COler Neueste Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 147.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 31, Mai 1912,
Fernsprecher 951 und 952.
2, Zahrgarrg.
Hchenzollern... Cumberland.
Betrachtungen zur Welfensrage.
Wir geben nachstehend einer Zuschrift Raum, die von unterrichteter Seite stammt und die Welfensrage, die durch den tragischen Tod des Prinzen Georg Wilhelm von Cumberland wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt worden ist, unter neuen Gesichtspunkten behandelt. Der Verfasser des Artikels ist ein alter Hannoveraner, der die Entwickltmg der Dinge aus nächster Nähe sah. Wir möchten uns seine Auffassung über Rechtslage und politische Interessen zwar nicht vorbehaltlos zu eigen machen, immerhin enthält der Artikel Manches, das auch vom preußischen Standpunkt aus Beachtung verdient. Die Redaktion.
Am letzten Dienstag hat man den ältesten Sproß des Welfen-Hauses zu Grabe ge- tragen. Im Mausoleum zu Gmunden am schönen Traunsee schläft der so jählings aus dem Leben Gerissene den letzten langen Schlaf. Die Liebe seiner Anhänger im Hannoverland hat seine Ruhestätte mit kostbaren Kränzen reich geschmückt und durch die Reihen der Getreuen schleicht stille Wehmut und tiefe Trauer. Als der Telegraph die Nachricht von dem erschütternden Ereignis brachte, da wurde plötzlich die Welfensrage, die seit 1907 nur wenig erörtert wurde, wieder aktuell. In nlanchem Herzen und in manchem Hirn tauchte der Gedanke aus: Nun wird ja die welfische Angelegenheit endlich zur Ruhe kommen; bet Sohn des Thronprätendenten ist tot, und damit ist die Welfensrage in ein neues Stadium der Entwicklung getreten. In der Presse wurde denn auch dieser Ansicht Raum gegeben, und einige offiziöse Blätter waren sogar so optimistisch, zu v.erkünden, daß die Welfensrage jetzt glatt erledigt sei. Sie könnte es sein, aber ... sie i st es nicht, und zwar durch die Schuld Preußens. Um uns das vor Augen zu führen, müssen wir ein paar Jahre zurttckschauen, bis 1907, wo die Wel- scnfrage gleichfalls im Vordergrund des Interesses stand. Hätte Preußen damals seine Welsenpolitik mit nüchterner Ruhe gemacht und sich nicht durch persönliche Gereiztheit verbittern und verblenden laffen, so ständen wir heute vor andern Tatsachen.
Die Lage war damals solgende: Prinz Albrecht von Preußen, der Regent von Braunschweig, war gestorben; da machte der Herzog von Cumberland Preußen den durchaus annehmbaren Vorschlag, er und sein ältester Sohn wollten ihre Ansprüche auf Braunschweig dem jüngeren Sohn Ernst August übertragen, der dafür auf Hannover ganz und gar verzichten und in Braunschweig eine neue Nebenlinie des Wel- fenhauses gründen solle. Dieser Vorschlag wurde von Preußen schroff zurnckge- wiesen. Was hätte es geschadet, wenn man ihn angenommen hätte? Der Zustand, der vor 1885 herrschte, wo in Braunschweig die ältere Linie des Welfenhauses regierte, wäre wieder- hergestellt worden: In Braunschweig die welfische Herrschaft und Hannover so, wie es heute auch ist. Der Herzog von Braunschweig, durch die Verfassung des Deutschen Reiches gebunden, hätte als deutscher Reichsfürst selbstverständlich von jeder Agitation in Hannover zugunsten seiner Verwandten absehen müssen und den Bestrebungen der Welsen wäre in keiner Weise Vorschub geleistet worden, wie man das in Preußen fürchtete. Es hat ja Preußen auch nicht geschadet, daß zwei welfische Prinzessinnen die Gemahlinnen des Prinzen Max von Baden und des Grotzherzogs von Mecklenburg-Schwerin, also deutsche Fürstinnen geworden sind.
