Einzelbild herunterladen
 

Amt sZZZZL sZLßZss LZZssZ sZs^ssV

CMrNeMsteNchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang.

ÄLummer 144.

Sonntage 26. Mai 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

t?

X

>ü

£-

-

Kssngsten!

1

£ -

«

*

*

.

i

Eugen Stangen.

X

CT*U»

In der Tat ist cs allseits anerkannt, daß

sich mit Freiherrn von Marschall über bestimm­te Punkte einigen, so darf man damit rechnen, daß Lord Haldane als Botschafter nach Berlin geschickt werden wird. Daß der Plan, den bisherigen Botschafter Goschen durch Lord Haldane zu ersetzen, schon seit längerer Zeit be­

ten. Tas Luftschiff war heute morgen kurz vor acht Uhr von Bitterfeld in Leipzig angekommen und beabstchttgte, hier mehrere Flüge zu unter, nehmen.

j.____

Ä.

s 5 0

die Welt je gekannt hat, als der «nsrigen rüh­men; auch wir des Daseins berühmter Maler, deren Werke heutzutage stark begehtt sind und dieselben Riesensummen, die für einen Rem­brandt oder van Dyck bezahlt werden, heraus­fordern. Ebenso haben wir ganz bedeutende Gelehtte in der Medizin, speziell in der Chirur­gie, hervorgebracht, deren Namen allezeit als die von Helfern für die Rettung zahlloser Men­schenleben mtt Ehren genannt werden müssen. Wir haben parlamentarische Einrichtungen, die den Neid der Welt angereizt haben, und einen Monarchen, sowie eine königliche Lan­desmutter, die von ihren Millionen von Unter­tanen tiefiinnig geliebt werden. Was haben wir also nicht mit Deuffchland gemeinsam? Nichts vielleicht, es sei denn ihre Land- und unsre Seemacht. Aber die Einigung der mächtigsten Militär- mit der mächtigsten Flot­tennation könnte solche Einheit bilden, daß diese die Achtung der ganzen Welt ertrotzen und hiermtt den Weltfrieden zu sichern die Eig­nung haben könnte.

über sollte darum meines Erachtens für die unmittelbare Zukunft kein Streitknochen zwi­schen uns liegen. Haben doch, wie schon be­merkt, die zwei Länder sonsthin so Vieles, ja in Wirklichkeit nahezu Alles gemeinsam, denn auch wir können uns der größten Dichter, die

! TU da freier Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und gwar abends. Ter AdonnementSpreiS betragt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung in» Haus. Bestellungen werden febenen von bet Geschäftsstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Rcdaltion! Dchlachtyofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von I di« 3 Uhr nachmittag«, Sprechstunden der Auskunft. Stelle, Jeden Mittwoch und Sonnabend von s bi« 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, ftriedrichstr. IS, Telephon: Amt Morttzplatz 676.

Sollte Lord Haldane

Km frü ürr Mngsten flsrnrnrn weihe Gluten, And leist taucht, umstrahlt oou Msrchenblsu, Die selige ffnstl aus des Lebens Fluten; Snrt schreitet eine wunderschöne Frau.

SemlmMer PsinMeisi. Sollen Deutschland und England als Völker und Mächte Freunde werden?

Von

Baron Alfred von Rothschild.

