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Djchter-Kfingsten.

Pfingsten, dasFest der Poeten".

Pfingsten ist das eigentliche Fest der

GribelsFrohe Botschaft" aus den Ju» niuslicdcrn gilt aber für alle, mögen sie ein heidnisches Maifcst. einen israelitischen Ernte­dank oder die christliche Ausgießung des t!,

Poeten. Kaum wohl ein Lyriker, der nicht das große Frühlingsfest besungen. Ob aber allen dieses Pfingstlied, das sie aus jubelndem Herzen hinausschmettern ließen, das poetische Ergebnis eines Erlebnisses gewesen ist, ist sehr raglich. Betrachtet man z. Beispiel eines der ers­ten deutschen Pfingstlieder, dasjenige des guten alten Benjamin Schmolcke (1672 bis

neschlachten, oder wenn eine Sendung von außerhalb gekommen ist, den Nachbarsleuten etwas Eßbares abzugeben, im deutschen Vater­lande weithin zu finden ist. Man rechnet auf Gegenseitigkeit und bringt so Abwechselung in dse eintönige Kost, die das Landleben mit ich bringt. Am Nachmittag oder am zweiten oder dritten Tage wird an manchen Orten ein Wettstreit veranstaltet, verbunden mit Ringeitechen. Da haben wir also sogar eine Ritteisitte, die sich jahrhundertelang bei dem Landvolk gehalten hat. Dte Burzchen steigen zu Pferde, und einer, derHaupt­mann", reitet vor die Front, um die Ansprache zu halten.

Zum Ringestecben dienen Tonnenreifen, de­ren Oeffnung durch Strohumwicklung so eng gemacht ist, daß es einige Schwierigkeit hat, mit dem Besenstiel, der die Lanze vertritt, bineinzustechen. Die Ringe hängen an hohen Gerüsten, und das Reiten wird echt rrttermaßig abgebalten, wie es ehedem an den Höfen der Fürsten und Grafen zu geschehen pflegte. Dte Sieger erhalten von den Dorfschönen, dte hold, errötend zuschauen, als Preise: Halstücher, Taschentücher, Schnapsflaschen, Tabakspfeifen . . . je nachdem die Kaffe sehr gefüllt oder leer ist. Zum Schluß werden die Gäule bekränzt, und mit manierlichem Dank den Bauern, die sie hergeliehen haben, wieder heimgebracht. Man benimmt sichhöfisch". Pfingstsitten gibt es sehr viele, und wir wollen sie hier nicht erschöpfen. Es war nur unser Zweck, einige aufzuführen, die ganz unzweifelhaft auf mit­telalterliche Ueberlieferung aus dem ritterlichen oder zünftigen Leben zurückzuführen sind. Wenn sich also ttn Volks- bewußtscin manche Bräuche bestimmt fünfhun­dert Jahre erhalten haben, so mag am Ende der Gedanke, daß Pfingstsiften ebenso gut erst tausend Jahre alt sein mögen, nicht verwegen erscheinen. Wir können es nur nicht mehr im einzelnen feststellen. Dr. Karl Mischke.

Mngst-öAundrr.

Das Geheimnis des See's von Lamaie.

Das P f i n g st f e st ist an lieblichen W u n - d e r n und Geheimnissen reicher, als wohl irgendein anderes. Wer es versieht, den laßt es Blicke in das Verborgene tun, und beson­ders ist es das Wasser, das zu Pfingsten aller­lei Geheimniffe verkündet. ES ist etwas Wun­dersames um das Pfingstwaffer, und zu den anziehendsten Sagen, die davon umgehen, ge­hören die, die zu erzählen wissen, daß zur hei­ligen Pfingstzeit Städte, die auf den Seegrund versunken sind, wieder erscheinen. Und nur in der Pfingstnacht werden sie auf eine kurze Spanne sichtbar, um dann wieder ins Dunkel zu versinken. Ein undurchdringliches Geheim­nis umgibt den See von Lamaie in dem französischen Teil der Vogesen. Eine Fülle von Sagen wissen die Bewohner seiner Ufer von dem zu erzählen, was seine Wasser bergen. Ehe­mals stand an seiner Stelle ein blühendes Ge­meinwesen, dessen Bewohner Schätze auf Schätze aufhäuften und das weit berühmt war wegen der Pracht seiner Häuser. Aber die Bur­ger verschlossen ihr Ohr den Mahnungen der Geistlichen, nicht allein ihr Herz an das Irdische zu knüpfen, sondern auch Gott den ihm gebuh- renden Teil von den angehäusten Schätzen zu geben. Ja, die gottlosen Bürger gingen sogar so weit, die sonntäglichen Pflichten zu verletzen und den Gottesdienst zu versäumen.

