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COler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 148.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 1. Juni 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Wenn einer eine Reise tut...!

Die Fahrt des englischen Kriegsministers.

Lord Haldane oi Cloan, der Kriegs- Minister Englands, weiland Göttinger Student und begeisterter Hörer deutscher Lehrer, weilt nun schon über eine Woche innerhalb der Reichsgrenzen, und noch immer ist der eigent­liche Zweck seiner Fahrt, die Ursache, die ihn zur Maienzeit über den Kanal trieb, das gro­ße Geheimnis des Tages. Der Minister des Krieges, der schon einmal als Bote des Frie­dens über den Kanal zog, hat in Göttingen alte Erinnerungen aus froher Burschenzeit aufgefrischt, die einstige mater hospitalis, die inzwischen zur ehrwürdigen Matrone herange­reist, in ziemender Pietät mit seinem Besuch beehrt, und die um die Zeit der Pfingsten in Rudeln herbeiströmenden Interviewer durch seinen Adlcttus Brown mtt der tröstlichen Ver­sicherung heimschicken lasten, daß seine Psingst- fahrt weder dem Kriege noch dem Frieden, son­dern lediglich der Erholung gelte. Von Göt­tingen aus trieb dann die Sehnsucht den Ver­ehrer deutscher Geisteskultur nach dem stillen Wetzlar, wo er im Zauberbann Goethe'scher Reminiszenzen zwei Tage dem Angedenken bc8 Größten unter den Heroen deutschen Geistes­lebens widmete, um dann, erfüllt mit den köstlichen Schätzen froher Erinnerung, dem Rheinstrom zuzuwandern.

Es darf uns schmeicheln, daß ein Mann von der geistigen und politischen Bedeutung des Lord Haldane of Cloan die beschwerliche Fahrt über den Kanal nicht scheut, um ein paar Tage der Erholung auf deutscher Erde zu verbringen, von deutschem Geist zu kosten und sich an den Schönheiten deutscher Gaue zu erstellen; aber es hält schwer, zu glauben, daß der Gast aus England ausschließlich zu diesem Zweck nach Deutschland gekommen ist: Dietote Saison" in der Politik ist noch fern, die sonst übliche Urlaubszett der Staats­männer noch nicht gekommen, und es stehen grade jetzt in der internationalen Politik Fragen zur Erörterung, die es nicht gleichgül- tig erscheinen lasten können, wenn ein wichti­ger Meur britischer Politik wochenlang durch stemde Lande reist, lediglich, um sich zu ,zer- streuen". Es verlautet denn auch, der eigent­liche Zweck der Haldane-Fahrt sei eine Unter­redung mit dem vom Bosporus heimkehren­den Marschall von Biber st ein, die stattfinden solle, bevor dererste Diplomat Europas" Wolff - Metternichs Erbe in Lon­don aittrete. Offiziös ist dieser Annahme bis­her weder von deutscher noch von englischer Sette widersprochen worden, und es ist also nicht unwahrscheinlich, daß sie zuttifst Selt­sam würde allerdings auch in diesem Fall fein, daß Lord Haldane eine wochenlange Reise unternommen hat, lediglich um diese Unterredung zu ermöglichen.

Auch im politischen Geschäft ist Zett Ge­winn und Wert, und es ist deshalb kaum an­zunehmen, daß ein einfaches diplomatisches Rendezvous mit dem Bibersteiner den Vlan- gehalt der Kriegsminister-Reise restlos er­schöpfen könnte. Auch die andre Erzäblung, Lord Haldane werde, wenn in der Unterre­dung mit Marschall eine Verständigung über gewisse schwebende Fragen der deutsch-eng­lischen Politik zustande komme, den greisen und wenig beweglichen Botschafter Goschen in der Vertretung der Interessen Englands am deutschen Kaiserhof ablösen, füllt nicht die sichtbare Lücke, denn das Eine wie das Andre zwingt nicht zu wochenlanger Fahrt durch die Fremde. Es ist in diesen Tagen allerdings die Rede davon gewesen, oaß Lord Haldane Deust'chland verlassen werde, ohne Berlin ge- sehn zu haben; die Organe der Berliner Wil- helmsttaße haben indessen an alle diese rätsel­haften Dinge bisher nicht gerührt, und so scheint es zum mindesten fraglich, ob der Gast aus England sich zur Heimkehr entschließen wird, ohne zuvor mit den Herren von Bethmann Hollweg oder Kiderlen - Waechter einen H inde- druck gewechselt zu haben. Kundige behaupten zwar, der Schwerpunkt deutsch-englischer Zu­kunft fei nicht mehr in der Wilhelmstraße, son­dern im Kabinett Marschalls von Biberstein zu suchen, und es erübrige sich also für den Lord, den Umweg über Berlin zu nehmen.

