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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

2. Jahrgang.

Donnerstag, 16. Mai 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 136.

Fernsprecher 951 und 952.

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wurde den Verwandten der Königlichen milie und den regierenden Fürsten von raschen Ableben des Königs Mitteilung macht.

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Di, Oafittel Kuuttea Nachrichten erscheinen wöchentlich sechimnl und paar abeudr. Der gtbomwnettlwt* betrögt monatlich 80 Pfg. bet freier Zustellung tnl Hau«, Bestellungen werben tebeteeU von bet «efchöft-stelle oder den Bot« entgegmgenommen. Druckerei. Verlag und OUbattton: «chlachchofstraße 28/80. Sprech stund« der Redaktion mir von 1 bi« 3 Uhr nachmittag«, Sprechstunden der Durkunst- Stelle: ged« Mittwoch und Sonnabend von « bU 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr. 18, Telephon: ilmt Moritzplatz 678.

Mandel zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Titel Exzellenz, die ostentativ gewissen»», ßen als Antwort auf das Mißtrauens­votum der elsaß-lothringischen beiden Äafm« mein gelten muß, und vor allem die Aenste- rungdesKaiserS gegenüber dem Bürger­meister von Straßburg, die wunderbarerweise in Paris früher als in Straßburg bekannt war. haben in der elsaß-lothringischen Bevölkerung tiefen Mißmut erregt. Die Mitteilung, über die Worte des Kaisers fand hier zunächst keinen Glauben. Die elsaß-lothringische Kam­mer hatte aber gestern für die Tagesordnungs­debatte absolut kein Interesse, da die Abgeord-

die Worte so laut und nachdrück­lich, daß sie auch in der Umgebung von einigen Herren verstanden wurden. Pariser »Mairn" hat gestern (wie wir

dnferttxmlpretfe: ®ie fech»gefpalt«, Zelle fite einheimisch« »«schölte 15 Pfg., fite au«- wrrtige Inserat» 25 Vf. Stenamejette für einheimisch« »eschöfte 10 Pf. fite auswärtige «eschöfte «0 Vt Beilagen fite bi« Sesamtaustage werb« mit 5 Marl pro taufen» be. rechnet. Weg« ihrer bicht« Verbreitung in bet Stestb«, imb bet Umgebung Hab bte Lasteler Neueft« Nachricht« ein vorzügliche« JnsertionSorgan. SeschLfksftelle: Kölnische StraM 5. »erttner Vertretung: SW, Friedrichstrah« Ich Telephon: Aull Morttzpla, «7«.

Admiral & la suite der deutschen Marine und Chef unseres Casseler Husarenregi« ments Landgraf Friedrich der Zweite von Hessen-Homburg (zweites kurhessisches Nr. 14). Trotzdem er nur wenige Jahre regierte, hat de; Monarch sich um sein Land sehr verdient ge- macht und Dänemarks Wohl nach Kräften ge. ordert.

nrtcn sich nur mit der Aeutzerung Kaisers bcschästigten, die indessen

niemand so recht glauben

wollte. Erft nachmittags erfuhr man eingezogene Erkundigungen hin, daß

Das Scho der Kaiserreve.

(Privat-Telegram m.) Straßburg, 15. Mai.

