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Hessische Abendzeitung
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Nummer 146.
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, 30. Mai 1912.
Fernsprecher 951 und 952.
2. Jahrgang.
Entente oder Allianz?
Frankreich, England «nd... Deutschland.
In England fühlt man plötzlich, zum Ende der Maien, Sehnsucht nach einer festem Grundlage der franco-britischen Freundschaft, nach einer Form, die mehr ist und größer« Wert birgt, als die schwankende entente cordiale, die im Wesentlichen vom Kursstand politischer Tagesmeinung abhängig ist. Schon seit Jahren empfindet man es sowohl in England, wie auch in Frankreich als einen Schönheitsfehler dieser entente, daß sie keinerlei Abmachungen militärischer Art enthält. Das Verhältnis der beiden Staaten zueinander ist ein rein platonisches, ohne daß sich bestimmt formulierte Rechte und Pflichten für beide Teile daraus herleiten laffen. Und da kein Staat von dem andern weiß, wie weit er sich auf ihn verlassen kann, kann er eben ... g a r n i ch t auf ihn rechnen. Bezüglich der Landstreitkräfte liegt die Sache noch verhältnismäßig einfach, denn das englische Landheer kann als selbständiger Faktor niemals in Betracht kommen. Wo es aber bei einem kriegerischen Konflikt als Hülfsmacht eingesetzt werden soll, das läßt sich noch in letzter Stunde festsetzen. Ganz anders liegt dagegen die Sache bezüglich der Seestreitkräfte. England und Frankreich haben außerordentlich mannigfache maritime Interessen zu verteidigen und für England liegt dabei der Schwerpunkt in der Nordsee.
Die Hauptaufgabe der englischen Flotte muß stets sein, eine feindliche Invasion zu verhindern und die Verbindung mit dem Kontinent aufrecht zu erhalten. Frankreichs See- intereffen liegen dagegen vornehmlich im Mitte l m e e r. Eine Blockade der französischen Nordküste oder selbst eine feindliche Landung kann Frankreich zwar große Unannehmlichkeiten bereiten, aber es wird dadurch kaum in feinen vitalsten Interessen berübrt. Der französischen Mittelmeerflotte fällt dagegen die wichtige Aufgabe zu, die Verbindung zwischen Frankreich und feinen afrikanischen Besitzungen aufrecht zu erhalten. Aus Afrika aber hofft Frankreich im Falle eines Krieges nicht nur Lebensmittel zu beziehen, sondern vor allem Ersatz für seine Armeekorps. Eine Störung der Verbindung mit Afrika durch die Vernichtung der französischen Mittelmeerflotte müßte also notwendigerweise zu einer Schwächung der französischen Widerstandskraft führen. Schon seit Jahren sind deshalb in Frankreich Stimmen laut geworden, die dafür eintraten, daß Frankreich seine Seestreitkräfte nahezu restlos im Mittelmeer konzentrieren, den Schutz seiner Nordküste dagegen England überlassen solle.
Und nun scheint's, daß jetzt in der Tat zwischen England und Frankreich ein Abkommen in dieser Richtung Zustandekommen soll. In den Pfingsttagen haben die englischen Minister Asquith und Churchill eine Reise unternommen, die sie nach Gibraltar, Malta und Aegypten führt. Der offenbare Zweck dieser Reise ist aber weniger der Genuß einiger schöner Tage unter des Südens warmer Sonne, sondern die Prüfung der Frage, wie weit England den Schutz seiner Mittelmeer-Jnteressen der französischen Flotte überlassen kann. Es sollen dann mit Frankreich besondere Abmachungen getroffen werden, durch die England die Möglichkeit gegeben wird, einen Teil seiner Seestreitkräste aus dem Mittelmeere zurückzuziehen und zur Verstärkung feiner Heimatflotte zu verwenden. Bei der heiklen Lage im Mittelmeer, wie sie durch den TripoliSkrieg geschaffen worden ist, wird allerdings auch künftig England noch eine Anzahl Schlachffchiffe im Mittelmeer belassen müssen, wie umgekehrt auch Frankreich voraussichtlich seine Nordküste nicht ganz von Kriegsschiffen entblößen kann. Aber im Prinzip scheint man doch die Aufgaben der beiderseitt- gen Flotten dahin festsetzen zu wollen, daß der englischen der Schutz der R o r d s e e, der französischen der des Mittelmeeres zufällt.