Hier ist wohl auch des Rätsels eigentliche Lösung zu suchen: Marschall von Biberfiein hat den Botschasterposten bei der Londoner Downing-Street sicher nicht übernommen, ohne in der Frage der (von beiden Seiten ersehn­ten) deutsch-englischen Verständigung be­stimmte Vollmachten erhalten zu haben, die ihm die Erfüllung einer Aufgabe ermög­lichen, zu deren Lösung man ibn vom Goldnen Horn zum Themseftrand berief. Marschall ist als Staatsmann dem Gängelband der Berliner

Wilhelitistraße längst entwachsen, und wenn er es übernommen hat, die politische Annäherung zwischen Deutschland und England als Bot­schafter in London zu verwirklichen, dann wird er auch die zu diesem Zweck gegebnen Möglich­keiten erkannt und ihre Nutzbarmachung sich ge­sichert haben. Auf der andern Seite darf Lord Haldane,ebenfalls als der Träger der Verstän­digungsidee gewertet werden, und auch er, der vor nicht langer Zeit erst in Berlin das Terrain sondierte, wird nicht ohne bestimmte Vollmach­ten abermals einen Gedankenaustausch begin­nen, von dessen Erfolg für zwei mächtige Reiche endliche Ruhe oder . . . Fortdauer der Unruhe abhängen. Haldancs Rheinfahrt, die zum Rendezvous mit dem vom Goldnen Horn heim­kehrendenersten Diplomaten Europas" über­leiten soll, wird also möglicherweise der Aus- gangspuntt einer neuen Epoche deutsch-eng­lischer Politik werden und dasgroße Geheim­nis" dieser Ministerfahrt offenbart sich uns viel­leicht später als natürlichster Entwicklungsgang.

F. H.

Tritt der Kriegsminister Zurück? Verabschiedung nach den Herbstmanöver«.

Ein Breslauer Zentrumsblatt brachte ge­stern die Mitteilung, daß der Krieg smi- nister von Heering en nach den Herbst- manövern seinen Abschied einreichen wolle und sich dann in Wiesbaden niederzu- laffen gedenke. Die Meldung war indirett in Zusammenhang gebracht mit den bekannten Zusammenstößen zwischen dem Kriegsminister und der Zenttumspartei im Reichstag anläß­lich des Duell-Erlasses. Wir erhalten dazu folgende Informationen:

