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C Mer Neueste NchriMM

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgangs

Fernsprecher »1 und 952.

Sonnabend, 25. Mai 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 143

Dt, Sattelet Neueste» Nachrtchte» erscheinen n-och-nMch sechlmal und pvai abend«. Der Mannemeni-prei« betragt menaMch 60 Psg. bei freier guTleOung in, $au8. Bestellungen werden ieberjelt oon der E-schLfl,stell« 06er t>w Boten enlgegena-nomnun. Druckers. Berlag und MedaMoni Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der NedaMon nur von 1 bi« 3 Uhr natbmuiaa». Sprechstunden bei «uetunft- Stelle: Jeden Mittwoch und Sonnudend von 8 di, 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Jriedrichftr. l6, Telephon: Amt Morttzplah 676.

die späten Abendstunden fort. Bei den Kämpfen in der Nähe der Elisabethbrücke wurde eine Anzahl Personen durch Bajo­nettstiche schwer verletzt. Am Kaiserquai türzte ein Arbeiter, von Bajonettstichen schwer verwundet, in die Donau und ertrank. In der Waitzcnerstratze mutzte das Militär mit ge- Llltem Bajonett vorrücken. Biele Perfo- ten wurden durch Bajonettstiche

steht im kraflen Gegensatz zu der in tiefste Trauer gehüllten Hauptstadt am blauen Oere- sund, die sich darauf vorbereitet, einen seiner besten und sympathischsten Monarchen zu Grabe zu tragen. Alle Häuser und die im Hafen lie­genden Schiffe tragen reichen Flaggenschmuck. Der kurze Weg, den der Sarg des Königs von der Schloßkirche nach der Christianstratze zurück­zulegen hat, wo der Eisenbahnzug halten wird, der die sterbliche Hülle des Monarchen, die Kö­niglichen Verwandten, die fremden Fürstlich, leiten und Gäste nach der Königsgruft Rös- kilde überführen wird, ist aus das Eindrucks­vollste mit schwarzen Draper'rn, Trauerfloren und Girlanden geschmückt. Kurz vor zehn Uhr traf König Gustav von Schweden als Letz­ter der hier zur heutigen Beisetzung erwarteten ausländischen Gäste ein und wurde im Frei­hafen von dem dänischen KönigKPaar, dem. nig von Griechenland und den übrigen däni­schen Prinzen empfangen. Rach herzlicher Be­grüßung fuhren die Herrschaften nach Schloß Amalienborg. Um halb elf Uhr kam die dä­nische K ön i g s fa mi l i c, begleitet von «wer Echrenkompagnie, unter dem Donner der Ka­nonen der im Hafen liegenden Kriegsschiffe, im Dom an. Der Trauergottesdienst wurde vom Probst Senger abgchtüten.

chien vor dem Ministerpräsidenten und bat ihn, er solle zur Vermeidung weiterer Exzesse eine Volksversammlung gestatten. Der Ministerpräsident wollte aber eine Volksver-

Etratzeuschlachl und Parlament.

Im ungarischen A b g e o r d n e t e n h a u s e herrschte gestern unbeschreibliche Erregung. Die gesamte Opposition batte sieb zu einem Protest gegen die Vergewaltigung der Hausordnung geeinigt. Abgeordneter Barabas kritisierte das

Die gestrigen Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und der Polizei dauerten bis in

(Privat- Telegram m.> Budapest, 24. Mal.

Spätabends kam eS gestern noch zu vielen Ausschreitungen. Mehrere Geschäfte wurden geplündert, in mehreren Fabriken Feu­er gelegt. In Rakos versuchte man Eifen­bahnzüge aufzuhalten, um Zuzug von Mili­tär aus der Provinz zu verhindern. Polizei und Militär wurden an vielen Stellen der Stabt in förmliche Kämpfe verwickelt, beson- ders in der Nähe des Ostbahnhofe«, wo sich etwa fünftoufenb Menschen der bewaffneten Macht entgegenstellien und erst nach wiederhol­ten Attacken gesprengt werden konnten. Dabei wurden viele Personen verletzt. Am AbeM» wurden die militärischen Kordons über­all verstärkt: fie blieben die Rächt über aufrecht erhalten. Heute früh herrschte in der Stadt allgemein wieder Ruhe. Der Freiheitsplatz und die Waitzenerstraße boten am gestrigen Nachmittag das Bild eines regelrechten Krieges. Dreizehn Straßenbahnwagen «nd drei Möbelwagen wurden rasch hintereinander umgestürzt und in Brand gesteckt. Um zehn Uhr abends wurden Flugblätter verteilt, in denen die sozialdemokratische Parteileitung ankündigt, daß der Streik mit dem gestrigen Tage sein Ende gefunden habe. Die Partei nimmt an, die Regierung fühle sich z« Zuge­ständnissen in der Wahlreform genötigt. Ministerpräsident Lukacz hat sich heute früh nach Wien begeben, um dem Kaiser über die Budapester Vorfälle Bericht zu erstatten. Die Aufregung in der Stadt ist immer noch eine fehl große. Man befürchtet für heute abend neuerliche Zusammenstöße zwischen den Streikenden und der bewaffneten Macht.