Lange wähtte die Langmut des Allmäch­tigen. Da erreichte die Gottlosigkeit am hei- Ilgen Pfingstfeste den Höhepunkt: Während der Priester in der Kirche das Hochamt feierte, er­gingen sieb die Bürger draußen auf dem Markt­plätze in Spiel und Tanz. Hohnlächelnd ver­schmähten sie es, den Worten des Priesters, der sie noch einmal vom Eingänge der Kirche aus eindringlich zur Buße ermahnte, Gehör zu schen­ken Doch o Schreck! Plötzlich öffnete sich die Erde und verschlang die ganze Stadt. An der Stelle, wo noch einen Augenblick zuvor Lust und Fröhlichkeit geherrscht hatten, da erstreckte sich jetzt ein tiefer, undurchdringlicher See . . . der See von Lamaie! Ein wenig verän­dert wird diese Sage von anderen Bewohnern der Umgegend erzählt. Sie wissen zu berich­ten, daß zwar die alten Leute gläubig und gottgefällig lebten, aber ihre Nachkommen schlugen völlig aus der Art: Gottlosigkeit kam über sie, sie wurden Kinder des Teufels. An­statt Sonntags zum Gottesdienst zu gehen, frön­ten sie vor den Pforten der Kirche weltlichen Vergnügungen. Da geschah eS am heiligen Pfinastfest, daß der Svielmann, der zum Tanz die Musik machte, ausblieb, und alsbald erhob sich ein gewaltiges Fluchen auf den Säumigen. Doch zum größten Erstaunen aller kam plötzlich ein Unbekannter des Weges daher, der eine Geige auf dem Rücken trug. Ohne ein Wort zu sagen, begann er die verlockendsten Weisen zu spielen.

Eine tolle Raserei überkam die Menge. Der erste Glockenschlag, der den Beginn des Hoch­amtes ankündigte, erscholl. Doch der Tanz nahm kein Ende. Zum zweiten Mal läutete der Glöckner. Die Raserei der Menge schien sich zu verdoppeln. Als er zum dritten Mal läutete und wiederum keiner dem Rufe Folge leistete, da warf plötzlich der geheimnisvolle Spielmann seine Geige auf den Boden. Und sieb da! die Erde öffnete sich und . . . verschlang alle. Dort, wo heute an der bretonischen Küste bei Saint Esflam sich das Gestade erstreckt, da erhob sich ehemals eine blühende Stadt, bereit mächtige Flotten die Meere beherrschten. An ihrer Spitze stand ein machtvoller Fürst. Sein Zepter war eine Haselnußrute, die Zauberkraft in sich barg. Alle seine Feinde machte mit ihr der König gefügig. So konnte es denn nicht ausbleiben, daß der Urbetmut des Fürsten und seiner Untertanen in#' ftenzenlose wuchs und daß sie sich selbst gegen Gott empörten. Doch Gott läßt seiner nicht spotten. Er entbot die Wellen des Meeres; sie kamen am Pfingsttag dahin und begruben die Stadt und ihre Be­wohner unter ihren bluten. Und alljährlich zur Mitternacht des err.ett Pfingsttages, wenn die Glocke das heilige Fest cinläutet. dann öffnet sich am Gestade ein geheimnisvoller Tun­nel, der zu der versunkenen Stadt hin- führt . . Paul von Eggern.