t Berlin, 31. Mai.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Wie mir auf Auflage an unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, ist es nicht von der Hand zu weisen, daß in absehbarer Zeit mit einem Wechsel im Kriegsminsterium gerech­net werden muß. Herr von Heeringen hat schon früher die Absicht ausgesprochen, nach der Erledigung der neuen Wehrvorlagen von seinem Posten zurückzutreten, und es sind für diesen Entschluß in erster Linie Gesundheitsrücksichten maßgebend ge­wesen. Krieqsmimster von Heeringen, schon längst ein Sechziger, hatte in den letzten Mo­naten wiederholt mtt Krankhettserscheinungen zu kämpfen, wie sie das Alter mit sich zu brin­gen pflegt, und er sehnt sich deshalb nach Ruhe. Dann kamen in jüngster Zeit die pein­lichen Zusammenstöße mit der Zen- trumspartei in der Duellftage, die zwar schließlich friedlich beigelegt wurden, aber doch nicht ohne Einfluß auf die Stellung des Kriegsministers geblieben sind. Jedenfalls haben sie Herrn von Heeringen in seinem Entschluß, von seinem Posten zurückzutteten, bestärkt, und da nach den großen Herbst- manövern gewöhnlich ein Revirement in den hohen militärischen Kommandostellen einzu- tteten pflegt, hält der Kriegsminister diesen Zeitpunkt am geeignetsten zu seinem Rücktritt. Er kommt dann mit dem Reichstag nicht mehr zusammen, und es wird auf diese Weise auch der Annahme vorgebeugt, als erfolge der Rück­tritt im Anschluß an die Zusammenstöße mit dem Zentrum. An der Tatsache des bevor­stehenden Rücktritts ist jedenfalls nicht mehr zu zweifeln.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Ver­leihung der Brillanten zum Schwarzen Adler- Orden an Staatssekretär von Tiroiy und die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an den Kriegsminister von Heeringen. Die Auszeichnung erfolgt anläßlich der erfolg­reichen parlamentarischen Erledigung der Hee­res- und Marine-Vorlagen.

Relchstagswahl in Merzig.

Der Wahlkreis bleibt dem Zentrum!

(Privat-Telegram m.)

Trier, 31. Mai.

Bei der 'gestrigen Reichstagsersatzwahl in Saarburg-Merzig-Saarlouis, dem früheren Roeren'schen Wahlkreis, erhielt der Rational- liberale P ick 1510, Amtsrichter Dr. Wer r, der Kandidat des Zentrums 15 894, der von den christlichen Gewerkschaften aufgestellte Zen­trumskandidat Strauch 7133 und der Sozial­demokrat Krämer 889 Stimmen. Dr. SBerr ist somit mit rund sechstausend Stimmen Mehr. Helt gewählt worden. Die Wahlbeteiligung war nur gering. Von 44000 Wahlberechtigten gaben nur 25 424 Personen ihre Stimme ab.

*

Eine Reichstagsneuwahl in Mecklenburg.

gin Privat-Telegram m meldet uns aus Schwerin: Die mecklenburgische Regie­

rung ordnete die Reichstagsneuwahl für den Wahlkreis Hagenow-Grevesmühlen auf den zwanzigsten Juni an. Die Ersatzwahl ist bekanntlich dadurch nötig geworden, daß der Reichstag das Mandat des konservattven Ver­treters Pauli für ungültig erklärt hatte.

3er Tod als Versöhner?

Hohenzollern-Welfische Versöhuungsaktion.

Hätten nicht schon schwerwiegende politische Mottve die Gedanken auf die Wahrscheinlich­keit einer Beendigung des Zwistes zwischen den Häusern Hohenzollern und Cum­berland gerichtet, so wäre das sicher durch die sehr absichtsvolle Erklärung der hochoffi­ziösen Norddeutschen Allgemeinen Zeitung über die dem vemnglückten Prinzen Georg Wilhelm auf Anordnung des Kaisers er­wiesenen letzten Ehren geschehen. Daß diese Deutung richtig war und nicht nur einseitig ejuf das Haus Hohenzollern zutrifft, geht nun aber aus folgender, vom offiziösen Wolffschen Büro verbreiteten Meldung hervor:

Hannover, 31. Mai.

Tie wölfische Deutsche Volkszeitung mel­det: Prinz Ernst August von Großbrttan- nieit und Irland hat sich gestern abend aus Gmunden nach Berlin begeben, um dem Kaiser für dessen Teilnahme beim Ableben seines Bruders den Dank des Herzogs von Cumberland abzustatten. Das läßt zunächst ganz klar erkennen, daß die persönlichen Beziehungen, die seit 1866 fast ganz geruht haben, zwischen Berlin und Gmunden wieder ausgenommen worden sind, und bereits einen hohen Grad von Wärme erlangt haben. Die wetteren politischen Schlußfolgerungen ergeben sich von selbst. Da­mit soll zwar nicht gesagt sein, daß der Einzug des Herzogs Ernst August in Braunschweig unmittelbar bevorstehe; immerhin darf man es auch vom preußischen Standpunkt aus begrüßen, wenn nun endlich nach mehr als viereinhalb Jahrzehnten ein Konflikt sich sei­nem Ende nähert, der im Deutschen Reich viel Unruhe und mancherlei Verstimmung geweckt hat.

