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CaMer Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 151.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 5. Juni 1912.

Fernsprecher 951 «nd 952.

2. Jahrgang.

Werden wir hhfterisch...?

Das Jahrhundert der Hast und Unruhe.

Werden wir hysterisch?" Die Frage klingt seltsam in einer Zeit, die das Jahrhundert der Nervosität genannt wird, und es überrascht deshalb auch einigermaßen, daß Gebhard Knoop im MünchnerMärz" die bange Frage mit Erscheinungen in Verbindung bringt, deren krankhafte Art unserm Auge fast nicht mehr erkennbar ist, weil wir das Natürlich- Gesunde, das Einfach-Ruhige, mit einem Wort: DasEinst" bereits längst aus dem Blickbereich verloren haben. Es ist sicherlich nicht unwichtig, der Entwicklung der nationa­len Psyche sorglichste Aufmerksamkeit zu wid­men, und es kann uns nicht gleichgültig lassen, wenn Strömungen und Einflüsse sich geltend machen, die die Gefahr einer Schädigung der Volkspsyche in sich bergen. Gebhard Knoop sieht diese Gefahren bereits dicht über unfern Häuptern sich ballen:Die Mutter kann nicht das Kind an die Brust, die Familie den Groß­vater nicht in feinen Sarg legen, ohne sich einer Fülle von Lehren, Meinungen, Aufklärun­gen, Ratschlägen, Theorien und Gegentheorien bewußt zu sein, die von allen Seiten (in öffentlichen Vorträgen, in Zeitungen, in Fami­lienblättern, in Vereinen, Schulen und Kaser­nen) auf den armen Deuffchen des zwanzig­sten Jahrhunderts herunterregnen, bis er, den festen Boden der Tatsachen unter den Füßen verlierend, in einer Flut von Worten hilf­los umhergetrieben wird."

Es läßt sich nicht leugnen: Der Deutsche des zwanzigsten Jahrhunderts ist wirklich ein bemitleidenswerter Erdenpilger, und Herr Knoop hat nicht ganz unrecht, wenn er sagt, daß all unser Sein, unser Tun und Lassen, unser Hoffen und Sehnen schließlichin einer Flut von Worten" umhergetrieben wird, meist, ohne zur reckten Zeit den sichern Strand zu gewinnen. Aber es geht uns ja nicht besser oder schlechter als den übrigen Kulturmen­schen des zwanzigsten Säkulums, das nun ein­mal das Wort in den Mittelpunkt der Dinge stellt und selbst die Tat erst dann achtenswert und beifallswürdig findet, wenn sie ihm im rauschenden Schwall der Worte, mundgerecht präpariert, vors Auge geführt wird! Die Hysterie äußert sich wohl in ähnlichen Formen, wie wir sie am zwanzigsten Jahrhundert als Auswüchse einer bis zum Extrem gesteigerten Unrast beklagen, aber man kann dieseHysterie" nicht nach Nationalitäten oder Völkern abgren­zen, weil sie weder deutsch noch französisch, weder englisch noch russisch, sondern einfach international: Das charakteristische Merk­mal und (wenn man will) die Krankheit unsrer Zeit ist. Oder will Herr Knoop etwa behaupten, daß der Russe oder Amerikaner nicht in der gleichenFlut von Worten hilflos um­hergetrieben wird", in der er trauernden Auges den armen Deutschen zappeln sieht?

