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Weier Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 149.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 2. Zunr 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Sie Tage der Rose».

Hohenfinow, Nordlandfahrt, Herbstahnen.

Von der Brandenburger Mark, wo in der Maien letzten Tagen der Festgesang zum Zol- lernjubiläum brausend durch die Gaue ballte, ist Herr von Bethmann Hollwcg in die Stille von Hohenfinow entwichen, und wenn im Abendwind die hohen Pappeln des Parkes leise rauschen, mag der Gutsherr sinnend von den Tagen träumen, da er (zum erstenmal seit dem Werden seines Kanzlertums) des Ruhmes Süße kosten, und sich an der Bcwundrung eines der Heldentat fast entwöhnten Volkes laben durfte. Die Zeit der Siesta im stillen Frieden ländlichen Sommerglücks darf man dem Emsi­gen gönnen, der nach überlanger Dürre endlich aus dem magern Acker deutscher Rcichspolitik die ersten Früchte sprießen sah und sich im An- blick jungen Hoffnung-Grüns berauschte. Seit Bernhard Bülow zur Villa Malta zog, hat sich die vaterländische Atmosphäre ersichtlich ge­wandelt, ist die Physiognomie des politischen Geschäfts durch einen grämlich-düstern Zug der letzten Spuren muntrer Zuversicht beraubt worden, und da die Volksseele sich leicht der herrschenden Stimmung anzupaffen pflegt und über Persönlichkeitwert selbst dann dankend quittiert, wenn der Wertgehalt nicht über ein paar Sorgenfalten auf schmaler Kleinmutftirn hinausreicht. so hatten wir uns mit dem Wan­del der Dinge leidlich abgefundrn und wurden nur dann noch flüchtig an die schön're, bess're Zeit erinnert, wenn in der Lindenblüte Tagen derPrivatier der Villa Malta" zum deutschen Nordseestrande baden kam.

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An das alles wird, auf der schattigen Ter. rasse des märker Herrenhauses einsam träu­mend, Herr von Bethmann Hollwcg mit der zufriednen Ruhe und der überlegnen Sicherheit des Mannes denken, dem aus den Mühen recht­schaffner Arbeit erst spät die Früchte reiften, der aber nun, da das Werk getan, sich des Be. wußtseins freuen darf, Nützliches und Er. sprießliches geleistet zu haben. Daß das Baro­meter des Dolkempsindens. das noch zur Lcn- zenmitte Sturm und Wettcrschlag als nahe Katastrophe kündete, so rasch zu feinen Gunsten sprach, darf der Kanzler als Zeugnis vorbe­haltloser Tatwertung deuten, und er darf dar­aus ferner den Schluß ziehen, daß der schäu­mendste Groll im politischen Leben ebensowenig auf Flaschen gezogen werden kann, wie die lohendste Begeisterung. Herr von Bethmann Hollweg müßte nicht zu Füßen ruhmgekränzter Philosophen gesessen haben, wenn er nicht Neigung spüren würde, aus dieser Erkenntnis die logische Nutzanwendung zu ziehen. DemParlament von Philippi" hat er, spie­lend fast, das Werk der Wehrkraststärkung ab. gerungen; er darf sich schmeicheln, in der tosen, den Brandung des Parteienkampfs derFels im Meer" geblieben zu sein, an deffen eherner Wucht der Gischt der Leidenschaften rasch ver­spritzte und des Landtags Pforten darf er in demselben Moment verriegeln, da die Nachwehen des Haders zwischen Rechts und Links tragisch zu werden drohen: Kann ein Mann dieses Schlags nock als Schattenbild, als Instrument willkürlicher Jntereffcnpolitik belächelt werden ... ?

