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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 6. Juni 1912

Nummer 152.

Fernsprecher 951 und 952.

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Parlaments-Skandal.

Ein Gewaltstreich des ungarischen Abgeordnetenhans-Prafi. denten; Polizei im Parlamentssaal; die gewaltsame Ent­fernung der Opposition; Skandalszenen und Handgemenge.

Sie Sühne für Müllheim.

Zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis!

Wie wir an anderer Stelle ausführ­lich berichten- ist gestern in später Abend­stunde in, -vrozetz wegen de« Müllheimer Eisenbahn.Lnglücks das Urteil ge- sprachen worden. Der Angeklagte Platte« wurde wegen fahrlässiger Tötung, schwerer Körperverletzung und Gefährdung eines Eisenbahntransportes zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt. Zehn Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. Der Zugführer D ähr wurde ,u sechs Monaten Gefängnis ver­urteilt. Der Heizer Männle wurde von der Anklage freigefprochen.

Vierzehn Menschenopfer als Tribut an das Verhängnis; dreizehn Schwerverletzte und über zwanzig andre, die das Unglück mit leichterer Hand streifte: Das ist die blutige Rechnung des Dramas im Badener Land, das uns wie­der jäh und erschütternd die Erkenntnis offen­barte, wie unzulänglich und schwach imgrunde alles menschliche Streben gegenüber der Wucht unwandelbarer Naturgesetze ist, und wie wenig sicher wir vor der Hand des Unglücks selbst dort sind, wo grübelnder Menschengeist die Erfahrungen von Jahrzehnten als Siche­rung gegen das Verhängnis aufgedämmt hat. Als die erste Schreckenskunde durchs Land flog, hieß es, die Luftbremse des Unglückszugs habe an der verhängnisvollen Stelle versagt, und das Unglück sei demgemäß auf einen be­dauerlichen Zufall zurückzuführen, den zu ver­hindern menschlicher Ersindungsgeist bisher nicht ausreichte. Dann wieder wurde uns ge­sagt, daß an der Stätte des Unhells seit Wochen Unterführungsarbeiten vor­vorgenommen würden, und daß deshalb die Annahme berechtigt erscheine, die Druckstcherung unter der Erde habe der plötzlichen Riesen­belastung durch den in voller Fahrt heranbrau­senden Zug nicht genügenden Widerstand ent­gegenzustellen vermocht, sei zusammengebrochen und habe den Unglückszug wie in einer Stell­grube gefangen. Und zum Schluß vernahm man dann, der Lokomotivführer und der Hei­zer seien unter dem dringenden Verdacht ver­haftet worden, durch vorschrtftwidrig schnelle Fahrt vor der Station die Kata­strophe verschuldet zu haben. Gestern in später Abendstunde hat nun die Gerechtigkeit ge­sprochen: Zwei Jahre und zehn Mo­nat« Gefängnis sind die Sühne der Schuld von Müllheim, die vierzehn Menschen­leben vernichtete.

DaS Gericht hat in dem langen Prozeßverfahren alle Begleitumstände der Katastrophe sorglich aufzuhellen versucht, alle Schuld- und Belastungs - Momente gewifleuhaft geprüft und ist aufgrund einer peinlich gewissenhaften Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung gelangt, daß nicht der Zufall, nicht eine unglückliche Schicksalfügung, sondern lediglich Menschenschuld für das Unglück des siebzehnten Julttags verantwortlich zu machen ist. Die Strecke Basel-Freiburg-Frank- surt ist eine der belebtesten im süddeutschen Eisenbahnnetz, wird von Zügen aller Gattun­gen in rascher Folge befahren und vermittelt einen Verkehr, wie ihn stärker kaum eine Haupt­linie des deutschen Eisenbahnnetzes zu bewäl- ttgen hat. Auf dieser Strecke sind nun (wie in der Beweisaufnahme festgestellt worden ifi) am Tag des Unglücks wiederholt grobe Verstöße gegen die dienstliche Pflicht und die Sicherheit des Fährbetriebs vorgekommen; der Lokomotiv­führer war außerstande, die ihm obliegenden Dienstverrichtungen sachgemäß zu erfüllen, weil er Alkohol genossen hatte, und der mitange- Nagte Zugführer hat es ebenfalls an der er­forderlichen Umsicht und Zuverlässigkeit in der Erfüllung dienstlicher Pflicht mangeln lassen: Sühne: Zwei Jahre und zehn Monate Ge­fängnis ! Man ist im deutschen Eisenbahnbetrieb an Ordnung und peinlichste Beachtung der für die Betriebsicherheit geltenden Vorschriften gewöhnt, und unsre Eflenbahnverwaltung hat auch den guten Ruf, der st« in dieser Hin­sicht gegenüber den Verwaltungen ausländi­scher Bahnen auszeichnet, bisher zu rechtferti­gen verstanden.

