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Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 134.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 14. Mai 1912.

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Wir Flieger und der Lod.

Die Sieger und Opfer der Lüfte.

Anläßlich der erschütternden Flieger- Katastrophe, die stch gestern bet den Schau­fl ügen auf dem Befielet Forst ereignete und der einer unsrer besten Flieger zum Opfer gefallen ist, wird un« von einem unsrer namhaftesten und geschätztesten Flugzeugführer geschrieben:

Die vielen tödlichen und ihren Wirkungen verhängnisvollen Fliegerabstürze der letzten Tage sind in einer Zeit, da das Eis zu schmelzen beginnt, das eine Begeisterung für das Flugzeug in Deutschland noch immer nicht hatte aufkommen lassen, und da im gan­zen Reiche für den weiteren Ausbau des deut­schen Flugwesens eifrig gesammelt wird, geeig­net, Beunruhigung hervorzurufen; denn eS besteht die Gefahr, daß die für die Sache kaum gewonnenen Kreise wieder bedenklich und der Ueberzeugung werden, die Zahl dieser Un­fälle sei im Verhältnis (mehr als vier Jahre nach Henry FarmanS ersten Kreisslügen) zu groß. Es gibt aber noch eine schlimmere Folge: Denn besonders uns, die wir täglich draußen auf den Flugplätzen über dem Boden kreisen, den das Blut der eben noch unter uns gewese­nen Kameraden düngt, drängt sich die Frage auf: Soll Las so weitergehen? und: Wie kann es anders werden? Das nun schon so ost erlebte Beispiel schreckt, und es sind nicht die Schlechtesten unter uns, die schon beginnen, bei jedem neuen Aufstieg durch das Knattern des eignen Motors das Flügel­rauschen des T o d e s zu hören, der über ihnen kreist. Vor Jahresfrist haben wir es erlebt, daß Dreien unsrer Besten die Nerven ein­fach versagten, unter dem frischen Ein­druck des schrecklichen Absturzes von Schendel und Voß. Und jetzt, kurz vor dem Beginn der großen Ueberlandflüge, sind die neuen Fälle nicht grabe Ermutigung.

Darum ist niemand so beteiligt und nie­mand so befugt, nach den Gründen zu forschen, und Abhilfe zu fordern, als wir, in deren Hän­den die Flugsache ruht, für die wir täglich von neuem unser Leben in die Schanze schlagen. In diesem letzten Falle war (das wurde über­einstimmend festgestellt) mangelhafte Konstruktion der Anlaß, im Falle davor wahrscheinlich ebenfalls. Dagegen können wir uns schützen. Unsre Organisation hat heute schon die Möglichkeit in solchen Dingen ihren Willen durchzusetzen: Konstruktionen, die nichts taugen, müssen boykottiert werden. Nicht nur der Tode verliert sein Leben, sondern auch die Flugsache verliert es. So dicht gesät sind bei uns die Flieger noch nicht, daß wir in einer Woche zwei verlieren dürfen, wir müssen mit unfern kaum zweihundert Piloten sehr haus­hälterisch umgehen. Und dazu bedenken: Jeder Todessturz schreckt vielleicht zehn, die fliegen lernen wollen. Und der Schaden gar, den das Renommee der Sache nach außen hin leidet, ist unberechenbar: Jeder neue Fall läßt all die Zweifler draußen von neuem zweifeln, alle die, deren Geld die Sache bei uns braucht, um den Vorsprung Frankreichs einzuholen, von neuem die Achseln zucken und sagen: Da seht Jhr's! Schon wieder einer! Und damit komme ich zum zweiten. Unter den Toten ist erschreckend groß die Zahl der Jungen: Hoesli und Pach- mayr waren beide erst einundzwanzig Jahre alt. Und viele vor ihnen waren kaum älter.