Der Herausgeber vonStarb und Sieb" hat an eine Reihe hervorragender Eng­länder die "Bitte gerichtet, sich über die Beziehungen zwischen Deutschland und England und deren freundschaftlichere Gestaltung zn Sntzern. Wir registrieren aus der großen Reihe von Antworten, deren Wortlaut uns der Verlag vonSterb und Sud-- zu« Vorabdruck überlassen hat, die folgende des bekannten Londoner Finanziers Baron« Alfred von Rothschild, die in ihrer Auffassung für die jenseits des Kanals herrschende Stimmung am cha akteristischsten und interessantesten ist, Im Lause von nahezu vierzig Jahren habe ich mit den verschiedenen jeweiligen deutschen Gesandten persönliche Bekanntschaft ge­pflogen, und diese persönliche Intimität hat mich bei mehr als einer Gelegenheit befähigt, - den entsprechenden Regierungen von eini­gem Nutzen sein zu können. Es dürfte aller- , dings ein stattliches Buch Men, wollte ich die Meinungsverschiedenheiten, die sich während dieser vielen Jahre ergeben haben, ins Einzelne verfolgen; glücklicherweise haben sie alle ein friedvolles, befriedigendes Ende ge­sunden. Diese kleinen Meinungsverschieden­heiten hätten gewißlich als vorübergehende ;schwere Bedenken* bezeichnet werden können. Heute haben wir solcheschwere Bedenken* nicht zu verzeichnen, und doch lebt ein Gefühl unter uns, als ob dieDinge* nicht so stehn, wie sie ! sollten, und daß (nur als dessen Folge kann der - Gedanke entstehen) in nicht zu ferner Zukunft fe- V erw icklungen ernsten Charakters M zu befürchten seien. Daß ein solches Ge- i fühl überhaupt gehegt wird, ist mehr als bekla- genswett. Darum erhebt sich "die Frage, wie dieses mit seiner Wurzel z e r st ö r t oder jeden­falls ins Ausmaß geschw ächt werden könne, so daß es einmal von selbst an Entkräftung eingehe. Zuvörderst sollten beide Länder zur Erkenntnis kommen, daß die Welt für beide groß genug, und je größer eines jeden Ehrgeiz sei, ungekannte Landstriche der Zivilisation zu erschließen, um so größere Vorteile für beide gewonnen werden. Es gibt, oder genauer, es [ sollte keine Rivalität in Industrie oder Handel zwischen ihnen geben. Die Welt wird stets die Güter, die die billigsten und beste» sind, einzu- schätzrn wissen; wenn aber einmal im Einzel- falle solche Rivalität existieren muß, kann sol­cher Mitbeweber in seinem Endzwecke nur von Bortefl für das Objekt des Mitbewerbes | sein.

JnferttvnSpreife: DU fechSgefpaUene Zeile für elnhelmifche ÄefchLft« 15 Pfg., für au«, roärttge Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische Mefchüfte 40 Pf, für auäroirttge «eschäfte 60 Pf. Beilagen für bte Gesamtauflage werden mit r Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Gasseler Reuesten Nachrichten ein vorzügliche» gnferttoniorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 10, Telephon: Amt Morttzplatz 07«.

Wird "das Nicht bedacht? Die beiden Län­der sollten doch nicht vergessen, daß sie so vieles, wenn nicht in der Hauptsache alles ge­meinsam haben: Redefreiheit, Gewetbe- und Tatfreiheit, sowie Einrichtungen, die - Zeugnis dafür ablegen, daß häufig im letzten Grunde die öffenüiche Meinung die Regierung des Tages davstellt. Die Deutschen können mit « Fug auf ihren Monarchen stolz fein, der «ine | so bedeutsame Rolle in der GeslPchtsgestaltung ihres Schicksals spielt; nicht minder können sie auf die lange Reiche ihrer Genies, deren Namen ewig unsterblich bleiben werden, mit Stolz blicke«: Albrecht Dürer und Holbein als Maler; Goethe und Schiller in der Lite- - ratur, und in der Musik! Welcher Name hat neben Mozart, Beethoven und Brahms mehr magischen Klang, als der Wagners, dessen ruhmbeladene Vorherr, schäft nirgends größere Anerkennung findet, als f grade bei uns? Ich könnte natürlich noch viele Namen hinzufügen; die genannten allein aber sollten genügende Ueberze"Ugungskraft für die Behauptung in sich tragen, daß in Kunst, Wis­senschaft und Literatur Deutschland niemandem nachsteht. Ebensowenig will ich bei der langen Reihe deutscher Heerführer, von denen der eine immer hervorragender als der andere tft, ver­weilen. Sie haben das Zusammmen- schm ieben des Deutschen Reiches ermöglicht. Ihre Namen liegen auf aller Lippen. Wenn ich nun dennoch die Flotte erwähne, geschieht es, wefl ich zuversichtlich des Glaubens bin, daß die deutsche Natton als ein Ganzes die erste sein wird, die zugibt, daß, wenn sie mit ihrem groß angelegten Flottenbauplan fortfährt, wir vollauf berechtigt sind, das Gleiche zu tun zum Schutz unsers Heimatlands, wie unsrer fernen Besitzungen.

