Einzelbild herunterladen
 

EaWer Neueste Nachruhtm

Caffeler Abendzeitung

| Ei« Gefiele* Neueste» Nachrichten erscheinen wöchenUich sechsmal an» zwar abenb«. Der j Mbonneroenttpret« betragt mon-Uich 60 Bta. bei freier Zustellung titl »au«. Bestellungen 1 werden lebemett een der SeschLftSstelle aber den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag ; und mebattton: Lchlachchosstrahe 28/30. EprechNunben der Kebattton nur oon 1 di« 3 Uhr 3 nachmittag«. Sprechstunden de* «urkunst. Stelle, Jeden Mittwoch und Sonnabend oon s bi« « Nhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Uriedrtchftr. 16. Telephon: Amt Morihpta, 678.

Hessische Abendzeitung

JnsertionSpreise: Di« sech«gefpalt«ne Zeile für einheimische Gefchasie 1» «fg., für eu6- wärttge Inserate 25 Bf. Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 Bf, für auswärtige Geschäfte «0 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be> rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung find die Lastete* Neuesten Nachrichten ein oorzügliche« JnsertionSorgan. Geschäft«stelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße Ich Telephon: Amt Moritzpla, «76.

Nummer 141,

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 23. Mai 1912.

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

fangen:

(Von unferm

fast sämtliche Einwohner des Dorfes teilnaß« men, wurde eingeleitet mit dem gemeinsamen Gesang .Wer weiß, wie nahe mir mein Ende".

Brüssel, 22. Mai. Korrespondenten.)

Sturm im Lrrgarn Parlament.

Depeschen aus Budapest berichten: Ge­gen Schluß der gestrigen Sitzung des Abgcord netenhaufes kam es zu erregten Szenen. Der Abgeordnete Bakonvi (Justhpartei) bean­tragte, eine Deputation de- Abgeordnetendau- fe- möge den Präsidenten Navav ersuchen,

Belgische S»Mat!ch<Seschichten.

Das Gartenfest im Schloß zu Lacken.

Wir berichteten gestern bereits über die sen­sationellen Klatschgeschichten vom bel­gischen Königshof, in deren Mittelpunkt das Königspaar steht. Es handelt üch dabei um einen Vorgang, der sich angeblich im König­lichen Schlosse abgespielt haben soll, und von dem in der Stadt und im Auslände gesprochen wurde: Am vierten Mai gab das Königspaar im Schlosse zu Lacken ein Gartenfest. Schon nachmittags erzählte man sich, daß am Vormit­tag im Stadtschlosse zu Brüssel sich ein Dra. ma abgespielt habe. Die Königin habe den König in zärtlichster Unterhaltung mit einer Kammersrau ertavpt und diese durch einen Revolverschuß getötet. Mir erhal­ten zu dieser Klatschgeschichte folgende Mittei­

der Leiche nahm Pastor Nackel vor. Der Gesang mich gehen" bildete den Der Nackeler Militärverein

Die Einsegnung Wolfram aus des LiedesLaß Schluß der Feier.

seine Demission zurückzunehmen. Der Antrag wurde indessen abgelehnt, worauf die Justh- par ei in lärmende Rufe ausbrach und einen großen Tumult verursachte. Der Lärm wurde schließlich derart allgemein, daß die Sitzung geschlossen werden mußte.

bildete Spalier, als die eichenen Särge des Prinzen und seines Kammerdieners, die mit Blumen von den Dorfbewohnern geschmückt waren, aus der Kirche getragen wurden. Tschako und Degen schmückten den

Sarg des toten Prinzen von Cumberland. Der Nackeler Kriegerverein begleitete die Leiche bis hinter das Dorf. Eine Schwadron Ratheuower Husaren war dem Trauerzuge vom Bahnhof Friesack aus ent­gegengeritten. Auf halbem Wege nach Nackel begegnete die Truppe dem Zuge. Die Schwa­dron teilte sich und die eine Hälfte fetzte sich an die Spitze des Leichenzuges, während die andere den Schluß bildete. Am Bahnhof Frie­sack halten sich die Bewohnerschaft des Ortes und zahllose Bewohner der Umgebung ringe« fanden. Vom Bahnhof erfolgte kurz nach sieben Uhr die Uebersührung mit dem fahrplanmäßi­gen Zuge nach Berlin. Ein Salon­wagen war für die Särge und das Trauer­gefolge in den Zug eingestellt worden. Der Salonleichenwagen mit der sterblichen Hülle des Prinzen traf kurz nach ein viertel neun Uhr auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin ein. Der Wagen wurde dann über die Ringbahn zum Anhalter Bahnhof geleitet und über Dresden und Prag nach Gj» unden weiterbefördert.