Hoheilzollern «nd Fumberland.

(Privat-Telegram m.)

Hannover, 31. Mai.

In maßgebenden hiesigen Kreisen wird be­stätigt, daß der Herzog von Cumber­land seinen Sohn, den Prinzen Ernst August, beauftragt hat, in Begleitung des Schwiegersohns des Herzogs, des Prinzen Max von Baden, nach Berlin zu reisen, um dem Kaiser nochmals den Dank des Her­zogs für die warmherzige Anteilnahme des Kaisers an dem tragischen Geschick deS Prin­zen Georg Wilhelm zu übermitteln und weiter den Dank des Herzogs auszusprechen für die Teilnahme der beiden kaiserlichen Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm und der militärischen Abordnung, die dem ver­storbenen Prinzen das letzte Geleit zum Bahn­hof Friesack gegeben hat. Der Prinz wird mehrere Tage in Berlin bleiben und dann nach Gmunden zurückkehren. Der Kaiser hat den Prinzen Ernst August bereits vor zwei Jahren in München am Hofe des Prinzrcgenten kennen gelernt. Wie einige hie­sige Mitglieder der Ritterschaft, die von den Beisetzungsfeierlichkeiten in Gmunden zurück­gekehrt sind, erklären, wird Prinz Ernst August auch der Kaiserin vorgestellt werden.

3er VerzweiflungskanHf um Fez. Die Situation ist andanernd ernst l Die Nachrichten aus Marokko lauten immer bedenklicher: Die Franzosen haben zwar bisher eine Erobern» g von Fez durch die Re­bellen verhindern können, doch ist ihre Lage eine nahezu verzweifelte, und selbst General Liauthey, der General-Resident von Ma. rokko, betrachtet die Situation als sehr ernst. Er bedauert, nicht drei Monate früher nach Fez gekommen zu sein. Es fehle ihm (wie er in einem Telegramm angibt) an jeder Grundlage, von der aus er nach und nach die französische Herrschaft über Marokko ausdehnen könne. Der General ist erst vor drei Tagen in Fez einge­troffen. Die neuesten Depeschen melden:

Paris, 31. Mai.

(Privat-Telegramm.)

Heute aus Tanger hier eingegangene Mel­dungen besagen, daß gestern in der Umgegend von Fez heftiges Geschützfeuer vernom- men wurde. Die französischen Ausklärungs­truppen operierten gegen die angrenzenden Stämme. Diese Operationen haben ein befrie­digendes Ergebnis gehabt. Obwohl die Harka den letzten arkgedrohten Angriff nicht ausge­führt hat, herrscht doch große Aufregung I unter den Eingeborenen. Die Stadt S e f r u, fünfzig Kilometer iüböitlicb von Fer. batte

einen heftigen Angriff auszustehen, der aber chließlich abgeschlagen wurde. Die Fran, zosen hatten einen Toten und fünf Verwundete. Die Verbindung zwischen Fez und Mekineff ist abgeschnitten. Eine Karawane wurde von den aufrührerischen Rebellen übersallen. Mehrere Dura sind in Brand gesteckt worden und Ku­riere aus Fez wurden getötet. Die französischen Verluste der letzten Kampftage sollen sich aus mehrere hundert Tote stellen.

*

Wie uns weiter aus Paris berichtet wird, hat derMatin" erfahren, dass von General Li­authey am letzten Dienstag in Paris ein a m t - kicher Bericht eingegangen fei, in dem es heißt, die Lage sei e r n st, ja sogar a l a r m i e - rend und die Gefahr nehme jeden Tag zu. Die Nähe der Ernte werde vielleicht eine vor­übergehende Entspannung bringen, aber man werde zweifellos kräftige Anstrengun­gen machen müssen, um die Ruhe wiederherzu- tellen «nd insbesondere, um sie dauernd zu er­halten.

zeWelin über ss-sfel!

