Casseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Sonnabend, 8. Juni 1912
Nummer 154.
Fernsprecher 951 und 952.
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Mrnschen-Lragodien.
„3m Spital dem Hungertod erlegen!"
In St. Ingbert im Pfälzerland ist an einem der letzten Tage ein Mensch Hungers gestorben: Er gab im Spital seinen Geist auf, da der steche Körper infolge mondelanger Entbehrungen so geschwächt war, datz er keinerlei Nahrung mehr aufzunehmen vermochte. Wenn die Tragödie in Rußlands Steppen oder in den Eiswüsten Sibiriens sich ereignet hätte, würde man sie wohl ebenfalls betrauern, aber sie wäre dann doch erklärlich und man würde in der Erkenntnis der Ursachen die Schuldfrage zu beantworten vermögen: Die Pfalz aber ist nicht Rußland, nicht Sibirien, und es klingt wie eine Kunde aus des Mittelalters Dunkel, wenn man vernimmt, daß inmitten der grünen Pracht des Frühlings, in einem Land voll Wohlstand und Glück, ein Mensch Hungers sterben mußte. Man fragt nach den Ursachen der Tragödie, und schaut in das Düster der sozialen Not, in die tiefften Tiefen menschlichen Elends und menschlicher Unbarmherzigkeit. Der Arbeiter Mötsch, den im Spital zu St. Ingbert der Tod aus den Krallen des Schicksals erlöste, war ein I n- valide ohne Rente, dem irgend ein Zufall (oder eine Nachlässigkeit) den Anspruch auf Versorgung geraubt hatte. Vor Jahren Portier, geriet er wegen einer Bagatelle mit dem Strafgesetz in Konflikt und büßte die Schuld im Gefängnfts.
Und nun beginnt die Tragödie: Der aus dem Kerker Heimkehrende findet nirgends Unterkommen, nirgends Beschäftigung; das Brandmal des Gefängnisses versperrt ihm alle Türen, und trotzdem die Schuld nach dem Willen des Gesetzes und nach dem Urteil der Gerechtigkeit gesühnt: Die Verachtung der Mitwelt verfolgt den Bestraften auf allen Pfaden. So bleibt nur die Rettung auf die Landstraße, die Zuflucht zu Bettel und Vagabundage ? Zwei Jahre hindurch ist die Landstraße die Heimat des alternden Mannes; die Gemeinde kümmert sich nicht um ihn und den Fürsorge-Vereinen bleibt er, der Landstreicher, ein Unbekannter. Er kommt körperlich immer mehr herunter, nächtigt als siecher Greis bei Regen und Kälte im Wald oder am Straßenrand und wird wiederholt als Halbverhungerter bewußtlos aufgefunden. Kurz nach Pfingsten brachte man ihn endlich von der Landstraße nach St. Ingbert ins Spital. Aber es war beretts zu fpät: Der vom Elend, vom Hunger und von der Not zermürbt« Kör- per konnte keine Speise mehr vertragen, und nach drei Tagen kam, als Erlöser, der Tod!
Die Tragödie dieses Landstreichers ist eine surchtbare Anklage wider Staat und Gesellschaft, denn sie enthüllt die Unzulänglichkeit der staatlichen und gesellschaftlichen Gesetze inbezug auf den Schutz des Menschendaseins gegenüber den Härten des sozialen Elends in ihrer ganzen Größe, und offenbart gleichzeitig, wie wenig wirkliche Menschlichkeit eine Zeit beherrscht, die sich das „Jahrhundert der Kultur und Humanität" nennt. Den verhängnisvollen Anstoß zur Schicksalwendung im Dasein des verhungerten Invaliden Mötsch hat (wie in Tausenden von andern Fällen) der K onflikt mit dem Strafgesetz und die darauf folgend« Gefängnisstrafe gegeben, die wie ein Allen sichtbarer Makel den entlassnen Sträfling durchs ganze Leben verfolgt, ihn auf die Landstraße gehetzt und schließlich dem Elend und dem Verderben in die Arme getrieben hat. Der »Vorbestraft«" war für die Welt bürgerlicher Moral erledigt; für ihn gab's weder Arbeit noch rettend« HUfe, der Name im Strafregister machte noch den verlumpten Va- gabonden auf der Landstraße dem patrouillie
renden Gendarmen verdächttg und die Heimatgemeinde war ftoh, als sie die aus dem Un- terftützungswohnfitzrecht sich ergebende Pflicht zur Hllfeleistung für den dem Kerk«r Entronnenen anfechten konnte.