BerettS vor mehr als einem Jahr hat der englische Admiral Sir Edmond Robert Free- mantle berechnet, daß die französische Flotte in neiftt Jahren durchaus in der Lage sein werde, den vereinigten Flotten Oesterreich- Ungarns und Italiens die Stirne zu bieten. Er selbst aber setzte offenbar in diese rein theoretische Berechnung kein allzu großes Vertrauen, denn er vertrat die Ansicht, daß England trotzdem ein halbes Dutzend Schlachtschiffe im Mittelmeer belassen müsse. Die Mißstände in der stanzösischen Flotte rechtfertigen in der Tat ein gewisses Mißtrauen. Aber vielleicht gerade deshalb liegt England an einem Abkommen, das es wenigstens in der Nordsee von der Unterstützung durch die ftanzöfischeFlotte unabhängig gemacht. Für uns, die wir immer noch der Offenbarung des eigentlichen Zwecks der Pfinaükabtt. Lord
harren, birgt die neueste Phase stanco-britischer Freundschaftsarbeit kaum Beunruhigung, und es interessiert uns weit mehr die Frage, ob die entente cordiale zwischen den beiden Mächten sich tatsächlich (wie man es jenseits des Kanals ersehnt) zur festen Allianz entwickeln wird, oder ob England, bevor es neue Verpflichtungen eingeht, sich um die Einigung mit Deutschland in der Flottenfrage bemüht. Denn hier handelt's sich nicht um eine Zweckmäßigkeits-, sondern um eine Macht- und , . < Friedensfrage! -n.
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Lord Haldane reist zum Rhein!
(Telegramm unsers Korrespondenten.)
Berlin» 29. Mai.
Wie ich an zuständiger Stelle erfahre, wird der englische Kriegsminister Lord Haldane Deuffchland verlassen, ohne in Berlin Aufenthalt genommen zu haben. Der private Charakter der Reise Lord Haldanes tritt auch immer deutlicher zutage, denn der englische Kriegsminister vermied in Göttingen offensichtlich jeden Umgang, der politisch etwa hätte gedeutet werden können. Der einzige Besuch, den er in der Universitätsstadt machte, galt seiner Wirtin aus der Studienzeit, die jetzt hock^- betagt ist. Lord Haldane hat übrigens gestern Göttingen verlassen und sich in Begleitung des Professors Brown nach Wetzlar begeben. Von dort aus erfolgt am Donnerstag die Weiterreise nach Koblenz, von wo aus der Minister eine Rheinreise zu unternehmen gedenkt.
Hohenzollern und Cumberland.
Die Depesche« des Hofes in Gmunden.
(Privat-Telegramm.)
Hannover, 29. Mai.
Das Organ der hannoverschen Welfenpartei, die „Deutsche Volkszeitung", bringt heute an der Spitze ihres Blattes eine offizielle Klarstellung, die ihr auf ihre Anfrage aus Gmunden zugeht, und die sich mit den Sensationsmeldungen zahlreicher Blätter beschäftigt, wonach der Herzog von Cumberland alle Souveräne, mit alleiniger Ausnahme des Deutschen Kaisers, sofort telegraphisch von dem Ableben des Prinzen Georg Wilhelm in Kenntnis gesetzt habe. Hiernach hat der Herzog am Tage nach dem Unglücksfalle dem Kaiser Franz Josef die offizielle (militärische) Meldung telegraphisch erstattet, daß der Prinz, der Hauptmann im österreichischen zweiundvierzigsten Infanterie-Regiment war, tödlich verunglückt sei. Diese Meldung erfolgte durch den Herzog in seiner Eigenschaft als Inhaber des genannten Regiments. An andere Souveräne hat der Herzog keine telegraphische Nachricht über das Ableben des Prinzen ergehen lassen. Die „offiziellen" Anzeigen über den Tod des Prinzen erfolgen durch sogenannte Notifikationsschreiben, die durch Vermittlung der betreffenden Ministerien resp. der Hofämter überreicht werden auf welchem Wege auch Kaiser Wilhelm benachrichtigt wurde. Der Kaiser hat dem Herzog durch ein Telegramm von Hombnrg nach Dresden sein herzlichstes Beileid ausgesprochen und mitgeteilt, daß seine beiden Söhne, die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm, an die Unglücksstelle enffandt worden seien, für welche Teilnahme der Herzog sofort dem Kaiser telegraphisch gedankt hat. Sobald der Herzog er- suhr, daß der Kaiser auch für die Uebersührung der Leiche von Rakel nach dem Bahnhof Friesack mflitärischen Ehrendienst angeordnet habe, sandte der Herzog abermals ein herzliches Danktelegramm an den Kaiser.