Die erste Feimfahrt des neuen Zeppelin- Militärlnftschiffs; Eintreffen des Mi«. tär-Lnftschiffs über Lasset: Am Sonn­abend in den frühen Morgenstunden k

DieCasseler Neuesten Nachrichten" richteten heute früh an die Luftschiff­bau-Gesellschaft Zeppelin in Friedrichs­hafen di« telegraphische Anfrage, ob das neue Zeppelin - Militärluftschiff Z III" auf der heute abend beginnen, de» Fernfahrt Friedrichshafen. Hamburg auch Cassel berühren werde. Auf unsere Anfrage ging dann von der Luftschiffbau-Gesellschaft Zep. pelin folgende Drahtantwort ein: Cassel wird voraussichtlich am Sonnabend inden frühen Morgenstunden vomZ III" passiert werden."

Nach Meldungen aus Friedrichshafen wird Graf Zeppelin heute abend von feiner Bo­denseewerft aus die erste große Fernfahrt des neuen Zeppelin-MilttärlustschiffsZ. 3" nach Hamburg antreterr. Graf Zeppelin selbst übernimmt die Führung des Luftkreuzers. Die Fernfahrt soll mög­lichst ohne Zwischenlandung direkt nach Ham­burg gehen. Von Hamburg aus stnden dann Fahrten nach Bremen und Kiel sowie Orten« tierungssahrten über See statt, wobei Dampfer desNorddeutschen Lloyd" das Lufffchiff be­gleiten werden. Wir wandten uns heute mor­gen telegraphisch an die Lufffchiffbauwerst Zeppelin in Friedrichshafen mit der An­frage, ob Graf Zeppelin sein Luftschiff auch über Cassel steuern werde und erhielten dar­aufhin die telegraphische Antwort, daß das Luftschiff Cassel voraussichtlich in den frühen Morgenstunden des Sonnabends passiert. Diese Nach­richt läßt die Wahrscheinlichkeit zu, daß wir morgen früh das neueste Luftschiff des greifen Meisters vom Bodensee über der Residenzstadt Cassel begrüßen können. Es heißt allerdings, zettig auf dem Posten sein, da eine genaue Zeitangabe, wann das Luftschiff über Cassel eintteffen wird, bis zur Stunde nicht vorliegt. Eine Berührung Cassels auf der Fahrt Fried­richshafen-Hamburg ist allerdings auch nur dann möglich, wenn der für die Fahrt festge­setzte Kurs innegebalten werden kann und nicht widrige Windströmungen ein Abweichen von der geplanten Route erforderlich machen. Die große erste Fernfahrt des neuesten Zeppelin- LuftschissS vom Süden zum Norden ist übri­gens umso bedeutungsvoller, als Graf Zep­pelin selbst sein Riesenluftschiff steuert. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Nachricht inter­essieren daß das LuftschiffSchwaben" gestern in Frankfurt a. M. seine zweihundertste Fahrt ausführte. Während seiner fieben« monatigen Tätigkeit wurden rund zweitaufend- fünfhundert Kilometer Luftlinie zurückgelegt und fünstaufend Perfonen befördert.

Kaiser Wilhelm; Freundin.

Gräfin Morostni, die venezianische Freundin des Deutschen Kaisers: wieTruth" fie sah; die ungekrönte Königin der Lagunenstadt,

Im Kleinen Journal veröffentlicht Frau Gertrud Wertheim, die bekannte Schriftstellerin Truth, eine reizende und pfychologifch über­aus feingefdjliffeite Studie über die Gräfin Morofini, die venezianische Freundin des Deutschen Kaisers, an deren Haus bei Kaiser, wenn er im Süden weilt, nie Vorüber« gebt ohne die schöne SAictertn biri-8 "rächt-