Ernennung des Unterstaatssekretärs

schon berichteten) Frankreich und Deutschland ein« eigenartige Ueberraschung bereitet: Er hat den Wortlaut einer Rede mitgeteilt, die der Deutsch« Kaiser gelegentlich seines Auf­enthalts in Straßburg beim Bankettabend im Hause be8 Staatssekretärs Zorn von Bulach aus der Regung zornigen Empfindens heraus gehalten haben soll. Daß das Pariser Boule, vardblatt der Inhalt dieser Rede mitteilen konnte, bevor in Straßburg (vom amtlichen Berlin ganz zu schweigen) ein Mensch ahnte, was vorgegangen war, ist außerordcnttich be­zeichnend und beweist jedenfalls, daß in der allernächsten Umgebung des vom Kaiser mehr­fach ausgezeichneten Staatssekretärs Zorn von Bulach sich Leute befinden, die ein lebhaftes || Interesse daran haben, französischen Obren auf »osten deutscher Ruhe eine angenehme Ueber- raschung zu bereiten. Ms gestern die Mittci- luugen deS Pariser Blattes diesseits der Boze. len bekannt wurden, begegneten sie ernsten Zweifeln,denn man konnte kaum annnehmen.datz der Kaiser seit dem siebenzehnten November, taz 1908 impulsivem Eingriff in die Tagesge­schäfte abhold) wirklich die Worte gesprochen haben sollte, die ihm, schadenfroh grinsend, gal­lische Chauvinisten in den Mund legten. Leider war dieser Zweifel unbegründet, denn e§ liegt heute ein« verbürgt« Meldung aus Straßburg vor, nach der sich der Vorgang fol. gendermaßen abgespielt hat: Während des vorgestrigen Diners beim Staatssekretär Zorn von Bulach hat der Kaiser dem Straßburger Bürgermeister Dr. S ch w a n d e r gegenüber in entschiedenen Worten seine Mißbilligung der letzten Vorgänge in Elsaß.Lothringen (gemeint ist di« Streichung der kaiserlichen Jagd, die Kri­tik am Gnadenfonds und der Grafenstadener Fall) ausgesprochen, und geschlossen:Wenn es so weitergeht, heben wir bte Berfas, sung einfach auf und machen auS Elsatz- Lothrrngen eine preußische Provinz.. !* Dies« Darstellung wird von maßgebender Seit« bestätigt und ein Zweifel daran ist also nicht möglich. In der schärfern Formulierung der Matin-Meldung: »Wenn das so weitergeht, so schlage ich Ihre Verfassung in Scherben," er. innert das Wort des Kaisers an jene Wendung aus einer frühem Rede-Epoche: .Wer sich mir entgegenstellt, den zerschmettere ich." Aber auch in der mildern, nunmehr bestätigten Form wird das Wort die Oeffentlichkeit lebhaft beschäftigen und zu scharfen Kommentaren Anlaß geben.

Der Dynamittampf der Polizei.

(Privat Telegramm.)

Paris, 15. Mai.

Sie Belagerung der Banditenburg durch die Polizei währte die ganze Nacht, ohne daß es der Polizei gelang, nennenswerte Erfolge zu verzeichnen, da die Verbrecher sich mit de« MutederBerzweiflnng wehrten. Der. schieden« Versuche, das HauS mit Dynamit in die Luft zu sprengen, schlugen fehl. Gegen ein viertel drei Uhr morgens entschied sich dann der Polizeipräfekt zu einem entscheidenden Schlag, der auch von Erfolg begleitet werden sollte. Er legte eine Anzahl Dynamitpatronen, insgesamt dreizehnhundert Gramm, gegen daS Haus und brachte sie zur Entzündung. DaS HauS wurde durch die neuerliche Explosion teil« weise zerstört mW das Mauerwerk brach in sich zusammen. Die Menge, die der Belagerung zusah, brach in laute Beifallsrufe aus. Beide Verbrecher wurden dann in einem be. fonbeitn Raum schwer verletzt aufge. sunden. Während Garnier nach weuigen Augenblicken verschied, gab Ballet noch Le« bcnSzeicheu von sich und feuerte auf die Beamten einige Revolverschüsse ab, allerdings ohne zu treffen. Der Verbrecher wurde dann in ein Automobil gebracht, um nach Paris ttansportiert zu werden. Als der Kraftwagen absahren sollte, gab Ballet seinen Geist auf.

(Privat-Telegram m.)

Am Montag abend ttaf der König von Dänemark, von Nizza kommend (wo er von einer Arterienverkalkung Heilung gesucht hatte) mit seiner Gemahlin, seinen Töchtern und seinem Gefolge in Hamburg ein und nahm im Hotel Hamburger Hof Wohnung. Der Kö­nig befand sich am Dienstag verhältnismäßig wohl und mit großem Appetit. Am Abend ging er allein aus, um sich etwas Be- wegung zur machen. In der Nähe deS Gänse- marktes fiel er plötzlich vom Herzschlag getroffen, tot zu Boden. Er trug einen einfachen Jackettanzug und wurde so zunächst von Niemandem erkannt. Man brachte den To­ten zum Hafenkrankenhaus. Erst spät abends vermißte man im Hotel den Monarchen. Man ging auf die Such« und erfuhr, daß im Hafen- krankenhauS die Leiche eines gut gekleideten älteren Herrn, der am Gänsemarkt tot aufge- funden worden war, eingeliefert worden sei. Nachdem der Tatbestand so aufgeklärt worden war, brachte man die Leiche in daS Hotel zu­rück, wo sie aufgebahrt wurde. Die Leiche des Königs soll mit größter Beschleunigung, mög- lichst schon heute, nach Kopenhagen überführt werben. Der Bürgermeister Burckardt stattete dem dänischen Ge. neralkonsul sofort einen Kondolenz-Besuch ab. Die Nachricht vom Tode deS Königs, der hier als ein häufiger und gern gesehener Gast weil­te, rief in der ganzen Stadt große Teilnahme hervor. Alle öffentlichen Gebäude haben auf Halbmast geflaggt. Noch im Laufe der Nacht