»pr--riH'-iüi,^

Sir irgt die tzsuü heilend auf Weh unä Wunden, Meßt in dir Seelen süßen Feuerrnein, And mn sie geht, da must das Leid gesunden, Doch wrn sie auf das her; küßt, drr schisst rin.

jk.

stand, ist in polittschen Kreisen kein Geheimnis; es wild indessen vom Erfolg der Haldane- Marschall-Unterredungabhängen, ob der Plan zur Ausführung gelangt.

And schisst und träumt durch tausrnd Llvigkeiten, ßis rr rrmadjt im Schutz drr frrrndrn Frau, And dridr dsnn, im Mondschiff, selig giritrn Zur srligrn Insel, fern im Märchrndlan.

i«i

Der Parseval VI zerstört!

Das Luftschiff bei Leipzig verunglückt.

(Privat-Telegram m.)

Leipzig, 25. Mai.

Tas heute morgen um 8 Uhr hier eingettoffene Parseval-Lustschiff VI wurde kurz vor elf Uhr von einer Windböe erfaßt, vom Anker l o s ge­rissen und etwa zwei Meter weit geschleift. Tas Luftschiff ist vollständig zerstört. Ei« Soldat und der Steuermann wurden schwer verletzt. Heber die Katastrophe werden fol. gende Einzelhetten bekannt: Das Lufffchiff be. reitete sich eben zum Aufstieg vor, als es infolge des böigen Windes plötzlich in die Höhe gerissen wurde. Im Luftschiff befand sich der Steuermann, der den den Ballon hal­tenden Mannschaften zurief, sie sollten loS- laffen. Bis auf einen Soldaten folgten alle dem Befehl des Steuermanns. Der Seifte ließ erst in einer Höhe von fünf Metern die Seine los. Beim Absturz erlitt er schwere innere Verletzungen. Das Lufffchiff wurde in einer Höhe von acht Metern vom Winde wei­tergetrieben. Der Steuermann zog die Reißleine, worauf das Luftschiff sank. Da­bei stieß es gegen die Umzäunung eines Ten­nisplatzes, der sich an den Sportplatz anschlietzt. Bei dem Anpral riß die Ballonhülle in der Mitte auseinander. Die Mo­lare wurden vollständig zerstört. Ter Steuermann, der aus der Gondel geschleudert wurde, hat schwere Verletznugen erlitt

ansre ganze Existenz als Nation von unsrer

Vorherrschaft zur See abhängt. Hier-iV e rsi ä nd i g u n g).

Haldane-Botschafter in Berlin?

(Privat-Telegramm.)

London, 25. Mai.

Das allgemein sehr gut unterrichtete Blatt Excelsior" erhält von seinem Berliner Korre­spondenten die Nachricht, daß Lord Hal­dane während seiner Reise nach Deutschland mit dem Freiherrn von Marschall im Schwarz­wald eine Begegnung haben wird. Beide Her­ren dürsten sich wahrscheinlich über die a u - genblickliche politische Lage unter­halten und dabei auch di e Fragen einer Bera­tung unterziehen, die für beide Mächte von be­sonderer Bedeutung sind (die deutsch englische

Sie Imtsche Ratimalbuhne.

Cassel als Heimat der Deutsche« National» bühne; eine Rundfrage der Caffeler Nene» sten Nachrichten; Zweifel und Hoffnungen