1737), das frühlingsfrohe JubelliedSchmücket das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen", o mochte man schon fast überzeugt fein, daß der gute Schweidnitzer Pastor dieses Lied nicht in froher, freier Gottesnatur ersann, sondern im engen Studierstübchen, denn gerade von Schmolcke, der auch ein Gebet eines vom Dache fallenden Dachdeckers gedichtet hat, ist es schwer anzunehmen, daß er seine Poesie erlebte. Man­che wirfliche Dichter-Pfingsten, erlebte, die nicht ohne Reiz sind, wurden aber nicht besungen. Aus Dichter-Tagebüchern, Erinnerungen und Briefen mögen hier einige solcher Feststim­mungen deutscher Poeten zusammengetragen werden. Es waren nicht immer fröhliche Pfingsten, die deutsche Dichter erlebten und das iss wohl die Ursache, daß diese Erlebnisse sich nicht zu Gedichten formten.

So entnehmen wir aus Hebbels Tage­büchern Pfingststtmmungsbilder aus seiner Hamburger Werdezeit. Am Pfingstsonntag des Jahres 1841 sitzt er in dem bescheidenen Heim, das ihm die treue Elise Lensing bereitet, und Erinnerungen an die Jugendzeit steigen auf:Pfingsten! Pfingsten! In Dith­marschen war das, was ich heute habe, immer schon Genuß, denn ich hatte Muße. Nun ist die Muße eben das Unerträgliche. Blumen würden mir Freude machen, ein Strauß! Ich habe keine und mag mir feine kaufen, denn ge­kaufte Blumen find keine unschuldigen mehr. Ich habe den Morgen wieder eine Szene in Genoveva vorgenommen; Elise sitzt auf dem Sofa und ruht, die Türen und Fenster stehen auf, frische Lust zieht durch die Zimmer und macht die Hitze menschlich. Zwischendurch spre- che ich über die Idee des Christentums. O, Genoveva, du machst mir viel Kummer! Lie­ben darf ich dich nicht und vernichten darf ich dich auch nicht!" Und am Pfingstmontag fügt der an seiner Schöpfung ringende Poet im weiteren Verfolg dieses Gedankens hinzu: Nein, das darf ich nicht, denn es ist ein Leben­diges, obwohl Mißratenes, und beim Mord wird nicht gefragt, was man mordete, nur, ob man mordete. O, welche Stunden!"

Es fit die Sorge um die Zukunft, die ihn am frohen Pfingstfest den Ausruf tun läßt. Im Nebenraum liegt Elises Kind, fei« Max. Aber er wäre nicht Dichter, nicht jung gewesen, wenn ihm nicht bei jedem frohen Leuchten des Glückes die Welt pfingstfröhlicher erschienen wäre. So ist's am Pfingsten des folgenden Jahres. Du waren freilich schwere Tage voraufgezangen, der Brand Ham. b u r g s. Er hatte sogar dabei persönliche Ge­fahren überstanden, beinahe wäre er erschlagen worden, weil der Pöbel ihn für einen Frem­den hielt, einen Feueranleger. Ihn rettete bloß sein Plattdeutsch. Aber am Pfingsttag schreibt er ins Tagebuch:Alle Angst und Rot ist vor­über. Das Feuer, das auch unsere Wohnung bedrohte, ist gelöscht, das Verhältnis mit Campe ist neu an geknüpft, ich habe Geld für mich und Elise und sitze jetzt bei dem fieunb. kicksten Sonnenschein in einem hellen, schonen Zimmer. Auch innerlich bin ich wieder in Tä­tigkeit, die Gedichte sind abgeschlossen, ick! will keine mehr machen, dagegen steigt eine neue Tragödie aus meiner Seele empor, und zwar eine ganz gewaltige: Achill! Schreiben will ich sie erst nack dem Moloch, aber nichts ist süßer, beruhigender, als wenn sich Aufgabe an Aufgabe reiht, dann sckaut man, wenn man der Zukunft gedenkt, doch nicht mehr ins Leere hinein, sondern sie hat Farbe und Gestalt."

