CaMer Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Mittwoch, 22. Mai 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 140,
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' Hessische Abendzeitung
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Kanzler und Präsident.
8ine neue Präfidentenkrise int Reichstag?
?luS dem Reichstag wird uns gemeldet: In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß, da der Reichstag voraussichtlich dem Antrag der Kommission, die Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl des Reichstagspräsidenten K a e m p s s auszusetzen und durch den Reichskanzler Beweiserhebung über einige, der gegen die Wahl erhobenen Proteste anstelle» zu loffeit, stattgeben wird, Kaempss das Resultat der Beweiserhebung nicht a b w a r t e n, sondern während der Vertagung sein Reichstagsmandat niederlegen «erde. Der Reichstag hätte dann im .Herbst als erste seiner Ausgaben eine P r ä s i - denten-Reuwahl vorzunehmen. Am letzten Sonntag hat Herr von Beth. mann Hollweg aus dem gelblichen Holzpapier seiner Norddeutschen Allgemeinen Zeitung sich selbst mit feierlicher Umständlichkeit attestiert, daß seine Flucht vor Herrn Philippus Scheide, mann die »schärfste Form des Protestes" gewesen sei, die einem entschlossnen Mann in der Stunde siedeheißer Erregung erreichbar war, und zur Bekräftigung dieses süßen Trostes ist im Endsatz der Wilhelmstraßen-Kundmachung auf den Beifall hingewiesen worden, bett die bürgerlichen Parteien des Reichstags dem fliehenden Kanzler gezollt. Man soll nicht frevelnd an ein Verdienst tasten, dessen Wert wenigstens von einer starken Seele erkannt ward, aber der Kanzler, der so durch den Mund norddeutsch.allgemeiner Oeffentlichkeit spricht, mutet uns wirklich z u v i e l zu, wenn er verlangt, daß wir in dem tragikomischen Ereignis vom siebzehnten Maientag ein Heldenstück bewundern sollen. Wir betrauern das üble Intermezzo, das uns nach der Borchardt-Episode in der preußischen Landstube parlamentarisch den Böhmen und Polen gesellt, als eine schlimme und beklagenswerte Offenbarung politischer Degeneration, als ein Kennzeichen des Niedergangs und der Abkehr vom Ernst par. lamentarischer Arbeit, und es will unsrer Erkenntnis nicht gelingen, die ragende Gestalt des fünften Kanzlers diesem häßlichen Bilde als strahlenden Lichtpunkt inmitten finstrer Schatten einzufügen.
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Der alte Herr Johannes K a e m p f f, der als Präsident des Handelstags und als Aelte- ster der Berliner Kaufmannschaft mancherlei Verdienste erworben, und der erst im Lenzmond von der hauptstädtischen Alma mater in Anerkennung nützlicher Arbeit auf dem weiten Feld bürgerlicher Rechtsförderung durch die Verleihung deS Ehrendoktorhuts ausgezeichnet wurde, hat von Rechts und Links herbe Tadel- »orte vernommen, weil er in kritischer Stunde sie Zügel der Parlamentsregierung am Boden chleisen ließ. Niemand zweifelt daran, daß Reser Tadel berechtigt ist; niemand aber auch rarfs bemängeln, daß ein alter Greis, dessen Dbt den Sturm de» Kampfs drunten im Saal, vaS Gewirr der Kabalen und das Durchein- otrber parlamentarischen Kleingewehrfeuers nicht zu meistern vermag, in der Erfüllung not. wendiger Pflicht versagte. Herr Doktor Johannes Kaempff ist weder Redner noch Taktiker; er wirkt lediglich als Patriarch, zählt zu den Stillen im Land, und die sieben Jahrzehnte, die seine Achsel belasten, haben die Rü- stigkeit des pflichtbewußten Arbeiters gemindert. Als sein »kurzfristiger Kollege" Scheide- mann (Herr Philipp Scheidemann selbst ist der Erfinder dieser niedlichen Wortprägung» den Donner des Männerzorns wider die Regierungsbank rollen ließ, saß Herr Kaempff, angestrengt horchend, auf dem adlergezierten Stuhl des ersten GlockenwärterS, konzentrierte alle Kraft des Hörnervs und Empfindens auf die eme bange Sorge: »Mutz die Glocke schrillen und der Bannstrahl blitzen?", und lieh der Forderung amtlicher Pflicht einen Energieaufwand, dessen Kraftoffenbarung angesichts der grauen Haare der Alters zur Achtung zwang. Als dann der Herr Kanzler, eilig gefolgt von ergebnen »Nachgeordneten", aus dem Saale floh, sah der Siebzigjährige sich verwundert im Kreise um: Der kritische Moment war feinem Aug und Ohr entgangen, und die Hochspannung der Energie hatte die Leistungskraft des greifen Lrdnung-GlöcknerS erschöpft.