Der Müllheimer Prozeß hat mit er. freulicher Deuüichkeit ergeben, daß die Annahme. als sei das Unglück auf Unzulänglichketten der technischen Orgamsa- tton oder durch Disposittonsmängel der Ei­senbahnverwaltung verursacht worden, un­haltbar ist. Es war für die Oeffentlichkeit von Jnterefle, zu erfahren, welchen Mängeln, welcher Nachlässigkeit, oder welcher Leichtsinn- Schuld die vierzehn Menschenleben geopfert werden mußten, die am siebzehnten Juli des Vorjahrs im Chaos des Schreckens grauen­vollen Tod fanden, und grade die Oeffentlich- kett hatte auch ein Recht zu der Forderung, daß die Urlacke der Katastrophe schnellstens

Im ungarischen Abgeordnetenhause haben sich gestern Skandalszenen, ereignet, wie sie in der Geschichte der Parlamente bisher kaum vorgekommen sein dürsten. Der Präsi­dent des Hauses, Graf Tisza, hat mit eiserner Energie und mit Hilfe der bewaffneten Macht die Obstruktion der Opposition, die so lange Zeit jede ersprießliche Tätigkeit des Parlaments unterbunden hat, niedergerungen. Unter furcht­barem Lärm wurde das Wehrgesetz in erster, zweiter und dritter Lesung angenom. men. In der Nachmittags-Sitzung erreichten die Lärm-und Skandalszenen dann den Höhe­punkt, und es ereigneten sich Szenen, die das Parlament als solches entwürdigten und Un­garn vor aller Welt bloßgestellt haben. Wir erhalten über die gestrigen Vorgänge folgen­den telegraphischen Bericht:

Die Polizei räumt den Saal!

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 5. Juni.

Nachdem in der Nachmittagssitzung, die um vier Uhr ihren Anfang nahm, die Oppo­sition erneut die Sitzung durch wüsten Lärm gestört, und Präsident TiSza bereits dreimal die Sitzung suspendiert und wieder eröffnet hatte, rief er die P o l 1 z e i in den Saal, die in einer Stärke von hundert- zwanzig Mann erschien und die Oppo­sition umzingelte. Es entstand ein Handgemenge. Der Polizeiinspektor erhielt vom Präsidenten eine Liste mit den Namen von einundzwanzig Abgeordneten und den Auftrag, diese wegen Ruhestörung aus dem Parlamentsgebäude zu entfernen. Als erster wurde Johann Justh, der Sohn des Parteiführers, aufgefordert, den Saal zu ver- laiffen. Dieser, als er sich weigerte, und Graf Michael K a r o l y, der ihm zu Hilft« eilte, wurden mit Gewalt aus dem Saale ent­fernt. Inzwischen hat der Präsident zwei an­dere Abgeownete notiert und es werden jetzt der Reihe nach fünfundzwanzig Mitglieder der Opposition aus dem Saale entfernt. Der evangelische Seelsorger, Abgeordneter Csuba, wurde verhaftet, weil er sich an den Po- ltzisten täklkch verging. Die meisten Abgeordneten verließen den Saal ohne Wi­derstand. Dann eröffnete der Präsident von neuem die Sitzung. Wieder begann ein furchtbarer Tumult mtt Pfeifen und Klatschen. Der Präsident suspendierte abermals die Sitzung und ließ jetzt durch die Polizei weitere fünfzehn Abgeordnete hinaus, führen, was unter furchtbarem Lärm geschieht. Als die Sitzung wieder eröffnet wird, wurde der Präsident mit Pfuiru­fen empfangen. Zum dritten Mal kam die Polizei und «8 wurden achtunddreißig Mttglieder der Opposition hinauSgeschafst.