Straßen waren von Glasfplittern förmlich überfät, da überall die Fenster eingeworfen wurden. Die Demonstranten zertrümmerten die Auslagen der Schaufenster und steckten die Wagen der elektrifchen Straßenbahn in Brand. Eine Abordnung der Sozialisten er-

Exzesse würden weiter dauern.

Ire Spser der gestrigen Kämpfe.

(Privat-Telegram m.) Budapest, 24. Mai.

ämmlung nur in einem geschloffenen Raume gestatten, worauf die Deputation erklärte, die

Metternich: Die leidige Politik!

Graf Wolff-Metternichs Abschiedsrede.

Wie wir schon telegraphisch kurz berichtet haben, hat der scheidende Londoner Botschafter Deutschlands, Graf W olff- M ett e r nich, auf einem ihm zu Gbren veranstalteten Ab. chied-bankett der deutschen Kolonie in London eine Rede gehalten, die in mancher Hinsicht cha- rakteristisch ist und deuÄich offenbart, daß Graf Wolff-Metternich als ein stark Enttäusch, ter aus feinem Amte scheidet. Der Botschafter bemerkte tiitieitenfr, er scheide «ern aus eitler Stellung, da er, wie er zuversichtlich söffe, seinem Nachfolger eine lei chtere Aufgabe hinterlasse, als er selbst sie zu er- füllen gehabt habe.

Wolff Metternichs Schwaueugesang klang dann folgendermaßen aus: Ich hoff« nnd vertraue, daß es meinem Nachfolger beschieden sein wird, die Frucht reifen zu sehen. Nach dieser Abschweifung verlafle ich das Gebiet der Politik. Einem Botischaster sieht nicht die Frei­heit der Rede zu. Das Gefühl meiner wieder­gewonnenen Freiheit, das Bewußtsein, keinerlei offiziellem Druck mehr unterworfen zu sein, darf mich nicht dazu ver- führen, aus der Schul« zu plaudern. Vielleicht kommt noch einmal die Stunde, Wo ich ohne Verletzung des Dekorums mich mit Freimut über Vergangenheit und Ge. gen wart äußern kann. Was mich heute abend erfüllt, ist auch nicht d ie leidige P o . litik, der ich obnchmerzem Ade sage. Es ist vielmehr das «re^öiige Bewußtsein, mir einen Platz in der Wertschätzung meiner La,ndsleute erworden zu haben.

Haldane «nd MarfchallBiberstem.

- (Privat-Telegramm.)

A__M Berlin, 24. Mai.

An Tag des Unheils.

Verhängnisvolle Streikkämpfe in Budapest; die Stadt in ein Heerlager verwandelt; auf den Barrikaden; zehn Tote; über zwei­hundert Verletzte; vierhundert Verhafteter

