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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Dienstag, 4. Zunr 1012.

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2. Zahrgang.

BerftändlgLns: Versöhnung! »Alles erkennen heißt: Alles begreifen."

Von

Lord Haldane of Cloan Kriegsminister in England.

Lord Haldane, der englische Kriegs­minister, der seit Sonnabend in Cassel weilt und auf feiner zweiten Deutschland- fahrt die schon in diesem Frühjahr von ihm begonnenen Versuch«, in amtlicher Mission die Verständigung zwischen Deutschland und England zu fördern, fort- setzen wird, hat die Liebenswürdigkeit gc- habt,unserm Mitarbeiter den nachstehenden Artikel zur Verfügung zu stellen. Er dürfte zur Kennzeichnung des Standpunk­tes Lord HaldaneS wesentlich beitrage«, und man wird daraus die Meinung ge­winnen müssen, daß es Lord Haldane bei seine« DersöhnungSversuchen tatsächlich um die Derwirklichuug ehrlicher Ab­sicht«« zu tun ist. Die Redaktion. Wenn wir in England uns heute ein Bild von Deutschland machen wollen, so müssen

wir uns vor allen Dingen klar machen, daß die Deutschen jetzt wirklich ein modernes Volk sind. Die Quelle ihres Lebensstromes, sowohl des geistigen wie des politischen, liegt in der Reformation. Diese erfuhr aber am Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts eine Fortsetzung, die einzigartig in der Weltgeschichte ist und bis heute noch nicht aufgehört hat, sich weiter zu entwickeln. Seit den Tagen der alten Griechen haben wir das noch nicht wiederge- sehn, was grade das moderne Deutsch­land zeigt: Das innige Zusammenarbeiten von Staatsmann und Denker, die großzügige Ergänzung von Theorie und Praxis. Die Hauptneigung des modernen Deutschen ist im höchsten Grad auf Realitäten gerichtet, aber diese Neigung hat ihren Unter­grund kn einer starken Fähigkeit zur Abstrak­tion. Die Praxis, das Konkrete, gründet sich immer auf Wissenschaft und Philosophie. Erst brachte das Land einen Kant und einen Goethe hervor und dann erst folgte sein Bismarck: Aus dem Lernvolk ist ein Tatenvolk geworden!

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In England sind die konkreten und ab­strakten Fähigkeiten nebeneinander nicht in demselben Maße ausgeprägt wie in Deutsch­land. Wir haben vielleicht mehr prakti­schen Instinkt und mehr Jnitiativ- kraft wie die Deutschen. Das sind eben Din­ge, die einem Volke nur von harten Lebens- notwendigkeiten gelehrt werden, und diese Notwendigkeiten waren für uns Engländer in der Eigenart unsres Heimatlandes als eines Inselstaates gegeben, während die Deutschen infolge ihrer besondren Entwicklung den gei­stigen Dingen eine höhere Pflege angedeihen lasten konnten. Auch die sind sowohl im öffent­lichen wie im privaten Leben von höchstem Wert, und wenn Deutschland von uns in die­sen Tagen manches lernen kann, so können wir nicht weniger von Deutschland lernen. Um das zu ermöglichen, haben bekanntlich jetzt meh­rere englische Gelehrte ein Buch über die Ent­wicklung Deutschlands im neunzehnten Jahr­hundert veröffentlicht. Ich glaube, daß das englische Volk von diesen Studien außeror­dentlich viel profitieren kann.

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Die Kräfte, die wir besitzen, und die Kräfte, über die Deutschland verfügt, könnten, wenn sie sich gegenseitig unterstüzten. Herrliches und Großes zum Wohle der gan­zen Menschheit schaffen. Wie in der erwähn­ten Veröffentlichung der englischen Gelehrten über Deutschland uns Engländern die An­näherung an Deutschland erleichtert wird, so wäre es jetzt wünschenswert, daß vielleicht auch einmal einige deutsche Gelehrte ihren Landsleuten ein Bild von uns entwürfen, eine Würdigung zum Beispiel der Weltverdienste Englands als Kolonisator, rin Würdi­gung der großen Hilfe, die auch unsre Schulen und Universitäten der Welt gegeben haben, die zwar in mancher Hinsicht nicht vollkommen sind, aber für die Erziehung tüchtiger Kauf­leute und für die Fähigkeft, in der Welt eine Rolle zuspielen, Hohes geleistet haben. Auf anderem Gebiete liegen beispielsweise die Ver­dienste Frankreichs und ebenso auf wieder anderem Gebiete diejenigen Amerikas um die Welt. '