Prinz ©ecrit Wilhelm am Steuer.

(Privat-Telegiamm)

Wien, 21. Mai.

Von einer dem Prinzen Georg Wilhelm von Cumberland nahestehenden Seite wird mit- geteilt, daß der Prinz ein leidenschaft­licher Automobilist war, der am liebsten selbst das Steuer seines Wagens führte. Da ibn aber daran fein steifer Fuß hinderte, konstruierte er sich eine besondere Vorrichtung, um das Koppelungspedal handhaben zu kön­nen. Der kranke Fuß wurde in eine fchienen- artige Vorrichtung geführt, die den Fuß in horizontaler Lage hielt. Diese schienenartige Vorrichtung stand durch ein Gestänge mit dem Koppelungspedal derart in Verbindung, daß her Prinz mit dem steifen Bein das Pedal genau so handhaben konnte, wie dies sonst ein Lenker unter normalen Umständen tut. Aller­dings hatte diese Einrichtung einen Nachteil: Der Lenker war gewissermaßen fest Mit dem Fahrzeug verbunden. Daraus erklärt sich auch, daß der Prinz bei dem Sturz nicht aus dem Wagen fiel, was vielleicht seine Ret­tung bedeutet hätte, sondern daß er durch den plötzlichen Ruck nach vorn auf die Motorhaube geschleudert wurde, wodurch er die schreck­lichen Verletzungen erlitt.

Ser Tod als Versöhner...?

Die Welfen-Tragödie und die Politik.

Das Schicksal, dessen harte Hand schon so oft verhängnisvoll und unheilbringend in das Dasein des entthronten Welsenhauses eingegriffen, hat abermals ein Opfer gefordert: Auf der Fahrt zum Norden, wo er seinem so tragisch aus dem Leben geschiednen Onkel, dem greifen König von Dänemark, das letzte Geleit geben wollte, ist Prinz Georg Wilhelm von Cumberland selbst das Opfer einer furchtbaren Katastrophe geworden und das Welfenhaus betrauert den frühen Heim- gang des Erben seines Namens, feiner Hoff­nungen und seines Sehnens. In Braunschweig und in Hannover, wo man immer noch tief im Seelen-Jnnern das Bewußtsein der Zusam- mengebörihkeit mit dem entthronten Haus der alten Herrscher fühlt, beklagt man in dem so jäh dem Leben entrissenen Prinzen den Träger völkischer Zukunstshoffaiing und in den Nachrufen der Presse steht nicht der Sproß deS Hauses Cumberland, sondern der E r b - prinz von Braunschweig und Lüneburg im Mittelpunkt öffentlicher Teilnahme und Trauer. Schon diese Tatsache macht erkennbar, daß das frühe Ende deS welfischen Prinzen nicht nur vorn rein-menschlichen Standpunkt aus, nicht nur unter dem Gesichtswinkel des Mit­leids und der Anteilnahme die Ocfscntlichkeit bewegt, sondern daß es auch politische Er­wägungen beansprucht, deren Tragweite sich im Augenblick noch nicht absehen läßt. Vielleicht liegt diese Bedeutung freilich weniger in rechtlichen oder sachlichen Verschiebun­gen als in gefühlsmäßigen Einwirkun­gen auf die Lage. An der Rechtslage v-r An- wartfchaft auf den Thron des Her ums

Braunschweig zum Beispiel (dem Hauptolnekt) , Wird wenig geändert, denn der Hauptanwär­ter lebt noch in der Person des Herzogs E r n st August von Cumberland. Auch der am -wei­ten Oktober 1906 in Aussicht gestellte Verzicht des Herzogs und feines ät'eftcn Sohnes auf den braunschweigischen Thron wird durch den Tod nicht berührt, denn es bandelt sich nur um einen Eventualverzicht, der nie in Kraft getreten ist.