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Nun, da Herr von Bethmann Hollweg sich selbst das Zeugnis guter Führunz ausgestellt und Herr Johannes Kaempff die flüchtige Regung altermüder Schwäche emsig überwunden, dürfen wir von dem Ttruwwelpeter-Bildchen
hinwegblicken und versuchen, uns über die angenehmste Nutzanwendung schmerzlicher Erfahrung klarzuwerden. Was den Kanzler anbelangt, so steht zu hoffen, daß das über einem Haupte schwebende (noch unsichtbare) Krönchen neunzackiger Edelmännlichkeit nicht hinweggescheucht werden wird, weil der leitende Staatsmann des Reichs und Preußens auf flü i)tilgen Sohlen entschwand, als ein arger Feind mit derber Faust an Borussiens ehernen Schild donnerte. Die scharffinnige „Interpretation" des Kanzlerblatts hat uns ja bewiesen, daß die Methode, unangenehmen Zeitgenossen eilends den Rücken zu zeigen, unter Umständen Anstands-, Männer- und Kanzlerpflicht sein kann, und daß man zuweilen auch dadurch würdig zu protestieren vermag, indem man sich „kommentarlos" unsichtbar macht: Verdienst und Größe bleiben davon unberührt! Anders bei Herrn Johannes Kacmpf f. Was am siebenzehnten Mai geschah, kann unter einer neuen Sonne abermals und vielleicht noch dra. matisch-wirkungsvoller sich ereignen, und man muß also mit der Möglichkeit der Wiederholung in noch peinlicherer Form rechnen, ohne anderseits die Möglichkeit zu schauen, das Unheil vorbeugend bannen zu können. Und da dem Reichstag leider nicht das Recht verliehen, sich einen Kanzler erbitten zu dürfen, der über wirksamere Protestmittel als lediglich über die Entvölkerung der Regierungsbank bet. fügt, so bleibt nur die andre Hoffnung: Daß das Glöckner- und Herrschaftsamt im Parlament deS Deutschen Reichs in kritischer Stunde sich in Händen befinden möge, die nicht in der Schwäche des Alters zittern, sondern stark und fest die Leidenschaften meistern!
F. H.
Belgische Hosklatsch'GeWchten.
Klatschereien Über die Kouigsfamilie.
(Privat-Telegramm.)
Brüssel, 21. Mai.