Das Spiel mit dem Massenstreik, das K schon so verhängnisvollen Einsatz verschlun- , k gen, hat abermals blutige Opser gesordert: In , l B u d a p e ft, der Hauptstadt Ungarns und der I Hochburg leidenschaftlichsten Paiteienkampfs, l toben wilde Barrikadenkämpfe, überdröhnt das Knattern der Gewehre und Revolver den | schrei der Verwundeten und das Wimmern *' per Sterbenden, und in die wilde Brandung ' de- Straßenschlacht klingt, wie gellend Kriegs- geschrei, der Kampfruf der sozialen Re- ; Dotation!" Dem entwürdigenden Skandal in der Kammer, der Ohrfeigenszene inmitten des Parlaments und der Entfesselung aller l Leidenschaften des Parteienkampfs ist die Straßenschlacht der Masse gefolgt, diePolitik der Gasse" mit all ihren furchtbaren Begleiter­scheinungen. Und die Ursachen, die trei­benden Kräfte, die das Verhängnis riefen und das Unheil düstre Wirklichkeit werden / ließen? Der ewige Kampf zwischen der Kof- sukh- und Just'hpartei einerseits imb den Na­tionalitäten Ungarns anderseiis hat das Wer­den einer gerechten Wahlresorw. im Land der - Stephanskrone bisher unmöglich gemacht, und ' nun. da die Wehrvorlagen vor der Entschei­dung stehen, benutzen die Mannen Koffuth - und Justbs die Gelegenheit zu einer großen

Obstruktionsbewegung, um die Wehrvorlagen nicht eher zum Ziel kommen zu : lassen, bis auf Kosten Oesterreichs das Magy- arentum neueKompensationen" erpreßt hat. E Als dann die Arbeitspartei als Verbündete des || Ministeriums den schwankenden Abgeordncten- 1 Hauspräsidenten von Nadah zum Rücktritt veranlaßte, als Graf Tisza an seine stelle trat, und gleich in der ersten Sitzung mit gan­zer Energie gegen.bie Obstruktioniften voiging, veranstalteten diese einen ihrer beliebten Kam­merskandale mit Prügelei und obligater Sach­beschädigung en gros: Die politischen Leiden­schaften kochten zur Siedehitze auf! Die Magyaren haben indessen damit der Sozialde­mokratie aufs kräftigste vorgearbeitet: Diese nimmt nun die weitere Erregung der Massen in die Hand, und was den bürgerlichen Quer­treibern nut Vorwand war, ist den Sozialisten Hauptzweck: Die Wahlrechtsfrage macht in den Straßen von Budapest die Massen mobil! Der Massenstreik zugunsten der Wahlresorm ist zwar nur teilweise durchgeführt worden, aber er hat ganz Budapest in einen einzigen Kampf­platz verwandelt und Menschenblut hat die Siedehitze politischer Leidenschaften kühlen müssen. Noch läßt sich nicht absehen, welche politischen Folgen die gestrigen Barrika­denkämpfe haben werden: Die Regierung ist mit rücksichtsloser Energie gegen die Demon­stranten voryegangen; schärfer vielleicht, als die Gefahr des Augenblicks es heischte, und nun, da die Opfer der Kämpfe in den Leichen- häusern ruhen oder in den Spitälern wim­mern, will die Polttik ernten ...! Nach wüsten Skandalen, nach Entwürdigung aller parlamentarischer Ideale, nach der Straßen- schlackl inmitten der alten Magyarenstadt! Kann aus dieser Saat des H a s s e s, der L e i denschaften und des Verhängnisses etwas andres aussprießen, als Erbitterung, Groll und endloser Kampf ...? F. H.

Sie SttaßenKmPfe in Budapest.

Massenstreik und Barrikadenkampf.

(Privat-Telegramm.)

Budapest, 24. Mai.

Die Stabt bot gestern bas Bilb eines sörm- Nchen Kriegslagers. Seit zehn Uhr vor­mittags kam eS ununterbrochen zu heftigen Kämpfen zwi^en ben streikenden Arbeitern einerfeft« und Polizei und Militär anderet- fett«. Der gefchäftliche Betrieb in bet Stabt ruhte vollständig. Sämtliche Berlaufsläben und GefchästSlokale waren geschlossen. Auch der Straßenverkehr und der eletttifche Betrieb waren Vollständig eingestellt. Tie Streikenben, die geschloffen vorgingen, hatten in den Stra­ßen Barrikaben errichtet, von wo ans sie die Polizei und bas Militär burck einen Steinhagel und Revolverschüsse zurücktrieben. Tas Militär sah sich habet gezwungen, eben­falls Dfln bet Waffe Gebrauch zu machen und ging mmmeht im Sturmschritt gegen bie Streikenben vor. Es nahm bie Barrikaden ein unb btSngte bie Empörer in bie Seitenstraßen. Da die Temonftranten sämtliche Straßenlater­nen ber Stabt zertrümmert unb bie Gasanzün­der abxrschraubt hatten, so war abends Buda­pest vostständig in Dunkelheit eingehüllt und bie

Sie Mnigr-MenM«.

ein Komplott gegen Viktor Emanuel?