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Friedrich von Iiinrmarl t.

König Friedrichs plötzliches Ende.

Plötzlich und unerwartet hat der Tod Däne­marks König hinweggerafft: Auf der Rückreise zum Norden (auf der er am Sonntag noch Cassel berührt hatte) ist König Fried­rich der Achte auf fremder Erde gestorben; und ein unglücklicher Zufall hat es gewollt, daß er unerkannt aus diesem Leben geschie- den, in einem Krankenhaus aufgebahrt, inmit­ten von Leid und Kummer! Und dieser Abschied vom Leben fügt sich fast wie ein natürlicher Abschluß dem Lebensbild dieses Königs an, das reich war an Schicksalen, Enttäuschungen und Heimsuchungen. Der plötzliche Tod des Königs wird grade in Cassel umso aufrich­tigere Teilnahme wecken, als König Friedrich seit Jahrzehnten Chef unsres Husaren- regi ments war, dem er stets das wärmste Interesse entgegenbrachte. Hebet das Ende des Königs liegen uns folgende Meldungen

Mitteilung durchaus der Wahrheit entspreche und das Erstaunen darüber, daß der Kaiser solche Worte gesprochen habe, war allgemein. Man glaubte hier zu wissen, daß der Kaiser seinen ganzen Einfluß aufgeboten habe, um die BerfaffungSreform im vorigen Jahre zustande zu bringen. Nicht allein in alt-elsässischen, sondern gerade in alt-deutschen Kreisen haben die Worte des Kaisers sehr verstimmt, und überall hört man die An­sicht aussprechen, daß die BersöhnungS- Politik in Elsaß-Lothringen einen schwe­ren Schlag erlitten habe, und grade in dieser Zeit der Gärung und des Uebergangs v e r - hängniSvoll werden könne und sicher nicht ohne Folgen bleiben werde.

Straßburg, 15. Mai. (Privat-Te- legramm.) Die Zentrumsfraktion der zweiten Kammer brachte im Landtag einen Antrag auf Abänderung des Paragraphen 28 der Verfassung eilt. Dieser Paragraph sieht vor, daß eilte Verfassungsänderung nur mit Genehmigung deS Reichs- t a g e S erfolgen kann. Bei der Beratung die­ses Antrages soll auch eine Besprechung über die auf die Verfassung von Elsaß-Lothringen sich beziehende Aeußerung des Kai­sers erfolgen.

Set Kaiser droht...!

Die Straßburger Dinerrede des Kaisers.

Nach dem (halb-offiziösen) Berliner Lokalanzeiger hat sich der K a i s e r in Straßburg in der Unterhaltung mit Bürgermeister Dr. Schwander folgen­dermaßen ausgesprochen:Hören Sie einmal. Sie haben uns bis jetzt hier nur von der guten Seite kennen ge- lernt, ich kann Ihnen aber sagen, daß Sie uns auch von der andern Seite kennen lernen. Das kann so nicht weiter gehen hier. Wenn die Dinge aber so weiter gehen, dann hebenwireinfachdieBerfas. sung auf und verleiben Sie Preußen ein." Der Kaiser sagte

A«5 den Parlamenten.