Tas waren Pfingsten eines jungen Ringers. Von einem frohen Pfingsten eines anderen deutschen Dickttrs. der am Ende seiner Tage schwer zu rincen'b-ftte, erzählt uns Berthold A u e r b a ch. Er befand sich besuchsweise Pfingsten 1863 in Dresden von wo er ein paar Jahre vordem nack Berlin übersiedelt war. Von Dresden schreibt er an seinen Vetter am Pfingstsonntag:Ich habe vom Verein der Berliner Presse soviel züsammengebracht, daß ich meinem armen Freunde Otto Ludwig

gen Geistes feiern:

Laß nur zu deines Herzens Toren Ter Pfingsten vollen Segen ein. Getrost und du wirst neugeboren Aus Geist und Feuerflammen sein.

Tarin liegt für den modernen Menschen die innere Bedeutung eines Frühlingssestes. Er geht hinaus in die blühende, festlich ge- timmte Natur offenen Auges, wissenden Sin­nes. Er geht durch die Felder, in denen das Korn den jungen Halm ansetzt, er geht durch den Wald, er blickt von den Bergen aus in die weite Landschaft, u. überall sieht er tief in die Werkstätte des Lebens, aus der auch er selbst hervorgegangen ist, und in die er zurückkehren wird, wenn der Tag der Ernte gekommen ist.

Eine Befestigung in ernsthafter Tätigkeit" meint Wilhelm von Humboldt auf ein blumenumblühtes Pfingsten zurückblik- kend,und würdige Beschäftigung geben die Feste immer in ihrem Ursprung und den Er­eignissen. zu deren Andenken sie gefeiert wer­den. Aber auch die religiösen Beziehungen noch abgerechnet, bilden sie wohltätige Ab- chnitte im Jahre, dessen langgedehnte Eiw- örmigkeit sonst notwendig ermüden würde. Das Leben erscheint länger, wenn es auf diese Weife in fleinere Teile zerfällt, und dieS ist doch mehr als eine bloße Täuschung der Einbildungskraft."

Mnglt-Mtm.

Pfingsten in der deutschen Ueberlieferung.

Pfingsten ist ein kirchliches Fest und ein weltliches zugleich. Es wird in allen deut­schen Gauen mit großer Volksbelustigung ge- feiert, und der Grund ist in der Feier des Frühlings gegeben. Um Ostern, besonders wenn es früh fällt, ist es immer noch etwas, manchmal sogar sehr winterlich, zu Pfingsten dagegen hat die Sonne gesiegt, die Eisriesen sind verjagt, die Natur ist grün geworden, und die Blumen blühen. Die Häuser werden mit grünen Birkenzweigen geschmückt, der Mai­baum wird errichtet, die Mädchen tragen Blu­mensträuße und Kränze. Von der kirchlichen Bedeutung des Festes ist in den Pfingstgebräu- chen des Volkes nicht die Rede, aber das will nichts besagen. Das Volk gibt der Kirche, was der Kirche ist, an manchen Otten versammelt sich die Jugend sogar auf dem Dorfanger und tritt dann einen gemeinsamen Kirchgang an, nachdem auch das Gotteshaus mit grünen Rei­sern geschmückt worden ist. Aber bei der welt­lichen Feier des Festes ist andererseits von der kirchlichen Bedeutung keine Spur zu finden. Beides läuft nebeneinander her, ohne sich zu beeinflussen oder gar zu stören. Kulturforscher haben sich bemüht, in vielen Pfingstsitten Reste von altgermanischen Frühlings­feiern zu finden, die man schon begangen haben mag, ehe das Christentum bei unseren Altvordern Eingang fand.