WUHelm Voigt, der rathaus-erobernde Schuster-Hauptmann von Köpenick, hat vor der Berliner Straflammer seinen Richtern erzählt, wie furchtbar das Verhängnis einer in der Jugend erlittnen Vorstrafe auf ihm gelastet habe; wie es ihn verfolgte von einer Stadt zur andern und ihn immer wieder, wenn er Rettung zu sehen glaubte, hinwegscheuchte aus den Reihen der bürgerlichen Gemeinschaft. Wilhelm Voigt strahfte aber selbst im Unglück noch ein Schimmer des Glücks und er rettete sich schließlich doch vor den Krallen des Schicksals in einen stillen Winkel, wo Menschengüte und Mitleid ihm Schutz gewährten. Der Invalide Mötsch sand nur den Weg zur Landstraße, aus dem er, der Geächtete, zwar keine Heimat, aber doch dürftige Zuflucht fand, bis der Tod ihn auch dieser Zuflucht beraubte.
Daß im zwanzigsten Jahrhundert, mitten im Strahlcnglanz moderner Kultur, ein Mensch, ein Wesen wie wir alle, an Hunger, am Mangel der allerbescheidensten Lebensnotwendig- keitcn elend zugrundegeht, ist etwas so Furchtbares, Unfaßbares und Erschütterndes, daß das menschliche Empfinden sich aufbäumt bei dem Gedanken, mitschuldig geworden zu sein an einem Verbrechen, das Unverstand, Mitleidlosigkeit und Herzenshärte an einem armen Wehrlosen begangen, und die flammende Anklage, die aus dieser düstern Menschentragödie aufblitzt, wird zur Stimme des eignen Gewissens, wenn wir uns sagen müssen, daß Menschenschuld es war, die den Sträfling Mötsch auf die Landstraße hinaustrieb, um den Geächteten dort ... dem Verbrechen oder dem Elend auszuliefern! F. H.
Ter Lukel und sein Neffe. Eduard der Siebente und Deutschland.
In London ist gestern der erste Eraän- zungsband des großen Sammelwerkes „Nationale Biographie" erschienen. Das neue Buch enthält einen sehr interessanten, dreiundsechzig Setten langen Artikel über König Eduard den Siebenten, aus der Feder Sir Sidney Lees, des Herausgebers des Werkes. Der Verfasser, der angeblich Zugang zu bisher für niemand offenen Quellen hatte, schildert den verstrrbenen König weniger als einen großen Staatsmann, denn als einen klugen Kopf und Weltmann von Takt, der während der langen Regierung seiner Mutter gezwungen war. eine untergeordnete Rolle mit Würde zu spielen. Königin Victoria war stets dagegen, daß der Prinz von Wales in irgendwelche Staatsgeschäste, besonders solche internationaler Natur, eingeweiht werde, weil es ihm an Diskretion mangele und "er nicht imstande sei, seinen Freunden Staatsgeheimnisse vorzventhalten. Schon in früher Jugend entwickelte Eduard eine auflallende Sorgfalt für sein Aeußeres, die ihn später tonangebend auf dem Gebiete der Herrenmode machte. Im Alter von fünfzehn Jahren erhielt der spätere König ein Taschengeld, das er zumeist sür Krawatten, Hüte und dergleichen ausgab. Für die Wahl seiner Anzüge war damals seine Mutter noch entscheidend. Er war zwanzig Jahre alt, als sein Vater starb. Aber Königin Viktoria konnte selbst in dem Manne von dreißig, vierzig und fünfzig Jahren nur ihr Kind sehen, daS der mütterlichen Aufsicht bedurfte. Sie überließ ihm ganz gern zeremonielle Funkttonen, die ihr lästig waren, aber ernstlichen Mitarbeiter in den Regie- rungSgeschästen lehnte sie ihn stets ab. Sehr interessant ist, was Sidney Lee über Eduards