Würde Preußen seinerzeit auf diese Regelung der Welfenftage eingegangen fein, so wäre heute der welfischen Agitation in Han nobei jeder Boden entzogen: Der Herzog von Braunschweig, durch die deutsche Reichsverfassung sowie durch sein Versprechen gebunden und der Herzog von Cumberland ohne einen Erben seiner Ansprüche auf Hannover, die mit seinem Tode erloschen wären! Vielleicht hätte er. den jetzt bestehenden Tatsachen gegenüber, bereits bei seinen Lebzeiten einen Verzicht auf Hannover ausgesprochen. Preußen wäre dadurch nicht nut tatsächlich, sondern auch rechtmäßig im Besitze Hannovers und alle welfischen Sorgen hätten aufgehört. So könnte es sein. Und warum ist es nicht so? Darüber erzählt man sich nicht nur in eiugeweihten Kreisen, sondern in ganz Hannover folgendes: Kurz vor dem Tode des Prinzen Albrecht von Preußen war eine erneute Spannung zwischen den Höfen von Gmunden und Berlin entstanden. Der Kaiser hatte bei der Herzogin Thyra für seinen ältesten Sohn, den Kronprinzen, um die zweite Tochter des Herzogspaares, die schöne Prinzessin Alexandra, gnbalten lasse». Das wußte man in aam
Hannover und man war nicht besonders gespannt auf den Ausgang dieser Werbung, den man sich sehr wohl denken konnte.
Es kam denn auch, wie es kommen mußte: Die Herzogin dankte dem Kaiser für die ihrem Hause und ihrer Tochter zugedachte hohe Ehrung, bedauerte aber, dem Antrag nicht Folge geben zu können, da sich ihre Tochter unter den obwaltenden Umständen am Berliner Hofe nicht wohl fühlen würde. Prinzeß Alexandra wurde dann nicht Kronprinzessin von Preußen, sondern nur Großherzogin von Mecklenburg. Die Antwort der Herzogin soll am Berliner Hose arg verstimmt haben. Der Kaiser soll darüber so erzürnt gewesen sein, daß er seinem Aerger in einem Briese an den Herzog von Cumberland Ausdruck gegeben, der diesen wieder so gereizt habe, daß er ihn allen Fürstenhöfen mitteilte. Durch diese rein persönliche Erbitterung soll seinerzeit die Erledigung der braunschweigischen Thronfolgefrage im Sinne des Herzogs von Cumberland ins Wasser gefallen sein. Für Preußen ergibt sich daraus die Tatsache, daß die hannoversche Frage heute noch nicht erledigt ist, und daI sie auch in absehbarer Zeit nicht erledigt werden dürfte.
Denn man darf es wohl als ausgeschlossen betrachten, daß Prinz Ernst August, jetzt der einzige Erbe aller welfischen Thronfolgeansprüche, auf Hannover verzichten und sich mit Braunschweig begnügen wird, nachdem Preußen selbst seinen Verzicht schroff zurückgewie- fen. Der Welfenprinz ist heute in keiner Weise an jenen vorgeschlagenen Verzicht gebunden, und alle Rechte seines Bruders sind auf ihn übergegangen. Nur kindliche Gemüter dürften die Hoffnung nähren, daß der Prinz, des langen Haders müde, die Streitaxt jetzt begraben werde. Um seines Hauses willen ist er gezwungen, alle Ansprüche auf Hannover und auf Braunschweig ausrecht zu erhalten, und nicht allein um seines Hauses willen, auch um seiner Anhänger in Hannover willen, die mit alter Niedersachsenzähigkeit an dem verbannten Fürstenhause hängen, und die es als einen Verrat an ihrer Treue empfinden würden, wenn der Prinz sie aufgäbe. So bleibt die Welfenftage weiter ungelöst, und da die welfische Agitation in Hannover in den letzten Jahren sehr erstarkt ist, so dürfte Preußen, durch seine eigene Schuld, vorläufig des Besitzes des annektierten Landes noch nicht so recht von Herzen froh werden. »xvz«
Friede in Gravenstaden!