Das mag wohl auch tatsächlich so fein, und vieles deutet daraus hin. Festgelage und Tanz, Auszüge, Reigen, Wettspiel und gemeinsamer Maisch zum Heiligtum können sehr wohl an altgermanische Sitten anknüpfen, denn Förmlichkeiten bei Festfeiern vererben sich mit großer Zähigkeit durch Jahrhunderte. Aber mit der altgermanischen Ueberliefe­rung ist viel Uebertreibung nn- tertaufen, und wer sich wirklich mit den Schriften besaßt hat. die Wir aus den alten Zeiten haben, der wird vorsichtig, denn er Weiß besser als andere Leute, wie wenig wir in der Tat wissen. Von vielen Dingen, die wir aus dem Altertum aWetten möchten, können wir höchstens sagen: So ist es jetzt, und, wie die Sitte sich nachweisbar hundert oder zweihun­dert ober dreihundert Jahre gehalten hat, so wird sie wobl auch den damaligen Leuten von ihren Vorfahren überkommen sein, die Wie­de r einige Jahrhunderte früher gelebt haben, und vielleicht können wir uns so, rückwätts schauend, ein Bild von dem Leben der Almen machen, wie sie es getrieben haben zu einer Zeit, als man Pfingstsitten und dergleichen noch nicht aufschrieb und für anffchreibenswert er­achtete. Auf sicherem Boden gelangen wir, wenn wir einige der heute noch vorhandenen Pfingstsitten betrachten und dabei nicht gleich an die entlegenste Vorzeit denken.

Von den Sitten des Eiersammelns, der Umzüge, bei denen Wurst, Backwerk und son­stige Lebensmittel Mts dem Hause abgeholt werden, wollen wir nicht ausführlich sprechen. Dieses Vettahren dient einfach der Verpro- viantterung der Feiernden, und es liegt viel­leicht kein symbolischer Sinn darin. Freilich verdient bemerkt zu werden, daß die Geneigt­heit, bei festlichen Avlgssen, wie beim Schwci-

zweiundvierzig Napd'or bringen konnte. Zu ihm drängte mich's vor allem. Unterwegs ehe ich, daß Pfingstmaien verkauft wer­ten, ich kaufe einen großen schlanken Birken- tarnm und lasse ihn mir bis ins Haus tragen, dort im Garten sind die Knaben Ludwigs, die wie junge Löwen auf mich zuspringen nd mich vor lauter Jubel umreißen. Ich trete ein, Frau Ludwig ist glückselig, Ludwig ruft aus dem in­neren Zimmer:Bist du da, alter Auerbach?" Ich trete mit den Maien in der Hand ein. Der gute Kerl liegt schrecklich abgomagert auf dem Sofa im halb finsteren Zimmer, er kann sich nicht aufrichten, er ist ganz glücklich und fährt mir immer mit der knöchernen Hand über die meinige. Ich stelle ihm den Maien, er faßt ein Blatt ckn und sagt: Du, guter Alter, bist meine Welt und bringst mir den Wald. Ick lege ihm nun als Gruß derer, die ihn ehren und lieben, die Sachen alle hin, die ick für ihn habe, da saßt er mich und schluchzt, und endlich sagt er: Ich war so stolz, so stolz. Es hat mich noch kein Mensch auf der Welt weinen sehen als du. Du darfft's ...!

