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Casseler Neueste Nachrichten

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Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

2. Jahrgang

Sonnabend, 18. Mar 1912

Fernsprecher 951 imb 952.

Nummer 137.

Fernsprecher 951 mtb 952.

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tändlge geladen.

Die Zupitersäule nicht eingeweiht.

stimmungen noch nicht getroffen.

Demission des dLnischen Kabinetts.

Ein Privattelegramm meldet uns

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gafetttoniprtH«: Di» fochtgefpall«« 8»Ue fte tt-rhtimtfch» «rfchäft« 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf* Reklamezelle für einheimische Geschäfte 10 Pf* für auswärtige Geschäfte 80 PI. Beilagen für die Sesamtauflage werden mit 5 Mark pro laufen» de- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung In der Reflden, und der Umgebung stad die Casseler Neuesten Nachrichten ein »orzügstche» JnsertionSorgan. SeschäftSfielle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW* Friedrichstraße 18, ZetepSon: Amt Mnritzplah 678.

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Kaiser nicht übergeben werden. Die zahlreichen Fremden, die zum -zrößten Teil auf der Saal­burg erschienen waren, um den Kaiser zu sehen, kamen deshalb nicht aus ihre Rechnung. Die Einweihung der Säule ist auf «inen andern Tag verschoben worden, der noch nicht sefisteht.

Sturmzeichen im Reichstag? \\

Nachwehen der Straßburger Kaiserrede.

Am zehnten November neunzehnhundertacht sprach im Deuffchen Reichstag der Kanzler Fürst Bernhard von Bülow:Die Wirkung, ' die die Veröffentlichung des angeblichen Kai- set-Jnterv-iews im Daily-Telegraph erzeugt hat, wird Seine Majestät den Kaiser dahin füh­ren, fernerhin auch in Privatgesprächen jene Zurückhaltung zu beobachten, die im In­teresse einer einheitlichen Politik und für die Autorität der Krone gleich unentbehrlich ist/ Und sieben Tage später, am siebzehnten Novem­ber, fand dann im Neuen Palais in Potsdam die bekannte Unterredung zwischen Kaiser und Kanzler statt, der die feierliche Kundmachung folgte, die vom Bock und Kanzler als Verspre. chen der Zurückhaltung und Mäßigung gedeutet und gewertet wurde. Seit diesen Tagen sind nun bald vier Jahre verrauscht, und aus Straß, bürg im Elsaß kam in des Maienmonds Mitte die Kunde, die fast wie «in Verzicht auf das Dokument vom siebzehnten November, wie Kampfansage klang. Wir haben bereits mitge. teilt, w i e laut das Echo der Stiaßburzer Koi- serworte durch den Blätterwald hallt, und man versteht deshalb nicht, wie planlos und unge­schickt sich die offiziösen Nachrichtenstellen um die Schwichtigung der Erregung mühen. In einer Mitteilung, die durch das offiziöse De­peschenbureau verbreitet wird, heißt es:

Straßburg, 17. Mai.

Mit Bezug auf die vielen Besprechungen über die Aeußerungen des Kaisers gelegent­lich des Empfangs am Montag im Zorn von Bulach'schen Palais und angesichts der Auf- bauschungen der Worte des Kaisers in der 8 Presse hat Bürgermeister Dr. Schwander dem - Wolffschen Telegraphenbureau folgende Er- klärung zur Veröffentlichung übergeben: Dem Sinne nach sind die Aeußerungen des Kaisers zutreffend, der Wortlaut ist jedoch in der Presse nicht authenttsch wiedergegeben/ Jedenfalls hat der Kaiser, wenn er gegenüber gewissen Bestrebungen, das Land nicht zur Ruh« kommen zu lassen, die Möglichkeit einer Einverleibung des Landes in Preußen erwähnte, dies nur in dem Sinne ge­meint, daß sie auf dem legalen Wege durch die gesetzgebenden Faktoren des Reiches erfol­gen müßte.