Ein weiteres Merkzeichen zunehmender Hysterie erblickt Knoop in der jagenden, rasen­den und nirgend-ruhenden Hast unsrer Zett: In dem Nichtwartenkönnen!Wir ha­ben nicht mehr die Geduld, unsre Kinder ungestört heranreifen zu lassen, wir treiben sie mit Gewalt und vor der Zett in allerlei Inter­essen und allerlei Organisationen hinein und auf Reisen in allen ihren Ferien . . . und soll­ten doch wissen, daß die ruhigste, pflan­zenartige, an einen engen Raum gebundene Jugenderziehung die tüchtigsten Männer ergibt. Wenn Bismarck zwiscken männlichen und weib­lichen Völkern unterschied, so haben die Deut­schen sich auf jeden Fall in dem letzten Viertel- jahrhundert der weiblichen Art genähert und somtt Wohl auch den weiblichen Gleichge­wichtsstörungen des Wesens." Auch mit dieser Klage wandelt Herr Knoop auf der breiten Straße des Rechts: Unsre Jugenderziehung ist wirk!ick dem Ideal längst entfremdet, unsre Jugend, die sich glücklicherweise dazu aufgerafft hat, denbleichen Bücherwurm" mit der Waffe des Sports zu bekämpfen, seufzt unter einer turmhoch gehäuften Last trockner Schulweisheit, und es ist sicher mehr als bloße Ironie, wenn Männer von der pädagogischen Bedeutung Gur- litts und andrer moderner Erziehungsprakttker sagen, die heutige ^chulmäßige Erziehungs­methode sei der gefährlichste Feind der Jugend­frische. Indessen: Das Uebel muß an der Wur­zel gepackt werden, und es genügt nicht, daß wir den Verdacht hysterischer Infektion dadurch abzuwenden versuchen, daß wir wiederwarten" lernen. Staat und Gesellschaft peitschen die Jugenderziehung zur wildesten Energie, und der Effeft ist: Bücherweisheit auf Kosten der Geistessrische und der Jugendkraft! Hier ist nicht hysterische Ueberreizung der Nährboden der Sünde, sondern der Uebereifer, die päda­gogische Treibhauskultnr und das mangelnde

Verständnis gegenüber dem natürlichsten Be­dürfnis der Jugend: Der freien Betätigung jugendlicher Kraft abseits von Buch und Bank.

Die Erkenntnis der Schuld hat aber schon zur Umkehr geführt, und wer heut (und grade imhysterisch kränkelnden" Deutschland) die Heranwachsende Generation am Sonntag bei Flötenspiel und Trommelklang durch die Gaue ziehen sieht, wie sie, im Ahnen werdender Männerkraft, Kriegsspiel und Wehrkampf übt, der steht mit ehrlicher Freude, wie die Jugend von heute sich bereits auf dem Rückweg vom weltfernen und weltfremden Ziel einer un­glücklichen Erziehungsidee befindet, in deren Kalkulation die Natur keinen Platz gefunden hatte. Wir sehen also auf einem Gebiet, in dem alle Hoffnungen deutscher Zukunft wur­zeln, einen Gesundungsprozetz, einen Um­schwung zum Bessern und eine Abkebr vom Prinzip toter Bücherweisheit, und diese Er­kenntnis ist der wirksamste Trost gegenüber dem düstern Pessimismus Knoops, der in seiner Analyse der Psyche des zwanzigsten Jahrhun­derts offenbar Ursacken und Wirkungen nicht sorgfältig genug auseinandergehalten hat. Viel­leicht ist unser Jahrhundert überhaupt hy­sterisch: Manches spricht dafür, und manckes bleibt zu beklagen, aber es ist dann eben der Zug der Zeit", der uns der Hysterie in die Arme führt und unsre Kultur in ihrer feinsten Ausstrahlung zum Verhängnis werden läßt. Hätte Gebhard KnoKp unsre Politik als Produkt der Hysterie -«brandmarkt: Man würde kein Wort dagegen sagen können: das Deutsch­tum als solckeS aber in seinen volkspsycho­logischen Erscheinungen der Hysterie zeihen, ist ungefähr dasselbe, wie wenn man sagen wollte, unser vottrefflicher Spargel sei in Ge­fahr, sich zur Salafftaude zu entwickeln! F.H.

Mittige AeSeitskamyfe in Görlitz.

Die Arbeitswilligen mit den Revolvern.

Unter den Arbeitswilligen einer Wag­gonfabrik in Görlitz kam es in der vergangenen Nacht zu schweren Aus­schreitungen, in deren Verlauf drei Mann durch Revolverschüsfe schwer verletzt wurden; ein Vierter erlitt durch Knüttelschläge einen Schädclbruch. Sämtlicke Verletzten wurden in das Görlitzer Kranken­haus gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingolettet. Ueber den Vor­fall geht uns der folgend« Dr a h t b e r i ch t zu:

Görlitz, 4. Juni.