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Man sieht denn auch bereits geschäftiges Regen zu neuer Tat: Während die Kaiserjacht in stolzer Fahrt die Majestät zu des Nord, land s felsigen Küsten trägt, gedenkt Herr von Bethmann Hollweg in der Einsamkeit von Hohenfinow traulicher Zwiesprache mit den im Wallothaus Maßgeblichen zu Pflegen, um (toie's im Jargon der Schreiberstube heißt) .Material zu einem Vortrag zu gewinnen, dem der Herr Kanzler dem Träger der Krone nach der Heimkehr von der Nordlandfahrt über die innerpolitische Situation zu halten ge­denkt". Das heißt mit andern, das Tatsäch­liche schärfer betonenden Worten: Herr von Bethmann spinnt auch in der Ferienzeit emsig an den Fäden weiter, deren Bindung ihm im Lenz so überraschend schnell gelang, und er scheint enticblosscn, es nicht bei halber Arbeit bewenden zu lassen. W e r die Herren sind, die der Kanzler sich zum Rendezvous in Hohen­finow bestellt hat, ist noch nicht bekannt; es ist indeffen anzunehmen, daß Herr Doktor Ernst von Heydebrand und der Lasa sich nicht unter Denen befinden wird, die in diesen Tagen mit dem Gutsberrn von Hohenfinow zu Tische sitzen werden, und schon aus dieser Tatsache allein darf mancherlei geschloffen werden, denn bis zum Herbst itz's nicht mehr weit, und

Herr von Bethmann Hollweg hegt das begreif, lichc Verlangen, bis zum Beginn der Spät­abendtagung im Rcichshaus die Situation ge. klärt zu sehen.

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Daß es gelingen könnte, zwischen dem Kanzler und den Konservativen das brüsk zcr- schnittne Tischtuch bis zum Beginn der parla­mentarischen Herbstarbeit leidlich zu flicken, wagen selbst Die nicht anzunchmen, die der Scelcnverwandtschaft" zwischen denl fünften Kanzler und den Getreuen des Herrn von Hev- debrand sonst unbeschränkte Wunderkraft zu­trauen: Die Kluft ist zu tief gegraben, und was die Partei noch unberührt gelassen, hat die konservative P r e s s e im Ausschäumcn des Grolls mit dem Dynamit der Leidenschaft ge­sprengt. Die Eigenart der so geschaffnen Lage mag Herrn von Bethmann Hollweg etwas un­bequem und auch kaum als normal erscheinen; aber die Tage politischer Gluthitze, als er mit­ten im Kreuzfeuer konservativer Bannstrahlen stand, werden seine politische Aesthetik vermut, lich geläutert und von dem peinlichen Kummer- Rest kleinlichen Vorurteils befreit haben. So. daß cr's nun mit der Würde seiner Kanzler­schaft nicht mehr als unvereinbar erachtet, links am Weg mit den Nachbarn zu plaudern und mit den Herren Baffermann und Gothein als willkommnen Gästen im märker Sommer- Haus Gruß und Handschlag zu tauschen. In den letzten Julitagcn kehrt der Kaiser heim von der Rordlandsahrt, und man darf die Hoffnung hegen, daß in der Stille von Hohenfinow bis dahin kluge Arbeit so weit gediehen sein wird, um die Bilanz nicht mehr fürchten zu müssen: DieTage der Rosen" sind gckonimen, und in ihrem lichten Glanz spiegelt sich neues Hoffen...! F. H.

Eumberlaud am Kaiserhos.

Der Kaiser und Prinz Ernst August.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 1. Juni.