Das gibt zu denken. Die heute brausen in Johannisthal oder anderwärts auf den Augen­blick warten, in dem sie zum ersten Male selbst die Hand am Steuerrad haben und ihr Flug­zeug nach eigenem Willen lenken werden, sind in der Mehrzahl junge, viele darunter sehr, sehr junge Leute. Da ist es nötig, zu war. neu. So schön und liebenswürdig ihr« srische Begeisterung für die neue, gewaltige Sache ist, so unreif ist sie oft. Sie sollen nicht zurückge- wiesen wenden, denn auch ihre Kraft ist nötig. Aber sie sollten in die Konstruktions- Werkstätten gehen, oder sich anders der Sache dienlich machen: Nur das Fliegen sollten sie lassen und es für später aufheben. Sonst folgen nicht wenige von ihnen den Weg, den die Altersgenossen gingen, sonst schaden sie der Sache, statt ihr zu nützen. Der Flug braucht Männer! Eiserne Körper und Nerven wie Stahlseile, Männer, die wissen, was sie sich zu. muten dürfen, die Herr über sich selbst sind und in jeder, selbst der gesährlichsten Situation, Wis­sen, was sie zu tun haben. An höchster Stelle ist jüngst gesagt worden: Das Flugzeug sei kein Werkzeug der Todes, aber auch kein Spielzeug. Di« Folgerung daraus lautet: Für ben aber, der es zum Spielzeug macht, wird e8 zum Werk­zeug des Todes.

Das Fliegen ist eine « rnste Sache, ist vor. läufig kein Sport, sondern es ist eine Wissen-

togft DgxM sind Fliese; nötig, die diese

Wissenschaft kennen, die mehr sind als bloße Chauffeure des Flugzeuges, Leute, die durch ihre Flugtätigkeit die Sache des Fluges weiter­zubringen verstehen. Keine Heißsporne, die nach dem ersten gelungenen größern Alleinflug glau. ben, nun sei das Lustreich ihrer; es gebe für sie in der Höhe und in der Weite keine Grenzen, und der Boden da unten, irgendwo tief da un­ten, der berge keine Gefahren. Schendel war so einer, darum trug er für Die, die zu sehen wuß­ten) schon vorher den Stempel des Todes aus der Stirn. Und es kam, wie es kommen mußte. Er starb den Fliegertod, einen echten, schönen Fliegertod, zwar in unaufhaltsamem gewaltigen Sturz aus sechzehnhundert Metern Höhe. Aber was hilft die Schönheit dieses To. des! Tod ist Tod! Sterben wollen wir ihn alle Nicht, vor allen Dingen jene Jungen nicht. Und meist kommt er dazu noch in lächerlicher Weise, nicht sechzehnhundert Meter hoch, wenn der Blick frei ist in die untergehende Abend­sonne und aus die in Dämmerung liegende Erde, sondern tief unten, fünf bis zehn Meter über dem Boden, bei einer ungeschickten Wendung, wenn es erst -gilt, fliegen zu können. Bloß hoch und west fliegen ist leicht; das Kön­nen wir alle. Aber der Flieger muß mehr können: Er muß der Herr seines Flug, z e u g s sein, wenn er ein Sieger in den Lüsten werden will. Und hier, scheints, mangelts an Erkenntnis, an Selbstkritik und kluger Mäßi­gung. Und die Zahl der Opfer wächst Tag um Tag...! P. E.

Sie Flieger streiken!

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 13. Mai.

Das schöne Wetter am gestrigen Sonn­tag nachmittag hatte eine große Anzahl Besucher nach dem Flugplatz Johannis- t a l gelockt. Doch Stunde um Stunde verging, ohne daß sich wie sonst die Flugzeugschuppen öffneten und die Flugapparate herauskamen, um ihren Flug zu beginnen: Die Johan- nistaler Flieger streikten! Infolge eines in der letzten Sitzung der deutschen Flug­zeugführer gefaßten Beschlusses unternahm kein einziger Flieger Flüge, da die sa­nitären Einrichtungen auf dein Flug­platz Johannistal nach Ansicht der Flieger nicht den zu stellenden Anforderungen genügen. Die Flüge sollen solange unterbleiben, bis die Flugplatzverwaltung für entsprechende Verbes­serungen Sorge getragen hat.

Las Karlsruher Rendezvous.

Nach den politischen Konferenzen.