Sonderlich glücklich ist dieser Versuch einer Beschwichtigung wirklich nicht; man merkt ihm deutlich die Eigenart des Derlegenheits- produkts an, und es kann also auch nicht Wunder nehmen, daß die Wellen der ErreWNg bereits den Reichstag erreicht haben, der

kanzler gerichtet werden wird. Ob von irgend I einer Partei eine Resolution zum Gehalt des Reichskanzlers beantragt werden wird, stand gestern Abend noch nicht fest. Von der Absicht, eine Interpellation an den Reichskanz­ler zu richten, so verlockend sie auch schien, weil sie nach der Reform der Geschäftsordnung mit ihr «in Mißtrauensvotum verbinden läßt, wurde vorläufig abgesehen, da man glaubt, daß di« Etatberatung genügend Hand­haben bietet, den Willen des Reichstages zum Ausdruck zu bringen. Viel bemerkt wurde übrigens, daß der frühere Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, Herr von Köller, am Mitt­woch im Reichstag erschien und sich mit reichs­ländischen Abgeordneten, auch mit den sozial­demokratischen, sehr lange und lebhaft unter­hielt. Aus dem Gespräche mit Herrn von Köl­ler wollen die Abgeordneten entnommen ha­ben, daß seine Ansicht über die Verhältnisse I im Reichsland von denen der heutigen Regie­rung abweicht.

Es entbehtt endlich auch nicht des Inter­esses, daß Dr. Schwander, der Bürgermei­ster von Straßburg, zu dem sich der Kaiser in so scharfer Weise geäußert hat, als ernstester Kandidat für die Nachfolge des Frankfur­ter Oberbürgermeisters, Dr. Adik- kes, galt. Dr. Schwander soll jedoch auf eine an ihn ergangene Anregung sich abgeneigt ge­zeigt haben, dieses Amt zu übernehmen. Man I gibt ihm die meisten Chancen für eine hervor­ragende Stellung in der Verwaltung von El­saß-Lothringen, ja sogar für die Nachfolge des Staatssekretärs Zorn von Bulach. Der ma­terielle Inhalt der kaiserlichen Aeußerung wird in parlamentarischen Kreisen nicht allzu tragisch genommen und vor allem nicht als wörtlich gemeint aufgefaßt. Der Kaiser allein kann ja auch gar nicht in der von ihm angedeu­teten Richtung Vorgehen. Es besteht aber auch weder in Bundesratskreisen, noch im Reichs-

tag, noch insbesondere bei den süddeuffchen Staaten Meinung für eine sofort zu inszenie­rende so radikale Aenderung der Orientierung in der elsaß-lothringischen Polittk. Insbeson­dere in Bayern hat die Oppositton gegen eine etwaige Aufhebung der rcichsländischen Ver­fassung sofort eingesetzt. Wie weiter verlautet, wird der Reichskanzler heute im Reichstag die | Anfrage der Welfen kurz beantworten; da in­dessen nach den neuen Bedingungen der Ge- I schäftsordnung an den Erklärungen des Kanz­lers eine Debatte nicht anknüpfen darf, wird die Straßburger Ueberraschung wahrscheinlich erst in der Beratung des Etats des Reichs­kanzlers eingehend besprochen werden. Und mancherlei Anzeichen deuten darauf hin, daß diese Erörterung sich recht stürmisch ge-

Das Müllheimer Msenbahndrama.

Die Schuldige» vo» MMHeim vor Gericht.

Das furchtbare Eisenbahnunglück von MMHeim, das zu den schwersten Eisen­bahnkatastrophen der letzten Jahre zählt, ge­langt beute vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Freiburg L Br. zur Verhand­lung. Die Anklage richtet iuf> oeaen den Loko­

motivführer Karl Platten aus Lauf, den Zugführer Leonhard Bähr aus Leimen und den Reserveheizer Matthias M ä n n l e aus Urloffen. Die drei Angeklagten werden der ährlässigen Tötung, Körperverletzung und Ge- ährdung eines Eisenbahntransportes beschul­digt. Am siebzehnten Juli vorigen Jahres durcheilte bekanntlich die ganze Welt die Schreckeuskunde von der furchtbaren Eisen­bahn-Katastrophe von Müllheim, die im ganzen vierzehn Tote, zwölf Schwerverletzte und zahlreiche Leichtver­letzte forderte. Der Unglückszug war der Eilzug Nr. 9, der 8 Uhr früh Basel verläßt und 11 Uhr abends in Berlin eintrifft. Vor der Station Müllheim in Baden, die damals einem gründ­lichen Umbau unterworfen wurde, ent­gleiste der Zug, als er in eine Weiche ein- uhr und eine beinahe fertiggestellte Brücke überfuhr.

Lberbürgermeister Wermuth.

Deo neue Oberbürgermeister von Berlin.