Seit einigen Tagen waren hier Gerüchte im Umlaufe, die das Privatleben der kö- niglichen Familie betrafen. Um diesen Gerüchten ein Ende zu machen, hatte gestern der Privaffekreiär des Königs die Vertreter der hiesigen Blätter zu sich berufen, um sie zu er. suchen, diesen Gerüchten ein entschiedenes Dementi entgegenzusetzen. Es wurden verschiedene Versionen verbreitet. Nach der einen sollte die Königin den König in Begleitung einer Z o fe überrascht und die Zofe durch einen Revolverschutz getötet haben. Einer anderen Version zufolge habe die Königin auf den König selb st einen Revolverschutz abgegeben. Nach einer dritten LeSart habe sich die Königin damit begnügt, die Zofe mit ihrer Waffe zu bedrohen. Alle diese Gerüchte sind, wie der Privatsekretär des Königs den Vertretern der Presse erklärte, vollständig erfunden und gegen die Urheber dieser Meldungen ist bereits eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Das Blatt „Peuplc" versichert, daß gegen drei Personen bereits gerichtlich vorgegangen werde. Das Dementi, das gestern abend in den gesamten Blättern der Residenz veröffentlicht wurde, ruft allgemeine Befriedigung hervor. Wie ver. lautet, sind die Klaffchereien von einem entlassenen Hosbeamten verbreitet worden, der tatsächliche Vorgänge in phantasievoller Weise aufgebauscht hat. Die „Enthüllungen" dieses Beamten hatten in der Brüsseler Bevölkerung lebhafte Beunruhigung hervorgerufen und man sprach bereits von einer bevorstehenden I n - terpellation in der Kammer.
Das Kriegsspiel auf Rhodos.
Massenausweisungen... Attentatspläne.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 21, Mai.
Ein gestern abgehaltener Ministerrat beschloß die Ausweisung aller Italiener im ganzen ottomanischen Reich, ausgenommen sind Arbeiter, Witwen und Krüppel. Den Ausge- wiesenen ist eine Frist von vierzehn Tagen gesetzt worden, innerhalb deren sie die Türkei zu verlassen haben. Das Ministerium reichte eine Liste von sechsundneunzig Italienern in der deutschen Botschaft ein, die im Verlauf einer Woche die Türkei verlassen müssen. — Die Italiener haben inzwischen die Insel Symi im Aegäischen Meer besetzt. Wie ferner aus Mailand berichtet wird, wurde an einem der letzten Tage auf der Insel Rhodos ein Attentat
auf den ftalienischen Höchstkommandierenden, General Ameglio verübt, das indessen fehl, schlug. Als General Ameglio aut dem Weac
nach Chios einem Dorfe zuritt, fielen plötzlich in der Nähe einer engen Gasse zweiSchüsse, von denen aber keiner traf. Gleich darauf sah man zwei zerlumpte Männer fliehen. Ameglio ließ sie verfolgen, und es gelang auch ihre Festnahme. Da es sich nicht um türkische Soldaten handelte, wurden sie auf Befehl Arneglios als Banditen an einen Baum gebunden und s o -
ort e r s ch o s s e n. Es steht außer Zweifel, daß es sich um zwei Tüllen handelt, die sich zum Zweck der Ausführung des Attentats als Banditen verkleidet hatten.
Der Prinz von Cumberland f.
Prinz Georg Wilhelm von Cumberland auf einer Automobil-Fahrt verunglückt; Prinz und Kammerdiener auf der Stelle getötet!
Das ©umberlänber Herzogshaus ist von einem herben Schicksalsschlag betroffen worden: Der älteste Sohn des Herzogs Ernst August, Prinz Georg Wilhelm von Cumberland, ist gestern das Opfer eines Nutomobilunfalls geworden, bei dem der Prinz und fein Kam- merdiener sofort getötet wurden, während der Chauffeur des verunglückten Automobils mit leichteren Verletzungen davonkam. Das tragische Ende des Prinzen weckt umso mehr Teilnahme, als Prinz Georg Wilhelm auf der Reise nach Kopenhagen (wo er an der Beisetzung seines Onkels, des Königs von Dänemark, teil« nehmen wollte) vom Tode ereilt wurde. Hebet die Katastrophe, die das Haus Cumberland in tiefe Trauer versetzt hat, liegen uns folgende Meldungen vor:
Die MMüssahrt itt den Tod.
(Privat-Telegramm.)
Friesack (Mark), 21. Mai.