Unmittelbar nach der Ankunft der Kaisers im großherzoglichen Schlosse in Karlsruhe wurde am Sonnabend Freiherr Marschall von Biber st ein vorn Kaiser zu einstündi- gem Vortrag empfangen, dem später der Reichskanzler und Staatssekretär von Kiderlen-Waechter beiwohnten. Am Spätnachmittag hötte der Kaiser die Vorträge des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg und des Staatssekretärs von Kiderlen-Waechter. Weiter wird uns berichtet:

Karlsruhe, 13. Mai.

(Privat-Telegram m.)

Rach dem Tee, der im Palais des Prinzen Mar eingenommen wurde, kehrte der Kaiser am Sonnabend abend in das großherzogliche Residenzschloß zurück und empfing dort den Reichskanzler und Staatssekretär von Kiderlen-Waechter. Es gilt in unter­richteten Kreisen als sicher, daß sowohl im Vor­trag des Frhrn. von Marschall, wie auch in den Vorträgen des Reichskanzlers und des Staats­sekretärs die durch den italienisch-türki­schen Krieg geschaffene Lage und vor allem unsere jetzigen Beziehungen und die Ge­staltung unserer künftigen Beziehun­gen zuEngland erörtert worden sind. Tie offizielle Bekanntgabe der Ernennung deS Frei- Herrn von Marschall zum Botschafter in London und des Herrn von Wangenheim zum Botschafter in Konstantinopel wird erst nach der Abreise des Kaisers von Karlsruhe und der Ankunft des Reichskanzlers in Berlin erwartet. Der Kaiser reift heute nach Straß­burg; der Reichskanzler ist heute früh wieder in Berlin eingetroffen, Marschall von Biber­stein und Kiderlen-Waechter reifen heute abend von Karlsruhe ab.

Vor Lptimisums wird gewarnt!

Ein Privattelegramm meldet uns aus London: Die »Times" widmen der Er­nennung des Freiherrn Marschall von Biberstein zum Londoner Botschafter eine län­gere Besprechung, in der ausaefübrt wird: Wenn wir einerseits angenehm davon be­rührt sinh, daß wir den besten deutschen Dip­

lomaten erhalten, so können wir es doch nicht verhehlen, unser Erstaunen darüber auszudrük- ken, welchen Eindruck diese Ernennung al­lenthalben gemacht hat. Wir haben keinen Grund, zu glauben, daß die Politik der deut­schen Regierung in letzter Zeit wichtige Aenhe- ntngen erfahren hat. Unsere Politik bleibt, wie sie seit Jahren unter ben ver- schiebenen Regierungen gewesen ist. Die wahre Natur unserer Beziehungen zu Deutschland ist wiederholt von maßgebenden Politikern ge­kennzeichnet worden, und diese Erklärungen ha­ben niemals eine Aend erung erfah­ren, denn die Politik, auf die stch diese Aeuße- rungen beziehen, ist stets die gleiche geblieben. Sir Edward Grey hat vor sieben Jahren er­klärt: »Was England auch gegenüber Deutsch­land tue; es sei n ich t geeignet, die guten Be­ziehungen Englands zu Frankreich zu beeinträchtigen." Und das, was unsere Po­litik vor sieben Jahren war, das ist sie auch heute noch.

Der Tag des Gerichts.

Nattonalliberaler Parteitag in Berlin.

Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus dem ganzen Reiche fand ge­stern in den Kammersälen in Berlin der vierzehnte nationalliberale Vertre­ter tag statt, der zu den vom Zentralvorstand vorgeschlagenen Satzungsänderungen Stellung zu nehmen hatte. Den Vorsitz führte Vizepräsi­dent Reichstagsabgeordneter Dr. P a a s ch e. Die Vorschläge des Zentralvorstandes be­zwecken in der Hauptsache, die Einzelvereine der nationalliberal enJugend an die landschaftlichen Organisationen a n z u s ch l i e. ß en. Der Reichsperband der nationalliberalen Jugend als solcher soll keine eigene Vertretung im Zentralvorstand haben, vielmehr werben die einzelnen landschaftlichen Organisationen Dele. gierte je nach der Zahl ihrer Mitglieder entsen­den, wobei natürlich auch die Zahl der Jung, liberalen zu berücksichtigen ist. Die Satzungs- änberungen werben schließlich unter stürmischem Beifall ohne Widerspruch en bloe angenommen. Hieraus hielt Reichstagsabgeordneter Vas- sermann eine programmatische Rede über die politische Sage. Er wurde von der Ver­sammlung mit lebhaften Bravorufen unb mit Händeklatschen empfangen, wo. für er dankte, da dies ihmein Ausgleich für manche schwere Stunden in den letzten Wochen" sei; er führte bann aus: Die Waffen tu. hen in der nationalliberalen Panei. Mr ha­ben einen Vergleich abgeschlossen und ich denke, es ist ein guter Vergleich. Die hohe Bedeutung der nattonalliberalen Partei ist im diesen Strei. tigfeiten wieder so recht klar geworden; denn die ganze öffentliche Diskussion drehte stch um die uns bewegende Frage: »Fried« oder Krieg?- *