Die Berlimr Stadtverordnetenversammlunz wählte am Mittwoch zum Nachfolger des aus. scheidenden Oberbürgermeisters Kirschner den 'früheren Reichslchatziekretär Errellenr Wer-

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heut« Gelegenheit haben wird, sich mit der Straßburger Diner-Rede eingehender zu be. schästigen. Am Mittwoch in den Nachmittags, stunden erhielten (wie aus Berlin berichtet wirdl die reichsländiscken Reichstagsabgeord- neten aus Straßburg von einer amtlichen Per. I sönlichkeit die Bestätigung, daß die Worte des Kaisers in der scharfen Form -gefallen sind, in der sie der Pariser Slatin veröffentlichte. Der Kaiser hat danach tatsächlich gesagt, er würde die elsässische Verfassung i n S ch e r b e n zerschlagen. Die Bestätigung der Meldung über die Aeußerungen des Kaisers hat in Abgeord­netenkreisen von links bis tief in die Reihen des Zentrums hinein gradezu Entsetzen erregt. Nicht der materielle Inhalt der Dro­hung des Kaisers ist eS, der diese Erregung hervorrief, denn es besteht keinen Au-zenblick ein Zweifel, daß die Drohung niemals zur Tat werden kann», aber die Rückkehr zu den Ge-| pflogenheiten der Zeit vor derDaily-Tele- graph.Affäre" wird aufs tieffte bedauert und auf das schärfste kritisiert. Jnsbesonders wird es auch auf das härteste verurteilt, daß der Kai. ser durch die Drohung, »Elsaß-Lothringen würde in Preußen einverleibt^werden/ Preu- ßen gewissermaßen als eine Strafanstalt hinstellte. Nur die Konservativen stimmen nicht in den Chor ein, sondern halten in ihren Aeu­ßerungen sehr zurück, auch aus dem Grunde, w-eil sie sich ja (wie bekannt) im vorigen Jahr g egen die Verleihung der Verfassung an die ReichSiande ausgesprochen und dementsprechend

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bereit stehenden Automobilen unb, fuhren in offenen Wagen durch die Hauptstraßen der Stadt, die reichen Flaggenschmuck zeigten, nach dem Schloß. Dar Publikum bereitete dem Kai­ser begeisterte Huldigungen, die der Monarch mit freundlicher Miene und Winken erwiderte. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts, von Tirpitz, trifft im Laufe des heutigen Tages rm Schlosse «in, um dem Kaiser Vortrag zu halten. Oberbürgermei. ster Lübke ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden.

gestimmt haben. |

Die Parteien des Reichstages werden die Angelegenheit schon heut« bei der Bera- tung des Etats d«S Reichskanzlers zur Sprache bringen. Den Reigen eröffnet Abge­ordneter Scheidemann als Redner der Sozial- demokraten; außer ihm wird von den Sozial­demokraten Böhle, Abgeordneter ftr Straßburg, sprechen. Die Welfen haben bereits eine kurze Anfrage an den Reichskanzler for­muliert, die nach der Geschäftsordnung sofort zu Begirm der tzeMgenWtzMg an de« Reichs-

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aus Kopenhagen: Das Ministerium hat _____________________ . am Mittwoch nachmittag sein Portefeuille in Fniolae des ungünstigen Wetters konnte di« die Hände des neuen Königs zurückgegeben. JnWuleg^ber Saalbnrg gestern dem Ter König bat di-^MinisterbieGeschäfte v°r- Kaiker nickt übergeben werden. Die zahlreichen I läuf g Wetter zu fuhren Die Be setzung des Königs Friedrich erfolgt am nächsten Freitag. Ueber die Neubesetzung des Kabinetts sind Be-

Dar Jahr der Unheils?

Die Drei-Kaiser-Prophezeiuug; Madam« de Thebes unb August Butzler; der Um. mende Weltkrieg undDeutschlands Sude".