Das Debüt derKurzen Anfragen" int Reichstag; Militäretat u. Flottenvor­lage; die Sozialdemokratie gegen di« Flottenvorlage; Annahme der Vorlage. >

Im Reichstage fand gestern das Debüt bet neugeschasfenen Institution derkurzen Anfragen" statt. Die Sozialdemokraten hat­ten es sich nicht nehmen lassen, nach dieser Rich­tung hin als die Ersten auf dem Plane tu er­scheinen. Der Abgeordnete Dr. Frank fragt« Mmens seiner Lreunde iveacn der .Stellung

Nicht die Grafen stader Angelegenheit allein, sondern auch weiter Zurückliegendes hat den Kaiser verstimmt und ihn dazu hingerissen, Wendungen zu 'gebrauchen, die (Wie man fürch. ten muß) das Gegenteil von dem bewirken werden, war der Kaiser vielleicht bezwecken wollte. Denn vom Rechtsstandpunkt aus und nach den verfassungsmäßigen Besttmmungen gewertet, bedeuten die Straßburger Kaiser- werte einfach etwas Unhaltbares: Eine Aufhebung der reichsländischenVerfassung,wi« sie der Kaiser angedroht hat, wäre ein Staats­streich und ein ungesetzlicher Gewaltakt. Di« Verfassung ist vom Reichstag und vom BundeSrat verliehen worden und kann ohne Zustimmun-z des Reichstags und bet deutschen Bundesfürsten nicht geändert, ge­schweige denn aufgehoben werden. Praktisch durchführbar ist die Drohung des Kaisers also nicht, und Das ist's grade, waS die Straßbur­ger Rede bedenklich macht, denn es ist klar, daß die reichsseindlichen fireife Elsatz-Lothringens die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen wer­den, auS der kaiserlichen Drohung Kapital zu schlagen und sie für die Zwecke der antideut. scheu Agitation nutzbar zu machen. Im all- gemeinen wird man es begrüßen dürfen,

Sie Banditenburg bei Pari».

Eine neue Apachen-Schlacht bet Paris; der Sturm auf die Banditenbnrg; die Banditen Garnier und Ballet getötet!

Die Pariser Polizei, die den Kampf gegen die Autobanditen seit Wochen mit dem Mute der Verzweiflung führt, hat gestern den Verbrechern eine neue Schlacht geliefert. Die Polizei wurde am Dienstag vormittag in» armiert, daß sich die Automobilbanditen Garnier und Ballet in einem Hanse an der Mülhauser Brücke auf dem Gebiet von Per- reux, in der Nähe von Paris, aufhielten. DaS Haus wurde von Polizisten umstellt und-di« Banditen aufgefordert, sich zu ergeben, die je. doch mit Revolvern und Gewehrschüssen ant. warteten. Der Polizeiinspektor Fleury wurde schwer verwundet. Ueber den sich nun «ntspinnenden Belagerungskampf erhalten toit folgende Meldungen:

Sturm auf die Bauditeuvilla.

(Privat-Telegramm.) \

Paris, 15. Mai.

Die Villa, in der sich die Banditen verschanzt hatten, liegt unweit eines EisenbahnviadukteS der Marne in Rogent für Marne. Der Poli­zeipräfett Lspine erschien nachmittags per- sönlich auf dem Kampfplatz. Sett drei Uhr nachmittags tobte ein regelrechter Kampf. T«. lephonisch wurden Zuaven herbeigerufen, die alle Straßen absperrten. Für die Polizei wur­den Stahlschilder herbeigeholt. Kurz nach acht. Uhr abends gingen die Angreifer zum Sturm gegen die Billa vor. Einige Polizisten erlletterten das HauS, rissen daS Dach auf und warfen Pflastersteine hinunter. Als um halb neun Uhr die Banditen das Feuer eine Zeitlang einstellten, ging man mit Dynamitbom­ben gegen das Haus vor. Nach mehreren ver­geblichen Versuchen stürzte endlich ein Tell deS Hauses ein. Rach der Explosion trat einer der Banditen vor daS HauS und gab mehrere Schüsse ab. DaS HauS wurde durch Schein. Werfer beleuchtet. Außer dem Polizeiinspektor Fleury wurden ein Polizist und ein Landbe­wohner verwundet. Um neun Uhr abend» wurde ein Polizist, der sich zu weit vorgewagt hatte, erschossen.