(Telegramm unser? Korrespondenten.)

Tie Ausschreitungsn in einer hiesigen Wag­gonfabrik haben sich doch nicht als so ver­hängnisvoll erwiesen, als man zuerst ange­nommen hatte. Der ganze Vorfall ist folgen­dermaßen zu erklären: Die Fabrik hatte etwa neunhundert Arbeiter weg«n Lohndiffe­renzen ausgesperrt und zum Ersatz für diese Ausgospertten durch Vermittlung des Agenten Kaczmarek Arbeitswillige von auswärts eingestellt. Unter diesen Ar­beitswilligen, die man allgemein dieKacz- marekleute* nannte, herrschte nun die Furcht, daß sie von den Streikenden wegen ihrer Streikbrecherei angegriffen und über­fallen werden könnten. Sie hatten sich des­halb mit Revolvern bewaffnet. In der vergangenen Nacht kam es nun zwischen die­sen Arbeitswilligen, vermutlich wegen irgend einer harmlosen Rempelei, zu einem Handge­menge, in dessen Verlauf einer der Beteiligten in der Aufregung seinen Revolver zog und fünf Schüsse abfeuerte. Zwei davon gingen fehl, während die übrigen bre^ der an dem Handgemenge Beteiligten verletzten. Sofort wandte sich der Zorn der aufgeregten Arbeiter dem Revolverhelden zu, der die Flucht ergreifen wollte. Man holte ihn jedoch ein und verprügelte ihn so arg, daß er einen schweren Schädelbruch davon- trug. Die Verletzten wurden sofort ins Ho­spital gebracht; ihr Zustand gibt zu Besorg­nissen jedoch keinen Anlaß. Die eigentliche Ursache des Krawalls kann nicht mit Be­stimmtheit angegeben werden, da die Ermit­telungen geheim gehalten und Auskünfte sei­tens der mit der Untersuchung betrauten Be­hörden verweigert werden.

Ungarn vor dem Generalstreik?

Ein Privattelegramm meldet uns aus Budapest: Ein hiesiges Abendblatt be­richtet, daß die Pottzei Informationen erhal­ten habe, nach denen die sozialisttsche Partei, im Falle der Frieden im Parlament nicht zu­stande kommt, heute den Generalstreik in ganz Ungarn proklamieren wird, der morgen früh beginnen soll. Seitens der Be­hörden sind alle noiwendigen Vorsichts­maßregeln getroffen worden. Nus allen

Teilen des Landes wird in Budapest Gendar­merie zusammengezogen, da es nicht ausge­schlossen ist, daß die zu einer Aktton im Ahge- vrdnetenhause unfähige Oppofltton abermals Straßenkrawalle inszenieren wird.

3m Zeppelin über die See.

Das Fiasko des Nordwest Rundflugs.

Der Nordwestdeutche Rundflug scheint tatsächlich mit einem Fiasko enden zu sol­len. Nachdem bereits der erste Tag des Flu­ges die schwere Fliegerkatastrophe brachte, hat das andauernde ungünstige Wetter die wei­teren Flugveranstaltungen bisher unmöglich gemacht und es wird bereits der Gedanke er­wogen, den Flug gänzlich abzubrechen. da ein Gelingen der Veranstaltung kaum noch zu er­hoffen ist. Di« bisherigen Versuche, den Flug dennoch zu ermöglichen, haben sich als Fehl- sckläge erwiesen. Wir erhalten darüber fol­gende telegraphischen Meldungen:

Münster i. W-, 4. Juni.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Wie mir von der Oberleitung des Nord- westdeutschen Rundfluges mitgeteilt wird, ist die erste Etappe Bremen-Münster infolge des ungüwsttgen Wetters erledigt. Die Strecke wurde von keinem Flieger zurückgelegt. Ueber die Fortsetzung des Fluges wird am Diens­tag entschieden werden. Nach einer Mitteilung des in Münster zusammengetretenen Organi­sationsausschusses für den Nordwestdeutschen Rundflug wird das Abstiegen von Münster aus am Dienstag stattfinden. Angesichts der ungünstigen Wetterlage besteht aber di« Ab­sicht, den Flug ganz abzubrechen. Hierzu ist allerdings die Zustimmung aller für den Flug gemeldeten Flieger erforderlich. Zwei Flieger haben bereits ihr Zustim­mung erteilt, die Zustimmung der anderen soll schleunigst eingeholt werden, und es be­steht kein Zweifel darüber, daß all« Flieger btt Ausgabe des Fluges zustimmen werden.