Ter verhängnisvolle Unfall des Prinzen von Cumberland ereignete sich gestern abend, anderthalb Meilen von hier entfernt, auf der Chaussee. Prinz Georg Wilhelm steuerte sein Automobil so unglücklich, daß es in den Straßengraben stürzte. Ter Prinz und sein Kammerdiener Greve wurden auf der Stelle getötet Ter Chauffeur, der im Innern des Wagens saß, kam mit dem Bruch des linken Armes davon. Tie Leichen der Ver- unglückten wurden nach der Kirche des nahe gelegenen Törfchens Nackel gebracht und dort vorläufig aufgebahrt. Prinz Georg Wilhelm von Cumberland befand sich auf der Reise zum Leichenbegängnis feines OnkelS, des Königs von Dänemark, nach Kopenhagen und hatte gestern nachmittag in Begleitung deS Kammerdieners ©reue Berlin verlassen. Etwa zehn Kilometer hinter der Stadt Friesack werden zurzeit an der Chaussee Reparatu. re« vorgenommen. Der Prinz hatte offenbar die Tafeln, auf denen zu langsamer Fahri auf. gefordert wurde, üb erseh en. Da die Strecke noch nicht gewalzt war, geriet das Gefährt des Prinzen ins Schleudern. Der Prinz verlor die Gewalt über das Auto und dieses fauste gegen d i e Prellsteine der Chaussee und dann gegen einen Chausseebaum. Der Prinz schlug vornüber auf das Blechgehäuse des Motors. Sein Kopf war v o l l st ä n - big zermalmt, außerdem war dem Prinzen durch das Steuerrad der Brustkorb eingedrückt worden. Der Begleiter deS Prim zen, der Kammerdiener Greve, wurde ebenfalls vornüber geschleudert und brach daS Genick. Sowohl der Prinz, als auch Kammerdiener Gttve waren auf der Stelle tot.
Mit hundert Kilometern...!
(Privat-Telegramm.) Friesack (Mark), 21. Mai.
Zu dem Automobilunfall des Prinzen Georg Wilhelm von Cumberland wird noch gemeldet: Der Chauffeur, dem der Prinz die Führung abgenommen hatte, saß im hinteren Teil des Wagens. Er erkannte im Augenblicke des Unglücks die Gefahr, vermochte aber nicht mehr, den Prinzen rechtzeitig anfmerffum zu machen. Er mutzte sich mit oller Gewalt an der linken Seite des Wagens festhalten, um nicht herausgeschleudert zu werden. Das Automobil fuhr mit einer Geschwindigkeit von min- deffens hundertKilometernindie ftisch gepflasterte, aber noch nicht gewalzte Chaussee hinein. Bei dem Anprall gegen den Chausseestein wurde dem Chauffeur der linke Arm zerschmettert. Außerdem erlitt der Chauffeur noch einen Rervenchock, von dem er sich wenige Minuten nachher aber wieder erholte. Er war bei voller Besinnung und deshalb in der Lage, vorbeifahrende Automobile und Radfahrer von der furchtbaren Katastrophe in Kenntnis zu setzen. Durch Radfahrer, Automobile und andere Gefährte wurden fofort die umliegenden Ortschaften von dem Unglück in Kenntnis gesetzt, und nach kurzer Zeit waren
Polizei und Rettungsmannschaften zur Stelle Die Leichen des Prinzen und des Kammerdieners wurden nach dem nahe« Nackel gebracht, wo sie in der Kirche vorläufig aufgebahrt wurden. Ter Chauffeur wurde, nachdem ihm an Ort und Stelle ein Notverband angelegt worden war, nach dem benachbarten Besitztum des Gutsbesitzers von bei Hagen überführt. Dort soll er vorläufig verbleiben. Die Trümmer des Automobils mußten, da inzwischen Dunkelheit eingetreten war, an der Unglücksstelle belassen werden. Bon der Friesacker Polizeibehörde wurde an der Unglücksstelle ein Posten stationiert.