Die Deutsche Nationalbühne: Ein Berg von Hoffnungen und ... ein Meer von Enttäuschungen! Seit Jahrzehnten erstreben unsre Besten und Tüchtigsten die endliche Ver­wirklichung des alten, ewig-fraglichen Projekts, und niemand wird leugnen wollen, daß das Ziel auch efftrebenswert und des Schweißes redlicher Mühe würdig ist. Leider aber türmen sich die Schwierigkeiten zu erschreckender Höhe: Die Entwicklung unsres Kunstlebens ist an sich schon dem Gedanken einer Nationalbühne, die die deutsche Bühnenkunst in ihrer Gesamtheit, in ihrer reinsten und gehaltvollsten Auslese be­herbergen soll, nicht hold; unsre Bühnen müs­sen, demZug der Zeit" und dem Geschmack des zwanzigsten Jahrhunderts Rewnung tra­gend, dasmoderne*, dasleichte" und das unterhaltende" Genre pflegen, und es hat sich auf diesem Entwicklungsweg von selbst die Not­wendigkeit ergeben, die Kunst von der spezifisch deutschen, also der eigentlichen nationalen Dichtung, unabhängig zu machen. Der Natio­nalbühne würde also in erfter Linie die Auf­gabe zufallen, sich gegen den Strom durch­zusetzen, und gewissermaßen einen Konzen­trationspunkt nationaler Dichtung und nationaler Kunst darzustellen. Es ist ein dornenvoller Weg, der zu diesem Ziele führt, und rechts und links vom schmalen Pfade klaf­fen Abgründe: Versteinerung, Vereinsamung, Einseitigkeit, Doftrinismus und Langeweile. Sodaß Mancher unter unfern Dichtern und Künstlern sich verpflichtet glaubt, warnend seine Stimme zu erheben. Indessen: Entwicklung setzt Kampf voraus, und man durste deshalb erfreut fein, als der Goeihebund in Cassel mit der Absicht hervortrat, aus der demnächst in Stuttgart stattfindenden deutschen Goethebuud- Tagung Cassel als Sitz der Deutschen Nationalbühne vorzuschlagen. Der Plan hat in der deutschen Presse ein freundliches Echo ge­weckt, und man fand auf einmal, daß der Ge­danke doch eigentlich im deutschen Lande tat« kräftigster Förderung sicher sein müsse. Die Casseler Neuesten Nachrichten haben nun bei einer Anzahl unsrer literarischen und künstlerischen Autoritäten eine Rundfrage veranstaltet, die namentlich auch dem Zweck die­nen sollte, die Auffassung dieser Kreise über die geplante Wahl Cassels als Sitz der Deut­schen Nationalbühne zu hören. Wir veröffent­lichen von den uns vorliegenden Antworten heute die folgenden:

*

Br. Äari hsgernsna

der Leiter des Deutschen Schauspiel- Hauses in Hamburg, schreibt uns: Sehr ge­ehrter Herr Chefredakteur! Auf Ihre Anfrage bezüglich des Projetts einer in Cassel zu er­richtenden National-Bühne erwidere ich er- gebenst, daß ich die Errichtung einer National- Bühne natürlich freudigst begrüßen würde. Ob Cassel gerade der richtige Platz ist, ver­mag ich ohne weiteres nicht zu entscheiden, wie ich mich int Einzelnen überhaupt auch nicht äußern tarnt, ehe mir Näheres über das ganze Projekt bekannt geworden ist. Doch scheinen mit die günstige geographische Lage und die vorzüglichen Verbindungen Cas- s e l s zunächst einmal für diesen Ort zu sprechen.

Maximilian tzsrden

der Herausgeber derZukunft", äußert sich fol- gendermaßen: Sehr geehrter Herr Chefredak­teur! Ich bedanre sehr, daß ich Ihren Wunsch nicht erfaßen tarnt: Aber ich habe von dem Plan noch nicht gehört und weiß nicht, was ich mir unter einer Rattonalbühne vorstellen soll. Ein neues Theater hohen Ranges? Das könnft Cassel mit feiner Hofbühne nicht ernäh­ren. Eine Organisation zur Veranstaltung von Festaufführungen? Dafür wäre Ihr« schöne Stadt gewiß ein paffender Ort. Möglich aber würde die Ausführung eines solchen Planes erst, wenn eine sehr stattliche Summe die finanzielle Basis ge­schaffen hätte. Ich tappe int Dunkel und darf daher nicht öffenüich reden. Mit den besten Wünschen für Ihr Unternehmen bin ich in Hochschätzung Ihnen ergeben: Harden.

Br. Lduard Strlgebaurr

der Verfasser vonGötz Krafft*, läßt sich übet den Plan wie folgt vernehmen: Cassel mit sei­ner zentralenLage, seiner reizvollen Umgebung, seinen Sehenswürdig, leiten und seinem imposanten neuen Hof­theater wäre Puffer für eine Nationalbühne kein unaeeipneter Ort. Aber eine Na.