Die' Branntweinsteuer habe lediglich den Brennern finanzielle Vorteile gebracht auf Kosten eines d-r notleidendsten Gewerbe des Vaterlandes. Die Versammlung nahm hierzu zwei Resulu- tionen an, in denen sich der Verbandstag gegen das neue Branntweinsteucrgesetz und dessen Einwirkung auf die Gastwirte verwahrt. Eine weitere Resuluflon spricht sich gegen die Bestrebungen der Nahrungsmittelchemiker aus, die den Zweck verfolgen, ein Gesetz herbeizu- führen. das die M i n d e st-A l k o h o l st ä r k e für Trinkbranntwein festsetzen soll. Durch solche Bestimmungen würden sämtliche Mäßigkeitsbestrebunaen illuforifch gemacht. Ein
Nr. 151. — 2. Jahrgang.___________________
Kelchen, direkten und geheimen Wahlrechts". Die Rednerin führte aus, daß durch die Verän- »erungen, die die moderne Zeit im Wirtschaftsleben hervorgerufen habe, der Anspruch der Frau auf Erteilung politischer Reife durchaus begründet sei. In privatrechtlicher Beziehung sei die heutige Frau ja auch bereits nicht mehr rechtlos, das bürgerliche Gesetzbuch von 1900 habe hier manches Gute gebracht. Das nächste Streben der Frau müsse nun auf die Erlangung der staatsbürgerlichen Rechte gerichtet sein, die das Mittel zur Erreichung andrer Ziel« ; bildeten. Nachdem dieReferentin die Stellung der
Sonnabend, 8. Juni 1912.
ren . . .!" In demselben Augenblick zog er einen Revolver und feuerte drei Schüffe auf den Präsideitton, die Schriftführer und die Galerie ab, ohne jedoch zu treffen. Die Abgeordneten der Regierungspartei stürzten sofort auf Kovaez zu, schlugen mit Fäusten auf ihn ein und versuchten, ihm die Waffe zu entreissen. Dabei drückte Kovaez zweimal den Revolver ab und die Kugeln drangen i h m i n d e n K o p f. Lebensgefährlich verletzt brach er zusammen. Unter ungeheurer Aufregung und grossem Lärm schloss Präsident Tisza die Sitzung, worauf Kovaez aus dem Saale getragen wurde. In den Waiwelgängen, wo er niedergelegt wurde, starb der Blutüberströmte nach wenigen Minuten, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Es handett sich um den- elben Abgeordneten Kovaez, der bei der Prä- identenwahl, als die Wahl deS Grafen Tisza gesichert schien, die Urne vorn Wahltisch herabwarf. Um Unruhen anlässlich des Attentats im Parlament vorzubeugen, ist fast die gesamte Garnison von Budapest konsigniert, bereit, auf das erste Kommando hin di- Stadt zu besetzen.
Die Ankunft des Bulgaren Zaren.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 7. Juni.
König Ferdinand von Bulgarien und Königin Eleonore sind zum Besuch des Kaisers heute vormittag 11.25 Uhr auf der Wildparkstation in Potsdam eingetroffen. Der Kaiser ging zum Salonwagen und empfing den König, indem er ihn auf beibe Wangen küsste und umarmte. Der König stellte dann eine Gemahlin Eleonore und seine beiden Söhne vor. Die Kronprinzessin in Ber. tretung der Kaiserin begrüsste hierauf die bulgarischen Herrschaften. Nach ihr folgten die übrigen Prinzen und Prinzessinnen des Kai. erhauses. Der Kaffer schritt mit dem König „dann die Front der Ehrenkompagnie ab, wobei die Musik die bulgarische Hymne spielte. Als Erster verliessen der Zar Ferdinand und der Kaffer in einem Galawagen den Bahnhof. Der Zar trug bulgarische Generalsuniform, auf dem Kopse de» Kalpak aus grauem Lamm- sell. Der Zar satz rechts neben dem Kaiser. Unter Vorritt einer Schwadron setzte sich der Zug nach dem Neuen Palais in Bewegung.