Der Rücktritt des Direttors Hehler.
(Privat-Telegram m.)
Straßburg i. E., 30. Mai
Der Direktor der Gravenstadener Fabrik, Hehler, dessen Entlassung von der Regierung verlangt worden war, weit er deutschfeindlicher Umtriebe bezichtigt wurde, hat feine Demifsion eingereicht, die von dem Ausfichtsrate der Gesellschaft genehmigt wurde. Der Rücktritt Hehlers rüst in der Presse allgemeine Genugtuung hervor, schon aus dem Grunde, weil es dadurch de: Regierung wieder möglich wird, dem Werk ihre Aufträge zu überweisen, wodurch eine Schädigung der Arbeiter vermieden werden kann. Gleichzeittg beweist die Regierung dadurch, daß der Feldzug gegen das Werk nicht auf Konkurrenzmanöver der rheinisch-westfälischen Schwerikwustrie zurückzuführrn sei. Schließlich erwartet man davon eine Beruhigung der durch die letzten Vorgänge aufgeregten Be- vötterung der Reichslande.
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Baron Dietrich und Direktor Hehler.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Straßburg t E., 30. Mai.
Zur Gravenstadener Angelegenheit war in den letzten Tagen die Meldung verbreitet worden, daß die Verwaltung der Gravenstadener Werk lieber auf die Bestellungen der Regierung verzichten, als den Direktor entlassen wolle. Demgegenüber ist zu betonen, daß der Präsident des Verwaltungsrates, Baron Dietrich, bei seiner Vernehmung durch die elsaß-lothringische Regierung zugegeben hat, daß durch den Direktor Hehler unhaltbare Verhältnisse geschaffen worden seien. Der Präsident hat auch die B ereilwillig keil der Direktion erklärt, Hehler zu entlass e n; ein Unterschied in der Auffassung der Regierung und der Direktion bestand nur hinsichtlich des Zeitpunkts der Entlastung. Diese Schwierigkeit ist nun durch den freiwilligen Rücktritt Hehlers von selbst behoben worden. Wie verlautet, tritt Hehler an die Spitze eines französischen Werkes in Ranch. Er gab als Direktor des Gravenstadener Werkes seine Demission, nachdem er erkannt hatte, daß
auf einem andern Wege eine Beilegung des Konflikts nicht möglich sein würde. Von der Verwaltung war Hehlers Entlastung zum Oktober nächsten Jahres bereits,in Aussicht genommen. '
Von Feinden rings umgeben...!
Sie Berzweiflungskämpfe um Fez.
Die Lage der Franzosen in M a r o k k o wird immer gefährlicher, und es gewinnt den Anschein, daß entscheidende Kämpfe bevorstehen. Das französische Krieasministerium dementiert zwar die aus Madrid verbreitete Meldung über die Eroberung von Fez durch die Rebellen, gibt aber zu, daß die Situation außerordentlich kritisch ist und daß die Europäer in Fez sich in ernster Gefahr befinden. Die heute früh aus Paris vorliegenden Meldungen lassen denn auch erkennen, daß diese Besorgnisse gerechtfertigt sind. Wir erhallen folgenden Drahtbericht:
Paris, 30. Mai.
(Prival-Telegramm.)