Verhältnis znm Deutsche« Kaiser, seinem Neffen, zu sagen hat: „Des Prinzen Sympathien gehötten seiner Schwester, der Kaiserin Friedttch, und er ärgette sich ost über die „grausame Indifferenz Bismarcks gegenüber ihren Gefühlen". Die Lage wurde noch komplizierter, als Wilhelm der Zwette Deutscher Kaiser wurde. Seine unbeugsame Haltung gegenüber der Kaiserin Friedrich war sehr geeignet, Onkel und Neffe einander zu entfremden. Aber die angeborene Liebenswürdigkeit Eduards ließ eine dauernde Verstimmung nicht auflommen. Als der Kaiser im Jahre 1890 Bismarck entlassen hatte, schien es den Fernstehenden, als entwickle sich zwischen dem Neffen und Onkel eine persönliche und politische Eifersucht, die störend auf die Beziehungen der beiden Nationen wirkte. Dies« Ansicht War indessen völlig falsch. Es kam Wohl dann und wann mal zu Reibungen zwischen den Verwandten, aber nie zu einer wirflichen Entfremdung." Mtt Bezug aus die innere Politik weiß Sidnev Lee nrttzuteilen, daß sich König Eduard niemals mit der Ernemnmq Lloyd Georges zum Minister befreunden konnte. Er hielt ihn für zu taktlos und verwegen. Auch Winston Churchill, der jetzige Marineminister, schien ihm als Staatsmann unmöglich. Sir Sidney Lee sagt zum Schluß: König Eduard war trotz einiger vorhandener Mißverständnisse von auftichti- ger Zuneigung zu Kaiser Wilhelm erfüllt und war von wirklicher systematischer Feindschaft gegen Deutschland weit entfernt. Und wenn er auch eine persönliche Vorliebe für Frankreich besaß, so war er doch nicht direkt verantwortlich für die Politfl der Entent« Cordiale.
Freiherr von Frffa ertrontt!
„Zustand ernst, aber nicht hoffnungslos!"
Wie wir schon in unfern gestrigen Abend- Depeschen berichteten, hat der Präsident des Abgeordnetenhauses, Freiherr von Erfsa, auf seinem Schlosse Wernburg bei Pößneck einen schweren Schlaganfall erlitten; er liegt seit Sonnabend bewußtlos. Schon zu den Pfingstfeiertagen fühlte sich Freiherr von Erffa nicht ganz wohl. Am vergangenen Sonnabend erlitt er einen deratt schweren Schlaganfall. daß er die aanz« Zeit über bis beute
bewußtlos darnieder liegt. Der Umstand, daß man die Erkrankung bisher verschwiegen hat und auch jetzt noch wenig in die Oeffentlich- keit dringen läßt, wird allgemein als ein Beweis dafür angefehen, daß die Erkrankung ernstester Natur ist. Wir wandten uns heute früh mit einer telegraphischen Anfrage an die Familie des erkrankten Präsidenten und erhielten daraufhin folgende Drahtantwort:
*
SchloßWernburg,7. Juni.
Au die Casseler Neuesten Nachrichten Cassel.
Der Zustand meines Vaters ist zwar sehr ernst, aber nach dem Urteil der behandelnden Aerzte nicht hoffnungslos. Seit heute früh leichte Besserung erkennbar. von Erffa.
Freiherr Hermann von Erffa steht im achtundsechzigsten Lebensjahre. Er gehört dem Ab- geordnttenhause seit 1885 'als Verteter des Landtagswahlkreises Schlesingen - Ziegenrück an. Nachdem der frühere Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, von Kröcher, zurückgetreten war, präsentiette die kon- servative Fraktion Herrn von Erffa als Präsidenten, und beim diesjährigen Zusammentritt des Landtags am vierzehnten Januar dieses Jahres wurde er mit 347 Stimmen gewählt. Da das Abgeordnetenhaus am heutigen Freitag noch zu einer oder zwei Sitzungen zusammentritt, ehe es in die Sommerferien geht, werden die Vizepräsidenten die Geschäfte allein zu führen haben.