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Die Beisetzung des Prinzen Georg Wilhelm.
Wie wir schon im gestrigen Abenddepeschen- Aushang mitgeteilt haben, fand am Dienstag mittag im Mausoleum in Gmunden die feierliche Beisetzung des verunglückten Prinzen Georg Wilhelm von Cumberland statt. Es erschienen mehrere hundert Personen. Enorm war die Zahl der Eingegangenen Kränze. Auf dem Wege zum Mausoleum bildete eine tausendköpfige Menge Spalier. Nach dem geistlichen Att im Mausoleum verabschiedeten sich die Familie des Herzogs von Cumberland und die Verwandten in ergreifender Weise von der Leiche. Nachmittags fand Fürsten- tafel im Herzogsschloß und Marschalltafel im Hotel Austria statt. Daran schloß sich ein Empfang sämtlicher Hannoveraner und Braunschweiger beim Herzog von Cumberland.
König Ferdinand in Gefahr!
Der vereitelte Anschlag eines Anarchisten.
Nach einem uns aus Berlin zugebenden Privat - Telegramm trifft König Ferdinand von Bulgarien am siebenten Juni in Potsdam ein, um dem Kaiser feine Antrittsvisite als Zar von Bulgarien zu ma. chen. Der Aufenthalt in Potsdam wird auf zwei Tage berechnet. Vorher wird der König Wien besuchen. Am Vorabend der Abreise des Königs nach Wien ist es der Polizei gelungen.
einen gefährlichen bulgarischen Anar. chisten zu fassen, der seit drei Jahren nach dem Leben des Königs ttachtet. Es ist ein junger Bursche namens Naidenow, der bereits vor drei Jahren zu neun Jahren Gefängnis wegen eines geplanten Anschlags gegen König Ferdinand verntteilt worden ist. Naidenow wollte Heute einen neuen Anschlag gegen den König versuchen. ■/ .
Mn Weltstreik in Acht?
Die englischen Transportarbeiter drohen!
Der Transportarbeit er st reik in England entwickelt sich bisher in normaler Weise und die Sage aus den Docks ist unverändert. Tausende von Kisten mit Aepfeln, Bananen, Orangen und Kartoffeln können infolge des Ausstandes der Transportarbetter nicht abgeliefert werden und verkommen. Eine besondere Polizei macht auf den Docks die Runde, worüber die Ausständischen unwillig sind. Das Geschäft auf dem Fleischmarkt ist fast normal, und es besteht keine Schwierigkett, das Fleisch in der ganzen Haupsstadt zu verteilen. Nester die Tragweite des Streiks gehen die Meinungen noch auseinander. Es geht uns darüber folgende Meldung zu:
London, 29. Mai.
(Privat-Telegramm.)