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Nation wenig: Die Forderung des Tages heißt Zusammenarbeiten, und dieses Zusam­menarbeiten erfordert vor allen Dingen gegen­seitige Verständigung und gegenseitiges Verständnis, das seinerseits wieder gegen­seitiges Studium voraussetzt. Der Argwohn, den die meisten Völker heute einander entge­genbringen, rührt in der Hauptsache aus dem Mangel gegenseitiger Kenntnis her. Nur wenn wir uns bemühen, uns gegenseitig bester ken­nen zu lernen, können die Minen der gegen­seitigen Verdächtigungen beseitigt werden, denn nur das gegenseitige Studium kann uns befreien von den Lasten der Rüstungen, unter denen wir alle leiden, obwohl keiner von uns ernstlich an Kriege und Kämpfe denkt! .-= ~-

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Lord Haldane in Faste!.

Wie wir schon in unfern Aushang-Depeschen mitgeteflt haben, traf der englische Kriegsmini­ster Lord Haldane of Cloan auf der Reise von Wetzlar am Sonnabend nachmittag in Cassel ein und stieg hier mtt feinem Beglei­ter, Professor Huwe Brown, im »Hotel du Nord" ab. Der Kriegsminister ist in Cassel nicht fremd, denn schon früher hat er verschie­dene Male am Fuldastrande geweilt und von Cassel aus kürzere und weitere Ausflüge in die Umgebung unternommen. Auch vorgestern und gestern benutzte Lord Haldane den Aufenthalt in Cassel zu Ausflügen nach der Aue und nach Wilhelmshöhe. Lord Haldane nahm keine Besuche entgegen, beteiligte sich dagegen im Speisesaal sehr lebhaft an der Unterhaltung der Hotelgäste. Heute mittag halb zwölf Ubr verließ Lord Haldane Cassel, um sich über Kis- singen nach London zurückzubegeben. In Cassel war demnach der letzte größere Aufent­halt des englischen Kriegsministers auf deut- schem Boden, den er nun tatsächlich verläßt, ohne Berlin einen Besuch aügestgttet zu haben.

Sie Wahlen in Belgien.

Sieg der Klerikalen; liberale Niederlage! (Prtvat-Telegramm.)

Brüssel, 3. Juni.

Am gestrigen Tage haben in Belgien die Wahlen zur Kammer und zum Senat statt­gefunden, nach einem Wahlkampf, der die po­litischen Leidenschaften bis zur Siedehitze hat aufkochen lassen. Soweit das Resultat der Wah­len bisher zu übersehen ist, haben die Libe­ralen eine schwere Niederlage erlitten und das Ergebnis der Wahl ist ein Sieg d er Klerikalen, die eine Anzahl neuer Sitze gewonnen haben. Auch die S o z i a l i st e n ha­ben einige Fortschritte gemacht: doch ergibt sich, daß die Bauern auf dem flachen Lande allge­mein vor dem Kartell der Liberalen und So­zialisten Furcht hatten und für die Klerikalen stimmten. Jedenfalls sind die liberalen Erwar­tungen in Antwerpen. Brüssel und Gent stark enttäuscht worden. Man mißt dieses Wahl­ergebnis teilweise dem liberal-sozialistischen Bündnis zu, das hauptsächlich in Antwerven mehr geschadet als genützt zu haben scheint. Die liberale Presse stellt fest, daß der gestrige Tag für die Liberalen eine Niederlage bedeutet und daß die Lage im Lande unsicherer ge­worden ist als je. Man spricht offen von Fäl­schungen der Wahllisten und verlangt die Abschaffung des Pluralsystems, das diese Fälschungen begünstige. Hauvtsächlich auf dem Lande hat der Liberalismus sehr gelitten. Man befürchtet in Mons und Choisi le roi den Aus- bruchvonUnruhen. In der vergangenen Nacht sind Truppen dorthin abgegangen. Außer­dem bat die Regierung heute morgen drei Klas­sen Miliztruppen einberufen, um beim Aus­bruch von Unruhen sofort eingreifen zu können.