Das Kriegsministerium hat gestern abend noch eine Depesche des Generals Liautheh über die Vorgänge in der Nacht zum Dienstag veröffentlicht und nur einen einzigen Satz aus einem gestern abend vom Residenten eingegangenen Funkentelegramm mitgeteilt. Dieser Satz lautet: „Wir befinden uns von Feinden rings umgeben." Deutlicher wird die Lage der französischen Truppen in Fez durch die eingetroffnen Privatdepeschen gekennzeichnet Der Zuzug, den die Aufständischen erhalten haben, gestattet ihnen die abermalige und noch kräftigere Bedrohung der Hauptstadt von drei Seiten. Das Hauptquartier der Berber befindet sich sieben Kilometer im Südosten von Fez auf der Zalagh genannten Anhöhe. Von diesem, der französischen Artillerie derzeit nicht erreichbaren Punkte erneuerten die Hee- reshaufen in der Nacht zum Dienstag den kon- zentrierten-Angriff. Dieses Mal fand der Feind das Vorwerk Gnisa, das ihm in der Nacht zum dreiundzwanzigsten Mai beim Angriff gegen den Osten der Stadt so gute Dienste geleistet halte, in Trümmer gelegt. Die franzö- sische Artillerie hatte in der Zwischenzeit das Vorwerk zusammengeschossen. Eine nachdrückliche Verfolgung will unter den gegenwärtigen Umständen der Resident Moinier nicht gestatten, denn bei der unsichern Haltung der Bevölkerung von Fez wäre es gewagt, die Stadt von Truppen zu entblößen. Alle Nachrichten aus Fez sind so unklar, daß man garnicht in der Lage ist, sich ein Bild von der Lage der Haupfftadt zu machen. Fast scheint es, als wenn ernstere Meldungen zurückgehalten würden.
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Sie Berber in Fez?
Ein weiteres Privat - Telegramm aus Paris meldet uns: Während man an hiesiger amtlicher Stelle noch immer erklätt, weitere Nachrichten vckm General Liautheh nicht erhalten zu haben, wird von anderer Seite ein Telegramm aus Tanger verbreitet, daß eS einer Abteilung der Berber gelungen ist, gestern nach heftigem Kampfe und energischem Feuer durch eine Bresche im Fott Tambett durch das Tor Medersah Bab Giffa inFez einzudringen. Einzelheiten über die gestrigen Kämpfe fehlen noch, doch scheint es, daß die Marokkaner taffächlich einen entscheidenden Sieg erfochten haben.
Die letzten Katastrophen.
Das Eisenbahn-Unglück bei Berchtesgaden.
In Ergänzung unserer gestrigen Meldungen über das Eisenbahnunglück bei Berchtesgaden wird uns aus Salzburg depeschiert: Der Zusammenstoß auf der Linie Salzburg-Berchtesgaden stellt sich als ein sch w e. res Unglück heraus. Die beiden elektrischen Motorwagen und sechs Personenwagen wurden vollständig demoliert. Es wurden im ganzen sieben Personen schwer und etwa vierzig leichter verletzt. Sechs Schwerverletzte haben im Krankenhaus zu Berchtesgaden Aufnahme gefunden. Drei Reisende aus Wien konnten erst befreit werden, nachdem die Seitenwände eines Motorwagens eingeschlagen waren. Mehrere andere Passagiere mußten mittels Leitern aus den Wagen herausgeholt werden. Die Ursache des Unglücks ist darin zu suchen, daß einer der beiden Motorführer das Haltesignal unbeachtet gelassen haste.
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Las Kino-Drama von Billareal.
Ein Privat . Telegramm meldet uns aus Madrid: Die ärztegerichtliche Untersuchung des Kiuematographen - Uu- glucks in Villareal hat ergeben, daß die Mehrzahl der Toten zumeist iunae Leute
und Kinder waren, die von den Nachstürzenden totgetreten wurden oder erstickten. Vor der einzigen Tür des Theaters sand man allein vierzig Leichen auf einem Haufen liegen. Der Besitzer des Kinematographen- Theaters, ein gewisser Pitasch, der ein in Brand geratenes Filmstück in einen Korb mit ge. brauchten Films warf und dadurch die Katastrophe verschuldete, befindet sich noch in Haft. Die Bevölkerung verlangt aber auch die Ver. Haftung des Bürgermeisters, der die be- stehenden Gesetzesvorschriften mißachtete und eine enge Bretterbude für die kinematographi- schen Vorstellungen freigab.
fin hessischer FWenMef.
Fürst Heinorch von Hanau Übe« den Friede«.