Als Auerbach dann spät abends fortging, läuteten die Glocken das Pfingstfest ein. Ich kann dir nicht sagen, wie bewegt ich war, wie wenn mir die Seele ans dem Leibe ge­nommen und ich in der zitternden, bebenden, klingenden, duftenden Weltseele schwebte, und doch verklingt und verduftet und versckwebt alles wieder. Da liegt da drüben ein Geist, so groß und rein, in einem kranken Körper an das Lager gefesselt, und da draußen ist die Welt so weit, so klingend und duftend im Abendschein, und dort wird gebetet und hier Musik gemacht und drunten brausen die Schiffe und droben funkeln die Sterne und zwischen allem soviel Leben und Tod." Berthold Auer­bach selbst war damals kein Ringender mehr; er stand auf der Höhe des Lebens und Ruhms. Seine Pfingsten waren behaglich und schön. In behaglicher Stille flössen auch Eduard- rikes Pfingsten lange dahin, obwohl seine Zufriedenheit und Festfreudigkeit nicht aus rei­chem Besitz, sondern aus bescheidener Anspruchs­losigkeit flössen. In seinen jüngeren Jahren saß er wohl gemütlich nach der Kirchzeit in sei­nem Pfarrgärtlein in Cleversulzbach, wo feine schönsten Gedichte entstanden. Später, als des Dichters Leben rastloser wurde, als um ihn herum auch die besten Freunde gestorben wa­ren. war Wohl auch manch Pfingsten des Dich­ters von Sorge und Trauer beschattet. Ein Pfingstfest, das des Jahres 1871, schildert uns ein Brief Mörikes an den Maler Julius Naue, einen Schüler Schwinds, der mit Morike be­freundet gewesen, und der dem Dichter seine Zeichnung, die Schwind auf dem Toten­bette darstellte, gesandt hatte. Mörikes Psingstgruß ist ein Erguß tiefsten Schmerzes, und ferne Pfingstfreude versankin einem Meer von Tränen . . ." Eugen Noska.

Deutsche Pfingsten.

Eine Betrachtung znrn Pfingstfest- von

Alexander von Gleichen-Rußwurm.

I In den Briefen an eine Freundin schreibt B Wilhelm von Humboldt:Auch mir ist das ; Pfingstfest eigentlich das liebste unter den L- großen Festen. Seine heilige Bedeutung, das - Herabsteigen göttlicher Kraft auf menschliche e Wesen hat etwas zugleich Tröstendes und Er­hebendes und das doch nicht über der Fas- , sungskrast unseres Geistes liegt, da man wohl i- zu begreifen vermag, wie sich Göttliches und k Menschliches mischen. Irdisch genommen ist es - ein gar liebliches Fest, weil es den Winter recht eigentlich beschließt und man nun dem = heiteren Sommer entgegensieht."

Das Fest froher Entsaftung, quellenden Le» 6 bens, das Fest frühlingswarmer Schönheit knüpfen wir an die christliche Erzählung von der Ausgießung des heiligen Geistes und ver­binden die Stimmung, die das innere Werden . ? und Freiwerden ausdrücken soll, mit der Stirn- : mung, die das Werden in der Natur erzeugt. i Was Ostern verspricht, soll Pfingsten uns hal­ten. Dem jungen zaghaften Grün, das vor e sechs Wochen in garten Blättchen zu* einem U blaßblau duftigen Himmel sich emporstreckte, ist s die Blütenpracht mit verschwenderischer Fülle . gefolgt, und wir atmen froh den Duft des i Flieders, wir haschen nach den herabfallenden Blättern, die sich von den weißen und roten Kerzen der Kastanienbäume losen, wir breiten froh die Arme der Sonne entgegen, denn der Frühling, tote ihn Dichter seit alters besangen als Spender der Liebe, der Lust, des neuen Hoffens und Wollens, ist da. Jugend- und Glücksträume stehen uns vor Augen, toenn die - buntbebänbertenMaien" vor den Häusern i und Kirchen prangen. Es ist in der Natur, toie Klopstock im GedichtDie Frühlings feier" die Dithyrambe auSklingen läßt:

Siehe nun kommt Fehovah, nicht mehr im f Wetter:

In stillem sanften Säuseln

Kommt Jehovah

Und unter Ihm neigt sich der Bogen des Friedens."