Kein Sturz der Regierung!

Ein weiteres Privat - Telegramm aus Brüssel meldet uns: Tie Nachrichten, die bis elf Uhr abends Vorlage«, zerstörten die Hoffnung der Liberalen und Sozialisten, daß es ihnen bei den Wahlen gelingen werde, die klerikale Regierung zu stürzen. Die Klerikalen dürften wohl wieder mit einer kleinen Mehrheit aus den Wahlen hervor­gehen. Aus verschiedenen Orten werden Zu­sammenstöße zwischen Polizei und Publi­kum gemeldet. In Brüssel durchzogen gestern abend erregte Menschenmassen die Straßen, doch haben sich ernstere Zusammenstöße nicht ereignet.

Es gilt nun die Eigenart und besonderen Werte der einzelnen Völker zusammenzu­fassen zum großen Werke der allgemeinen Menschhettsentwicklung. Auf diesem Felde ist grade in unser« Tagen, wo die Pflicht immer dringlicher wird, auch den unzivilisierten Län­dern die Segnungen der Kultur zu geben, so ungeheuer viel LU tun.,La vermagdieeinLelne

Prinz Zoachim in Paris?

Präsident Fallieres «nd Prinz Joachim.

AuS Paris wird uns depeschiert: Wie die Zeitung .Opinion" erfahren haben will, befand sich in den letzten Tagen ein Sohn des Deut­schen Kaisers und zwar Prinz Joachim unter strengstem Inkognito in Sßa»a. und es

gelang ihm auch, vollkommen unbemerkt zu blei­ben. Um jeden Verdacht abzulenken, war der Prinz in einem Hotel in der abgelegenen Straße Rue de Friedland abgestiegen. Eines Morgens machte er im Bois de Boulogne einen Spaziergang zu Fuß in Begleitung des deut­schen Botschafters Freiherrn von Schoen, als er sich plötzlich dem PräsidentenderRepu- blik, der auch einen Spaziergang machte, ge- gegenüber sah. Präsident FalliSres und Prinz Joachim wechselten einen diskretenGruß. FalliSres war natürlich inoffiziell von dem Besuch des Prinzen in Paris in Kenntnis ge­setzt worden.

Die Bremer Flieger-Katastrophe.

Wieder zwei Opfer des Lnftsportsk

Bei der Abfahrt zum Nordwestdeutschen Rundfluge, die am Sonntag früh in Gegen­wart Les Großherzogs von Oldenburg statt­fand, ereignete sich ein schwerer Unfall. Der Flieger Buchstätter, der mit Leutnant Stille vom zweiten HannoverschenJnfanterie- Regiment Nr. 77 aufgestiegen war, stürzte beim Nehmen einer Kurve plötzlich ab. Ter Apparat überschlug sich und begrub beide In­sassen unter sich. Beide wurden durch Eisen­sägen und Beile erst aus den Trümmern befreit. Buchstätter gab noch einige Lebenszeichen von sich, verschied aber bald darauf. Leutnant Stille war sofort tot. Die Flug-Veranstal­tung wurde unterbrochen. Ueber die Katastrophe werden uns folgende Einzelheiten berichtet:

Bremen, 3. Juni.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Bei dem gestrigen Start zum Nordwest­deutschen Rundflug, der von Bremen über Minden, Osnabrück, Münster, Hannover, Braunschweig, Lübeck nach Hamburg führen sollte und dem auch der Großberzog von Ol­denburg beiwohnte, ereignete sich gleich zu Beginn ein schwerer Unglücksfall. Nachdem dreizehn Flieger zwischen sechs und sieben Uhr den Flugplatz verlassen «nd die Richtung nach Minden eingeschlagen hatten, führte Buch­stätter auf einem Jeannin-Eindecker einen Probeflug aus, wobei er den Leutnant Stille vom siebenundsiebzigsten Infanterieregiment in Celle als Passagier mitsührte. Der Apparat fuhr erst eine kleine Schleife und umkreiste dann in größerem Bogen den Flugplatz. In der nordwestlichen Ecke des Flugplatzes, wo glück­licherweise nur wenige Zuschauer stan­den, sah man plötzlich, wie der Apparat ins Schwanken kam. Er bog sich nach der linken Seite, überschlug sich dann plötzlich und stürzte aus etwa dreißig Meter Höhe ab. Ein Schrei des Entsetzens entrang sich den Keh­len Tausender, die den Platz umsäumt hielten. Sicherheitsmannschaften sorgten sofort für die nötige Absperrung und auch Sanitätsmann­schaften, Offiziere und Flieger eilten herbei. Die beiden Flieger waren

unter dem Apparat begraben.

Mit Eisen, Sägen und Feilen gelang eS, die Körper zu befreien. Beide Herren waren be­reits tot. Der Flug wurde sofort abge­brochen. Buchstätter war ftüher Monteur bei dem Münchener Flieger Lindpaintner und erwarb in Frankreich das Führerzeugnis. Er hatte eine ganze Reihe erfolgreicher Flüge absolviert und war auch von österreichischer Seite für den Flug Berlin-Wien gemeldet. Der gestern mißglückte Start wird heute fortge­setzt werden. Es waren etwa dreißigtau- s e n d Personen auf dem Flugplatz anwe­send. Rach dem Unfall entfernte sich das Publikum. Der Großherzog fuhr in die Stadt zurück, war aber am Nachmittag wieder ans dem Flugplatz. Die Flaggen wurden auf Halbmast gehißt. Es war beabsichtigt, daß nachmittags um fünf Uhr weitere Flieger starten follien. Wegen der starken Gewit­ter wurde aber Abstand davon genommen. Um fünf Uhr erschien am Horizont das Zep­pelin-LuftschiffZ.", das kurz nach vier Uhr aufgestiegen war. An Bord befanden sich außer dem Grafen Zeppelin auch Prinz Heinrich von Preußen, sowie die beiden Bürgermeister von Hamburg, Dr. Bur- chardt und Dr. Schröder. Das Luftschiff voll­führte über dem Flugplatz auch einige Schlei­fen, entfernte sich aber wegen des

plötzlich efntretettber Gewitters

gegen fünfeinhalb Uhr in der Richtung nach Hamburg fluchtartig. Bis acht Uhr abends lag keine Nachricht über den Verbleib des Luftschiffes vor. Es hatte wegen der gleich­zeitig in Bremen und Hamburg herrschenden Gewitter einen großen, stundenlangen Um­weg gemacht. Endlich um dreiviertel Neun Ubr wurde es über Hamburg sichOar und lan­dete vor der Luftschiffhalle. Der Start zum Nordwestdeutschen Rundflug stand, abgesehen von den beiden TodesLürren. infolge des

schlechten Wetters auch sonst unter einem U n. stern. Als erster war Krieger, der frü­here Chauffeur des Kaisers, auf ei­nem Jeannin-Eindecker mit dem Leutnant Faust vom fünfundfünfzigsten Infanterieregi­ment in Bremen als Passagier aufgestiegen. Leider mußte er wegen Gewiiterbildung Be­reits dreißig Kilometer von Minden niederge­hen. Bei der Notlandung auf sumpfigem Boden wurde der Apparat erheblich be­schädigt. Das Flugzeug stellte sich auf den Kopf, das Vorderteil und der Propeller wur­den zertrümmert. Die Insassen blieben glück­licherweise unverletzt. Kurz nach Krieger stieg Schirrmeister auf einem Marsdop­peldecker mit zwei Passagieren auf, aber auch fein Flug erlitt eine frühzeitige Unterbrechung. Er mußte bei Nienburg wegen schlechter Wit­terung niedergehen. Der Apparat wurde eben- falls beschädigt. Kurz vor sieben Uhr versuchte Lindpaintner eine Fahrt, doch gab er den Flug nach kurzer Probefahrt wieder auf.