Der Helle Sommertag der heutigen Früh­lingsparade steht unter dem Eindruck des Er­scheinens des jungen Welfenprinzen Ern st August von Cumberland am Hohen- zollernhose. Natürlich ist es unausbleiblich, daß aus diesem Ereignisse Schlußfolgerungen ge­zogen werden, die eine baldige Thronbestei­gung des Prinzen im Herzogtum Braunschweig erwarten lassen. Die Meinungen darüber, ob nur ein formeller Dankbesuch des Cum- berländers für die Beweise der Anteilnahme an dem jähen Tode des Prinzen Georg Wil­helm abgestattct wcren sollte, oder ob cs sich um di« Anbahnung einer endgültigen V e r. ständigung zwischen dem Hohenzollern- und Welfenhaus handelt, sind selbst an best. unterrichteten diplomatischen Stellen geteilt. Es überwiegt indeffen die Ansicht, daß die blau-gelben Lanzenfähnlein in Braunschweig wohl in Jahr und Tag bei dem Einzuge eines W e l f e n f ü r st c n in die stolze Hauptstadt Heinrich des Löwen flattern werden. Ein mächtiger Versöhner ist der Tod. Wenn der bisher Unversöhnliche, der Herzog von Cum­berland, seinen einzigen Sohn, der ihm blieb, zum Deutschen Kaiser sendet, so liegt in diesem Entschluß unbedingt das Zeichen einer Wandlung. Zum ersten Male wieder nach dem schicksalsreichen Jahre 1866 hat ein Wel- fensproß dem König von Preußen einen Be­such »bzestattet und in der Begleitung des Prinzen Ernst August ist Prinz Max von Baden erschienen, der trotz aller Hindernisse unverdrossen bemüht gewesen ist, einen A u s. gleich zwischen Gmunden und Berlin herbei- zuführen. Mit Innigkeit ergriff gestern K a i - fci Wilhelm die Hand, die der Sohn im Auftrag des tief erschütterten Vaters ausstreckte und es war nicht allein das Mitgefühl an dem schweren Verlust, den das Welfenhaus aus märkischer Erde betroffen hat. sondern im Auge des Kaisers drückte sich auch die Hoffnung aus, daß die seit bald fünf Jahrzehnten sich fremd gegenüberstehenden Fürstengeschlechter zu höhe­rer Ehre des ganzen Deutschen Reiches, sich dauernd aussöhnen werden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, gewinnt also die Reise des Welfenprinzen dennoch große po­litische Bedeutung, selbst wenn sie vorder. Hand ohne direkte Wirkungen bleiben sollte.

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Her Hmpsang beim Kaiser.

Wie uns weiter aus Berlin berichtet wird, begaben sich Prinz Max von Baden und Prinz Ernst August von Cumberland ge­stern nachmittag vom Hotel Continental in Berlin in königlichen Equipagen nach dem Potsdamer Bahnhof und trafen aus der Sta­tion Wildpark gegen sechs Uhr mit dem könig­lichen Salonwagen ein. Die Prinzen wurden um sechs Uhr vom Kaiser empfangen und nahmen später den Tec bei der Kaijerin.

Nachdem die Prinzen noch eine Reihe Besuche bei den in Potsdam weilenden Fürstlichkeiten gemacht hatten, begaben sic sich nach Berlin zu­rück. Der Empfang beim Kaiser dauerte über eine halbe Stunde und trug einen aus-ze- sprochcn herzl'chen Charakter. Kaiser Wilhelm unterhielt sich längere Zeit mit dem Prinzen von Cumberland, dessen Per. sönlichkeit auf den Kaiser den b esten Ein­druck gemacht haben soll.

Alfred Kaiser: Die Nationalbühne.

An die Caffeler Neuesten Nachrichten.

Auf die von den Casseler Neuesten Nachrichten veranstaltete Rundfrage wegen des vom Casseler Goethebund propagierten Planes einer Deutschen National­bühne mit dem Sitz in Cassel hat sich A l - f r c d K a i s e r, der Komponist des kürzlich im Casseler Hoftheater mit großem Erfolg aufge­führten musikalischen SchauspielsStella maris in besonders eingehender Weise ge­äußert. Alfred Kaiser steht dem Projekt einer Deutschen Nationalbühne an sich außerordent­lich sympathisch gegenüber, und es ist inter­essant, aus seinen Aussührungen zu ersehen, wie er sich die Ausführung des deutsch-künstle­rischen Planes denkt. Der Komponist schreibt uns:

London, 30. Mat.

Sehr geehrter Herr Chefredakteur!

Wenn die Nationalbühne ein Geschäft sein soll, das hohe Dividenden abwerfen muß, so sage ich überhauptNein" und für Cas. sel im BesonderenNein!" Wenn aber die Nationalbühne «in ideales Unternehmen sein kann, so sehe ich der Verwirklichung eines derartigen Projektes im Allgemeinen und spe­ziell in Cassel mit Freuden entgegen. Im heu­tigen Theater, in Deutschland wie im Ausland, spielt die geschäftliche Seit« eine viel zu große Rolle. Auf meinen vielen Reisen habe ich diese Erfahrung immer wieder gemacht. Es ist be­trübend, die Einzelheiten zu sehen, durch die so ziemlich alle Theaterleiter das Leben ihrer Unternehmen fristen müssen. Wenn also die Nationalbühne ein derartiges Unternehmen «in soll, und speziell in Cassel dem Hof- theater eine Konkurrenz bieten wollte, könnte ich Ihnen nur in der Negative antworten. In meiner Anschauung müßte aber die National- bühnc, selbst wenn sie noch so ideal angefangen würde, in kürzester Zeit zu einem derartigen geschäftlichen Unternehmen herabsinken, wenn le ganzjährig fpielen wollte. In diesem Falle ist dann auch in Lasse l speziell kein ge. nügeudes Theaterpublikum vorhanden.