So ist also imgrunde ziemlich alles unver­ändert geblieben, und doch ist alles gründlich gewandelt. Es bleiben nur noch zwei männ­liche Sprossen des alten Welfenstammes: Der 1845 geborene Herzog und sein jüngster Sohn, der vierundzwanzigjährige bavrische Reiter­leutnant Ernst August, der schon vor sechs Fah­ren von feinem Vattr als braunschweigischer Thronprätendent präsentiert wurde, also wohl schon damals bereit gewesen wäre (was freilich nicht ausgesprochen wurde), den heutigen Bestand des Deutschen Reichs mit allen Veränderungen anzuerkennen und auf den Thron von Hannover zu verzichten. Die wel- fifche HauSpolitik hat ihn zumVersöhnungs- Prinzen" bestimmt, welche Aufgabe ihm durch die Heiraten seiner beiden Schwestern Marie Luise (mit dem Prinzen Mar von Baden, dem voraussichtlichen Thronfolger) und Alexandra (mit dem Großherzog von Mecklenburg Schwe­rin, dem Bruder der Kronprinzessin Geeilte) scbr erleichtert worden ist. Nun. da außer dem greifen Chef des Hauses nur noch der vicrund- zwanzigjähxige Bavernleutnant den männli­chen Stamm des Welsenhauses repräsentiert, mutz die Frage der braunschweigischen Thron­folge in demselben Augenblick wieder akut wer­den, in dem Herzog Ernst August von dieser Welt abberufen wird. Ter einzige An­wärter auf den Thron ist bann der .Versöh­nungsprinz" Ernst August, und es darf als wahrscheinlich gelten, daß feiner Berufung als Herzog von Braunschweig (unter Verzicht auf Hannover) seitens des Reichs keinerlei Schwierigkeiten bereitet werden würden. So­daß also das Drama von Friesack, so bekla­genswert es auch, rein-menschlich betrachtet, sein mag, politisch die Möglichkeit der Ent­wirrung jahrzehntelanger erbitterter Kämpfe um Krone und Throne angebahnt hätte, »an.

*

Das Drama von Friesack.

Die gestrige Lrauerfeier in Racke!.

(Privat - Telegramm.) Friefack (Mark), 22. Mai.

Gestern nachmittag fünf Uhr fand von dem schlichten Dorfkirchlein zu Nackel aus die feier­liche Ueberfühnmg der Leiche deS Prinzen Georg Wilhelm vom Cumberland zum Friesacker Bahnhof statt. Zur Trauerfeier waren Prinz Eitel Friedrich und Prinz August Wilhelm von Preußen erschienen. Vier Unter­offiziere des Infanterie-Regiments Nr. 24 in Neuruppin standen Ehrenwache, während drau­ßen eine Kompagnie desselben Regiments Ausstellung aenommeg hatte, Tie Feier, an der

Der Roman des Srzherzogs.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Wien: Zu der Nachricht von der bevor­stehenden Rehabilitierung des früheren Erzher­zogs Ferdinand verlautet ans emgeweih. ten Kreisen: Tas Gerückt von der Wiederem- setzung des Herrn Ferdinand Karl Burg in Rang und Würden erscheint zurzeit noch ver. früht. doch wird zu Beginn des nächsten Jah­res die Wiedereinsetzung tn Rang und Würden und die Itandeserhöbung der Ge­mahlin Burgs durch den Kaiser erfolgen.

V lipoliük im Schwarzwald?

(gin neuer Besuch Lord Haldanes.

AuS London kommt die überrafchende Kunde, dab der ensUche KrieLsminitzer Lord

Nach der Kaiserrede.

Slsatz'lothringische Kammerdemonstration.

(Privat-Telegramm.)

Straßburg, 22. Mai.

In der Zweiten Kammer wurde gestern mit großer Mehrheit ein Antrag angenommen, der verlangt, in dem Perfassungsgesetz vom vorigen Jahre anstelle des Passus .das Ver- fassungsgesetz kann nur durch Reicksgesetz auf- aeboben oder geändert werden" folgende Fas- fung zu setzen: .kann nur durch Landes- gesetz geregelt werden". Es wurde als der Wunsch" des Landes bezeichnet, feine leitenden Männer f e I b ft zu ernennen, denn Preußen fei ein Staat, .der uns in politifchen Dingen we­sensfremd ist". Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach hatte auf die Erklärung keS Reichskanzlers verwiesen, wonach eine solche Aenderung zurzeit ausgeschlossen sei. Sodann wurde auch die Itrasibestim, mung für aufrührerische Zeichen und Rufe .aufgehoben", die nach dem Zeugnis des Lothringer Blocks .ständig die Ruhe der Bevölkerung störe".

Wie uns aus P r a g gemeldet wird, ist dort gestern nachmittag der Herzog von Cum- tz e r l a n d mit der Herzogin und der Prinzessin Olga.eingetroffen. Pr-nz Ernst August traf um sechs Uhr ebenfalls dort ein. Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef und der Kö­nig von England haben BeileidSdepeschen ge­sandt. .Heute früh erfolgte die Abreise der her- zoalichen Familie nach Gmunden.