Die Jungen und die Alieu.

Bassermann führte dann Weiter aus: Ge­wisse Gegensätze zwischen Jung und Alt .wird es immer geben, wie es auch in jeder Partei einen rechten und linken Flügel gibt. Aber in Bayern, in Baden, sowie im Rhein, land, hat die nationalföberale Fugend in schwe­ren Zeiten Schulter an Schulter mit ben Alten gekämpft. Auch diejenigen Herren, bie die Anträge an den Zentralvorstand stellten, wollen die Jugend nicht entbehren. Der Red­ner kam sodann auf die gegenwärtige politische Lage zu sprechen. Man befinde stch in einer unbeha glichen Periode bei Völker­gegensätze und der inneren Gä­rungsprozesse. Die Regierungspolitik sei nicht beftiedigenb. Man schiebt die Lösung der Probleme beiseite, darunter auch die Wahl, rechtsresorm und dir Frage der allgemeinen Besitzsteuer. Diese Fragen müssen aber gelost werden, weil einmal der Tag kommen wird, an dem die Reichsfinanzreform ausgeglichen wirb. Unfroh, müde und glücklos zieht bie;« Regierungspolitik bahin. Sodann schilderte ber Redner das Verhältnis der nationalliberalen Partei zu den anderen Parteien. Ei kam dabei zu dem Schluffe, daß Sozialdemokratie und Zentrum die grimmigsten Gegner der national üb eralen Partei bleiben muffen, daß die Nationalliberalen an der Verschlechterung ber Verhältnisse mit ben Konservativen nicht schuld feien, und daß die Nationalliberalen je- derzeit takttsch mit ber Volkspartei z u. fammen gehen müßten. Ein Block von Be­bel bis Bassermann sei aber eine Utopie. Der Redner erörterte schließlich eingehenb die Auf­gaben der nattonalliberalen Partei, die nach Wie vor eine volkstümliche, nationale Politik treu bin müsse.

Borchardt-Gericht im Landtag.

Präsident von Erffa gerechtfertigt.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 13. Mai.

Tas Abgeorbnetenhaus bot heute bei Beginn ber Sitzung äußerlich ein Bilb, als wenn ein großer Tag beborftänbe; wenig­stens batte man btefen Einbruck. wenn man bie bichtbesetzten Tribünen betrachtete. Viele Be- fucher erhofften MhMejMK M« neue Sen­

sation. Jrn Saale sanden sich die Herren Volks- bertreter in Scharen ein: Seit langer Zeit sah das Haus keine so gute Besetzung wie heute. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnete die Sitzung kurz nach elf Uhr. Präsident Freiherr von Erffa hatte unter seinen Parteigenossen auf der rechten Seite des Hauses Platz genom­men. Nach der Erledigung einiger geschäft­licher Sachen verlas Dr. Porsch den ersten Punkt ber" Tagesordnung: Entscheidung des Hauses über die Beschwerde des Abge­ordneten Borchardt wegen seiner Maßregelung. Von dem Abgeordneten von Hcydebrand und von den Sozialdemokraten war der Antrag auf namentliche Abstimmung gestellt. Dieser Antrag wurde angenommen. Dr. Porsch leitete nun den langwierigen Akt der Abstimmung durch die üblichen Formali­täten ein. Die namentliche Abstimmung ge­schah durch Namensaufruf. Es bestand von vornherein kein Zweisel darüber, daß bas Haus mit überWäÜigenber Mehrheit sich für die Maßnahmen des Präsidenten Freiherrn von Erffa gegen den Abgeordneten Borchardt entscheiden werde. Ein »Nein" war bei der Abstimmung saft gar nicht zu hören; nur bie Sozialbemokralen und bie Däne«, stimmten in biefer Weise ab, während die Po­len zumeist nicht anwesend waren. Um zwölf Uhr verkündete Vizepräsident Dr. Porsch das Gesamttesultat der Abstimmung: Zusammen haben 334 Abgeordnete abgestimmt, da­von 319 mitJa", 8 Abgeordnete mitNein". Sieben Abgeordnete haben sich der Abstim­mung enthalten. Die Bekanntgabe ber Ab­stimmung würbe von ben Sozialbemokraten mit lauten Zurufen ausgenommen. Das Haus ging hierauf zum nächsten Gegenstand ber Tagesorbnung über.