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Sie Deutsche NationafiFlugspende.

Das offiziöse Wolff'sche Depeschenbureait verbreitet folgende Mitteilung: In der Presse ist verschiedentlich berichtet worden, daß die Sammlung für die National -Flug- spende schon den Betrag von vier Mil­lionen Mark ergeben habe. Diese Mittei­lung enffpricht nicht den Tatsachen. Da die Unterausschüsse das Ergebnis ihrer Samm­lungen vor der Hand nicht mitteilen, um nach Abschluß mit einer umso größeren Summe vor die Oeffentlichkeit treten zu können, ist auch das Reichskomitee nicht in der Lage, das augenblickliche Ergebnis mit etwa annähernder Genauigkeft sestzustellen. Soweit eine Schätzung nach den bisher eingelaufenen Meldungen überhaupt möglich ist, haben die Sammlun­gen die dritte Million noch nicht überschritten.

Renn-Skandal in Leimig!

Die Polizei im Kampf mit dem Publikum.

Als das gestrige Radrennen in Leip- z ig wegen des schlechten Wetters verschoben wurde, verlangte das Publikum das Ein­trittsgeld zurück. Die Menge sprang über die Barriere und versuchte, die Vorstandsgebäude zu stürmen. Die Polizei mußte mit ber blanken Waffe gegen die Tumultuanten einschreiten. Es wurden mehrere Personen verletzt und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Wir erhalten über die Vor­gänge folgenden Drahtbericht:

Leipzig, 3. Juni.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Die heftigen Regengüsse, die gestern nach­mittag niedergingen, drohten die für den Spätnachmittag angesetzten Rennen zu ver­hindern. Die Veranstalter der Rennen konn­ten sich jedoch nicht entschließen, die Rennen auszusetzen, sodaß das Publikum recht unge­duldig wurde. Als nun gegen einhalb sie­ben Uhr abends die Rennen doch ihren An­fang nehmen sollten, sprangen aus dem Pu­blikum etwa vierzig Personen über die Schranken der Bahn, um die Rennen zu verhindern. Sofort eilte eine Anzahl Schutzleute herzu und da sich die Menge nicht zerstreute, zogen sie blank und ver­hafteten einige junge Burschen. Als diese ab­geführt werden sollten, bemächttgte sich der Zuschauer große Erregung. Die Polizei, mußte schließlich von neuem mit blanker Waffe gegen die Tumultuanten einschreite«; es kam zu einem Zusammenstoß, bet dem drei Personen aus dem Publikum mehr ober minder schwer verletzt wurden. Sie fanden Aufnahme im Krankenhaus. Auch zwei Polizeibeamte wurden bei den Zusam­menstößen mtt dem Publikum nicht unerheblich verletzt. Die Kämpfe dauerten bis zum An­bruch der Dunkelhett und es gelang der inzwi­schen verstärften Polizei nur mit großer Mühe, die Verhafte^«, etwa zwanzig Perso­nen, zur Wache abzuführen, da die Menge sich der Abführung der Festgenommenen wi­dersetzte. Erst gegen neun Uhr abends trat Ruhe ein. Es ist fraglich, ob nach den gestri­gen Vorgängen die Renne» überhaupt statt- finden werden,

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Blutige Streikkämpfe i« Newhork.

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Newyork berichtet, versuchten dort am letzten Sonnabend etwa dreihundert streikende Kellner, in ein Hotel einzudringen, um dar­aus die Arbeitswilligen herauSzuho- len. Die Polizei kämpfte zwanzig Minute« lang mtt den erregten Streikenden. Es wur­den scharfe Schüsse abgegeben und viele Verhaftungen voraenommen. Insgesamt tiU