Die Fernseher, die der Völker Zukunft kün­den, mehren sich. Bekannt ist die D r e i - K ay ser-Prophezeinng, die Deutschland lür das Jahr 1913 ein Ende des heuttgen Kaiser­tums voraussagt. Hervorgegangen aus der Additton der Quersumme mit der LängSsumme des Revolutionsjahres 1849, derzusolge das heutige Reick der Deutschen 1849+221871 den ersten Kaiser, 1871+17 - 1888 den dritten Kaiser, 18884-25 - 1913 daS Ende des dritten Kaiserreiches erlebt. Bekannt sind auch die Prophezeiungen der Pariser Hellsehe­rin MadamedeThöbes, die Deutschland ebeirfalls eine düstere Zukunft in AuSsickr stel­len. Nach Madame be ThebeS bereitet das Jahr 1911 die Akten vor, 1912 ist der Beginn der großen Ereignisse, während das Jahr 1913 der Markstein, eines Frankreich seine morali­sche Krone wiedergebenden verwandelten Eu­ropas sein wird; welch letzteres, als Aufrich­tung der gesunkenen Waffenebre gedacht, natür­lich nur auf Ko st en Deutschlands möglich wäre. £>ht»u kommt, daß sich Madame de Thöbes wiederholt als Fernseherin be­währt hat. Sie kündete für das Jahr 191(1 den pünktlich eingetretenen Tod zweier König« und nock manches in Erfüllung gegangene an­dere. Madame de TH4bes sagt von Deutsch­land: ,.Es ist zu schnell groß aew or- d e n. Dem Taumel einer Möglichkeit, die durch die eigene Eitelkeit zerstört wurde wpr- den schwere nationale Prüfungen

Nachdem der Tender der Lokomotive aus dem Gleis gesprungen war. wurde der unmittelbar darauf befindliche Gepäckwagen, in dem sich das Zugbegleitungspersonal be­fand, aus dem Gleis gehoben, und von den unmittelbar dahinter befindlichen Personenwa­gen stürzte ein Wagen erster und zweiter Klasse in die unter der Brücke befindliche Unterfahrt und wurde vollständig zertrümmert, der nächste Wagen dritter Klaffe überstürzte jtd) und am vierten Wagen, ebenfalls einem Wagen drit­ter Klaffe, wurde der Oberkasten vollständig zertrümmert durch den fünften Wagen, der auf den vierten auffuhr. Der sechste und siebente Wagen sowie der Postwagen entgleisten und sind nur leicht beschädigt worden. Die Un- glücksstätte bot ein Bild grausigster Verwu- stung. In Müllheim wurde Sturm gelautet, die Feuerwehr und die Sanitätskolonne ruckten an. es wurde Militär requiriert, und so ge- lang es allmählich, das Trümmerckaos zu ent­wirren. Der Lokomottvführer Platten und der Heizer Märmle wurden verhaftet, da nach den ersten Ermittelungen sie .durch zu schnelles Fahren das Unglück verschul­det haben sollten.

Der Packmeister Mann von dem Zugbegleitungspersonal gab bei bet Vernehmung folgendes an: M ^rr uns vor der ersten Haltestation nach Basel, Müllheim, dem dort wegen der Umbauten angebrachten Signale Langsam fahren" näherten, sagte der Zugführer Bähr zu mir: .Ich weiß nicht, der Lokomotivführer fahrt mir zu schnell; er macht ein so komisches Ge- ficbt'" Als dann das Einfahrtssignal mit voller Geschwindigkeit überfahren wurde, zog der Zugführer die LuftdruckbrEse, aber m demselben Augenblick war das Unglück fckon geschehen. Wie die Gsneraldirektton der Ba­dischen Staatseisenbahn fesfft^tt-.^ar für das Gebiet der Umbaustrecke in Müllheim fürallc Auge eine Geschwindigkeit von zwanzig Kilo­metern vorgeschrieben; dieser Befehl wurde dem Zugführer und Lokomottvführer de? ver- unglückten Zuges gegen Bescheinigung unmit­telbar vor der Abfahrt in Basel ausgehandlgt. Der Lokomottvführer Platten, deflen früherer Heizer ihn bei den Fahrten nicht mehr beglei- ten wollte, da er angeblich dem Alkohol ergeben war, foll vor der Abfahrt tn Basel ziemlich viel Alkohol genossen haben. Trotzdem dies der ihm vorgesetzten Eisenbahn­behörde bekannt war, soll ihm die Führung von großen Schnellzugslokomottven überttagen worden sein- Zu der heute beginnenden Ver­handlung sind zahlreiche Zeugen und Sackver-

m u t h mit 72 von 73 gültigen Stimmen; eine Stimme fiel auf Stadtrat Wiener. Insgesamt wurden 116 Zettel abgegeben. Davon waren 42, die von den Sozialdemokraten her- rührten, unbeschrieben; außerdem war noch einer ungültig, der mehr als einen Namen ent­hielt. Die Verkündigung des Wahlresultats wurde von den Stadtverordneten mit Bravo, rufen ausgenommen. In der an die Plenar­sitzung sich anschließenden geheimen Sitzung stimmten die Stadtverordneten der Magistrats» Vorlage über die Pensionierung des Oberbür­germeisters Kirschner und der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes an Kirschner ein­stimmig zu.