M Drama im Parlament.
Nach den Skaudalen r Revolverschüsse!
Den Stürmen im ungarischen Abgeordnetenhaus ist nun die Katastrophe gefolgt: Nach dem Skandal di« Tragödie! Trotz, dem die Vorgänge im Parlament die Stirn, mung im Lande selbst kaum beeinflußt haben, hat der Gewaltstreich des Abgeordnetenhaus- Präsidenten Grafen Tisza in parlamentarischen Kreisen die Leidenschaften umso mehr erhitzt und waS zu befürchten war, ist eingetreten: Die furchtbare Erregung der letzten Sturm, und Kampftage hat zur verhängnisvollen Explosion der Leidenschaften, zu einem Verbrechen 'geführt, wie es in der Parla. mentsgeschichte fast nicht seinesgleichen hat. Ein Wgeordneter der vom Grafen Tisza bru. tal unterdrückten Opposition hat heute auf den Präsidenten ein Revolveratt«ntat verübt und dann, als der Anschlag fehlschlug, Selbstmord begangen. Wir erhalten über die sensationellen Vorgänge folgende Draht. Meldungen:
Budapest, 7. Juul.
(Privat-Telegramm.)
Im ungarischen Abgeordnetenhause gab heute kurz nach der Eröffnung der Sitzung der Abgeordnete Julius K o v a c z auf den Präsidenten Grafen Tisza mehrere Revolverschüsse ab, ohne den Präsidenten zu treffen. Sodann schoß der Attentäter zweimal aus sich selbst und verletzte sich schwer. Kovarz starb wenige Minuten später. Der Vorfall tief im Parlament ungeheure Erregung her. vor. Die Mitglieder der Oppositionspartei, deren Angehöriger der Attentäter Kovacz war, versuchten die Präsidententribünc zu erstürmen und einen Augenblick schien eS, als solle das Parlament der Schauplatz eines wilden Kamp, ses zwischen den Abgeordneten der Regie- nrngspartei und der Opposition werden. Als die ersten Schüsse fielen, herrschte im Hause Todesstille; alles war wie gelähmt von Entsetzen, und erst als Kovacz dir Waffe gegen sich selbst richtete und blutüberströmt zu Boden sank, brach der Sturm los. Tie Leiche Kovacz, der in den Armen seiner Parteigenossen nach wenigen Minuten seinen Geist aufgab, wurde von den Mitgliedern der Oppositionspartei in feierlichem Zuge aus dem Saal ge. tragen. Bald daraus schloß Graf Tisza, der im Augenblick der Katastrophe bleich und regungslos auf seinem Platze gesessen hatte, die Sitzung. Ganz Budapest ist in Aufregung und man befürchtet den Ausbruch von Unruhen. In aller Eile wird Militär zu- fammengezogen.
Bor der Katastrophe.
(Privat-Telegram m.) Budapest, 7. Juni.
In Budapest und ganz Ungarn herrschte gestern infolge des Fronleichnamstags die größte Ruhe. Aus der Arbeitspartei ist ein einziges Mitglied, das mit dem Vorgehen des Grafen Tisza nicht einverstanden ist, ausgetreten. Der gestrige ungarische Minister- rat stellte die Tagesordnung des Magnatenhauses fest. Die oppositionellen Parteien werden ein Manifest an die Nation erlassen, in dem sie ihr Verhalten rechtfettigen und erklären, daß die in den letzten Tagen
beschlossenen Gesetze ungültig sind. Die Opposition beschloß gestern abend, heute wieder in geschlossener Gruppe zum Parlament zu ziehen. Die Regierung ist entschlossen, den Rest der Vorlagen, vor allem die Revision der Hausordnung, in beschleunigtem Tempo durchzubringen und dann das Haus bis zum Herbst zu vettagen.
MassenmigM bei Wien.
Verhängnisvolle Explosion in einer Pulver» abrik; Leichtsinn als Ursache irr Katastrophe ; bisher dreißig Leichen geborgen!