(Privat-Telegramm.)

Rom, 24. Mai.

Im Verlaufe der Untersuchung gegen den Attentäter Dalba soll gestern der hoch- angesehene Advokat Gaetano di Blasio in Eassirno als Mitschuldiger verhaftet worden sein. Seine Verhaftung erregt das größte Auffehen. Die Bevölkerung Cassimos glaubt nicht an seine Schuld und die Kaufleute baden zum Proteste gestern ihre Laden geschlos­sen Die Polizei entfaltet eine rege Tätigkeit, um die Personen ausfindig zu machen, die mit dem Attentat auf König Viktor Emanuel in Zusammenhang stehen. Außer der Verhaftung in Casstmo erfolgte eine nicht weniger sensatio­nelle Festnahme in B o l o g n a, wo der Anar­chist Zar attero als Teilnehmer an dem Attentat sestgenommen wurde. Es sollen ernste Maßnahmen der Polizei bevorstehen. Aus den Enthüllungen, die der Attentäter Dalba gemacht hat, geht hervor, daß ein regelrechtes K omplvtt gegen das Leben des König- von Italien bestanden hat und noch besteht.

König Friedrichs Beisetzung-

Die letzte Fahrt des toten DSnenkönigs.

(Telegraphischer Bericht.)

Kopenhagen, 24. Mai.

Mit prachtvollem Sonnenwetter bracb heute der Tag an, an dem das dänische Volk König Friedrich zur letzten Rübe geleitet.^ Der klare blaue Himmel mit der lackenden Sonne

§nfertion«i>reift: fetWfpaltcne 8««*

roärtla« Snftrat« 25 Ps. ilUtlamejeUe füt «I«heimisch« SefcMft« «0 Pf, auswärts« äetrtätucJ '3t Beilagen für btt Oefamtauflag« werben mit r Start pro**

rechnet. Wegen ihrer dichten Aerdreilimg in b«r. 8l«flb«n» unb

Mietet Nnästen Nachrichten etn vorzüglich«« ^frrtion«orga^ SrtchÄt«^ »»lni1ch< etrnfe« 5. Berliner Vertretung: SW. strtebrtchftratz« 18. Telephon: Amt Moritzvlatz

Die in diplomatischen «reisen verlautet, wird der «nAlksche KriegSminister, Lord H al- batte, während seines Aufenthalte- in Deutschland Gelegenheit finde«, mit dem neuen Botschafter in London, Freiherrn von Mar. "chall, zusammenzutreffen. Freiherr von Marßckpll wird voraussichtlich zu Pfingsten nach Deutschland kommen urtb sich einige Zeit q-u einem Stammsitze in Baden aufhalten. Lord Halda,ne, der nach Deutschland gekommen fft, um sich hier einer Stur zu unterziehen, wird den Botschafter auffucken und mit ihm Wer f ch we­bende p vlitische F rag en sprechen. Ob Loid Haldane nach Berlin kommen wird, steht noch nicht fest und hängt davon ad, welches Er­gebnis feine Unterredung mit Herrn von Mar- sckall haben wird. Es wird in unterrichteten >.:ffen allerdings al- feststehend angenommen, > nach der Unterredung zwischen den beiden Staatsmännern ein weiterer offizieller Gedankenaustausch" stattfinden wird.

Noch etn Snttänschter!

Ein Privatkelegramm meldet UNS aus Berlin: Der Geheime Oberregierungs­rat Haber aus dem Reichskolonialamt, der Referent für Ostafrika, hat einen längeren Ur­laub genommen. Herr Haber wird aber nicht mehr in das Amt zurückkebren. sondern leinen Abschied nehmen. Dieses Abschiedsgesuch soll damtt zusammenhängen, daß man nicht ibn, sondern Herrn Schnee zum Gouver­neur von Ostafrika gemachi hat. Zum Nachfolger Habers ist Geheimrat von s v a l - ding in Aussicht genommen.