Der Thronwechsel in Dänemark.

eine Proklamation des neuen Königs

Im Hamburger Hof in Hamburg fanden sich gestern früh am Sarge des Königs von Dänemark zahlreiche Angehörige der Ham­burger dänischen Kolonie unb Mttglieber ber Hamburger skandinavischen Vereinigungen zu­sammen, um der Ueberführung der Leiche des toten Königs beizuwohnen. Ergreifend war der letzte Abschied am Sarge, den die dänische Königsstandarte unb Danebrogftaggen beckten. Die Königin, umgeben von ben Prinzen tarald und Gustav und den Prinzessinnen hyra und Dagmar, dankte in bewegten Wor- I ten für die Anhänglichkeit der dänischen Kolo­nie und für die Liebe, die der König in Ham­burg gefunden habe. Dann wurde der Sarg die Treppen hinab zu dem sechsspännigen I Leichenwagen getragen, der des toten Königs sterbliche Hülle zum Bahnhof beförderte, von wo aus sich kurz darauf der Sonderzug mit ber Leiche des Königs nach Travemünde in Bewegung setzte.

Von Travemünde aus brachte der Dampfer Danebrog" die Königsleiche nach Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt hatte sich am Mitt­woch auf dem Amalienburger Schloßplatz eine Volksmenge von etwa vierzigtausend Personen versammelt, als der Ministerpräsident Bern­teen auf ben Balkon bes Palastes trat unb mit lauter Stimme aus rief: »König Fledert! der Achte ist tot, es lebe König Christian der Zehntel Die Menge be- i grüßte die Erklärung des Ministerpräsidenten mit Hurrarufen. König Christian trat daran in Generalsuniform mit dem blauen Bande des Elesantenordens auf den Balkon, während der I Ministerpräsident sich zurückzog. Der König trat mit entblößtem Haupte vor und hielt fol­gende, von Beifallskundgebungen oft unter« I orochene Rede:

Eine traurige Botschaft hat alle Dänen be­troffen. Der König, mein hochgeliebter Vater, der selbst hoffte, gesund und frisch zurückzukeh­ren. ist plötzlich gestorben. Tiefe Trauer hat meine vielgeliebte Mutter, alle seine Nächsten und.jeden Dänen betroffen. Eine schwere Verantwortung ist nun auf meine Schuft -an. item gelegt, aber ich hoffe, daß das gleiche stalteu wird. _______ Vertrauen, das meinem vielgeliebten Vater

A entgegengebracht wurde, nun auch mit ent«

Du8 tlt I gegengebracht wird. Dänemarks Glück,

Die Ankunft des Kaiserpaares;Staatssekre- Freiheit und Selbständigkeit wird tär von Tirpitz zum Dortrag beim Kaiser, mein Ziel fein. Alle dänischen Männer, die (Privat-Telegrarnrn.) dasselbe wollen, mögen sich darauf die Hand

Homburg v. b. H., 17. Mai. reichen Gott schirme und segne unser altes Gestern früh kurz vor sieben Uhr traf per Vaterland. ES lebe Dänemark!

Kaiser mit Gefolge im kaiserlichen Hofzug in I . - ,

Homburg ein. Ein offizieller Empfang f^nd Die Volksmenge brach in anhaltende, begei- nickt statt siur Begrüßung des Kaisers war fierte Hurrarufe aus. D» Flagge auf dem Pa- 0 BrinEn D i k i ° r i a L uise am Bahn- lais, die Halbmast geweht hatte, giufl in die

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Kaiser, die Prinzessin und das Gefolge zu den e sich die königlichen Herrschaft

* ---1 ten zu+ck Mehrere Gesangvereine stimmten

die Nattonalhvmne an, in die die Volksmenge einsiel. Der König und seine Familie traten abermals auf den Balkon unb hörten ben Ge­sang. Es erfolgten neue begeisterte St unb gebungen unb ber Gesang vaterlän­discher Lieder. Nachdem die königliche Fa- milie sich zurückgezogen hatte, leerte sich ber Platz allmählich.

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