(Privat-Telegram m.)
Wien, 7. Juni.
Heute früh einviettel neun Uhr hat sich in der Nähe der Wiener Neustadt,- in MüllerS. d o r f, eine schwere Pulver-Explosion ereignet, die eine große Panik hcrvorrief. Insbesondere würden die Neustadt, sowie die Rurorte Baden und Vösla alarmiett: Das „Objett 48" der Munitionsfabriken von Mül- lerSdorf war vollständig in die Luft geflogen, sodaß keine Spur des Pulver- gebändes auf dem Erdboden mehr übrig blieb. Die Explosion soll dadurch enfftanden fein, daß eine größere Quantität Pulver offen auf ein Militärautomobil verladen wurde. Von den leitenden Beamten fand man von einem Ober-Offizial nur noch den goldenen Rockkragen. Dreißig Leichen wurden bisher unter den Trümmern hervor, gezogen. Die Erschütterung durch die Explosion war so intensiv, datz sie in Wien v«r- spütt wurde. Selbst das alte Schönbrunner Schlotz bebtt, sodaß sich Kaiser Franz Joseph nach der Ursache der Erschütterung erttmdigte. Im Verlaufe der Aufräumnngs- arbeiten an der Unsallstätte fand man noch mehr Leichenteile, woraus geschloffen wird, daß die Zahl der üet der Katastrophe ums Leben gekommenen Personen weit größer ist, als die ersten Rachttchten vermuten lassen.
M Milder endlich gefaßt?
Eine neue Verhaftung in derZigeuner-Mord» assäre in der Rhön; die Gebrüder Ebender aus dem Zuge entsprungen; beide in Haft-
Seit einigen Monaten find be- kamttlich ganz Hessen und die angren- zenden Landesteile durch das Zi- geunerunwesen beunruhigt. Bor einigen Monaten wurde der Förster Romanus in Riesig bei Fulda von Zigeunern im Walde bei Kämmerzell ermorbet, ohne datz eS bisher gelungen wäre, der Mörder habhaft zu werden. Es wurden auf die Zigeuner durch Militär und Gendar- merie förmliche Jagden' veranstal- tet, die des Mordes verdächtigen Zi. geuner, die Brüder Ebender, konnten aber nicht ermittelt werden. Jetzt geht uns über ein« neue »er. Haftung aus Frankfurt am Main folgender Drahtbericht zu: Abermals wird die Nachricht von einer Verhaftung der Brüder Ebender bekamtt, und diesmal scheint es so, als ob man wirklich die Richtigen erwischt hätte. Am Mittwoch entdeckte ein Schaffner in dem Zuge von Bingerbrück nach Frankfurt zwei Zigeuner, die falsche Fahrkatten hatten. Der Schaffner wollte die beiden, die ihm verdächtig vorkamen, in Raunheim vorführen lassen; kurz vor der Statton sprangen ste je- doch aus dem fahrenden Zuge und entflohen in den Wald. Da man sofort an die Bruder Ebender dachte, wurde gleich die ganze Gegend alarmiert. Bei einem Stteiftzug durch die Wälder fand man jedoch nichts. Am Gestern morgen nun sah der Bauunternehmer Jakob Ritzeri in Bischofsheim vor seiner Villa die beiden Gesellen austau- chen. Er stellte ste zur Rede. Da der «me über dem Auge eine große Narbe hatte, me in der Personalbeschreibung des gesuchten Mörders Ebender angegeben ist, so sagte er dem Manne auf den Kopf zu: ,Si« sind der Mörder Ebender!" Der Zigeuner zog darauf seinen Hut tiefer ins Gesicht und flüchtete mit seinem Genossen dann querfeldein nach dem Main zu. Ritzert begab sich in das Haus, um sein Jagdgewehr zu holen und machte sich sofort zur Verfolgung der beiden auf. Inzwischen hatte Frau Rrtzett telepho nisch Hilfe herbeigerufen und so wurde dann von allen Seiten die Verfolgung aufgenommen. Schließlich gelang es auch, die beiden braunen Gesellen in einem Acker f-stzuney- men. Sie wurden gefesselt zunächst nach