Wenn aber die Nationalbühne nur vier oder ächs Wochen im Jähre spielt, in der Ferienzeit, dann geht's, dann kann sie das Mekka des 'ge­samten deutschen Thcaterpublikums werden. Dann ist jeder Faktor vorhanden, der einem derartigen Unternehmen zum Erfolge verhilft. Und dann ist Cassel durch seine zentrale Lage, und seine einzig schöne Umge­bung natürlich wie vorhcrbestimmt, der Sitz der Nationalbühne zu werden. Ich stelle mir das so vor: Es müßte, am besten in Wil. Helmshöhe, ein eigenes Theater ge­baut werden, selbstverständlich ein mit allen modernen Mitteln der Bühncnkuust versehenes Theater. Hat die Nationalbühne nämlich nicht ihr eigenes Haus, so liegt die Gefahr nahe, daß die Vorstellungen das eine Jahr in Cassel, das andere in Wiesbaden, das dritte in Weimar und so weiter stattfinden.

Das künstlerische Personal müßte aus den allerersten Kräften der großen Bühnen zufam mengesetzt sein. Solche Kräfte dürften ja wäh­rend der Ferien zu erschwinglichen Preisen zu haben sein. Es müßten immer möglichst die­selben Künstler sein, damit das Zusammen­spiel im Laufe der Jahre an Intensität ge­wänne. Tas Repertoire würde aus zwei Hälften bestehen, erstens einer Reihe ideal voll­endeter Aufführungen klassischer Meisterwerke, zweitens aus einer kleinen Anzahl Urausfüh. rungen von neuen Werken aus der Feder be­rufener dramatischer Dichter. Dichter wie Schauspieler müßten cs als h ö ch st e E h r u n g empfinden, zum Nationaltheater zugelassen zu werden. Dagegen wäre ich gegen die Auf. führung von modernen Stücken, und wenn es Meisterwerke sein sollten, die ichon ander- wäris gegeben wurden; denn nur durch die Darbringung von R e u em kann man das Pu­blikum reizen, nach Cassel zu kommen.

Und da man ja schließlich doch auch etwas das Geschäftliche ins Auge fassen muß, könnte man von den Autoren der neu gegebenen Stücke verlangen, daß diese Stücke während eines oder zweier Jahre außer auf der Nationalbühne keinerlei Aufführung in

deutschen Landen erleben dürfen; so hätte man dann in der folgenden Spielzeit Gelegenheit, ein wenig zu ernten, was man in der vorher­gehenden gesät hat. Auch könnte die National­bühne, ohne sich zu schämen, von den Dichtern verlangen, ihr einen Teil des Tantiemen­ertrages aller deutschen Aufführungen sol­cher Stücke abzutreten und sie (die National­bühne) in dieser Weise für die unvergleichliche Reklame zu entschädigen, die den Werken durch die Aufführung gemacht würde.

Das Betriebskapital mühte au! freiwilligen Spenden reicher Leute, sowie des Goethebnndes, des Schillerbundes usw. bc. schafft werden, vor allem müßte auch die Stadt Cassel dazu beitragen, welcher der große Frem­denzufluß besonders zugute kommen würde. Ich bin überzeugt, daß diese Fremden, nament lich wahrend der Anwesenheit des Hofes in Cassel, nicht ausbleiben würden. Im Winter könnte vielleicht das Theater zur Errichtung einer großen dramatischen Schule benutzt wer­den, deren letzte Schülervorstellung im Anschluß an die Aufführungen der Nationalbühne, nicht blos vor der lokalen Kritik, sondern vor den Vertretern der g anzen d eutsch en Pres s« stattfinden würde. Eine derartigeTheater­schule der deutschen Nationalbühne" würde sich gewiß eines reichen Besuches erfreuen.