schwerverwunbet; einige von ihnen sind bereits ihren Berwunbungen erlegen. In ber Champagnersabrik Törley im Vorort Bu- dafok würben breiArbettererschossen. In ber Caraj-Stratze versuchten fünftausend Arbeiter nach ber Rakoczystraße vorzubringen, wobei zwei Demonstranten töblich verletzt würben. Bei ber Berteibigung einet Barrikade in bet Szanbysttaße wurde ein Mädchen von einet Kugel getroffen unb getötet. Durch eine Bombenexplosion im Hause bes Batons Bojnits auf bem Zollhausting würbe bas Treppenhaus arg beschädigt, ohne baß Personen ums Leben kamen. Am späten Abenb trafen neue Infanterie- und Attiveriekolonnen ein. Die Stabt bietet tieute früh völlig bas BUb einer militärischen Besetzung. Bis zum gestrigen Abenb hatte man zehn Tote unb zweihunbert mehr ober weni­ger fchwer Berwunbete bezeichnet. Die Anzahl der Verhaftungen beträgt bisher vfer- hundert; der größte Teil der Verhafteten wurde gefesfelt abgefühtt und nach ber alten Zitadelle auf bem Blocksberg gebracht. Mn neun Uhr abends fand eine Konferenz bet sozialbernokratischen Partei statt, in ber beschko - sen würbe, bie Arbeiter auszuforbetn, heute bie Arbeit wieber aufzunehmen. Bon 91 000 Arbeitern in den Budapester Fabriken streikten gestern insgesamt 47 000 Mann.

Rach der Straßenschlacht.

Vorgehen der Mehrheit und des Präsidiums auf Grund der Vorgänge in der vorgestrigen Sitzung. Es kam dabei wiederholt zu L a r m- szenen, und Graf Tisza entzog Barabas chließlich das Wort. Hierauf leisteten die Ab- aeordneten Justh und Bovaszy vor dem Hau,e wegen ihres ungebührlichen Benehmens in der vorgestrigen Sitzung Abbitte... Im öster­reichischen Abgeordnetenhause beantragte gestern der Sozialdemokrat Nemec, zum Zei­chen des Protestes gegen die Anwendung von Waffengewalt in Ungarn und zum Zeichen der Sympathie mit den Kämpfern für das allge­meine Wahlrecht die Sitzung auf eine. halbe Stunde zu unterbrechen. (Zurufe: Nieder mit Tisza ! Pfui P o l i z e, g e w a lt! Hoch das allgemeine Wahlrecht in Ungarn! ) Der Antrag wurde indeflen abgelehnt.

Reue Landtags-Stürme.

Am letzten Tag« vor den Ferien; der Kampf nm die Polenpotttik; da» Zentrum nnd der Landwirtschaftsminister; nach de« Sturm. (Von unserm parlamentarischen Mffarbeiter.i

Der gestrige letzte Tag vor den Fein des Abgeordnetenhauses sollte nicht vor- übergehen, ohne daß es auch hier (damit der Reichstag gar nichts voraus habe!), zu recht turbulenten Szenen kam Die Darle­gungen des Landwirtschaslsmimsters übet bie Polenpolitik, die im Zentrum lebhaften Un­willen am Freitag hervorgerufen hatte, fanden heute ein sehr ernstes Nachspiel, über dessen Bedeutung für die weitere innere Politik ireu- ßcns kaum ein Zweifel vorherrschen kann. Es steht außer Frage, baß zwischen Herni dott Sckorlemer und dem Zentrum das Tischtuch zerschnitten ist, andern yaft? batte des,en Redner Marr nicht derartige Angriffe am ben Minister gerichtet und dieser nicht minder Ickars

Generalstreik in England!

Sine halbe Million Streikender.

(Privat-Telegramm.)

London, 24. Mai.

Gestern abend hat in England ein allgemei- ner D o ck a r b e ite rst re i k begonnen. Die Zahl derjenigen Dock- und Transportarbeiter, die die Arbeit niederlegen, wirb auf eine halbe Million geschätzt. In den Londo­ner Marktzentralen herrscht außerordentliche Bestürzung. Man erklärt, datz die Lage in London geradezu schrecklich werden müsse. Der Beschluß eines allgemeinen Streiks der Transportarbeiter wurde gestern nachmittag bei einer Konftrenz des nationalen Arbeiter- komitces der Transportarbeiiersöderafion ge­faßt. Die Führer erklärten, daß der General­streik zweifellos mehrere Wochen dauern werde. Die Folgen für England sind unabseh- bar. Die Reeder erklären die Arbeiterforde­rungen für absolift unannehmbar, und man muß unter diesen Umständen mit einer langen Dauer des Kampfe- rechnen.