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baß der Kaiser seine Anwesenheit in Straß­burg dazu benutzt hat, unzweideutig kund zu tun, daß die Reichsregierung sich die sortwäh. ronde Brüskierung und Provozierung durch bte elsaß-lothringische Opposition nicht bieten las­sen wird. Damit hängt wahrscheinlich auch die Verleihung des Titels Exzellenz an den Unter, staatssekretär Mandel zusammen, gegen den sich die letzte Aktion hauptsächlich richtete. Be. bäuerlich bleibt nur, daß bi« kaiserlichen Kundgebungen sich erst gegen die F o l g e n einer Handlung richten, vor der die gesamte natio­nale Presse die Reichsregierung immer wieder eindringlichst gewarnt hat. Denn daß die Ver­leihung einer Verfassung an Elsaß,Loth­ringen dort n i ch t diegoldnen Früchte" tragen werde, die speziell Herrn Theobald von B eth - mann Hollweg erhofft hatte, das ist nach­gerade auch den stärksten Optimisten klar ge­worden. Und von diesem Standpunkt aus betrachtet richtet sich das zornige Kaiserwori an der Straßburger Diuertafel mehr fast noch gegen dein Kanzler als denVater der Reichsland-Verfassung", als gegen die Reichs­länder selbst, die imgrunde ja nur tun (oder getan haben), was zu tun ihnen durch Herrn von Bethmann Hollweg erst ermöglicht wurde. So rächen sich die Sünden der Schwäche, die sich im letzten Sommer noch stolz und mutigGröße" nannte! F. H.

Marschall: Botschafter in London!

Vierundzwanzig Stunden Verspätung.

Endlich, vierundzwanzig Stunden später, als man angenommen hatte, bat nun gestern abend die Norddeutsche Allgemeine Zeitung die offizielle Meldung von der Ernennung des Freiherrn von Marschall zum deut­schen Botschafter in London gebracht. Da sich die Presse seit zwei Wochen mit Herrn von Marschalls Vergangenheit und Zukunft ausgiebig beschäftigt hat, so läßt sich über die Tatsache der nunmehr erfolgten Ernennung eigentlich nichts Neues mehr sagen. Man kann nur erneut seine Verwunderung aussprechen, daß es Herrn von Marschall, der sich sett 1897 (welcher Botschafter ist je unter dem neuen Kurse so lange auf einem Posten geblieben) am Goldenen Horn eine angesehene Stellung geschaffen und als Balkanautorität eine gewisse internationale Achtung genießt, noch nach

Friedrich der Achte von Dauemart.

' König Fr ied rich d er Achte wurde nm brüten Juni 1843 als Sohn des Königs Chri. l'ttan bei Neunten unb seiner Gemahlin Luise, einer geborenen PrinzessinvonHessen, geboren: er hat allo ein Alter von achtund­sechzig Jahren erreicht. Der damalige Kron­prinz folgte seinemVater am neununbzwanzig- ften Januar 1906 auf dem Thron. Als junger Leutnant machte er den Feldzug von 1864 mit. Er hat ttr Oxford studiert und sich dort den ju- risttschen Toktortitel geholt. Am achtundzwan- zigsten Juli 1869 vermählte sich Kronprinz Frie­drich mit der schwedischen Prinzessin Souifa, bte ihm vier Söhne unb vier Töchter geschentt hat. Der älteste Sohn C hr i st i a n, der jetzige König, wurde am sechsunbzwanzigsten Septem- der 1870 geboren: er steht also bereits im zwei- unbvierzigsten Lebensjahre unb ist feit 1898 mit der Prinzessin Alexandrine von Mecklenburg- Schwerin vermählt. König Friedrichs zweiter Sohn K a r l, der die englische Prinzessin Maud zur Gemahlin hat, ist bekanntlich seit dem acht, zehnten November 1905 unter dem Namen Hakon bei Siebent« König von Rgrw ea.err> Der verstorbene König war

Londoner Lorbeern gelüstet, denn am zwölf­ten Oktober vollendet der neue Botschafter sein iebzigstes Lebensjahr! Es ist wohl an­zunehmen, daß, nachdem die Ernennung des Freiherrn von Marschall bekannt gegeben Wor­ten ist, die anderen Ernennungen in den nächsten Tagen folgen werden. Wie es heißt, soll der deutsche Gesandte in Athen, Herr von Wangenheim, Marschalls Nachfolger in Konstantinopel werden. Ein ziemlich un­dankbares Geschäft, da an diesem Amte der diplomatische Schutz der in der Türkei leben- den Italiener hängt, eine Sache, die durch die Besetzung der türkischen Inseln im Aegäischen Meere durch die Italiener neuerdings ganz be« anders kompliziert geworden ist. Wie uns ein Privattelegramm aus Konstanti­nopel meldet, hat die Pforte gestern ihre Zu­stimmung zur Ernennung des Freiherrn von Wangenheim als Botschafter am Goldnen Horn erteilt.