Befitzsteuer... Erbschaftssteuer!

Reichstagsfitzung vom 21. Mai.

Das Militär-Lustfahrfürsorgegesetz. W für Tienstbesckädigung im Flugdienst Pension vorsieht, wird nach kurzen Ausführungen in erster und zweiter Lesung angenommen, ebenso der Zusatzantrag zum Auslieferungsvertrag mit Luxemburg. Einige Etatsreste werden in zweiter Lesung erledigt. Es folgen die Deckuugs- und Besitzsteuerbeschfasse der Bud­getkommission.

Die Kommission hat beschlossen, um den durch die Beschlüsse der Branntweinsteuerkom- Mission entstandenen Deckungsausfall zu eriet. zen, daß die zum ersten April 1914 festgesetzte Ermäßigung der Zuckersteuer von 14 auf 10 Mark noch auf spätesten? zweieinhalb Jabr über diesen Termin HfnauSgeschoben werden soll, was einen MinderauSfall von 100 Millionen bedeuten wurde. Gleich»eing hat die Kommission beschlossen, daß bis zum ersten April nächsten Jahres eine all gernei. ne Besitzsteuer vorgelegt werden Jett. Dazu ist dann ein weiterer GesetzesvorsLlag angenommen worden auf Wiedervorlage der 1909 abgelehnten Erbschaftssteuer mit In­krafttreten am 1. April 1913 ... ..

Abg. Baffrrmann (Natl.): Gleich,ett'.a mit der endgültigen Verabschiedung der Wehr- Vorlagen mußten wir auch eine Verständigung übet die Deckung suchen. Wir waren in ei­ner gewissen Zwangslage. Einmal wur­de die ganze oder teilweise Beieittgung der Liebesgabe angeboten, -dann kam die Frage einer Verteuerung des Spiritus in Berrackt. Wir sind der Ansicht, daß in der Tat

eine Beseitigung der Liebesgabe eintritt, und daß es nicht wahrscheinlich ist, daß der Spiritus verteuert werden wird. Da wir eine Heranziehung des Konsums für die Zukunft nickt mehr haben wollen. Hatzen wir uns dem ZettWWsantraL angeschlpssen, die

Von Zeit zu Zeit taucht hier, wahrscheinlich in Erinnerung an alte und abwecksefangsrei- chere Zeiten, das Gerücht auf, daß der jugend­liche König Albert dieselben Bahnen wandle, wie sein Oheim Leopold der Zweite und daß cs um sein Eheglück nickt sonderlich bestellt sei. Eine Grundlage bat das Gerückt selbst- verständlich nickt, aber die Masse des Volkes ist feit den Tagen des verstorbenen Königs so sehr daran gewöhnt, sich m't höfischem Klatsch zu tzeschäfsigen. daß sie ohne eine chroniegue scandt lerne nicht mehr auszukommen vermag. Und je weniger der Hof der Klaschsnckt dieser Kreise entgegenkommt, umsomehr schießt die Einbildungskraft ins Ueppige und zeitigt Fräcke, wie sie. soeben wieder jeder in die Verhältnisse" des belgischen HosieS Eingeweihte bewundern kmn. Einen (mit Verlaub gesagt) spießbürgerlichem Haushalt als den des belgischen Königs vermag man sich näm­lich kaum zu denken. Der König ist ein stil- t r, lärmenden Freuden abholder Mann, der viel studiert, sich den kleinen und großen Sor­gen seines Berufes mit Ernst und Eifer wid­met, in der Erledigung der Staatsgeschäfte förmlich aufgeht und dabei noch Zeit behält, ein Interesse den kleinsten und gleichgültigsten häuslichen Angelegenheiten zuzu­wenden.