Wenn man den Worten des Arbeiterführers Ben Tillett Glauben fchenken darf, herrscht die Ueberzeugung, daß der Ausstand eine große Ausdehnung annehmen wird. In einem Manifest erklätt Tillett, die Arbeitgeber hätten die Arbeiter nicht als vollzählige Menschen betrachtet, sondern sie wie Lasttiere behandelt. Der Streik betreffe augenblicklich nur London, aber er werde sich ausdehnen über ganz England, Europa, Amerika und Australien, und er werde auch die Häfen von Japan und China ergreifen, wenn die Behandlung der Arbeiter keine Arnderung erfahre. Die Arbeiter könnten das Recht verlangen, sich den Syndikaten anzuschließen und solche zu bilden. Die Arbeiter seien entschlossen, den Befehlen ihrer Führer zu gehorchen, aber trotzdem herrsche große Ruhe unter den Arbeitern. Diesem Umstand sei es auch zu verdanken, daß keine Unrit« Heu vorgekomme« seien.
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De« spanische Eisenbahnerstveik beendet!
Wie uns ein Privattelegramm ans Madrid meldet, ist gestern abend der Ausstand der andalusischen Eisenbahner beendet worden, nachdem ein Abkommen zwischen den Ausständigen und den Eisenbahngesellschaften zustande gekommen ist. Die Gesellschaften nahmen die Fordemngen der Ar- better an. Die baldige Beilegung des Ausstandes ist der Vermittlung des Gouverneurs von Malaga zu danken, der bei den Eisenbahn- Verwaltungen zugunsten der Streikenden intet« vertierte.
Fez von den Rebellen erobert? Die neueste Hiobspost ans Marokko. Was wir vor Wochen in unfetnt Leitartikel „Mauretonia" voraussagten: Daß Frankreichs tatsächliche Herrschaftsbegrünvung in Marokko schwere Kämpfe erfordern werde, hat sich allzu rasch ersiillt. Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß sich die Marokkaner als Volk gegen die Franzosen erhoben haben, und die neuesten Depeschen aus Tanger laffen erkennen, daß die Situation tit Marokko außerodentlich kritisch ist. In Madrid geht sogar das Gerücht, daß Fez von den Rebellen erobert worden sei. Wir verzeichnen folgende Meldung:
Madrid, 29. Mai.
(Privat-Telegramm.)
In den Wandelgängen der Kammer ging gestern nachmittag das Gerücht, daß die marokkanischen Reellen Fez erobert hätten. Der Generalrefident Liautcy und der Gesandte Regnault sollen ermordet sein. Das Gerücht ist allerdings bisher unbestätigt und deshalb mit Vorsicht aufzunrhmeu. Weitere Nachrichten aus Tanger besagen allerdings, daß eine große Anzahl marokkanischer Stämme auf dem Vormarsch gegen die Hauptstadt ist. Ter Generalgouverneur von Melilla meldet, daß die scherifi- sche Harka von den Rebellen fortgesetzt Briese erhält, in denen sie aufgefordert wird, sich gegen die Oberste« zu erheben und die vorgeschobenen fpanischen Stellungen anzugreifen. Nach zuverlässigen Mitteilungen soll der srauzösische Verlust bei der Abwehr des jüngsten Hefti, gen Angriffs gegen die Hauptstadt Fez neununddreißig Tote und «eunundfiebzig Verwundete betragen, darunter zwei Schätz^mtnants.
Die Deutschen in Fez außer Gefahr!
Im Gegensatz zu den aus spanischer Quelle stammenden AlarmnaLrickt-» aus Marokko
wird allerdings ans Paris berichtet, daß im gestrigen Ministerrat Ministerpräsident Poin. caid Telegramme des Generals Lyauiev zur Kenntnis gebracht habe, in denen mitgeteili werde, daß der Angriff auf Fez zurückge- toiefen worden sei und die Angreifer bedeutende Verluste erlitten hätten. General Liau- tey bitte indessen um schleunige Absendung von Verstärkungen. Wie weiter berichtet wird, befindet sich die kleine deutsche Kolonie in Fez außer Lebensgefahr. Die in Fez lebenden Deutschen halten sich auf dem Grundstück des deutschen Konsulates auf.
Sie Hochflut-Katastrophe.
Leberschwemmungen in Schlesien u. Ungarn,
Breslau, 29. Mai.