Das Drama auf Dem Forst. Der Tobessturz des Fliegers Han« Schmigulski; falsche Seitensteuerung als Ursache der Katastrophe; erschüt­ternde Einzelheiten desFliegernnfalls.

Wie dieCasseler Neuesten Rach, richten" bereits gestern abend in einem ausführlichen Extrablatt mitteilte«, ftürgte am Sonntag nachmittag bei den auf dem Forst von den Fliegern Abel- mann und Schmigulski veranstalteten Schauslügen der Pilot Hans S ch mst gnlski auS Hamburg aus etwa vier- zig Meter Höhe ab und starb nach einer Viertelstunde. Die Glieder des Fliegers waren völlig gebrochen. Da» rechte Bein wurde von den Drähte« des abstürzenden Apparats durchschnit­ten, ebenso ber Hals am Kehlkopf. Der Absturz ist auf falsche Sei. tensteuerung zurückzuführen. Der Flieger hinterläßt eine Fran und ein Kind. Wir geben nachstehend eine Schil­derung der schreckliche« Katastrophe. Lachender Sonnenschein; die Lust ist noch ruhig. »Die Flieger scheinen wirklich gutes Wetter zu bekommen." Mtt diesen Worten be­stieg ich bie Elektrische, um hinaus nach dem Forst zu sahren, auf dem die Flieger Karl Abelmann und HanS Schmignlski ihre Schauflüge veranstalten wollten. Noch lag ber herrlichste Sonnenschein über dem Flugplatz, und nur in Weiter Ferne stiegen schwarze Wölk, chen auf. Auf dem Forst angekommen, ging ich zunächst durch die kleine Pforte in der Nähe des Schuppens, auf den Flugplatz und zu den im Schuppen befindlichen beiden Grabe-Ein- beefern. Mit freundlichem Händedruck begrüß­ten mich die beiden Piloten, die ich jetzt mei­ner Begleiterin vorstellte. Ter zweite Ap. parat, der eigenttich schon am Sonnabend an Ort und Stelle sein sollte, war nun auch von den Grade-Werken in Bork angekommen, und geschäftig Waren sowohl die Flieger, alS auch der Monteur bei der Arbeit, den neuen Appa­rat zusammen zu bauen. Bald war die Arbeit vollbracht, und einige Minuten blieben zu fröh­lichem Plaudern. Mit Rücksicht auf den drohen, den Himmel bemerkte ich: »Es scheint beute doch sehr windig zu sein. Ich glaube, eS Wird einige Schwierigkeiten geben," worauf Schmi­lz u l s k i antwortete: »Gegen Abend Wird «S besser." Schmigulski stand bei mir am Ausgang des Schuppens, nahm eine ihm angebotenc Zi­garette an, und bald bliesen wir beide

fröhlich lachend und plaudernd blaue Rauchwölkchen in die Luft. »Also Tie fahren nachher mit," lud er nach einer Weile ein, und gern nahm ich das freundliche Anerbieten an. Jetzt zog bie Dame, die mit mir war, eine Karte, Schmigulski im Flug­apparat darstellend, aus der Tasche und ich bat ihn, seinen Namen auf die Karte zu setzen, was er auch berettwilligst tat mit dem Bemerke«: »Ach, so viel ist doch nicht an meiner Unter- schrift ged-en! ... Ktz war fein« letzt,