Er vergöttert feine Frau und hängt mit zärtlicher Liebe an den Kindern. Große Gesellschaften sieht er nur ungern und nur bei offiziellen Anlässen um sich, er bevorzugt den zwanglosen Verkehr in kleinem Kreise. Ist er also ganz und gar u n. fähig, seine Gattin einer Situation auszn- setzcn, die für sie wie für ihn gleich kompromit­tierend wäre, so ist auch die Königin eine viel ,u milde, ja scheue, und ängstliche Frau, als daß ihr die Rolle einer heroischen Verteidigerin ihrer häuslichen Ehre zugeschrie- ben werden könnte. Die Untersuchung wird ja die völlige Haltlosigkeit des Gerüchtes ergeben. Trotzdem erscheint es nicht unangebracht, dar­auf hinzuweisen, daß diese Erzählungen auf. fallend den Geschichten ähneln, die man seiner­zeit von dem in jugendlichem Alter verstorbe­nen älteren Bruder des Königs, dem Prin­zen Baudouin, zu berichten wußte. Auch die­ser soll nicht eines natürlichen TodeS gestorben, sondern von der Hand eiuesBrüf fe­ier Kaufmanns gefallen fein, der den Prinzen in den Armen feiner Gattin überrasch­te. Da nun auch König Leopold alles getan hat, um das Gesckwätz über die Vorgänge am Hofe nicht zur Rude kommen zu lassen, so ist es nicht überraschend, daß jetzt auch das Ko- nigspaar in das Netz dieser Klatschgeschichten mit bineingejogen wird.

*

Haldane gestern abend zu einem neuen Be­uch nach Berlin abgereist ist. Von offiziel. (er Seite wird erklärt, der Besuch sei absoluter privater und formaler Natur. Ter Kriegs- Minister werde incognito reifen und etwa zwölf Tage in Deutschland verweilen. ES wird hinzugesiigt, daß wie bei dem letzten Besuch im Februar so auch diesmal die angeblichpriva­ten Vorwände" für die Reise zweifellos später wieder fallen gelassen wür- d c n. Aus Berlin wird uns dazu berichtet, daß an der ganzen Nachricht nut eins richtig sei: Lord Hal'dane werde seinen Frühjahrsurlaub im deutschen Schwarzwald verbringen, wie er es bereits öfter getan habe. Mit Politik habe dagegen die Reise nichts zu tun. Nun, man wird ja bald sehen, welche Bewandtnis es mit der Schwarzwaldsahrt hat.

Keichrtasr-SM»mu«g 1

Ein großer Tag im Ileichshaus; die Ent» scheidung über die Deckung der Wehrvor. läge; der Reichstag für die Erbschaftssteuer! (Von uuserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

An den Reden gemessen bot der Reicks, tag gestern nicht das Bild eines großen Ta­ges. Umso wichtiger waren aber die Be­schlüsse, die gefaßt wurden. In der Er­wartung. daß wichtige Entscheidungen fallen würden, hatten sich auch die Abgeordneten in ungewöhnlich großer Zahl eingesunden. Auch die Journalistentriihüne war stark besetzt, et­was schwächer die Zuschauertribünen In fei­nem unbezähmbare» Tatendrang hielt der Reichstag gestern sogar gleich zwei 'Sitzun- gen ab. Ten Hauptgegenstand der ersten bil­dete die Deckungssroge. Vorher allerdings wurde noch rasch das Militär-Luftfahrfürsorgc- gesetz in erster und zweiter Lesung erledigt, nach­dem bei der ersten Lesung die Vertreter der verschiedenen Parteien kurz ihr Einverständ­nis fandgegeben hatten. Die Annahme der Vorlage 'erfolgte denn auch einstimmig. Tas Hauptinteresse nahm aber die Deckungssrag« in Anspruch. Tie Debatte hierüber bot aller­dings Wenig bedeutsame Momente. Das Haus folgte ihr owb zierulich interesselos, beim man war n"r auf den AuSgang der Ab­stimmung gespannt. Diese ergab, wie zu er­warten war, zunächst die Annahme des von der Kommission vorgeschlagenen Komprowitz- vorscklages, wonach für de» Ausfall bei der Branntweinsteuer bis zum ersten April näch­sten Jahres eine allgemeine Besitz« steuer vorgelegt werden soll. Mit noch grö­ßerer Spannung sah man der Abstimmung über den Zusatzantrag der Fortschrittlichen Volkspartei entgegen, der die Wiedervor­lage der 1909 abgelehnten Erbschafts­steuer fordert. Die Abstimmung war eine namentliche. Si« ergab die Annahme des Antrages mit 184 gegen 169 Stimmen. Damit ist also unwiderleglich nachgewiesen, daß im Reichstag eine Mehrheit für die Erb­schaftssteuer vorhanden ist, und daß also der Reichskanzler gar nicht gezwungen war. den Schatzsekretär Wermuth zu opfern. Wie sich Herr von Bethmann Hollweg mit dem ge­strigen Reichstagsbefchluß abfinden wird, bleibt abzuwarten.