Las geschändete Haus.

(Pridat-Telegramm.)

Budapest, 5. Juni.

Die dritte Aussetzung der Sitzung währte eine halbe Stunde. Graf Tisza war umgeben von seinen Freunden, di« eine Art Schutzwehr für den Präsidenten bildeten. AIS Graf Tisza seinen Platz eingenommen hatte, setzte sofort der Lärm seitens der Opposition von neuem ein. Plötzlich öffneten sich beide Flügeltüren des Saales und von jeder Seite erschienen sechzig Polizisten unter Führung von je drei Polizeioffizieren. Einer von ihnen teilte den Abgeordneten mit, daß er den Befehl er halten habe, die Ruhestörer aus dem Saale zu entfernen. Nach diesen Worten entstand unter den Mitgliedern der Opposition eine wahre Panik. Die ganze Partei war heiser, schrie und lärmte aber weiter. Ter erste Abgeordnete, der aus dem Saal geschafft wurde, war der Führer der Opvofition, Julius Justh. Ihm folgte Gras Michael Karolyi, der Schwager des Ministers des Aeußeren, Grafen Berchtold. Er wurde, weil er sich energisch zur Wehr setzte, von Bank zu Bank ge­schleift. Fast alle Mitglieder der Opposition wgrden auf diese Weise aus dem Saal ge­schafft. Als die Sitzung wieder eröffnet wurde, und Präsident Tisza seinen Platz einnahm, er. hoben sich alle Mitglieder der Opposition und verließen demonstrativ den Saal. Graf Ap- ponyi rief be'm Hinausgehen dem Grafen Tisza zu:Ick ierlasse dies geschän. bete Haus'." Rach Abzug der Opposition hielt Graf Tifsa feine Rede, in der et erklärte.

da die Geschäftsordnung ihm keine Handhabe geboten habe, habe er aus eigenen Mitteln das Erforderliche veranlassen müssen, wofür er die volle Verantwortung übernehme. Dann wurde in Abwesenheit der Opposition über das auf der Tagesordnung stehende Wehrgesetz verhandelt, und das Gesetz in erster und zwetter Lesung einstimmig angenommen.

Sos Parlament belagert!

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 5. Juni.

Die aus dem Abgeordnetenhaus entfernten Mitglieder der Opposition versammetten sich in einem nahe dem Parlament gelegenen Kaffeehause. Auch ihre im Sitzungssaale zurückgebliebenen Parteigenossen begaben sich dorthin. Bon hier aus zogen sie korporativ in den Klub der Koffuth-Partei. Nach einer lan­gen Beratung wurde beschlossen, daß die Op­position keineruhigeBeratung im Ab­geordnetenhaufe zulassen werde, folange Gras T i S za Präsident des AbgeordnetenhaufeS und von Luckas Ministerpräsident fei. Die Opposi­tion ist entschlossen, auch in den späteren Sitzungen des Abgeordnetenhauses sich eben« so zu verhalten wie gestern. Alle aus der Sitzung von der Polizei entfernten Abgeordne­ten werden die Verletzung ihrer Jm- munitätsrechte im Abgeordnetenhause anmelden. Für den heutigen Tag sind zur Aufrechterhaltung der Ordnung außerordent­liche Maßnahmen getroffen. Siebenundvier­zig --Jnfanteriekompagnien und acht Eskadro­nen sind aufgeboten, um die verschiedenen Punkte der Stadt zu schützen. Sämtliche Zen­tralstellen der elekttischen Bahn find bereits be­setzt worden und heute ftüh wurden die übri­gen genau bezeichneten Stellen ebenfalls be­setzt. Die Polizeipatrouillen wurden verdop­pelt und jedem Posten wurden noch zwei Gendarmen beigegeben. Der Oberstadt­hauptmann gibt bekannt, daß die Polizei und die übrige bewaffnete Macht, falls die Demon­stranten Verwüstungen anrichten sollten, mit großer Energie Auftreten werden. Die be­waffnete Macht werde, falls fie dem geringsten Angriff ausgesetzt sein würde, nach einem war­nenden Trompetensignal sofort mit der Schußwaffe die öffentliche Ordnung wie­derherstellen.