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Prinz Georg Wilhelm von Cumberland stand im zweiunddreitzigsten Lebensjahre uni war ein außerordentlich liebenswürdiger Mensch, dessen ganzes Wesen dadurch, daß ei nicht ganz gesund war, einen besonders milden Charakter trug. Er war eine ernste, denkende Natur und glich seiner ganzen Art nach seinem Großvater, dem blinden König Georg von Hannover. Georg Wilhelm führte^ wie fein Vater und fein jüngerer Bruder, den Titel eines königlichen Prinzen von Großbritannien und Irland und den eines Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg. Er war Hauptmann im zweiundvierzigsten österreichischen Infanterie-Regiment und fein Name wurde int Jahre 1906 vielfach genannt, als Prinz Albrecht von Preußen, der Regent vor Braunschweig, gestorben war und somit die Frage der b r a u n sch w e i g i s ch e n Thronfolge wieder aufgerollt wurde. Damals erklärte fein Vater, für sich und den verunglückten Prinzen auf die Thronfolge in Braun- schweig verzichten zu wollen, wenn der jüngste Sohn, Prinz Ernst August, die Regierung in Braunschweig übernehmen könne. Dieser Vorschlag wurde indessen vom Kaiser abgelehnt.
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Prinz Waldemar in Gefahr?
(Privat-Telegramm.)
AuS Bremen wird uns depeschiett: Der Dampfer „Bülow" des Norddeutschen Lloyd, an dessen Bord sich Prinz Waldemar von Preußen auf der Rückreise nach Europa befindet, hat auf der Heimfahrt von Yokohama beim Passieren des Kiin-KanalS im dichten Ne- bei eilte leichte Grundberührung gehabt, wobei der doppelte Boden des Dampfers beschädigt wurde. Das Schiff, das in Kobe am Sonntag morgen eintrifff, wird in drei Tagen repariert sein und dann die Fahrt fortsetzen können.
6in Spion in Kassel!
Der Mechaniker Ferdinand Hotzfeld an- Cassel unter dem Verdacht des Der» rats mllitärischer Geheimnisse verhaf» tet; ein Spionage-Komplott in Cassel?
Schon längere Zeit war die hiesige Kriminalpolizei mehreren Verdächtigen auf der Spur, die mtt den Militärbehörden fremder M ä ch t e zu korrespondieren schienen. Dor län- gerer Zeit berichteten wir bereits darüber, daß sich in Cassel Personen aufhielten, die durch eine Frankfutter Adresse Verbindungen nach dem Auslande unterhallen hatten. Jetzt ist e« nun gelungen, einen der Beteiligten in Cassel festzunehmen. Die politische Abteilung der hie- ff gen Kriminalpolizei verhaftete den Mecha. niker Ferdinand Hotzfeld unter dem dringenden Verdacht des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse. Wir erfahren über die sensationelle Affäre folgende Einzelheiten:
Sin Mechaniker als Spion.
Der etwa vierundzwanzigjährige Mechani. ker H o ßfe ld wurde in Cassel geboren und besuchte die diesige Volksschule. Rach seiner Konfirmation kam er in die Lehre bei einem hiesigen Schlossermeister und nachdem er auS- gelernt batte, ging er ins Ausland, wo er in den verschiedensten Berufen tätig war. Er bereiste die Schweiz, Frankreich, Italien und Belgien und kehrte nach mehrjährigem Aufenthalt vor kurzem nach Cassel zurück. Offenbar hat er auf diesen Reisen auch die Verbindungen mit den Spionagebureaus fremder Machte an. geknüpft. Nach seiner Rückkehr nach Cassel wohnte Hotzfeld zunächst hier im Garben Nr. 59, wo er jetzt verhaftet worden ist. An hiesiger kompetenter Stelle vermutet man, daß Hoßfeld mit noch mehreren anderen Leuten zusammen gearbeitet hat; man nimmt sogar an, daß sich ein Agent hier aufhält, der geeignete Leute aus den verschiedensten Klassen anzuwerben versucht hat und alle Korrespondenzen durch feine Hände geben ließ. Hotzfeld war im Augenblick seiner Verballung ganz verwirrt. Schon am frühen Morgen batte man sich in seine Wohnung besehen, um ihn festzu-