Marschall: Sechster Kanzler?
Berlin. 7. Juni. (Privat-Tele« g r amm.) In Kreisen, die mit den Absichten der Regierung vertraut fein können, kommt immer und immer wieder, und jetzt stärker als je, die Ansicht zum Ausdruck, dass Freiherr von Marschall mit einer ganz bestimmten Mission, über die noch strengstes Stillschweigen bewahrt wird, nach London geht. ES wird als nicht ausgeschlossen bezeichnet, dass nach Lösung dieser Spezialaufgabe Herr von Marschall als Nachfolger BethmannS nach dem Reichskanzler-Palais in der Wilhelm- straße übersiedeln wird.
In der Stahlkammer eingeschloffen.
Berlin, 7. Juni. (Privat-Tele« gramm.) In den Bureau-Räumen der Finna Gebrüder Gauss waren heute vormittag zwei Angestellte durch ein Versehen in der Stahlkammer eingeschloffen worden. Die beiden hatten in den Kaffenräumen zu tun, als ein anderer Angestellter, der davon nichts wusste, die Tür zuschlug. Da die Beiden die Schlüffe! in die Stahlkammer mitgenommen hatten, musste die Feuerwehr gerufen werden, die die Eingesperrten nach langen Bemühungen *•*» freien konnte.
Das Ende einer Künstlerin.
Berlin', 7. Juni. (Privat-Tele« gramm.) Die bekannte englffche Schauspielerin Mrs. Melrose, die in der letzten Zeit bei der Aufführung der „Quaker Girls" Bewunderung erregt hatte, hat aus Lieb es - gram durch Gasvergiftung Selbstmord begangen. In einem an ihren Geliebten hinterlassenen Briefe erklärt die Schauspielerin, eine bekannte Schönheit, dass et allein an ihrem Tode schuld sei, da er dem Verlangen seiner Eltern, sie nicht zu heiraten, nachgekommen fei. Aus Gram darüber fei sie aus dem Leben geschieden.
Zwei Opfer der Lieb«.
Essen (Ruhr), 7. Juni. (Privat!« Telegramm.) Heute früh wurden im hiesigen Stadtpark der Tierarzt Kehlert und die dreissig Jahre alte Marie Koch auS Linden an der Ruhr vergiftet aufgefunden. In einem hinterlaffenen Brief teilen die Beiden mit. dass fie aus dem Leben geschieden feien, weil sich ihrer Verbindung unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellten.
Das Verbrechen eine« Fünfzehnjährigen.
Dresden, 7. Juni. (Privat-Tele- g r a m m.) Als in der vergangenen Nacht der Bäckermeister Schwarz seine Backstube betrat, erhielt er eine« Schlag mit einem Knüttel über den Kopf, der nur deshalb nicht tödlich wirkte, weil der Meister den Arm schnell erhob. Der Uebersall wurde von dem sünszehn Jahre alten Lehrling des Meisters ausgeführt, der auf Anstisten eines älteren Kameraden, eines übelbeleumundeten Für- sorgezöglings, gehandelt hatte. Die Mordbuben beabsichtigten die Familie des Bäckermeisters zu ermorden und dann mit dem geraubten Gelde nach Amerika z« entfliehen.'
Die Tragödie eines Prinzen.
Madrid. 7. Juni. (Privat-Tele- gramm.) Wie verlautet, war die Operation, die dieser Tage an dem spanischen Jnfanten Jaime vorgenommen wurde, sehr ernster Natur. Das nun aus dem Ohr entfernte Gewächs war durch die obere Röhre fast b is zum Gehirn vorgedrungen und infolgedessen litt der Prinz seit seiner Geburt an einer Verhinderung der Entwickelung des Gehirns und damit auch der Sprache. Sobald er sich erholt haben wird, soll er in die Behandlung eines Freiburger Spezialisten gegeben werden.
MMWMMMM IMlkN.