Die Caffeler Neuesten Nachrichten veröffentlichten vor einiger Zeit einen Brief des zurzeit wieder in Deutschland weilenden englischen Kriegsministers Lord Haldane o f Klo an, den der Minister an seinen literarischen Freund, Herrn Professor Dr. Henkel in Caffel-Wilhelmshöhe, gerichtet hatte und in dem er es als seine vornehmste amtliche Aufgabe bezeichnete, die deutsch-englischen Beziehungen so freundschaftlich zu gestalten, wie sie bisher nie gewesen seien. Lord Haldane, der seine Studienzeit zu einem großen Teil an deutschen Universitäten verbrachte, kennt Deutschland, deutsches Wesen und deutsche Art genau, und man darf das Vertrauen zu ihm haben, daß er seinen ganzen Einfluß aufbie- ten wird, um eine Annäherung zwischen Deutschland und England herbeizuführen. Die Veröffentlichung des Briefes Lord Haldane's an Dr. Henkel hat nun dem in Berlin-Schöneberg lebenden Fürsten Heinrich von Hanau, einem Sohn des letzten Kurfürsten von Hessen, Anlaß gegeben, an Herrn Professor Dr. Henkel ein längeres Schreiben zu richten, das sich mit dem Gedanken eines neuen internationalen Friedens- Parlaments befaßt. In dem uns vorliegenden Briefe heißt es:
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Mit großem Interesse habe ich gestern in der Presse den Schluß des Briefes gelesen, den der englische Kriegsminister an Sie gerichtet hat. Möchten doch alle Deutschen ebenso denken, zum Heil beider Völker! Um die in dem. Bries erwähnten Beziehungen zwischen Deutschland und England zu bessern, wäre jetzt die beste Ge. legenheit, wodurch auch gleichzeitig die Beziehungen Denffchlands zu Rußland und Frankreich gebeffett würden. Durch die Jnittative Englands müßten die fünf europäischen Großmächte ersten Ranges zu einem Tribunal zusammentreten, um dem italienisch-türkischen Krieg ein Ende zu machen, wobei aber auf keine hündischen oder freundschaftlichen Gefühle Rücksicht genommen werden dürfte, sondern wobei nur der Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und Billigkeit zur Richtschnur genommen werden müßte. Dieses Tribunal, für dessen Sitz ich Brüffel in Vorschlag bringen möchte (da Genf und Haag schon verbraucht sind) müßte sich dann nicht bloß auf diese eine Aktion beschränken, sondern müßte ein permanent tes Tribunal bleiben, welches den Berus hätte, alle Kriege in Europa zu verhindern. Ich weiß, daß es nicht leicht fein wird, diesen Gedanken zur Verwirklichung zu bringen, aber fester Wille führt zum Ziel... Ich zeichne mit dem Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung als
Ihr ganz ergebener Heinrich, Fürst von Hanau.
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Der hier von dem Fürsten Heinrich äuge« regte Gedanke eines „permanenten Friedens- ttibunals" ist sicher sehr ideal und beherzigenswett; die Erfahrungen indessen, die man Mit dem Friedensparlament im grünen Haag gemacht hat, ermuntern kaum zu einem neuen Versuch. Die Schiedsgerichts-Idee ist noch zu neu, praktisch zu unerprobt und sachlich auch (bisher) zu wenig durchgearbeitet, als daß man sich von ihrer Anwendung auf die großen internationalen Streitfragen und Völkerkonslitts schon jetzt tatsächlichen Nutzen versprechen könnte. Das zwanzigste Jahrhundert ist das Jahrhundert der starrenden Rüstung, dessen Friedens-Sehnsucht überdröhnt wird vom Geklirr der Waffen, und es ist sicher auch ein „Zeichen unsrer Zeit", daß der Gedanke an den „ewigen Völkersrieden" grabe d o rt als schöner Traum nachsichtig belächelt wird, wo letzten Endes des Schicksals Würfel rollen. Es bleibt uns nur der Trost, daß das sterbende Jahr- hundert vielleicht dem Ziel näher gekommen sein wird, als das junge, in Waffen starrende, dessen Tage in banger Sorge um den Frieden verrinnen. Für uns Hessen aber offenbart der Bries des Kurfürstensohnes mehr als die Sehnsucht nach einem himmel- f einen Ideal: Er erschließt uns das Snneie