Gras Zeppelins Nebsrsee-FlnZ.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Hamburg, 4. Juni.

DaS neue Zeppelin-LufffchiffZ. III", das mit dem Grafen Zeppelin vor einigen Ta­gen von Friedrichshafen nach Hamburg fuhr, wird heute unter Führung des Grafen Zeppelin einen Ueberfeeslug unter­nehmen und auch die Stadt Wilhelmshaven überfliegen. Der Aufftieg des Lufffchiffs, der der erste Ueberseeflug ist, den ein Zeppelin- Flugzeug überhaupt unternimmt, soll in den ersten Nachmittagsstundcn erfolgen. Das Wet­ter ist sehr günstig und es ist deshalb beabsich­tigt, den Ueberseeflug so weit auszudehnen, als es technisch überhaupt möglich ist. Gelingt der Flug, dann sollen in den nächsten Tagen wei­tere Flüge stattfinden, die wahrscheinlich bis an die flandinavisch« Küste ausgedehnt werden. Graf Zeppelin sprach sich sehr zuversicht- ! i ch über daS Gelingen der Ueberseeflüge aus, die in gewisser Beziehung auch als Probefahrten für die in Aussicht genommene große Nord­landfahrt im Zeppelin-Luftschiff gelten dürfen.

*

Borflüge zur Gordon-Bennet.Fahrt.

Einem Telegramm aus Berlin zufolge sind heut« früh von den zu dem Ausscheidungs- sliegen für die GordoN-Bennett-Fahrt aufge­stiegenen Ballons weiter gelandet: Ballon Osnabrück westlich vom Dcholwiner Leucht- ttrrm, Ballon Franken II nordwestlich von Saleske bei Stolp, Ballon Münster nord­westlich von Scholwin und Ballon Stutt­gart II nördlich von Saleskebrink. Sämtliche Ballons hatten glatte Fahrt und landeten ohne Schwierigkeiten.

Marschall Biberfteins Mchied.

Marschall verlor die Geduld...!" (Privat-Telegram m.)

London» 4. Juni.

Der Korrespondent desDaily Ehroniclr" in Konstantinopel entwirft ein lebhaftes Bild von der gestrigen Abreise des Botschafters Marschall von Biber st ein. Die Ge­leise der Dahn erstrecken sich durch die von dem gestrigen Riesenbrand (Siehe den Artikel:Ter Riesenbrand in Stambul") verheerten Tefle der türkischen Hauptstadt und waren so stark von Rauch und Flammen erfüllt, daß der Zug aufgehalten wurde. Schließlich aber bet. lot bet Botschafter die Geduld und gab Befehl, den Zug weiter fahren zu lassen. Mit voller Kraft fuhr daraufhin die Lokomotive in das Flammenmeer hinein und es gelang auch, die gefährliche Strecke obne ben aerinasten

Unfall zu überwinden. Marschalls Abschied von den türkischen Ministern und dem diploma- tischen Korps gestaltete sich außerordentlich herzlich,

IerRlefenbrand inStambul. Vierhundert Holzhäuser eingeäschert; viele Millionen an Brandschaden; das Justizmi­nisterium bedroht; der Brand dauert fort!

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Mo­nate ist Konstantinopel von einer ver­heerenden Feuersbrunst heimgesucht wor- den, die abermals unübersehbaren Schaden angerichtet hat: Seit gestern früh steht das Konstantinopeler Stadtviertel Stambul zwischen der Aja Sofia, der Ahmed-Moschee und dem Marmarameer in hellen Flammen. Das Justizministerium ist bedroht. Der Brand kam in einem im Bau befindlichen Holz­haus e zum Ausbruch. Das Feuer ergriff die Nachbargebäude, meistens Holzhäuser. Der Gouverneur von Stambul erklärt, die Kata­strophe sei unübersehbar und es sei noch un­bestimmt, wann eine Begrenzung des Feuers gelingen werde. Wir verzeichnen folgende Draht Meldungen über die Katastrophe:

Konstantinopel, 4. Juni.