$ie heutigen Skandal-Szenen.

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 5. Juni.

Das Parlament ist von Militär und Gen­darmerie vollständig umstellt. Die Eingänge zum Sitzungssaal find von starken Polizeiabteilungen besetzt. Kurz nach neun Uhr früh ging die Opposition unter Führung von Justh und Apponyi in den Saal. Unter den Mitgliedern der Opposition befindet sich auch der für dreißig Sitzungstage ausgeschlos­sene Abgeordnete Kovaees, der entschlossen fein soll, mit Gewalt in den Saal einzu­dringen. Gegen halb zehn Uhr vormittags fuhr vor dem ParlaMentSgebärwe der ReichStagspräfident Graf Tisza, beglei­tet von feiner Gattin, vor. Bald darauf betrat Graf Tffza den Saal, und um halb elf Uhr eröffnete er unter kolossa. lern Lärm die Sitzung. Die Oppositionellen bedienen sich der Sirenenpfeifen und an­derer Lärminstrumente. Justh ruft: Tisza sei ein elender Schurke. Polonyi, der frühere Mi­nister, schreit:Ihr habt Staatsgelder veruntreut" und (zum Ministerpräfidenten gewaiwt):Sie find der größte Schurke!" Der Abgeordnete KlinSki ruft zum Ministerpräsidenten:Dieser Schurke hat uns schon einmal hineingele^, Euch wird tr auch noch einschmieren." Unter dem ungeheuren Lärm kann der Präsident sich nicht verständlich machen und hebt schließlich die Sitzung auf. Graf Tisza verläßt den Saal. Der Minister­präsident bleibt und wird von der ganzen Op­position beschimpft. Ausdrücke wieElen­der Schurke" und fo weiter sausen auf ihn her­nieder. Ter ohrenbetäubende Lärm dauerte eine Viertelstunde, worauf Polizeiinspektor Pavlick, begleitet von fünfzig Polizisten, im Saal erfcheint und die oppositionellen Abgeordneten, mit Justh an der Spitze, hinausschleppen läßt. Di« Lärm- Sreuen dauern fort

und überzeugend aufgeklärt wurden. DaS ist nun geschehen, und es kann kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß Fahrlässigkeit daS Un­heil verschuldet hat. Rein menschlich betrachtet, mag der gestern zu langer Frei- heitsstrase verurteilte Lokomotivführer Plat­ten gewiß Anteilnahme wecken, denn die Tat­sache, daß er am Morgen des Unglücktags Alkohol genossen, ist an sich nicht so schwer­wiegend, als daß ihn schon deshalb des Gesetzes ganze Hätte hätte treffen müssen. Der Dienst, den der Mann auf der Lokomo­tive bei stärkster Anspannung aller Nerven durch lange Stunden zu versehen hat, ist schwer und anstrengend, und die Gesetze der Natur können durch kein Dienstreglement außer Kraft gesetzt werden. Aber auch die Pflicht fordert ihr Recht, und sie darf nicht darunter leiden, wenn die Natur versagt DaS aber ist die Sünde von Müllheim, und deshalb wird man in dem spätabendlichen Spruch des GettchtS den Willen der Gerech­tigkeit achten müssen, selbst wenn mensch­liches Empfinden zu milderer Beurteilung der Menschen-Schuld geneigt sein sollte.