Mich Ihnen bestens empfehlend, zeichne ich Mit vorzüglicher Hochachtung

Alfred Kaiser.

zevvrlin, der Sieget!

Die große Fahrt des neuen Militärlnftschiffs Z. m» Friedrichshafen Hamburg; sieben- hundert Kilometer in ^hn Stunden vierzig Minuten: Ei« «euer Triumph Zeppelins!

Ein Telegramm unseres Ham­burger Korrespondenten mel­det uns: Das MilitärluftschiffZ. III" traf heute früh nach glänzender, un­unterbrochener Fahrt, von Friedrichs- Hafen kommend, bereits kurz nach halb zehn Uhr in Hamburg ein, mit brausendem Jubel begrüßt von eine: nach Zehntausenden zählenden Volks- menge, die sich an der Landungsstelle versammelt hatte. Da das Luftschiff gestern abend um elf Uhr in Friedrichs­hafen zur Fahrt nach Hamburg aus- stieg, hat es die siebenhundert Kilo­meter lange Strecke in zehn Stunden vierzig Minuten zurückgelegt. Die Landung in Hamburg ging unter Gras Zeppelins Leitung glatt von statten. Graf Zeppelin wollte kommen! Auf Stur- mesflügeln ging die Kunde von Mund zu Mund und ganz C a sfe l freute sich des großen Ereig­nisses. Ueberall ward es erörtert, ein Nam« nur bewegte alle Gedanken: Das Interesse von Cassel konzentrierte sich auf Graf Zeppelin und sein neuestes Luftschiff! Auf der Fahrt nach Hamburg wollte es C a s s e l berühren. Am spa­ten Abend sickerte durch, das ersehnte Luftschiff werde wohl nicht kommen; man habe in Fried­richshafen einen anderen Weg gewählt. Das fand nur wenig Glauben, und fo ging es denn recht lebhaft zu in den Cafes und den Re­staurants, wobei allerlei Reden und Debatten über Luftschiffahrt und Zeppelin vom Stapel liefen. Und auf den Straßen sah man titele, die sich nicht nach Haus« wagten, aus Furcht, das Luftschiff zu versäumen. Langsam däm­merte der Morgen, blutrot stieg die Sonne tm Osten empor und die Aue lag vom Taglicht überflutet. Rur derkleine Forst" sah aus tote ein grauer See mit dunkelragenden Inseln. In dichtem Schwaden brodelte der Nebel über sei- ner Ebene Einer nach dem Andern fand juf jetzt an derSchönen Aussicht" ein, übernächtige und doch erwartungsvoll. Es gatt ja. Zeppe­lin zu begrüßen,

Zeppeli«, de« Rattonalhelde«!

Mancher hatte vorsorglich den Mantel angezrgen u. tat wohl darian, denn die Morgenstunde war doch etwas frisch. Und wieder andere touren da, die den Rockkragen hochschlugen und bte Hände tief in den Taschen verbargen. Sie alle aber spähten zum Himmel und zum fernen Hori­zont, ob nicht bald das leuchtende Fahrzeug auftauchen würde. Wer aber einen Krimstecher bei sich führte, der ließ ihn nimmer von den Augen. Immer höher ftteg die Sonne, der Nebel sank und wärmer wurde die Luft, freie, der Blick in die Weite. Doch kein Zeppelinschlff kam, den Harrenden zum Tröste, und einer nach dem anderen schlich davon, enttäuscht und wohl auch mißmutig darüber, umsonst eine lange, lange Nacht geopfert zu haben. Im allgemeinen aber fand man sich bald mit der Enttäufchung ab, allerlei Mutmaßungen wurde,i laut, to i e das Schiff wohl gefahren sein möge, und Die. die am längsten gewartet und noch immer den Mut nicht sinken ließen, wurden durch bte Eitra - Blätter derCasseler Neue- st e n Nachrichten" zur «üblichen Heim­kehr veranlaßt. Die meisten von Denen.