Die Frühlingsstürme sind vorüber, die er­sten Rosen erschließen sich im wohlgepflegten Gatte«. Einst war, einer anderen Natur und einem anderen Klima entsprechend, dasFest der Wochen" (toie Pfingsten im gelobten Lan­de hieß) das Erntedankfest bei Juden. Als die griechische Kultur und Sprache allgemein ge­bräuchlich in gebildeten Kreisen wurde, erhielt bas Fest den Name«Pentekoste hemera" (der fünfzigste Dag), aus dessen erftem Wort der deutsche NamePfingsten" entstand. Für die chttstliche Welt bekam die Feier des jüdischen Erntedankes dadurch eine tiefe Bedeutung, daß an diesem Tage, toie es die Apostelgeschichte erzählt, bet heilige Geist Über bie Jünger ans- L gegossen würbe. Diesen Zeitraum legte man fest - als bett eigentlichen Beginn ber christlichenKirche. Papst Urban der Zweite ordnete im Jahre 1094 die regelmäßige Feier an, die anfangs auf drei Tage ausgedehnt war, später auf Sonntag und Montag beschränkt wurde.Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, saßen sie (die Jünger) alle einmütig beieinander", beginnt die biblische Erzählung jenes geheim- ttsvollen Wunders, das seit den Erklärungen ober vielmehr dichterisch-philosophischen Um­schreibungen ber Gnostiker bie Theologen aller Zeiten beschäftigte. Es brach unter den ber» ich [ebenen Kirchenlehren wohl mancher bittere Streit aus über bie Person, das Wesen unb bie Machtfülle des heiligen Geistes, der den Jünger« den Befehl gab, allen Völkern und allen Ländern bie neue Lehre zu lünben, und manches hatte Wott fiel darüber auf den christ­lichen Konzilen.

Wir vergessen diesen Streit bei unserem der Freude getoidmetcn Frühlingsfest und lächeln ber Wortklaubereien kampfesfroher Bischöfe aller Zeit. Das Wesen des heiligen Geistes ist für den Laien allzu schwer zu faffen. So ist es leicht ertlärlich. daß er den Herzen ber Gläubigen niemals so nahe ttat, wie Gott, Vkitcr und Sohn, und daß auch an seinem Feste die dogmatische Bedeutung mehr in den Hintergrund tritt. Die Jahreszeiten sind in allen Religionen mit den Festen der Gott­heft in Verbindung gebracht: durch den Inter­nationalismus des siegreichen Christentums flauen sich wohl des verschiedenen Klimas we­gen einige Begriffe und Grundlagen verscho­ben. So ist unter anderem das als Ernte­dankfest gedachte Pfingsten zu jener Feier des blomenumblühten Lenzes geworden, an bie K; Goethe mit behäbiger Ratursreude dachte in beü Versen des Reineke Fuchs:

Pfingsten, das liebliche Fest war gekom­men, es grünten und blühten

Feld unb Wald: auf Hügeln und Höh'n, in Büschen unb Hecke«

Uebten ein fröhliches Sieb die neuermun« terten Vögel;

Jede Wiese sproßte von Blumen in duf­tenden Gründen,

Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

In den Sorten des Altmeisters finden wir tfe Stimmung jenes frohen Zeitpunktes, der fass überall in germanischen unb slavischen Ländern auch einem altheidnischen Brauche ge­mäß gefeiert wurde. Am ersten Mai oder zu Pfingsten (in Skandinavien bat man sogar den vierundzwanzigsten Juni bestimmt) wird der Maibaum feierlich aus dem Wald geholt und mitten im Dorf ausgepflanzt. nachdem man ihn vorher unter Gesang durch bie Stra­ßen getragen. Spenden aller Art, Würste, Heine Kuchen. Bänder hängen zwischen dem Grün, er wirb im fröhlichen Reigen von der if Jugrnd umtanzt. Diese Sitte läßt sich in vie­len Gegenden durch das ganze Mittelalter als Psirrgstbrauch verfolgen. Später trennt sich das eigentliche Mriftst als weltlicher Freuden­tag von dem '' hr kirchlich genommenen Pfingsten ab, um ie heidnischen Bräuche vom Maismer. dem Mairitt und dem Maigrafen bleiben für sich bestehen als symbolische Dar­stellungen vom Siegeszug des FrüMnaL

Pfinqst-Beilage der Casseler Neuesten Nachrichten.

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