F. H.

Um Mels Alte Mühle.

Das Schicksal der Alte« Mühle; ei« Vor- schlag i« elfter Stunde; die Alte Mühle als Bootshaus; ei«e Stimme für de« Abbruch.

In öffentlicher Stadtverordneten­sitzung wird morgen der Magistrat den Stadwerordneten einen Vorschlag unter­breiten, über den dieCasseler Neuesten Nachrichten" bereits ein­gehende Mitteilungen gebracht haben. Es handelt sich darum, anstelle der abzu- brechendenAlten Mühle" am Fulda- strand ein Bootshaus für einen Cas­seler Ruderverein zu erbauen. Mit der Annahme oder Ablehnung dieser Vorlage fällt oder steht dieAlte Mühle", und damit tritt die Frage der Erhaltung die­ses altehrwürdigen Bauwerkes in daS entscheidende Stadium. In letzter Stunde geht uns heute eine Zuschrift von sehr geschätzter Seite zu, die einen Vorschlag enthält, der von gänzlich neuen Gesichtspunften auSgeht:

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Gedanken und Anregung für die Entfer­nung der im Volksmundr dieAlte Mühle" genannten Unterneu st ädt«r Mühle gab der vor etwa neun Jahre« erfolgte Plan der Fulda-Regulierung. Seit dieser Zeit hat sich durch die Eddettalsperre, sowie auch durch den Bau der neuen, pfellerlosen Brücke eine wesentliche Umänderung der Si­tuation ergeben, die jene Absicht, die Mühle abzubrechen, als nicht unter allen Umständen mchr notwendig erscheinen läßt. Dem K u l- tnsminister ist seinerzeit von der Absicht, di«Alte Mühle" zu entfernen, keine Kenntnis gegeben worden und er hat jetzt auf dringende Vorstellungen der an der Er­haltung deS Bauwetts intereffietten Kreise mit großer Entschiedenheit seinen festen Wil­len für ihre Erhaltung dem Magistrat gegen­über kund getan. Wir machen heute den fol- genden neuen Vorschlag: Als Ganzes gesehen, stellt die Mühle in ihrem heutigen Zustande einen großen Schuppen dar, dessen Hauptwett sich für unsere Wasserstraße in fei­nem malerischen Abschluß für den Blick von der Stadtsette her darstellt. Ein Boots­haus, wie es die Stadt dem Minister und auch der Versammlung der Stadtverordneten vorschlägt, würde in der Hauptsache außer ge. wissen Klnbräumen, Garderoben und gegebe­nenfalls einer Restauration, verbunden mit Heinen Wirtschaftsräumen keine weiteren we­sentlichen Räumlichkeiten aufweisen. Ich ma­che daher in letzter Stunde den Vor­schlag, die Mühl« unter Erhaltung ihres gesamten äußere« Eindrucks und ihrer Linie im Innern für die Zwecke eines Bootshauses auszugestalten. Es wird dabei erreicht, daß dem gewiß berechtigten Verlange« der Erhol- tung dieses außerordenllich charakteristischen Baues Rechnung getragen wird und wir find versichert, daß die fi­nanzielle Seite in der angeregten Weise den beteiligten Verein weniger belasten würde als der Vorschlag des Stadtbauamtes. Jedenfalls wird dann die Mühle er­halten und gleichzeitig das zur Hebung des Wassersports auf der Fulda notwendige Bootshaus in einer jedem Natur­freunde "gefälligen Ausführung geschaffen. Sollte der Grundrißausmaß der Mühle als ungenügend bezeichnet werden, was wir aber bezweifeln, so liegt kein Grund vor, durch seitliche Ausbauten, die sich gegen die Unterneustädter Sette hin erstrecken, die erfor­derlichen Räume zu erlangen, ohne die Gesamt­situation zu stören. Wir machen bei dieser legenheit auf die schönen malerischen Wasser­straßen der Stadt Lübeck und anderer Städte aufmerksam. Dori find die alte«, hochgiebliaen