Die Oder und ihre Nebenflüsse sind dauernd im Steigen begriffen und haben bereits den Höchststand des letzten Hochwassers überschritten. Bis jetzt trägt das Hochwasser, das aber noch nicht zum Stillstand gekommen ist und dauernd weiter steigt, den Charatter einer mittleren Ueberschwemmung, die gegenwärtig nur Wiesen und Niederungen der Oder unter Wasser gesetzt hat. Auch bet Queis und seine Zuflüsse aus dem Jserge. birge führen ganz gewaltige Wassermassen. Ferner wird aus Pleffen gemeldet, daß die Weichsel aus den Ufern getreten ist und Wiesen und Felder weithin überschwemmt Hatz Wenn das Wasser noch um einige Zentimeter steigt, ist eine verhängnisvolle Hochflut-Katastrophe unvermeidlich. Im Odergebiet sind be- reits mehrere Ortschaften von den Fluten bedroht und ganze Niederungen sind überschwemmt. Die Heuernte ist durch die Flut gänzlich vernichtet worden, sodaß der Schade« schon jetzt außerordentlich groß ist. Seit ge< ft ent abend geht fast ununterbrochen Regen nieder.
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Sie lleberfchwemmung in Ungarn.
(Privat-Telegramm.)
Budapest, 29. Mai.
Die Ueberschwemnngen im Marosge- biet haben einen seit Menschengedenken noch nicht dagewesenen Umfang angenommen. Ganze Herden Borsten- und Hornviehs sind in den Fluten umgekommen. Militär arbeitete die ganze Nacht zum Dienstag an der Verstärkung der Dämme. Gestern sind vier Tote aus dem Maros gezogen worden, darunter befand sich auch ein Säugling. An vielen Stellen sind die Schutzdämme geborsten, und die Fluten überschwemmen weite Strecken Landes. Besonders das Semeser Komitat ist stark heimgesucht worden. In Gattaja fanden eine alte Frau und ein junges Mädchen in den Wellen ihren Tod. In vielen Gemeinden sind zahlreiche Häuser eingestürzt und Brücken fortgerissen worden. In Temes. var sind die Anlagen in Gefahr, überschwemmt zu werden. Viele Häuser, Brücken und Eisenbahndämme sind von den Fluten zerstört worden. Die Werke der Staatseisenbahngesellfchaf« ten in Reschitza mußten infolge der Weber« schwemmung den Betrieb für längere Zeit einstellen. Seit gestern abend hat der Regen nachgelassen.
Sie Stau Des Knegsmimsiets.
Das Eheglück des Generals Ssuchomlft «ow; die Schicksaledes Gatte« eine« schöne« Frau; i« Rußland ist alles möglich; am Vorabend eines neuen Skandals. (Von unserm Korrespondenten.)
Petersburg, Ende Mai.
Bei der Besprechung des Etats des Heili- gen Synods in der Reichsduma mußte dieft oberste Behörde der russischen griechifch-ortho- doxen Kirche sich von den einflußreichsten Abgeordneten sagen lassen, daß sie das Recht gebeugt und im Interesse eines Staatswürdenträgers Fälschungen vorgenommen und Meineide zugelassen habe. Die schweren Beschuldigungen gegen den Heiligen Shnod erregten nicht nur das größte Aussehen, sondern sie sind bisher unwiderlegt geblieben. Währenddessen arbeiten rechtliche und angesehene Männer daran, um durch eine gericht- liehe Untersuchung Licht in ein Wirrsal dunkler Machenschaften zu bringen. Es ist bezeichnend, daß die durch und durch regierungsfromme „Nowoje Wremja* als erstes Blatt den Schleier von dieser Affäre reißt, die jedem Rechtsbegriff ins Gesicht schlägt und beweist, wasin Rntzlandmöglich ist. In Kiew lebte zu Beginn 1906 der reiche Gutsbesitzer B ul o Wit sch, dessen Frau zu den Schön- Heften der Stadt gehörte; einer der eifrigsten Verehrer der ebenso schönen wie eleganter Frau war der damalige Generalgouverneur von Kiew und Kommandierende, General Siuchomlinow. Seine Setoerbungen