(Privat-Telegramm.)

Der gestrige Riesenbrand kam in einem im Bau befindlichen Holzhause zwischen der Ah­med-Moschee und dem Marmarameer durch Fahrlässigkeit zum Ausbruch. Ein schar­fer Südwestwind gab dem Feuer rasch eine große Ausdehnung. Zahlreiche Häuser, die in- solge der feit vierzehn Tagen herrschenden Hitze völlig ausgetrocknet waren, flamm­ten in wenigen Augenblicken auf. In aller Eile wurden die Häuser rings um den Brand­herd geräumt. Auf allen umliegenden Plätzen, besonders vor der Achmed-Moschee auf dem Atmeidau-Platz, kampieren die A b g eb r ann- tcn mit ihrem wenigen geretteten Hausrat. Das Viertel war ausschließlich von M o h a - medanetn bewohnt. Die ganze Stadt ist durck Militärposten abgesperrt. In den engen Straßen in der Nähe des Brandherds herrschte um die Mittagsstunde ein unbeschreibliches Gedränge. Die wohlhabenden Familien lie­ßen die wertvolleren Möbel auf eiligst requirierten Ochscnkarren wegfahrcn, während die Aermeren ihre Habe selbst trugen und da­mit sich laut schreiend den Weg durch die Menge in die entfernter liegenden Stadtteile bahnten. Die freiwillige Feuerwehr ist aus allen Teilen der Stadt zur Hilfeleistung herbeigeeilt. In dem großen, steinernen Pa­lais des Justizministeriums, dessen Nachbarhäuser vor der Gartenmauer bereits brannten, stand ein starkes Aufgebot Feuerwehr und Militärlöschmannschasten bereit. Vom Mi­nisterium aus blickte man in Straßen, deren Häuserreihen über und übet in Flammen stan- den. Die Zahl der abgebrannten Häuser wird auf mindestens vierhundert geschätzt. Die Feuer­wehren aller Stadtteile, auch von Pera, betei­ligten sich an den Löscharbeiten. Gestern spät abends gelang es den vereinten Bemühungen der Feuerwehr und des zur Hülfeleistung auf- gebotenen Militärs, den Riesenbrand vor dem Gebäude des Ackerbau-Ministeriums zu loka­lisieren, doch ist eine vollständige Löschung des Feuers bisher (zehn Uhr vormittags) nicht möglich gewesen. Der durch den Brand ange- richtete Schaden wird auf mindestens sieben Millionen M a r k'geschätzt. Es steht noch nicht fest, ob auch Menschenleben der Btandkatastrophe zum Opfer gefallen sind. Nack Privatmeldungen sollen fünfzehn Perso- n e n den Tod in den Flammen f funden haben.

Grotzfeuer in einer Fabrik.

Aus Z w i ck a v i. S. totib uns telegraphisch gemeldet: In der Z w i ck a u e r Chamotte- und Klinkerfabrik, vormals Theodor Helm. G. m. b. H., entstand in der vergangenen Nacht Feuer. In wenigen Minuten stand die ganze Fabrik in Flammen. Sie brannte fast vollständig nie­der. Nur ein kleiner Schuppen steht noch. Der Schaben ist bock, aber bock burch Versicherung zum großen Teil gedeckt. Die Ursache des Bran- bes konnte noch nicht ermittelt werben, doch ver­mutet man Brandstiftung.

MrgeMmvfe in Belgien.

Belgien nach de» vorgestrigen Wahle«; Unrichen in allen Tellen des Landes; die Polizei im Kampf mit den Bürger«.

Die abermalige Wiederkehr der kleinen kleri­kalen Mehrheit in bas belgische Parla­ment hat die Stimmung in dem größten Teil bet belgischen Bevölkerung bis zur Siedehitze gebracht, und die Zusammenstöße zwi­schen MUitär und Bürgerschaft in verschiedenen Städten sind nur die Vorboten von ernttern